Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen

Ein Film von Radu Jude. Ab 30.5. im fsk. Am 30.5. in Anwe­sen­heit von Radu Jude.

[Credits] [Ter­mi­ne] [Trai­ler]

Die jun­ge Regis­seu­rin Maria­na Marin plant eine groß ange­leg­te, radi­ka­le Thea­ter­auf­füh­rung zu Rumä­ni­ens Betei­li­gung am Holo­caust. Unter Gene­ral Anto­nes­cu wur­de der mas­si­ve Anti­se­mi­tis­mus in der rumä­ni­schen Gesell­schaft zur offi­zi­el­len Ver­nich­tungs­po­li­tik erklärt, sei­ne Rol­le und die sei­ner Regie­rung im Zwei­ten Welt­krieg wird aber bis heu­te glo­ri­fi­ziert. Vom dama­li­gen Mas­sen­mord will nie­mand mehr etwas wis­sen. Mit einem Ree­nac­t­ment der dama­li­gen Ereig­nis­se soll das Thea­ter­stück das Publi­kum auf­rüt­teln, doch bereits vor der Pre­mie­re zei­gen sich zahl­rei­che Pro­ble­me: es gibt Unmut unter den Kom­par­sen, ein Abge­sand­ter der Stadt­re­gie­rung möch­te das Stück zen­sie­ren und auch in Maria­nas Pri­vat­le­ben läuft nicht alles glatt. Die als Weck­ruf kon­zi­pier­te Per­for­mance gerät Schritt für Schritt zur Far­ce…

Nach­stel­lung mili­tär­ge­schicht­li­cher Ereig­nis­se – Han­nah Arendt – Show – 1941, „das Jahr, das immer wie­der­kehrt”, aus der Per­spek­ti­ve des Jah­res 2018 – Zita­te – Schuss­waf­fen – Archiv­ma­te­ri­al – das Mas­sa­ker von Odes­sa – 16 mm und Video – Mili­tär­his­to­ri­sches Muse­um – Nega­tio­nis­mus – Videom­ap­ping – Bur­les­ke – Dia­lo­ge – Fan­fa­re – Isaac Babel – frag­men­tier­te Erzäh­lung – Wenn die Sol­da­ten durch die Stadt mar­schie­ren – Tri­via­li­sie­rung durch Ver­gleich – Dreh­buch von Mar­schall Anto­nes­cu – Feu­er – Regie Radu Jude – mit Ioana Iacob, Alex­an­dru Dabi­ja, Alex Bog­dan – Kaser­nen­wit­ze – nor­ma­le Leu­te – nun­ca más! – gegen­wär­ti­ge Ver­gan­gen­heit, ver­gan­ge­ne Gegen­wart.

Radu Judes neu­er Spiel­film fin­det einen ganz eige­nen Ton für ein schwie­ri­ges The­ma: die selek­ti­ve Erin­ne­rungs­po­li­tik im heu­ti­gen Euro­pa. Zwi­schen Rea­li­tät und Fik­ti­on, zwi­schen dem Blick in mora­li­sche Abgrün­de und einer iro­ni­schen Leich­tig­keit gelingt ihm eine facet­ten­rei­che Refle­xi­on über Geschichts­ver­ges­sen­heit. Ein Film, der auch das Schei­tern von poli­ti­scher Kunst the­ma­ti­siert – und dabei als poli­ti­sches Kunst­werk bril­lier

 

Credits:

RO, BG, DE, FR 2018, 120 Min.,
rum.OmU
Regie, Buch: Radu Jude
Kame­ra: Mari­us Pan­d­u­ru
Schnitt: Cătă­lin Cris­tuţiu
mit: Ioana Iacob, Alex­an­dru Dabi­ja, Alex Bog­dan

Ter­mi­ne:

Do., 30. Mai.: