Bahars Bruder Taner sitzt in Deutschland im Gefängnis und steht kurz vor der Abschiebung in die Türkei. Bahar nutzt die Zeit des Wartens, um die Kamera auf ihre Familienangehörigen zu richten. In ruhigen und einfühlsamen Bildern erkundet sie die emotionalen und geografischen Welten der Familie von Entwurzelung und Neubeginn zwischen Deutschland und der Türkei. In Gesprächen mit ihren Eltern sowie ihren beiden anderen Brüdern begibt sie sich auf eine schmerzhafte Reise in die Vergangenheit. Politische Verfolgung der alevitisch-kurdischen Familie in der Türkei, die Flucht nach Europa 1989, rassistische Übergriffe, Depressionen und Überforderung der Eltern – all das traf die Kinder, die damit unterschiedlich umgehen. Die Ungewissheit über Taners Schicksal in der Türkei ist nur ein Spiegel ihrer Lebenserfahrung als Familie im Exil. Die Verzerrung von Vergangenheit und Gegenwart sowie unterschiedlicher Geografien konfrontiert die Zuschauenden mit einer der Eigenschaften des Exils, nämlich dem Verlust der Orientierung in Zeit und Raum. Ausgezeichnet mit dem FFF-Förderpreis Dokumentarfilm bei Dokfilm München: „Es ist selten, dass ein Dokumentarfilm die ganze Komplexität abbildet, die das Exil mit sich bringt. Exile never ends ist eine bemerkenswerte Ausnahme, denn der Film erforscht zwei Arten von Exil: das einer kurdischen Familie, die vor Verfolgung aus der Türkei nach Deutschland floh, und das der beiden Söhne, die ihre Beziehung zu dem Land, in dem sie aufgewachsen sind, in Frage stellen. Der Film thematisiert Generationenkonflikte und die Herausforderungen von Integration – ohne dabei eine eigene Agenda zu verfolgen. Bahar Bektaş erzählt diese vielschichtige, intime Geschichte, zeichnet einfühlsam die komplexen Gefühlslagen ihrer Familienmitglieder nach und taucht auf ganz eigene Weise in die emotionalen und geographischen Räume von Vertreibung und Neuanfang ein. Die Jury entschied sich einstimmig für den Film und würdigt die Sensibilität und Beobachtungsgabe einer sehr talentierten Regisseurin.“
Credits:
DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deutschen Untertiteln Regie: Bahar Bektaş Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin Schnitt: Arash Asadi
Trailer:
Exile never ends | offizieller deutscher Trailer
“The longing for your homeland never goes away,” says the filmmaker Bahar Bektaş. Her brother is in prison in Germany. He is supposed to be deported and is waiting for the early transfer to Turkey he has requested. Because there seems to be no end to the waiting, Bahar turns her camera on her Alevi Kurdish family and examines the consequences of being uprooted. Ina Borrmann
Credits:
DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deutschen Untertiteln Regie: Bahar Bektaş. Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin Schnitt: Arash Asadi
Trailer:
Exile never ends | offizieller deutscher Trailer
Ivo arbeitet als ambulante Palliativpflegerin. Täglich fährt sie zu Familien, Eheleuten und Alleinstehenden. In kleine Wohnungen und in große Häuser. In immer verschiedenes Leben und Sterben. In immer verschiedenen Umgang mit der Zeit, die bleibt. Zu Hause hat sich ihre pubertierende Tochter längst selbstständig gemacht. Von früh bis spät ist Ivo in ihrem alten Skoda unterwegs, den sie zu ihrem persönlichen Lebensraum gemacht hat. Hier nimmt sie ihre Mahlzeiten zu sich, arbeitet, singt, flucht und träumt sie. Eine ihrer Patientinnen, Solveigh, ist zu einer engen Freundin geworden. Auch zu Solveighs Mann Franz hat Ivo eine Beziehung geknüpft. Tag für Tag arbeiten sie bei der Pflege von Solveigh zusammen. Und sie schlafen miteinander. Solveighs Kräfte schwinden, bald ist sie bei den einfachsten Verrichtungen auf Unterstützung angewiesen. Die letzte Entscheidung will sie alleine treffen. Ivo soll ihr beim Sterben helfen. „Trobisch spinnt die fiktive, nah am Halbdokumentarischen erzählte Geschichte, in der Schauspieler:innen und echtes Fachpersonal auf organische Weise interagieren, mit eher lockerem Faden. Vieles bleibt angedeutet, nichts drängt nach dramaturgischer Zuspitzung. Auch die Affäre mit Franz muss nicht verkompliziert werden. Sie wird vielmehr als eine selbstverständliche und für beide stärkende Verbindung gezeigt, die in einem ganz bestimmten Zeitfenster existiert, in dem das Sterben der Freundin und Ehefrau immer auch mit anwesend ist. Ivo ist ein großzügiger und offener Film. Er besteht nicht auf Antworten und Thesen, sondern stellt vielmehr unterschiedliche Beobachtungen, Fragen und Empfindungen, die mit dem Sterben zu tun haben, nebeneinander: Pragmatismus und innerer Aufruhr, das Banale und das Erschütternde, Bewegung und Stillstand. Anders als Jessica Krummacher in Zum Tod meiner Mutter (2022) sucht Eva Trobisch nicht nach Abstraktion und Reduktion, sondern nach Fülle und Gleichzeitigkeit. Gleichwohl ist ihr Realismus nicht auf das bloße Abbilden äußerer Handlungen beschränkt, sondern impressionistisch aufgebrochen und von Ivos Empfindungen und Blicken durchdrungen. Die mit einem 16mm-Objektiv aufgenommenen Bilder sind lichtdurchflutet und haptisch; von den körperlichen Verfallsprozessen wirken sie gänzlich unberührt. Das Wissen um die Endlichkeit von Leben wirkt wie ein Wahrnehmungsverstärker.