Julie gibt alles, um die Erziehung ihrer zwei Kinder in einer ländlichen Vorstadt mit dem Job in einem Pariser Luxushotel gut unter einen Hut zu bringen, und der Exmann ist ihr keine große Hilfe. Aber sie ist eine Kämpferin, und sie hat ein Ziel. Nur, dass ausgerechnet an dem Tag, an dem sie ein Jobinterview für die erträumte Stelle in ihrem erlernten Beruf bekommt, ein Streik der öffentlichen Verkehrsmittel beginnt und alles lahmlegt. Julies sorgfältig organisierter, fragiler Zeitplan droht zusammenzubrechen. Unter gewaltigem Druck organisiert, rennt, improvisiert sie, stets auf Kante und auch rücksichtslos, denn sie hat viel zu verlieren. Dabei darf sie sich von all der Hektik und dem Stress nichts anmerken lassen, nicht bei den Kindern, nicht im Hotel, und schon gar nicht beim Vorstellungsgespräch. Für diese Tour-de-Force wurde Laure Calamy in Venedig ausgezeichnet, ebenso wie Eric Gravel für die Regie. Der hypnotische Score von Irène Drésel bekam den französischen Filmpreis César, so auch die herausfordernde Schnittarbeit (Mathilde van de Moortel).
„Kommen Sie wegen des sozialen Realismus, bleiben Sie wegen der thrillerartigen Spannung, denn Julies Tage werden zu einer aufregenden Analyse der verheerenden Auswirkungen des Kapitalismus. Lauf, Julie, lauf!“ Edinburgh Filmfestival
„Arbeit, Kinder, rückständige Hypotheken, ein beschissener Ex. Der Film ist so authentisch und nachvollziehbar – so genau beobachtet, dass ich, um ehrlich zu sein, annahm, er sei von einer Frau gemacht worden.“ Cath Clarke | The Guardian
Credits:
À plein temps FR 2022, 88 Min., franz. OmU Regie: Eric Gravel Kamera: Victor Seguin Schnitt: Mathilde Van de Moortel mit: Laure Calamy, Anne Suarez, Geneviève Mnich, Nolan Arizmendi, Sasha Lemaitre Cremaschi, Cyril Gueï
After separating from her husband, Julie has moved to a Paris suburb to raise their two children on her own. Every day she takes them to an elderly nanny before commuting to her stressful job in downtown Paris as a maid in a luxury hotel. When a strike paralyzes the public transportation system, commuting between home and work becomes much more difficult. And when Julie finally gets an interview for a job she’d long been hoping for, she has no choice but to set off on a frantic race against time that will push her to her very limits as both her professional and personal life hang in the balance.
Credits:
À plein temps FR 2022, 88 Min., franz. OmU Regie: Eric Gravel Kamera: Victor Seguin Schnitt: Mathilde Van de Moortel mit: Laure Calamy, Anne Suarez, Geneviève Mnich, Nolan Arizmendi, Sasha Lemaitre Cremaschi, Cyril Gueï
Kurz nach der Teilung Indiens und der Befreiung aus der Kolonialherrschaft Englands soll am Fusse des Himalayas aus dem Nichts eine neue Hauptstadt für den Punjab gebaut werden. Die alte Hauptstadt Lahore war Pakistan zugeteilt worden. Die Planstadt Chandigarh steht für die neue Demokratie, den Fortschritt und den Glauben an die Zukunft. Engagiert wurden Architekten aus dem Westen. Zuerst Albert Mayer, dann der schweizerisch-französische Architekt Le Corbusier. Absichten, Visionen und Utopien kamen zusammen. Für Le Corbusier bot Chandigarh die einmalige Gelegenheit, sein Lebenswerk zu vollenden und seine städtebaulichen Ideen umzusetzen. Seine Vision war die einer modernen, humanen und gerechten Stadt, nach dem «Mass des Menschen» erbaut, die ein kulturelles Leben und ein harmonisches Zusammenspiel von Mensch und Natur ermöglichte.
Zum 70-jährigen Bestehen der Planstadt von Le Corbusier fragen wir nach, ob in Chandigarh diese Vision Realität geworden ist. Der Film begleitet Menschen auf ihren Wegen durch die Stadt und sucht Orte und Schauplätze auf, an denen sich das schillernde Zusammenspiel von altem Traum und neuem Leben, von Utopie und Alltag, von Zerfall und leiser Poesie zeigen. Ein Zeitzeuge erinnert sich an die Gründerzeit. Die Direktorin des Le Corbusier Centers, ein Künstler, ein Schauspieler und ein Architekt erzählen vom Wagnis, sich hier niederzulassen und reflektieren ihr Leben in und mit Chandigarh. Auf Streifzügen treffen wir Bewohner:innen, die unseren Blick auf die Stadt erweitern und tauchen in das alltägliche Leben ein, welches sich die baulichen Strukturen zu eigen gemacht hat.
