Mali Blues

Ein Film von Lutz Gregor.

Die Wiege des Blues ist Mali zwar nicht, doch der dop­pel­deu­ti­ge Titel, den Lutz Gregor sei­nem Film gibt, war wohl zu ver­füh­re­risch. Denn seit Jahren beherrscht Verzweiflung das rie­si­ge west­afri­ka­ni­sche Land, wird gut die Hälfte der Staatsfläche von Islamisten kon­trol­liert, dar­un­ter auch die legen­dä­re Wüstenstadt Timbuktu. Dort, am Rand der Sahara, fand jah­re­lang das „Festival au Désert“ statt, bei dem Vertreter der unter­schied­lichs­ten Volksgruppen Malis zusam­men­ka­men und mit Musik gegen die immer wie­der auf­flam­men­den Bürgerkriege kämpften.

Nun haben die Islamisten welt­li­che Musik kom­plett ver­bo­ten, doch in der weit ent­fern­ten Hauptstadt Bamako wol­len das diver­se Musiker nicht ein­fach so hin­neh­men. Bassekou Kouyaté etwa, ein Griot, der sein tra­di­tio­nel­les Saiteninstrument Ngoni elek­tri­fi­ziert hat und damit einen ganz eige­nen Sound kre­iert. Oder der Rapper Master Soumy, selbst ein Muslim, der vehe­ment gegen den Missbrauch sei­ner Religion ansingt. Aus Timbuktu geflo­hen ist der Tuareg Ahmed Ag Kaedi, der eben­so elek­tri­sche Gitarre spielt wie die bis­lang vor allem im Ausland bekann­te Fatoumata Diawara, die nach Jahren des Exils in ihre Heimat zurück­ge­kehrt ist. Sie alle beob­ach­tet Gregor in sei­nem lose struk­tu­rier­ten Film, der nicht so sehr die Hintergründe des aktu­el­len Konflikts, die Probleme Malis oder die Geschichte sei­ner Musik the­ma­ti­siert, son­dern vor allem als Stimmungsbild funk­tio­niert. Auf den Straßen und Märkten Bamakos hat Gregor gefilmt, in den Clubs der Metropole, aber auch auf dem Land und immer wie­der am Niger, der Lebensader des Landes. An des­sen Ufer fin­det nun ein neu­es Festival statt, nicht mehr in der Wüste also, aber mit den­sel­ben Intentionen: mit Hilfe der Musik, den viel­fäl­ti­gen Traditionen, gemischt mit moder­nen Einflüssen und Stilrichtungen, die unter­schied­li­chen Volksgruppen Malis zusam­men­zu­brin­gen und dem Diktat der Islamisten die Stirn zu bieten.
Michael Meyns

Deutschland/Mali 2016, 90 Min., bam­ba­ra, ara­bisch, frz. OmU
Regie: Lutz Gregor
Kamera: Axel Schneppat
Schnitt: Markus Schmidt, Michelle Barbin
Verleihwebseite