Kategorie: archiv

  • filmPOLSKA reloaded – Woman On The Roof

    filmPOLSKA reloaded – Woman On The Roof

    Kobieta na dachu / Woman On The Roof

    [Tickets]

    PL/FRA/CH 2022
    R/B: Anna Jadowska
    97 min, OmeU
    K: Ita Zbroniec-Zajt
    S: Piotr Kmiecik & Julia Gregory
    M: Katharina Nuttall
    D: Dorota Pomykała, Bogdan Koca, Adam Bobik u. a.

    Zwei Jahre Arbeit in der Geburtsstation hat die Ärztin Mira noch vor sich, dann ist die ersehn­te Rente erreicht. Ihr Gehalt ist zwar nicht üppig, reicht aber für die klei­ne Block-Wohnung in der Provinzstadt und die drei­köp­fi­ge Familie – theo­re­tisch, denn heim­lich hat sie ihrer Schwester viel Geld geborgt, Kredite auf­ge­nom­men und kommt nun mit der Tilgung nicht mehr hin­ter­her. Als die Lage aus­sichts­los wird, reagiert sie so ver­zwei­felt wie unge­schickt: Sie ver­sucht eine Bank zu über­fal­len, was gründ­lich schief geht. Aber anstatt sich ihren Verwandten anzu­ver­trau­en, frisst sie den Kummer in sich hin­ein, bis sie auf dem titel­ge­ben­den Dach steht und vor sich nur noch den Abgrund sieht.

    Wie schon in ihrem Drama „Dzikie róże / Wild Roses“ (2017) gelingt es Jadowska vir­tu­os, weit ab von markt­schreie­ri­schen Effekten mit klei­nen Schritten ein Psycho-Porträt zu ent­wer­fen, in dem das Verschwiegene schwe­rer wiegt als das Gesagte. Ihr größ­ter Trumpf ist dabei Dorota Pomykała, die als ver­zwei­fel­te Anti-Heldin sowohl das Kinopublikum als auch Festival-Jurys über­zeu­gen konn­te. In einem sehr brei­ten Bildformat mit hell und kühl aus­ge­leuch­te­ten Szenen beherrscht sie ohne musi­ka­li­sche Unterstützung sou­ve­rän die Leinwand. [Rainer Mende]

    Anna Jadowska (geb. 1973 in Oleśnica) stu­dier­te Polonistik in Wrocław und Regie in Łódź. Als Regisseurin arbei­te­te sie für popu­lä­re TV-Serien wie „M jak miłość“ oder „Na dob­re i na złe“. Als Autorenfilmerin dreh­te sie Dokumentar- und Spielfilme, wobei sie das mit zahl­rei­chen Preisen (u. a. beim FilmFestival Cottbus) aus­ge­zeich­ne­te Drama „Dzikie róże / Wild Roses“ (2017) inter­na­tio­nal bekannt machte.

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  • filmPOLSKA reloaded – Liebeslieder

    filmPOLSKA reloaded – Liebeslieder

    Piosenki o miłości / Songs About Love / Liebeslieder

    [Tickets]

    PL 2021
    R/B: Tomasz Habowski
    90 min, OmdU
    K: Weronika Bilska
    S: Patrycja Piróg
    M: Kamil Kryszak
    D: Tomasz Włosok, Justyna Święs, Andrzej Grabowski, Patrycja Volny u. a.

    GAST: Tomasz Habowski

    Der jun­ge Komponist Robert lei­det etwas unter sei­nem domi­nan­ten Vater, der als Theater-Star erwar­tet, dass auch sein Sohn irgend­wann mit sei­ner Kunst groß raus­kommt. Aber im Grunde führt Robert ein behü­te­tes Leben ohne den Druck, etwas ver­öf­fent­li­chen zu müs­sen, damit die Miete bezahlt wer­den kann. Ganz anders geht es Alicja, die als Kellnerin schuf­ten muss, um über die Runden zu kom­men. Dabei kann sie – das hört Robert sofort – fan­tas­tisch sin­gen, und zwar ihre eige­nen Lieder.

    Alicja lässt sich nach eini­gem Zögern davon über­zeu­gen, Probe-Aufnahmen zu machen und ihre Kompositionen arran­gie­ren zu las­sen. Aber auf kei­nen Fall will sie sich von Robert oder irgend­ei­nem Produzenten zu einem Pop-Sternchen zurecht­stut­zen las­sen – sie wei­gert sich stur, ihre Lieder zu ver­öf­fent­li­chen oder live zu spie­len. Robert fin­det heim­lich eine Plattenfirma, die an dem Material inter­es­siert ist und es groß her­aus­brin­gen will – aber ohne Alicja.

