Memory

Ein Film von Michel Franco.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Sylvia arbei­tet als Pflegerin, ist allein­er­zie­hen­de Mutter einer wun­der­ba­ren Tochter, hat die Alkoholsucht hin­ter sich gelas­sen und ein gutes Verhältnis zu ihrer Schwester und Menschen um sich her­um, die sie schät­zen und mögen. Doch tief in sich trägt Sylvia ein tie­fes Trauma. Als sie von einem Klassentreffen nach Hause geht, wird sie von einem frem­den Mann ver­folgt. Dieser Mann heißt Saul und lei­det unter dem Anfangsstadium der Demenz. Und auch wenn das ers­te Zusammentreffen der Beiden unter kei­nem guten Stern steht, nähern sich Sylvia und Saul lang­sam an. Denn sie spü­ren, dass sie eine gro­ße Verletzlichkeit ver­bin­det.
Dem Film gelingt es, die Annäherung die­ser bei­den „ver­lo­re­nen Seelen“ und die Liebesbeziehung in einer unglaub­lich anrüh­ren­den Zartheit zu inszenieren.“

Aus der Jury Begründung der Filmbewertugsstelle – FBW:
„Dabei ist MEMORY von ganz eige­ner, auch visu­el­ler Eleganz. Francos Film wirkt wie aus einem Guss. Tatsächlich zeich­net Franco für Regie, Buch und auch Schnitt ver­ant­wort­lich. Und auch die Kamera folgt dem Konzept des Films. Bis auf weni­ge intro­du­zie­ren­de Großaufnahmen zu Beginn, beschränkt sich Francos Leib-und Magen-Kameramann Yves Cape maxi­mal auf Halbtotalen, die das Publikum Sylvia und Saul nie­mals zu nahe kom­men lässt. MEMORY nimmt sich Zeit und Raum für die Gefühle sei­ner Protagonisten, traut sich, psy­chi­sche Erkrankungen ernst zu neh­men, ver­liert sich aber nicht in Rührseligkeit. Dramaturgisch geschickt ist MEMORY von Anfang an unter­schwel­lig so span­nend ange­legt, dass die Jury kei­ne Sekunde hät­te ver­säu­men wol­len. In der Tat hat die Jury sel­ten ein an sich sper­ri­ges Thema mit so viel Eleganz, bild­li­cher Ästhetik und Dramaturgie so über­zeu­gend für die Leinwand insze­niert gesehen.“

Memory
Credits:


US, MX 2023, 103 Min., engl. OmU
Regie: Michel Franco
Kamera: Yves Cape
Schnitt: Oscar Figueroa Jara, Michel Franco
mit: Jessica Chastain, Peter Sarsgaard, Merritt Wever, Brooke Timber, Josh Charles

Trailer:
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Autor: fsk

  • Memory

    Memory

    Ein Film von Michel Franco.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Sylvia arbei­tet als Pflegerin, ist allein­er­zie­hen­de Mutter einer wun­der­ba­ren Tochter, hat die Alkoholsucht hin­ter sich gelas­sen und ein gutes Verhältnis zu ihrer Schwester und Menschen um sich her­um, die sie schät­zen und mögen. Doch tief in sich trägt Sylvia ein tie­fes Trauma. Als sie von einem Klassentreffen nach Hause geht, wird sie von einem frem­den Mann ver­folgt. Dieser Mann heißt Saul und lei­det unter dem Anfangsstadium der Demenz. Und auch wenn das ers­te Zusammentreffen der Beiden unter kei­nem guten Stern steht, nähern sich Sylvia und Saul lang­sam an. Denn sie spü­ren, dass sie eine gro­ße Verletzlichkeit ver­bin­det.
    Dem Film gelingt es, die Annäherung die­ser bei­den „ver­lo­re­nen Seelen“ und die Liebesbeziehung in einer unglaub­lich anrüh­ren­den Zartheit zu inszenieren.“

