Montana in den 1920er Jahren: Die Brüder George und Phil führen gemeinsam eine Ranch. Als George die Witwe Rose heiratet, die den Teenager Peter mit in die Ehe bringt, gerät ihr Kräfteverhältnis aus dem Gleichgewicht: Phil, der Mann fürs Grobe, positioniert sich immer stärker gegen George, den sich kultiviert gebenden Schreibtischmann, vor allem aber gegen die verletzliche Rose. Eine gespannte Atmosphäre, unter der zunächst Peter am meisten zu leiden hat. Campions Neo-Western kommt ohne viel äußerliche Action aus und konzentriert sich auf die dynamische Widersprüchlichkeit der Figurenkonstellation. (Barbara Schweizerhof)
The Power of the Dog
Credits:
NZ/AU 2021, 126 Min, engl. OmU Regie: Jane Campion Kamera: Ari Wegner Schnitt: Peter Scibberas mit: Benedict Cumberbatch Jesse Plemons Kirsten Dunst Kodi Smit-McPhee
Montana in den 1920er Jahren: Die Brüder George und Phil führen gemeinsam eine Ranch. Als George die Witwe Rose heiratet, die den Teenager Peter mit in die Ehe bringt, gerät ihr Kräfteverhältnis aus dem Gleichgewicht: Phil, der Mann fürs Grobe, positioniert sich immer stärker gegen George, den sich kultiviert gebenden Schreibtischmann, vor allem aber gegen die verletzliche Rose. Eine gespannte Atmosphäre, unter der zunächst Peter am meisten zu leiden hat. Campions Neo-Western kommt ohne viel äußerliche Action aus und konzentriert sich auf die dynamische Widersprüchlichkeit der Figurenkonstellation. (Barbara Schweizerhof)
The Power of the Dog
Credits:
NZ/AU 2021, 126 Min, engl. OmU Regie: Jane Campion Kamera: Ari Wegner Schnitt: Peter Scibberas mit: Benedict Cumberbatch Jesse Plemons Kirsten Dunst Kodi Smit-McPhee
Während viele Filme im letzten Monat von Paar- und Familienbeziehungen handelten, sind im Programm der nächsten Wochen die Begegnungen von Fremden präsent, die sich gerade durch widrige Umstände verbunden fühlen. Adam, das Spielfilmdebüt der Marokkanerin Maryam Touzani, die auch das Drehbuch schrieb, wartet mit Einblicken in die Kunst des Teigknetens auf. Ein schönes Tutorial, so kurz vorm Fest. Abla, Bäckerin, alleinerziehend, abgeschottet, freundet sich wider Willen mit Samia an, die schwanger ist und eine Bleibe braucht. Die Backstubenwohnung irgendwo in einer Seitengasse mitten in Casablanca, wo Msemen und Rziza aus dem Fenster heraus verkauft werden, ist der Ort der Geborgenheit für die beiden Frauen und Ablas Tochter Warda. Was folkloristisch und kitschig hätte ausufern können, wurde ein Film voller Nuancen, schönen Momenten und einer wahrhaftigen Geschichte. Wäre Adam aus einem Teigklumpen geknetet und geformt worden und nicht aus Möttke, hätte sich vielleicht alles anders entwickelt. Aber zu spät. „Der Spielfilm Adam ist aus der persönlichen Begegnung der Regisseurin Maryam Touzani mit einer jungen Frau in ihrer Jugend entstanden, die für beide schmerzhaft, für die Filmemacherin aber inspirierend war und unauslöschliche Spuren hinterließ. Vertieft wurde die Erfahrung, als diese selbst Mutter wurde: ‚Als ich zum ersten Mal mein eigenes Kind in meinem Körper spürte, als ich sah, dass mein Bauch sich in den Bauch einer Mutter verwandelte, dachte ich an jene Frau zurück, der ich damals begegnet war. Ich fühlte eine Dringlichkeit, die Geschichte von damals zu erzählen und dann zu verfilmen. Das half mir, die Wunden jener Begegnung zu heilen, die Erfahrung des Verlustes, der Not, der Verleugnung, der Trauer jener Frau, aber auch die Freude zu genießen, selber Mutter geworden zu sein. So nahm der Film Adam Gestalt an.‘“ Hanspeter Stalder | Der andere Film
Adam
Credits:
MA/FR 2019, 98 Min., arab. OmU Regie: Maryam Touzani Kamera: Adil Ayoub Schnitt: Julie Naas mit: Douae Belkhaouda, Aziz Hattab, Hasna Tamtaoui u. a.
