La Maman et la Putain

Filme von Jean Eustache

Jean Eustache, aus­ge­bil­de­ter Elektriker und Autodidakt, war als Arbeiter-Kind eine Ausnahmefigur der ansons­ten bour­geoi­sen Nouvelle Vague. Fast auto­bio­gra­fisch spie­gelt sich sein Leben auch in sei­nen Filmen wie­der. Mit prä­zi­ser Aufmerksamkeit für Sprache, Gesten und sozia­le Wirklichkeiten bewegt sich Eustaches Kino in einem Raum doku­men­ta­ri­scher Fiktion. Dank der Re:Visted-Reihe des Grand film-Verleihs kön­nen wir ein paar sei­ner Klassiker anbieten:

LA MAMAN ET LA PUTAIN von 1973, in dem Jean-Pierre Léaud als Flaneur Alexandre zwi­schen zwei Frauen, end­lo­sen Gesprächen in Pariser Cafés auf der Suche nach sich selbst ist. So., 6.9. 13:00 [Tickets]

Im auto­bio­gra­fisch gefärb­ten MES PETITES AMOUREUSES von 1974
wird der 13-jäh­ri­ge Daniel aus sei­nem behü­te­ten Landleben geris­sen und in die Enge der Stadt und die Härte der Erwachsenenwelt gesto­ßen.
So., 29.8. 16:00 [Tickets]

LA ROSIÈRE DE PESSAC (1968) & LA ROSIÈRE DE PESSAC 79 (1979)
Zwei Dokumentarfilme über die Wahl und das Fest der Rosenkönigin in Pessac bei Bordeaux, die jähr­lich im April und Juni statt­fin­den. Die Zusammenstellung bezieht kei­ne aus­drück­li­che Position zu den Ereignissen; deren schlich­te Dokumentation, 1968 und elf Jahre danach, macht Veränderungen deut­lich. So., 5.9. 14:15, Mi., 9.9. 17:45 [Tickets]

UNE SALE HISTOIRE (1977) besteht aus zwei Filmen: Zunächst ent­stand ein 16-mm-Film, gedreht im Stil des Cinéma véri­té, in der ein Mann von sei­nen voy­eu­ris­ti­schen Erlebnissen in der Toilette eines Pariser Cafés erzählt, wo er ein Loch in der Wand zur Damentoilette ent­deckt hat. Seinen Text ließ Eustache spä­ter, auf 35mm gedreht, von einem pro­fes­sio­nel­len Schauspieler spre­chen. Die Filme wer­den aller­dings in umge­kehr­ter Reihenfolge vor­ge­führt, also die Fiktion vor der Dokumentation – wobei sich natür­lich auch die Frage stellt, was an der von Picq erzähl­ten Geschichte echt ist und was nicht. Auf die­se Weise gelang Eustache eine ein­zig­ar­ti­ge Reflexion über das Verhältnis von Dokumentarischem und Fiktivem. (+ Les pho­tos d’Alix)
31.8. 18:15, Mo., 7.9. 17:45 [Tickets]

NUMÉRO ZÉRO (1971)– das bezeich­net eine Art Nullpunkt, und tat­säch­lich hat Eustache hier fil­misch noch ein­mal von vorn ange­fan­gen: Er lässt sei­ne Großmutter Odette Robert aus ihrem Leben erzäh­len, unter­bro­chen nur von kur­zen Fragen oder Anmerkungen Eustaches, um den Redefluss in Gang zu hal­ten. 
So., 30.8. 16:00 [Tickets]

DU CÔTÉ DE ROBINSON (1964) Zwei jun­gen Männern, die an einem Sonntagnachmittag in Montmartre auf Frauensuche gehen. Der Film kon­zen­triert sich dabei auf Alltagsvorgänge, die nor­ma­ler­wei­se im Kino jener Zeit nicht gezeigt wur­den. &
LE PÈRE NOËL A LES YEUX BLEUS (1966) Um das Geld für einen Mantel zu beschaf­fen, ver­dingt sich ein jun­ger Mann als Kaufhaus-Weihnachtsmann. Wiederum mischt Eustache Alltagsbeobachtungen und Fiktion, und zeich­net so das melan­cho­li­sche Portrait einer Provinzstadt.
Di., 8.9. 17:45 [Tickets]