Das 24. Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg findet vom 26.6. bis 5.7. 2018 statt.
Bei uns gibt es am 27., 28., 29..6. und am 3.7. ausgewählte Vorführungen.
Mehr unter: www.jffb.de
Termine:
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Das 24. Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg findet vom 26.6. bis 5.7. 2018 statt.
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Ein Film von Andreas Köhler und Melanie Andernach.
Cabtan Shaash könnte heute Sportminister in Somalia sein, vielleicht sogar Ministerpräsident. Einst war er einer der besten Fußballspieler des Landes, eine Berühmtheit („Wir wären so etwas wie die Töchter von Franz Beckenbauer.“), doch der Bürgerkrieg machte alles zunichte und verstreute die Familie über die ganze Welt. Shaash lebt mit seiner Tochter Yasmin und deren Kindern in Deutschland, einer seiner Brüder in Italien, andere Familienmitglieder in Kanada. Imra, Shaashs 88 Jahre alte Mutter, hat es nach Äthiopien verschlagen, wo sie von ihrer Nichte gepflegt wird. Als Imra plötzlich gezwungen ist, ihr Exil zu verlassen, muss die Familie schnell eine Lösung finden.
Shaash und Yasmin fahren nach Äthiopien und sehen zum ersten Mal seit 30 Jahren ihre Mutter und Großmutter wieder. Die Emotionen schießen über, unterschiedliche Erfahrungen prallen aufeinander. Der Besuch aus Deutschland ist geschockt über die slumartigen Lebensumstände und wird mit hohen Erwartungen konfrontiert. Und über allem schwebt die Frage: Was passiert mit Imra?
„ (…) eine geerdete Variante zur breit angelegten Doku Human Flow von Ai Weiwei.“
Christian Horn, programmkino.de
Gewinner „Bester Dokumentarfilm” auf dem Max-Ophüls Festival 2018
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Credits:
Deutschland 2018, 91 Min., Dt., Som., Ital. mit dt. UT
Regie: Andreas Köhler, Melanie Andernach
Kamera: Andreas Köhler
Schnitt: Nicole Kortlüke, Carina Mergens
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Termine:
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Die 4. Ausgabe des skandinavischen Filmfestivals bringt wieder neue Filme aus Island, Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen.
Alle Filme im original mit deutschen Untertiteln.
Yarden / The Yard Der Journalist und alleinerziehende Vater Anders verliert seine Arbeit, nachdem er eine Rezension seines eigenen Buches veröffentlicht hat. Um Arbeitslosigkeit zu vermeiden, nimmt er eine Stelle bei Yarden, der Verladestation für PKWs im Hafen von Malmö, an. Beim dem Job wird seine Identität auf eine fünfstellige Nummer reduziert. Und die Beziehung zu seinem pubertären Sohn wird durch den neuen Job auch nicht einfacher.
Schweden/D 2016, 80 min, schwed. OmU, Regie: Måns Månsson
Fantasten Claus führt ein Doppelleben. Am Tag verkauft er erfolgreich Autos in der Kopenhagener Innenstadt, gibt sich als smarter Geschäftsmann, in der Nacht wird er zum leidenschaftlichen Spieler am Poker- oder Roulette-Tisch. Als Claus in erhebliche Spielschulden gerät, hat sein 19-jähriger Sohn Silas plötzlich eine Gruppe krimineller gewalttätiger Männer am Hals. Claus muß sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzen, um seinen Sohn zu retten.
Dänemark 2017, 97 min., dän. OmU Regie: Christian Dyekjær
Viraali / Virality Das große Spiel mit dem Bitcoin-Hype bringt vier Charaktere im modernen Helsinki auf unterschiedlichste Weise zusammen. Ein Polizist mit großem Interesse an einer aufstrebenden Cellistin, ein intelligenter Hacker, ein junger erfolgssüchtiger Rapper und ein geschiedener Bankkaufmann werden dabei Teil einer spannungsgeladenen Kriminalgeschichte.
Finnland 2017, 110 Min., finn. OmU, Regie: Thomas Laine
Hoggeren / The Tree Feller Den 39-jährigen Anders zieht es weg vom gewöhnlichen Großstadtleben – zurück auf Land, zurück zur Farm seiner verstorbenen Eltern. Sein einziger Wunsch ist es, allein im Wald zu sein und sich beim ziellosen Baumfällen in der körperlichen Arbeit zu verlieren. Die Ruhe wird jedoch wieder und wieder durch seine aufdringlichen Verwandten gestört, mit stetig wichtigen Hinweisen, was er und wie er Dinge zu tun hat.
Norwegen 2017, 82 min, norw. OmU, Regie: Jorunn Myklebust Syversen#
Blóðberg / Homecoming Gunnar, erfolgreicher, dennoch frustrierter Autor von Selbsthilfe-Büchern, hat eine verheimlichte Tochter aus einer früheren Affäre, die nun mit seinem Sohn David liiert ist. Während Gunnar versucht, die junge Beziehung zu sabotieren, wächst ein Lügenberg.
Island 2015, 100 min, isl. OmU, Regie: Björn Hlynur Haraldsson
Keep Frozen Der Job als Hafenarbeiter an den Kais von Reykjavik ist nur etwas für echte Kerle. In 16-Stunden-Schichten entladen sie den tiefgekühlten Fang der riesigen Hochseetrawler. Bei 30 Grad minus, tief im Bauch des Schiffes wuchten sie stoisch 25 Kilo schwere Kartons umher, damit der Kran sie heraushieven kann.
Island 2016, 68 Min., isländische OmU, Regie: Hulda Ros Gudnadottir
Am Montag, 11.6. mit anschließendem Filmgespräch mit Hulda Ros Gudnadottir.

Ein Film von Arash und Arman T. Riahi.
Ein diverses Porträt von Kindheit, erzählt als klassische Held*innenreise.
Die faszinierende wie berührende spielfilmnahe Doku erzählt, wie Kindern und Jugendlichen aus prekären Verhältnissen mit Musik geholfen wird, ihr Leben in den Griff zu kriegen. Die Brüder Arash und Arman T. Riahi haben einige von ihnen ein Jahr lang beim Musizieren begleitet. Als erfahrene Regisseure halten sich dabei stets im Hintergrund und lassen lieber den kleinen Stars den Vortritt – bei Proben, in Familienszenen oder wenn sie vor der Kamera unbefangen und selbstreflektierend von ihren Ängsten und Träumen erzählen.
Ö 2017, 95 Min., Buch und Regie: Arash und Arman T. Riahi, Kamera Mario Minichmayr, Riahi Brothers, Schnitt: David Arno Schwaiger

Ein Film von Stanislaw Mucha.
„Man darf nichts zu verlieren haben, um heute hier leben zu wollen.“ So lautet das Motto über diesem Film, in dem Lachen und Verzweiflung dicht beieinanderliegen. Die „Straße der Knochen“, so genannt nach den sibirischen Zwangsarbeitern, die hier ums Leben kamen oder ermordet wurden, ist auch im modernen Russland eine vergessene Region. Der Sommer ist kurz, der Winter lang – sehr lang – und die Menschen, die sich der Kamera stellen, sind manchmal vielleicht einfach froh, dass sich jemand mit ihnen unterhält. Die Landschaft ist karg, der Permafrost-Boden taut manchmal auf, hier und da liegt Schnee, in der Tundra regnet es häufig, nur selten ist mal die Sonne zu sehen. Die Fahrt beginnt in der Hafenstadt Magadan, einem gottverlassenen Nest, inzwischen Hauptstadt der Region. Links und rechts der Straße sind die Spuren der Sowjetherrschaft zu sehen: die Ruinen der Arbeitslager, verlassene Minen, halb fertige Wohnhäuser. Doch im Mittelpunkt stehen die Menschen, die hier leben. Manche sind hier gestrandet, einige kamen als Flüchtlinge, andere waren Häftlinge, nur wenige haben ihre Wurzeln hier. „Ihr fahrt über einen Friedhof, vergesst das nicht“, sagt der alte Mann, der vielleicht ein Ex-Häftling ist. Früher war Kolyma ein Synonym für den Gulag, für das unmenschliche System der so genannten „Besserungslager“, die als sowjetische Tradition von den Zaren übernommen wurden und bis Ende der 80er Jahre in Betrieb waren. Hunderttausende von Menschen wurden hierher verbannt, viele aus politischen oder religiösen Gründen, aber auch Schwerkriminelle sowie straffällig gewordene Menschen, die je nach Auffassung des jeweiligen Regimes als „sozial schädlich“ galten. Das konnten Adlige sein, aber auch Geschäftsleute. Als Häftlinge leisteten sie Zwangsarbeit, arbeiteten unter elenden Bedingungen in Goldminen oder im Uranabbau, ohne Strahlenschutz. So wird die Fahrt über 2000 Kilometer entlang dem Kolyma zur Reise in die Vergangenheit.