Credits:
CH 2023, 84 Min., engl., deutsche OmU Regie & Kamera: Karin Bucher, Thomas Karrer Schnitt: Fabian Kaiser, Thomas Karrer, Mirjam Krakenberger
With the construction of the Indian planned city of Chandigarh, the Swiss and French architect Le Corbusier completed his life’s work 70 years ago. Chandigarh is a controversial synthesis of the arts, a bold utopia of modernity. The film accompanies four cultural workers who live in the planned city and reflects on Le Corbusier’s legacy, utopian urban ideas and the cultural differences between East and West in an atmospherically dense narrative.
Credits:
CH 2023, 84 Min., engl., deutsche OmU Regie & Kamera: Karin Bucher, Thomas Karrer Schnitt: Fabian Kaiser, Thomas Karrer, Mirjam Krakenberger
Matthias Freier hat bisher vor allem Werbespots und Musikvideos gedreht, unter anderem für Jochen Distelmeyer, Die Fantastischen Vier und Samy Deluxe. Sein True-Crime-Dokumentarfilm DIEUNSICHTBAREN handelt von einem der spektakulärsten Kriminalfälle der neunziger Jahre, ist aber vor allem eine Hommage an Freiers Stiefmutter, die Kriminalkommissarin Marianne Atzeroth-Freier, die gegen den Widerstand ihres Dienststellenleiters und die Ignoranz der älteren männlichen Kollegen in der Hamburger Mordkommission den Fall um eine Entführung und zwei verschwundene Frauen aufklärte. „Janne“, wie die Kommissarin genannt wurde, hatte als Streifenpolizistin angefangen, dann bei der „Sitte“ die Opfer von sexualisierter Gewalt betreut. Während die männlichen Kollegen den Aussagen eines Entführungsopfers nicht vertrauten („Ich sag dir gleich, wir glauben der kein Wort.“), nahm Atzeroth-Freier die Aussagen des Opfers als Erste ernst und kam schnell dem Täter, einem Hamburger Pelzhändler, auf die Spur. Bald stellte sich heraus, dass zwei weitere Frauen verschwunden und mit dem Entführer bekannt waren. Die grausamen Details des Falls füllten bis Mitte der 90er Jahre die Spalten nicht nur der Boulevardpresse. Freiers Film vermeidet jede spekulative Ausbeutung der Geschichte, und konzentriert sich auf die Ermittlungen, auf die Nachlässigkeiten, den – hier tödlichen – männerbündlerischen Sexismus auf dem Polizeirevier und Jannes persönliches Verhältnis zu den Angehörigen der Opfer. Dokumente und Interviews sind sorgfältig ausgewählt und sensibel geführt, die Spielszenen mit ruhigem Understatement inszeniert. Im True-Crime-Genre ist das alles andere als selbstver- ständlich. DIEUNSICHTBAREN ist ein exzellenter, sehr spannender und immer noch relevanter Film über die Durchsetzungskraft einer integren Polizistin. Tom Dorow | indiekino
Credits:
DE 2023, 97 Min. Regie: Matthias Freier Kamera: Kay Madsen Schnitt: Marielle Pohlmann
DOCU-FICTION Marianne Atzeroth-Freier once brought the »acid-barrel murderer« to justice. In a mix of archive material and re-enacted scenes, the film reconstructs the difficult investigation Atzeroth-Freier had to pursue in a male-dominated environment. In the 1990s, as one of the first women in the Hamburg Police’s homicide division, Atzeroth-Freier solved one of the most gruesome murders in German history. If anything, by chance. When approached by a mother whose daughter has disappeared, she decides to get involved. On the search for the missing person, she repeatedly comes across inconsistencies within the police’s investigation. But she keeps going – until she achieves the breakthrough
Credits:
DE 2023, 97 Min. Regie: Matthias Freier Kamera: Kay Madsen Schnitt: Marielle Pohlmann
Dokumentarfilmreihe von Julian Vogel | 87min | 67min | 85min | DE 2023 Mit anschließendem Filmgespräch nach dem 3. Teil.
Tickets: [Teil1: München] [Teil 2: Halle] [Teil3: Hanau] (Die Filme müssen einzeln gebucht werden. Wer alle 3 Filme schauen will, kann jeweils den Tarif „Alle 3 Teile schauen” im letzten Bestellschritt wählen)
Kamera: Luise Schröder, Julian Vogel Ton: Oscar Stiebitz, Julian Vogel Schnitt: Gregor Bartsch, Sebastian Winkels
München 2016, Halle 2019 und Hanau 2020. Drei rechtsextreme Anschläge von sogenannten „Einsamen Wölfen“: Vermeintliche Einzeltäter, die sich scheinbar ohne in klassische extremistische Strukturen eingebunden zu sein, im Internet radikalisieren und im öffentlichen Raum plötzlich zuschlugen. Es sind Geschichten, die mittlerweile die Schlagzeilen dominieren: Der rechte Terror gilt zur Zeit laut Verfassungsschutz als größte Bedrohung der Demokratie in Deutschland. Und das, obwohl solche Täter noch bis vor Kurzem oft als psychisch kranke, „verwirrte“ Einzeltäter eingestuft wurden und ihnen so ihr Rassismus abgesprochen wurde. Diese Zeiten sind vorbei: Frank Walter Steinmeier sprach nach dem Anschlag in Hanau von einem „Angriff auf uns alle“. Doch wer sind „wir alle“?