    In redu­zier­ten Schwarz-Weiß-Bildern mit bun­ten Einsprengseln aus dem Smartphone-Display, per­fekt in Szene gesetzt von Kamerafrau Weronika Bilska, ent­wi­ckelt sich ein Kammerspiel um Ambitionen, Ängste, Loyalität, Prinzipientreue und die Kraft der Musik. Getragen wird es vor allem von der Darstellerin der Alicja – Justyna Święs ist nicht nur Schauspielerin, son­dern vor allem Sängerin des erfolg­rei­chen Pop-Duos The Dumplings und als zurück­hal­ten­der musi­ka­li­scher Rohdiamant eine Traumbesetzung. [Rainer Mende]

    Tomasz Habowski (geb. 1988) ist seit 2019 Drehbuchautor für die Daily Soap „Na Wspólnej“ – dem pol­ni­schen Pendant von „Unter uns“ – und war an der zwei­ten Staffel der Netflix-Serie „Sexify“ betei­ligt. „Piosenki o miłości“ ist sein Regie-Debüt.

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  • filmPOLSKA reloaded – Das Pfandhaus

    filmPOLSKA reloaded – Das Pfandhaus

    Lombard / Das Pfandhaus

    [Tickets]

    PL 2022
    R/B: Łukasz Kowalski
    81 min, OmdU
    K: Stanisław Cuske
    S: Adriana Fernández Castellanos, Filip Kowalski, Jakub Darewski & Kosma Kowalczyk
    M: Krzysztof Aleksander Janczak

    Das Zweckgebäude, das etwas abseits in der pol­ni­schen Industriestadt Bytom steht, könn­te man leicht über­se­hen. Beide hat­ten schon bes­se­re Zeiten. Doch aus die­sem ecki­gen Kasten mit ergrau­tem Putz scheint ein Licht, denn hin­ter den Mauern befin­det sich nicht nur ein Gebrauchtwarenladen, son­dern eine Art sozio­kul­tu­rel­les Zentrum.

    Die Betreiber bekom­men deut­lich zu spü­ren, dass um sie her­um vie­les den Bach run­ter­geht. Obwohl ihre Waren nicht teu­er sind, dre­hen vie­le Kund*innen vor dem Kauf jeden Złoty um, wol­len lie­ber etwas ver­kau­fen oder kom­men eigent­lich nur, um einen Schwatz zu hal­ten und sich etwas auf­zu­wär­men. Selbst für die Beschäftigten ist die Arbeit im A & V mehr als nur ein Job. Aber die schil­lern­den Betreiber Jola und Wiesiek sind nicht nur Seelsorger, son­dern auch Geschäftsleute und müs­sen dafür sor­gen, dass ihr Laden ren­ta­bel bleibt. Doch wie soll das funk­tio­nie­ren, wenn die Pläne groß, die Portemonnaies aber leer sind?

    Kowalski ist mit sei­nem Debüt eine fein­füh­li­ge Sozialstudie gelun­gen, die abwech­selnd zu Tränen des Mitleids und der Freude rührt und dabei ihre schil­lern­den Hauptfiguren zu kei­ner Sekunde der Lächerlichkeit preis­gibt. [Rainer Mende]

    Łukasz Kowalski debü­tier­te mit „Lombard“ als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Der Film gewann zahl­rei­che Preise auf Festivals, bevor er regu­lär in die pol­ni­schen Kinos kam.

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  • filmPOLSKA reloaded – The Silent Twins

    filmPOLSKA reloaded – The Silent Twins

    The Silent Twins

    am 17.1. 18:00 im fsk.

    [Tickets]

    PL/USA/GB 2022
    R: Agnieszka Smoczyńska
    113 min, engl. OV
    B: Andrea Seigel
    K: Jakub Kijowski
    S: Agnieszka Glińska
    M: Marcin Macuk & Zuzanna Wrońska
    D: Letitia Wright, Tamara Lawrance, Leah Mondesir-Simmonds, Eva-Arianna Baxter, Nadine Marshall, Treva Etienne u. a.