Ähnlich wie in seiner Schwarzmeer-Reise „Tristia“ hat Stanislaw Mucha wieder ein Roadmovie als Filmcollage gedreht. Die Kamera bleibt meist statisch, was ganz gut ist, denn das, was zu sehen ist, muss manchmal erstmal sacken. Die Gesprächspartner, die Stanislaw Mucha gefunden hat, sind eine Auswahl exquisiter Originale, lauter schräge Typen. Da gibt es einen Hobbyphysiker, der seinen Vater mithilfe von Strom verjüngen möchte – das sollte man übrigens keinesfalls versuchen nachzumachen. Eisangler sind zu sehen, Goldgräber mit selbstgebauten Werkzeugen, ein Mann, der ein privates Straflagermuseum aufgebaut hat, Flüchtlinge aus der Ukraine, ein ehemaliger Schwerverbrecher und Zwangsarbeiter, ein zorniger Ex-Soldat lässt sich nur durch Akkordeonklänge beruhigen … Dazu liefert Stanislaw Mucha originelle Bilder aus dem sibirischen Alltag: tiefgekühlte Pferdeköpfe auf dem Markt, Kunst aus Eis, wovon es hier reichlich gibt. Alles ohne Kommentar und Erklärungen, was manchmal etwas verwirrend wirkt, zumal die Chronologie ganz collagetypisch im Hintergrund bleibt. Unterbrochen werden die Interviews von beinahe bizarren Hobby-Kulturpräsentationen. Häufig sind es Kindertanzgruppen, die – ganz im Stil der Ex-Sowjetunion – Tänze und Songs zeigen. Diese skurrilen Revuenummern, gleichzeitig rührend und komisch, tragen ein bisschen Leichtigkeit in den Film, der im Grunde vom Leben mit einer traurigen Vergangenheit handelt, vom Wissen darüber, was Menschen hier anderen Menschen angetan haben. Am Ende gibt es dazu ein interessantes Statement, und vielleicht war die gesamte Reise von 2025 Kilometern bis Jakutsk nur die Vorbereitung für den Schluss. Wie stark strahlt das Leid über dem Land auf die folgenden Generationen ab?
Aber sogar in Sibirien ist die neue Zeit eingezogen: Die fröhliche junge Frau am Hot Dog-Stand kann mit dem Begriff „Gulag“ gar nichts mehr anfangen. Sie versteht „Gulasch“.
Gaby Sikorski | programmkino.de
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Credits:
Deutschland 2017, 85 Min., russisch, deutsche OmU
Buch, Regie: Stanislaw Mucha
Kamera: Enno Endlicher
Schnitt: Stanislaw Mucha, Emil Rosenberger
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Termine:
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Ein Film von Chloé Zhao.
In Chloe Zhaos auch schon wunderbarem Debut Songs my brother taught me fragt eine Lehrerin in einer dokumentarischen Szene ihre Klasse nach den Berufswünschen. Während die Mädchen „Lehrerin“, „Ärztin“, „Sängerin“ und anderes antworten, planen die Jungen unisono eine Karriere als „Bull-“ bzw. „Rodeorider“.
Hier im Reservat lernt die Regisseurin auch Brady kennen, einen jungen Cowboy, Pferdeflüsterer und ehemaliger Rodeo-Champion indianischer Herkunft. Rodeo – das ist in der offenen Wildnis der Heartlands South Dakotas allerdings kein schnöder Beruf, sondern bedeutet den jungen Männern ALLES. Die Wettkämpfer bewundern ihre Champions, sie halten zusammen, kümmern sich nach den nicht seltenen Unfällen umeinander und machen sich sehr viel vor. Brady, Mittelpunkt des Films, spielt seine Geschichte (aber nicht sich) quasi selbst. Mit einer jüngeren behinderten Schwester und dem Vater lebt er auf und von der kleinen Pferdefarm etwas abseits inmitten des hügeligen Weidelandes. Nach einem Unfall am Stier und einer Metallplatte im Kopf ist ihm das Reiten verboten, und zu seiner Verzweiflung muss auch noch sein Lieblingspferd verkauft werden, dabei dreht sich alles bei ihm ums Rodeo und die Arbeit mit und der Liebe zu Pferden. Hin- und hergerissen zwischen seinem alten und zukünftigen Leben muss Brady seine Identität neu ausloten, noch aber kann und will er nicht loslassen.
„Ich will unseren Jungs sagen, dass es okay ist, verletzlich zu sein, dass sie nicht sein müssen wie die toughen Gewinnertypen, die man sonst im Kino sieht. Ich möchte unseren Söhnen sagen, dass sie ruhig geplatzte Träume haben können, aber wahre Helden diejenigen sind, die trotzdem weiterträumen.“ Chloé Zhao
„… ein bildstarker moderner Western, der die traditionellen Männlichkeitsideale des ländlich geprägten Teils der USA auf fast schon zärtliche Weise hinterfragt.“
Christoph Petersen | filmstarts.de
„In what will easily go down as one of the best examples of this unusual casting process [means: to cast the real-life subjects of a story to portray themselves], Zhao has taken a tender narrative and transformed it into a breathtakingly beautiful drama that shoots straight to the heart. … the spirit that emanates from the setting, characters, relationships and direction is brilliant.“ Kiko Martinez, San Antonio Current
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Credits:
USA 2017, 104 Min., engl. OmU
Regie: Chloé Zhao
Kamera: Joshua James Richards
Schnitt: Alex O’Flinn
Darsteller: Brady Jandreau, Tim Jandreau, Lily Jandreau, Lane Scott
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Termine:
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Ein Film von Raymond Depardon.
Zwölf Tage – das ist die Frist, innerhalb derer in Frankreich ein Patient nach der Zwangseinweisung eine Anhörung vor Gericht bekommen muss. Zehn Fälle dokumentiert Depardon, mit Kameras, die jeweils konzentriert den Patienten oder die richterliche Instanz in den Blick nehmen, unterbrochen von ein paar Raumeinstellungen. Die Sachlichkeit der Methode hilft der Empathie des Zuschauers auf die Sprünge: In seltener Klarheit sieht man den großen Schmerz, der allen psychischen Erkrankungen zugrunde liegt.
70. Internationale Filmfestspiele von Cannes – Séances Spéciales
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Credits:
OT: 12 jours
F 2017, 87 Min., frz. OmU
Regie: Raymond Depardon
Kamera: Raymond Depardon
Schnitt: Simon Jacquet
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Termine:
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Ein Film von Dominik Cooke.
Schon einmal, 2007, war Saoirse Ronan in der Verfilmung eines Romans von Ian McEwan zu sehen, in „Abbitte“. Da spielte sie ein 13-jähriges Mädchen, das im Sommer des Jahres 1935 die erotische Spannung zwischen ihrer älteren Schwester und dem Sohn der Haushälterin registriert und mit einer falschen Beobachtung das Leben der beiden zerstört. Ronan verlieh diesem Mädchen eine wundervolle Ambivalenz: nachdenklich, aufmerksam und kompliziert, für ihr Alter viel zu klug und doch unschuldig, weil ihr die Sexualität der Erwachsenen noch verschlossen ist. Auch in „Am Strand“ wird es um Sexualität gehen, vor allem um die Angst davor, um Anziehung und Prüderie, um Begierde und Scheu.