“ Esther Buss | Filmdienst
Credits:
DE 2024, 104 Min., deutsche OmeU Regie: Eva Trobisch Kamera: Adrian Campean Schnitt: Laura Lauzemis mit Minna Wündrich, Pia Hierzegger, Lukas Turtur
Ivo works as a palliative home-care nurse. Every day, she visits families, couples and single people. They live in small flats and large houses. They all have different lives and deaths. They all have different ways of dealing with the time that remains. At home, Ivo’s teenage daughter has long since become independent. From morning to night, Ivo drives around in her old Skoda which she has made into her personal living space. Here, she eats her meals, works, sings, swears and dreams. One of her patients, Solveigh, has become a close friend. Ivo has also formed a relationship with Solveigh’s husband, Franz. Day after day, the two work together to care for Solveigh. And they sleep with each other. Solveigh’s strength is diminishing and she soon has to rely on support for the simplest tasks. She wants the final decision to be her own: she wants Ivo to help her die.
Credits:
DE 2024, 104 Min., deutsche OmeU Regie: Eva Trobisch Kamera: Adrian Campean Schnitt: Laura Lauzemis mit Minna Wündrich, Pia Hierzegger, Lukas Turtur
Lucy und Jane sind seit ihrer Jugend beste Freundinnen. Sie leben in Los Angeles, wo Jane in einer Werbeagentur tätig ist und sich Lucy in einem Spa verdingt, während sie eigentlich Malerin sein will. Lucy hadert aber vor allem mit ihrer Sexualität. Erst jetzt, im Alter von 32 Jahren, will sie sich eingestehen, dass sie lesbisch ist. Just in dem Moment erhält Jane ein Angebot ihrer Firma, eine Dependance in London aufzubauen – dort lebte sie, bis ihre Eltern mit ihr im Teenageralter in die USA kamen. Bevor sie geht, möchte sie Lucy aber noch helfen, zu sich zu finden, doch dann kommt es zum schweren Streit zwischen beiden Frauen.
„Dass Am I OK? weniger eine Coming-out-Geschichte ist als eine über die tiefe und dadurch nicht unkomplizierte Freundschaft zweier Frauen, ist die eigentliche Überraschung dieses von Lauren Pomerantz geschriebenen Films – und seine große Stärke. Die Erkenntnis, dass für nicht wenige Menschen – ob queer oder nicht – oft die engen, platonischen Beziehungen im Leben die eindeutig wichtigeren (und auch erzählerisch ergiebigeren) sind, kommt ja in Film und Fernsehen sonst eher zu kurz. All das wäre nur halb so sehenswert, würden Johnson und Mizuno (die durch Alex Garlands Ex-Machina bekannt wurde und seither in jedem seiner Filme zu sehen war) nicht so ein großartiges, glaubwürdiges Freundinnenduo abgeben. Gerade gegensätzlich genug, aber nie bloß plumpes Klischee. Den rasanten, ungemein pointierten, jedoch nie unnatürlich wirkenden Dialogwitz, der längst nicht nur an Notaros Stand-up-Progamme erinnert, erwecken die beiden mit so viel Authentizität und Frische zum Leben, dass es die reinste Freude ist. Und die Gefahr, dass die Queerness der Geschichte zum bloßen Running Gag ohne Hand und Fuß verkommt, besteht bei lauter lesbischen Frauen, die die kreative Verantwortung hinter der Kamera tragen, zum Glück ebenfalls nicht. Langer Rede kurzer Sinn: Witziger und charmanter hat man sich in diesem Jahr im Kino noch kaum amüsiert.” Patrick Heidmann | epd Film
Lucy is a 32-year-old woman living in Los Angeles with her best friend Jane and working as a receptionist at a spa. She finds little satisfaction in her romantic life, including with her friend Ben, who becomes frustrated at her continued avoidance of his advances. Jane receives a work promotion that will require her to relocate to London, and goes out for drinks with Lucy and Jane’s boyfriend Danny to celebrate. After Jane confesses to kissing a female friend as a teenager, Lucy drunkenly tells her that she thinks she might be a lesbian. Jane encourages her to explore her feelings, suggesting that Lucy should pursue her flirtatious massage therapist co-worker Brittany.