Die Trilogie „Einzeltäter (Teil 1–3)“ nimmt unabhängig voneinander die Perspektive der Menschen ein, deren Angehörige tatsächlich das Ziel der Angriffe waren und deren Leben nie mehr sein wird wie zuvor.
EINZELTÄTERTEIL 1: MÜNCHEN
Arbnor hat seine Schwester 2016 beim Anschlag am Olympia Einkaufszentrum verloren, Hasan und Sibel ihren Sohn. Lange mussten die Angehörigen darum kämpfen, dass der Staat den rassistischen Hintergrund der Tat anerkennt. Erst nach den Anschlägen von Halle und Hanau hatten sie Erfolg.
EINZELTÄTERTEIL 2: HALLE
KurzsynopsisKarsten hat seinen einzigen Sohn Kevin beim Anschlag von Halle verloren. Während die Öffentlichkeit zuschaut, wie dem rechtsextremen Täter der Prozess gemacht wird, kämpft er um einen Umgang mit seiner Trauer. Halt findet er in der Fanszene des Halleschen FC.
EINZELTÄTERTEIL 3: HANAU
Der rassistische Anschlag vom 19. Februar 2020 hat Hanau-Kesselstadt verändert. Hier leben Menschen verschiedener Herkunft, hier starben sechs der neun Opfer. Nach dem Anschlag hält man hier zusammen, versucht mit den Folgen der Tat umzugehen, und kämpft um Aufklärung. Und hier leben der Vater des Täters und Hinterbliebene der Opfer in unmittelbarer Nachbarschaft.
Regiekommentar
Seit Ende 2018 beschäftige ich mich mit Menschen, die bei rechtsradikalen Anschlägen vermeintlicher “Einzeltäter” Angehörige verloren haben. Ich kam damals in Kontakt mit Hinterbliebenen des rassistischen Anschlags vom Olympia Einkaufszentrum in München„ der bis zum Anschlag von Halle von Staat und Ermittlungsbehörden als unpolitischer Amoklauf eingeordnet worden war. Ich versuchte einen Film zu realisieren, der den Angehörigen von München eine Stimme gibt. Deren verzweifelter Kampf um Anerkennung änderte sich mit dem antisemitischen und rassistischen Anschlag von Halle 2019. In Folge des Anschlags wurde der Rechtsextremismus durch den Verfassungsschutz als aktuell größte Bedrohung der Sicherheitslage in Deutschland eingestuft. Nach dem Anschlag von Hanau 2020 schließlich fand der Kampf von Betroffenen von rechter Gewalt endgültig Eingang in die breite Öffentlichkeit und ich entschloss mich, meinen Film auf diese drei Taten auszuweiten.
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Documentary series by Julian Vogel | 87min | 67min | 85min | DE 2023
Camera: Luise Schröder, Julian Vogel Sound: Oscar Stiebitz, Julian Vogel Editor: Gregor Bartsch, Sebastian Winkels
Munich 2016, Halle 2019 and Hanau 2020: three right-wing extremist attacks by so-called „lone wolves: Alleged lone perpetrators who, seemingly without being part of classic extremist structures, radicalized themselves on the Internet and suddenly struck in public spaces. These are stories that now dominate the headlines: Right-wing terror is currently considered the greatest threat to democracy in Germany, according to the Office for the Protection of the Constitution. And this despite the fact that until recently such perpetrators were often classified as mentally ill, „confused” lone perpetrators and thus denied their racism. These times are over: After the attack in Hanau, Frank Walter Steinmeier spoke of an „attack on all of us”. But who are „all of us”?
The trilogy „EINZELTÄTER (Parts 1–3)” independently takes the perspective of the people whose relatives were actually the target of the attacks and whose lives will never be the same again.
EINZELTÄTER Part 1: MÜNCHEN
Arbnor lost his sister in the 2016 attack at the Olympia shopping center, Hasan and Sibel lost their son. For a long time, the relatives had to fight for the state to recognize the racist background of the crime. Only after the attacks in Halle and Hanau did they succeed.
EINZELTÄTER Part 2: HALLE
EKarsten lost his only son Kevin in the Halle attack. While the public watches the trial of the right-wing extremist perpetrator, he struggles to deal with his grief. He finds support in the Halle FC fan scene.
EINZELTÄTER Part 3: HANAU
The racist attack of February 19, 2020 has changed Hanau-Kesselstadt. People of different origins live here, and six of the nine victims died here. After the attack, people here stick together, try to deal with the consequences of the act, and fight for clarification. And this is where the father of the perpetrator and the surviving relatives of the victims live in the immediate vicinity.