Es ist der Sommer 1962. Florence (Saoirse Ronan) und Edward (Billy Howle), beide Anfang 20, haben soeben geheiratet. Nun sitzen sie in einem langweiligen, biederen Hotel am Chesil Beach in Dorset und essen zu Abend. Eine seltsame Spannung liegt über dem Dinner, die Unterhaltung kommt nicht recht in Gang, man ahnt, dass etwas nicht stimmt. Die bevorstehende Hochzeitsnacht legt sich wie Mehltau über diesen Spätnachmittag. Nun erfährt der Zuschauer in Rückblenden, wie Florence und Edward sich kennen gelernt haben, wer sie eigentlich sind. Florence stammt aus einer reichen, konservativen Familie, ihr herrischer Vater ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Edwards Vater hingegen ist einfacher Lehrer, seine Mutter ist nach einem Unfall geistig behindert. Florence spielt in einem Streichquartett meisterhaft Violine, Edward will einmal Autor werden. Zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Liebe tut dies keinen Abbruch. Doch als Edward jetzt, im faden Hotelzimmer, Florence ungeschickt auf die Pelle rückt, stürmt die entsetzte Braut aus dem Hotel zum Chesil Beach. Der nun folgenden Auseinandersetzung ist Edward nicht gewachsen…
Der Roman ist berühmt für sein Ende, in dem McEwan auf wenigen Seiten den Rest von Edwards Leben referiert. Die Absicht ist klar: Dieser eine Abend am Strand von Chesil war von höchster Bedeutung. Regiedebütant Dominic Cooke findet für den Schluss eine angenehmere Lösung, die den Zuschauer etwas weicher auffängt. Das ändert aber nichts an der Traurigkeit des Films, denn hier geht vor allem um verpasste Lebenschancen, um falsch gelebtes Leben und die Reue darüber. Saoirse Ronan und Billy Howle machen dieses Bedauern eindrücklich deutlich: zwei Menschen, die noch zu jung sind für das, was an diesem Abend auf sie zukommt. Besonders Ronan, die selten schöner war als in diesem Film, überzeugt als eigentlich selbstbewusstes Mädchen, das sich wortreich gegen die konservativen Eltern wehrt und sogar gegen die Atombombe demonstriert, mit Sex aber gar nichts am Hut hat. Die Rückblenden fügen sich nahtlos in die Erzählung ein. Jede Szene aus der Vergangenheit offenbart, dass die beiden Liebenden sich früher wohler miteinander gefühlt haben als ausgerechnet jetzt, in der Hochzeitsnacht. Natürlich ist dies auch ein Film über das England der frühen sechziger Jahre und die Lustfeindlichkeit, die damals geherrscht haben muss. Miteinander zu schlafen, die Jungfernschaft zu verlieren, hatte für diese Generation etwas zutiefst Verstörendes, die Eltern waren keine große Hilfe. Dass nur wenige Jahre später mit der Beatlemania und den Swinging Sixties eine neue Ära der Freiheit begann, wie Cooke am Ende kurz andeutet, macht diese verunglückte Hochzeitsnacht noch absurder und beklemmender.
Michael Ranze | programmkino.de
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Credits:
On Chesil Beach
England 2017, 110 Min., engl. OmU
Regie: Dominic Cooke
Kamera: Sean Bobitt
Schnitt: Nick Fenton
Darsteller: Saoirse Ronan, Billy Howle, Anne Marie-Duff, Adrian Scarborough, Emily Watson, Samuel West
Termine:
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Ein Film von Laura Bispuri.
Die zehnjährige Vittoria wächst in einem vom Tourismus unberührten sardischen Dorf auf. Eines Tages trifft sie bei einem Rodeo die ungestüme Angelica, die so ganz anders als ihre fürsorgliche Mutter Tina ist. Vittoria ahnt nicht, dass die beiden Frauen ein Geheimnis verbindet. Seit langer Zeit schon besucht Tina Angelica auf ihrem heruntergekommenen Hof, wo sie mit einigen alten Pferden und einem treuen Hund in den Tag hineinlebt. Tina ist nicht wohl dabei, dass Angelica und ihre Tochter Vittoria sich näher kennenlernen. Als die verschuldete Angelica aufs Festland ziehen möchte, bietet sie ihr erleichtert finanzielle Unterstützung an, sie kann jedoch weitere Begegnungen der beiden nicht verhindern. Das Mädchen ist fasziniert von dieser Frau, die vor nichts Angst hat, ihre eigenen Wege geht und mit der sie die Insel neu entdeckt.
