Bahars Bruder Taner sitzt in Deutschland im Gefängnis und steht kurz vor der Abschiebung in die Türkei. Bahar nutzt die Zeit des Wartens, um die Kamera auf ihre Familienangehörigen zu richten. In ruhigen und einfühlsamen Bildern erkundet sie die emotionalen und geografischen Welten der Familie von Entwurzelung und Neubeginn zwischen Deutschland und der Türkei. In Gesprächen mit ihren Eltern sowie ihren beiden anderen Brüdern begibt sie sich auf eine schmerzhafte Reise in die Vergangenheit. Politische Verfolgung der alevitisch-kurdischen Familie in der Türkei, die Flucht nach Europa 1989, rassistische Übergriffe, Depressionen und Überforderung der Eltern – all das traf die Kinder, die damit unterschiedlich umgehen. Die Ungewissheit über Taners Schicksal in der Türkei ist nur ein Spiegel ihrer Lebenserfahrung als Familie im Exil. Die Verzerrung von Vergangenheit und Gegenwart sowie unterschiedlicher Geografien konfrontiert die Zuschauenden mit einer der Eigenschaften des Exils, nämlich dem Verlust der Orientierung in Zeit und Raum. Ausgezeichnet mit dem FFF-Förderpreis Dokumentarfilm bei Dokfilm München: „Es ist selten, dass ein Dokumentarfilm die ganze Komplexität abbildet, die das Exil mit sich bringt. Exile never ends ist eine bemerkenswerte Ausnahme, denn der Film erforscht zwei Arten von Exil: das einer kurdischen Familie, die vor Verfolgung aus der Türkei nach Deutschland floh, und das der beiden Söhne, die ihre Beziehung zu dem Land, in dem sie aufgewachsen sind, in Frage stellen. Der Film thematisiert Generationenkonflikte und die Herausforderungen von Integration – ohne dabei eine eigene Agenda zu verfolgen. Bahar Bektaş erzählt diese vielschichtige, intime Geschichte, zeichnet einfühlsam die komplexen Gefühlslagen ihrer Familienmitglieder nach und taucht auf ganz eigene Weise in die emotionalen und geographischen Räume von Vertreibung und Neuanfang ein. Die Jury entschied sich einstimmig für den Film und würdigt die Sensibilität und Beobachtungsgabe einer sehr talentierten Regisseurin.“
Credits:
DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deutschen Untertiteln Regie: Bahar Bektaş Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin Schnitt: Arash Asadi
Trailer:
Exile never ends | offizieller deutscher Trailer
“The longing for your homeland never goes away,” says the filmmaker Bahar Bektaş. Her brother is in prison in Germany. He is supposed to be deported and is waiting for the early transfer to Turkey he has requested. Because there seems to be no end to the waiting, Bahar turns her camera on her Alevi Kurdish family and examines the consequences of being uprooted. Ina Borrmann
Credits:
DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deutschen Untertiteln Regie: Bahar Bektaş. Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin Schnitt: Arash Asadi
Trailer:
Exile never ends | offizieller deutscher Trailer
Ivo arbeitet als ambulante Palliativpflegerin. Täglich fährt sie zu Familien, Eheleuten und Alleinstehenden. In kleine Wohnungen und in große Häuser. In immer verschiedenes Leben und Sterben. In immer verschiedenen Umgang mit der Zeit, die bleibt. Zu Hause hat sich ihre pubertierende Tochter längst selbstständig gemacht. Von früh bis spät ist Ivo in ihrem alten Skoda unterwegs, den sie zu ihrem persönlichen Lebensraum gemacht hat. Hier nimmt sie ihre Mahlzeiten zu sich, arbeitet, singt, flucht und träumt sie. Eine ihrer Patientinnen, Solveigh, ist zu einer engen Freundin geworden. Auch zu Solveighs Mann Franz hat Ivo eine Beziehung geknüpft. Tag für Tag arbeiten sie bei der Pflege von Solveigh zusammen. Und sie schlafen miteinander. Solveighs Kräfte schwinden, bald ist sie bei den einfachsten Verrichtungen auf Unterstützung angewiesen. Die letzte Entscheidung will sie alleine treffen. Ivo soll ihr beim Sterben helfen. „Trobisch spinnt die fiktive, nah am Halbdokumentarischen erzählte Geschichte, in der Schauspieler:innen und echtes Fachpersonal auf organische Weise interagieren, mit eher lockerem Faden. Vieles bleibt angedeutet, nichts drängt nach dramaturgischer Zuspitzung. Auch die Affäre mit Franz muss nicht verkompliziert werden. Sie wird vielmehr als eine selbstverständliche und für beide stärkende Verbindung gezeigt, die in einem ganz bestimmten Zeitfenster existiert, in dem das Sterben der Freundin und Ehefrau immer auch mit anwesend ist. Ivo ist ein großzügiger und offener Film. Er besteht nicht auf Antworten und Thesen, sondern stellt vielmehr unterschiedliche Beobachtungen, Fragen und Empfindungen, die mit dem Sterben zu tun haben, nebeneinander: Pragmatismus und innerer Aufruhr, das Banale und das Erschütternde, Bewegung und Stillstand. Anders als Jessica Krummacher in Zum Tod meiner Mutter (2022) sucht Eva Trobisch nicht nach Abstraktion und Reduktion, sondern nach Fülle und Gleichzeitigkeit. Gleichwohl ist ihr Realismus nicht auf das bloße Abbilden äußerer Handlungen beschränkt, sondern impressionistisch aufgebrochen und von Ivos Empfindungen und Blicken durchdrungen. Die mit einem 16mm-Objektiv aufgenommenen Bilder sind lichtdurchflutet und haptisch; von den körperlichen Verfallsprozessen wirken sie gänzlich unberührt. Das Wissen um die Endlichkeit von Leben wirkt wie ein Wahrnehmungsverstärker.“ Esther Buss | Filmdienst
Credits:
DE 2024, 104 Min., deutsche OmeU Regie: Eva Trobisch Kamera: Adrian Campean Schnitt: Laura Lauzemis mit Minna Wündrich, Pia Hierzegger, Lukas Turtur
Ivo works as a palliative home-care nurse. Every day, she visits families, couples and single people. They live in small flats and large houses. They all have different lives and deaths. They all have different ways of dealing with the time that remains. At home, Ivo’s teenage daughter has long since become independent. From morning to night, Ivo drives around in her old Skoda which she has made into her personal living space. Here, she eats her meals, works, sings, swears and dreams. One of her patients, Solveigh, has become a close friend. Ivo has also formed a relationship with Solveigh’s husband, Franz. Day after day, the two work together to care for Solveigh. And they sleep with each other. Solveigh’s strength is diminishing and she soon has to rely on support for the simplest tasks. She wants the final decision to be her own: she wants Ivo to help her die.
Credits:
DE 2024, 104 Min., deutsche OmeU Regie: Eva Trobisch Kamera: Adrian Campean Schnitt: Laura Lauzemis mit Minna Wündrich, Pia Hierzegger, Lukas Turtur
Lucy und Jane sind seit ihrer Jugend beste Freundinnen. Sie leben in Los Angeles, wo Jane in einer Werbeagentur tätig ist und sich Lucy in einem Spa verdingt, während sie eigentlich Malerin sein will. Lucy hadert aber vor allem mit ihrer Sexualität. Erst jetzt, im Alter von 32 Jahren, will sie sich eingestehen, dass sie lesbisch ist. Just in dem Moment erhält Jane ein Angebot ihrer Firma, eine Dependance in London aufzubauen – dort lebte sie, bis ihre Eltern mit ihr im Teenageralter in die USA kamen. Bevor sie geht, möchte sie Lucy aber noch helfen, zu sich zu finden, doch dann kommt es zum schweren Streit zwischen beiden Frauen.
„Dass Am I OK? weniger eine Coming-out-Geschichte ist als eine über die tiefe und dadurch nicht unkomplizierte Freundschaft zweier Frauen, ist die eigentliche Überraschung dieses von Lauren Pomerantz geschriebenen Films – und seine große Stärke. Die Erkenntnis, dass für nicht wenige Menschen – ob queer oder nicht – oft die engen, platonischen Beziehungen im Leben die eindeutig wichtigeren (und auch erzählerisch ergiebigeren) sind, kommt ja in Film und Fernsehen sonst eher zu kurz. All das wäre nur halb so sehenswert, würden Johnson und Mizuno (die durch Alex Garlands Ex-Machina bekannt wurde und seither in jedem seiner Filme zu sehen war) nicht so ein großartiges, glaubwürdiges Freundinnenduo abgeben. Gerade gegensätzlich genug, aber nie bloß plumpes Klischee. Den rasanten, ungemein pointierten, jedoch nie unnatürlich wirkenden Dialogwitz, der längst nicht nur an Notaros Stand-up-Progamme erinnert, erwecken die beiden mit so viel Authentizität und Frische zum Leben, dass es die reinste Freude ist. Und die Gefahr, dass die Queerness der Geschichte zum bloßen Running Gag ohne Hand und Fuß verkommt, besteht bei lauter lesbischen Frauen, die die kreative Verantwortung hinter der Kamera tragen, zum Glück ebenfalls nicht. Langer Rede kurzer Sinn: Witziger und charmanter hat man sich in diesem Jahr im Kino noch kaum amüsiert.” Patrick Heidmann | epd Film
Lucy is a 32-year-old woman living in Los Angeles with her best friend Jane and working as a receptionist at a spa. She finds little satisfaction in her romantic life, including with her friend Ben, who becomes frustrated at her continued avoidance of his advances. Jane receives a work promotion that will require her to relocate to London, and goes out for drinks with Lucy and Jane’s boyfriend Danny to celebrate. After Jane confesses to kissing a female friend as a teenager, Lucy drunkenly tells her that she thinks she might be a lesbian. Jane encourages her to explore her feelings, suggesting that Lucy should pursue her flirtatious massage therapist co-worker Brittany.
Lucy invites Brittany to her house for dinner, but receives mixed signals as Brittany shares about her ex-boyfriend, but also declares her sexuality to be „on the spectrum” and kisses her before leaving. Jane brings Lucy to a lesbian bar, but Lucy is shy and soon leaves after seeing Jane kissing other women on the dance floor; the two fight and stop speaking. Lucy meets up with Brittany again. The two have sex, but Brittany quickly leaves the following morning and becomes distant, later reconciling with her ex-boyfriend. Meanwhile, Jane deals with the pressures of her upcoming move, including her self-absorbed co-worker Kat and Danny’s confession that he does not want to join Jane in London as she assumed he would.
Lucy quits her job to return to her passion of painting, and begins meeting other women on dating apps. She comes out to Ben, and the two reconcile as friends. After going on a „hammock retreat” with Kat, Jane makes up with Lucy, excitedly offering support for the changes in her life. Lucy offers to drive Jane to the airport as she heads to London, only to reveal that she will be joining her on the trip to help ease her transition.
Unter den Fachbesucher*innen galt er schnell als Geheimtip, beim restlichen Berlinale-Publikum wurde er bald zum Liebling – der iranische Wettbewerbsbeitrag My Favourite Cake / Ein kleines Stück vom Kuchen. Die berührende Geschichte von Annäherung und Zuneigung zweier einsamer Menschen ist zugleich eine des Widerstandes gegen die Vorschriften einer Gesellschaft, die Verletzungen ihrer Sitten- und Moralvorstellungen sehr schnell und sehr hart ahndet. Seit ihr Mann vor 30 Jahren starb, lebt Mihan allein in ihrem kleinen Haus mit Garten in Teheran. Bei den regelmäßigen Kaffeekränzchen mit Freundinnen wird gerne alles besprochen, so wird neben den Berichten von (natürlich verbotenen) amourösen Abenteuern gerne auch mal die DVD der letzten Darmspiegelung herumgereicht. Dabei bekommt sie immer wieder zu hören, sie solle sich doch auch einen neuen Begleiter suchen – schließlich sei sie ja mit ihren 70 Jahren noch fit und attraktiv. Schließlich fasst sich Mahin in Herz und geht auf die Suche. Als ihr der ebenfalls verwitwete Taxifahrer Faramarz begegnet und gefällt, ergreift sie selbstbewusst die Initiative und lädt ihn zu sich ein. Die beiden kommen verstehen sich, verabreden sich, es gibt Wein, Tanz und natürlich selbstgebackenen Kuchen. Aber vorsichtig müssen sie sein, denn schon erkundigt sich die Nachbarin nach den unbekannten Stimmen im Haus. Weil sie die Menschen realitätsnah so zeigen, wie sie sind und was sie tun, und damit Grenzen des Erlaubten verletzen, durften Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha (Ballade von der weißen Kuh, 2021 ebenfalls im Berlinale Wettbewerb) nicht nach Berlin reisen. So trägt Mihan im Haus keinen Hijab und trinkt Wein. Es sei aber an der Zeit, diese standardisierten Vorgaben im iranischen Kino zu durchbrechen, so erklärte Darstellerin Lily Farhadpour, die als Menschenrechts-Aktivistin bereits Gefängniserfahrung hat, bei der Pressekonferenz. Diese zärtliche und (gelegentlich schwarz-) humorige Liebesgeschichte zeigt schonmal, wie es geht.
Credits:
Keyke mahboobe man / My favourite cake IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., farsi OmU Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha Kamera: Mohammad Haddadi Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi,
The 70-year-old Mahin has been living alone in Tehran since her husband died and her daughter left for Europe. One afternoon, tea with friends leads her to break her solitary routine and revitalise her love life. But as Mahin opens herself up to a new romance, what begins as an unexpected encounter quickly evolves into an unpredictable, unforgettable evening.
Credits:
Keyke mahboobe man / My favourite cake IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., farsi OmU Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha Kamera: Mohammad Haddadi Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi,
Bahars Bruder Taner sitzt in Deutschland im Gefängnis und steht kurz vor der Abschiebung in die Türkei. Bahar nutzt die Zeit des Wartens, um die Kamera auf ihre Familienangehörigen zu richten. In ruhigen und einfühlsamen Bildern erkundet sie die emotionalen und geografischen Welten der Familie von Entwurzelung und Neubeginn zwischen Deutschland und der Türkei. In Gesprächen mit ihren Eltern sowie ihren beiden anderen Brüdern begibt sie sich auf eine schmerzhafte Reise in die Vergangenheit. Politische Verfolgung der alevitisch-kurdischen Familie in der Türkei, die Flucht nach Europa 1989, rassistische Übergriffe, Depressionen und Überforderung der Eltern – all das traf die Kinder, die damit unterschiedlich umgehen. Die Ungewissheit über Taners Schicksal in der Türkei ist nur ein Spiegel ihrer Lebenserfahrung als Familie im Exil. Die Verzerrung von Vergangenheit und Gegenwart sowie unterschiedlicher Geografien konfrontiert die Zuschauenden mit einer der Eigenschaften des Exils, nämlich dem Verlust der Orientierung in Zeit und Raum. Ausgezeichnet mit dem FFF-Förderpreis Dokumentarfilm bei Dokfilm München: „Es ist selten, dass ein Dokumentarfilm die ganze Komplexität abbildet, die das Exil mit sich bringt. Exile never ends ist eine bemerkenswerte Ausnahme, denn der Film erforscht zwei Arten von Exil: das einer kurdischen Familie, die vor Verfolgung aus der Türkei nach Deutschland floh, und das der beiden Söhne, die ihre Beziehung zu dem Land, in dem sie aufgewachsen sind, in Frage stellen. Der Film thematisiert Generationenkonflikte und die Herausforderungen von Integration – ohne dabei eine eigene Agenda zu verfolgen. Bahar Bektaş erzählt diese vielschichtige, intime Geschichte, zeichnet einfühlsam die komplexen Gefühlslagen ihrer Familienmitglieder nach und taucht auf ganz eigene Weise in die emotionalen und geographischen Räume von Vertreibung und Neuanfang ein. Die Jury entschied sich einstimmig für den Film und würdigt die Sensibilität und Beobachtungsgabe einer sehr talentierten Regisseurin.“
Credits:
DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deutschen Untertiteln Regie: Bahar Bektaş Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin Schnitt: Arash Asadi
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Exile never ends | offizieller deutscher Trailer
“The longing for your homeland never goes away,” says the filmmaker Bahar Bektaş. Her brother is in prison in Germany. He is supposed to be deported and is waiting for the early transfer to Turkey he has requested. Because there seems to be no end to the waiting, Bahar turns her camera on her Alevi Kurdish family and examines the consequences of being uprooted. Ina Borrmann
Credits:
DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deutschen Untertiteln Regie: Bahar Bektaş. Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin Schnitt: Arash Asadi