Nach Lee Chang-Dongs BURNING (2018) ist Ryûsuke Hamaguchi mit DRIVEMYCAR die zweite umwerfende Verfilmung eines Stoffes von Haruki Murakami gelungen. Murakamis Erzählungen über traurige Menschen erzählen oft davon, dass es helfen kann, sich Zeit zu nehmen, um irgendwo zu sitzen, wie der Erzähler im Roman „Der Aufziehvogelmann“, der sich, als er nicht mehr weiterweiß, monatelang auf einen öffentlichen Platz setzt, bis etwas passiert. In DRIVEMYCAR lässt sich der Regisseur und Schauspieler Yûsuke im Auto herumfahren, wenn nichts mehr hilft. Das hat den Vorteil, eine leere Zeit zu erzeugen, in der er denken kann, und er kommt irgendwo an, an einer Müllverbrennungsanlage, am Meer, an einem Dorf, an dem ein furchtbares Unglück geschehen ist – und etwas verändert sich.
Die erste Dreiviertelstunde des Films erzählt die Vorgeschichte der Erzählung, dann erst laufen die Titel über das Bild. Yûsuke (Hidetoshi Nishijima) und seine Frau Oto (Reika Kirishima) hatten gerade Sex, sie erzählt eine Geschichte von einem jungen Mädchen, die immer wieder in das Haus eines Schulfreundes eindringt, und jedes Mal ein Objekt aus dessen Zimmer mitnimmt und ein eigenes Okjekt hinterlässt. Die beiden malen sich die Geschichte in verschiedenen Situationen weiter aus: ein Künstlerpaar, sie ist Drehbuchautorin beim Fernsehen. Ihre Beziehung scheint glücklich und produktiv, und auch nachdem Yûsuke seine Frau zufällig beim Sex mit dem jungen Schauspieler Kôji (Masaki Okada) beobachtet hat, scheint sich nichts in ihrem Zusammenleben zu verändern. Gemeinsam trauern sie am Todestag ihrer Tochter, gemeinsam spinnen sie Geschichten weiter und schlafen miteinander. Bis ein furchtbares Unglück passiert.
Zwei Jahre später beginnt die eigentliche Geschichte des Films. Yûsuke, der sich auf experimentelle Inszenierungen mit Übertiteln und Schauspielern aus verschiedenen Sprachräumen spezialisiert hat, ist nach Hiroshima eingeladen worden, wo er seine Inszenierung von Tschechows „Onkel Wanja“ mit einem neuen Ensemble inszenieren soll. Aus Versicherungsgründen erhält er eine Fahrerin, die schweigsame junge Misaki (Tôko Miura). Der Film verwebt die Produktion des Theaterstücks und die existentiellen Krisen der Figuren in „Onkel Wanja“ mit denen von Yûsuke, Kôji, Oto und Misaki. Wie um sich selbst zu befreien und sich im Geheimen an Kôji zu rächen, gibt Yûsuke ihm die Rolle des Wanja, der alles verliert und mit seiner Trauer und Enttäuschung weiterleben muss.