Wie schon in ihrem Regiedebüt Vergine giurata begleitet Laura Bispuri eine Heldin, die sich mit verschiedenen Vorbildern konfrontiert sieht, diese imitiert und hinterfragt und sich dabei ihrer selbst bewusst wird. Das warme Licht des sardischen Sommers begleitet Vittoria bei ihrer aufwühlenden Expedition.
Berlinale 2018: Wettbewerb
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Credits:
Italien / Deutschland / Schweiz 2018, 100 Min., ital. OmU
Regie: Laura Bispuri
Buch: Francesca Manieri, Laura Bispuri
Kamera: Vladan Radovic
Schnitt: Carlotta Cristiani
mit:
Valeria Golino (Tina)
Alba Rohrwacher (Angelica)
Sara Casu (Vittoria)
Udo Kier (Bruno)
Michele Carboni (Umberto)
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Termine:
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Ein Film von Agnes Varda und JR.
Mit Filmen wie „Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7“ prägte die 1928 geborene Agnès Varda das moderne Kino als innovative Filmemacherin mit. Der über ein halbes Jahrhundert jüngere Fotograf und Streetart-Künstler Juste Ridicule alias JR tat sich in den letzten Jahren hervor, als er beispielsweise Fotos von Menschen aus den Banlieues an abrissreife Häuser plakatierte oder mit dem Graffitikünstler Blu am stadtbekannten Graffiti an der Berliner Cuvry-Brache arbeitete. Wenn sich Varda und Ridicule zusammentun, treffen also zwei Generationen aufeinander, die einen künstlerischen Blick auf die Welt teilen.
In einem umgebauten Kamera-Van, der über eine Fotokabine verfügt und übergroße Poster drucken kann, fahren Varda und JR durch Frankreich. Auf einem Bauernhof in der Provence oder am Strand der Normandie, wo ein deutscher Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg in die Brandung gekippt ist, fotografieren die Künstlerin und der Künstler ansässige Menschen wie eine Kellnerin oder Ziegenbauern. Die Porträts befestigen sie an ausgewählten Fassaden, an Zügen oder auch mal an den Containern im Hafen von Le Havre, wo sie Porträts der Ehefrauen der Arbeiter anbringen. Auf Motivsuche ergeben sich immer wieder Zufälle und Fügungen, die das per Crowdfunding finanzierte Kunstprojekt beeinflussen.
Es geht um Landschaften und Gesichter und natürlich um Agnès Varda und JR selbst. Der essayistische Film nimmt sich Zeit für feinsinnige Beobachtungen und Anekdoten. Wie in „Agnès‘ Strände“ aus dem Jahr 2008 erinnert sich Varda an ihre Vergangenheit und lässt sich sogar zum Arzt begleiten, wo sie den neusten Stand ihrer unheilbaren Augenkrankheit erfährt. In einer Szene besuchen Varda und JR das Grab des Fotografen Henri Cartier-Bresson und seiner Frau Martine Francke, in einer anderen erweisen sie der berühmten Louvre-Szene aus Jean-Luc Godards „Außenseiterbande“ eine Referenz. Gegenwärtiges trifft auf Vergangenes, Heiterkeit auf Melancholie. Das Gefühl, das dieser poetische Film vermittelt, liegt irgendwo dazwischen.
Christian Horn | programmkino.de
Credits:
OT: Visages villages
Frankreich 2017, 89 Min., frz. OmU
Regie & Buch: JR, Agnès Varda
Kamera: Claire Duguet (Bonnieux, Reillanne, Usine), Nicolas Guicheteau (Paris, Usine, le Nord), Valentin Vignet (BnF, côte Normande), Romain Le Bonniec (Vexin, Le Havre, Pirou), Raphael Minnesota (Musée du Louvre), Roberto De Angelis (Cuisine, Suisse), Julia Fabr
Schnitt: Agnès Varda, Maxime Pozzi-Garcia
Musik: Matthieu Chedid aka ‑M-
Mitwirkende: JR, Agnès Varda, Jean-Paul Beaujon, Amaury Bossy, Yves Boulen, Jeannine Carpentier, Marie Douvet, Jean-Luc Godard
Termine: