Leviathan

Die Halbinsel Kola an der Barentsee – hier lebt Kolja mit Lilya, seiner zweiten Frau und Roma, seinem Sohn aus erster Ehe, in einem Haus samt Werkstatt mit wunderbarem Blick über die Bucht. Seit Generationen ist der Grund im Besitz seiner Familie, aber jetzt hat der aktuelle Bürgermeister des Ortes den Wert des Grundstücks erkannt. Er will es kaufen und droht mit Enteignung, als sich Kolja weigert. Der Automechaniker wendet sich an seinen alten Armeefreund Dmitri, einen erfolgreichen Anwalt aus Moskau. Sollte man vor Gericht erfolglos sein, hat der noch einige Informationen über den Bürgermeister in der Hinterhand. Doch nichts verläuft hier für Kolja nach Plan.

leviathanIn eindrucksvollen Bildern und mit kleinen Dosen Galgenhumor erzählt Zvyagintsev (The Return, Goldener Löwe Venedig 2003) von Korruption, Desillusionierung und Alkoholismus, und natürlich von den harschen Folgen ins Private hinein. Er will dies aber ausdrücklich nicht auf Russland begrenzen: „Ersetze die Orthodoxe durch die Katholische Kirche, und du bist in Italien. Ein mexikanischer Kritiker sagte mir, nimm Tequila statt des Wodkas, und es ist eine mexikanische Geschichte.“ Tatsächlich kam dem Regisseur die Idee zum Film nach einem Vorfall in Colorado, bei dem ein Automechaniker, dem unrechtmäßig sein Land weggenommen wurde, mit einem Bulldozer die Stadthalle und das Haus des Bürgermeisters plattwalzte und sich danach selbst tötete. Allerdings ist der Gewinner des Golden Globe 2015 doch russisch genug, dass Kulturminister Medinski in Hinblick auf Leviathan warnte, er würde keine Filme mehr fördern, die die Machthaber kritisieren und „auch noch bespucken“ sowie Filme, die „den Geist der Hoffnungs- und Sinnlosigkeit unseres Lebens verbreiten“ - und das, obwohl der Film zuvor als russischer Beitrag für den „Auslandsoscar“ ausgewählt worden war. „Leviathan ist kein Film, der nur als pessimistische Bestandsaufnahme des heutigen Russland funktioniert, sondern auch eine ausgesprochen souveräne Erzählung, die durch jeden ihrer Umwege noch reicher wird.“ critic.de

Russland 2014, 141 Min.,  russ. OmUleviathan20151

Regie: Andrey Zvyagintsev

Kamera: Mikhail Krichaman
Schnitt: Anna Mass
Musik: Phillip Glass

mit:   Aleksey Serebryakov  Elena Lyadova,  Vladimir Vdovitchenkov, Roman Madyanov,  Anna Ukolova


im Kino mit deutschen Untertiteln
Filmwebseite

Cannes 2014