Helle Nächte

Ein Film von Thomas Arslan. Ab 10.8. im fsk. Am 12.8. mit anschließendem Filmgespräch mit Thomas Arslan.

Die häufig geradezu hysterischen negativen Reaktionen auf Filme, die der Berliner Schule zugeschrieben werden, haben in der Regel nichts anderes im Sinn, als von den eigenen künstlerischen Konventionen und langweiligen Ambitionen abzulenken und diese so durch die Hintertür zu bestätigen und zu zementieren. Schade eigentlich, weil solche Übersprungsichtweisen einen offenen und einfühlsamen Blick auf die Filme verhindern.
Michael ist nach Norwegen gekommen, weil sein Vater dort gelebt hat. Die beiden Männer hatten sich zwar nichts zu sagen, aber wenigstens zur Beerdigung möchte der Sohn anreisen. Eine gute Gelegenheit, um seinen Sohn Luis mitzunehmen – der wiederum zu seinem Großvater ein innigeres Verhältnis hatte als zu seinem Vater Michael. So beginnt ein Roadmovie, das sich weniger nach vorne als sich vielmehr im Kreis bewegt und eigentlich immer langsamer wird und der Stillstand droht.
Natürlich spiegelt sich in der Bewegung und in der Landschaft die Beziehung von Vater und Sohn, und das könnte alles sehr platt wirken, würde es auf ein versöhnliches Ziel hinauslaufen. Doch Thomas Arslan inszeniert seine Erzählung aus einer beobachtenden Haltung heraus und dekliniert aufkommende Konflikte und die Charaktere nicht durch, sodass deren Unsicherheit und Hilflosigkeit nicht behauptet wirken und letztlich dem Zuschauer viel Raum gewährt wird, den er jetzt nur noch nutzen muss.

„Georg Friedrich und Tristan Gölbel sind ein ausgezeichnetes Team, weil sie relativ frei von schauspielerischen Manierismen sind. Statt einer etwas angeberischen Souveränität im Spiel haben sie sich eine Brüchigkeit bewahrt, die einem für kurze Momente das Herz zerreißen kann.“
„Einmal fährt die Kamera minutenlang eine Straße entlang, die durch eine immer stärker vom Nebel eingedeckte, endlose Bergkulisse führt. Arslan lässt uns die Leere und Abgeschiedenheit am eigenen Leib spüren. Es fühlt sich nicht so viel anders an als die Enge eines bürgerlichen Wohnzimmers. Wenn überall nur ein großes Nichts ist, werden die Figuren automatisch auf sich selbst zurückgeworfen.“ (Michael Kienzl, critic.de)

Deutschland / Norwegen 2017, 86 Min.

Regie, Buch: Thomas Arslan
Kamera: Reinhold Vorschneider
Schnitt: Reinaldo Pinto Almeida

mit:
Georg Friedrich (Michael)
Tristan Göbel (Luis)
Marie Leuenberger (Leyla)
Hanna Karlberg (Cecilia)