Paradies

Ein Film von Andrei Konchalovsky. Ab 27.7. im fsk.

Konchalovsky macht uns mit drei Personen vertraut, deren Wege sich während der Nazidiktatur kreuzen. Jules, Polizeioffizier und Kollaborateur, der im besetzten Paris für die Deutschen die Drecksarbeit macht, Folter eingeschlossen. Ansonsten ein Mann mit Stil und Familie. Olga, die russische Aristokratin im Exil versucht zwei jüdische Kinder zu verstecken. Sie wird verhaftet, Jules vorgeführt und schließlich ins Konzentrationslager verschleppt. Helmut ist die dritte Person, ein glühender Nationalsozialist, SS Offizier und Lagerkontrolleur. Er trifft Olga, die er zufällig auf einer Reise in Italien kennenlernte, im KZ wieder. Die Handlung wird immer wieder unterbrochen, weil die drei Hauptpersonen des Kammerspiels über das Erlebte befragt werden. Offensichtlich befinden sie sich dabei nicht mehr im Diesseits. Sie reflektieren was geschah, geben Auskunft, schweifen ab, erzählen. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen im 4:3-Format bei den Befragungen, die manchmal fast wie Tableaus wirkenden Bilder sowie die kunstvolle Einführung und Verschränkung der drei Hauptfiguren lassen PARADIES wie eine Parabel erscheinen. Dazu passt auch das stets etwas distanziert wirkende Spiel der Darsteller bei gleichzeitiger Überzeichnung der Charaktere, was insbesondere bei den Deutschen wie dem KZ-Kommandanten Krause oder Heinrich Himmler deutlich auffällt. Dadurch entgeht Konchalovsky der Gefahr, sich an Klischees abzuarbeiten und schlägt einen anderen, abstrakteren Weg ein. Die einzige natürliche Person ist Olga. Menschlich in einer von machtsüchtigen, entindividualisierten Männern dominierten Schreckenszeit.

"Mit seinem ästhetisch beeindruckenden Werk gelingt dem international bekannten russischen Regie-Altmeister Andrej Konschalowsky ein subtiler Blick aus gesamteuropäischer Sicht auf Schicksale in Zeiten des barbarischen Horrors durch den Holocaust. Speziell mit den streng kadrierten Schwarz-Weiß-Aufnahmen versucht er sich dem Grauen nüchtern und unprätentiös zu nähern. Die beängstigende Atmosphäre seines Melodrams, um eine hoffnungslose Liebe, verschärft er weniger durch dramaturgische Zuspitzung, sondern verdichtet es mit stilistischen Mitteln, wie den Zeugen-Sequenzen seiner Darsteller vor einer Art Jenseits-Gericht."
Luitgard Koch | programmkino.de

Russland/Deutschland 2016, 130 min., russisch, deutsche, französische, hebäische OmU
Regie: Andrei Konchalovsky
Drehbuch: Andrei Konchalovsky, Elena Kiseleva.
Darsteller: Julia Vysotskaya, Philippe Duquesne, Christian Clauß, Peter Kurth, Jacob Diehl, George Lenz, Viktor Sukhorukov, Anna-Mariya Danilenko, Anastasiya Serova, Yaroslav Khimchenko, Jean Denis Römer, Caroline Piette