    Die unzer­trenn­li­chen Zwillinge June und Jennifer Gibbons leben in den Siebzigerjahren mit ihren Eltern und Geschwistern in der wali­si­schen Provinz. Die Familie kommt aus Barbados und die dun­kel­häu­ti­gen Schülerinnen erle­ben den übli­chen Alltagsrassismus, wach­sen aber im Grunde behü­tet auf. Trotzdem pas­siert eines Tages das Unvorstellbare: Sie ver­stum­men. Lehrer*innen, Ärzt*innen und Psycholog*innen mühen sich an ihnen ab, aber kein Wort kommt mehr über ihre Lippen. Einzelgespräche, Schulverweis, Hausunterricht – kei­ne Maßnahme ver­mag es, sie wie­der zum Sprechen zu bringen.

    Doch hin­ter der Mauer des Schweigens ver­birgt sich eine über­bor­den­de Fantasie. In den schüt­zen­den vier Wänden ihres kun­ter­bun­ten Kinderzimmers ent­wer­fen die Schwestern ihre eige­ne Welt aus Puppentheater, Radiosendungen, Liedern und Geschichten. Dort ist Sprache auch kein Hindernis, sie plau­dern unun­ter­bro­chen mit­ein­an­der – mehr noch, sie ent­wi­ckeln lite­ra­ri­sche Ambitionen und begin­nen, ihre Geschichten nie­der­zu­schrei­ben. Aus den Kindern wer­den Teenies, die sich von Abenteuern für ihre Texte inspi­rie­ren las­sen – nicht immer in den Grenzen des Legalen und nach wie vor schwei­gend. Aus der Sicht der Gesellschaft sind sol­che Regelbrecherinnen nicht län­ger tragbar.

    Agnieszka Smoczyńska ver­sucht sich nicht an einer rea­lis­ti­schen, his­to­risch exak­ten Rekonstruktion der authen­ti­schen Geschichte, son­dern lädt ein zu einer Achterbahnfahrt durch die Fantasie der Mädchen, die aus dem gesell­schaft­li­chen Normkorsett aus­bre­chen. Mit über­spru­deln­den visu­el­len Einfällen, im Sound der Epoche und ver­setzt mit vir­tuo­sen Animationen von Barbara Rupik ler­nen wir das Paar viel­leicht nicht zu ver­ste­hen, aber zumin­dest teil­wei­se zu erfüh­len. [Rainer Mende]

    Agnieszka Smoczyńska (geb. 1978 in Wrocław) stu­dier­te Regie in Katowice und Warschau sowie Kulturwissenschaften in Wrocław. Neben Kurzfilmen, Arbeiten fürs Fernsehen und ihrem umju­bel­ten Debüt „Córki dancin­gu“ (2015) dreh­te sie das Amnesie-Drama „Fuga / Fugue“ (2018). „The Silent Twins“ (2022) ist ihre ers­te fremd­spra­chi­ge Produktion.

  • filmPOLSKA reloaded – Brot und SalzfilmPOLSKA – Brot und Salz

    filmPOLSKA reloaded – Brot und SalzfilmPOLSKA – Brot und Salz

    Chleb i sól / Brot und Salz am 14.2.18:00 im fsk

    [Tickets]

    PL 2022
    R/B: Damian Kocur
    99 min, OmdU
    K: Tomasz Woźniczka
    S: Alan Zejer
    D: Tymoteusz Bies, Jacek Bies u. a.

    Der Student Tymoteusz hat mit sei­nem Klavierspiel schon Preise gewon­nen und es ins Fernsehen geschafft. Über den Sommer kehrt er in sei­ne trost­lo­se Heimatstadt zurück, wo seit sei­nem Weggang die Welt ste­hen geblie­ben zu sein scheint. Die alten Kumpels aus dem Block hän­gen immer noch in der Gegend her­um, kif­fen, trin­ken Dosenbier, labern viel, träu­men von Abenteuern in der gro­ßen wei­ten Welt und kom­men aus ihrem Viereck aus Badesee, Skatepark, Spielplatz und Dönerimbiss doch nicht heraus.

    Auch Tymoteusz‘ Bruder Jacek gehört zur Clique – eben­falls ein begab­ter Pianist, der aber seit einer miss­glück­ten Bewerbung das Klavier ver­stimmt ein­stau­ben lässt. Statt sich Hoffnungen und Träumen hin­zu­ge­ben, ver­sinkt er resi­gniert im pro­vin­zi­el­len Sumpf aus Langeweile, Perspektivlosigkeit, Homophobie und plum­pem Rassismus. Denn die Wut über das so früh geschei­ter­te Leben der Jugendlichen muss sich irgend­wo ent­la­den – war­um nicht bei die­sen frem­den Typen, die so ver­däch­tig ver­schlos­se­nen einen Döner nach dem ande­ren zubereiten?

