Nach mehr als zehn Jahren kehrt Rona in ihre Heimat auf den entlegenen Orkneyinseln zurück. Während sie die einzigartige, raue Landschaft, in der sie aufgewachsen ist, wiederentdeckt, vermischen sich ihre Kindheitserinnerungen mit solchen aus der letzten, von Sucht geprägten Zeit. Ihr damaliger Aufbruch in die Stadt und die folgenden ausschweifenden Jahre in London mündeten in einem schmerzhaften Absturz. Doch nach und nach wird die Begegnung mit den verwunschenen, windgepeitschten Küsten der Inseln zu einer Chance auf ein neues Leben. Nora Fingscheidts Adaption von Amy Liptrots autobiografischem Bestseller blickt in erschütternden Rückblenden auf die Abwärtsspirale, die Rona in London durchlebt, und auf ihre Zeit in einem strengen Entzugsprogramm. Im Zentrum des Films steht jedoch ihre Befreiung von persönlichen Dämonen durch die Verbindung mit der Natur der Heimat ihrer Kindheit.
Credits:
GB/DE 2024, 117 Min., engl. OmU Regie: Nora Fingscheidt Kamera: Yunus Roy Imer Schnitt: Stephan Bechinger mit Saoirse Ronan, Paapa Essiedu, Stephen Dillane, Saskia Reeves, Nabil Elouahabi, Izuka Hoyle, Lauren Lyle
Disneys STARWARS trifft TWINPEAKS trifft französische Coming-of-Age-Sommerkömodie: Keinen Deut weniger skurril und schwer lokalisierbar ist die Weggabelung, an der Bruno Dumonts DASIMPERIUM (L’EMPIRE) sitzt und auf Godot wartet. In seiner Weird Wave-haften Satire kämpft Gut gegen Böse unter Einsatz von Lichtschwertern, moralisch aber unterscheidet sie nichts. Es wird elektrisch verzerrt rückwärts gesprochen und hölzern zu Jazzklängen getanzt, aber ob dem eine außerirdische Kultur oder purer Surrealismus zugrunde liegt, bleibt offen. Junge Menschen fallen auf Fischerbooten übereinander her, aber von Liebe keine Spur. L’EMPIRE fühlt sich wohl im No Man’s Land der Transgression.
So sieht es dort aus: In einem nordfranzösischen Dorf gibt es zwei Geheimgesellschaften außerirdischen Ursprungs, die menschliche Körper bevölkern. Die „Einsen“ wohnen in fliegenden gotischen Kathedralen und wollen das Gute im Menschen vermehren. Das Mutterschiff der „Nullen“ ist eine flugzeugträgerartige Kopie des Schloss Versailles, Ziel: Die Weltherrschaft. Es entbrennt ein kriegerischer Streit um Freddy, den Sohn eines Fischers, mythologisch der Thronfolger eines dunklen Königreichs.
Dumonts Film, der im Wettbewerb der 74. Berlinale lief, verschränkt und verquirlt auch ästhetisch Gegensätze: sommerlich-überbelichteten Realismus und opulente CGI-Designs. Die Science-Ficition-Elemente sind dabei nicht nur hochkreativ, sondern sehen auch in jedem Detail nach Triple‑A aus. Sie alleine dürften Millionen gekostet haben. Wer aber demgemäß drei Akte, klar gezeichnete Identifikationsfiguren oder auch nur kohärente Anschlussszenen erwartet, wird bei IMPERIUM enttäuscht in einem nichtssagenden Steinbruch an der Opalküste allein gelassen. Der Film dürfte an eben dieser Stelle hofnärrische Freude haben.
The Opal Coast, northern France. In a quiet and picturesque fishing village, something finally happens: a special baby is born. A child so unique and peculiar that it unleashes a secret war between extraterrestrial forces of good and evil.
