The Power of the Dog

ein Film von Jane Campion.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Montana in den 1920er Jahren: Die Brüder George und Phil füh­ren gemein­sam eine Ranch. Als George die Witwe Rose hei­ra­tet, die den Teenager Peter mit in die Ehe bringt, gerät ihr Kräfteverhältnis aus dem Gleichgewicht: Phil, der Mann fürs Grobe, posi­tio­niert sich immer stär­ker gegen George, den sich kul­ti­viert geben­den Schreibtischmann, vor allem aber gegen die ver­letz­li­che Rose. Eine gespann­te Atmosphäre, unter der zunächst Peter am meis­ten zu lei­den hat. Campions Neo-Western kommt ohne viel äußer­li­che Action aus und kon­zen­triert sich auf die dyna­mi­sche Widersprüchlichkeit der Figurenkonstellation.
(Barbara Schweizerhof)

Credits:

NZ/AU 2021, 126 Min, engl. OmU
Regie: Jane Campion
Kamera: Ari Wegner
Schnitt: Peter Scibberas
mit: Benedict Cumberbatch
Jesse Plemons
Kirsten Dunst
Kodi Smit-McPhee


Trailer:
The Power of the Dog | Official Teaser | Netflix
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Autor: fsk

  • The Power of the Dog

    The Power of the Dog

    ein Film von Jane Campion.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Montana in den 1920er Jahren: Die Brüder George und Phil füh­ren gemein­sam eine Ranch. Als George die Witwe Rose hei­ra­tet, die den Teenager Peter mit in die Ehe bringt, gerät ihr Kräfteverhältnis aus dem Gleichgewicht: Phil, der Mann fürs Grobe, posi­tio­niert sich immer stär­ker gegen George, den sich kul­ti­viert geben­den Schreibtischmann, vor allem aber gegen die ver­letz­li­che Rose. Eine gespann­te Atmosphäre, unter der zunächst Peter am meis­ten zu lei­den hat. Campions Neo-Western kommt ohne viel äußer­li­che Action aus und kon­zen­triert sich auf die dyna­mi­sche Widersprüchlichkeit der Figurenkonstellation.
    (Barbara Schweizerhof)

    Credits:

    NZ/AU 2021, 126 Min, engl. OmU
    Regie: Jane Campion
    Kamera: Ari Wegner
    Schnitt: Peter Scibberas
    mit: Benedict Cumberbatch
    Jesse Plemons
    Kirsten Dunst
    Kodi Smit-McPhee


    Trailer:
    The Power of the Dog | Official Teaser | Netflix
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  • Adam

    Adam

    ein Film von Maryam Touzani.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Während vie­le Filme im letz­ten Monat von Paar- und Familienbeziehungen han­del­ten, sind im Programm der nächs­ten Wochen die Begegnungen von Fremden prä­sent, die sich gera­de durch wid­ri­ge Umstände ver­bun­den füh­len. Adam, das Spielfilmdebüt der Marokkanerin Maryam Touzani, die auch das Drehbuch schrieb, war­tet mit Einblicken in die Kunst des Teigknetens auf. Ein schö­nes Tutorial, so kurz vorm Fest. Abla, Bäckerin, allein­er­zie­hend, abge­schot­tet, freun­det sich wider Willen mit Samia an, die schwan­ger ist und eine Bleibe braucht. Die Backstubenwohnung irgend­wo in einer Seitengasse mit­ten in Casablanca, wo Msemen und Rziza aus dem Fenster her­aus ver­kauft wer­den, ist der Ort der Geborgenheit für die bei­den Frauen und Ablas Tochter Warda. Was folk­lo­ris­tisch und kit­schig hät­te aus­ufern kön­nen, wur­de ein Film vol­ler Nuancen, schö­nen Momenten und einer wahr­haf­ti­gen Geschichte.
    Wäre Adam aus einem Teigklumpen gekne­tet und geformt wor­den und nicht aus Möttke, hät­te sich viel­leicht alles anders ent­wi­ckelt. Aber zu spät.
    „Der Spielfilm Adam ist aus der per­sön­li­chen Begegnung der Regisseurin Maryam Touzani mit einer jun­gen Frau in ihrer Jugend ent­stan­den, die für bei­de schmerz­haft, für die Filmemacherin aber inspi­rie­rend war und unaus­lösch­li­che Spuren hin­ter­ließ. Vertieft wur­de die Erfahrung, als die­se selbst Mutter wur­de: ‚Als ich zum ers­ten Mal mein eige­nes Kind in mei­nem Körper spür­te, als ich sah, dass mein Bauch sich in den Bauch einer Mutter ver­wan­del­te, dach­te ich an jene Frau zurück, der ich damals begeg­net war. Ich fühl­te eine Dringlichkeit, die Geschichte von damals zu erzäh­len und dann zu ver­fil­men. Das half mir, die Wunden jener Begegnung zu hei­len, die Erfahrung des Verlustes, der Not, der Verleugnung, der Trauer jener Frau, aber auch die Freude zu genie­ßen, sel­ber Mutter gewor­den zu sein. So nahm der Film Adam Gestalt an.‘“
    Hanspeter Stalder | Der ande­re Film