    Wie eine Granate schlug der for­mal eigen­stän­di­ge, lose an zeit­his­to­ri­sche Ereignisse anknüp­fen­de Debüt-Langfilm in der pol­ni­schen Szene ein. Mit Fingerspitzengefühl, Präzision und sti­lis­ti­schem Selbstbewusstsein, die für einen Newcomer unge­wöhn­lich aus­ge­reift sind, erzählt er schein­bar bei­läu­fig eine semi­do­ku­men­ta­ri­sche Geschichte in der Ästhetik eines frü­hen Andreas Dresden, die – ganz ohne Musik und vir­tu­os im been­gen­den Seitenverhältnis 4:3 geschnit­ten – durch schmerz­haf­te Authentizität besticht. Denn die Laien-Darsteller*innen spie­len sich selbst und ihre eige­nen Geschichten. [Rainer Mende]

    Damian Kocur (geb. 1983 in Katowice) stu­dier­te an der Schlesischen Universität Katowice. Als Regisseur ver­öf­fent­lich­te er acht teil­wei­se preis­ge­krön­te kur­ze Spiel- und Dokumentarfilme, bevor er mit „Chleb i sól“ einen Jurypreis beim Filmfestival von Venedig und zahl­rei­che wei­te­re Preise gewann.

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    Chleb i sól / Brot und Salz

    PL 2022
    R/B: Damian Kocur
    99 min, OmdU
    K: Tomasz Woźniczka
    S: Alan Zejer
    D: Tymoteusz Bies, Jacek Bies u. a.

    Der Student Tymoteusz hat mit sei­nem Klavierspiel schon Preise gewon­nen und es ins Fernsehen geschafft. Über den Sommer kehrt er in sei­ne trost­lo­se Heimatstadt zurück, wo seit sei­nem Weggang die Welt ste­hen geblie­ben zu sein scheint. Die alten Kumpels aus dem Block hän­gen immer noch in der Gegend her­um, kif­fen, trin­ken Dosenbier, labern viel, träu­men von Abenteuern in der gro­ßen wei­ten Welt und kom­men aus ihrem Viereck aus Badesee, Skatepark, Spielplatz und Dönerimbiss doch nicht heraus.

    Auch Tymoteusz‘ Bruder Jacek gehört zur Clique – eben­falls ein begab­ter Pianist, der aber seit einer miss­glück­ten Bewerbung das Klavier ver­stimmt ein­stau­ben lässt. Statt sich Hoffnungen und Träumen hin­zu­ge­ben, ver­sinkt er resi­gniert im pro­vin­zi­el­len Sumpf aus Langeweile, Perspektivlosigkeit, Homophobie und plum­pem Rassismus. Denn die Wut über das so früh geschei­ter­te Leben der Jugendlichen muss sich irgend­wo ent­la­den – war­um nicht bei die­sen frem­den Typen, die so ver­däch­tig ver­schlos­se­nen einen Döner nach dem ande­ren zubereiten?

    Wie eine Granate schlug der for­mal eigen­stän­di­ge, lose an zeit­his­to­ri­sche Ereignisse anknüp­fen­de Debüt-Langfilm in der pol­ni­schen Szene ein. Mit Fingerspitzengefühl, Präzision und sti­lis­ti­schem Selbstbewusstsein, die für einen Newcomer unge­wöhn­lich aus­ge­reift sind, erzählt er schein­bar bei­läu­fig eine semi­do­ku­men­ta­ri­sche Geschichte in der Ästhetik eines frü­hen Andreas Dresden, die – ganz ohne Musik und vir­tu­os im been­gen­den Seitenverhältnis 4:3 geschnit­ten – durch schmerz­haf­te Authentizität besticht. Denn die Laien-Darsteller*innen spie­len sich selbst und ihre eige­nen Geschichten. [Rainer Mende]

    Damian Kocur (geb. 1983 in Katowice) stu­dier­te an der Schlesischen Universität Katowice. Als Regisseur ver­öf­fent­lich­te er acht teil­wei­se preis­ge­krön­te kur­ze Spiel- und Dokumentarfilme, bevor er mit „Chleb i sól“ einen Jurypreis beim Filmfestival von Venedig und zahl­rei­che wei­te­re Preise gewann.