    Aus der Jury Begründung der Filmbewertugsstelle – FBW:
    „Dabei ist MEMORY von ganz eige­ner, auch visu­el­ler Eleganz. Francos Film wirkt wie aus einem Guss. Tatsächlich zeich­net Franco für Regie, Buch und auch Schnitt ver­ant­wort­lich. Und auch die Kamera folgt dem Konzept des Films. Bis auf weni­ge intro­du­zie­ren­de Großaufnahmen zu Beginn, beschränkt sich Francos Leib-und Magen-Kameramann Yves Cape maxi­mal auf Halbtotalen, die das Publikum Sylvia und Saul nie­mals zu nahe kom­men lässt. MEMORY nimmt sich Zeit und Raum für die Gefühle sei­ner Protagonisten, traut sich, psy­chi­sche Erkrankungen ernst zu neh­men, ver­liert sich aber nicht in Rührseligkeit. Dramaturgisch geschickt ist MEMORY von Anfang an unter­schwel­lig so span­nend ange­legt, dass die Jury kei­ne Sekunde hät­te ver­säu­men wol­len. In der Tat hat die Jury sel­ten ein an sich sper­ri­ges Thema mit so viel Eleganz, bild­li­cher Ästhetik und Dramaturgie so über­zeu­gend für die Leinwand insze­niert gesehen.“

    Memory
    Credits:


    US, MX 2023, 103 Min., engl. OmU
    Regie: Michel Franco
    Kamera: Yves Cape
    Schnitt: Oscar Figueroa Jara, Michel Franco
    mit: Jessica Chastain, Peter Sarsgaard, Merritt Wever, Brooke Timber, Josh Charles

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  • Favoriten

    Favoriten

    Ein Film von Ruth Beckermann.
    (Am Montag, 23.9. gibt es nach der Vorstellung ein Life-Zoom-Gespräch mit der Lehrerin Ilkay Idiskut. Filmbeginn ist um 17:45 Uhr.)

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Über drei Jahre beglei­tet die Filmemacherin Ruth Beckermann eine Klasse im Alter von sie­ben bis zehn Jahren und ihre enga­gier­te Lehrerin in einer gro­ßen Schule im Wiener Bezirk Favoriten. Der Film nimmt uns mit in den Unterricht und lässt uns die täg­li­chen Abenteuer, Kämpfe, Niederlagen und Erfolge der Kinder ganz nah mit­er­le­ben. Der Stadtteil Favoriten war einst ein Arbeiterbezirk, heu­te spricht ein Großteil der Kinder an den dor­ti­gen Grundschulen nicht Deutsch als Erstsprache. Mit gro­ßer Sensibilität beglei­tet der Film die Kinder, wäh­rend ihre Lehrerin ihnen dabei hilft, einen Platz in einer Welt zu fin­den, in der sie sich oft nicht zuge­hö­rig füh­len. Indem wir die „Favoriten“ ken­nen ler­nen, erle­ben wir mit ihnen eine beweg­te Zeit, die ihre Zukunft ent­schei­dend prä­gen wird.

    Ruth Beckermanns neu­er Film ist eine Langzeitbeobachtung, die den Blick auf die struk­tu­rel­len Probleme im Schulsystem lenkt und die Perspektive der Kinder ernst nimmt. Ein erstaun­lich hei­te­res Porträt einer unge­wöhn­li­chen Gemeinschaft, das Fragen stellt, auf die vie­le von uns eine Antwort suchen. Ein Film über das Lehren und das Lernen und dar­über, wie die Zukunft unse­rer Gesellschaft auch im Klassenzimmer aus­ge­han­delt wird.

    In dem Film ver­schrän­ken sich struk­tu­rel­le und indi­vi­du­el­le Perspektiven. Denn zum einen wirft „Favoriten“ einen Blick auf ein von Mangel und Ungleichheit bestimm­tes Bildungssystem, in dem bei aller Einfühlsamkeit und Hingabe der Lehrerin, die von Deutsch, Mathe über den Schwimmunterricht bis hin zum Klassenausflug alles zu ver­ant­wor­ten hat, am Ende nur die Leistung zählt. Zum ande­ren sieht man jun­gen Individuen dabei zu, wie sie Welt, Sprache und sozia­les Miteinander begrei­fen, wie sie an Aufgaben wach­sen und dar­an schei­tern, wie sie ver­zwei­feln und neu­en Mut fas­sen.
    Dieser über­aus leben­di­ge Raum, den zu betrach­ten schön ist, anrüh­rend, trau­rig und manch­mal auch lus­tig, steht in „Favoriten“ im Zentrum, auch wenn das Systemische immer mit­wirkt. Je näher die Schüler:innen dem Moment kom­men, an dem sich ihre wei­te­re Schulbildung ent­schei­det – Mittelschule oder, was für die wenigs­ten von ihnen in Betracht kommt, der Übertritt ins Gymnasium – arbei­tet sich das in den Vordergrund.“ Esther Buss | Filmdienst

    Credits:

    AT 2024, 118 Min., in deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
    Regie: Ruth Beckermann

    Kamera: Johannes Hammel
    Schnitt: Dieter Pichler

    Trailer:
    Favoriten (offi­zi­el­ler Trailer) – Ein Film von Ruth Beckermann
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  • Die Kinder aus Korntal

    Die Kinder aus Korntal

    Ein Film von Julia Charakter. Ab 26.9. im fsk. Am 27.9. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Richtig fas­sungs­los war ich, als gegen Ende des Filmes der bis 2022 akti­ve Geistliche Vorsteher der Brüdergemeinde gera­de­zu dreist Erkenntnisse aus der Soziologie umdreht und die Traumata und psy­chi­schen Schwierigkeiten der ehe­ma­li­gen Heimkinder qua­si deren „nie­de­rer“ Geburt zuschreibt. Ebenso erschre­ckend ist die Beschwerde eines gläu­bi­gen Ehepaars, wahr­schein­lich stell­ver­tre­tend für dor­ti­ge Bürger, dass ihre Spenden an die Brüdergemeinde jetzt als Schmerzensgeld für die Opfer ver­wen­det wer­den.
    Internate, Klöster, Waisenhäuser, Sportvereine … die Liste lie­ße sich lan­ge fort­set­zen. Immer wie­der kom­men über­all neue Fälle von Missbrauch von Schutzbefohlenen ans Licht. 2014 geriet die Evangelische Brüdergemeinde in Korntal, einem beschau­li­chen Ort in der Nähe von Stuttgart, in den Fokus. Ein ehe­ma­li­ger Zögling hat­te sich auf­raf­fen kön­nen, mit sei­ner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, anstatt sich umzu­brin­gen, wie eini­ge sei­ner frü­he­ren Leidensgenossen. Daraufhin mel­de­ten sich über 170 wei­te­re Betroffene, die in dem Heim bis weit in die 2000er Jahre hin­ein eben­falls sys­te­ma­ti­scher psy­chi­scher, kör­per­li­cher und/oder sexua­li­sier­ter Gewalt aus­ge­setzt waren, aus­ge­übt von Angehörigen der pie­tis­ti­schen Bruderschaft, Hausangestellten oder soge­nann­ten Pateneltern im Ort. Die Kinder waren Waisen oder kamen aus „schwie­ri­gen Verhältnissen“, es gab kei­ner­lei Kontrolle, sie waren ihren Peinigern aus­ge­lie­fert. Schwer trau­ma­ti­siert und nicht sel­ten gebro­chen gehen sie als Erwachsene durchs Leben. Sechs von ihnen berich­ten vom Erlebten, dazu kom­men Mitglieder der „Aufklärungskommission“, rang­ho­he Gemeindemitglieder und Ortsansässige zu Wort.

    Je län­ger Die Kinder aus Korntal läuft, des­to deut­li­cher wird, dass das Einstehen für die schwe­re Schuld, die die Brüdergemeinde auf sich gela­den hat, und eine ech­te Aufarbeitung der Taten noch lan­ge nicht pas­siert sind. Vielmehr schwingt unter­schwel­lig immer das Gefühl mit: Jetzt muss es auch mal gut sein mit die­ser lei­di­gen alten Geschichte.“ Elisa Reznicek | Haus des Dokumentarfilms

    Korntal
    Credits:


    DE 2023, 90 Min., Deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
    Regie: Julia Charakter

    Kamera: Jonas Eckert
    Schnitt: Jonas Eckert, Julia Charakter

    Trailer:
    DIE KINDER AUS KORNTAL Trailer Deutsch | German [HD]
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  • Die Schule der Frauen

    Die Schule der Frauen

    Ein Film von Marie-Lou Sellem. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Aktuell ist sie noch in Thomas Arslans Verbrannte Erde zu sehen, dem­nächst hat sie einen furio­sen Auftritt in Fabian Stumms Tragikomödie Sad Jokes. Es könn­te also der Eindruck ent­ste­hen, das Thema ihres eige­nen Regiewerkes trä­fe auf sie gar nicht zu. Aber doch, und auch bei den Kolleginnen, mit denen sie vor 36 Jahren zusam­men an der Folkwangschule stu­dier­te. Marie-Lou Sellem hat sie vor der Kamera ver­sam­melt, um zu beleuch­ten, was vie­len von uns viel­leicht auch schon auf­ge­fal­len sein dürf­te: das lang­sa­me Verschwinden von Schauspielerinnen im Film und auf der Bühne mit zuneh­men­den Alter. Nicht nur das, son­dern auch die Hürden, die ihnen beim Lernen in den Weg gestellt wur­den, sind Thema. Auch keh­ren sie in ihre Schule zurück und befra­gen heu­ti­ge Absolventinnen nach ihren Erfahrungen.
    „Wenn du jung bist und eine Frau und ein femi­nis­ti­sches Thema hast, dann kriegst du jetzt im Moment einen Job, weil du dem ande­ren das Gefühl gibst, er ist ja kein „alter wei­ßer Mann“, wenn er dich beschäf­tigt. Das Gleiche ist auch viel­leicht mit Frauen in mei­nem Alter, uns wird zuge­hört wie es nie vor­her der Fall war. Es ist jetzt die Frage, was wir dar­aus machen, wir Frauen.“ Marie-Lou Sellem in kino­ki­no
    “… wir ren­nen im Kreis und wol­len ein Bild erfül­len, das wir zu bedie­nen haben, damit wir über­haupt noch da sind – und das Alter wird uns sowie­so irgend­wann aus der Kurve knal­len. Das ist Sisyphusarbeit, und die Frage ist: wol­len wir nicht end­lich mal auf­hö­ren damit? Es ist ja viel inter­es­san­ter, auch in die­ser drit­ten Altersrunde, die Themen, die wir haben, zu for­mu­lie­ren und zu reprä­sen­tie­ren. Wir kön­nen ja nicht alle aus­se­hen wie 40, wie hin­ge­bo­ge­ne 40, das erzählt ja auch gar nichts mehr. Das ist eigent­lich die gro­ße Frage: was wol­len wir erzäh­len?“ Marie-Lou Sellem beim Panel FF München

    Credits:


    DE 2024, 108 Min.,
    Regie: Marie-Lou Sellem

    Kamera: Jens Harant
    Schnitt: Sonja Baeger
    mit: Karoline Eichhorn, Cornelia Felden, Jacqueline Kornmüller, Katharina
    Linder Kerstin Weiss, Linette Arndt, Lena-Sophie Baer, Sarah
    Flechtker, Paula Julie Pitsch, Anna-Tabea Stockbrügger, Salome Zehnder
    Sophie Wolf, Asimina Sideris, Hannah Weiss

    Trailer:
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  • filmPOLSKA 2024

    filmPOLSKA 2024

    Vom 12.–18.09.2024 fin­det die­ses Jahr zum 19. Mal das größ­te pol­ni­sche Filmfestival außer­halb Polens statt (mehr, Katalog). Im fsk zei­gen wir alle sie­ben Wettbewerbsbeiträge und zwei Specials:


    • vorbei 

  • filmPOLSKA reloaded – Next To Nothing

    filmPOLSKA reloaded – Next To Nothing

    Tyle co nic / Next To Nothing

    [Tickets]

    PL 2023
    R/B: Grzegorz Dębowski
    93 min, OmdU
    K: Aleksander Pozdnyakov
    S: Anna Garncarczyk
    D: Artur Paczesny, Monika Kwiatkowska, Agnieszka Kwietniewska, Artur Steranko u. a.

    Sieger des filmPOLSKA-Wettbewerbs 2024 – Einführung: Karolina Golimowska (Polnisches Institut Berlin)

    Auf dem Dorf ist der Winter wie­der mal mat­schig, tief hängt der graue Himmel über der hüge­li­gen Provinz. Seit die LPG dicht gemacht hat, ver­sucht hier jeder auf eige­ne Faust, sich irgend­wie durch­zu­wursch­teln. Aber auf dem Land ist man auch immer auf die Unterstützung ande­rer ange­wie­sen – so wie der Bauer, dem gera­de das Haus abge­brannt ist. Jarek setzt sich für ihn ein, klap­pert die Nachbarn ab und bit­tet sie um Unterstützung, um ihm über das Gröbste hin­weg zu hel­fen. Er bie­tet sei­ner Familie sogar Unterschlupf.