    Credits:

    MA/FR 2019, 98 Min., arab. OmU
    Regie: Maryam Touzani
    Kamera: Adil Ayoub
    Schnitt: Julie Naas
    mit: Douae Belkhaouda, Aziz Hattab, Hasna Tamtaoui u. a.


    Trailer:
    ADAM Trailer German Deutsch (2021)
    im Kino mit deut­schen Untetiteln
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  • Drive my car

    Drive my car

    ein Film von Ryûsuke Hamaguchi.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nach Lee Chang-Dongs BURNING (2018) ist Ryûsuke Hamaguchi mit DRIVE MY CAR die zwei­te umwer­fen­de Verfilmung eines Stoffes von Haruki Murakami gelun­gen. Murakamis Erzählungen über trau­ri­ge Menschen erzäh­len oft davon, dass es hel­fen kann, sich Zeit zu neh­men, um irgend­wo zu sit­zen, wie der Erzähler im Roman „Der Aufziehvogelmann“, der sich, als er nicht mehr wei­ter­weiß, mona­te­lang auf einen öffent­li­chen Platz setzt, bis etwas pas­siert. In DRIVE MY CAR lässt sich der Regisseur und Schauspieler Yûsuke im Auto her­um­fah­ren, wenn nichts mehr hilft. Das hat den Vorteil, eine lee­re Zeit zu erzeu­gen, in der er den­ken kann, und er kommt irgend­wo an, an einer Müllverbrennungsanlage, am Meer, an einem Dorf, an dem ein furcht­ba­res Unglück gesche­hen ist – und etwas ver­än­dert sich.

    Die ers­te Dreiviertelstunde des Films erzählt die Vorgeschichte der Erzählung, dann erst lau­fen die Titel über das Bild. Yûsuke (Hidetoshi Nishijima) und sei­ne Frau Oto (Reika Kirishima) hat­ten gera­de Sex, sie erzählt eine Geschichte von einem jun­gen Mädchen, die immer wie­der in das Haus eines Schulfreundes ein­dringt, und jedes Mal ein Objekt aus des­sen Zimmer mit­nimmt und ein eige­nes Okjekt hin­ter­lässt. Die bei­den malen sich die Geschichte in ver­schie­de­nen Situationen wei­ter aus: ein Künstlerpaar, sie ist Drehbuchautorin beim Fernsehen. Ihre Beziehung scheint glück­lich und pro­duk­tiv, und auch nach­dem Yûsuke sei­ne Frau zufäl­lig beim Sex mit dem jun­gen Schauspieler Kôji (Masaki Okada) beob­ach­tet hat, scheint sich nichts in ihrem Zusammenleben zu ver­än­dern. Gemeinsam trau­ern sie am Todestag ihrer Tochter, gemein­sam spin­nen sie Geschichten wei­ter und schla­fen mit­ein­an­der. Bis ein furcht­ba­res Unglück passiert.

    Zwei Jahre spä­ter beginnt die eigent­li­che Geschichte des Films. Yûsuke, der sich auf expe­ri­men­tel­le Inszenierungen mit Übertiteln und Schauspielern aus ver­schie­de­nen Sprachräumen spe­zia­li­siert hat, ist nach Hiroshima ein­ge­la­den wor­den, wo er sei­ne Inszenierung von Tschechows „Onkel Wanja“ mit einem neu­en Ensemble insze­nie­ren soll. Aus Versicherungsgründen erhält er eine Fahrerin, die schweig­sa­me jun­ge Misaki (Tôko Miura). Der Film ver­webt die Produktion des Theaterstücks und die exis­ten­ti­el­len Krisen der Figuren in „Onkel Wanja“ mit denen von Yûsuke, Kôji, Oto und Misaki. Wie um sich selbst zu befrei­en und sich im Geheimen an Kôji zu rächen, gibt Yûsuke ihm die Rolle des Wanja, der alles ver­liert und mit sei­ner Trauer und Enttäuschung wei­ter­le­ben muss.

    Wie in Yûsukes (und wohl auch Ryûsuke Hamaguchis) Theatermethode geht es aber auch um die klei­nen Momente, in denen zwi­schen Menschen und Schauspielern „etwas pas­siert“, wie Yûsuke nach einer Szene zwi­schen einer chi­ne­sisch und einer in korea­ni­scher Zeichensprache spre­chen­den Darstellerin sagt. Die zurück­hal­ten­den, sehr beherrsch­ten Menschen, die der Film zeigt, öff­nen sich nur lang­sam. Die Momente, in denen die pure Emotion durch­bricht, sind um so über­wäl­ti­gen­der. Die sich all­mäh­lich ent­wi­ckeln­de Nähe zwi­schen Yûsuke und der Fahrerin Misaki, deren Geschichte am Ende des Film erzählt wird, ist dabei beson­ders inten­siv. Ein stil­ler, klu­ger Film, der in Cannes den Preis für das Beste Drehbuch, den Kritikerpreis und den Preis der Ökumenischen Jura gewann.

    Tom Dorow | indiekino.de

    Credits:

    ドライブ・マイ・カー Doraibu mai kâ
    JP 2021, 179 Min., japan. OmU
    Regie: Ryûsuke Hamaguchi
    Drehbuch: Ryûsuke Hamaguchi, Haruki Murakami, Takamasa Oe
    Kamera: Hidetoshi Shinomiya
    Schnitt: Azusa Yamazaki
    mit: Hidetoshi Nishijima, Tôko Miura, Masaki Okada, Reika Kirishima

    Trailer:
    Drive My Car Trailer OmdU Deutsch | German
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  • Vater – Otac

    Vater – Otac

    ein Film Srdan Golubovic. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nachdem Nikolas Frau einen Selbstmordversuch unter­nom­men hat, wer­den dem Gelegenheitsarbeiter sei­ne bei­den Kinder weg­ge­nom­men und bei Pflegeeltern unter­ge­bracht, zunächst angeb­lich vor­über­ge­hend. Doch nach einer Begutachtung der Wohnverhältnisse befin­det der Leiter des Sozialamts des klei­nen ser­bi­schen Dorfes, Nikola sei zu arm, um ein ange­mes­se­nes Lebensumfeld für die Kinder zu gewähr­leis­ten. Der zurück­hal­ten­de Mann beschließt, eine Beschwerde beim Ministerium für Soziales in Belgrad ein­zu­le­gen. Die 300 Kilometer dort­hin will er zu Fuß zurück­zu­le­gen. Er will den Behörden zei­gen, wie weit er für sei­ne Kinder zu gehen bereit ist – im wahrs­ten Sinne des Wortes.
    Srdan Golubović erzählt in authen­ti­schen, bewe­gen­den Bildern von der Ungleichheit der Verhältnisse. Sein stil­ler, aber zäher Protagonist erforscht nicht nur das Land, son­dern auch die Grenzen zwi­schen Recht und Unrecht. Entschlossen, sei­ner wach­sen­den Verzweiflung nicht nach­zu­ge­ben, unter­nimmt der beharr­li­che Vater eine Heldenreise, die das Wort Held neu definiert.

    Credits:

    RS, FR, DE, SL, HR, BA 2020, 99 Min., ser­bi­sche OmU
    Regie: Srdan Golubovic
    Drehbuch: Srdan Golubovic, Ognjen Svilicic
    Kamera: Aleksandar Ilić
    Schnitt: Petar Marković
    mit: Goran Bogdan, Boris Isaković,
    Nikola Rakocevic, Milan Maric
    Länge: 99 Minuten


    Trailer:
    Father (Otac) (2020) | Trailer | Goran Bogdan | Boris Isakovic | Nada Sargin | Srdan Golubovic
    im Kino mit deut­schen Untetiteln
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  • Die Zähmung der Bäume – Taming the Garden

    Die Zähmung der Bäume – Taming the Garden

    ein Film von Salomé Jashi. 

    [Indiekino Club] [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein Mann sam­melt Bäume.
    Gut – Bäume sind kei­ne Briefmarken oder Sammeltassen, aber was es bedeu­tet wenn ein über 100-jäh­ri­ger Baum aus­ge­gra­ben, abtrans­por­tiert und über das Meer zu sei­nem Bestimmungsort, einem Privatpark , ver­schifft wird, ist schwer zu for­mu­lie­ren – aber ele­men­tar ein­fach zu emp­fin­den.
    Salome Saschi fin­det in ihrem Film Bilder, die uns tief im Unterbewussten bewe­gen. Wenn eine Dorfgemeinschaft dem ver­kauf­ten Baum wie in einer Trauerprozession nach­zieht, oder ein rie­si­ger Baum auf einem Frachtkahn über das Meer gescho­ben wird.
    Bäume beglei­ten Generationen von Menschen, ein 100 jäh­ri­ger Baum 4 Generationen, ein 200 jäh­ri­ger Baum 8 Generationen. Deutschlands berühm­tes­te Baumdenkmäler sind 500 bis 1200 Jahre alt, ent­spre­chen 20 bis 48 Generationen, die neben die­sen Bäumen ihr Leben gelebt haben.
    Auch bei uns wird Bäumen oft ihre Alltäglichkeit zum Verhängnis, man bemerkt sie erst wenn sie krank sind oder gefällt wer­den sol­len, wenn sie irgend­ei­nem Plan im Wege ste­hen.
    So ist „Die Zähmung der Bäume“ ein Plädoyer dafür gewor­den Bäume zu bemer­ken,
    und in sei­ner jewei­li­gen Umgebung über die Geschichte eines Baums nach­zu­den­ken.
    Die meis­ten Baumdenkmäler in Deutschland sind Bäume die sich auf einer Dorfalmende oder einem Park erhal­ten haben.
    Viele hun­dert­jäh­ri­ge Bäume bil­den Alleen aus der Gründerzeit, oder ste­hen in Parks, Friedhöfen und in pri­va­ten Gärten, vor allem gegen Ende des zwei­ten Weltkrieges wur­den in den städ­ti­schen Parks vie­le Bäume durch die Bombardierungen zer­stört, oder in den ers­ten Nachkriegsjahren als Brennstofflieferant abge­holzt. Dadurch sind über 100 jäh­ri­ge Bäume auch in Deutschland in besie­del­ten Gebieten sehr sel­ten.
    In Wäldern die forst­wirt­schaft­lich genutzt wer­den ste­hen auch Laubbäume sel­ten län­ger als 100 Jahre.

    Credits:

    CH/DE/GE 2021, 92 Min., geor­gi­sche OmU
    Regie und Buch: Salomé Jashi

    Kamera: Goga Devdariani, Salomé Jashi
    Schnitt: Chris Wrightenn

    Trailer:
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  • Große Freiheit

    Große Freiheit

    ein Film von Sebastian Meise. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    1968. Zwei Jahre Zuchthaus bekommt Hans (Franz Rogowski) auf­ge­brummt, nach­dem er beim Sex mit einem Mann auf einer öffent­li­chen Toilette gefilmt wur­de. Nicht zum ers­ten Mal, denn Hans ist ein stu­rer Bock und will sich von Nichts und Niemandem sagen wie er zu leben und schon gar nicht wen er zu lie­ben hat. Im Bau begeg­net er Viktor (Georg Friedrich), nicht zum ers­ten Mal wie sich bald zeigt. 1945 waren die bei­den Männer bereits Zellengenossen, Viktor am Anfang einer lan­gen Strafe wegen eines aus Eifersucht began­ge­nen Totschlags und Hans weil er Männer liebt. So homo­phob sich Viktor anfangs gezeigt hat­te: Das Hans direkt aus einem Konzentrationslager in ein Gefängnis der Alliierten über­stellt wur­de, das scho­ckiert ihn doch. Eine ers­te Berührung, ein ers­ter inti­mer Moment geschieht, als Viktor Hans des­sen in den Arm gesto­che­ne Nummer mit einem Tattoo überdeckt.

    Die Jahre zie­hen ins Land, wäh­rend Viktor immer ein­sitzt, bewegt sich Hans fast wie in einer Drehtür zwi­schen Freiheit und Knast, weiß bald weder drin­nen noch drau­ßen etwas mit sich anzu­fan­gen. Nichts scheint sich zu ändern, das Gefängnis ist schon 1945 ran­zig und hat offen­bar bis Ende der 60er Jahre kei­nen Anstrich erhal­ten. Was sich auch kaum ändert sind die Antipathien, denen sich schwu­le Männer aus­ge­setzt sehen, die Strafen mit denen die Mehrheits-Gesellschaft die ihnen unlieb­sa­men Elemente weg­sper­ren will.

    Erst 1994 wur­de der §175 aus den Gesetzen gestri­chen, auch wenn er damals schon län­ger nicht zur Anwendung kam. Als Der Spiegel im Mai 1969 über die Aufweichung des §175 titel­te und frag­te: „Das Gesetz fällt – bleibt die Ächtung?“ war sol­che eine öffent­li­che Thematisierung von Homosexualität noch alles ande­re als selbst­ver­ständ­lich. Dass es gera­de für Menschen, die Jahrzehnte im gehei­men Leben muss­ten, die ihre Sexualität ver­steck­ten oder gar unter­drück­ten kei­nes­wegs ein­fach war, qua­si von einem Tag auf den ande­ren umzu­schal­ten, nun offen zu leben, davon erzählt „Große Freiheit.“

    Ein wenig kon­stru­iert mutet der lan­ge Zeitraum der Geschichte zwar an, gebo­ren aus dem Wunsch, den Übergang vom Dritten Reich zur Bundesrepublik eben­so zu erzäh­len, wie die Entkriminalisierung von Homosexualität im Jahre 1969. Aber das Konstrukt funk­tio­niert, gera­de auch weil Sebastian Meise in sei­nem zwei­ten Spielfilm die Mauern des Gefängnisses nur ganz am Ende ver­lässt, er ansons­ten immer in den Zellen und Gängen bleibt, die sich über die Jahrzehnte kaum ändern. Auch die Kleidung der Gefangenen bleibt gleich und selbst Viktor und Hans altern zwar, doch fast unmerk­lich, der dezen­te Einsatz von der jewei­li­gen Zeit ent­spre­chen­den Haaren und Frisuren deu­tet auch hier einen Stillstand an, der am Ende tra­gisch wird.

    So sehr sind die­se bei­den Männer in ihren Rollen ver­harrt, Rollen, in die sie vom System gezwun­gen wur­den, dass sie wirk­li­che Freiheit kaum ertra­gen kön­nen. In man­chen Momenten erin­nert das an Texte von Jean Genet, an gro­ße Gefängnis-Filme, in denen die ganz eige­ne Subkultur die­ses Ort leben­dig wird. Nicht zuletzt dank des her­aus­ra­gen­den Darstellerduos Franz Rogowski und Georg Friedrich, die in den beeng­ten Zellen eine ganz beson­de­re, sich über lan­ge Jahre ent­wi­ckeln­de Liebesgeschichte zum Leben erwecken.

    Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    Deutschland/Österreich 2021, 116 Min.
    Regie: Sebastian Meise

    Kamera: Crystel Fournier
    Schnitt: Joana Scrinzi
    Buch: Thomas Reider & Sebastian Meise
    mit: Franz Rogowski, Georg Friedrich, Anton von Lucke, Thomas Prenn


    Trailer:
    Große Freiheit – offi­zi­el­ler Kinotrailer – Kinostart am 18.11.2021
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  • First Cow

    First Cow

    ein Film von Kelly Reichardt. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer] [Pressezone]

    Ein Fluss fließt ruhig dahin. An den Ufern läuft die Zeit rück­wärts und för­dert ver­schüt­te­te Geschichten zuta­ge. Im frü­hen 19. Jahrhundert wagen sich nicht nur Pelzjäger, son­dern auch ein wort­kar­ger Koch ins wil­de Oregon. Der Einzelgänger trifft auf einen chi­ne­si­schen Einwanderer, der sich als geschick­ter Unternehmer erweist und sein Freund wird. Das Duo kommt auf die Idee, Donuts zu backen und zu ver­kau­fen, die im rau­en Westen sehr gut ankom­men. Der Haken: Den Rohstoff beschaf­fen sie ille­gal.
    Das Drehbuch schrieb Kelly Reichardt mit Jonathan Raymond, dem Autor der Romanvorlage. Einmal mehr erzählt die Regisseurin meis­ter­haft von einem Amerika fern­ab der gro­ßen Städte, das vol­ler Verheißungen steckt. Wie ein Western ist First Cow eine Hommage an Menschen im Abseits, die ihr Schicksal in die eige­ne Hand neh­men müs­sen – und hier statt mit dem Revolver mit Honiglöffel und Milcheimer han­tie­ren. Auf die­se Weise zei­gen die Outlaws die „fron­tier“, Amerikas Projektionsfläche natio­na­ler Träume, nicht als wirt­schaft­lich oder mate­ri­ell zu erobern­den Raum, son­dern als Ort der Begegnung. Ein groß­ar­ti­ges Alternativszenario mit beson­de­rer gesell­schaft­li­cher und poli­ti­scher Bedeutung für die Gegenwart.

    Kritiken:

    Interview mit dem Drehbuchautor Jon Raymond

    Credits:

    US 2019, 122 Min., engl. OmU
    Regie: Kelly Reichardt
    Kamera: Christopher Blauvelt
    mit: John Magaro, Orion Lee, Toby Jones, Scott Shepherd, Gary Farmer, Lily Gladstone

    Trailer:
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  • Sturmhöhe

    Sturmhöhe

    Ein Film von Andrea Arnold.

    [indie­ki­no Club]

    Der Klassiker Wuthering Heights – Sturmhöhe, ein­zi­ger Roman der jun­gen Emily Brontë, wur­de schon oft ver­filmt, hier aber erst­mals von einer Regisseurin. Es war ein die Erfüllung eines Traumes der Britin Andrea Arnold, bis­her bekannt für zeit­ge­nös­si­sche Regiearbeiten. Sie behan­delt nur die ers­te Hälfte des Buches, und schaff­te ein radi­ka­les Werk, das beim Filmfest Venedig ver­stör­te und begeis­ter­te. Nicht, dass die Rolle des auf­ge­nom­me­nen Sohnes Heathcliff mutig und nicht inkon­se­quent von einem schwar­zen Schauspieler inter­pre­tiert wird, son­dern die extre­me Reduzierung des Stoffes auf die Kraft der Elemente, die Sinnlichkeit der Darstellung, die Entkleidung von jeder Romantik ohne Verleugnung des Emotionalen machen den Film zu einer beson­de­ren Erfahrung. Die Geschichte der aus­sichts­lo­sen Liebe zwi­schen dem frem­den Jungen und Cathy, Tochter des Hauses, ist geprägt von Standesdünkel und Verzweifelung, Macht und Ohnmacht und kor­re­spon­diert mit der rau­hen und auch unwirt­li­chen, aber reiz­vol­len Umgebung  der Yorkshire Dales. Die Regisseurin drang dabei vor zum Kern des Romans, der bei sei­ner Veröffentlichung 1847 in die vik­to­ria­ni­sche Epoche ein­schlug wie ein Blitz. 
    „Arnolds Interpretation erlangt ihren Zauber durch eine Achtsamkeit für die ein­zel­nen Ingredienzien … . Dieses erreicht sie – obschon das para­dox erscheint – gera­de durch einen pro­non­cier­ten Realismus der Darstellung, der fern jeder Verklärung ist. Dazu gehört auch ein fei­nes Gehör für die viel­fäl­ti­gen Naturgeräusche sowie der Verzicht auf sol­che Musik, die nicht zur Handlung gehört, wie etwa ein­fa­che Lieder, die Cathy singt. Erst zum Abspann ertönt der weh­mü­ti­ge Song «The Enemy» der Band Mumford & Sons.“  Susanne Ostwald, NZZ 