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  • filmPOLSKA reloaded – Stilles Land

    filmPOLSKA reloaded – Stilles Land

    Cicha zie­mia / Stilles Land am 13.3. um 18:00 im fsk.

    [Tickets]

    PL/ITA/CZ 2021
    R: Aga Woszczyńska
    113 min, OmdU
    B: Aga Woszczyńska & Piotr Litwin
    K: Bartosz Świniarski
    S: Jarosław Kamiński
    M: Piotr Kurek
    D: Dobromir Dymecki, Agnieszka Żulewska, Jean-Marc Barr, Alma Jodorowsky, Marcello Romolo u. a.

    Hell scheint die medi­ter­ra­ne Sonne vor wol­ken­lo­sem Himmel auf das gepfleg­te Ferienhaus, gleich neben­an glit­zert azur­blau das Meer – das per­fek­te Setting für einen ent­spann­ten Urlaub. Gut, der aus­ge­trock­ne­te Pool müss­te noch repa­riert wer­den. Aber das wer­de sofort gemacht, beteu­ert der Vermieter dem eigen­ar­tig unter­kühlt wir­ken­den pol­ni­schen Paar, das sich an der Küste Sardiniens ein­ge­mie­tet hat.

    Aber Kino wäre nicht Kino, wenn sich hin­ter die­ser Traumkulisse nicht dunk­le Geheimnisse ver­ber­gen wür­den. Denn die sar­di­sche Küste ist nicht nur Sehnsuchtsort vie­ler Urlauber*innen, son­dern auch von Geflüchteten, die ver­su­chen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelan­gen und dort Fuß zu fas­sen. Die pol­ni­schen Urlauber*innen Anna und Adam – und nicht nur sie – ver­schlie­ßen davor die Augen, aber durch die Hintertür drin­gen die glo­ba­len Probleme in ihren Alltag und in ihr Unterbewusstsein ein.

    In lan­gen sta­ti­schen Einstelllungen mit sehr dezen­tem Musikeinsatz, in denen viel geschwie­gen bzw. ver­schwie­gen wird, arbei­tet sich die Regisseurin sehr behut­sam in die Psyche der Hauptfiguren (Dobromir Dymecki und Agnieszka Żulewska mit gekonn­tem Underacting) vor. Woszczyńska ver­knüpft geschickt ein Psycho-Kammerspiel mit zeit­po­li­ti­schen Fragen, ohne dass eines der Themen in die zwei­te Reihe gedrängt wird. [Rainer Mende]

    Aga Woszczyńska (geb. 1984 in Lódź) stu­dier­te Regie an der Filmhochschule ihrer Geburtsstadt. Während ihres Studium dreh­te sie sie­ben kur­ze Spielfilme, u. a. das preis­ge­krön­te Drama „Fragmenty“ (2014), bevor sie mit „Cicha zie­mia“ ihren ers­ten Langfilm in die Kinos brach­te und auf Festivals meh­re­re Preise errang.

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  • filmPOLSKA reloaded – The Passage

    filmPOLSKA reloaded – The Passage

    Przejście / The Passage am 10.4. um 18:00 im fsk.

    [Tickets]

    PL 2021
    R/B: Dorota Lamparska
    102 min, OmeU
    K: Jolanta Dylewska
    S: Maciej Pawliński & Piotr Krygiel
    M: Ireneusz Wojtczak
    D: Wiktoria Gorodeckaja, Agnieszka Mandat, Jacek Braciak, Jowita Budnik, Monika Kwiatkowska, Jan Peszek u. a.

    Es dau­ert eine Weile, bis Maria ver­stan­den hat, was los ist. Warum muss auch unbe­dingt in dem Moment, in dem sie stirbt, die Brücke ins Jenseits bei einem Gewitter kaputt­ge­hen und jetzt repa­riert werden?

    Nun irrt sie erst ein­mal untot durch ihre eins­ti­ge Welt und betrach­tet eher trot­zig-irri­tiert als neu­gie­rig, wel­che Lücken sie hin­ter­las­sen hat – und ob über­haupt. Denn Maria scheint – wie auch jetzt – eine eher küh­le Person gewe­sen zu sein, die weni­gen Menschen rich­tig nahe­stand. Jetzt muss sie fest­stel­len, dass das Leben ein­fach ohne sie wei­ter­geht, ohne gro­ße Aufregung.