Director Notes: Since 2018, I have been in contact with survivors of the racist attack in Munich in 2016, which was initially classified by the investigating authorities as a non-political rampage. This changed with the attack in Halle in 2019, in the wake of which the Munich act was classified as right-wing violence and right-wing extremism as the greatest threat to the security situation. After the attack of Hanau 2020, which brought the problem of right-wing „lone perpetrators” ultimately into public consciousness, I decided to make a documentary film that accompanies the mourning work of the bereaved and their relationship to the social dimension of these three acts. The result was a trilogy. The families in Munich and Hanau are united by the fact that their mourning work is interwoven with the fight against racism. In Halle, the situation is different: Kevin’s father Karsten has to deal with the death of his child because someone wanted to strike a minority to which he himself does not belong. For me, his grief was no less touching than the grief of the other people affected. It was imortant to me to also dedicate myself to his story
Es ist einfach, sich über Maschen und Opfer von Telefonbetrügern lustig zu machen, aber wirklich gefeit gegen die auch plumpesten Methoden ist wohl niemand. Die ehemalige Lehrerin Blaga ist eigentlich auch nicht naiv, lässt sich aber von einem recht absurden Telefontrick überrumpeln. Sie verliert das ganze Geld, das für die Grabstätte ihres kürzlich verstorbenen Mannes vorgesehen war. Willig, andere zu warnen, erzählt die Betrogene bei einer Nachbarschafts-Veranstaltung der örtlichen Polizei von ihrer Erfahrung, erntet aber großflächig nur Spott und Hohn. Selbst ihr im Ausland lebender Sohn macht nur Vorhaltungen. Es fällt ihm nicht ein, die Mutter zu unterstützen. Blaga, schwer gedemütigt und immer noch auf der Suche nach Geld für das Grab, weiß von der Polizei, wie die Betrüger Helfer aquirieren. Sie findet eine entsprechende Announce und bewirbt sich. „Beim wichtigen Festival im tschechischen Karlovy Vary wurde Eine Frage der Würde – Blaga’s Lessons mit drei Preisen ausgezeichnet, völlig zurecht. Denn dem Bulgaren gelingt hier ein harscher, mal sozialrealistischer, mal wie eine Farce wirkender Film über eine 70jährige Frau, die im moralischen Niemandsland des postsozialistischen Bulgariens um ihre Würde kämpft – und sie verliert. … Filme wie Eine Frage der Würde kamen in den letzten 20 Jahren oft aus Rumänien, Regisseure wie Cristi Puiu, Cristian Mungiu oder Corneliu Porumboiu hielten der gesellschaftlichen Entwicklung ihres Landes eines ungeschönten Spiegel vor, sezierten die Abgründe des Kapitalismus und die Spätfolgen des Sozialismus. Ganz ähnliches macht nun auch der 57jährige bulgarische Regisseur Stephan Komandarev, der zu Beginn seiner Karriere Dokumentarfilme drehte, seit einigen Jahren nun mit zunehmendem Erfolg Spielfilme, die aber einem dokumentarischen Blick verhaftet sind.“ Michael Meyns | programmkino.de – „diese intensiven, kleinen Filme sind es, für die das Kino gemacht wurde.“ Sebastian Seidler | kino-zeit
Credits:
BG/DE 2023, 119 Min., bulgarische OmU Regie: Stephan Komandarev Kamera: Vesselin Hristov Schnitt: Nina Altaparmakova mit Eli Skorcheva, Ivan Barnev, Gerasim Georgiev, Stefan Denolyubov, Rozalia Abgarian, Ivaylo Hristov
Trailer:
Eine Frage der Würde (Blaga’s Lessons )| offizieller Trailer mit dt. Untertitel
Blaga is a seventy-year-old recently widowed former teacher and a woman of firm morals. When telephone scammers con her out of the money that she had saved for her husband’s grave, her moral compass slowly begins to lose its bearings… Stephan Komandarev’s past films have systematically criticized the inauspicious social situation in post-communist Bulgaria, and Blaga’s Lessons is no different. In this evocative drama featuring a masterful performance from Eli Skorcheva as Blaga, Komandarev aims his lens at the lives of today’s senior citizens – a vulnerable group whom politicians so often promise the right to a dignified life… but reality is much different.