Basel Adra, ein junger palästinensischer Aktivist aus Masafer Yatta im Westjordanland, kämpft seit seiner Kindheit gegen die Vertreibung seiner Gemeinschaft durch die israelische Besatzung. Er dokumentiert die schrittweise Auslöschung der Dörfer seiner Heimatregion, wo Soldatinnen im Auftrag der israelischen Regierung nach und nach Häuser abreißen und ihre Bewohnerinnen vertreiben. Irgendwann begegnet er Yuval, einem israelischen Journalisten, der ihn in seinen Bemühungen unterstützt. Eine unwahrscheinliche Allianz entsteht. Die Beziehung der beiden wird durch die enorme Ungleichheit zwischen ihnen zusätzlich belastet: Basel lebt unter militärischer Besatzung, Yuval frei und ohne Einschränkungen. Der Film eines palästinensisch-israelischen Kollektivs vierer junger Aktivist*innen entstand als Akt des kreativen Widerstands auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit. Berlinale Dokumentarfilmpreis 2024
Basel Adra, a young Palestinian activist from Masafer Yatta on the West Bank, has been fighting the mass expulsion of his community by Israel’s occupation since childhood. He documents the slow-motion eradication of the villages in his home region where soldiers deployed by the Israeli government are gradually demolishing houses and driving out their residents. At some point, he meets Yuval, an Israeli journalist, who supports him in his efforts. An unlikely alliance develops. But the relationship between the two is strained by the enormous inequality between them: Basel lives under military occupation while Yuval lives freely and without restrictions. This film by a Palestinian-Israeli collective of four young activists has been made as an act of creative resistance on the path to greater justice.
In diesem Film geht es um Katzen, viele Katzen – in allen Größen und Altersstufen, von jung bis alt, gesund oder krank, ob Winter- oder Sommerkatzen. Sie leben in der Umgebung des kleinen, alten Shinto-Schreins Gokogu, gelegen in Ushimado, einer Hafenstadt an der Inland-See. Es ist ein Paradies für katzenliebende Einwohner und Besucher. Gokogu sieht oberflächlich betrachtet friedlich aus, ist aber auch das Epizentrum eines heiklen Themas, das die örtliche Gemeinschaft spaltet.
Deshalb geht auch um Menschen. Diejenigen, die die Katzen besuchen, lieben und füttern, und ihnen Namen geben wie Chao, Gari, Hyaena, Koto, Chubu oder Chibi. Und die hin und wieder auch neue Katzen mitbringen und sie aussetzen. Gleichzeitig kommen auch die zu Wort, die es stört, dass ihre Vorgärten oder die Pflanzen rund um den Schrein als großes Katzenklo genutzt werden und die Katzenliebhaber:innen ihren Müll hinterlassen.
Kazuhiro Sōda fängt in seinem zehnten „beobachtenden Film“ das Leben rund um den Schrein ein, und gewährt einen persönlichen und einfühlsamen Blick auf die traditionelle Gemeinschaft des Ortes.
»Durch die Zeit und die Elemente, aber vor allem durch die Menschen, die ihn bewohnen, wird der Geist eines Ortes vor unseren Augen lebendig. Und der Filmemacher schlägt uns durch seine aufmerksame Haltung eine andere Art des Sehens vor – und damit auch eine andere Art, in der Welt zu sein.« (Alexandre Fontaine Rousseau | Panorama Cinema)
„Die Katzen in Ushimado sind ausnahmslos süß – aber viel zu viele. Kazuhiro Sodas Dokumentarfilm zeigt handfeste biopolitische Maßnahmen und vorbildliches community building – mit viel Witz, gutem Auge und Gespür für kleine und große Gesten.“ Leonard Krähmer
Credits:
Gokogu no Neko JP 2024, 119 Min., japanische OmU Regie, Kamera, Schnitt: Kazuhiro Soda
Steep steps lead up to the Gokogu Shinto shrine in Ushimado. The local children play on them and the older residents attend to their upkeep, even planting mint on either side. Kazuhiro Soda presents these steps as a site of transition that also forms a key element of this tiny set-up. For this elevated shrine isn’t just somewhere to visit for spiritual purposes – Ushimado’s feline community has also set up home here, an occasionally dynamic collective consisting of cats abandoned by their owners and their subsequent offspring. They need to be cared for, even as their population must be kept in check. Kazuhiro Soda’s documentaries – many of them which have already screened at the Forum – always follow his own set of rules and show the seemingly innocuous, yet still weighty requirements of co-existence. Slowly, yet persistently, The Cats of Gokogu Shrine expands his gaze; the focus on details, everyday tendernesses and discipline gives this chronicle of a year a dimension that is at once down-to-earth and universal. And the presence of Kazuhiro Soda himself, who has lived in Ushimado for several years, can also be experienced first-hand in a restrained, honest manner.
Credits:
Gokogu no Neko JP 2024, 119 Min., japanische OmU Regie, Kamera, Schnitt: Kazuhiro Soda
Pema, eine junge Frau aus der oberen Himlaya-Region Nepals, heiratet. Zu erst einmal Tashi, aber zugleich werden der Tradition nach seine beiden Brüder Kama und Dawa auch ihre Ehemänner. Nach den Flitterwochen muss Tashi auf eine längere Handelsreise, Karma kehrte zurück ins Kloster, nur der vorlaute Schuljunge Dawa bleibt an ihrer Seite, und wird zum Problem. Pema ist schwanger, und er streut das Gerücht, nicht Tashi, sondern der Schullehrer sei der Vater des Kindes. Als Tashi nicht mit den anderen Männern zurückkehrt, befürchtet Pema, er habe auch davon gehört und bliebe deshalb in den Bergen. Um ihn zu finden, begibt sie sich auf eine beschwerliche, aber gleichsam erkenntnisreiche Reise in überwältigender Landschaft. „Der Film lebt von seinen beeindruckenden, zum Teil sensationell prächtigen Aufnahmen. Bewundernswert ist auch, wie die Darsteller auch bei Eiseskälte die im Schnee spielenden Szenen meistern. Bham ist ein sehr sorgfältiger Beobachter und bedächtiger Erzähler. Die Gefühle der Figuren zeigen sich in kleinen Gesten; die Story entwickelt sich anhand alltäglicher Handlungen und Begebenheiten. Bham [verzichtet] auf jede dramatische Übersteigerung, was den Film aus dem von Hektik und Effekthascherei geprägten Strom filmischer Erzeugnisse herausragen lässt. Doch es lohnt sich, sich auf Shambhala und seine innere Geruhsamkeit einzulassen. Außerdem sollte man im Hinterkopf behalten, dass Rinpoche ein Titel ist, der vorwiegend an Menschen vergeben wird, die als Wiedergeburt eines früheren Meisters anerkannt werden. Erst dann versteht man nämlich, was Karma während der Reise zu Pema sagt: dass nämlich die Frage nach der biologischen Vaterschaft belanglos sei, weil sich das wahre Wunder des Lebens erst mit der Geburt offenbare. Das wird zum eigentlichen Schlüssel dieses wunderschönen Films, der weniger über weibliche Emanzipation als vielmehr von der Weisheit des (Zusammen-)Lebens erzählt.” Irene Genhart | Filmdienst.
Credits:
NP/FR/NO/HK/CN/TK/TW/US/QA 2024, 150 Min., Tibetisch, Nepali Originalfassung mit deutschen und englischen Untertiteln Regie: Min Bahadur Bham Kamera: Aziz Zhambakiyev Schnitt: Liao Ching Sung, Kiran Shrestha mit: Thinley Lhamo, Sonam Topden, Tenzin Dalha, Karma Wangyal Gurung, Karma Shakya, Loten Namling, Tsering Lhamo Gurung, Janga Bahadur Lama
In the heart of the Nepalese Himalayas, the spirited Pema embraces a polyandrous marriage with Tashi and his two younger brothers. They initially lead a harmonious life, but when Tashi fails to return from a trading trip to Lhasa, the legitimacy of Pema’s unborn child is questioned by her community. Determined to prove her love and purity, she embarks on a quest to find Tashi. Accompanied by her brother-in-law, her now de facto spouse Karma, she goes into the wilderness. Karma is a monk. After initially resisting giving up his monastic life, he gradually comes to appreciate the simple existence of a secular life. However, urgent duties call him back to the monastery and Pema is left alone. As she navigates the harsh Himalayan terrain, her quest transcends the search for her missing husband. Pema becomes increasingly immersed in a spiritual search for meaning in which every step brings her closer to self-discovery and liberation.
Credits:
NP/FR/NO/HK/CN/TK/TW/US/QA 2024, 150 Min., Tibetisch, Nepali Originalfassung mit deutschen und englischen Untertiteln Regie: Min Bahadur Bham Kamera: Aziz Zhambakiyev Schnitt: Liao Ching Sung, Kiran Shrestha mit: Thinley Lhamo, Sonam Topden, Tenzin Dalha, Karma Wangyal Gurung, Karma Shakya, Loten Namling, Tsering Lhamo Gurung, Janga Bahadur Lama
Nach mehr als zehn Jahren kehrt Rona in ihre Heimat auf den entlegenen Orkneyinseln zurück. Während sie die einzigartige, raue Landschaft, in der sie aufgewachsen ist, wiederentdeckt, vermischen sich ihre Kindheitserinnerungen mit solchen aus der letzten, von Sucht geprägten Zeit. Ihr damaliger Aufbruch in die Stadt und die folgenden ausschweifenden Jahre in London mündeten in einem schmerzhaften Absturz. Doch nach und nach wird die Begegnung mit den verwunschenen, windgepeitschten Küsten der Inseln zu einer Chance auf ein neues Leben. Nora Fingscheidts Adaption von Amy Liptrots autobiografischem Bestseller blickt in erschütternden Rückblenden auf die Abwärtsspirale, die Rona in London durchlebt, und auf ihre Zeit in einem strengen Entzugsprogramm. Im Zentrum des Films steht jedoch ihre Befreiung von persönlichen Dämonen durch die Verbindung mit der Natur der Heimat ihrer Kindheit.
„Gerade durch die Verweigerung einfacher Antworten und die konsequente Konzentration auf die Alltäglichkeit des Kampfes seiner Protagonistin entwickelt The Outrun eine stille, aber nachdrückliche Kraft. Besonders in den introspektiven Momenten gelingt es Saoirse Ronan, ihrer Figur eine beeindruckende Menschlichkeit zu verleihen. Die Hoffnung, die ihre Rona am Ende empfindet, mag klein sein – aber sie ist echt. Und genau darin liegt die Stärke dieses eindringlichen Porträts eines Heilungsprozesses.“ Arabella Wintermayr | taz
Credits:
GB/DE 2024, 117 Min., engl. OmU Regie: Nora Fingscheidt Kamera: Yunus Roy Imer Schnitt: Stephan Bechinger mit Saoirse Ronan, Paapa Essiedu, Stephen Dillane, Saskia Reeves, Nabil Elouahabi, Izuka Hoyle, Lauren Lyle
After an absence of more than ten years, Rona returns to her home on the remote Orkney Islands in Scotland. As she rediscovers the unique, wild landscape in which she grew up, her childhood memories mingle with those from her more recent times as an addict. Her departure for the city and subsequent dissolute years in London resulted in a painful fall. But little by little, her encounter with the enchanted, wind-battered coasts of the islands becomes a chance for a new life. Nora Fingscheidt’s adaptation of Amy Liptot’s autobiographical bestseller uses harrowing flashbacks to depict Rona’s downward spiral in London and her time in a strict rehab programme. However, the focus of the film is on her liberation from personal demons through a connection with the nature of her childhood home.
Credits:
GB/DE 2024, 117 Min., engl. OmU Regie: Nora Fingscheidt Kamera: Yunus Roy Imer Schnitt: Stephan Bechinger mit Saoirse Ronan, Paapa Essiedu, Stephen Dillane, Saskia Reeves, Nabil Elouahabi, Izuka Hoyle, Lauren Lyle
Basel Adra, ein junger palästinensischer Aktivist aus Masafer Yatta im Westjordanland, kämpft seit seiner Kindheit gegen die Vertreibung seiner Gemeinschaft durch die israelische Besatzung. Er dokumentiert die schrittweise Auslöschung der Dörfer seiner Heimatregion, wo Soldatinnen im Auftrag der israelischen Regierung nach und nach Häuser abreißen und ihre Bewohnerinnen vertreiben. Irgendwann begegnet er Yuval, einem israelischen Journalisten, der ihn in seinen Bemühungen unterstützt. Eine unwahrscheinliche Allianz entsteht. Die Beziehung der beiden wird durch die enorme Ungleichheit zwischen ihnen zusätzlich belastet: Basel lebt unter militärischer Besatzung, Yuval frei und ohne Einschränkungen. Der Film eines palästinensisch-israelischen Kollektivs vierer junger Aktivist*innen entstand als Akt des kreativen Widerstands auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit. Berlinale Dokumentarfilmpreis 2024
Basel Adra, a young Palestinian activist from Masafer Yatta on the West Bank, has been fighting the mass expulsion of his community by Israel’s occupation since childhood. He documents the slow-motion eradication of the villages in his home region where soldiers deployed by the Israeli government are gradually demolishing houses and driving out their residents. At some point, he meets Yuval, an Israeli journalist, who supports him in his efforts. An unlikely alliance develops. But the relationship between the two is strained by the enormous inequality between them: Basel lives under military occupation while Yuval lives freely and without restrictions. This film by a Palestinian-Israeli collective of four young activists has been made as an act of creative resistance on the path to greater justice.
In diesem Film geht es um Katzen, viele Katzen – in allen Größen und Altersstufen, von jung bis alt, gesund oder krank, ob Winter- oder Sommerkatzen. Sie leben in der Umgebung des kleinen, alten Shinto-Schreins Gokogu, gelegen in Ushimado, einer Hafenstadt an der Inland-See. Es ist ein Paradies für katzenliebende Einwohner und Besucher. Gokogu sieht oberflächlich betrachtet friedlich aus, ist aber auch das Epizentrum eines heiklen Themas, das die örtliche Gemeinschaft spaltet.
Deshalb geht auch um Menschen. Diejenigen, die die Katzen besuchen, lieben und füttern, und ihnen Namen geben wie Chao, Gari, Hyaena, Koto, Chubu oder Chibi. Und die hin und wieder auch neue Katzen mitbringen und sie aussetzen. Gleichzeitig kommen auch die zu Wort, die es stört, dass ihre Vorgärten oder die Pflanzen rund um den Schrein als großes Katzenklo genutzt werden und die Katzenliebhaber:innen ihren Müll hinterlassen.
Kazuhiro Sōda fängt in seinem zehnten „beobachtenden Film“ das Leben rund um den Schrein ein, und gewährt einen persönlichen und einfühlsamen Blick auf die traditionelle Gemeinschaft des Ortes.
»Durch die Zeit und die Elemente, aber vor allem durch die Menschen, die ihn bewohnen, wird der Geist eines Ortes vor unseren Augen lebendig. Und der Filmemacher schlägt uns durch seine aufmerksame Haltung eine andere Art des Sehens vor – und damit auch eine andere Art, in der Welt zu sein.« (Alexandre Fontaine Rousseau | Panorama Cinema)
„Die Katzen in Ushimado sind ausnahmslos süß – aber viel zu viele. Kazuhiro Sodas Dokumentarfilm zeigt handfeste biopolitische Maßnahmen und vorbildliches community building – mit viel Witz, gutem Auge und Gespür für kleine und große Gesten.“ Leonard Krähmer
Credits:
Gokogu no Neko JP 2024, 119 Min., japanische OmU Regie, Kamera, Schnitt: Kazuhiro Soda
Steep steps lead up to the Gokogu Shinto shrine in Ushimado. The local children play on them and the older residents attend to their upkeep, even planting mint on either side. Kazuhiro Soda presents these steps as a site of transition that also forms a key element of this tiny set-up. For this elevated shrine isn’t just somewhere to visit for spiritual purposes – Ushimado’s feline community has also set up home here, an occasionally dynamic collective consisting of cats abandoned by their owners and their subsequent offspring. They need to be cared for, even as their population must be kept in check. Kazuhiro Soda’s documentaries – many of them which have already screened at the Forum – always follow his own set of rules and show the seemingly innocuous, yet still weighty requirements of co-existence. Slowly, yet persistently, The Cats of Gokogu Shrine expands his gaze; the focus on details, everyday tendernesses and discipline gives this chronicle of a year a dimension that is at once down-to-earth and universal. And the presence of Kazuhiro Soda himself, who has lived in Ushimado for several years, can also be experienced first-hand in a restrained, honest manner.
Credits:
Gokogu no Neko JP 2024, 119 Min., japanische OmU Regie, Kamera, Schnitt: Kazuhiro Soda
Pema, eine junge Frau aus der oberen Himlaya-Region Nepals, heiratet. Zu erst einmal Tashi, aber zugleich werden der Tradition nach seine beiden Brüder Kama und Dawa auch ihre Ehemänner. Nach den Flitterwochen muss Tashi auf eine längere Handelsreise, Karma kehrte zurück ins Kloster, nur der vorlaute Schuljunge Dawa bleibt an ihrer Seite, und wird zum Problem. Pema ist schwanger, und er streut das Gerücht, nicht Tashi, sondern der Schullehrer sei der Vater des Kindes. Als Tashi nicht mit den anderen Männern zurückkehrt, befürchtet Pema, er habe auch davon gehört und bliebe deshalb in den Bergen. Um ihn zu finden, begibt sie sich auf eine beschwerliche, aber gleichsam erkenntnisreiche Reise in überwältigender Landschaft. „Der Film lebt von seinen beeindruckenden, zum Teil sensationell prächtigen Aufnahmen. Bewundernswert ist auch, wie die Darsteller auch bei Eiseskälte die im Schnee spielenden Szenen meistern. Bham ist ein sehr sorgfältiger Beobachter und bedächtiger Erzähler. Die Gefühle der Figuren zeigen sich in kleinen Gesten; die Story entwickelt sich anhand alltäglicher Handlungen und Begebenheiten. Bham [verzichtet] auf jede dramatische Übersteigerung, was den Film aus dem von Hektik und Effekthascherei geprägten Strom filmischer Erzeugnisse herausragen lässt. Doch es lohnt sich, sich auf Shambhala und seine innere Geruhsamkeit einzulassen. Außerdem sollte man im Hinterkopf behalten, dass Rinpoche ein Titel ist, der vorwiegend an Menschen vergeben wird, die als Wiedergeburt eines früheren Meisters anerkannt werden. Erst dann versteht man nämlich, was Karma während der Reise zu Pema sagt: dass nämlich die Frage nach der biologischen Vaterschaft belanglos sei, weil sich das wahre Wunder des Lebens erst mit der Geburt offenbare. Das wird zum eigentlichen Schlüssel dieses wunderschönen Films, der weniger über weibliche Emanzipation als vielmehr von der Weisheit des (Zusammen-)Lebens erzählt.” Irene Genhart | Filmdienst.
Credits:
NP/FR/NO/HK/CN/TK/TW/US/QA 2024, 150 Min., Tibetisch, Nepali Originalfassung mit deutschen und englischen Untertiteln Regie: Min Bahadur Bham Kamera: Aziz Zhambakiyev Schnitt: Liao Ching Sung, Kiran Shrestha mit: Thinley Lhamo, Sonam Topden, Tenzin Dalha, Karma Wangyal Gurung, Karma Shakya, Loten Namling, Tsering Lhamo Gurung, Janga Bahadur Lama
In the heart of the Nepalese Himalayas, the spirited Pema embraces a polyandrous marriage with Tashi and his two younger brothers. They initially lead a harmonious life, but when Tashi fails to return from a trading trip to Lhasa, the legitimacy of Pema’s unborn child is questioned by her community. Determined to prove her love and purity, she embarks on a quest to find Tashi. Accompanied by her brother-in-law, her now de facto spouse Karma, she goes into the wilderness. Karma is a monk. After initially resisting giving up his monastic life, he gradually comes to appreciate the simple existence of a secular life. However, urgent duties call him back to the monastery and Pema is left alone. As she navigates the harsh Himalayan terrain, her quest transcends the search for her missing husband. Pema becomes increasingly immersed in a spiritual search for meaning in which every step brings her closer to self-discovery and liberation.
