Hedis Hochzeit

Ein Film von Moha­med Ben Attia.

Im ers­ten Bild von HEDIS HOCHZEIT bin­det der Prot­ago­nist Hedi (Majd Mas­tou­ra) sei­nen Schlips, um zu sei­ner unge­lieb­ten Arbeit zu gehen. Den schnö­den Ver­tre­ter­job bei Peu­geot hat ihm sei­ne Mut­ter (Sabah Bouz­oui­ta) besorgt, genau­so wie die hüb­sche jun­ge Frau, die Hedi bald hei­ra­ten soll. Der 25-jäh­ri­ge Sohn lässt es sto­isch über sich erge­hen. Zwar ver­steht er sich gut mit der ange­dach­ten Braut, die er nachts heim­lich zum Reden im Auto trifft, doch tat­säch­lich wür­de er lie­ber selbst über sein Leben bestim­men. Da wären etwa sei­ne Comic­strips, die er gern ver­öf­fent­li­chen will. Als Hedis älte­rer Bru­der für die Ver­mäh­lung von Frank­reich in die alte Hei­mat reist, läuft das Fass über. Die Mut­ter lobt den Bru­der in den Him­mel, blickt mit Sor­ge auf den pas­si­ven Hedi und macht kei­nen Hehl dar­aus, dass sie ihm nichts zutraut. Hedi sei­ner­seits nutzt eine Dienst­rei­se in den Tou­ris­ten­ort Mah­dia, um sich abzu­sei­len. Er trifft die Tän­ze­rin Rim (Rym Ben Mas­saoud), ver­liebt sich, ver­bringt eine schö­ne Zeit – und erteilt den Zwän­gen eine Abfuhr.

Es ent­behrt nicht einer gewis­sen Iro­nie, dass in die­ser Geschich­te ein Mann im Zen­trum steht, der in die Kon­ven­tio­nen sei­nes eigent­lich ja patri­ar­cha­lisch orga­ni­sier­ten Lan­des ein­ge­schnürt ist. Frau­en, allen vor­an die erdrü­cken­de Mut­ter, bestim­men sein Leben. Zau­dernd schau­felt sich der intro­ver­tier­te Hedi frei, und führt den ara­bi­schen Früh­ling, der hier im Hin­ter­grund wabert, im Pri­va­ten fort. So zer­ris­sen wie den schwan­ken­den Hedi zeich­net Moha­med Ben Attia auch Tune­si­en selbst. Tra­di­ti­on und Moder­ne schnü­ren sich gegen­sei­tig ab. So ist die tune­sisch-bel­gisch-fran­zö­si­sche Kopro­duk­ti­on bei aller All­täg­lich­keit ziem­lich poli­tisch. Auf der Ber­li­na­le gab es Sil­ber­ne Bären für den bes­ten Erst­lings­film und den bes­ten Haupt­dar­stel­ler, der das stil­le Dra­ma trägt und der Zwangs­la­ge des Titel­hel­den ein mar­kan­tes Gesicht gibt.    (Chris­ti­an Horn in Indie­ki­no)

Ber­li­na­le 2016: Sil­ber­ner Bär für Ben Attia Preis für den bes­ten Erst­lings­film
Ber­li­na­le 2016: Sil­ber­ner Bär für Majd Mas­tou­ra als bes­ter Schau­spie­ler

Inheb­bek Hedi
Tunesien/Belgien/Frankreich 2016, 88 Min., arab. OmU

Regie: Moha­med Ben Attia
Dreh­buch: Moha­med Ben Attia
Kame­ra: Frédé­ric Noir­hom­me
Schnitt: Azza Chaa­bouni, Gha­lya Lac­roix, Hafedh Laaridhi
Dar­stel­ler: Majd Mas­tou­ra, Rym Ben Messaoud, Sabah Bouz­oui­ta