Die Familie Kobayashi kann endlich aus ihrer winzigen, beengten Wohnung in Tokio in das Haus ihrer Träume am Stadtrand umziehen. Doch die Dinge sind nicht so perfekt, wie sie scheinen: Das Haus ist von Termiten befallen und die Familie beginnt, verrückt zu werden. „Ishiis Film zu sehen ist ein bisschen so, als würde man den Nervenkitzel seiner ersten Begegnung mit Monty Python vor all den Jahren wiederentdecken: schwarzer Humor in seiner bösartigsten (d.h. lustigsten) Form, temporeich wie ein Pendlerexpress und gewürzt mit einer Prise Science-Fiction, die selbst den am meisten gechippten Zuschauer im Unklaren darüber lässt, wohin er, sie oder es geht.“ TIMEOUT „Die schiere Hemmungslosigkeit des Films reicht aus, um das Interesse aufrechtzuerhalten, da man nicht weiß, wie weit er gehen kann (…) unverkennbar ein Film, in dem keine Grenzen gesetzt sind.“ NYTIMES
The Kobayashi family finally are able to move out of their tiny, cramped Tokyo apartment to the suburban house of their dreams. But things are not as perfect as they seem: the house is infested by termites and the family starts going crazy: Son Masaki is studying so obsessively for his exams that he’s losing his mind; daughter Erika is oblivious of all but her forthcoming record company audition, grandfather Yasukuni starts getting World War II flashbacks and father Katsuhiko is so worried about his family’s “sickness” that he thinks can only be cured by group suicide. As the Kobayashis’ house begins to crumble, so does the sanity of its inhabitants. Katsuhiko takes it upon himself to keep them from the asylum…at any cost.
Gagarin erzählt die Geschichte von Youri (Alseni Bathily), der guten Seele einer Nachbarschaft, der an der Idee und an den Erinnerungen eines solidarischen Zusammenlebens festhält, bis es nicht mehr geht. Youri ist der selbsternannte Hausmeister einer 60er Jahre Siedlung in einer Vorstadt von Paris namens Gagarin. Obwohl er und seine Freunde sich größte Mühe geben, können sie nicht verhindern, dass die Stadt beschließt, dass die Siedlung abgerissen werden soll. Nach und nach ziehen alle weg, nur Youri hat für sich beschlossen zu bleiben. Erst mal findet Youri neue Freunde. Das Roma Mädchen Diana (Lyna Khoudri, The French Dispatch) ist fasziniert von seinem Einsiedlertum und der Dealer Dali (Finnegan Oldfield, Corsage) lebt auch noch irgendwo im Gebäudekomplex. Dann aber wird die illegale Siedlung von Dianas Familie von der Stadt aufgelöst. Und auch Dali verschwindet nach eine gewalttätigen Auseinandersetzung mit den Bauarbeitern, die Gagarin versiegeln und für die Sprengung vorbereiten. Als letzter Bewohner lebt Youri in der Siedlung wie in einem Raumschiff. Youri weiß, dass er sich in eine Sackgasse manövriert hat, und dass seine Umgebung immer lebensfeindlicher wird. Aber Youri ist stur, er will seine Mission, wie einen Parabelflug beenden und so arbeitet er an einem Countdown, an dessen Ende die Hochhaussiedlung Gagarin für ihn um Hilfe rufen soll. Leider zählt währenddessen noch ein anderer Countdown von 10 bis 0.
Credits:
FR 2020, 95 Min., franz. OmU Regie: Fanny Liatard, Jérémy Trouilh Kamera: Victor Seguin Schnitt: Daniel Darmon mit Alseni Bathily, Lyna Khoudri, Jamil McCraven, Finnegan Oldfield, Farida Rahouadj, Denis Lavant
Trailer:
Gagarin – Einmal schwerelos und zurück TLR 24p OmU Trailer
Gagarin erzählt die Geschichte von Youri (Alseni Bathily), der guten Seele einer Nachbarschaft, der an der Idee und an den Erinnerungen eines solidarischen Zusammenlebens festhält, bis es nicht mehr geht. Youri ist der selbsternannte Hausmeister einer 60er Jahre Siedlung in einer Vorstadt von Paris namens Gagarin. Obwohl er und seine Freunde sich größte Mühe geben, können sie nicht verhindern, dass die Stadt beschließt, dass die Siedlung abgerissen werden soll. Nach und nach ziehen alle weg, nur Youri hat für sich beschlossen zu bleiben. Erst mal findet Youri neue Freunde. Das Roma Mädchen Diana (Lyna Khoudri, The French Dispatch) ist fasziniert von seinem Einsiedlertum und der Dealer Dali (Finnegan Oldfield, Corsage) lebt auch noch irgendwo im Gebäudekomplex. Dann aber wird die illegale Siedlung von Dianas Familie von der Stadt aufgelöst. Und auch Dali verschwindet nach eine gewalttätigen Auseinandersetzung mit den Bauarbeitern, die Gagarin versiegeln und für die Sprengung vorbereiten. Als letzter Bewohner lebt Youri in der Siedlung wie in einem Raumschiff. Youri weiß, dass er sich in eine Sackgasse manövriert hat, und dass seine Umgebung immer lebensfeindlicher wird. Aber Youri ist stur, er will seine Mission, wie einen Parabelflug beenden und so arbeitet er an einem Countdown, an dessen Ende die Hochhaussiedlung Gagarin für ihn um Hilfe rufen soll. Leider zählt währenddessen noch ein anderer Countdown von 10 bis 0.
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FR 2020, 95 Min., franz. OmU Regie: Fanny Liatard, Jérémy Trouilh Kamera: Victor Seguin Schnitt: Daniel Darmon mit Alseni Bathily, Lyna Khoudri, Jamil McCraven, Finnegan Oldfield, Farida Rahouadj, Denis Lavant
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Gagarin – Einmal schwerelos und zurück TLR 24p OmU Trailer
Trojan ist ein professioneller Verbrecher, der auf Raubüberfälle spezialisiert ist. Aus dem Gefängnis entlassen, macht er dort weiter, wo er vor seiner Verhaftung aufgehört hatte. Doch muss er jetzt wieder fast von Null anfangen. Seinem ausgeprägten Bedürfnis nach Unabhängigkeit stellen sich zahlreiche Hindernisse in den Weg. Er steht fast ohne Geld da und der Großteil seiner alten Kontakte erweist sich als wenig zuverlässig. Richard Bauer, der Trojan seinen Anteil aus einem früheren Coup schuldet, hat nicht vor ihn auszuzahlen. Stattdessen setzt er seine Leute auf Trojan an, um ihn loszuwerden. Durch die Vermittlung von Dora Hillmann, mit der er nach langer Zeit wieder zusammentrifft, eröffnet sich ihm die Möglichkeit auf einen Geldtransporterüberfall. Als Trojan gemeinsam mit seinem alten Freund Nico die Vorbereitungen für den Job trifft, hängt sich auch der korrupte Polizist Meyer an ihn dran. In einem Geflecht aus Misstrauen, Verrat, Beschattung und Gewalt muss Trojan den Überblick behalten.
Erster Teil der Trojan Trilogie von Thomas Arslan. Der 2. Teil ist Verbrannte Erde
Der Tagesspiegel:Solche Geschichten werden im Kriminalgenre immer wieder erzählt – doch selten so, wie Thomas Arslan es in seinem Film „Im Schatten“ macht. Arslan ist ein eisern konsequenter Regisseur, der seinen kargen, exakten Stil (Berliner Schule!) nicht preisgibt, bloß weil er mal ins Genrekino wechselt. Seine Gangster sind keine coolen Sprücheklopfer wie Tarantinos „Reservoir Dogs“. Sie umgibt nicht die existenzialistische Aura der Helden von Jean-Pierre Melville. Auch die Melancholie und obsessive Getriebenheit, die man aus den Filmen Michael Manns kennt, geht ihnen ab.
Credits:
DE 2010, 85 Min., DF Regie: Thomas Arslan Kamera: Reinhold Vorschneider Schnitt: Bettina Blickwede mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, David Scheller, Peter Kurth
Trojan is released from jail and goes straight back to his profession as a criminal. He gets hold of a weapon and looks out for new jobs. In just a few takes, Thomas Arslan sets up the anonymous world of his gangster protagonist by falling back on motifs and characters from the genre. The backroom of a car workshop, parking lots, furnished apartments. One meets men and women who distrust each other because they are all out to line their own pockets. The setting changes constantly, with surveillance and chase scenes providing a dynamic narrative rhythm. Since crime makes up Trojan’s daily existence, the film concentrates entirely on the technical nature of a life outside the law. The reduced and clear-cut images – shot with a Red camera – highlight the exact sequence of events. Im Schatten is a genre film that focuses consistently on the mechanics and external process of a crime. It develops a sense of great suspense, without burdening its figures with personal stories. Each hand movement has to be right. All of a sudden, the question of whether Trojan will manage to start the getaway car on time becomes a great movie moment.