Credits:
NP/FR/NO/HK/CN/TK/TW/US/QA 2024, 150 Min., Tibetisch, Nepali Originalfassung mit deutschen und englischen Untertiteln Regie: Min Bahadur Bham Kamera: Aziz Zhambakiyev Schnitt: Liao Ching Sung, Kiran Shrestha mit: Thinley Lhamo, Sonam Topden, Tenzin Dalha, Karma Wangyal Gurung, Karma Shakya, Loten Namling, Tsering Lhamo Gurung, Janga Bahadur Lama
Nach mehr als zehn Jahren kehrt Rona in ihre Heimat auf den entlegenen Orkneyinseln zurück. Während sie die einzigartige, raue Landschaft, in der sie aufgewachsen ist, wiederentdeckt, vermischen sich ihre Kindheitserinnerungen mit solchen aus der letzten, von Sucht geprägten Zeit. Ihr damaliger Aufbruch in die Stadt und die folgenden ausschweifenden Jahre in London mündeten in einem schmerzhaften Absturz. Doch nach und nach wird die Begegnung mit den verwunschenen, windgepeitschten Küsten der Inseln zu einer Chance auf ein neues Leben. Nora Fingscheidts Adaption von Amy Liptrots autobiografischem Bestseller blickt in erschütternden Rückblenden auf die Abwärtsspirale, die Rona in London durchlebt, und auf ihre Zeit in einem strengen Entzugsprogramm. Im Zentrum des Films steht jedoch ihre Befreiung von persönlichen Dämonen durch die Verbindung mit der Natur der Heimat ihrer Kindheit.
„Gerade durch die Verweigerung einfacher Antworten und die konsequente Konzentration auf die Alltäglichkeit des Kampfes seiner Protagonistin entwickelt The Outrun eine stille, aber nachdrückliche Kraft. Besonders in den introspektiven Momenten gelingt es Saoirse Ronan, ihrer Figur eine beeindruckende Menschlichkeit zu verleihen. Die Hoffnung, die ihre Rona am Ende empfindet, mag klein sein – aber sie ist echt. Und genau darin liegt die Stärke dieses eindringlichen Porträts eines Heilungsprozesses.“ Arabella Wintermayr | taz
Credits:
GB/DE 2024, 117 Min., engl. OmU Regie: Nora Fingscheidt Kamera: Yunus Roy Imer Schnitt: Stephan Bechinger mit Saoirse Ronan, Paapa Essiedu, Stephen Dillane, Saskia Reeves, Nabil Elouahabi, Izuka Hoyle, Lauren Lyle
After an absence of more than ten years, Rona returns to her home on the remote Orkney Islands in Scotland. As she rediscovers the unique, wild landscape in which she grew up, her childhood memories mingle with those from her more recent times as an addict. Her departure for the city and subsequent dissolute years in London resulted in a painful fall. But little by little, her encounter with the enchanted, wind-battered coasts of the islands becomes a chance for a new life. Nora Fingscheidt’s adaptation of Amy Liptot’s autobiographical bestseller uses harrowing flashbacks to depict Rona’s downward spiral in London and her time in a strict rehab programme. However, the focus of the film is on her liberation from personal demons through a connection with the nature of her childhood home.
Credits:
GB/DE 2024, 117 Min., engl. OmU Regie: Nora Fingscheidt Kamera: Yunus Roy Imer Schnitt: Stephan Bechinger mit Saoirse Ronan, Paapa Essiedu, Stephen Dillane, Saskia Reeves, Nabil Elouahabi, Izuka Hoyle, Lauren Lyle
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