Credits:
BG/DE 2023, 119 Min., bulgarische OmU Regie: Stephan Komandarev Kamera: Vesselin Hristov Schnitt: Nina Altaparmakova mit Eli Skorcheva, Ivan Barnev, Gerasim Georgiev, Stefan Denolyubov, Rozalia Abgarian, Ivaylo Hristov
Trailer:
Eine Frage der Würde (Blaga’s Lessons )| offizieller Trailer mit dt. Untertitel
Reality Winner war 25, als sie, überzeugt davon, im Namen der Demokratie zu handeln, geheime Informationen über die Einflussnahme Russlands auf den US-Wahlkampf 2016 öffentlich machte. Die Gerichte sahen das anders und verurteilten sie 2018 zu 63 Monaten Haft. Größter Wunsch der in Farsi, Dari und Pashto ausgebildeten Linguistin der US-Airforce war es, als Übersetzerin in Afghanistan eingesetzt zu werden. Mit der Stelle bei einem Informationsdienstleister der NSA wollte sie dem einen Schritt näher kommen. Dort stieß sie auf die brisanten Papiere. Tina Satters Film folgt als re-Enactment den transskribierten Tonaufzeichnungen von Hausdurchsuchung und Festnahme der jungen Frau, auch unter Kennzeichnung der öffentlich nicht zugänglichen geschwärzten Stellen. Das absurde Spiel mit dem Machtgefälle zeichnet sich durch ein Gemenge aus ungeschickt-jovialem Smalltalk, patriotisch-autoritärem Auftreten, Unbeholfenheit und perfiden Drohungen auf FBI-Seite aus, während Reality verzweifelt versucht, dem mit vorgetäuschter Ahnungslosigkeit, Notlügen und Höflichkeit zu entkommen. Auf der Bildebene finden wir, abgesehen von einer Automatikwaffe in Pink sowie Büchern in arabischer Schrift, Accessoires eines normalen, allein lebenden All-American-Girls vor, die ihre Hunde und Yoga liebt.
„Und so sehr auf „Reality“ auch die Bezeichnung Kammerspiel zutrifft, so faszinierend sind doch gerade die filmspezifischen Mittel. Die Kamera von Paul Yee … erfasst durch Nah- und Großaufnahmen jede kleinste Irritation und Verunsicherung in den Gesichtern der Beteiligten. In anderen Einstellungen wird wiederum die Taktik des FBI sichtbar: Reality ist stets von Männern, die sie beobachten oder ausfragen, umgeben, während ihr Haus durchsucht wird. … Was Reality zusätzlich zu einem filmischen Ereignis macht, sind die präzisen Schauspielleistungen. Sydney Sweeney (Euphoria) hat die Titelrolle offensichtlich mit jeder Faser ihres Körpers verinnerlicht. Sie liefert eine komplexe, authentische Darbietung, souverän flankiert von Josh Hamilton und Marchánt Davis in den Parts der gegensätzlichen Agenten …“ Andreas Köhnemann | kino-zeit.de
Credits:
US 2023, 85 Min., englische OmU Regie: Tina Satter Kamera: Paul Yee Schnitt: Jennifer Vecchiarello, Ron Dulin mit Sydney Sweeney, Josh Hamilton, Marchánt Davis
Trailer:
REALITY (offizieller OmU Trailer) – mit Sydney Sweeney in einem Film von Tina Satter
The social media profile of a young woman includes pictures of her pets, her friends, and her exercise routine. But on June 2, 2017, the posts come to an end. This film begins on the following day and contains verbatim dialogue from the unedited transcript of an FBI audio recording. The audience witnesses the protagonist – played by Sydney Sweeney – arriving at her home in Georgia, only to be met by two men outside who politely inform her that they have a search warrant. What follows is a chamber piece focusing on the interrogation of whistle-blower Reality Winner and the search of her home. Director Tina Satter presents a snapshot of recent US history that derives all of its tension from the gravity of the situation. The strong imagery and subtle direction of the actors in this drama places it on the cusp of documentary. This enables an unobstructed view of the events of that day – before they became a case that was to polarise the press, the general public and politics.
Credits:
US 2023, 85 Min., englische OmU Regie: Tina Satter Kamera: Paul Yee Schnitt: Jennifer Vecchiarello, Ron Dulin mit Sydney Sweeney, Josh Hamilton, Marchánt Davis
Trailer:
REALITY (offizieller OmU Trailer) – mit Sydney Sweeney in einem Film von Tina Satter