Credits:
DE 2010, 85 Min., DF Regie: Thomas Arslan Kamera: Reinhold Vorschneider Schnitt: Bettina Blickwede mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, David Scheller, Peter Kurth
Im Jahr 2006 hält die Modernisierung Einzug im Königreich Bhutan: Als letztes Land der Erde erhält Bhutan Zugang zu Fernsehen und Internet. Doch die größte Veränderung steht noch bevor: Die Einführung der Demokratie. Nach seinem Oscar-nominierten Spielfilmdebüt Lunana liefert Pawo Choyning Dorji mit The Monk and the Gun eine witzige und warmherzige Politsatire mit überraschenden Wendungen.
Es war eine kleine Sensation: Im Jahr 2022 wurde ein bhutanischer Filmemacher mit seinem ersten Spielfilm für die Oscars nominiert. Sein Film Lunana, den er ausschließlich mit Solarenergie gedreht hatte, feierte grosse Erfolge und lockte allein in der Schweiz 15’000 Menschen in die Kinos. Mit The Monk and the Gun meldet sich Pawo Choyning Dorji mit einem ebenso vergnüglichen wie auch wohltuenden Film zurück: Während die Bevölkerung gerade James Bond, das Fernsehen und das Internet entdeckt hat, beschließt der König, sein Land weiter zu modernisieren, indem er Wahlen anberaumt, um ein parlamentarisches System einzuführen. Doch kaum steht der politische Wandel bevor, beginnt die Machtgier die Gemüter der sonst so sanftmütigen Bevölkerung zu erhitzen. Dorji schickt drei Figuren auf die Reise, deren Wege sich vor atemberaubender Kulisse kreuzen werden: Wahlleiterin Tshering Yangden soll in den Bergdörfern Testwahlen durchführen und ein junger Mönch für die geheimnisvolle Zeremonie seines Meisters zwei Schusswaffen finden, während ein US-amerikanischer Waffensammler ein altes Gewehr sucht.
Was will ein Mönch mit einer Waffe? Dorjis pazifistische Antwort ist in Zeiten wie diesen schlicht eine Wohltat und die Seitenhiebe auf den Kapitalismus sind urkomisch. In seinem zweiten Spielfilm entpuppt sich der junge Regisseur als begnadeter Geschichtenerzähler, der das Publikum über die Motive seiner Figuren bis zum Schluss rätseln lässt und die Spannung bravourös aufrechterhält. Ohne zu urteilen und mit viel Respekt richtet Dorji seinen Blick auf das Geschehen und auf einen Moment in seiner Heimat, in dem politische Veränderungen mit den traditionellen buddhistischen Werten kollidieren.
Credits:
The Monk and the Gun BT 2023, 107 Min., Dzongkha, Englisch OmU Regie: Pawo Choyning Dorji Kamera: Jigme Tenzing Schnitt: Hsiao-Yun Ku mit: Tandin Wangchuk, Deki Lhamo, Pema Zangmo Sherpa, Tandin Sonam, Harry Einhorn, Choeying Jatsho, Tandin Phubz, Yuphel Lhendup Selden, Kelsang Choejay
Kingdom of Bhutan, 2006. Modernization has finally arrived. Bhutan becomes the last country in the world to connect to the internet and television, and now the biggest change of all: democracy. To teach the people how to vote, the authorities organize a mock election, but the locals seem unconvinced. Traveling to rural Bhutan where religion is more popular than politics, the election supervisor discovers that a monk is planning a mysterious ceremony for the election day.