Lucy invites Brittany to her house for dinner, but receives mixed signals as Brittany shares about her ex-boyfriend, but also declares her sexuality to be „on the spectrum” and kisses her before leaving. Jane brings Lucy to a lesbian bar, but Lucy is shy and soon leaves after seeing Jane kissing other women on the dance floor; the two fight and stop speaking. Lucy meets up with Brittany again. The two have sex, but Brittany quickly leaves the following morning and becomes distant, later reconciling with her ex-boyfriend. Meanwhile, Jane deals with the pressures of her upcoming move, including her self-absorbed co-worker Kat and Danny’s confession that he does not want to join Jane in London as she assumed he would.
Lucy quits her job to return to her passion of painting, and begins meeting other women on dating apps. She comes out to Ben, and the two reconcile as friends. After going on a „hammock retreat” with Kat, Jane makes up with Lucy, excitedly offering support for the changes in her life. Lucy offers to drive Jane to the airport as she heads to London, only to reveal that she will be joining her on the trip to help ease her transition.
So wie Luis Moreno-Ocampo, der erste Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (International Criminal Court – ICC) immer wieder betont, begehen in einem Krieg alle Seiten Kriegsverbrechen, und deshalb ist dies nach den Regisseuren „ein Film, der den Krieg im Moment in Frage stellt, und ob es nicht andere Möglichkeiten der Konfliktbewältigung gibt“. Der ICC beantragt individuelle Haftbefehle bei schwersten Verstößen gegen Menschenrechte und humanitäres Völkerrecht, wie gegen Putin und zuletzt gegen den israelischen Ministerpräsidenten, den Verteidigungsminister und drei Anführer der Hamas. War and Justice erzählt die 25-jährige Geschichte dieser Institution, die unabhängig von der UNO agiert und deren Statuten 122 Länder unterzeichnet haben. Doch können Kriegsverbrechen im Krieg überhaupt verhindert werden, oder hat Ben Ferencz, ehemaliger Ankläger der Nürnberger Prozesse recht, wenn er sagt, dass das größte Verbrechen der Krieg selbst ist? Im Mittelpunkt des Films stehen Benjamin Ferencz, Luis Moreno-Ocampo und Karim Khan, der aktuelle Chefankläger des ICC. Marcus Vetter und Michele Gentile folgen Ocampo um die Welt, während er gemeinsam mit Ferencz und Khan gegen Kriege im Kongo, in Libyen, Palästina und der Ukraine kämpft. „Es geht um Gerechtigkeit statt Krieg. Denn Krieg zieht Rache nach sich, Gerechtigkeit meist nicht. Die Idee dahinter ist, sich immer auf die Seite der Opfer zu schlagen, egal welche Argumente dagegensprechen könnten.“ Marcus Vetter / Michele Gentile
Credits:
DE 2023 96 Min., engl. OmU Regie +Schnitt: Marcus Vetter und Michele Gentile Kamera: Christian Haardt, Marcus Vetter, Michele Gentile
War and Justice is the first and only true-life documentary about the International Criminal Court (ICC), thanks to unprecedented access to Ben Ferencz, Luis Moreno Ocampo (ICC’s first prosecutor), and Karim Khan (its current prosecutor). Film directors Marcus Vetter and Michele Gentile follow Ocampo around the world as he enlists the support of Academy Award-winning Angelina Jolie and as they join Ferencz in the uphill battle against wars in the Congo, Libya, Palestine, and Ukraine. In the course of the film, the complexities of international law are given a face, and the viewer understands why those who launch wars of aggression, the mother of all war crimes, can hardly be brought to justice while the world’s largest military powers — China, India, Russia, and the United States — remain unwilling to recognize the ICC’s jurisdiction.Sadly, just as the film is about to debut, Ferencz dies at the age of 103. But Ocampo and Khan fight on in his honor, more determined than ever to put an end to all wars of aggression. Because war begets revenge; justice does not.
Credits:
DE 2023 96 Min., engl. OmU Regie +Schnitt: Marcus Vetter und Michele Gentile Kamera: Christian Haardt, Marcus Vetter, Michele Gentile
Neapel Anfang der 1980er Jahre. Aldo (Luigi Lo Cascio) hat gerade seine Kinder Anna und Sandro ins Bett gebracht und ihnen eine Gutenachtgeschichte erzählt. Nun steht er in der Küche neben seiner Frau Vanda (Alba Rohrwacher) und gesteht ihr, dass er sie betrogen hat. Vanda verliert den Boden unter den Füßen und weiß nicht, wie sie reagieren soll. Was bedeutet das für sie und die Kinder? Dreißig Jahre später leben Vanda (Laura Morante) und Aldo (Silvio Orlando) immer noch zusammen, aber vielleicht haben sie und ihre Kinder, Anna (Giovanna Mezzogiorno) und Sandro (Adriano Giannini) dafür einen hohen Preis gezahlt.
„(…) Denn nicht um konkrete Ereignisse geht es, nicht ums Verlieben oder Verlassen, sondern um das Zusammenbleiben, trotz allem. Viel psychologischer, viel unterschwelliger ist dieser Ansatz eines Beziehungsfilms, viel weniger konkret, dadurch flüchtiger und schwieriger in einer nur 100 Minuten kurzen Erzählung zu fassen. Um den Umgang mit Untreue geht es in Was uns hält, um den Versuch, eine Beziehung trotz allem am Leben zu erhalten, auch um der Kinder wegen, um Kompromisse, um unvorhergesehene Folgen, gerade auch für die nächste Generation.“ M. Meyns
Basierend auf dem Roman «Auf immer verbunden» von Domenico Starnone zeigt Regisseur Daniele Luchetti (Mein Bruder ist ein Einzelkind), wie stark die Bindung der Familie im Guten wie im Schlechten ist – auch wenn die Liebe in neue Richtungen zieht.
„Eine lebendige Ehegeschichte im Ferrante-Stil, das emotional harte, aber raffiniert konstruierte Porträt einer Beziehung, die in Zeitlupe zerbricht. Es ist wie die italienische Version vonMarriage Story, nur über 40 Jahre gestreckt. Alba Rohrwacher und Luigi Lo Cascio sind als Vanda und Aldo außergewöhnlich stark.” (The Times)
Credits:
Lacci IT 2020, 100 Min., ital. OmU Regie: Daniele Luchetti Kamera: Ivan Casalgrandi Schnitt: Aël Dallier Vega · Daniele Luchetti mit Alba Rohrwacher, Luigi Lo Cascio, Laura Morante, Silvio Orlando, Giovanna Mezzogiorno
Naples, early 1980s: Aldo and Vanda’s marriage finds itself on the rocks when Aldo falls in love with the young Lidia. Thirty years later, Aldo and Vanda are still married. A thriller about emotions, a story of loyalty and infidelity, of rancor and shame. A betrayal, suffering, a secret box, a devastated home, a cat, the voice of the lovers and that of the estranged.
Credits:
Lacci IT 2020, 100 Min., ital. OmU Regie: Daniele Luchetti Kamera: Ivan Casalgrandi Schnitt: Aël Dallier Vega · Daniele Luchetti mit Alba Rohrwacher, Luigi Lo Cascio, Laura Morante, Silvio Orlando, Giovanna Mezzogiorno
Durch die verschneite Landschaft stapft der Kunstlehrer Samet zu dem Dorf, in dem er nach Ende der Ferien wieder unterrichten muss. Es ist eine einsame Gegend irgendwo in Anatolien, die unter der Winterdecke ruht. Was in den ersten Bildern noch Frieden ausstrahlt, wird im Lauf des Films zunehmend beklemmend wirken, wie auch Samets Beziehungen zu den anderen Menschen an der Schule und im Dorf doppelbödig und kompliziert werden. Und natürlich weiß jeder, dass er vorhat, sich nach Istanbul versetzen zu lassen, sobald die Pflichtzeit am Ende der Welt zu Beginn seiner Lehrtätigkeit erfüllt ist. Samet hält sich für einen guten und toleranten Pädagogen, aber als ihm unangemessenes Verhalten gegenüber zwei Schülerinnen vorgeworfen wird und der Druck steigt, kommt langsam ein anderer Charakter zum Vorschein. Komplex, in sich verstrickt und eingeschlossen, andere nur unscharf wahrnehmend. Eine Person, deren Verfassung typisch ist für Ceylans männliche Hauptfiguren und die in ihrer Unansehnlichkeit den Ausgangspunkt für ein dichtes Netz von Berührungspunkten und Beziehungen zwischen allen Personen bildet. Wie bereits in seinen vorangegangenen Werken entwirft Nuri Bilge Ceylan auch in Auf trockenen Gräsern anhand von individuellen Lebensgeschichten und ihren Verzahnungen ein Panorama der türkischen Gesellschaft in ihren unterschiedlichen Facetten. Daneben existiert die archaisch wirkende Landschaft und spielt eine weitere Hauptrolle.
