Autor: fsk

  • Alles GutAlles gut

    Alles GutAlles gut

    Ein Film von Pia Lenz.

    Auf den acht­jäh­ri­gen Djaner wirkt der ers­te Tag in der Hamburger Schule wie ein Wunder: Ein Mädchen, das Geburtstag hat, bekommt Geschenke und die gan­ze Klasse singt für sie. Der Roma-Junge aus Mazedonien, der in der Schule nur Angst vor Prügeln kann­te, ist sprach­los. Der trau­ma­ti­sier­te Junge ist mit sei­nem Bruder und sei­ner Mutter nach Hamburg geflüch­tet und hofft, nun end­lich in Frieden zu leben. Das elf­jäh­ri­ge Mädchen Ghofran möch­te anfangs nur wie­der nach Hause. Sie hört ara­bi­sche Rapmusik und lebt in Gedanken wei­ter in Syrien, wäh­rend ihr Vater Adel dar­um kämpft, in Hamburg zu blei­ben. In der Schule, wo sie die Sprache lernt, begeg­net Ghofran Mädchen, die alles dür­fen – schmin­ken, schwim­men gehen, … Eine völ­lig neue Erfahrung, die sie anfangs strikt ablehnt. Während Ghofran mit jedem Tag selbst­be­wuss­ter und siche­rer wird, hat Djaner mit sei­ner auf­ge­stau­ten Wut zu kämpfen.

    Im Vordergrund der Handlung ste­hen die Kinder und ihre Eingewöhnungsprobleme. Dabei ist es inter­es­sant, wie schnell sich Ghofran an die neu­en Umstände gewöhnt, wie sie an Selbstvertrauen gewinnt und sich inner­halb kur­zer Zeit in ihr Leben in Deutschland hin­ein­fin­det. Djaner hin­ge­gen hat es schwe­rer. Er ist trau­ma­ti­siert, ver­hal­tens­auf­fäl­lig und viel­leicht etwas lern­be­hin­dert. Seine Mutter kann ihm wenig hel­fen – sie hat noch mehr Probleme als er. Die Filmemacherin beglei­tet die Kinder in die Schulen, sie zeigt die Lehrer, die mit viel Kraft und Energie die schwie­ri­ge Aufgabe stem­men müs­sen, inner­halb eines Jahres Kinder aus vie­len Ländern der Welt ins deut­sche Schulsystem zu inte­grie­ren. Das machen sie mit bewun­derns­wer­ter Geduld und hohem Engagement. Also könn­te doch eigent­lich alles gut sein … ist es aber nicht.” programmkino.de

    D 2016, 95 Min.
    Buch, Regie, Kamera und Ton: Pia Lenz
    Montage: Stephan Haase
    Musik: The Notwist

     For eight-year-old Djaner, his first day at school in Hamburg seems like won­der­land. It’s class­ma­te Lena’s bir­th­day; she gets pres­ents and the who­le class sings for her. Djaner, a Roma from Macedonia, has only known school as a place to fear a bea­ting and he’s speechl­ess. The trau­ma­tis­ed young boy has migra­ted to Hamburg with his brot­her and mother; the fami­ly hopes to final­ly live in peace. Meanwhile, 11-year-old Ghofran just wants to go home at first. She lis­tens to Arabic rap and, in her head, she still lives in Syria, while her father Adel is busy fight­ing for them to be able to stay in Hamburg. At the school whe­re she’s lear­ning German, Ghofran meets other girls who are allo­wed to do ever­y­thing – wear make-up, swim … it’s a com­ple­te­ly new expe­ri­ence and initi­al­ly, she rejects it out of hand. With each day that pas­ses, Ghofran beco­mes more and more con­fi­dent and secu­re, while Djaner strug­gles with his pent-up rage.

    D 2016, 95 Min.
    Buch, Regie, Kamera und Ton: Pia Lenz
    Montage: Stephan Haase
    Musik: The Notwist

  • Marija

    Marija

    Ein Film von Michael Koch.

    Marija ist in der Ukraine auf­ge­wach­sen, lebt jetzt in Dortmund im ärme­ren Stadtteil Neustadt und hält sich mit einem Putzjob im Hotel über Wasser. Weil sie den aber bald wie­der ver­liert und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht gut ste­hen, lässt sie sich auf das Angebot ein, bei unse­riö­sen Geschäften zu über­set­zen, bei denen kei­ner dem ande­ren traut, denn: wenn du sie nicht abziehst, dann zie­hen sie dich ab. Sie tut das alles in der Hoffnung, so zu Geld zu kom­men, das sie drin­gend braucht, um ihren Traum zu erfül­len: end­lich ganz selb­stän­dig zu sein und von ehr­li­cher Arbeit im eige­nen Friseursalon zu leben. Und wäh­rend sie dafür arbei­tet, ver­strickt sie sich immer tie­fer in Ausbeutungsverhältnisse zwi­schen lega­len und ille­ga­len Einwanderern.

    Die Hauptfigur Marija wird von Margarita Breitkreiz gespielt, die zum Volksbühnen-Ensemble gehör­te, ihren Geschäftspartner spielt Georg Friedrich. Die Nebenrollen sind mit Laiendarstellern besetzt, gedreht wur­de in Dortmund, Neustadt – dort, wo die Lebensrealität vie­ler so aus­sieht wie in die­sem Film.

    MARIJA fei­er­te sei­ne Premiere auf dem Filmfestival in Locarno; er ist nomi­niert in der Kategorie Bester Film beim Schweizer Filmpreis und für den deut­schen Filmpreis vornominiert.

    D, CH 2016, 101 Min. 
    Regie: Michael Koch 
    Kamera: Bernhard Keller 
    Schnitt: Florian Riegel 
    Mit: Margarita Breitkreiz, Georg Friedrich, Olga Dinnikova, Sahin Eryilmaz u.a.

    frei­ge­ge­ben am 12 Jahren

    MARIJA – Offizieller Trailer
    film by Michael Koch. 

    Michael Koch’s keen­ly obser­ved and beau­tiful­ly acted milieu stu­dy has the ruc­tious and vul­nerable Marija at the epi­cen­ter, who­se dream of owning her own hair salon beco­mes a distant pro­s­pect when she loses her job as a hotel clea­ning woman.

     

    D, CH 2016, 101 Min. 
    Regie: Michael Koch 
    Kamera: Bernhard Keller 
    Schnitt: Florian Riegel 
    Mit: Margarita Breitkreiz, Georg Friedrich, Olga Dinnikova, Sahin Eryilmaz u.a.

    MARIJA – Offizieller Trailer
  • Little Men

    Little Men

    Ein Film von Ira Sachs.

    Ein Sommer in Brooklyn: Jakes Familie zieht in das vom Großvater geerb­te Haus. Er freun­det sich mit Tony an, des­sen Mutter den Laden im Erdgeschoss hat. Beide ver­bin­det die Vorliebe für Kunst und Computerspiele, bei­de träu­men davon, von der LaGuardia High School for Music & Art auf­ge­nom­men zu wer­den. Es könn­te immer so wei­ter gehen, aber im Hintergrund bahnt sich ein unlös­ba­rer Konflikt an. Jakes Vater Brian muß sei­ne Schwester aus­zah­len, die Miterbin ist. Deshalb soll die Ladenmiete auf Stand gebracht wer­den, aber das kann Tonys Mutter Leonor wirt­schaft­lich nicht ver­kraf­ten. Liberale Einstellung und huma­nis­ti­sche Bildung kön­nen nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass das Gesetz des län­ge­ren Hebels die Zustände bestimmt. Ira Sachs stellt nie­mand an den Pranger, son­dern beschreibt nüch­tern, wie die Besitzverhältnisse die mensch­li­chen Beziehungen infil­trie­ren und letzt­lich domi­nie­ren. Es gibt halt Sachzwänge, denen sich nie­mand ver­schlie­ßen kann. Gleichzeitig läßt er uns am Leben der bei­den Jugendlichen teil­ha­ben, die ihre Grenzen tes­ten und auf der Suche sind.
    Wenn man sich ver­se­hent­lich durch das lah­me, extraf­la­che, mit Emotionen aus drit­ter Hand auf Überlänge gestreck­te ‚La La Land‘ gedöst hat und sich hin­ter­her dar­an erin­nert, wie schön es war, Ryan Gosling zu ent­de­cken, dann fällt einem viel­leicht „Half Nelson“ oder „Blue Valentine“ ein. Ein Kino, das das Leben wahr­haf­tig spie­gelt und über­höht und etwas hin­ter­läßt, das wei­ter­tickt. Intim und von Herzen. Diesem Herzschlag und der Fähigkeit, das, was bewegt sicht­bar und spür­bar zu machen ist „Little Men“ verpflichtet.