Credits:
The Monk and the Gun BT 2023, 107 Min., Dzongkha, Englisch OmU Regie: Pawo Choyning Dorji Kamera: Jigme Tenzing Schnitt: Hsiao-Yun Ku mit: Tandin Wangchuk, Deki Lhamo, Pema Zangmo Sherpa, Tandin Sonam, Harry Einhorn, Choeying Jatsho, Tandin Phubz, Yuphel Lhendup Selden, Kelsang Choejay
Lucy und Jane sind seit ihrer Jugend beste Freundinnen. Sie leben in Los Angeles, wo Jane in einer Werbeagentur tätig ist und sich Lucy in einem Spa verdingt, während sie eigentlich Malerin sein will. Lucy hadert aber vor allem mit ihrer Sexualität. Erst jetzt, im Alter von 32 Jahren, will sie sich eingestehen, dass sie lesbisch ist. Just in dem Moment erhält Jane ein Angebot ihrer Firma, eine Dependance in London aufzubauen – dort lebte sie, bis ihre Eltern mit ihr im Teenageralter in die USA kamen. Bevor sie geht, möchte sie Lucy aber noch helfen, zu sich zu finden, doch dann kommt es zum schweren Streit zwischen beiden Frauen.
„Dass Am I OK? weniger eine Coming-out-Geschichte ist als eine über die tiefe und dadurch nicht unkomplizierte Freundschaft zweier Frauen, ist die eigentliche Überraschung dieses von Lauren Pomerantz geschriebenen Films – und seine große Stärke. Die Erkenntnis, dass für nicht wenige Menschen – ob queer oder nicht – oft die engen, platonischen Beziehungen im Leben die eindeutig wichtigeren (und auch erzählerisch ergiebigeren) sind, kommt ja in Film und Fernsehen sonst eher zu kurz. All das wäre nur halb so sehenswert, würden Johnson und Mizuno (die durch Alex Garlands Ex-Machina bekannt wurde und seither in jedem seiner Filme zu sehen war) nicht so ein großartiges, glaubwürdiges Freundinnenduo abgeben. Gerade gegensätzlich genug, aber nie bloß plumpes Klischee. Den rasanten, ungemein pointierten, jedoch nie unnatürlich wirkenden Dialogwitz, der längst nicht nur an Notaros Stand-up-Progamme erinnert, erwecken die beiden mit so viel Authentizität und Frische zum Leben, dass es die reinste Freude ist. Und die Gefahr, dass die Queerness der Geschichte zum bloßen Running Gag ohne Hand und Fuß verkommt, besteht bei lauter lesbischen Frauen, die die kreative Verantwortung hinter der Kamera tragen, zum Glück ebenfalls nicht. Langer Rede kurzer Sinn: Witziger und charmanter hat man sich in diesem Jahr im Kino noch kaum amüsiert.” Patrick Heidmann | epd Film
Lucy is a 32-year-old woman living in Los Angeles with her best friend Jane and working as a receptionist at a spa. She finds little satisfaction in her romantic life, including with her friend Ben, who becomes frustrated at her continued avoidance of his advances. Jane receives a work promotion that will require her to relocate to London, and goes out for drinks with Lucy and Jane’s boyfriend Danny to celebrate. After Jane confesses to kissing a female friend as a teenager, Lucy drunkenly tells her that she thinks she might be a lesbian. Jane encourages her to explore her feelings, suggesting that Lucy should pursue her flirtatious massage therapist co-worker Brittany.
Lucy invites Brittany to her house for dinner, but receives mixed signals as Brittany shares about her ex-boyfriend, but also declares her sexuality to be „on the spectrum” and kisses her before leaving. Jane brings Lucy to a lesbian bar, but Lucy is shy and soon leaves after seeing Jane kissing other women on the dance floor; the two fight and stop speaking. Lucy meets up with Brittany again. The two have sex, but Brittany quickly leaves the following morning and becomes distant, later reconciling with her ex-boyfriend. Meanwhile, Jane deals with the pressures of her upcoming move, including her self-absorbed co-worker Kat and Danny’s confession that he does not want to join Jane in London as she assumed he would.
Lucy quits her job to return to her passion of painting, and begins meeting other women on dating apps. She comes out to Ben, and the two reconcile as friends. After going on a „hammock retreat” with Kat, Jane makes up with Lucy, excitedly offering support for the changes in her life. Lucy offers to drive Jane to the airport as she heads to London, only to reveal that she will be joining her on the trip to help ease her transition.