Dieser Film ist wichtig, er tut weh. Denn Agnieszka Holland konfrontiert uns mit dem schreienden Unrecht, das sich hinter dem Begriff „Pushback“ verbirgt, vor dem wir uns nicht wegducken können, trösten in der Gewissheit: Ist doch alles nur Kino. Ja, Green Border ist – trotz der zuweilen quasidokumentarischen Bildführung – Fiktion; ist große, berührende Erzählung. Und ist doch wahr. Es geht um die 2021 von Belarus gesteuerte und von der polnischen Regierung mit ganzer Härte erwiderte Flüchtlingspolitik, eine Politik, die Menschen als Waffen einsetzt und nicht einmal den Toten das Recht auf Ruhe gewährt. Im Mittelpunkt stehen, auf der Flucht vor der Verfolgung in der Heimat, eine syrische Familie sowie eine afghanische Frau, Leila, die dem Terror der Taliban entkommen ist. Wir sehen sie, ein halbes Dutzend von Tausenden, die ihr Heil in der Flucht suchen, zunächst auf dem Flug nach Minsk. Müde sind sie, erschöpft, aber doch zuversichtlich, weil sie es schaffen werden ins gelobte Land. Sehr leise, sanft ist diese erste Szene, sparsam mit Musik unterlegt, wie überhaupt Musik nie als Mittel dramatischer Überwältigung benutzt wird. Friede also herrscht, denn diese Menschen wissen noch nicht, in welche Falle sie geraten sind. Aber dann kommt es knüppeldick, im Wortsinn. Denn Pushback heißt erbarmungslose Abwehr von Menschen. Mit Schlagstock, Tränengas, Hunden, mit der Waffe werden sie im polnisch-weißrussischen Niemandsland über die Grenze getrieben, und wieder zurück, hin und her. Holland, dieser genau beobachtenden, abwägenden Regisseurin, gelingt dabei das Wunderbare, den gehetzten Menschen dennoch ihre Würde zu belassen; sie zeigt sie nicht nur als Opfer. Neben Bildern nackter Gewalt, von Chaos, Geschrei, Lärm setzt sie Augenblicke der Ruhe: das kleine Mädchen, das so unbeschwert spielt; den Großvater, wie er auf dem matschigen Waldboden seinen Gebetsteppich ausbreitet, der später Schutz bieten soll vor den niederprasselnden Regenströmen. Auch die Zuschauer erleichternde Momente der Hoffnung lässt sie zu, wenn drei jugendliche Flüchtlinge mit den Kindern ihrer polnischen Helferfamilie drauflosrappen. Und sie lässt erahnen, dass die zotig auftrumpfende Männlichkeit der Grenzbeamten womöglich ein Versuch ist, die beunruhigenden Stimmen des Gewissens zum Schweigen zu bringen. Elisabeth Bauschmid | indiekino
Zusammenfassung der heftigen Diskussion in Polen um Green Border, von Jörg Taszman für den Filmdienst: hier
Credits:
PL, FR, CZ, BE 2023, 147 Min., polnisch, arabisch, englisch, französische OmU Regie: Agnieszka Holland Kamera: Tomek Naumiuk, Schnitt: Pavel Hrdlička mit: Jalal Altawil, Maja Ostaszewska, Behi Djanati Atai, Mohamad Al Rashi, Dalia Naous, Tomasz Włosok
A Syrian family leaves the violence of their country behind. Their goal is to get from Belarus to Poland and finally to the safe haven of Sweden. But while travelling through the Polish-Belarusian border region, they become a political plaything instrumentalised both by the Polish government and press for their own purposes. Polish master director Agnieszka Holland delivers a haunting and moving drama. Her complex political portrayal focuses on the interplay between officials, activists and civilians. An unsparing film that forces our society not to look away.
Credits:
PL, FR, CZ, BE 2023, 147 Min., polnisch, arabisch, englisch, französische OmU Regie: Agnieszka Holland Kamera: Tomek Naumiuk, Schnitt: Pavel Hrdlička mit: Jalal Altawil, Maja Ostaszewska, Behi Djanati Atai, Mohamad Al Rashi, Dalia Naous, Tomasz Włosok
Anzügliche Bemerkungen und sexistische Witze sind sicher nicht ausschließlich in Hotelbars im australischen Outback an der Tagesordnung, aber hierher hat es die beiden amerikanischen Rucksacktouristinnen Hanna und Liv nun einmal verschlagen. „Work and Travel“ heißt das Programm, das sie nach ihrer, vom ausgiebigen Feiern verursachten finanziellen Pleite, für ein paar Wochen hinter die Bar des „Royal Hotel“ in einer abgelegenen Bergbaugegend geschickt hat. Ihre englischen Vorgängerinnen scheinen die Zeit hier genossen zu haben, und nun freuen sich die Barbesucher, unschwer zu übersehen, auf das „Frischfleisch“. Die gebürtige Australierin Kitty Green hat mit The Assistantden wahrscheinlich besten Spielfilm zu Thema METOO gedreht, wo sie nicht Einzelne als alleinige Täter sah, sondern alles durchsetzt von der Akzeptanz des Missbrauchs. Im „Royal Hotel“ werden rauere Töne angeschlagen, aber auch hier muss der Thriller keine Gewalttaten schildern, um in Fahrt zu kommen. Von der Bedrohlichkeit der Situation, die sich nach anfänglichen, fast verzweifelt gesuchten Urlaubsgefühlen breit macht, will Liv nichts wissen. Hanna fühlt sich jedoch immer unwohler. Stets taxiert sie den Grad ihrer Bedrohung und die Grenzen im Umgang mit den Gästen. War das nur ein Scherz, eine Drohung, ab wann ist übergriffig? Eine alltägliche Situation, aber einfach abhauen geht hier in der Wüste, wo nur alle drei Tage ein Bus fährt, nicht, und so ist die junge Frau 24⁄7 in Habt-Acht-Stellung.