    Überhaupt ist Jarek äußerst enga­giert. Als er erfährt, dass ein Lokalpolitiker zu Ungunsten sei­nes Dorfs abge­stimmt hat, trom­melt er kur­zer­hand die Bauern zusam­men und kippt dem ver­meint­li­chen Verräter einen gro­ßen Haufen Mist aufs Grundstück. Dummerweise wird in genau die­sem Misthaufen die Leiche des Bauern ent­deckt, dem der Hof abge­brannt ist. Der Aktivist wird zum Verdächtigen.

    In einer Mischung aus Krimi und Sozialstudie ler­nen wir mit para­do­ku­men­ta­ri­schen Bildern eine Dorfgemeinschaft ken­nen, die sich im tief­grei­fen­den Umbruch befin­det. Jede der Figuren – her­aus­ra­gend gespielt von einem Ensemble weit­ge­hend unbe­kann­ter Schauspieler*innen – muss auf ihre Weise damit zurecht­kom­men, dass die Tage des Dorfes in sei­ner her­kömm­li­chen Form gezählt sind. Dabei gibt es kei­ne guten und kei­ne schlech­ten Menschen, son­dern nur ver­schie­de­ne Strategien für die Anpassung an die tief­grei­fen­den Veränderungen des Mikrokosmos Dorf. [Rainer Mende]

     

     

  • Ellbogen

    Ellbogen

    Ein Film von Aslı Özarslan. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Weißt du noch, was du wer­den woll­test, als du noch klein warst? Du woll­test Ärztin wer­den. Mama woll­te immer, dass du Arzthelferin wirst. Aber du woll­test Ärztin wer­den“, erzählt Semra ein­mal zu ihrer klei­nen Schwester Hazal, um sie auf­zu­mun­tern. Die küh­le Antwort: „Ich woll­te nie Ärztin wer­den. Als ich klein war, woll­te ich Popstar wer­den.“ Ob Ärztin, Arzthelferin oder Popstar, bis dato kann die jun­ge Frau aus dem Wedding trotz vie­ler Bewerbungen über­haupt kei­nen Beruf oder Ausbildungsplatz vor­wei­sen, nicht zu einer ein­zi­gen Vorstellung wur­de sie ein­ge­la­den. Das stresst und frus­triert, doch an ihrem 18. Geburtstag soll gefei­ert wer­den, dass es kracht, und der gemei­ne Alltag bleibt daheim. Mit den Freundinnen Elma, Gül und Ebru zieht Hazel durch die Stadt, Höhepunkt soll der Besuch im cools­ten Club der Stadt sein, doch dort ist Schluss: kein Einlass, da zu auf­ge­bre­zelt. Die extre­me Wut über die erneu­te Zurückweisung ent­lädt sich bei Hazel in einer Weise, dass sie als Ausweg nur noch die Flucht aus dem Land sieht, und so sitzt sie schon am nächs­ten Tag in dem ihr unbe­kann­ten Istanbul. Konnte sie in Berlin wegen ihrer tür­ki­schen Backgrounds nie rich­tig ankom­men, fin­det sie sich in der für sie frem­den Türkei auch nicht zurecht.
    Die Berliner Regisseurin Asli Özarslan (ihr Dokumentarfilm Dil Leyla war 2017 bei uns zu sehen), ver­filmt hier den gleich­na­mi­gen Roman von Fatma Aydemir kon­se­quent aus jun­ger, weib­li­cher, migran­ti­scher Perspektive. Die Protagonistin möch­te eigent­lich ein für sie nor­ma­les Leben füh­ren, wehrt sich aber gegen alle ihr von ver­schie­de­nen Seiten zuge­schrie­be­nen Rollen, in Deutschland wie in der Türkei, und gerät so zwi­schen alle Stühle. Mit größt­mög­li­cher Präzision und Einfühlung erzählt Ellbogen die Geschichte eines der vie­len jun­gen Menschen, die aus der Gesellschaft ver­drängt wer­den, die eigent­lich die ihre ist.