    Die Hauptdarstellerin Wiktoria Gorodeckaja erträgt mit bewun­derns­wer­ter Souveränität und dezen­tem Underacting den per­ma­nen­ten Kamerablick (meis­ter­haft insze­niert von Jolanta Dylewska) auf ihr Gesicht, wäh­rend um sie her­um in über­ra­schen­den, gele­gent­lich ins Absurde kip­pen­den Szenen eine Reihe schrä­ger Figuren die Verstorbene zu dem Punkt gelei­tet, an dem sie sich ihrer Vergänglichkeit fügt. [Rainer Mende]

    Dorota Lamparska stu­dier­te an der Wajda Film School in Warschau, der Schlesischen Universität Katowice der Filmhochschule Łódź und der Universität Gdańsk. Nach drei Kurzfilmen und meh­re­ren Folgen der TV-Serie „Złotopolscy“ erschien ihr ers­ter Langspielfilm „Przejście“.

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  • Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb

    Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb

    Ein Film von Sogo Ishi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die Familie Kobayashi kann end­lich aus ihrer win­zi­gen, beeng­ten Wohnung in Tokio in das Haus ihrer Träume am Stadtrand umzie­hen. Doch die Dinge sind nicht so per­fekt, wie sie schei­nen: Das Haus ist von Termiten befal­len und die Familie beginnt, ver­rückt zu wer­den.
    „Ishiis Film zu sehen ist ein biss­chen so, als wür­de man den Nervenkitzel sei­ner ers­ten Begegnung mit Monty Python vor all den Jahren wie­der­ent­de­cken: schwar­zer Humor in sei­ner bös­ar­tigs­ten (d.h. lus­tigs­ten) Form, tem­po­reich wie ein Pendlerexpress und gewürzt mit einer Prise Science-Fiction, die selbst den am meis­ten gechipp­ten Zuschauer im Unklaren dar­über lässt, wohin er, sie oder es geht.“ TIME OUT
    „Die schie­re Hemmungslosigkeit des Films reicht aus, um das Interesse auf­recht­zu­er­hal­ten, da man nicht weiß, wie weit er gehen kann (…) unver­kenn­bar ein Film, in dem kei­ne Grenzen gesetzt sind.“ NY TIMES

    Credits:

    Crazy Family
    JP 1984, 106 Min., jap. OmU
    Regie: Sogo Ishii
    Kamera: Masaki Tamura
    Schnitt: Junichi Kikuchi
    mit: Katsuya Kobayashi, Mitsuko Baisho, Yoshiki Arizono, Youki Kudoh, Hitoshi Ueki u.a.

    Trailer:
    The Crazy Family (1984) Trailer
    Im Kino mit deut­schen Untertiteln
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    A film by Sogo Ishi. In Japanese with German subtitles.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    The Kobayashi fami­ly final­ly are able to move out of their tiny, cram­ped Tokyo apart­ment to the sub­ur­ban house of their dreams. But things are not as per­fect as they seem: the house is infes­ted by ter­mi­tes and the fami­ly starts going cra­zy: Son Masaki is stu­dy­ing so obses­si­ve­ly for his exams that he’s losing his mind; daugh­ter Erika is obli­vious of all but her forth­co­ming record com­pa­ny audi­tion, grand­fa­ther Yasukuni starts get­ting World War II flash­backs and father Katsuhiko is so worried about his family’s “sick­ness” that he thinks can only be cured by group sui­ci­de. As the Kobayashis’ house beg­ins to crum­ble, so does the sani­ty of its inha­bi­tants. Katsuhiko takes it upon hims­elf to keep them from the asylum…at any cost.

    Credits:

    Crazy Family
    JP 1984, 106 Min., jap. OmU
    Regie: Sogo Ishii
    Kamera: Masaki Tamura
    Schnitt: Junichi Kikuchi
    mit: Katsuya Kobayashi, Mitsuko Baisho, Yoshiki Arizono, Youki Kudoh, Hitoshi Ueki u.a.

    Trailer:
    The Crazy Family (1984) Trailer
    Im Kino mit deut­schen Untertiteln
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  • Gagarin – Einmal schwerelos und zurück

    Gagarin – Einmal schwerelos und zurück

    ein Film von Fanny Liatard und Jérémy Trouilh.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Gagarin erzählt die Geschichte von Youri (Alseni Bathily), der guten Seele einer Nachbarschaft, der an der Idee und an den Erinnerungen eines soli­da­ri­schen Zusammenlebens fest­hält, bis es nicht mehr geht.
    Youri ist der selbst­er­nann­te Hausmeister einer 60er Jahre Siedlung in einer Vorstadt von Paris namens Gagarin. Obwohl er und sei­ne Freunde sich größ­te Mühe geben, kön­nen sie nicht ver­hin­dern, dass die Stadt beschließt, dass die Siedlung abge­ris­sen wer­den soll.
    Nach und nach zie­hen alle weg, nur Youri hat für sich beschlos­sen zu blei­ben. Erst mal fin­det Youri neue Freunde. Das Roma Mädchen Diana (Lyna Khoudri, The French Dispatch) ist fas­zi­niert von sei­nem Einsiedlertum und der Dealer Dali (Finnegan Oldfield, Corsage) lebt auch noch irgend­wo im Gebäudekomplex. Dann aber wird die ille­ga­le Siedlung von Dianas Familie von der Stadt auf­ge­löst. Und auch Dali ver­schwin­det nach eine gewalt­tä­ti­gen Auseinandersetzung mit den Bauarbeitern, die Gagarin ver­sie­geln und für die Sprengung vor­be­rei­ten. Als letz­ter Bewohner lebt Youri in der Siedlung wie in einem Raumschiff. Youri weiß, dass er sich in eine Sackgasse manö­vriert hat, und dass sei­ne Umgebung immer lebens­feind­li­cher wird. Aber Youri ist stur, er will sei­ne Mission, wie einen Parabelflug been­den und so arbei­tet er an einem Countdown, an des­sen Ende die Hochhaussiedlung Gagarin für ihn um Hilfe rufen soll. Leider zählt wäh­rend­des­sen noch ein ande­rer Countdown von 10 bis 0.

    Credits:

    FR 2020, 95 Min., franz. OmU
    Regie: Fanny Liatard, Jérémy Trouilh

    Kamera: Victor Seguin
    Schnitt: Daniel Darmon
    mit Alseni Bathily, Lyna Khoudri, Jamil McCraven, Finnegan Oldfield, Farida Rahouadj, Denis Lavant

    Trailer:
    Gagarin – Einmal schwe­re­los und zurück TLR 24p OmU Trailer
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    A film by Fanny Liatard and Jérémy Trouilh. In French with German subtitles.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Gagarin erzählt die Geschichte von Youri (Alseni Bathily), der guten Seele einer Nachbarschaft, der an der Idee und an den Erinnerungen eines soli­da­ri­schen Zusammenlebens fest­hält, bis es nicht mehr geht.
    Youri ist der selbst­er­nann­te Hausmeister einer 60er Jahre Siedlung in einer Vorstadt von Paris namens Gagarin. Obwohl er und sei­ne Freunde sich größ­te Mühe geben, kön­nen sie nicht ver­hin­dern, dass die Stadt beschließt, dass die Siedlung abge­ris­sen wer­den soll.
    Nach und nach zie­hen alle weg, nur Youri hat für sich beschlos­sen zu blei­ben. Erst mal fin­det Youri neue Freunde. Das Roma Mädchen Diana (Lyna Khoudri, The French Dispatch) ist fas­zi­niert von sei­nem Einsiedlertum und der Dealer Dali (Finnegan Oldfield, Corsage) lebt auch noch irgend­wo im Gebäudekomplex. Dann aber wird die ille­ga­le Siedlung von Dianas Familie von der Stadt auf­ge­löst. Und auch Dali ver­schwin­det nach eine gewalt­tä­ti­gen Auseinandersetzung mit den Bauarbeitern, die Gagarin ver­sie­geln und für die Sprengung vor­be­rei­ten. Als letz­ter Bewohner lebt Youri in der Siedlung wie in einem Raumschiff. Youri weiß, dass er sich in eine Sackgasse manö­vriert hat, und dass sei­ne Umgebung immer lebens­feind­li­cher wird. Aber Youri ist stur, er will sei­ne Mission, wie einen Parabelflug been­den und so arbei­tet er an einem Countdown, an des­sen Ende die Hochhaussiedlung Gagarin für ihn um Hilfe rufen soll. Leider zählt wäh­rend­des­sen noch ein ande­rer Countdown von 10 bis 0.

    Credits:

    FR 2020, 95 Min., franz. OmU
    Regie: Fanny Liatard, Jérémy Trouilh

    Kamera: Victor Seguin
    Schnitt: Daniel Darmon
    mit Alseni Bathily, Lyna Khoudri, Jamil McCraven, Finnegan Oldfield, Farida Rahouadj, Denis Lavant

    Trailer:
    Gagarin – Einmal schwe­re­los und zurück TLR 24p OmU Trailer
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  • Im Schatten

    Im Schatten

    Ein Film von Thomas Arslan.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Trojan ist ein pro­fes­sio­nel­ler Verbrecher, der auf Raubüberfälle spe­zia­li­siert ist. Aus dem Gefängnis ent­las­sen, macht er dort wei­ter, wo er vor sei­ner Verhaftung auf­ge­hört hat­te. Doch muss er jetzt wie­der fast von Null anfan­gen. Seinem aus­ge­präg­ten Bedürfnis nach Unabhängigkeit stel­len sich zahl­rei­che Hindernisse in den Weg. Er steht fast ohne Geld da und der Großteil sei­ner alten Kontakte erweist sich als wenig zuver­läs­sig. Richard Bauer, der Trojan sei­nen Anteil aus einem frü­he­ren Coup schul­det, hat nicht vor ihn aus­zu­zah­len. Stattdessen setzt er sei­ne Leute auf Trojan an, um ihn los­zu­wer­den. Durch die Vermittlung von Dora Hillmann, mit der er nach lan­ger Zeit wie­der zusam­men­trifft, eröff­net sich ihm die Möglichkeit auf einen Geldtransporterüberfall. Als Trojan gemein­sam mit sei­nem alten Freund Nico die Vorbereitungen für den Job trifft, hängt sich auch der kor­rup­te Polizist Meyer an ihn dran. In einem Geflecht aus Misstrauen, Verrat, Beschattung und Gewalt muss Trojan den Überblick behalten.

    Erster Teil der Trojan Trilogie von Thomas Arslan. Der 2. Teil ist Verbrannte Erde

    Der Tagesspiegel: Solche Geschichten wer­den im Kriminalgenre immer wie­der erzählt – doch sel­ten so, wie Thomas Arslan es in sei­nem Film „Im Schatten“ macht. Arslan ist ein eisern kon­se­quen­ter Regisseur, der sei­nen kar­gen, exak­ten Stil (Berliner Schule!) nicht preis­gibt, bloß weil er mal ins Genrekino wech­selt. Seine Gangster sind kei­ne coo­len Sprücheklopfer wie Tarantinos „Reservoir Dogs“. Sie umgibt nicht die exis­ten­zia­lis­ti­sche Aura der Helden von Jean-Pierre Melville. Auch die Melancholie und obses­si­ve Getriebenheit, die man aus den Filmen Michael Manns kennt, geht ihnen ab.

    Credits:

    DE 2010, 85 Min., DF
    Regie: Thomas Arslan
    Kamera: Reinhold Vorschneider
    Schnitt: Bettina Blickwede
    mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, David Scheller, Peter Kurth

    Trailer:
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    A film by Thomas Arslan. On July 27th and 28th at the fsk. In German.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Trojan is released from jail and goes straight back to his pro­fes­si­on as a cri­mi­nal. He gets hold of a wea­pon and looks out for new jobs. In just a few takes, Thomas Arslan sets up the anony­mous world of his gangs­ter prot­ago­nist by fal­ling back on motifs and cha­rac­ters from the gen­re. The back­room of a car work­shop, par­king lots, fur­nis­hed apart­ments. One meets men and women who dis­trust each other becau­se they are all out to line their own pockets. The set­ting chan­ges con­stant­ly, with sur­veil­lan­ce and cha­se sce­nes pro­vi­ding a dyna­mic nar­ra­ti­ve rhythm. Since crime makes up Trojan’s dai­ly exis­tence, the film con­cen­tra­tes enti­re­ly on the tech­ni­cal natu­re of a life out­side the law. The redu­ced and clear-cut images – shot with a Red came­ra – high­light the exact sequence of events. Im Schatten is a gen­re film that focu­ses con­sis­t­ent­ly on the mecha­nics and exter­nal pro­cess of a crime. It deve­lo­ps a sen­se of gre­at sus­pen­se, wit­hout bur­de­ning its figu­res with per­so­nal sto­ries. Each hand move­ment has to be right. All of a sud­den, the ques­ti­on of whe­ther Trojan will mana­ge to start the geta­way car on time beco­mes a gre­at movie moment.

    Credits:

    DE 2010, 85 Min., DF
    Regie: Thomas Arslan
    Kamera: Reinhold Vorschneider
    Schnitt: Bettina Blickwede
    mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, David Scheller, Peter Kurth

    Trailer:
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