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Exile never ends | offizieller deutscher Trailer
Unter den Fachbesucher*innen galt er schnell als Geheimtip, beim restlichen Berlinale-Publikum wurde er bald zum Liebling – der iranische Wettbewerbsbeitrag My Favourite Cake / Ein kleines Stück vom Kuchen. Die berührende Geschichte von Annäherung und Zuneigung zweier einsamer Menschen ist zugleich eine des Widerstandes gegen die Vorschriften einer Gesellschaft, die Verletzungen ihrer Sitten- und Moralvorstellungen sehr schnell und sehr hart ahndet. Seit ihr Mann vor 30 Jahren starb, lebt Mihan allein in ihrem kleinen Haus mit Garten in Teheran. Bei den regelmäßigen Kaffeekränzchen mit Freundinnen wird gerne alles besprochen, so wird neben den Berichten von (natürlich verbotenen) amourösen Abenteuern gerne auch mal die DVD der letzten Darmspiegelung herumgereicht. Dabei bekommt sie immer wieder zu hören, sie solle sich doch auch einen neuen Begleiter suchen – schließlich sei sie ja mit ihren 70 Jahren noch fit und attraktiv. Schließlich fasst sich Mahin in Herz und geht auf die Suche. Als ihr der ebenfalls verwitwete Taxifahrer Faramarz begegnet und gefällt, ergreift sie selbstbewusst die Initiative und lädt ihn zu sich ein. Die beiden kommen verstehen sich, verabreden sich, es gibt Wein, Tanz und natürlich selbstgebackenen Kuchen. Aber vorsichtig müssen sie sein, denn schon erkundigt sich die Nachbarin nach den unbekannten Stimmen im Haus. Weil sie die Menschen realitätsnah so zeigen, wie sie sind und was sie tun, und damit Grenzen des Erlaubten verletzen, durften Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha (Ballade von der weißen Kuh, 2021 ebenfalls im Berlinale Wettbewerb) nicht nach Berlin reisen. So trägt Mihan im Haus keinen Hijab und trinkt Wein. Es sei aber an der Zeit, diese standardisierten Vorgaben im iranischen Kino zu durchbrechen, so erklärte Darstellerin Lily Farhadpour, die als Menschenrechts-Aktivistin bereits Gefängniserfahrung hat, bei der Pressekonferenz. Diese zärtliche und (gelegentlich schwarz-) humorige Liebesgeschichte zeigt schonmal, wie es geht.
Credits:
Keyke mahboobe man / My favourite cake IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., farsi OmU Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha Kamera: Mohammad Haddadi Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi,
The 70-year-old Mahin has been living alone in Tehran since her husband died and her daughter left for Europe. One afternoon, tea with friends leads her to break her solitary routine and revitalise her love life. But as Mahin opens herself up to a new romance, what begins as an unexpected encounter quickly evolves into an unpredictable, unforgettable evening.
Credits:
Keyke mahboobe man / My favourite cake IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., farsi OmU Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha Kamera: Mohammad Haddadi Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi,
Lucy und Jane sind seit ihrer Jugend beste Freundinnen. Sie leben in Los Angeles, wo Jane in einer Werbeagentur tätig ist und sich Lucy in einem Spa verdingt, während sie eigentlich Malerin sein will. Lucy hadert aber vor allem mit ihrer Sexualität. Erst jetzt, im Alter von 32 Jahren, will sie sich eingestehen, dass sie lesbisch ist. Just in dem Moment erhält Jane ein Angebot ihrer Firma, eine Dependance in London aufzubauen – dort lebte sie, bis ihre Eltern mit ihr im Teenageralter in die USA kamen. Bevor sie geht, möchte sie Lucy aber noch helfen, zu sich zu finden, doch dann kommt es zum schweren Streit zwischen beiden Frauen.
„Dass Am I OK? weniger eine Coming-out-Geschichte ist als eine über die tiefe und dadurch nicht unkomplizierte Freundschaft zweier Frauen, ist die eigentliche Überraschung dieses von Lauren Pomerantz geschriebenen Films – und seine große Stärke. Die Erkenntnis, dass für nicht wenige Menschen – ob queer oder nicht – oft die engen, platonischen Beziehungen im Leben die eindeutig wichtigeren (und auch erzählerisch ergiebigeren) sind, kommt ja in Film und Fernsehen sonst eher zu kurz. All das wäre nur halb so sehenswert, würden Johnson und Mizuno (die durch Alex Garlands Ex-Machina bekannt wurde und seither in jedem seiner Filme zu sehen war) nicht so ein großartiges, glaubwürdiges Freundinnenduo abgeben. Gerade gegensätzlich genug, aber nie bloß plumpes Klischee. Den rasanten, ungemein pointierten, jedoch nie unnatürlich wirkenden Dialogwitz, der längst nicht nur an Notaros Stand-up-Progamme erinnert, erwecken die beiden mit so viel Authentizität und Frische zum Leben, dass es die reinste Freude ist. Und die Gefahr, dass die Queerness der Geschichte zum bloßen Running Gag ohne Hand und Fuß verkommt, besteht bei lauter lesbischen Frauen, die die kreative Verantwortung hinter der Kamera tragen, zum Glück ebenfalls nicht. Langer Rede kurzer Sinn: Witziger und charmanter hat man sich in diesem Jahr im Kino noch kaum amüsiert.” Patrick Heidmann | epd Film
Lucy is a 32-year-old woman living in Los Angeles with her best friend Jane and working as a receptionist at a spa. She finds little satisfaction in her romantic life, including with her friend Ben, who becomes frustrated at her continued avoidance of his advances. Jane receives a work promotion that will require her to relocate to London, and goes out for drinks with Lucy and Jane’s boyfriend Danny to celebrate. After Jane confesses to kissing a female friend as a teenager, Lucy drunkenly tells her that she thinks she might be a lesbian. Jane encourages her to explore her feelings, suggesting that Lucy should pursue her flirtatious massage therapist co-worker Brittany.
Lucy invites Brittany to her house for dinner, but receives mixed signals as Brittany shares about her ex-boyfriend, but also declares her sexuality to be „on the spectrum” and kisses her before leaving. Jane brings Lucy to a lesbian bar, but Lucy is shy and soon leaves after seeing Jane kissing other women on the dance floor; the two fight and stop speaking. Lucy meets up with Brittany again. The two have sex, but Brittany quickly leaves the following morning and becomes distant, later reconciling with her ex-boyfriend. Meanwhile, Jane deals with the pressures of her upcoming move, including her self-absorbed co-worker Kat and Danny’s confession that he does not want to join Jane in London as she assumed he would.
Lucy quits her job to return to her passion of painting, and begins meeting other women on dating apps. She comes out to Ben, and the two reconcile as friends. After going on a „hammock retreat” with Kat, Jane makes up with Lucy, excitedly offering support for the changes in her life. Lucy offers to drive Jane to the airport as she heads to London, only to reveal that she will be joining her on the trip to help ease her transition.
Unter den Fachbesucher*innen galt er schnell als Geheimtip, beim restlichen Berlinale-Publikum wurde er bald zum Liebling – der iranische Wettbewerbsbeitrag My Favourite Cake / Ein kleines Stück vom Kuchen. Die berührende Geschichte von Annäherung und Zuneigung zweier einsamer Menschen ist zugleich eine des Widerstandes gegen die Vorschriften einer Gesellschaft, die Verletzungen ihrer Sitten- und Moralvorstellungen sehr schnell und sehr hart ahndet. Seit ihr Mann vor 30 Jahren starb, lebt Mihan allein in ihrem kleinen Haus mit Garten in Teheran. Bei den regelmäßigen Kaffeekränzchen mit Freundinnen wird gerne alles besprochen, so wird neben den Berichten von (natürlich verbotenen) amourösen Abenteuern gerne auch mal die DVD der letzten Darmspiegelung herumgereicht. Dabei bekommt sie immer wieder zu hören, sie solle sich doch auch einen neuen Begleiter suchen – schließlich sei sie ja mit ihren 70 Jahren noch fit und attraktiv. Schließlich fasst sich Mahin in Herz und geht auf die Suche. Als ihr der ebenfalls verwitwete Taxifahrer Faramarz begegnet und gefällt, ergreift sie selbstbewusst die Initiative und lädt ihn zu sich ein. Die beiden kommen verstehen sich, verabreden sich, es gibt Wein, Tanz und natürlich selbstgebackenen Kuchen. Aber vorsichtig müssen sie sein, denn schon erkundigt sich die Nachbarin nach den unbekannten Stimmen im Haus. Weil sie die Menschen realitätsnah so zeigen, wie sie sind und was sie tun, und damit Grenzen des Erlaubten verletzen, durften Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha (Ballade von der weißen Kuh, 2021 ebenfalls im Berlinale Wettbewerb) nicht nach Berlin reisen. So trägt Mihan im Haus keinen Hijab und trinkt Wein. Es sei aber an der Zeit, diese standardisierten Vorgaben im iranischen Kino zu durchbrechen, so erklärte Darstellerin Lily Farhadpour, die als Menschenrechts-Aktivistin bereits Gefängniserfahrung hat, bei der Pressekonferenz. Diese zärtliche und (gelegentlich schwarz-) humorige Liebesgeschichte zeigt schonmal, wie es geht.
Credits:
Keyke mahboobe man / My favourite cake IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., farsi OmU Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha Kamera: Mohammad Haddadi Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi,
The 70-year-old Mahin has been living alone in Tehran since her husband died and her daughter left for Europe. One afternoon, tea with friends leads her to break her solitary routine and revitalise her love life. But as Mahin opens herself up to a new romance, what begins as an unexpected encounter quickly evolves into an unpredictable, unforgettable evening.
Credits:
Keyke mahboobe man / My favourite cake IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., farsi OmU Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha Kamera: Mohammad Haddadi Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi,
Bahars Bruder Taner sitzt in Deutschland im Gefängnis und steht kurz vor der Abschiebung in die Türkei. Bahar nutzt die Zeit des Wartens, um die Kamera auf ihre Familienangehörigen zu richten. In ruhigen und einfühlsamen Bildern erkundet sie die emotionalen und geografischen Welten der Familie von Entwurzelung und Neubeginn zwischen Deutschland und der Türkei. In Gesprächen mit ihren Eltern sowie ihren beiden anderen Brüdern begibt sie sich auf eine schmerzhafte Reise in die Vergangenheit. Politische Verfolgung der alevitisch-kurdischen Familie in der Türkei, die Flucht nach Europa 1989, rassistische Übergriffe, Depressionen und Überforderung der Eltern – all das traf die Kinder, die damit unterschiedlich umgehen. Die Ungewissheit über Taners Schicksal in der Türkei ist nur ein Spiegel ihrer Lebenserfahrung als Familie im Exil. Die Verzerrung von Vergangenheit und Gegenwart sowie unterschiedlicher Geografien konfrontiert die Zuschauenden mit einer der Eigenschaften des Exils, nämlich dem Verlust der Orientierung in Zeit und Raum. Ausgezeichnet mit dem FFF-Förderpreis Dokumentarfilm bei Dokfilm München: „Es ist selten, dass ein Dokumentarfilm die ganze Komplexität abbildet, die das Exil mit sich bringt. Exile never ends ist eine bemerkenswerte Ausnahme, denn der Film erforscht zwei Arten von Exil: das einer kurdischen Familie, die vor Verfolgung aus der Türkei nach Deutschland floh, und das der beiden Söhne, die ihre Beziehung zu dem Land, in dem sie aufgewachsen sind, in Frage stellen. Der Film thematisiert Generationenkonflikte und die Herausforderungen von Integration – ohne dabei eine eigene Agenda zu verfolgen. Bahar Bektaş erzählt diese vielschichtige, intime Geschichte, zeichnet einfühlsam die komplexen Gefühlslagen ihrer Familienmitglieder nach und taucht auf ganz eigene Weise in die emotionalen und geographischen Räume von Vertreibung und Neuanfang ein. Die Jury entschied sich einstimmig für den Film und würdigt die Sensibilität und Beobachtungsgabe einer sehr talentierten Regisseurin.“
