Mein wunderbares West-Berlin

Ein Film von Jochen Hick. Ab 29.6. im fsk.

Ein Rückblick, der in den 1950er Jahren beginnt, als Verfolgung und Bestrafung homo­se­xu­el­ler Männer mit dem seit 1872 bestehen­den §175 legi­ti­miert wur­de. Offen und viel­fäl­tig, die bei­den Attribute, die Berlin jetzt schmü­cken, war die Stadt frü­her nicht. Freiraum muss­te erst geschaf­fen wer­den, lang­sam aber ste­tig wuchs in den fol­gen­den Jahren die Subkultur, neue Szene-Bars und Clubs beleb­ten West-Berlin. Das Private wur­de poli­tisch, der gesell­schaft­li­che Wandel muss­te müh­sam erkämpft wer­den. „Mein wun­der­ba­res West-Berlin“ ist eine Art Oral-History der Schwulenbewegung, eine wert­vol­le Aufzeichnung der lebens­ge­schicht­li­chen Erinnerungen vie­ler Akteure, der Film hält fest, wie repres­siv es ein­mal war und wie lang­sam wur­de, was nun ist.

Es ist eine gro­ße Freude, Hicks enig­ma­ti­schen Protagonist*innen zuzu­se­hen und zuzu­hö­ren, wie sie sehr offen, oft unei­tel und ohne Pathos oder Verklärung auf ihre mal schö­nen, mal schwie­ri­gen Zeiten in Westberlin zurück­bli­cken. Sicher hat es mit der Nähe zum Filmemacher zu tun, dass hier Gespräche auf Augenhöhe geführt wer­den und manch­mal sehr inti­me Einblicke in Privates nie den Verdacht auf­kom­men las­sen, hier wer­de jemand aus­ge­stellt. Für einen Dokumentarfilm ist das ein gro­ßer Glücksgriff, denn gera­de weil die gro­ße Emotionalisierung ver­mie­den wird, wird im Film auf sehr bewe­gen­de Art ein gro­ßes Stück Zeitgeschichte umso leben­di­ger.“ Toby Ashraf, Indiekino

D 2017, 95 Min. 
Buch, Regie: Jochen Hick 
Kamera: Alexander Gheorghiu, Jochen Hick 
Schnitt: Thomas Keller

 

Mein wun­der­ba­res West-Berlin – Trailer für die offi­zi­el­le Website from Salzgeber & Co. Medien GmbH on Vimeo.A film by Jochen Hick. Starts 29.6. at the fsk.

In West Berlin in the 1960s it was pos­si­ble to find bars whe­re men could be left to them­sel­ves – a fact that was to turn the city into a magnet for young gay men. The prot­ago­nists of this film, all still acti­ve mem­bers of the com­mu­ni­ty today, recall tho­se ear­ly years in the city. Theirs are memo­ries of a com­mu­ni­ty that fought ste­adi­ly for its exis­tence, and of its chan­ge, right up to the fall of the Wall. Faced with con­sidera­ble social repres­si­on in the 1970s, a coll­ec­ti­ve gay iden­ti­ty began to emer­ge, and the ‘West Berlin homo­se­xu­al cam­paign’ cal­led for the aboli­ti­on of para­graph 175 and the over­throw of patri­ar­chy. Ruined buil­dings beco­me the venues for new ways of living tog­e­ther such as all-male com­mu­nes or the ‘que­er house’. Cottaging, East-West affairs, lea­ther bars, drag per­for­man­ces in the sub­way – an anar­chic kind of joy out­shi­nes past suf­fe­ring. A deca­de later, AIDS was to hit Berlin. After Out in Ost-Berlin (Out In East Berlin) Jochen Hick explo­res que­er life­styl­es in the West of the city and the roots of a fasci­na­ti­on that the metro­po­lis still holds as a refu­ge – and not just for gay men. A fasci­na­ting jour­ney through time fea­turing pre­vious­ly unpu­blished archi­ve material.