„Konsequent geht Kitty Green dann das ganze Spektrum an Verhalten durch, das sich in einer solchen Situation ergibt: von der höflichen Frage nach einem Date, die mit einem Nein sowieso schon rechnet, bis zu aggressiven Trinkgeldspielchen und vielen weiteren Situationen, in denen sich (sehr allgemein gesprochen) männliches Interesse so äußert, dass Hannah und Liv sich die ganze Zeit dazu verhalten müssen – bis Hanna sich schließlich als Girl mit der Axt in einer Rolle wiederfindet, die sie sonst von sich wohl nicht entdeckt hätte. Wir wollten doch einfach nur so weit weg von Zuhause wie möglich, sagt Liv einmal. Das hat sich anders erfüllt als gedacht. Gutes Drehbuch, gut gespielt, auf eine rawkus way nuanciert.“ Bert Rebhandl | Cargo
The Royal Hotel
Credits:
AU 2023, 91 Min., englische OmU Regie: Kitty Green Kamera: Michael Latham Schnitt: Kasra Rassoulzadegan mit Jessica Henwick, Julia Garner, Hugo Weaving, Bree Bain, Toby Wallace
Americans Hanna and Liv are best friends backpacking in Australia. After they run out of money, Liv, looking for an adventure, convinces Hanna to take a temporary live-in job behind the bar of a pub called ’The Royal Hotel’ in a remote Outback mining town. Bar owner Billy and a host of locals give the girls a riotous introduction to Down Under drinking culture but soon Hanna and Liv find themselves trapped in an unnerving situation that grows rapidly out of their control.
The Royal Hotel
Credits:
AU 2023, 91 Min., englische OmU Regie: Kitty Green Kamera: Michael Latham Schnitt: Kasra Rassoulzadegan mit Jessica Henwick, Julia Garner, Hugo Weaving, Bree Bain, Toby Wallace
Im kurdischen Gebiet im Nordosten der Türkei dreht eine deutsche Regisseurin einen Dokumentarfilm über „imaginäre Denkmäler“, über Rituale und Erzählungen, die der Erinnerung an verschwundene oder verschleppte Menschen dienen. Am Rande der Interviews ereignen sich merkwürdige Dinge, und als die Situation der Filmcrew letztendlich zu bedrohlich erscheint, packen sie eilig die Koffer. Die Brücke zum zweiten Teil schlagen Leyla, die Übersetzerin des Teams und Melek, ein kleines Mädchen, dem sie Unterricht gibt, und deren Vater in üble undurchsichtige politische Machenschaften verwickelt ist. Im dritten Teil widmet sich der Film fast ganz dieser Familie. Im Toten Winkel ist ein subtil verschachtelter politischer Thriller, in dessen Mittelpunkt Melek zu stehen scheint. Ohne sie deuten zu können, erkennt sie die Geschehnisse um sie herum sonderbarerweise besser als die Erwachsenen, die ihre Erlebnisse und Geister-Erzählungen nur als kindliche Fantasien abtun können. Wie von Geisterhand erscheinen auch die technisch und multi-perspektivisch, oft absenderlos anmutenden Bilder, die zum Mittel der Überwachung, Bedrohung und Einschüchterung eingesetzt werden, und Paranoia erzeugen. „Der blinde Fleck heißt Trauma, transgenerational. Die deutsch-kurdische Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin Ayşe Polat inszeniert ihn in Perfektion.“ Berlinale | Wettbewerb Encounters „JİTEM ist ein Geheimdienst, dessen Existenz der türkische Staat leugnet. Ayşe Polat gibt dieser inoffiziellen Organisation Gesichter, baut sogar eine Szene ein, in der die Agenten auf Polizisten treffen – eine Szene, die subtil impliziert, dass der türkische Staat sehr wohl involviert ist. Mit Im toten Winkel ist es ihr gelungen, Politik, Medientheorie und Genrekino zu verschränken, und es ist keine Begleitbroschüre nötig, damit der Film funktioniert, denn er ist trotz aller Komplexität hochspannend.“ Mathis Raabe | kino-zeit
Credits:
DE 2023, 118 Min., Deutsch, Türkisch, Kurdisch, Englisch OmU Regie: Ayşe Polat Kamera: Patrick Orth Schnitt: Serhad Mutlu, Jörg Volkmar mit Katja Bürkle, Ahmet Varlı, Çağla Yurga, Aybi Era, Maximilian Hemmersdorfer, Nihan Okutucu, Tudan Ürper, Mutallip Müjdeci, Rıza Akın, Aziz Çapkurt
Trailer:
Im toten Winkel | Trailer | Kinostart: 4. Januar 2024
A German documentary film project in north-eastern Turkey. Simone wants to learn more about Hatice, whose son was abducted a quarter of a century ago. Storytelling to prevent forgetting, rituals to contest disappearance. The lives of the Kurdish people – lives lived in a blind spot – are characterised by violence and resistance to an uncertain existence. Strange incidents soon overshadow the filming as well: turning up alongside interpreter Leyla and directly in front of the camera is the neighbour’s little daughter Melek, with her pretty purple dress and a mysterious gaze that goes right through you. What follows is a subtly framed, coldly brutal political thriller told in three chapters and from multiple perspectives. For it is not only the strategies of sinister organisations and the logic of paranoia that is the focus of this clever and complex cinematic conundrum, but the act of seeing itself – in all its dimensions, from observation to prophecy. The blind spot is in fact trauma, of the transgenerational kind. German-Kurdish director, screenwriter and producer Ayşe Polat stages it to perfection.
