Nach dem Urteil

Ein Film von Xavier Legrand.

Nach dem Urteil bedeu­tet hier: nach der Ent­schei­dung in einem Umgangs­rechts­ver­fah­ren. Miri­am ist nach der Schei­dung von Antoi­ne mit ihren Kin­dern Hals über Kopf zu ihren Eltern gezo­gen, um ihm aus dem Weg zu gehen. Außer­dem soll er Toch­ter und Sohn mög­lichst nicht sehen. Die bei­den ver­spü­ren auch wenig Lust, den Vater zu tref­fen, aber da der den Kon­takt nicht abbre­chen las­sen will, kommt es zur Anhö­rung. Das Gericht ent­schei­det zu Guns­ten Antoi­nes. Er darf den den 11-jäh­ri­gen Juli­en alle 14 Tage fürs Wochen­en­de zu sich neh­men. Sei­ne Schwes­ter José­phi­ne dage­gen ist alt genug, über ihren Kon­takt selbst zu ent­schei­den. Wir erfah­ren wenig von der Vor­ge­schich­te, und wir wis­sen nicht, ob Antoi­ne sei­ne Frau tat­säch­lich geschla­gen hat, wie sie sagt – Bewei­se hat sie kei­ne – oder sie und ihre Eltern den Kin­dern Schau­er­mär­chen vom Vater erzäh­len und ihnen dadurch ent­frem­det, wie er behaup­tet. Wir sehen aber, wie Juli­en mit all‘ sei­nen ihm zu Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln ver­sucht, die Eltern von­ein­an­der fern­zu­hal­ten und die Mut­ter zu schüt­zen. Sei­ne Lügen machen Antoi­ne, der über den Jun­gen vor allem Infor­ma­tio­nen über sein Exfrau bekom­men will, aller­dings nur noch miss­traui­scher. Xavier Legrands Debut kon­zen­triert sich auf sei­ne Protagonist*innen, beob­ach­tet genau und ist dabei hoch­span­nend.

Es war eine Her­aus­for­de­rung und ein Balan­ce­akt, sie (die Fami­li­en­mit­glie­der) nicht als Gen­re­fi­gu­ren zu miss­brau­chen und in Ste­reo­ty­pe zu ver­fal­len. Die Geschich­te beginnt im Gerichts­saal und ent­wi­ckelt sich lang­sam zu einem Thril­ler, und ich habe ver­sucht, jede Über­dra­ma­ti­sie­rung zu ver­mei­den und die Situa­ti­on atmo­sphä­risch so genau wie mög­lich zu zei­gen. … Ich habe alles Unnö­ti­ge und Spek­ta­ku­lä­re weg­ge­las­sen und den Plot so weit wie mög­lich ver­schlankt. Die Span­nung baut sich lang­sam dadurch auf, dass ich dem Publi­kum nicht alles vor­kaue, es muss sel­ber Schlüs­se zie­hen, Situa­tio­nen inter­pre­tie­ren und zwei­feln.“ Xavier Legrand

 

 

Credits:
Jusqu’à la gar­de
Frank­reich 2017, 94 Min., frz. OmU
Regie & Dreh­buch Xavier Legrand
Kame­ra Natha­lie Durand
Schnitt Yor­gos Lam­pri­nos
Mit
Léa Dru­cker (Miri­am Bes­son)
Denis Méno­chet (Antoi­ne Bes­son)
Tho­mas Gio­ria (Juli­en Bes­son)
Mat­hil­de Auneveux (José­phi­ne Bes­son)

 

Ter­mi­ne:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr