Petrov’s Flu

Ein Film von Kirill Serebrennikov.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Es war wahr­schein­lich eines der ver­rück­tes­ten Abenteuer mei­nes Lebens.“ KS
Mehrere Jahre stand der rus­si­sche Theater‑, Opern‑, und Filmregisseur Kirill Serebrennikov unter Hausarrest, vage Vorwürfe der Untreue schränk­ten sei­ne Freiheit ein, die Gefahr einer Verurteilung und der Lagerhaft hin­gen in der Luft. Dieses zu wis­sen hilft viel­leicht, sei­nen neu­en Film zu sehen, die Verfilmung des Romans von Alexey Salnikov – eine irri­tie­ren­de, deli­rie­ren­de Reise in die rus­si­sche Nacht:
Petrov ist Automechaniker und lebt mit Frau und Kind in Jekaterinenburg, knapp öst­lich des Ural. Kurz vor Weihnachten wird die gan­ze Stadt von einer bösen Grippe geplagt, so auch sei­ne Familie.
So weit, so nor­mal – könn­te man den­ken, ist es aber nicht, oder bes­ser, wird es nicht sein. Ob es das Medikament sei­nes Freundes ist, das ihn und uns in die­se Achterbahn aus Paranoia und Phantastischem setzt und Runde um Runde dre­hen lässt? Oder sind es Bilder aus Petrovs Vergangenheit, oder Zukunftsängste, alles ver­mischt mit Fieberträumen? Die Reise geht immer wei­ter, steht sel­ten still, und wird nur von den lan­gen Kamerafahrten gehal­ten.
„Wir kom­men von sei­ner Frau, einer Bibliothekarin mit über­na­tür­li­chen Kräften, zu Igor und lan­den in dem krea­ti­ven und selbst­mör­de­ri­schen Wahnsinn eines Schriftstellers (der unglaub­li­che Ivan Dorn), der davon über­zeugt ist, post­hu­men Ruhm zu erlan­gen. Alles wird in einer gro­ßen Kuppel her­ge­stellt, die aus Chimären besteht, mit einem Weihnachtsfest als Ankerpunkt. Erinnerungen an die Kindheit ver­mi­schen sich, gefilmt aus der Perspektive der sub­jek­ti­ven Kamera, und bie­ten zutiefst ergrei­fen­de und zärt­li­che Eindrücke. Eine Vielzahl von Rückblenden in die Vergangenheit, um das Geschehen zu ent­wir­ren und die auf der Strecke geblie­be­nen Figuren wie­der auf­zu­neh­men. «Petrov’s Flu» kann einen ganz schön ein­wi­ckeln, wenn man sich auf eine fie­ber­haf­te Erzählung ein­lässt.“ Sven Papaux | cineman

Credits:

RU 2021, 145 Min., russ. OmU,
Regie & Buch: Kirill Serebrennikov
nach dem gleich­na­mi­gen Roman von Alexey Salnikov
Kamera: Vladislav Opelyants
Schnitt: Yuriy Karikh
mit: Semyon Serzin, Chulpan Khamatovar

Trailer:
PETROV’S FLU | Trailer [HD]
nach oben

Kategorie: archiv

  • Petrov’s Flu

    Petrov’s Flu

    Ein Film von Kirill Serebrennikov.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Es war wahr­schein­lich eines der ver­rück­tes­ten Abenteuer mei­nes Lebens.“ KS
    Mehrere Jahre stand der rus­si­sche Theater‑, Opern‑, und Filmregisseur Kirill Serebrennikov unter Hausarrest, vage Vorwürfe der Untreue schränk­ten sei­ne Freiheit ein, die Gefahr einer Verurteilung und der Lagerhaft hin­gen in der Luft. Dieses zu wis­sen hilft viel­leicht, sei­nen neu­en Film zu sehen, die Verfilmung des Romans von Alexey Salnikov – eine irri­tie­ren­de, deli­rie­ren­de Reise in die rus­si­sche Nacht:
    Petrov ist Automechaniker und lebt mit Frau und Kind in Jekaterinenburg, knapp öst­lich des Ural. Kurz vor Weihnachten wird die gan­ze Stadt von einer bösen Grippe geplagt, so auch sei­ne Familie.
    So weit, so nor­mal – könn­te man den­ken, ist es aber nicht, oder bes­ser, wird es nicht sein. Ob es das Medikament sei­nes Freundes ist, das ihn und uns in die­se Achterbahn aus Paranoia und Phantastischem setzt und Runde um Runde dre­hen lässt? Oder sind es Bilder aus Petrovs Vergangenheit, oder Zukunftsängste, alles ver­mischt mit Fieberträumen? Die Reise geht immer wei­ter, steht sel­ten still, und wird nur von den lan­gen Kamerafahrten gehal­ten.
    „Wir kom­men von sei­ner Frau, einer Bibliothekarin mit über­na­tür­li­chen Kräften, zu Igor und lan­den in dem krea­ti­ven und selbst­mör­de­ri­schen Wahnsinn eines Schriftstellers (der unglaub­li­che Ivan Dorn), der davon über­zeugt ist, post­hu­men Ruhm zu erlan­gen. Alles wird in einer gro­ßen Kuppel her­ge­stellt, die aus Chimären besteht, mit einem Weihnachtsfest als Ankerpunkt. Erinnerungen an die Kindheit ver­mi­schen sich, gefilmt aus der Perspektive der sub­jek­ti­ven Kamera, und bie­ten zutiefst ergrei­fen­de und zärt­li­che Eindrücke. Eine Vielzahl von Rückblenden in die Vergangenheit, um das Geschehen zu ent­wir­ren und die auf der Strecke geblie­be­nen Figuren wie­der auf­zu­neh­men. «Petrov’s Flu» kann einen ganz schön ein­wi­ckeln, wenn man sich auf eine fie­ber­haf­te Erzählung ein­lässt.“ Sven Papaux | cineman

    Credits:

    RU 2021, 145 Min., russ. OmU,
    Regie & Buch: Kirill Serebrennikov
    nach dem gleich­na­mi­gen Roman von Alexey Salnikov
    Kamera: Vladislav Opelyants
    Schnitt: Yuriy Karikh
    mit: Semyon Serzin, Chulpan Khamatovar

    Trailer:
    PETROV’S FLU | Trailer [HD]
    nach oben
  • Return to Seoul

    Return to Seoul

    Ein Film von Davy Chou.
    Am 22.4. um 14:00 mit anschlie­ßen­dem Gespräch mit der Ko-Autorin Laure Badufle.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Eigentlich woll­te Freddie gar nicht nach Seoul, aber als der Flug von Paris nach Japan aus­fällt, nimmt sie kur­zer­hand den nächs­ten mit ähn­li­cher Richtung, und kommt so zum ers­ten Mal seit ihrer Geburt nach Korea. Als Baby wur­de sie von einem fran­zö­si­schen Ehepaar adop­tiert, und ist so als Französin der korea­ni­schen Sprache nicht mäch­tig. Äußerlich jedoch wird sie (sie habe ein »alt­ko­rea­ni­sches Gesicht« heißt es) der Gegend zuge­ord­net, was all­ge­mein stets zu Verwirrung, und sie an ihre Grenzen führt.
    Eigentlich will Freddie auch ihre bio­lo­gi­schen Eltern nicht suchen, aber da es nun mal die Möglichkeit bei einer staat­li­chen Stelle in Seoul gibt, ver­sucht sie es doch. Die Mutter ver­wei­gert stets den Kontakt, wäh­rend der Vater sie so sehr sofort in die Familie auf­neh­men will, dass sie ihn schließ­lich zurück­stößt. Der Film bleibt über acht Jahre nah bei sei­ner Protagonistin, die bei jedem neu­em Aufenthalt in der Stadt neue Identitäten zwi­schen Schroffheit und Verletzlichkeit erprobt, sich oft ver­liert und manch­mal wie­der­fin­det.
    Der fran­zö­sisch-kam­bo­dscha­ni­sche Regisseur Davy Chou beweist in sei­nem Nachfolgefilm zu „Diamond Island“ gro­ße Sensibilität im Umgang mit Themen wie Heimat, Identität und dem Aufeinanderprallen ver­schie­de­ner Kulturen.
    „Der Film ist bis­wei­len so unkon­ven­tio­nell und rup­pig wie sei­ne Protagonistin, ist wie sie auf der Suche. Er hat aber auch ihre ver­füh­re­ri­schen Qualitäten mit einem Hauch von Melancholie, die ihn zu einer fes­seln­den, wenn auch unvor­her­seh­ba­ren Reise machen.“ Wendy Ide | Screen Daily

    Credits:

    BE/DE/FR/QT 2022, 119 Min., frz, kore­an., engl. OmU,
    Regie: Davy Chou
    Kamera: Thomas Favel
    Schnitt: Dounia Sichov
    mit: Ji-Min Park, Oh Kwang-rok, Guka Han, Yoann Zimmer

    Trailer:
    nach oben
  • Close

    Close

    Ein Film von Lukas Dhont.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Remi und Leo sind von klein auf bes­te Freunde. Sie besu­chen die glei­che Schulklasse, ver­brin­gen Tag und manch­mal auch Nacht mit­ein­an­der, und jetzt, im Alter von 13 Jahren, pla­nen sie eine gemein­sa­me Zukunft: Leo wird Manager des begab­ten Oboe-Spielers Remi, und sie rei­sen dann von Konzert zu Konzert durch die Welt.
    Wegen der offen­sicht­li­chen engen und lie­be­vol­len Beziehung der bei­den stel­len eines Tages Mitschülerinnen auf dem Schulhof die unschul­dig-pro­vo­ka­ti­ve Frage: „Seid ihr ein Paar?“ Leo ist ver­wirrt und ver­un­si­chert. Von einem Augenblick auf den ande­ren fühlt er sich von Remis Nähe bedrängt und möch­te sich abset­zen. Er war­tet beim Schulweg nicht mehr auf den Freund und beginnt mit dem Training eines männ­lich kon­no­tier­ten Sports, dem Eishockey. Remi ver­steht die Welt nicht mehr. Für ihn hat sich nichts geän­dert, und er weiß nicht, war­um Leo ihn so offen­siv igno­riert.
    Gruppenzwang und sei­ne für ande­re oft ver­let­zen­den Folgen, die Frage nach Loyalität und dem eige­nen Empfinden macht Lukas Dhont (der mit GIRL bereits einen ein­fühl­sa­men Film übers Erwachsenwerden vor­stell­te) hier zum Thema, das natür­lich nicht nur Kinder und Jugendliche angeht.
    „So herz­zer­rei­ßend die­se Geschichte ist, insze­niert sie Dhont bedacht und zurück­ge­nom­men. Eine Tragödie zieht den Boden unter den Füßen weg, doch das Leben geht wei­ter, irgend­wie. Und mit der Zeit lernt man, den Verlust anzu­neh­men, mit der Leerstelle zu leben, so die tröst­li­che Geste. »Close« ist in all sei­ner Sensibilität ein radi­ka­les Werk. Und zeigt im Porträt die­ser inten­si­ven Jungsfreundschaft auch, wie stark sich Geschlechterrollen in den jün­ge­ren Generationen ver­än­dert haben. Ein Film wäre in die­ser Fluidität noch vor zehn Jahren kaum denk­bar gewe­sen.“
    Thomas Abeltshauser | epd-Film

    Credits:

    BE/FR/NL 2022, 105 Min., frz. OmU
    Regie: Lukas Dhont
    Kamera: Frank van den Eeden
    Schnitt: Alain Dessauvage
    mit: Eden Dambrine
    Gustav De Waele
    Emilie Dequenne
    Léa Drucker

    Trailer:
    Trailer Close, OmU, fran­zö­sisch mit deut­schen Untertiteln
    nach oben
  • An einem schönen Morgen

    An einem schönen Morgen

    Ein Film von Mia Hansen-Løve.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Einer der schöns­ten und tröst­lichs­ten Filme des Jahres – mit viel Empathie und ohne zu urtei­len blickt er auf das Leben sei­ner Protagonistin zu einer Zeit, in der sich eini­ge Dinge ändern.
    Sandra ist Dolmetscherin, allein­er­zie­hen­de Mutter einer acht­jäh­ri­gen Tochter, aber zunächst vor­wie­gend selbst Tochter. Ihr Vater Gregory, in sei­ner akti­ven Zeit geach­te­ter Philosophieprofessor, lei­det an einer sel­te­nen, fort­schrei­ten­den neu­ro­de­ge­nera­ti­ven Störung. Er ver­gisst Ort und Zeit und Gesichter; der Mann, der er einst war, ist nicht mehr da. Jetzt, wo er nicht mehr allei­ne zurecht­kommt, müs­sen Sandra, ihre von ihm geschie­de­ne Mutter und die aktu­el­le Freundin nicht nur ein Heim suchen, son­dern ihn auch vom Umzug über­zeu­gen und sei­ne Wohnung auf­lö­sen – nach­voll­zieh­bar trau­ri­ge, schreck­li­che Aktivitäten. Eine Odyssee durch Krankenhäuser und Pflegestationen beginnt, ein Ort erscheint schlim­mer als der ande­re. Parallel dazu schafft Sandra es, sich in ihre ers­te Beziehung seit dem Tod ihres Mannes zu manö­vrie­ren. Clément ist ein frü­he­rer Freund der Familie, aller­dings ver­hei­ra­tet mit Kind. Aus der anfäng­li­chen Affäre wird mit der Zeit eine Romanze, und ein Hin- und Her von Trennung – „ich kann das nicht“ – und Rückkehr – „Ich kann nicht ohne dich“ – nimmt sei­nen Lauf.
    „… Hansen-Løves Filme sind Ensemblewerke vor allem des­halb, weil Figuren nicht auto­nom, son­dern Knoten in einem Beziehungsgeflecht sind, das der Film nicht krea­tiv spinnt, son­dern in das er sich ein­fach hin­ein­legt. Die Verbindungen schei­nen immer schon da, noch bevor das durch sie Verbundene exis­tiert. Hansen-Løve braucht kei­ne ‚Establishing Shots‘ für ihre Szenen, weil sie gar nicht anders kann, als das Leben, das sie beguckt, als bereits eta­blier­tes zu den­ken, das wei­ter­läuft, immer wei­ter­läuft. Keine Figur, in der das Drama ablau­fen­der Lebenszeit nicht schon ein­ge­rech­net wäre, des­halb berüh­ren sie mich mehr als sol­che, die für ein ganz bestimm­tes Drama erst erfun­den wur­den. …“ Till Kadritzke, critic.de

    Credits:

    Un beau matin
    FR/DE 2022, 112 Min., frz OmU
    Regie: Mia Hansen-Løve
    Kamera: Denis Lenoir
    Schnitt: Marion Monnier
    mit: Léa Seydoux, Pascal Greggory, Melvil Poupaud, Nicole Garcia, Kester Lovelace

    Trailer:
    UN BEAU MATIN – Trailer F/d
    nach oben
  • The Banshees of Inisherin

    The Banshees of Inisherin

    Ein Film von Martin McDonagh.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Das neue Jahr geht schon wie­der ziem­lich irre los, die Banshees trei­ben auf der schö­nen klei­nen iri­schen Insel Inisherin offen­sicht­lich ihr Unwesen. Hier bekommt man zwar nichts mit vom Bürgerkrieg, der 1923 im Land tobt, aber es gibt Möglichkeiten, sich auch so das Leben schwer zu machen. Colm kün­digt sei­nem lebens­lan­gen Freund Padraic aus hei­te­rem Himmel die Freundschaft: kein gemein­sa­mer Pubbesuch, kei­ne Musikabende, kei­ne Unterhaltungen mehr über Schafe, Colms Hund und Padraics Esel. Wieso? Er sei lang­wei­lig, behaup­tet Colm. Aber das sei er schon immer gewe­sen, ent­geg­net Padraics Schwester Siobhan, und über­haupt sei hier sowie­so jeder lang­wei­lig. Der geschass­te Freund ver­steht es auch nicht und kommt immer wie­der auf ihn zu, bis Colm für den Fall, dass der ihn noch­mal anspre­chen soll­te, zu einer per­fi­den Drohung und dras­ti­schen Mitteln greift: er bestraft sich selbst. Alle irre, meint Siobhan und sucht das Weite, wäh­rend die Gemeinschaft im Pub im Chor als Echo fun­giert.
    „Nach Komödie mag sich das zwar nicht unbe­dingt anhö­ren. Doch Martin McDonagh – der zuletzt mit THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI bewies, dass er das her­vor­ra­gend kann – balan­ciert die im Grunde trau­ri­ge Handlung höchst unter­halt­sam mit sat­tem, schwar­zem Humor aus und ver­liert die essen­zi­el­len Themen – vom Bedürfnis nach Freundschaft bis zur Angst vor dem Tod – nicht aus dem Blick.“
    (Sascha Rettig, Viennale)
    Colin Farell bekam übri­gens in Venedig den Darstellerpreis.

    Credits:

    GB/IR/US 2022, 109 Min., engl. OmU
    Regie: Martin McDonagh
    Kamera: Ben Davis
    Schnitt: Mikkel E.G. Nielsen
    mit: Colin Farrell
    Brendan Gleeson
    Kerry Condon
    Barry Keoghan

    Trailer:
    nach oben
  • Stille Post

    Stille Post

    Ein Film von Florian Hoffmann. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Leider immer noch oder immer wie­der aktu­ell ist der Hintergrund von Florian Hoffmanns Spielfilmdebut. Grundschullehrer Khalil ist bes­tens inte­griert und lebt mit Freundin Leyla, einer Journalistin, in Berlin. Als sie ihm eines Tages ein aktu­el­les Kriegsvideo aus Cizre zeigt, glaubt er, dar­auf sei­ne Schwester Senem zu erken­nen. Eigentlich hat er mit der kur­di­schen Exilgemeinde nichts mehr zu tun, aber jetzt muss er dort um Hilfe bit­ten, um sie zu fin­den. Als Gegenleistung wird erwar­tet, dass er die bis dahin igno­rier­ten Kriegshandlungen in den Medien unter­bringt – kei­ne leich­te Aufgabe.

    Meine Reise mit die­sem Film begann 2015 … Das tür­ki­sche Militär hat­te in einer Nacht- und Nebelaktion die kur­di­sche Stadt Cizre umzin­gelt und eine Ausgangssperre über sie ver­hängt: Niemand durf­te die Stadt betre­ten – kei­ne Journalisten, kei­ne Politiker, nicht ein­mal Krankenwagen. Die Bewohner von Cizre waren gefan­gen in ihrer eige­nen Stadt. Kurz dar­auf begann das tür­ki­sche Militär Cizre zu bom­bar­die­ren.
    Was an die­sem Fall beson­ders war: Die Militäroperation ging mit einer Medienstrategie ein­her. Die Stromverbindung der Stadt wur­de gekappt, das Internet abge­stellt und Störsender errich­tet, die den Handyempfang der Bewohner ver­hin­der­ten. Das tür­ki­sche Militär woll­te sicher­ge­hen, dass kein Bild die­ser Geheimoperation die Stadt ver­lässt.
    Um mehr zu erfah­ren, muss­te ich selbst hin­fah­ren. … nach 79 Tagen wur­de die Ausgangssperre für weni­ge Tage auf­ge­ho­ben. Ich fand eine zer­stör­te Stadt vor und sprach mit trau­ma­ti­sier­ten Einwohnern. Zugleich sicher­te ich die Videos, die die Bewohner von Cizre heim­lich mit ihren Handys gedreht hat­ten, und die Angriffe und Menschenrechtsverletzungen wäh­rend der Ausgangssperre beleg­ten. …
    Warum wird über man­che Kriege berich­tet und ande­re ein­fach über­gan­gen? Oder anders gefragt: Was brau­chen Kriegsbilder, um im Wettbewerb um Medienaufmerksamkeit kon­kur­rie­ren zu kön­nen? Es wur­de eine drei­jäh­ri­ge Drehbuchrecherche. Doch das Herzstück von STILLE POST sind die authen­ti­schen Handyvideos aus der kur­di­schen Krisenregion.“
    Florian Hoffmann

    Credits:

    DE 2021, 94 Min., Deutsch, Türkisch, Kurdisch OmU
    Drehbuch & Regie: Florian Hoffmann
    Kamera: Carmen Treichl
    Schnitt: Marco Rottig
    mit: Hadi Khanjanpour, Kristin Suckow, Aziz Capkurt, Jeanette Hain, Mela Kanbak

    Trailer:
    Offizieller Teaser | „STILLE POST” – Ab 15.12.2022 im Kino
    nach oben
  • Passagiere der Nacht

    Passagiere der Nacht

    Ein Film von Michael Hers.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Paris, 1981: Am Wahlabend herrscht Aufbruchsstimmung; beschwingt stür­men Frankreichs Bürger*innen die Straßen. Doch Élisabeth (Charlotte Gainsbourg) fällt es schwer, sich dem all­ge­mei­nen Optimismus anzu­schlie­ßen. Ihre Ehe steht vor dem Aus, und sie wird die Familie allei­ne zusam­men­hal­ten müs­sen. Sie ist ver­zwei­felt, sowohl ihr Vater als auch ihre halb­wüch­si­gen Kinder fürch­ten, dass ihre Tränen nie ver­sie­gen wer­den. Was aber, wenn Élisabeth ihren Gefühlen folgt, um die sich ankün­di­gen­de Leere zu fül­len? Was, wenn sie aus einer Laune her­aus dem Moderator ihrer liebs­ten Radiosendung einen Brief schreibt? Oder ein obdach­lo­ses Mädchen zu sich nach Hause ein­lädt? Was, wenn sie auf eine Weise zu han­deln beginnt, die das Leben tat­säch­lich ver­än­dert?
    Nach Amanda rich­tet Mikhaël Hers sei­nen sen­si­blen Blick auf die 1980er-Jahre und auf die schein­bar all­täg­li­chen Momente des Familienlebens, die einem jedoch für immer in Erinnerung blei­ben. Eine nost­al­gi­sche Selbsterfindungssaga, bevöl­kert von Figuren, deren Verletzlichkeit und Güte der Regisseur auf eine Weise wür­digt, dass es in unse­rer meist von des­il­lu­sio­nier­ten Antihelden begeis­ter­ten Filmwelt her­vor­sticht. Bei der Frage, wie unse­re Gesellschaft funk­tio­niert, ver­mag uns die­ser inti­me und fas­zi­nie­ren­de Film eine Idee davon zu geben, war­um Liebe wich­tig ist.

    Der Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „The Passengers Of The Night“ von Mikhaël Hers gehört zu die­ser ganz beson­de­ren Art von Filmen, in denen man sich völ­lig ver­lie­ren kann und von denen man sich im Grunde wünscht, sie mögen nie­mals zu Ende gehen. Ein Film, den man nicht schau­en, son­dern den man bewoh­nen möch­te.“
    Jochen Werner | filmstarts.de

    Credits:

    Les pas­sa­gers de la nuit
    FR 2022, 111 Min., frz. OmU
    Regie: Mikhaël Hers
    Kamera: Sébastien Buchmann
    Montage: Marion Monnier
    mit: Charlotte Gainsbourg, Quito Rayon-Richter, Noée Abita, Megan Northam, Thibault Vinçon, Emmanuelle Béart, Laurent Poitrenaux, Didier Sandre, Lilith Grasmug, Calixte Broisin-Doutaz

    Trailer:
    nach oben
  • Unruh

    Unruh

    Ein Film von Cyril Schäublin.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein Hauch von Rebellion weht durch das klei­ne Schweizer Bergtal: aus­ge­hend von Florian Eitels „Anarchistische Uhrmacher in der Schweiz“ erzählt Cyril Schäublin in sei­nem preis­ge­krön­ten zwei­ten Spielfilm über revo­lu­tio­nä­res Streben, eine begin­nen­de Romanze, dem Wesen kom­pli­zier­ter Handwerksarbeit und die Abhängigkeit von Zeit, Technik, Arbeit und Gewinn.
    Die UNRUH ist die Federspirale einer Uhr und mit ihrer Unruhe ver­ant­wort­lich für die genau Abbildung des Zeitlaufs, nicht ihrer Messung. In dem Dorf mit der wich­ti­gen Uhrenmanufaktur haben Gemeinde, Fabriken, Bahn und Post näm­lich jeweils eige­ne Zeiten. So kann es pas­sie­ren, dass man dadurch nach der Pause zwei Minuten zu spät zurück in der Fabrik ist, aber eine gan­ze Stunde abge­zo­gen bekommt. Doch es regt sich Widerstand gegen die Arbeitsverhältnisse im Allgemeinen, die die Menschen zu sekun­den­ab­hän­gi­gen maschi­nen­ar­tig Schaffenden macht. Der rus­si­sche Kartograph und Anarchist P. A. Kropotkin ist jeden­falls über­rascht und fas­zi­niert, als er 1877 ins Tal kommt. Einerseits schlägt ihn jun­ge Uhrmacherin Josephine, die prä­zi­se und mit Leidenschaft Unruhen zusam­men­setzt, in den Bann, ande­rer­seits ver­fol­gen sie und ihre Kolleg*innen schon län­ger die Idee der Anarchie und har­ren ihrer Umsetzung. Etwas Sabotage, eige­ne Publikationen, die Gründung einer Gewerkschaft und Solidaritätsaktionen mit Kollegen in fer­nen Ländern gehö­ren dazu.

    Die meis­ten Ereignisse wer­den behan­delt, als wäre man zufäl­lig über sie gestol­pert. Man lauscht … wie ein(e) Passant*in, im Vorübergehen hier und da ein paar Sätze aufschnap­pend. Die Kamera nimmt in „Unruh“ nie das Offensichtliche in den Blick. … Es geht um Menschen, aber eben auch um Ideen. Um Individuen, aber eben auch um Massen und Bewegungen. Es sind demo­kra­ti­sche Bilder, die das Publikum für sich selbst ord­nen darf. …Ein schil­lern­des, klu­ges Gesellschaftsporträt zwi­schen Spott und Empathie, Sanftmut und Zorn, Liebe und Revolution.“
    Lucas Barwenczik | Filmstarts.de

    Credits:

    CH 2022, 93Min., Schweizerdeutsch/Französisch/Russisch u. a. OmU
    Regie, Drehbuch, Schnitt: Cyril Schäublin, Kamera: Silvan Hillmann
    mit: Clara Gostynski, Alexei Evstratov, Monika Stalder, Hélio Thiémard, Alice-Marie Humbert, Esther Flückiger, Alisa Miloglyadova, Elisaveta Kriman, Olga Bushkova

    Trailer:
    UNRUH (offi­zi­el­ler Trailer)
    nach oben
  • Poppy Field

    Poppy Field

    Ein Film von Eugen Jebeleanu.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In sei­nem Job als Polizist ver­birgt Cristi, dass er schwul ist. Dann wird die Einheit in ein Kino geru­fen, in dem christ­li­che Konservative gegen einen „unmo­ra­li­schen“ les­bi­schen Film pro­tes­tie­ren.
    Wenn er mit sei­nem fran­zö­si­schen Freund Hadi allei­ne in der Wohnung ist, ist Cristi lie­be­voll und ent­spannt. Es wirkt, als besuch­te der Pariser Cristi zum ers­ten Mal in Rumänien und auch, als wäre ihre Beziehung noch sehr frisch. Die bei­den Männer tur­teln und kuscheln, Cristi kocht und erzählt von der Oma, die im Gefängnis war. Nur, wenn er sich unbe­ob­ach­tet fühlt, schim­mert durch, dass er auch ner­vös ist. Das wird deut­li­cher, als Hadi vor­schlägt, sie könn­ten zusam­men einen Ausflug machen. Cristi fin­det alle mög­li­chen Gründe dage­gen. In sei­nem Job bei der Gendarmerie, einer Art mili­tä­ri­scher Polizei, hat Weichheit kei­nen Platz und egal, ob er mit den Kollegen quatscht oder von Protestierenden ange­schrien wird, immer trägt er, so gut er kann, eine pro­fes­sio­nell emo­ti­ons­lo­se Maske. Doch an die­sem Abend wird sei­ne Einheit in ein Kino geru­fen, in dem christ­li­che Konservative gegen einen „unmo­ra­li­schen“ les­bi­schen Film pro­tes­tie­ren, und als ein Bekannter Cristi aus den Clubs wie­der­erkennt, schlägt er ihn ins Gesicht und gerät so erst recht ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
    Der eta­blier­te Theaterregisseur Eugen Jebeleanu hat für sei­nen Debütfilm ein Kammerspiel effek­tiv mit den Mitteln des Kinos ange­rei­chert. Der Film setzt sich aus meh­re­ren lan­gen Dialogszenen zusam­men, in denen die Handkamera durch den Raum kreist, als wäre sie selbst stän­dig in Gefahr, im Gewühl der Schreienden mit­ge­ris­sen zu wer­den, und dann ganz nah ran­geht, wo sich in klei­nen Bemerkungen und Gesichtsregungen die wah­re Geschichte zuträgt. So ent­steht ein gro­ßes Drama aus klei­nen Momenten. Conrad Mericoffer spielt dabei gelun­gen Cristis inne­re Konflikte wie auch die Wutausbrüche, hin­ter denen er sie vor sei­nen Kollegen ver­steckt. Man hofft, er kön­ne irgend­wann zu sich, sei­nen Gefühlen und Hadi ste­hen, aber die sub­ti­le, all­ge­gen­wär­ti­ge Homophobie scheint auch ihn zu durch­trän­ken. Ob er an ihr zer­bricht oder nach die­ser Nacht zuhau­se wie­der zur anfäng­li­chen Liebe fin­det, bleibt unklar. Aber der Film gibt die Hoffnung nie ganz auf.
    Text: Christian Klose | Indiekino.de

    Credits:

    RO 2020, 81 Min., rumä­ni­sche OmU
    Regie: Eugen Jebeleanu
    Kamera: Marius Panduru
    Schnitt: Cătălin Cristuţiu
    mit: Conrad Mericoffer, Alexandru Potocean, Radouan Leflahi, Cendana Trifan, Ionuţ Nicolae, Alex Câlin, Rolando Matsangos, George Piștereanu

    Trailer:
    nach oben
  • Drei Winter

    Drei Winter

    Ein Film von Michael Koch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In einem ent­le­ge­nen Schweizer Alpendorf greift der zuge­zo­ge­ne Marco dem Bergbauern Alois unter die Arme, auch beim Stammtisch lernt man den stäm­mi­gen Eisteetrinker lang­sam schät­zen. Anna wie­der­um kommt ursprüng­lich aus dem Dorf, ihre Tochter stammt aus einer frü­he­ren Beziehung. Dass die neue Liaison mit Marco klap­pen wird, bezwei­feln so man­che. Marco und Anna nicht, sie hei­ra­ten. Ihre Liebe ist behut­sam und schön, sie beschwö­ren sie mit ein­fa­chen Worten, kön­nen sie nicht fas­sen. Doch bald scheint Marco immer öfter die Kontrolle über sei­ne Impulse zu ver­lie­ren …
    Romeo und Julia, modern inter­pre­tiert in den Schweizer Alpen: in Michael Kochs beein­dru­cken­dem zwei­ten Spielfilm kom­men eine mensch­li­che Tragödie und die epi­sche Natur der Schweizer Bergwelt auf ein­zig­ar­ti­ge Weise zusam­men. DREI WINTER wur­de auf der dies­jäh­ri­gen Berlinale mit einer loben­den Erwähnung ausgezeichnet.

    Mir war wich­tig, nicht das Schweizer Postkartenbild der idyl­li­schen Bergwelt zu wie­der­ho­len, das immer wie­der in ein­hei­mi­schen Filmen zu sehen ist. Ich woll­te eine ande­re Landschaft in den Vordergrund rücken. Im Kanton Uri herrscht durch die­se engen Täler und stei­len Hänge, die­se eher raue Natur, noch­mals eine ande­re Energie. Hier leben vie­le Einheimische noch von der Berglandwirtschaft. Sie beackern das gan­ze Jahr hin­weg das Land, auf dem sie woh­nen und sind dadurch eng mit der Natur und der Bergwelt ver­bun­den. Dieser Hintergrund wirkt sich auch dar­auf aus, wie sie mit gewis­sen Dingen umge­hen, die im Leben nicht zu kon­trol­lie­ren sind. Weil sie viel­leicht die Erfahrung machen, dass die Natur sich immer wie­der der mensch­li­chen Kontrolle ent­zieht und man sich damit arran­gie­ren muss. Gelassen hin­neh­men, was nicht in unse­rer Macht steht, ist glau­be ich eine Qualität, die bei vie­len Berglern anzu­tref­fen ist. Und eine Haltung, die mich inter­es­siert.“ Michael Koch

    Credits:

    Drii Winter
    CH/DE 2022, 136 Min. schwei­zer­deut­sche OmU
    Regie, Buch: Michael Koch
    Kamera: Armin Dierolf
    Schnitt: Florian Riegel
    mit Michèle Brand, Simon Wisler, Elin Zgraggen, Daniela Barmettler, Josef Aschwanden

    Trailer:
    Drei Winter (offi­zi­el­ler Trailer) – ein Film von Michael Koch
    nach oben