Freunde fürs Leben

Ein Film von Cesc Gay. Ab 25.2. im fsk Kino.

Im Original heißt der Film Truman und ich habe mich vor­her gefragt ob es um den Präsidenten oder den Autoren geht. Der Witz, daß es dann der alte stoi­sche Hund ist, geht beim neu­en Verleihtitel lei­der verloren.

Tomás ver­ab­schie­det sich von Frau und Kindern in Kanada, geht zum Flughafen, fliegt nach Madrid und checkt dort im Hotel ein. Mit gro­ßer Sachlichkeit schil­dert der Film die­se Verrichtungen einer Fernreise und bereits jetzt wird klar: Hier ist ein Film, der den Alltag schätzt und Dramatisierungen ver­mei­det. In Spanien besucht Tomás sei­nen alten bes­ten Freund, den Schauspieler Julian, der an Krebs erkrankt ist. Die Sache ist ernst, höchst­wahr­schein­lich ist es das letz­te Mal, dass sich die bei­den sehen wer­den. Doch der Ton zwi­schen den Freunden bleibt locker, auch wenn das für bei­de immer wie­der har­te Arbeit bedeu­tet. Es liegt eine gro­ße Zuneigung in dem freund­li­chen Geplänkel und den tro­cke­nen Wortwechseln, die sich Ricardo Darin (Julian) und Javier Cámara (Tomás) lie­fern, wäh­rend sie im Wortsinn letz­te Dinge erle­di­gen. Sie gehen zum Arzt, um die Behandlung abzu­bre­chen. Sie suchen psy­chi­sche Hilfe für Julians gro­ßen Boxer Truman, dem ja ein Verlust bevor­steht, und eben­so eine neue Heimat für den Hund. Und sie besu­chen Lucians Sohn, der in Amsterdam stu­diert. Dabei pas­siert nicht sehr viel. Es gibt kei­ne kathar­ti­schen Momente, kei­ne Geheimnisse, die noch ein­mal auf den Tisch müs­sen, weder den gro­ßen Zusammenbruch noch die gro­ße Versöhnung, noch letz­te Wünsche, die auf den letz­ten Drücker erfüllt wer­den müs­sen. Der Tod ist in FREUNDE FÜRS LEBEN kein auf­re­gen­des Drama, das das Leben noch ein­mal beson­ders hell strah­len lässt. Er ist und bleibt abscheu­lich. Aber wie die bei­den Freunde im Angesicht die­ser Abscheulichkeit mit einer Art lako­ni­scher Würde den Alltag einer Freundschaft auf­recht­erhal­ten, ist eben­so rüh­rend wie wohl­tu­end. Ihre gemein­sa­me Geschichte und Verbundenheit ist in jedem Moment spür­bar.“ Indiekino – Toni Ohms

Ausgezeichnet mit 5 Goyas: Bester Film, bes­te Regie, bes­tes Buch, bes­ter Darsteller (Ricardo Darin) und bes­ter Nebendarsteller (Javier Cámara)

Originaltitel: Truman
Spa./Arg. 2015,  113 Min., span. OmU 
Regie: Cesc Gay 
Buch: Cesc Gay, Tomas Aragay 
Kamera: Andreu Rebes 
Schnitt: Pablo Barbieri Carrera 
mit: Ricardo Darín, Javier Cámara,  Dolores Fonzi