Wie in Yûsukes (und wohl auch Ryûsuke Hamaguchis) Theatermethode geht es aber auch um die kleinen Momente, in denen zwischen Menschen und Schauspielern „etwas passiert“, wie Yûsuke nach einer Szene zwischen einer chinesisch und einer in koreanischer Zeichensprache sprechenden Darstellerin sagt. Die zurückhaltenden, sehr beherrschten Menschen, die der Film zeigt, öffnen sich nur langsam. Die Momente, in denen die pure Emotion durchbricht, sind um so überwältigender. Die sich allmählich entwickelnde Nähe zwischen Yûsuke und der Fahrerin Misaki, deren Geschichte am Ende des Film erzählt wird, ist dabei besonders intensiv. Ein stiller, kluger Film, der in Cannes den Preis für das Beste Drehbuch, den Kritikerpreis und den Preis der Ökumenischen Jura gewann.
Nachdem Nikolas Frau einen Selbstmordversuch unternommen hat, werden dem Gelegenheitsarbeiter seine beiden Kinder weggenommen und bei Pflegeeltern untergebracht, zunächst angeblich vorübergehend. Doch nach einer Begutachtung der Wohnverhältnisse befindet der Leiter des Sozialamts des kleinen serbischen Dorfes, Nikola sei zu arm, um ein angemessenes Lebensumfeld für die Kinder zu gewährleisten. Der zurückhaltende Mann beschließt, eine Beschwerde beim Ministerium für Soziales in Belgrad einzulegen. Die 300 Kilometer dorthin will er zu Fuß zurückzulegen. Er will den Behörden zeigen, wie weit er für seine Kinder zu gehen bereit ist – im wahrsten Sinne des Wortes. Srdan Golubović erzählt in authentischen, bewegenden Bildern von der Ungleichheit der Verhältnisse. Sein stiller, aber zäher Protagonist erforscht nicht nur das Land, sondern auch die Grenzen zwischen Recht und Unrecht. Entschlossen, seiner wachsenden Verzweiflung nicht nachzugeben, unternimmt der beharrliche Vater eine Heldenreise, die das Wort Held neu definiert.
Vater – Otac
Credits:
RS, FR, DE, SL, HR, BA 2020, 99 Min., serbische OmU Regie: Srdan Golubovic Drehbuch: Srdan Golubovic, Ognjen Svilicic Kamera: Aleksandar Ilić Schnitt: Petar Marković mit: Goran Bogdan, Boris Isaković, Nikola Rakocevic, Milan Maric Länge: 99 Minuten
Trailer:
Father (Otac) (2020) | Trailer | Goran Bogdan | Boris Isakovic | Nada Sargin | Srdan Golubovic
Ein Mann sammelt Bäume. Gut – Bäume sind keine Briefmarken oder Sammeltassen, aber was es bedeutet wenn ein über 100-jähriger Baum ausgegraben, abtransportiert und über das Meer zu seinem Bestimmungsort, einem Privatpark , verschifft wird, ist schwer zu formulieren – aber elementar einfach zu empfinden. Salome Saschi findet in ihrem Film Bilder, die uns tief im Unterbewussten bewegen. Wenn eine Dorfgemeinschaft dem verkauften Baum wie in einer Trauerprozession nachzieht, oder ein riesiger Baum auf einem Frachtkahn über das Meer geschoben wird. Bäume begleiten Generationen von Menschen, ein 100 jähriger Baum 4 Generationen, ein 200 jähriger Baum 8 Generationen. Deutschlands berühmteste Baumdenkmäler sind 500 bis 1200 Jahre alt, entsprechen 20 bis 48 Generationen, die neben diesen Bäumen ihr Leben gelebt haben. Auch bei uns wird Bäumen oft ihre Alltäglichkeit zum Verhängnis, man bemerkt sie erst wenn sie krank sind oder gefällt werden sollen, wenn sie irgendeinem Plan im Wege stehen. So ist „Die Zähmung der Bäume“ ein Plädoyer dafür geworden Bäume zu bemerken, und in seiner jeweiligen Umgebung über die Geschichte eines Baums nachzudenken. Die meisten Baumdenkmäler in Deutschland sind Bäume die sich auf einer Dorfalmende oder einem Park erhalten haben. Viele hundertjährige Bäume bilden Alleen aus der Gründerzeit, oder stehen in Parks, Friedhöfen und in privaten Gärten, vor allem gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurden in den städtischen Parks viele Bäume durch die Bombardierungen zerstört, oder in den ersten Nachkriegsjahren als Brennstofflieferant abgeholzt. Dadurch sind über 100 jährige Bäume auch in Deutschland in besiedelten Gebieten sehr selten. In Wäldern die forstwirtschaftlich genutzt werden stehen auch Laubbäume selten länger als 100 Jahre.
Die Zähmung der Bäume – Taming the Garden
Credits:
CH/DE/GE 2021, 92 Min., georgische OmU Regie und Buch: Salomé Jashi Kamera: Goga Devdariani, Salomé Jashi Schnitt: Chris Wrightenn
1968. Zwei Jahre Zuchthaus bekommt Hans (Franz Rogowski) aufgebrummt, nachdem er beim Sex mit einem Mann auf einer öffentlichen Toilette gefilmt wurde. Nicht zum ersten Mal, denn Hans ist ein sturer Bock und will sich von Nichts und Niemandem sagen wie er zu leben und schon gar nicht wen er zu lieben hat. Im Bau begegnet er Viktor (Georg Friedrich), nicht zum ersten Mal wie sich bald zeigt. 1945 waren die beiden Männer bereits Zellengenossen, Viktor am Anfang einer langen Strafe wegen eines aus Eifersucht begangenen Totschlags und Hans weil er Männer liebt. So homophob sich Viktor anfangs gezeigt hatte: Das Hans direkt aus einem Konzentrationslager in ein Gefängnis der Alliierten überstellt wurde, das schockiert ihn doch. Eine erste Berührung, ein erster intimer Moment geschieht, als Viktor Hans dessen in den Arm gestochene Nummer mit einem Tattoo überdeckt.
Die Jahre ziehen ins Land, während Viktor immer einsitzt, bewegt sich Hans fast wie in einer Drehtür zwischen Freiheit und Knast, weiß bald weder drinnen noch draußen etwas mit sich anzufangen. Nichts scheint sich zu ändern, das Gefängnis ist schon 1945 ranzig und hat offenbar bis Ende der 60er Jahre keinen Anstrich erhalten. Was sich auch kaum ändert sind die Antipathien, denen sich schwule Männer ausgesetzt sehen, die Strafen mit denen die Mehrheits-Gesellschaft die ihnen unliebsamen Elemente wegsperren will.
Erst 1994 wurde der §175 aus den Gesetzen gestrichen, auch wenn er damals schon länger nicht zur Anwendung kam. Als Der Spiegel im Mai 1969 über die Aufweichung des §175 titelte und fragte: „Das Gesetz fällt – bleibt die Ächtung?“ war solche eine öffentliche Thematisierung von Homosexualität noch alles andere als selbstverständlich. Dass es gerade für Menschen, die Jahrzehnte im geheimen Leben mussten, die ihre Sexualität versteckten oder gar unterdrückten keineswegs einfach war, quasi von einem Tag auf den anderen umzuschalten, nun offen zu leben, davon erzählt „Große Freiheit.“
Ein wenig konstruiert mutet der lange Zeitraum der Geschichte zwar an, geboren aus dem Wunsch, den Übergang vom Dritten Reich zur Bundesrepublik ebenso zu erzählen, wie die Entkriminalisierung von Homosexualität im Jahre 1969. Aber das Konstrukt funktioniert, gerade auch weil Sebastian Meise in seinem zweiten Spielfilm die Mauern des Gefängnisses nur ganz am Ende verlässt, er ansonsten immer in den Zellen und Gängen bleibt, die sich über die Jahrzehnte kaum ändern. Auch die Kleidung der Gefangenen bleibt gleich und selbst Viktor und Hans altern zwar, doch fast unmerklich, der dezente Einsatz von der jeweiligen Zeit entsprechenden Haaren und Frisuren deutet auch hier einen Stillstand an, der am Ende tragisch wird.
So sehr sind diese beiden Männer in ihren Rollen verharrt, Rollen, in die sie vom System gezwungen wurden, dass sie wirkliche Freiheit kaum ertragen können. In manchen Momenten erinnert das an Texte von Jean Genet, an große Gefängnis-Filme, in denen die ganz eigene Subkultur dieses Ort lebendig wird. Nicht zuletzt dank des herausragenden Darstellerduos Franz Rogowski und Georg Friedrich, die in den beengten Zellen eine ganz besondere, sich über lange Jahre entwickelnde Liebesgeschichte zum Leben erwecken.
Michael Meyns | programmkino.de
Credits:
Deutschland/Österreich 2021, 116 Min. Regie: Sebastian Meise Kamera: Crystel Fournier Schnitt: Joana Scrinzi Buch: Thomas Reider & Sebastian Meise mit: Franz Rogowski, Georg Friedrich, Anton von Lucke, Thomas Prenn
Trailer:
Große Freiheit – offizieller Kinotrailer – Kinostart am 18.11.2021
Ein Fluss fließt ruhig dahin. An den Ufern läuft die Zeit rückwärts und fördert verschüttete Geschichten zutage. Im frühen 19. Jahrhundert wagen sich nicht nur Pelzjäger, sondern auch ein wortkarger Koch ins wilde Oregon. Der Einzelgänger trifft auf einen chinesischen Einwanderer, der sich als geschickter Unternehmer erweist und sein Freund wird. Das Duo kommt auf die Idee, Donuts zu backen und zu verkaufen, die im rauen Westen sehr gut ankommen. Der Haken: Den Rohstoff beschaffen sie illegal. Das Drehbuch schrieb Kelly Reichardt mit Jonathan Raymond, dem Autor der Romanvorlage. Einmal mehr erzählt die Regisseurin meisterhaft von einem Amerika fernab der großen Städte, das voller Verheißungen steckt. Wie ein Western ist First Cow eine Hommage an Menschen im Abseits, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen müssen – und hier statt mit dem Revolver mit Honiglöffel und Milcheimer hantieren. Auf diese Weise zeigen die Outlaws die „frontier“, Amerikas Projektionsfläche nationaler Träume, nicht als wirtschaftlich oder materiell zu erobernden Raum, sondern als Ort der Begegnung. Ein großartiges Alternativszenario mit besonderer gesellschaftlicher und politischer Bedeutung für die Gegenwart.
US 2019, 122 Min., engl. OmU Regie: Kelly Reichardt Kamera: Christopher Blauvelt mit: John Magaro, Orion Lee, Toby Jones, Scott Shepherd, Gary Farmer, Lily Gladstone
Der Klassiker Wuthering Heights – Sturmhöhe, einziger Roman der jungen Emily Brontë, wurde schon oft verfilmt, hier aber erstmals von einer Regisseurin. Es war ein die Erfüllung eines Traumes der Britin Andrea Arnold, bisher bekannt für zeitgenössische Regiearbeiten. Sie behandelt nur die erste Hälfte des Buches, und schaffte ein radikales Werk, das beim Filmfest Venedig verstörte und begeisterte. Nicht, dass die Rolle des aufgenommenen Sohnes Heathcliff mutig und nicht inkonsequent von einem schwarzen Schauspieler interpretiert wird, sondern die extreme Reduzierung des Stoffes auf die Kraft der Elemente, die Sinnlichkeit der Darstellung, die Entkleidung von jeder Romantik ohne Verleugnung des Emotionalen machen den Film zu einer besonderen Erfahrung. Die Geschichte der aussichtslosen Liebe zwischen dem fremden Jungen und Cathy, Tochter des Hauses, ist geprägt von Standesdünkel und Verzweifelung, Macht und Ohnmacht und korrespondiert mit der rauhen und auch unwirtlichen, aber reizvollen Umgebung der Yorkshire Dales. Die Regisseurin drang dabei vor zum Kern des Romans, der bei seiner Veröffentlichung 1847 in die viktorianische Epoche einschlug wie ein Blitz. „Arnolds Interpretation erlangt ihren Zauber durch eine Achtsamkeit für die einzelnen Ingredienzien … . Dieses erreicht sie – obschon das paradox erscheint – gerade durch einen prononcierten Realismus der Darstellung, der fern jeder Verklärung ist. Dazu gehört auch ein feines Gehör für die vielfältigen Naturgeräusche sowie der Verzicht auf solche Musik, die nicht zur Handlung gehört, wie etwa einfache Lieder, die Cathy singt. Erst zum Abspann ertönt der wehmütige Song «The Enemy» der Band Mumford & Sons.“ Susanne Ostwald, NZZ
GB 2011, 128 Min., engl. OmU Regie: Andrea Arnold mit Kaya Scodelario, Nichola Burley, Steve Evets, James Howson, Shannon Beer, Solomon Glave
In „Schnee von Gestern“ nahm sich die Regisseurin der Geschichte ihrer Großmutter und deren Bruder an. Diesmal fährt sie zurück in ihre Geburtstadt, um Gleichaltrige nach ihrem bisherigen Lebensweg zu befragen. 32 Kinder gab es 1988 in der Klasse von Reuveny, die damals 8 Jahre alt war, in einer Schule in Petach Tikwa, was soviel bedeutet wie „Tor der Hoffnung.“ Hoffnungsträger waren die Kinder, die ihre Familien und den Staat Israel stärken und gemeinsam eine friedliche und sichere Zukunft aufbauen sollten. In Super-8-Aufnahmen aus der Kindheit und pointierten Kurzporträts ihrer damaligen Mitschülerinnen und Mitschüler überdenkt die in Berlin lebende Filmemacherin Yael Reuveny ihr eigenes Selbstverständnis und das ihrer Generation, auch angesichts der andauernden Kriege und Konflikte.
Kapitän Jakob Störr ist auf Landgang. In einem Café verkündet er, er werde die nächste Frau heiraten, die das Lokal betritt. Es ist Lizzy, eine undurchschaubare Schönheit. Überraschenderweise ist sie mit Störrs Vorschlag einverstanden – doch sein Glück bleibt nicht lange ungetrübt. Immer wieder ist er wochenlang auf hoher See und fragt sich, was die lebenslustige Lizzy wohl treiben mag, wenn er nicht da ist. Der Kapitän verirrt sich zunehmend in einem Labyrinth aus Leidenschaft und Eifersucht, ist zwischen inniger Liebe und Misstrauen hin- und hergerissen…
Nach ihrem Berlinale-Gewinner «On Body and Soul» inszeniert die vielfach preisgekrönte Regisseurin Ildikó Enyedi mit «The Story of My Wife» erneut ein aussergewöhnliches Liebes-Epos. Léa Seydoux («Saint Laurent», «Spectre – 007») verleiht Lizzy grossen Charme, an ihrer Seite glänzt Gijs Naber als Jakob Störr. In weiteren Rollen sind die junge Schweizerin Luna Wedler, Louis Garrel und Josef Hader zu sehen. Basierend auf dem gleichnamigen Roman des nobelpreis-nominierten ungarischen Autors Milán Füst zeichnet «The Story of My Wife» ein atmosphärisches Bild vom Europa der wilden 1920er-Jahre und erzählt dabei eine so zeitlose wie universelle Geschichte über die Liebe mit all ihren Irrungen und Wirrungen. Eine tiefgründige, poetische Film-Perle Ein Film von klassischer Eleganz mit magisch-opulenten Bildern.
Credits:
The Story of my Wife HU / FR/ DE 2021, 169 Min., engl. OmU Regie: Ildikó Enyedi Buch: Ildikó Enyedi, nach dem Roman von Milán Füst Kamera: MARCELLRÉV Schnitt: KÁROLYSZALAI mit: Léa Seydoux, Gijs Naber, Louis Garrel, Luna Wedler, Ulrich Matthes
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