    GB 2011, 128 Min., engl. OmU
    Regie: Andrea Arnold
    mit Kaya Scodelario, Nichola Burley, Steve Evets, James Howson, Shannon Beer, Solomon Glave

  • Kinder der Hoffnung

    Kinder der Hoffnung

    ein Film von Yael Reuveny. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In „Schnee von Gestern“ nahm sich die Regisseurin der Geschichte ihrer Großmutter und deren Bruder an. Diesmal fährt sie zurück in ihre Geburtstadt, um Gleichaltrige nach ihrem bis­he­ri­gen Lebensweg zu befra­gen. 32 Kinder gab es 1988 in der Klasse von Reuveny, die damals 8 Jahre alt war, in einer Schule in Petach Tikwa, was soviel bedeu­tet wie „Tor der Hoffnung.“ Hoffnungsträger waren die Kinder, die ihre Familien und den Staat Israel stär­ken und gemein­sam eine fried­li­che und siche­re Zukunft auf­bau­en soll­ten. In Super-8-Aufnahmen aus der Kindheit und poin­tier­ten Kurzporträts ihrer dama­li­gen Mitschülerinnen und Mitschüler über­denkt die in Berlin leben­de Filmemacherin Yael Reuveny ihr eige­nes Selbstverständnis und das ihrer Generation, auch ange­sichts der andau­ern­den Kriege und Konflikte.

    Credits:

    DE/IL 2020, 84 Min., hebräi­sche OmU
    Regie & Buch Yael Reuveny

    Trailer:
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  • Die Geschichte meiner Frau

    Die Geschichte meiner Frau

    ein Film von Ildikó Enyedi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Kapitän Jakob Störr ist auf Landgang. In einem Café ver­kün­det er, er wer­de die nächs­te Frau hei­ra­ten, die das Lokal betritt. Es ist Lizzy, eine undurch­schau­ba­re Schönheit. Überraschenderweise ist sie mit Störrs Vorschlag ein­ver­stan­den – doch sein Glück bleibt nicht lan­ge unge­trübt. Immer wie­der ist er wochen­lang auf hoher See und fragt sich, was die lebens­lus­ti­ge Lizzy wohl trei­ben mag, wenn er nicht da ist. Der Kapitän ver­irrt sich zuneh­mend in einem Labyrinth aus Leidenschaft und Eifersucht, ist zwi­schen inni­ger Liebe und Misstrauen hin- und hergerissen…

    Nach ihrem Berlinale-Gewinner «On Body and Soul» insze­niert die viel­fach preis­ge­krön­te Regisseurin Ildikó Enyedi mit «The Story of My Wife» erneut ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Liebes-Epos. Léa Seydoux («Saint Laurent», «Spectre – 007») ver­leiht Lizzy gros­sen Charme, an ihrer Seite glänzt Gijs Naber als Jakob Störr. In wei­te­ren Rollen sind die jun­ge Schweizerin Luna Wedler, Louis Garrel und Josef Hader zu sehen. Basierend auf dem gleich­na­mi­gen Roman des nobel­preis-nomi­nier­ten unga­ri­schen Autors Milán Füst zeich­net «The Story of My Wife» ein atmo­sphä­ri­sches Bild vom Europa der wil­den 1920er-Jahre und erzählt dabei eine so zeit­lo­se wie uni­ver­sel­le Geschichte über die Liebe mit all ihren Irrungen und Wirrungen. Eine tief­grün­di­ge, poe­ti­sche Film-Perle Ein Film von klas­si­scher Eleganz mit magisch-opu­len­ten Bildern.

    Credits:

    The Story of my Wife
    HU / FR/ DE 2021, 169 Min., engl. OmU
    Regie: Ildikó Enyedi
    Buch: Ildikó Enyedi, nach dem Roman von Milán Füst
    Kamera: MARCELL RÉV
    Schnitt: KÁROLY SZALAI
    mit: Léa Seydoux, Gijs Naber, Louis Garrel, Luna Wedler, Ulrich Matthes

    Trailer:
    THE STORY OF MY WIFE (Official Trailer, E/d)
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