    Credits:


    DE/TK/FR 2024, 86 Min., Originalfassung mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln
    Regie: Aslı Özarslan
    Kamera: Andac Karabeyoglu-Thomas
    Schnitt: David J. Achilles, Ana Branea
    mit: Melia Kara, Doğa Gürer, Jale Arıkan, Haydar Şahin, Orhan Kiliç, Jamilah Bagdach, Asya Utku, Mina Sağdıç 

    Trailer:
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  • Sad Jokes

    Sad Jokes

    Ein Film von Fabian Stumm. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein jun­ger Filmemacher, der sich von der eige­nen Biografie und Lebensgeschichte inspi­rie­ren lässt? Was nach einem alten Hut klingt, wird bei Fabian Stumm zu etwas sehr Besonderen….
    Sein neu­er Film Sad Jokes etwa ist eine direk­te Reaktion auf das Debüt Knochen und Namen, was dazu führt, dass im Zweitling nun ein Regisseur namens Joseph zwi­schen Uraufführung und Kinostart sei­nes ers­ten Films schon an den Ideen für den nächs­ten feilt. Derweil zeigt sich, dass er über die schon eine Weile zurück­lie­gen­de Trennung vom Ex doch noch nicht so wirk­lich hin­weg ist, wäh­rend das Kümmern um den klei­nen Sohn dadurch erschwert wird, dass des­sen Mutter und Josephs bes­te Freundin Sonya mit schwe­ren Depressionen kämpft.
    Die trau­ri­gen Witze, die Stumms fan­tas­ti­schem Film sei­nen Namen geben, sind hier Programm. Sad Jokes ver­eint Humor und Tragik mit einer Leichtigkeit, die hier­zu­lan­de eher sel­ten gelingt. … Wobei Stumm, der oben­drein auch noch ein Händchen für Slapstick hat, letz­te­re so echt, glaub­wür­dig und wit­zig schreibt wie lan­ge nie­mand mehr im deut­schen Kino.
    Zum Ereignis wird sein Film aber auch, weil er sei­nen Schauspielenden (dar­un­ter Marie-Lou Sellem, Godehard Giese, Knut Berger oder Anneke Kim Sarnau) mit oft nur einer ein­zi­gen Szene eine wun­der­ba­re Bühne zum Glänzen bie­tet. Und weil es nicht nur ein berüh­ren­der Film über Erwachsenen-Alltag und Kunstschaffen ist, son­dern neben­bei auch mit gro­ßer Selbstverständlichkeit wich­ti­ge Themen wie que­e­re Elternschaft oder psy­chi­sche Gesundheit ver­han­delt … ohne je über­frach­tet zu wir­ken.
    Patrick Heidmann | indie­ki­no
    INDIEKINO: In der Eingangssequenz Ihres neu­en Films erzäh­len ver­schie­de­ne Menschen vor der Kamera Witze. Welcher gefällt Ihnen per­sön­lich am bes­ten?
    Fabian Stumm: Ich kann mich schwer ent­schei­den. Ich glau­be, der mit dem Oktopus, obwohl er sehr lang ist. Die Frau, die ihn erzählt, ist mei­ne Mutter. Sie ist die Komikerin in unse­rer Familie. Aber sie ver­tut sich, wie man sieht, ger­ne mal in der Pointe.

    Credits:

    DE 2024, 96 Min., in deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
    Regie: Fabian Stumm
    Kamera: Michael Bennett

    Schnitt: Kaspar Panizza
    mit Fabian Stumm, Haley Louise Jones, Justus Meyer, Ulrica Flach, Jonas Dassler, Godehard Giese, Marie-Lou Sellem

    Trailer:
    SAD JOKES Trailer Deutsch | German [HD]
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  • filmPOLSKA reloaded: Erotica 2022

    filmPOLSKA reloaded: Erotica 2022

    [Tickets]

    Eine Frau erstickt in einer Welt mit strikt getrenn­ten Geschlechtern an ihrer Ehe mit einem untreu­en Mann. Eine zwei­te wird aus einem hava­rier­ten Zug eva­ku­iert und nähert sich ille­gal einem jun­gen Mann an. Eine drit­te übt mit einem Roboterkind für die Elternschaft und war­tet sehn­süch­tig auf die Genehmigung dafür. Eine vier­te kann in einer post­apo­ka­lyp­ti­schen Betonwelt nur noch betrun­ken Sex haben. Eine fünf­te ver­sam­melt Leidensgenossinnen um sich und begibt sich auf einen Rachefeldzug an der Männerwelt.

    In fünf Episoden ent­wer­fen Regisseurinnen nach Drehbüchern nam­haf­ter Schriftstellerinnen – unter ihnen die Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk und Bestseller-Autorin Joanna Bator – dys­to­pi­sche Visionen über eine nicht all­zu fern lie­gen­de Zukunft. Im Speziellen beschäf­ti­gen sie sich mit der Rolle der Frauen. Bereitet gesell­schaft­li­cher Fortschritt den Weg zur Emanzipation? Bleibt in einer von Technik domi­nier­ten Welt Platz für Gefühle?

