Der Fall Sarah und Saleem

Ein Film von Mua­yad Ala­yan. Ab 14. März im fsk.

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Sarah (Siva­ne Kretch­ner) ist Israe­lin und betreibt im west­li­chen Teil Jeru­sa­lems ein klei­nes, nicht beson­ders gut gehen­des Café. Einer ihrer Lie­fe­ran­ten ist Saleem (Ade­eb Safadi), ein Paläs­ti­nen­ser, der im öst­li­chen Teil der Stadt lebt. Seit eini­ger Zeit haben sie eine Affä­re, tref­fen sich abends auf einem abge­le­ge­nen Park­platz und ver­brin­gen kur­ze, lei­den­schaft­li­che Momen­te mit­ein­an­der.

Um sein kar­ges Gehalt auf­zu­bes­sern, nimmt Saleem den Vor­schlag sei­nes Schwa­gers an, in die besetz­ten Gebie­te zu fah­ren, um dort Lebens­mit­tel aus­zu­lie­fern. Eines Abends nimmt er Sarah mit, sie fah­ren nach Beth­le­hem, ver­brin­gen ein paar nor­ma­le Momen­te mit­ein­an­der, sit­zen in einem Café, tan­zen. Doch die­ser kur­ze Moment wird für das Paar zum Ver­häng­nis, denn Saleem gerät aus­ge­rech­net mit einem ande­ren Besu­cher der Bar anein­an­der, der schnell erkannt hat, dass Sarah eine Jüdin ist.

Bald sieht sich Saleem mit Vor­wür­fen des Paläs­ti­nen­si­schen Geheim­diens­tes kon­fron­tiert, die er nur mit einer Lüge ent­kräf­ten kann. Eine Lüge, die der Beginn einer Ver­ket­tung von Ereig­nis­sen ist, die nicht nur die jewei­li­gen Ehen aufs Spiel set­zen, son­dern weit­aus schlim­me­re Kon­se­quen­zen haben kann.

Schon von der ers­ten Sze­ne wird die weit­aus grö­ße­re Dimen­si­on deut­lich, auf die Mua­yad Ala­yan in sei­nem zwei­ten Spiel­film abzielt: Aus dem Nichts wird Saleem da in sei­ner Woh­nung von israe­li­schen Sicher­heits­kräf­ten ver­haf­tet, ver­schleppt und in ein Ver­hör­zim­mer gebracht: „Wer ist die Frau, die du rekru­tie­ren woll­test?“ wird er gefragt und schon hier kann man ahnen, wel­che mora­li­schen Kon­flik­te dro­hen.

Zumal Sarahs Mann David (Ishai Golan) Offi­zier der israe­li­schen Armee ist und als sol­cher nicht nur an Aktio­nen in den Paläs­ti­nen­ser­ge­bie­ten betei­ligt ist, son­dern von sei­nen Vor­ge­setz­ten beson­ders kri­tisch beob­ach­tet wird. Etwas über­kon­stru­iert mutet die­se Figu­ren­kon­stel­la­ti­on zwar an, doch dank die­ser über­deut­li­chen Ver­flech­tung von Pri­va­tem und Poli­ti­schem ist es Ala­yan mög­lich, von den mora­li­schen Ver­wer­fun­gen zu erzäh­len, um die es ihm geht.

Dass sowohl Sarah gegen­über David, als auch Saleem gegen­über sei­ner Frau Bisan (Mai­sa Abd Elha­di) ver­su­chen, ers­te Ver­dachts­mo­men­te mit klei­nen Lügen abzu­wie­geln, über­rascht nicht. Dass die­se klei­nen Lügen bald grö­ße­re Pro­ble­me nach sich zie­hen ist eben­falls ein bekann­tes Mus­ter, das hier, im Kon­text des immer noch schwe­len­den Nah­ost-Kon­flikts, jedoch eine zusätz­li­che Dimen­si­on bekommt. Bezeich­nend ist da etwa eine Sze­ne, in der Sarah einer Kol­le­gin die Affä­re gesteht: Nicht von der Affä­re selbst ist die Kol­le­gin über­rascht, son­dern davon, dass Sarah aus­ge­rech­net mit einem Paläs­ti­nen­ser ins Bett geht, scho­ckiert sie. Es sind gera­de die­se klei­nen Momen­te, die viel über eine Gesell­schaft erzäh­len, in der selbst eine an sich so all­täg­li­che Sache wie eine Affä­re poli­tisch sein kann und solch uner­war­te­te Kon­se­quen­zen haben kann, wie sie Mua­yad Ala­yan in sei­nem Dra­ma durch­spielt.

Micha­el Meyns | programmkino.de

 
Credits:

PS/NL/DE/MX 2018, 127 min., Far­be, Arab./Hebr./Engl. OmU
Regie: Mua­yad Ala­yan
Kame­ra: Sebas­ti­an Bock
Schnitt: Sameer Qum­si­y­eh
mit: Mai­sa Abd Elha­di, Ade­eb Safadi, Siva­ne Kretch­ner, Ishai Golan

Ter­mi­ne:

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Trai­ler: