Taxi Teheran

Es stei­gen ein: Ein Straßenräuber, zwei älte­re Damen mit Goldfisch, ein ner­vi­ger Nerd, Verkäufer von DVDs, eine Rechtsanwältin, die klei­ne Nichte des Taxifahrers. Es ist kaum zu unter­schei­den, ob die Fahrgäste eine Rolle oder sich selbst spie­len, was ins­be­son­de­re auf den Taxifahrer und den Regisseur Jafar Panahi zutrifft. Schon auf die­ser Ebene ist der Film ein Spiel um Identitäten, die ver­su­chen, mit, gegen und auf Umwegen in dem auto­ri­tä­rem ira­ni­schem Regime zu leben. Das ist nicht nur komisch erzählt (und nicht aus­schließ­lich, wie der Filmverleih ver­sucht zu sug­ge­rie­ren), son­dern auch hier und da tra­gisch und häu­fig unter­schwel­lig bedroh­lich. Der Film ist sub­til erzählt und ver­weist in sei­nen ein­zel­nen Episoden immer wie­der über sich hin­aus, ohne aber das Gezeigte, den Alltag zu ver­las­sen und wirkt dadurch kom­ple­xer, als es auf den ers­ten Blick erscheint.

Bevor der Film auf der Berlinale sei­ne Premiere fei­er­te, ärger­te sich das kon­ser­va­ti­ve ira­ni­sche Kulturinstitut Avin schon ein­mal vor­sorg­lich, dass Panahi schon wie­der in den Wettbewerb des Festivals ein­ge­la­den wur­de. Diese Entscheidung sei nur poli­tisch begrün­det, hieß es, weil Panahis Filme unter cine­as­ti­schen Gesichtspunkten schwach sein. Komischerweise trifft die­se Beschreibung ziem­lich gut auf einen Großteil eines nor­ma­len Berlinale-Wettbewerbs zu, nicht aber auf Taxi Teheran. Denn wäh­rend in Berlin Filme vor­ran­gig wegen ihrer Themen gezeigt wer­den, beweist Panahi ein wei­te­res Mal, dass sich auch unter den denk­bar schlech­tes­ten Bedingungen noch ein Kino rea­li­sie­ren lässt, dass nicht nur poli­tisch rele­vant ist, son­dern auch for­mal durch­aus anspruchsvoll.“
(Michael Kienzl)

Iran 2014  far­si OmU, 82 Min. 
Regie:  Jafar Panahi 
mit: Jafar Panahi