Auf trockenen Gräsern lief 2023 im Wettbewerb von Cannes und Merve Dizdar gewann den Preis als beste Darstellerin.
„In der Türkei stehen sich ständig Dualismen gegenüber, wie Gut gegen Böse und Individualismus gegen Kollektivismus. Mein Kunstlehrer glaubt, dass er dem Ende seines Pflichtdienstes in einem abgelegenen Bezirk in Ostanatolien nahe ist. Er tröstet sich seit Jahren mit der Hoffnung auf eine Versetzung nach Istanbul. Darin liegt ein spannender Unterschied zwischen der Rolle des Gastgebers und des Gastes. Interessiert hat uns auch die mentale Auswirkung von Gefühlen der Entfremdung, der Entfernung von städtischem Leben und einem Dasein am Rande. Mit welchen Problemen sehen sich die Bewohner dieser ländlichen Region konfrontiert – wie prägt sie die Dynamik der geografischen, ethnischen oder sozialen Strukturen, in denen sie leben? Auch wenn die Möglichkeit Liebe zu finden gegeben ist, werden verkümmernde Seelen unaufhörlich tiefer in die Isolation getrieben durch Vorurteile, das Errichten von Mauern, vergangene politische Traumata und den unstillbaren Drang, jene, die einem nahestehen, für eigene Fehler büßen zu lassen. In Regionen, wo Verzweiflung in jedem Gesicht, Erschöpfung in jedem Schritt und Bitterkeit in der Stimme spürbar ist, werden die Spuren des „Schicksals“ besonders deutlich.” Nuri Bilge Ceylan
Samet (Deniz Celiloglu) is a young teacher in Eastern Anatolia. While waiting several years for a transfer to Istanbul, a series of events make him lose all hope. Until the day he meets Nuray (Merve Dizdar), a young teacher like him…
Lucy und Jane sind seit ihrer Jugend beste Freundinnen. Sie leben in Los Angeles, wo Jane in einer Werbeagentur tätig ist und sich Lucy in einem Spa verdingt, während sie eigentlich Malerin sein will. Lucy hadert aber vor allem mit ihrer Sexualität. Erst jetzt, im Alter von 32 Jahren, will sie sich eingestehen, dass sie lesbisch ist. Just in dem Moment erhält Jane ein Angebot ihrer Firma, eine Dependance in London aufzubauen – dort lebte sie, bis ihre Eltern mit ihr im Teenageralter in die USA kamen. Bevor sie geht, möchte sie Lucy aber noch helfen, zu sich zu finden, doch dann kommt es zum schweren Streit zwischen beiden Frauen.
„Dass Am I OK? weniger eine Coming-out-Geschichte ist als eine über die tiefe und dadurch nicht unkomplizierte Freundschaft zweier Frauen, ist die eigentliche Überraschung dieses von Lauren Pomerantz geschriebenen Films – und seine große Stärke. Die Erkenntnis, dass für nicht wenige Menschen – ob queer oder nicht – oft die engen, platonischen Beziehungen im Leben die eindeutig wichtigeren (und auch erzählerisch ergiebigeren) sind, kommt ja in Film und Fernsehen sonst eher zu kurz. All das wäre nur halb so sehenswert, würden Johnson und Mizuno (die durch Alex Garlands Ex-Machina bekannt wurde und seither in jedem seiner Filme zu sehen war) nicht so ein großartiges, glaubwürdiges Freundinnenduo abgeben. Gerade gegensätzlich genug, aber nie bloß plumpes Klischee. Den rasanten, ungemein pointierten, jedoch nie unnatürlich wirkenden Dialogwitz, der längst nicht nur an Notaros Stand-up-Progamme erinnert, erwecken die beiden mit so viel Authentizität und Frische zum Leben, dass es die reinste Freude ist. Und die Gefahr, dass die Queerness der Geschichte zum bloßen Running Gag ohne Hand und Fuß verkommt, besteht bei lauter lesbischen Frauen, die die kreative Verantwortung hinter der Kamera tragen, zum Glück ebenfalls nicht. Langer Rede kurzer Sinn: Witziger und charmanter hat man sich in diesem Jahr im Kino noch kaum amüsiert.” Patrick Heidmann | epd Film
Lucy is a 32-year-old woman living in Los Angeles with her best friend Jane and working as a receptionist at a spa. She finds little satisfaction in her romantic life, including with her friend Ben, who becomes frustrated at her continued avoidance of his advances. Jane receives a work promotion that will require her to relocate to London, and goes out for drinks with Lucy and Jane’s boyfriend Danny to celebrate. After Jane confesses to kissing a female friend as a teenager, Lucy drunkenly tells her that she thinks she might be a lesbian. Jane encourages her to explore her feelings, suggesting that Lucy should pursue her flirtatious massage therapist co-worker Brittany.
Lucy invites Brittany to her house for dinner, but receives mixed signals as Brittany shares about her ex-boyfriend, but also declares her sexuality to be „on the spectrum” and kisses her before leaving. Jane brings Lucy to a lesbian bar, but Lucy is shy and soon leaves after seeing Jane kissing other women on the dance floor; the two fight and stop speaking. Lucy meets up with Brittany again. The two have sex, but Brittany quickly leaves the following morning and becomes distant, later reconciling with her ex-boyfriend. Meanwhile, Jane deals with the pressures of her upcoming move, including her self-absorbed co-worker Kat and Danny’s confession that he does not want to join Jane in London as she assumed he would.
Lucy quits her job to return to her passion of painting, and begins meeting other women on dating apps. She comes out to Ben, and the two reconcile as friends. After going on a „hammock retreat” with Kat, Jane makes up with Lucy, excitedly offering support for the changes in her life. Lucy offers to drive Jane to the airport as she heads to London, only to reveal that she will be joining her on the trip to help ease her transition.
Es sieht aus, als sei für Hirayama jeder Tag ein perfekter, mit seiner gerne und sorgfältig ausgeführten Arbeit, den alltäglichen Ritualen, dem Fotografieren, dem wöchentlichen Bad im Sentō, Lesen vorm Einschlafen, und der Musik beim Fahren. Eines Tages besucht ihn unerwartet seine Nichte, er lässt sich dadurch aber nur kurz aus seiner Ruhe bringen. Im Gegensatz zu seinen letzten monumentalen dokumentarischen Werken kommt der in nur 17 Tagen gedrehte „Perfect Days“ gelassen und einfach erzählt daher, und erinnert dabei positiv an Wenders’ frühe Filme. Hinter aller dramaturgischen Bescheidenheit lauern jedoch kleine spektakuläre Entdeckungen. Die in Tokio verteilten, von namhaften Architekten entworfenen, neu errichteten öffentlichen Toilettenhäuschen rufen ein ums andere Mal erstauntes Entzücken hervor. Sie waren der eigentliche Ausgangspunkt für den Film. Der international bekannte, in Japan berühmte Darsteller Koji Yakusho geht so sehr in seine Rolle hinein, dass man glauben kann, einen Dokumentarfilm über Toilettenreiniger mit ihm als porträtierte Hauptfigur zu schauen. In seinem zum Putzmobil umgebauten Kleintransporter hört Hirayamas richtige Audio-Kassetten, jeden Tag eine andere, und besucht Läden, wo sie an- und verkauft werden. In seiner Stammbar singt die Besitzerin sehr melancholisch eine japanische Version von „House of the Rising Sun“, wie die Melancholie überhaupt den ganzen Film durchzieht und bei allen zärtlichen und lebendigen Momenten mit den wunderbaren Aufnahmen an sein Vorbild Ozu denken lässt. „Was für eine schöne Überraschung! Wim Wenders’ jüngster Film, eine japanische Produktion, hat eine unerwartete Frische und Schönheit. … Wenders hat mit diesem Film zu einer Simplizität gefunden, zu einer poetischen Einfachheit, die man in seinem beeindruckenden Gesamtwerk bisweilen schmerzlich vermisst hat. Der Film ist sichtlich eine Hommage an die japanische Kultur, aber auch an jenes klassische japanische Kino, das sehr einfach von Menschen zu erzählen wusste.“ Sennhausers Filmblog
Credits:
JP 2023, 124 Min., japan. OmU Regie: Wim Wenders Kamera: Franz Lustig Schnitt: Toni Froschhammer mit: Koji Yakusho, Tokio Emoto, Arisa Nakano, Aoi Yamada, Yumi Aso, Sayuri Ishikawa, Tomokazu Miura as Tomoyama
Wim Wenders’ first films were characterised by the theme of movement, and so it is no coincidence that the German filmmaker’s latest fiction feature is reminiscent of that luminous period in his filmography. The life of the mysterious man who cleans public toilets in Tokyo (played by Yakusho Koji) is defined by quotidian movement and observation. The prodigious secret of PERFECTDAYS lies in how it heightens our perception of all the transitional acts that determine his working routine; distraction is forbidden here. Everything indicates that cleaning toilets and urinals is an undesirable task, but in Japan this task appears like an appropriate procedure for a veritable science of cleanliness. And while it seems theoretically implausible that a man with such a job reads Faulkner at night, is a music lover and pays attention to the trees in order to photograph them with the sharpness of a professional, such qualities and passions can be seen as legitimate based on the other characters that appear in the film who duly reveal something of his past. Beauty and wonder are in equilibrium in all the sequences, and sublimely so when the dreams of this man who cleans bathrooms are depicted. (Roger Koza)
Credits:
JP 2023, 124 Min., japan. OmU Regie: Wim Wenders Kamera: Franz Lustig Schnitt: Toni Froschhammer mit: Koji Yakusho, Tokio Emoto, Arisa Nakano, Aoi Yamada, Yumi Aso, Sayuri Ishikawa, Tomokazu Miura as Tomoyama
Bahars Bruder Taner sitzt in Deutschland im Gefängnis und steht kurz vor der Abschiebung in die Türkei. Bahar nutzt die Zeit des Wartens, um die Kamera auf ihre Familienangehörigen zu richten. In ruhigen und einfühlsamen Bildern erkundet sie die emotionalen und geografischen Welten der Familie von Entwurzelung und Neubeginn zwischen Deutschland und der Türkei. In Gesprächen mit ihren Eltern sowie ihren beiden anderen Brüdern begibt sie sich auf eine schmerzhafte Reise in die Vergangenheit. Politische Verfolgung der alevitisch-kurdischen Familie in der Türkei, die Flucht nach Europa 1989, rassistische Übergriffe, Depressionen und Überforderung der Eltern – all das traf die Kinder, die damit unterschiedlich umgehen. Die Ungewissheit über Taners Schicksal in der Türkei ist nur ein Spiegel ihrer Lebenserfahrung als Familie im Exil. Die Verzerrung von Vergangenheit und Gegenwart sowie unterschiedlicher Geografien konfrontiert die Zuschauenden mit einer der Eigenschaften des Exils, nämlich dem Verlust der Orientierung in Zeit und Raum. Ausgezeichnet mit dem FFF-Förderpreis Dokumentarfilm bei Dokfilm München: „Es ist selten, dass ein Dokumentarfilm die ganze Komplexität abbildet, die das Exil mit sich bringt. Exile never ends ist eine bemerkenswerte Ausnahme, denn der Film erforscht zwei Arten von Exil: das einer kurdischen Familie, die vor Verfolgung aus der Türkei nach Deutschland floh, und das der beiden Söhne, die ihre Beziehung zu dem Land, in dem sie aufgewachsen sind, in Frage stellen. Der Film thematisiert Generationenkonflikte und die Herausforderungen von Integration – ohne dabei eine eigene Agenda zu verfolgen. Bahar Bektaş erzählt diese vielschichtige, intime Geschichte, zeichnet einfühlsam die komplexen Gefühlslagen ihrer Familienmitglieder nach und taucht auf ganz eigene Weise in die emotionalen und geographischen Räume von Vertreibung und Neuanfang ein. Die Jury entschied sich einstimmig für den Film und würdigt die Sensibilität und Beobachtungsgabe einer sehr talentierten Regisseurin.“
Credits:
DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deutschen Untertiteln Regie: Bahar Bektaş Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin Schnitt: Arash Asadi
Trailer:
Exile never ends | offizieller deutscher Trailer
“The longing for your homeland never goes away,” says the filmmaker Bahar Bektaş. Her brother is in prison in Germany. He is supposed to be deported and is waiting for the early transfer to Turkey he has requested. Because there seems to be no end to the waiting, Bahar turns her camera on her Alevi Kurdish family and examines the consequences of being uprooted. Ina Borrmann
Credits:
DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deutschen Untertiteln Regie: Bahar Bektaş. Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin Schnitt: Arash Asadi
Trailer:
Exile never ends | offizieller deutscher Trailer
Ivo arbeitet als ambulante Palliativpflegerin. Täglich fährt sie zu Familien, Eheleuten und Alleinstehenden. In kleine Wohnungen und in große Häuser. In immer verschiedenes Leben und Sterben. In immer verschiedenen Umgang mit der Zeit, die bleibt. Zu Hause hat sich ihre pubertierende Tochter längst selbstständig gemacht. Von früh bis spät ist Ivo in ihrem alten Skoda unterwegs, den sie zu ihrem persönlichen Lebensraum gemacht hat. Hier nimmt sie ihre Mahlzeiten zu sich, arbeitet, singt, flucht und träumt sie. Eine ihrer Patientinnen, Solveigh, ist zu einer engen Freundin geworden. Auch zu Solveighs Mann Franz hat Ivo eine Beziehung geknüpft. Tag für Tag arbeiten sie bei der Pflege von Solveigh zusammen. Und sie schlafen miteinander. Solveighs Kräfte schwinden, bald ist sie bei den einfachsten Verrichtungen auf Unterstützung angewiesen. Die letzte Entscheidung will sie alleine treffen. Ivo soll ihr beim Sterben helfen. „Trobisch spinnt die fiktive, nah am Halbdokumentarischen erzählte Geschichte, in der Schauspieler:innen und echtes Fachpersonal auf organische Weise interagieren, mit eher lockerem Faden. Vieles bleibt angedeutet, nichts drängt nach dramaturgischer Zuspitzung. Auch die Affäre mit Franz muss nicht verkompliziert werden. Sie wird vielmehr als eine selbstverständliche und für beide stärkende Verbindung gezeigt, die in einem ganz bestimmten Zeitfenster existiert, in dem das Sterben der Freundin und Ehefrau immer auch mit anwesend ist. Ivo ist ein großzügiger und offener Film. Er besteht nicht auf Antworten und Thesen, sondern stellt vielmehr unterschiedliche Beobachtungen, Fragen und Empfindungen, die mit dem Sterben zu tun haben, nebeneinander: Pragmatismus und innerer Aufruhr, das Banale und das Erschütternde, Bewegung und Stillstand. Anders als Jessica Krummacher in Zum Tod meiner Mutter (2022) sucht Eva Trobisch nicht nach Abstraktion und Reduktion, sondern nach Fülle und Gleichzeitigkeit. Gleichwohl ist ihr Realismus nicht auf das bloße Abbilden äußerer Handlungen beschränkt, sondern impressionistisch aufgebrochen und von Ivos Empfindungen und Blicken durchdrungen. Die mit einem 16mm-Objektiv aufgenommenen Bilder sind lichtdurchflutet und haptisch; von den körperlichen Verfallsprozessen wirken sie gänzlich unberührt. Das Wissen um die Endlichkeit von Leben wirkt wie ein Wahrnehmungsverstärker.“ Esther Buss | Filmdienst
Credits:
DE 2024, 104 Min., deutsche OmeU Regie: Eva Trobisch Kamera: Adrian Campean Schnitt: Laura Lauzemis mit Minna Wündrich, Pia Hierzegger, Lukas Turtur
Ivo works as a palliative home-care nurse. Every day, she visits families, couples and single people. They live in small flats and large houses. They all have different lives and deaths. They all have different ways of dealing with the time that remains. At home, Ivo’s teenage daughter has long since become independent. From morning to night, Ivo drives around in her old Skoda which she has made into her personal living space. Here, she eats her meals, works, sings, swears and dreams. One of her patients, Solveigh, has become a close friend. Ivo has also formed a relationship with Solveigh’s husband, Franz. Day after day, the two work together to care for Solveigh. And they sleep with each other. Solveigh’s strength is diminishing and she soon has to rely on support for the simplest tasks. She wants the final decision to be her own: she wants Ivo to help her die.
Credits:
DE 2024, 104 Min., deutsche OmeU Regie: Eva Trobisch Kamera: Adrian Campean Schnitt: Laura Lauzemis mit Minna Wündrich, Pia Hierzegger, Lukas Turtur
Wir verwenden Cookies, um unsere Website und unseren Service zu optimieren.
Funktionale Cookies
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.