    I have a strong fee­ling that eco­no­mics plays an enorm­ous part in the crea­ti­on of cha­rac­ter and dra­ma, It defi­nes so much of who we are and how we expe­ri­ence our day, and the chal­lenges we face. There’s no way to sepa­ra­te some of tho­se ques­ti­ons from the stories”
    Ira Sachs

    USA 2016, 85 Min., engl. OmU

    Regie & Buch: Ira Sachs
    Kamera: Óscar Durán
    Schnitt: Mollie Goldstein, Aonso Gonçalves

    mit
    Theo Taplitz
    Michael Barbieri
    Greg Kinnear
    Jennifer Ehle

    Little Men Trailer Deutsch | German [HD]
    Ira Sachs film. In eng­lish with ger­man subtitles.

    13 year old Jake moves to his par­ents in Brooklyn after his grandfather’s dies and befri­ends Tony

    I have a strong fee­ling that eco­no­mics plays an enorm­ous part in the crea­ti­on of cha­rac­ter and dra­ma, It defi­nes so much of who we are and how we expe­ri­ence our day, and the chal­lenges we face. There’s no way to sepa­ra­te some of tho­se ques­ti­ons from the stories”
    Ira Sachs

    USA 2016, 85 Min., engl. OmU

    Regie & Buch: Ira Sachs
    Kamera: Óscar Durán
    Schnitt: Mollie Goldstein, Aonso Gonçalves

    mit
    Theo Taplitz
    Michael Barbieri
    Greg Kinnear
    Jennifer Ehle

    Little Men Trailer Deutsch | German [HD]
  • Certain Women

    Certain Women

    Ein Film von Kelly Reichardt.

    [Pressezone]

    In ihrem schö­nen neu­en Film ver­knüpft Kelly Reichardt (Old Joy, Wendy & Lucy, Meek’s Cutoff, Night Moves) lose drei Geschichten mit vier Frauen in Livingston, Montana, oder vier Autostunden davon entfernt:
    Laura ist Anwältin, die einen ver­zwei­fel­ten Klienten davon über­zeu­gen will, dass eine Arbeitsrechtsklage erfolg­los sein wird. Gina und ihr Mann Ryan begin­nen mit­ten im Wald mit dem Bau eines eige­nen Hauses und möch­ten dafür dem alten Nachbarn die Natursteine abluch­sen, und haben eine schwer puber­tie­ren­de Tochter im Gepäck. Die jun­ge Pferdepflegerin Jamie ver­liebt sich in Beth, die ihr Jurastudium gera­de abge­schlos­sen hat und als ers­ten Job Abendschulunterricht auf dem Land gibt.
    Der Film, basie­rend auf Kurzgeschichten der Schriftstellerin Maile Meloy, ver­wei­gert sich der Zuschreibung von übli­chen Frauen-Filmfigur-Klischees (von der„starken Frau“ bis zum „Opfer“). Er gewinnt dadurch rea­lis­ti­sche, nach­voll­zieh­ba­re Charaktere, die sich mit all­täg­li­chen Problemen her­um­schla­gen – Anerkennung als Kompetenz, Verständnis ohne Gönnerhaftigkeit, Einsamkeit und (herz­ze­rei­ßen­de) Sehnsucht. Mit aller Ruhe und beson­de­rer Aufmerksamkeit fürs Subtile und für Zwischentöne ermög­licht Certain Women ein wun­der­bar ange­neh­mes, gelas­se­nes Schauen, das es natür­lich in sich hat: gera­de das schein­bar Nebensächliche, die all­täg­li­chen Kleinigkeiten prä­gen hier Beziehungen und Verhältnisse, nicht gro­ße Ereignisse.

    »Die wun­der­ba­re Laura Dern, die sub­ti­le Michelle Williams, die stil­le Kristen Stewart und die viel­leicht berüh­rends­te unter ihnen, die eigen­sin­ni­ge Lily Gladstone, machen Certain Women zu einem herausragendenKinoereignis. … Erneut erweist sich Reichardt als Meisterin, Inhalte über Bilder zu trans­por­tie­ren, die ohne red­un­dan­te Dialoge, ohne umständ­li­che Erklärungen aus­kom­men, und aus einer puren visu­el­len Kraft geschöpft sind.« Viennale

    USA 2016, 105 Min., engl. OmU
    Regie, Buch, Schnitt: Kelly Reichardt
    Kamera: Christopher Blauvelt
    mit Laura Dern, Michelle Williams, Kristen Stewart, Lily Gladstone, James LeGros u.a.

    frei­ge­ge­ben ohne Altersbeschränkung (pdf)

    Kritiken:

    Trailer „Certain Women” OmU from Peripher Filmverleih on Vimeo.A Film by Kelly Reichardt. In eng­lish with ger­man subtitles.

    [Pressezone]

    CERTAIN WOMEN is tra­cing three sto­ries that have very simp­le plots. Laura, a lawy­er tri­es to sepa­ra­te hers­elf from a pes­ky male cli­ent, a cou­ple attempt to con­vin­ce an old man to give them a pile of rocks in order to build their home, and the final sto­ry is a sub­ver­si­on of the for­mer two, whe­re the prot­ago­nist is the out­si­der secluded on a lonely farm, try­ing to con­nect with the adult edu­ca­ti­on tea­cher Beth. The cha­rac­ters are inten­tio­nal­ly dis­con­nec­ted, but beats from each sto­ry rely on the emo­tio­nal reve­la­ti­ons in the ones pri­or. CERTAIN WOMEN works along the lines of Ozu Yasujiro’s films. If the intan­gi­ble fee­lings, rhyth­ms, and pace of could be cru­de­ly decoded, demys­ti­fy­ing the power of the film’s enig­ma­tic images, igno­ring the ele­ment of the film that moves us wit­hout being able to pin­point exact­ly why, I could say the film is about rea­li­zing the exis­tence of the world around us. I’ve never seen a film quite like it. (Josh Cabrita)

    USA 2016, 105 Min., engl. OmU
    Director, Editor: Kelly Reichardt
    Camera: Christopher Blauvelt
    Cast:  Laura Dern, Michelle Williams, Kristen Stewart, Lily Gladstone, James LeGros u.a.

    frei­ge­ge­ben ohne Altersbeschränkung (pdf)

    Trailer „Certain Women” OmU from Peripher Filmverleih on Vimeo.

  • Dahlienfeuer

    Dahlienfeuer

    Ein Film von Stefan Hayn. Am 4.2. und 5.2. im fsk. Am 4.2. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch.

    Ein son­ni­ger Herbsttag in Berlin. Im Süden Neuköllns ver­sam­meln sich die Besucher*innen des Dahlienfeuers, einer jähr­li­chen Gartenausstellung im Britzer Garten. Sie bewun­dern die bun­te Blütenpracht, machen einen Familienausflug und suchen nach Ruhe, schö­nen Stunden oder dem nächs­ten Motiv für ihre Fotosammlung. Zwischen ihnen bewegt sich der Filmemacher. Sein Interesse gilt weni­ger den Pflanzen, mögen sie auch noch so anspre­chend in 4:3 kadriert sein. Vielmehr rich­tet er den Blick auf den Menschen und das, was ihn umtreibt.  Mit höf­li­chen, fast naiv anmu­ten­den Fragen nähert sich Hayn einem Lebensgefühl an, einem Moment, das an die­sem Tag, an die­sem Ort, in und an der Luft liegt. Ein klei­ner Ausschnitt, der einen gro­ßen Einblick erlaubt – in die Köpfe der Protagonist*innen, die Lage einer Nation und die Fotokalender für das nächs­te Weihnachtsfest. Denn immer wie­der geht es auch um den Akt es Aufnehmens, des Einfangens – und vor allem um die Frage, wel­che Beobachtungen für uns Bedeutung erlangen.

    D 2016, 67 Min.,
    Regie: Stefan Hayn
    Kamera: Bernadette Paaßen

    Dahlienfeuer
  • Elle

    Elle

    Ein Film von Paul Verhoeven.

    Ursprünglich woll­te Paul Verhoeven sei­ne Adaption von Philippe Dijans Roman „Oh…“ in Amerika ansie­deln, doch kei­ne bekann­te ame­ri­ka­ni­sche Schauspielerin wag­te sich an die Rolle. Zum Glück muss man sagen, denn nach den 130 spek­ta­ku­lä­ren, bril­lan­ten Minuten von „Elle“, mag (mehr …)

  • Liebmann

    Liebmann

    Ein Film von Jules Herrmann. Ab 26.1. im fsk. Am 31.1. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch mit Jules Herrmann.

    Der Lehrer Antek Liebmann („Liebmann“ = „amour” und „hom­me”, erklärt er ein­mal)  lässt sein Leben in Deutschland hin­ter sich und mie­tet sich im som­mer­li­chen Nordfrankreich ein. Als er von sei­nem Vermieter erfährt, dass in den umlie­gen­den Wäldern ein Mörder sein (mehr …)

  • The Salesman

    The Salesman

    Ein Film von Asghar Farhadi.

    Als The Salesman – Forushande letz­tes Jahr im Iran ins Kino kam, brach er, für einen Autorenfilm eher unge­wöhn­lich, sämt­li­che Zuschauerrekorde. Sogar noch um 2Uhr nachts stan­den die Leute in Teheran an den Kinokassen an, erzählt man sich. Grund dafür mag die Popularität der bei­den Hauptdarsteller sein, die gera­de in einer erfolg­rei­chen Serie zu sehen sind und auch schon mehr­mals mit Farhadi gear­bei­tet haben – viel­leicht erin­nert sich auch hier noch jemand an sei­nen Film Elly, wo sie die Titelheldin gab. Möglicherweise aber traf auch das Thema des Films einen Nerv, behan­delt er doch kom­ple­xe Konstrukte wie Ehre, Männlichkeit und Gerechtigkeit. Emad und Rana sind ein jun­ges Paar aus Teheran, die eine gleich­be­rech­tig­te Ehe füh­ren und kul­tu­rell enga­giert sind, so pro­ben sie zur Zeit pro­ben sie mit Freunden in Theater Arthur Millers Tod eines Handlungsreisenden. Nach einem Erdbeben müs­sen sie eine neue Wohnung bezie­hen. Ihre dor­ti­ge Vormieterin hat­te, so die Nachbarn, häu­fi­gen Männerbesuch und führ­te wohl ein unmo­ra­li­sches Leben. Im Zuge einer Verwechslung kommt es dann auch zu einem Übergriff in ihrem eige­nen Bad. Emads fol­gen­de Reaktion dar­auf ver­än­dert die Beziehung des Paares nach­hal­tig, auch da er Ranas Bedürfnisse und Wünsche übergeht.
    „Diese Gewalt, die schein­bar gerecht­fer­tigt ist, hat mich inter­es­siert. Wenn der Handelnde  über­zeugt ist, er habe gute Gründe Gewalt aus­zu­üben, obwohl er ein kul­ti­vier­ter, tole­ran­ter und hilfs­be­rei­ter Mann ist. Was bringt ihn dazu? Diesen Prozess woll­te ich zei­gen, ohne ein Urteil zu fäl­len. Das über­las­se ich dem Zuschauer. “ Asghar Farhadi
    „Mit enor­mer Eleganz ent­wi­ckelt sich die­ses cle­ver kon­stru­ier­te Drama, das durch plau­si­ble Figuren sowie exzel­len­te Darsteller über­zeugt – und dabei span­nend wie ein Thriller aus­fällt.“ programmkino.de

    wei­te­re Filme von Asghar Farhadi: „Nader und Simin“, „Le Passé”, Elly …”)

    OT: Forushande
    F/Iran, 2016, 125 Min., far­si OmU

    Regie & Buch: Asghar Farhadi
    Kamera: Hossein Jafarian
    Schnitt: Hayedeh Safiyari

    Darsteller:
    Shahab Hosseini
    Taraneh Alidoosti
    Babak Karimi
    Farid Sajjadihosseini
    Mina Sadati
    Maral Bani Adam

    THE SALESMAN – Trailer OV/d
    Film by Asghar Farhadi. In far­si with ger­man subtitles.

    Rama and Emad are an intellec­tu­al bour­geois cou­ple in Tehran. One day Rama is assaul­ted by a mys­te­rious stran­ger in their flat. The assault trig­gers a series of events that reve­al the cons­traints and taboos under which Iranian socie­ty operates.

    Tom Dorow

    OT: Forushande
    F/Iran, 2016, 125 Min., far­si OmU

    Regie & Buch: Asghar Farhadi
    Kamera: Hossein Jafarian
    Schnitt: Hayedeh Safiyari

    Darsteller:
    Shahab Hosseini
    Taraneh Alidoosti
    Babak Karimi
    Farid Sajjadihosseini
    Mina Sadati
    Maral Bani Adam

    THE SALESMAN – Trailer OV/d
  • Havarie

    Havarie

    Ein Film von Philip Scheffner, ab 26.1. im fsk, am 27.1. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch mit Philip Scheffner.

    93 Minuten lang bleibt die Leinwand blau. Eine ein­zi­ge, unge­schnit­te­ne Einstellung zeigt ein Bild, das sich nur ver­lang­samt bewegt: ein Boot als klei­nes und dunk­les, figür­li­ches Stillleben im azur­blau­en Meer. Die Bewegung der Kamera ist abge­hackt, das Bild springt, denn das Handyvideo, das Regisseur Phillip Scheffner (REVISION, DER TAG DES SPATZEN) auf YouTube fand und hier auf andert­halb Stunden gestreckt hat, ist im Original ledig­lich drei­ein­halb Minuten lang und wur­de von Terry Diamond auf dem Kreuzfahrtschiff „Adventure of the Seas” im Mittelmeer auf­ge­nom­men. Das erfah­ren wir aller­dings wie vie­les ande­re erst im Abspann. Klar sind ledig­lich die Koordinaten: 37°28.6’N und 0°3.8’E. Dort befin­det sich das Boot, ein Flüchtlingsboot mit 13 Insassen. Dazu hören wir auf der Ton-Ebene mehr als 20 Stimmen, die wir im Gegensatz zum Boot nicht ver­or­ten kön­nen, und die sich zu einem Mosaik der Informationen, Fährten, Mutmaßungen und Geschichten ver­dich­ten. Diese Puzzlestücke fügen sich aller­dings zu kei­nem kla­ren Ganzen zusam­men und sol­len es auch nicht. HAVARIE ist eine expe­ri­men­tel­le Auseinandersetzung mit mas­sen­me­dia­ler Bildpolitik und den dar­aus resul­tie­ren­den Blickwinkeln auf trans­at­lan­ti­sche Fluchtbewegungen. Doch das wäre nur eine von vie­len Lesarten. Ein Film, der Fragen auf­wirft und sein Publikum war­ten lässt, und genau dadurch eine phy­si­sche Erfahrbarkeit pro­du­ziert, die das Filmische und das Dokumentarische tran­szen­diert. Man kann die­sen Film posi­tiv als Zumutung beschrei­ben, denn Scheffner mutet sei­nem Publikum zu, für andert­halb Stunden das Warten, die Orientierungslosigkeit und die Spannung aus­zu­hal­ten, wodurch HAVARIE äußerst schlau die Situation der Boatpeople in den Kinosaal zu spie­geln weiß. Ein klei­nes, offe­nes Meisterwerk als Beitrag zu einer immer uner­träg­li­che­ren Debatte um Menschenleben.

    Toby Ashraf | indiekino.de

    D 2016, 93 Min., arab., engl., frz, russ. OmU 
    Regie: Philip Scheffner
    Buch: Merle Kröger, Philip Scheffner
    Kamera: Terry Diamond, Bernd Meiners
    Mit: Rhim Ibrir, Abdallah Benhamou, Leonid Savin, Terry Diamond

     

  • Personal Shopper

    Personal Shopper

    Ein Film von Oliver Assayas.

    Wer kennt Hilma af Klint (1862−1944)? Nach dem Film wis­sen die Zuschauer mehr von der Pionierin der abs­trak­ten Kunst – Jahre vor Kandinsky, Mondrian und Malewitsch. Sie fühl­te sich als Medium und war über­zeugt, dass ihre Werke durch Eingebungen aus dem Jenseits kamen.

    Auch Maureen begreift sich als Medium, das mit Toten in Kontakt tre­ten kann. In ihrer Auseinandersetzung mit die­ser Gabe stösst die Amerikanerin im Film auf die Künstlerin und ihre Bilder, eben­so wie auf Aufzeichnungen von Victor Hugo und sei­nen Seancen.

    Maureen ist per­sön­li­che Einkäuferin für Stars und Sternchen. Momentan arbei­tet sie für ein lau­ni­sches Model namens Kyra und ist für sie in den schicks­ten und ange­sag­ten Designer- und Haute Couture-Läden in Paris unter­wegs. In die­ser Stadt ist ihr Zwillingsbruders Lewis kürz­lich gestor­ben, hier erwar­tet sie ein Zeichen von ihm. Während einer beruf­li­chen Einkaufstour nach London bekommt sie im Euro-Star plötz­lich geheim­nis­vol­le Nachrichten von einer unbe­kann­ten Nummer. Ist es ihr Bruder, der aus dem Jenseits Kontakt zu ihr auf­nimmt? Oder nur der sehr leben­di­ge Geliebte ihrer Chefin, der es auf sie abge­se­hen hat?

    Der ganz auf sei­ne Hauptdarstellerin zuge­schnit­te­ne Film ist nach „Die Wolken von Sils Maria” die zwei­te Zusammenarbeit von Olivier Assayas (Irma Vap, Carlos, Ende August – Anfang September, Die wil­de Zeit …) mit Kristen Stewart.

    »Assayas legt das Geisterhafte unse­res post­mo­der­nen Medienalltags offen. Und schließ­lich lebt auch sei­ne Protagonistin selbst ein gespens­ti­sches Leben: Als ewi­ge Doppelgängerin ihrer nur flüch­tig auf­tre­ten­den Chefin fris­tet sie ein beklem­men­des Schattendasein. All die­se Facetten erge­ben ein auf inter­es­san­te Art ver­wir­ren­des Stück Gegenwartskino, das mit sei­ner Auflösung der Grenzen zwi­schen poe­ti­schem Realismus und Genreelementen den Finger am Puls der Zeit hat.«

    Tim Lindemann | epd-Film 1–17

     Frankreich 2016, 105 Min., engl. OmU
    Regie: Olivier Assayas
    Drehbuch: Olivier Assayas
    Kamera: Yorick Le Saux
    Schnitt: Marion Monnier
    Darsteller: Nora von Waldstätten, Kristen Stewart, Anders Danielsen Lie, Lars

     

    A Film by Oliver Assayas. 
    Oliver Assayas‘ (THE CLOUDS OF SILS MARIA) PERSONAL SHOPPER is a pret­ty bizar­re mix bet­ween a ghost sto­ry and an iro­nic com­men­ta­ry on cele­bri­ty cul­tu­re and hyper con­su­me­rism. Maureen (Kristen Stewart) is a young woman with a glamo­rous job. She shops for Lara, a star, or at least a star­let, who needs to have the newest hau­te cou­ture. Maureen is also pri­va­te­ly grie­ving for her brot­her who just died of a heart dise­a­se, a dise­a­se Maureen has as well. Her brot­her belie­ved he was a medi­um, just like Maureen, and they both pro­mi­sed each other to send a mes­sa­ge from the after­li­fe when one of them died. Maureen inspects the old house whe­re her brot­her lived and tri­es to con­ju­re up his ghost. When Maureen starts get­ting mes­sa­ges on her smart­phone from an unknown sen­der who seems to know ever­y­thing about her she belie­ves that she is final­ly com­mu­ni­ca­ting with her brot­her. PERSONAL SHOPPER is a ner­vous film whe­re not­hing is neat­ly resol­ved which is in com­ple­te ali­gnment with the heroine’s psy­che. Maureen tee­ters bet­ween being on the side­lines of the world of glitz and glam and her some­what mis­gui­ded year­ning for emo­tio­nal “depth.” Those who expect a Lynchian link bet­ween gothic ghost sto­ry and gla­mour world ali­en­ati­on will sure­ly be dis­ap­poin­ted. PERSONAL SHOPPER is a very fun­ny ghost far­ce and an accu­ra­te dia­gno­sis of a gene­ra­ti­on caught bet­ween mate­ria­lism and tran­s­cen­den­tal aspi­ra­ti­ons.

    Tom Dorow

    Translation: Elinor Lewy

     Frankreich 2016, 105 Min., engl. OmU Regie: Olivier Assayas Drehbuch: Olivier Assayas Kamera: Yorick Le Saux Schnitt: Marion Monnier Darsteller: Nora von Waldstätten, Kristen Stewart, Anders Danielsen Lie, Lars