    Folgt man den Autorinnen, ist die Zukunft wenig ver­hei­ßungs­voll. Missstände wer­den nicht besei­tigt, son­dern eher noch ver­stärkt, sozia­le Ungleichheiten mani­fes­tiert, Freiheit und Individualität blei­ben auf der Strecke. Für Gefühle, Sinnlichkeit und Erfüllung bleibt in der kal­ten, düs­te­ren Realität kein Platz. [Rainer Mende]

    R: Anna Kazejak, Anna Jadowska, Kasia Adamik, Jagoda Szelc, Olga Chajdas
    PL 2022, 137 min, OmeU
    B: Anna Kazejak, Olga Tokarczuk, Anna Jadowska, Grażyna Plebanek, Kasia Adamik, Joanna Bator, Jagoda Szelc, Ilona Witkowska, Gaja Grzegorzewska
    K: Ita Zbroniec-Zajt, Małgorzata Szyłak, Jacqueline Sobiszewski, Przemysław Brynkiewicz, Rafał Paradowski
    S: Maciej Pawliński, Anna Koc-Wittels, Kasia Adamik, Anna Garncarczyk
    M: Joanna Duda
    D: Agata Buzek, Monika Pikuła, Agnieszka Żulewska, Sara Celler-Jezierska, Małgorzata Bela u. a.

  • filmPOLSKA reloaded – God & Lunapark Warriors

    filmPOLSKA reloaded – God & Lunapark Warriors

    Bóg i wojow­ni­cy luna­par­ków / God & Lunapark Warriors

    [Tickets]

    PL 2022
    R/B: Bartłomiej Żmuda
    77 min, OmeU
    K: Michał Opala
    S: Rafał Stós & Agnieszka Kowalczyk
    M: Mikołaj Majkusiak

    Es knirscht gewal­tig zwi­schen dem Schriftsteller und Berufs-Provokateur Andrzej Rodan und sei­nem Sohn Paweł. Kein Wunder, schließ­lich ver­dient der über­zeug­te Atheist Andrzej sei­nen Lebensunterhalt mit Büchern, in denen er Kirche und Christentum angreift, wäh­rend sein Sohn tief gläu­big ist und sei­ne beruf­li­che Zukunft in der katho­li­schen Kirche sieht. Dabei war es doch frü­her so idyl­lisch: Gemeinsam mach­ten sie eine Tour durch die Vergnügungsparks Europas und kein Blatt Papier pass­te zwi­schen Vater und Sohn, wie ein­ge­floch­te­ne Videoband-Schnipsel bezeugen.

    Einen letz­ten Versuch will Paweł noch wagen, um das zer­rüt­te­te Verhältnis wie­der zu kit­ten. Dreißig Jahre spä­ter wol­len sie sich noch ein­mal auf den Weg machen, zu zweit mit dem Auto quer durch Polen, und Orte besu­chen, die für Paweł eine beson­de­re spi­ri­tu­el­le Bedeutung haben. Vielleicht gelingt es ja jeman­dem, im Kopf des Kirchenkritikers ein Körnchen Zweifel an sei­ner fun­da­men­ta­len Ablehnung alles Spirituellen zu säen?

    Schmerzhaft nah an den Helden die­ses tra­gi­ko­mi­schen Dokumentar-Roadmovies schau­en wir tief in die ver­wun­de­ten Seelen zwei­er Menschen, die in ihren Ansichten gefes­tigt und doch unend­lich unglück­lich sind. Der Film erzählt von zer­ris­se­nen Familienbanden, der iso­lie­ren­den Wirkung von Fanatismus und der ver­zwei­fel­ten Suche nach einer Basis für einen Dialog auf Augenhöhe. [Rainer Mende]

    Bartłomiej Żmuda (geb. 1981 in Nysa) stu­dier­te Regie in Łódź. Nach Kurzfilmen, die inter­na­tio­nal Beachtung fan­den, arbei­tet er momen­tan an sei­nem Langspielfilm-Debüt mit dem Arbeitstitel „Więcej“ (Mehr).

    wei­te­re Filmpolska rel­oa­ded Termine:

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