Credits:
DE 2023, 118 Min., Deutsch, Türkisch, Kurdisch, Englisch OmU Regie: Ayşe Polat Kamera: Patrick Orth Schnitt: Serhad Mutlu, Jörg Volkmar mit Katja Bürkle, Ahmet Varlı, Çağla Yurga, Aybi Era, Maximilian Hemmersdorfer, Nihan Okutucu, Tudan Ürper, Mutallip Müjdeci, Rıza Akın, Aziz Çapkurt
Knochen und Namen sind was bleibt, erfährt Jonathan vom Bestattungsunternehmer. Aber es geht im Film eher darum, was jetzt ist und was später daraus wird. Dem Leben zuschauen, während es einen beobachtet, wie man so lebt. Fabian Stumm bekam den Heiner-Carow-Preis der DEFA Stiftung auf der letzten Berlinale. „Boris (Fabian Stumm) arbeitet an einem neuen Film für die französische Regisseurin Jeanne (Marie-Lou Sellem). Darin geht es um einen Mann, der seine Frau für einen anderen Mann verlässt. Auch wenn ihr Film Dramatisches erzähle, »es ist nicht schwer«, sagt die Regisseurin und kommentiert damit auch Knochen und Namen. Jonathan (Knut Berger), Boris Partner, ist derweil auf Recherchetour für seinen neuen Roman, der vordergründig von einer »Krankheit und einer Reise« handelt. Er trifft sich mit Menschen, die einen Verlust erlitten haben oder damit ihren Unterhalt verdienen. In zwischenmenschlichen Tableaus, oft vor weißen Wänden mit minimalistischer Inneneinrichtung gefilmt, entwirft der Film das lose Porträt des Paares im zunehmenden Krisenmodus und zugleich einer Gruppe von Suchenden. Jonathans Schwester, die alleinerziehende Natascha (Doreen Fietz), versucht sich beruflich neu zu orientieren. Ihre Tochter Josie (Alma Meyer-Prescott) wiederum begegnet dem nahenden Ende ihrer Kindheit mit Schabernack, klaut Apfelshampoo oder verführt ihre beste Freundin zu Telefonstreichen, die ziemlich peinlich enden. Fabian Stumms Debüt ist ein kleiner, großartiger Film, und das im besten aller Sinne. Ihm gelingt etwas Seltenes: mit Humor und doppeltem Boden von eigentlich schweren Themen zu erzählen und mit ihnen zu spielen. Als Jonathan seinem Partner während eines Radiointerviews die Liebe gesteht, ist Boris gerade Kaffee holen.“ Jens Balkenborg, epd Film „Ich wollte mich mit den Säulen auseinandersetzen, die mein Leben ausmachen. Mich erinnern, was daran gut und stabil ist, was mir Angst oder mich traurig macht und warum das so ist. In gewissem Sinne hat der Film mich mit mir selbst ausgesöhnt und neu verbündet“ Fabian Stumm
Credits:
DE 2023, 104 Min., dt., frz. OmU Regie: Fabian Stumm Kamera: Michael Bennett Schnitt: Kaspar Panizza mit Fabian Stumm, Knut Berger, Marie-Lou Sellem, Susie Meyer, Magnus Mariuson, Doreen Fietz, Alma Meyer-Prescott, Anneke Kim Sarnau, Godehard Giese
“Don’t ask me how I feel about something if you don’t want to hear it!” “I do want to hear it, but sometimes it’s just not true.” Actor Boris and writer Jonathan are a couple. But their relationship has reached a point where they might as well spend their evenings together separately: one lies in bed reading scripts, while the other works at a desk in the next room. Immersing himself deeper and deeper into rehearsals for a new film with an ambitious director, Boris begins to confuse real and fictional characters; meanwhile, Jonathan tries to redefine his voice as a writer. During these days spent struggling with emotional distance and closeness, trust, desire and fear of loss, Boris’s little niece Josie flits about like Shakespeare’s Puck, testing her boundaries. Knochen und Namen is actor Fabian Stumm’s directorial and screenplay feature-length debut. Unfolding in humorous and tender sequences that take place in demarcated, characteristic settings (bedroom, supermarket and rehearsal room), his film is an intelligent and entertaining reflection on relationships.
Credits:
DE 2023, 104 Min., dt., frz. OmU Regie: Fabian Stumm Kamera: Michael Bennett Schnitt: Kaspar Panizza mit Fabian Stumm, Knut Berger, Marie-Lou Sellem, Susie Meyer, Magnus Mariuson, Doreen Fietz, Alma Meyer-Prescott, Anneke Kim Sarnau, Godehard Giese
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