Die Geschwister

Die Geschwister

Ein Film von Jan Krü­ger. Ab 3.11. im fsk. Pre­mie­re am 2.11..

Thies arbei­tet für eine Immo­bi­li­en­ver­wal­tung und weiß des­halb, wer auf dem ange­spann­ten Ber­li­ner Markt eine Chan­ce auf eine Woh­nung hat und wer nicht. Die Geschwis­ter Bru­no und Son­ja, die er bei einer Woh­nungs­be­sich­ti­gung ken­nen­lernt, haben ohne fes­tes Ein­kom­men und einem unge­klär­ten Auf­ent­halts­sta­tus kaum wel­che. Thies besorgt den bei­den Geschwis­tern eine kos­ten­lo­se Unter­kunft unter der Hand, beginnt eine Affä­re mit Bru­no und ver­strickt sich immer tie­fer in das Schick­sal zwei­er Men­schen, die aus ihrer Hei­mat geflo­hen sind.

Eine Inspi­ra­ti­on beim Erfin­den der Geschich­te war mei­ne Erin­ne­rung an das Grimm­sche Mär­chen ‚Brü­der­chen und Schwes­ter­chen‘: nach der Ver­wand­lung von Brü­der­chen in ein Reh sorgt Schwes­ter­chen für bei­de, darf dafür des Nachts ihren Kopf weich bet­ten. Als schließ­li­ch der Königs­sohn auf­taucht erklärt sie, ihm nur unter einer Bedin­gung aufs Schloss zu fol­gen: „Aber das Reh­chen muss auch mit, das ver­lass ich nicht.“ – Eine Ent­schlos­sen­heit, die mich schon als Kind beein­druckt hat.

Die Geschlech­ter­rol­len sind heu­te offe­ner, als Palast tut es auch eine 3-Zimmer-Wohnung. Den­no­ch ist der zen­tra­le Kon­flikt in DIE GESCHWISTER eben die­ser: eine soli­da­ri­sche Schick­sals­ge­mein­schaft wird von einer roman­ti­schen Bezie­hung auf die Pro­be gestellt.

Vor dem Hin­ter­grund der aktu­el­len Flücht­lings­be­we­gun­gen scheint die­ser ‚pri­va­te‘ Zugriff viel­leicht als pri­vi­le­gier­te Per­spek­ti­ve. Und tat­säch­li­ch müs­sen Son­ja und Bru­no nicht im Frei­en cam­pie­ren, von Not und (poli­zei­li­cher) Ver­fol­gung taucht höchs­tens eine Ahnung auf. So jedoch bleibt, wie ich hof­fe, Platz für etwas ande­res: für eine Begeg­nung auf Augen­hö­he, die Fra­gen von Öko­no­mie und Sta­tus nicht aus­blen­det, und doch wagt, nach etwas uni­ver­sel­le­rem – einer Uto­pie von gemein­sa­mer Nähe – als Gegen­teil von Ein­sam­keit? – zu suchen.“  Jan Krü­ger

D 2016, 90 Min.
Regie, Buch: Jan Krü­ger
Mit: Vla­di­mir Bur­la­kov, Juli­us Nitsch­koff, Iri­na Pota­pen­ko u.a.
Kame­ra: Jen­ny Lou Zie­gel
Schnitt: Nata­li Bar­rey