NachIm Schatten(2010) kommt endlich der zweite Teil der Trilogie um den Berufskriminellen Trojan, gespielt von Mišel Matičević, ins Kino. Trojan, der aus einer anderen Zeit zu stammen scheint, geht professionell und nüchtern seiner Tätigkeit als Spezialist für Einbruchsdiebstahl nach. Wortkarg und zielorientiert versucht er, wieder auf die Beine zu kommen, geht zurück nach Berlin, um dort anzuknüpfen, wo er vor vierzehn Jahren abbrechen musste, um sich in Sicherheit zu bringen. Schließlich wird ihm ein Job anvertraut, er sucht sich ein Team von ebenbürtigen Spezialisten zusammen, es geht endlich wieder los…Der Kameramann Reinhold Vorschneider kreiert eine Nachtwelt voller Lichter und Schatten, die die Protagonisten nie preisgibt. Aber wir glauben Trojan zu kennen und erkunden mit ihm das Labyrinth, ahnen den Verrat und wissen: dies ist erst der zweite Teil der Trilogie und Trojan wird überleben. Oder?
„Was Christoph Hochhäusler schon im Vorjahr auf dem Festival bewiesen hatte, mit seinem wunderbar sinnlichen Bis ans Ende der Nacht, setzt sein Berliner-Schule-Kollege Arslan nun fort. Er entwirft ein Kino, das sich nicht zwischen Genre- und Autorenfilm entscheiden muss, zwischen Erdung und Veredelung, das sich nicht um sich selbst betrügen muss und deshalb so freimütig von Betrügereien erzählt — weil sie mitunter viel schöner sein können als die sogenannte ehrliche Arbeit. Thomas Arslan hat seinem Meisterverbrecher Trojan 14 Jahre nach Im Schatteneinen ebenbürtigen zweiten Film geschenkt. Das ist vor allem wegen seines Hauptdarstellers Mišel Matičević ein absoluter Glücksfall für das deutsche Kino. Matičević versteht es, Intellekt und Physis zu verbinden, Gefahr und Moralität, die Überschätzung der eigenen Unverwundbarkeit und die subtile Vorahnung des Verhängnisses…“ Daniel Moersener, Zeit Online, Artikel zur Berlinale 2024
Credits:
DE 2024, 101 Min., dt. OmeU Regie: Thomas Arslan Kamera: Reinhold Vorschneider Schnitt: Reinaldo Pinto Almeida mit Mišel Matičević, Marie Leuenberger, Alexander Fehling, Tim Seyfi, Bilge Bingül, Marie-Lou Sellem, Katrin Röver, Anja Schneider, Tamer Yiğit
Following In the Shadows, the film Scorched Earth is the second part of Thomas Arslan’s Trojan trilogy. Twelve years after career criminal Trojan was forced to flee Berlin, the search for contracts leads him back to the city. Trojan is broke and urgently needs a new job. But Berlin has changed and his old contacts are no longer of much use. Plus, Trojan’s maxim of only ever working for cash is hard to follow in an increasingly digitalised world. So it takes some time before the middlewoman Rebecca finally offers him the prospect of a lucrative contract: a painting by Caspar David Friedrich is to be stolen from a museum. The heist unites Trojan with getaway driver Diana, his former mate Luca and the young Chris. Everything looks promising, but the shadowy client and his henchman Victor have their own plans for the painting. Soon it becomes less about the money and more about getting out alive.
Credits:
DE 2024, 101 Min., dt. OmeU Regie: Thomas Arslan Kamera: Reinhold Vorschneider Schnitt: Reinaldo Pinto Almeida mit Mišel Matičević, Marie Leuenberger, Alexander Fehling, Tim Seyfi, Bilge Bingül, Marie-Lou Sellem, Katrin Röver, Anja Schneider, Tamer Yiğit
Seenotrettung taucht in der Öffenlichkeit und der Agenda der EU-Staaten derzeit fast nur noch als Schleusungskriminalität auf, während viel Fantasie, Geld und Unmoral aufgebracht wird, um Geflüchtete möglichst weit außen vor zu halten – wie uns die IMK am, man könnte es zynisch nennen, Weltflüchtlingstag in Potsdam gerade vor Augen führte. Wie wenig Lebensrettung im Meer mit dem zu tun hat, wie sie politisch behandelt wird, zeigt Jürgen Schörnigs Echtzeitdokumentation Einhundertvier. Sie zeugt davon, wie lange es dauert und wie schwierig es ist, 104 Menschen schon allein bei ruhiger See aus einem defekten, sinkenden Gummischlauchboot zu bergen. Nicht nur das: die plötzlich auftauchende Libysche Küstenwache bringt zusätzlich erhebliche Unruhe ins Spiel – einige Männer vom Boot würden lieber sterben, als zurück nach Libyen zu müssen. Auch wenn der nur halbwegs glückliche Ausgang, alle Männer wurden gerettet, aber ein weiteres Schlauchboot in der Nähe, mit Frauen und Kindern, konnte in der Weite des Meeres nicht mehr gesichtet oder geortet werden, bekannt ist, bleibt doch eine dem Sujet innewohnende Spannung. Die Hochachtung für die uneigennützige risikante Arbeit der Retter*innen wechselt ab mit dem Unglauben über den unfassbaren Mut der Ausweglosigkeit, mit dem sich Menschen dicht gedrängt auf ein seeuntaugliches Gefährt setzen, und eine solche Überfahrt wagen. Den Kaptän des agierenden Rettungsbootes „Eleonore”, Claus-Peter Reisch, kennen wir bereits aus dem Dokumentarfilm Nichts Neues von Lennart Hüper. Dort geht es um die monatelange Festsetzung „seines“ vorherigen Rettungsbootes auf Malta, und die – in letzter Instanz dann doch gewonnenen – unverschämten Gerichtsverfahren gegen ihn.
Credits:
DE 2023, 93 Min., engl., dt. OmU Regie & Schnitt: Jonathan Schörnig Kamera: Jonathan Schörnig, Johannes Filous
How a sea rescue can take place is beyond imagination. The real-time documentary “One Hundred Four” (German original title: “Einhundertvier“) brings this dramatic situation closer. The film shows how agonisingly long it takes to rescue 104 people from a sinking rubber dinghy. Person by person, step by step, the action is accompanied by several parallel cameras. The situation comes to a head when the Libyan coastguard appears. The rescued people and the crew wait for days on the high seas, as no Mediterranean country allows them to dock. Only after a terrible storm does the ship reach a European harbour.
Every year, the world’s most dangerous escape route claims thousands of lives. In the first half of 2023 alone, almost 2,000 people died in the Mediterranean because the European Union‘s border policy systematically violates existing rights. Instead of helping the shipwrecked, Frontex carries out illegal pushbacks, supports the violent actions of the Libyan coastguard and massively combats private sea rescue missions that intervene where the EU fails. Despite media evidence, it remains incomprehensible to those who have not experienced this situation themselves: why are hundreds of people in mortal danger being denied help and the civilian helpers even threatened and criminalised?
Jonathan Schörnig was affected by the dilemma of lack of awareness and decided to bring a sea rescue to the screen as a real-time documentary to show how agonisingly long it takes to rescue 104 people from a sinking rubber boat. The film accompanies the action person by person, step by step, with several parallel cameras.
The situation comes to a head when the Libyan coastguard turns up. The rescued people and the crew wait for days on the high seas, as no Mediterranean country allows them to dock. Only after a terrible storm does a harbour grant them entry. What sounds like a bad film script is actually the daily reality.
Credits:
DE 2023, 93 Min., engl., dt. OmU Regie & Schnitt: Jonathan Schörnig Kamera: Jonathan Schörnig, Johannes Filous
Averroes und und Rosa Parks sind zwei Abteilungen des Krankenhauses von Saint-Maurice bei Paris. Benannt wurden sie nach dem im 12.Jh tätigen muslimischen Philosophen und Arzt Ibn Ruschd (latinisiert Averroes), und der US-amerikanischen Bürgerrechtsikone Rosa Parks. Die Namen sind auch Auftrag, es gilt, in der Einrichtung, wo einst auch der Dichter Paul Verlaine und der Marquis de Sade untergebracht waren, den Patient:innen mit notwendigem Respekt zu begegnen. Die ersten Einstellungen schauen von oben: Eine Drohnenkamera kreist über den riesigen Gebäudekomplex, es ist schwer zu entscheiden, was zu sehen ist – Parkanlage oder Gefängnis. Hier sind stationären psychiatrischen Abteilungen untergebracht, aus denen manche der Tagesbesucher zum Klinikboot Adamant kommen. Der Dokumentarfilm Auf der Adamant gewann 2021 den Goldenen Bären der Berlinale. Mit Averroès & Rosa Parks legt Nicolas Phillibert jetzt eine zweite, konzentriertere Arbeit zum Thema nach. Der Film besteht zum großen Teil aus Gesprächen zwischen dem Personal und den dort untergebrachten Patient:innen (von denen einige sich selbst eingeliefert haben, und manche bald entlassen werden sollen), unaufdringlich gefilmt aus gebührender Distanz. Die hier behandelten Menschen leiden unter schwerwiegenden Krankheitsbildern wie Schizophrenie, Bipolare Störung, Angst- und Panikattacken oder Psychosen, die ihnen ein Leben ohne medizinische Behandlung und Aufsicht häufig unmöglich machen. Der Film lässt sich Zeit, und bei jedem „Interview“ genanntem Gespräch gibt es die Möglichkeit, die Einzelnen zu sehen und das Gesagte mit den eigenen Erfahrungen und weiteren, größeren Zusammenhängen abzugleichen. Der Mitleid- oder Abwertungsfalle kann dadurch entgangen werden, ohne erlebtes, erfahrenes und praktisches Leid zu bagatellisieren. Das ist so faszinierend wie erhellend, auch eine Gruppensitzung mit auch politischen Themen ist spannender und ergiebiger als 99% der Talkrunden, in gleich welchem Medium. Keine große Rolle spielt, aber jederzeit erkennbar ist zudem die prekäre Situation des Krankenhausbetriebs und die Belastung des Personals. „Ein äußerst gelungenes und fesselndes Werk“ Screen International