Credits:
DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deutschen Untertiteln Regie: Bahar Bektaş Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin Schnitt: Arash Asadi
Trailer:
Exile never ends | offizieller deutscher Trailer
“The longing for your homeland never goes away,” says the filmmaker Bahar Bektaş. Her brother is in prison in Germany. He is supposed to be deported and is waiting for the early transfer to Turkey he has requested. Because there seems to be no end to the waiting, Bahar turns her camera on her Alevi Kurdish family and examines the consequences of being uprooted. Ina Borrmann
Credits:
DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deutschen Untertiteln Regie: Bahar Bektaş. Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin Schnitt: Arash Asadi
Trailer:
Exile never ends | offizieller deutscher Trailer
Unter den Fachbesucher*innen galt er schnell als Geheimtip, beim restlichen Berlinale-Publikum wurde er bald zum Liebling – der iranische Wettbewerbsbeitrag My Favourite Cake / Ein kleines Stück vom Kuchen. Die berührende Geschichte von Annäherung und Zuneigung zweier einsamer Menschen ist zugleich eine des Widerstandes gegen die Vorschriften einer Gesellschaft, die Verletzungen ihrer Sitten- und Moralvorstellungen sehr schnell und sehr hart ahndet. Seit ihr Mann vor 30 Jahren starb, lebt Mihan allein in ihrem kleinen Haus mit Garten in Teheran. Bei den regelmäßigen Kaffeekränzchen mit Freundinnen wird gerne alles besprochen, so wird neben den Berichten von (natürlich verbotenen) amourösen Abenteuern gerne auch mal die DVD der letzten Darmspiegelung herumgereicht. Dabei bekommt sie immer wieder zu hören, sie solle sich doch auch einen neuen Begleiter suchen – schließlich sei sie ja mit ihren 70 Jahren noch fit und attraktiv. Schließlich fasst sich Mahin in Herz und geht auf die Suche. Als ihr der ebenfalls verwitwete Taxifahrer Faramarz begegnet und gefällt, ergreift sie selbstbewusst die Initiative und lädt ihn zu sich ein. Die beiden kommen verstehen sich, verabreden sich, es gibt Wein, Tanz und natürlich selbstgebackenen Kuchen. Aber vorsichtig müssen sie sein, denn schon erkundigt sich die Nachbarin nach den unbekannten Stimmen im Haus. Weil sie die Menschen realitätsnah so zeigen, wie sie sind und was sie tun, und damit Grenzen des Erlaubten verletzen, durften Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha (Ballade von der weißen Kuh, 2021 ebenfalls im Berlinale Wettbewerb) nicht nach Berlin reisen. So trägt Mihan im Haus keinen Hijab und trinkt Wein. Es sei aber an der Zeit, diese standardisierten Vorgaben im iranischen Kino zu durchbrechen, so erklärte Darstellerin Lily Farhadpour, die als Menschenrechts-Aktivistin bereits Gefängniserfahrung hat, bei der Pressekonferenz. Diese zärtliche und (gelegentlich schwarz-) humorige Liebesgeschichte zeigt schonmal, wie es geht.
Credits:
Keyke mahboobe man / My favourite cake IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., farsi OmU Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha Kamera: Mohammad Haddadi Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi,
The 70-year-old Mahin has been living alone in Tehran since her husband died and her daughter left for Europe. One afternoon, tea with friends leads her to break her solitary routine and revitalise her love life. But as Mahin opens herself up to a new romance, what begins as an unexpected encounter quickly evolves into an unpredictable, unforgettable evening.
Credits:
Keyke mahboobe man / My favourite cake IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., farsi OmU Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha Kamera: Mohammad Haddadi Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi,
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