Credits:
FR 2024, 143 Min., franz. OmU Regie & Kamera: Nicolas Philibert Schnitt: Nicolas Philibert, Janusz Baranek mit: den Patient:innen und den Betreuer:innen der Averroès und Rosa Parks Krankenhauseinheiten im Esquirol Krankenhaus, Charenton-le-Pont, Paris.
“Averroès” and “Rosa Parks” are two psychiatric units at the Esquirol Hospital in Paris. They belong to the same network as the “Adamant”, the floating day clinic on the river Seine at the heart of Nicolas Philibert’s film Sur l’Adamant, winner of the Golden Bear at the 2023 Berlinale. In Averroès & Rosa Parks, Philibert continues his exploration of this topic. From individual interviews to meetings between patients and carers, the filmmaker focuses on showing a form of psychiatry that continually strives to make room for and rehabilitate the patients’ words. Little by little, each one eases open the door to their world. But within an increasingly worn-out health system, how can the forsaken be given a place in society among the rest?
Credits:
FR 2024, 143 Min., franz. OmU Regie & Kamera: Nicolas Philibert Schnitt: Nicolas Philibert, Janusz Baranek mit: den Patient:innen und den Betreuer:innen der Averroès und Rosa Parks Krankenhauseinheiten im Esquirol Krankenhaus, Charenton-le-Pont, Paris.
Unter den Fachbesucher*innen galt er schnell als Geheimtip, beim restlichen Berlinale-Publikum wurde er bald zum Liebling – der iranische Wettbewerbsbeitrag My Favourite Cake / Ein kleines Stück vom Kuchen. Die berührende Geschichte von Annäherung und Zuneigung zweier einsamer Menschen ist zugleich eine des Widerstandes gegen die Vorschriften einer Gesellschaft, die Verletzungen ihrer Sitten- und Moralvorstellungen sehr schnell und sehr hart ahndet. Seit ihr Mann vor 30 Jahren starb, lebt Mihan allein in ihrem kleinen Haus mit Garten in Teheran. Bei den regelmäßigen Kaffeekränzchen mit Freundinnen wird gerne alles besprochen, so wird neben den Berichten von (natürlich verbotenen) amourösen Abenteuern gerne auch mal die DVD der letzten Darmspiegelung herumgereicht. Dabei bekommt sie immer wieder zu hören, sie solle sich doch auch einen neuen Begleiter suchen – schließlich sei sie ja mit ihren 70 Jahren noch fit und attraktiv. Schließlich fasst sich Mahin in Herz und geht auf die Suche. Als ihr der ebenfalls verwitwete Taxifahrer Faramarz begegnet und gefällt, ergreift sie selbstbewusst die Initiative und lädt ihn zu sich ein. Die beiden kommen verstehen sich, verabreden sich, es gibt Wein, Tanz und natürlich selbstgebackenen Kuchen. Aber vorsichtig müssen sie sein, denn schon erkundigt sich die Nachbarin nach den unbekannten Stimmen im Haus. Weil sie die Menschen realitätsnah so zeigen, wie sie sind und was sie tun, und damit Grenzen des Erlaubten verletzen, durften Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha (Ballade von der weißen Kuh, 2021 ebenfalls im Berlinale Wettbewerb) nicht nach Berlin reisen. So trägt Mihan im Haus keinen Hijab und trinkt Wein. Es sei aber an der Zeit, diese standardisierten Vorgaben im iranischen Kino zu durchbrechen, so erklärte Darstellerin Lily Farhadpour, die als Menschenrechts-Aktivistin bereits Gefängniserfahrung hat, bei der Pressekonferenz. Diese zärtliche und (gelegentlich schwarz-) humorige Liebesgeschichte zeigt schonmal, wie es geht.
Credits:
Keyke mahboobe man / My favourite cake IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., farsi OmU Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha Kamera: Mohammad Haddadi Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi,
The 70-year-old Mahin has been living alone in Tehran since her husband died and her daughter left for Europe. One afternoon, tea with friends leads her to break her solitary routine and revitalise her love life. But as Mahin opens herself up to a new romance, what begins as an unexpected encounter quickly evolves into an unpredictable, unforgettable evening.
Credits:
Keyke mahboobe man / My favourite cake IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., farsi OmU Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha Kamera: Mohammad Haddadi Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi,
Bahars Bruder Taner sitzt in Deutschland im Gefängnis und steht kurz vor der Abschiebung in die Türkei. Bahar nutzt die Zeit des Wartens, um die Kamera auf ihre Familienangehörigen zu richten. In ruhigen und einfühlsamen Bildern erkundet sie die emotionalen und geografischen Welten der Familie von Entwurzelung und Neubeginn zwischen Deutschland und der Türkei. In Gesprächen mit ihren Eltern sowie ihren beiden anderen Brüdern begibt sie sich auf eine schmerzhafte Reise in die Vergangenheit. Politische Verfolgung der alevitisch-kurdischen Familie in der Türkei, die Flucht nach Europa 1989, rassistische Übergriffe, Depressionen und Überforderung der Eltern – all das traf die Kinder, die damit unterschiedlich umgehen. Die Ungewissheit über Taners Schicksal in der Türkei ist nur ein Spiegel ihrer Lebenserfahrung als Familie im Exil. Die Verzerrung von Vergangenheit und Gegenwart sowie unterschiedlicher Geografien konfrontiert die Zuschauenden mit einer der Eigenschaften des Exils, nämlich dem Verlust der Orientierung in Zeit und Raum. Ausgezeichnet mit dem FFF-Förderpreis Dokumentarfilm bei Dokfilm München: „Es ist selten, dass ein Dokumentarfilm die ganze Komplexität abbildet, die das Exil mit sich bringt. Exile never ends ist eine bemerkenswerte Ausnahme, denn der Film erforscht zwei Arten von Exil: das einer kurdischen Familie, die vor Verfolgung aus der Türkei nach Deutschland floh, und das der beiden Söhne, die ihre Beziehung zu dem Land, in dem sie aufgewachsen sind, in Frage stellen. Der Film thematisiert Generationenkonflikte und die Herausforderungen von Integration – ohne dabei eine eigene Agenda zu verfolgen. Bahar Bektaş erzählt diese vielschichtige, intime Geschichte, zeichnet einfühlsam die komplexen Gefühlslagen ihrer Familienmitglieder nach und taucht auf ganz eigene Weise in die emotionalen und geographischen Räume von Vertreibung und Neuanfang ein. Die Jury entschied sich einstimmig für den Film und würdigt die Sensibilität und Beobachtungsgabe einer sehr talentierten Regisseurin.“
Credits:
DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deutschen Untertiteln Regie: Bahar Bektaş Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin Schnitt: Arash Asadi
Trailer:
Exile never ends | offizieller deutscher Trailer
“The longing for your homeland never goes away,” says the filmmaker Bahar Bektaş. Her brother is in prison in Germany. He is supposed to be deported and is waiting for the early transfer to Turkey he has requested. Because there seems to be no end to the waiting, Bahar turns her camera on her Alevi Kurdish family and examines the consequences of being uprooted. Ina Borrmann
Credits:
DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deutschen Untertiteln Regie: Bahar Bektaş. Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin Schnitt: Arash Asadi
Trailer:
Exile never ends | offizieller deutscher Trailer
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