Satelliten melden eine Atomrakete, die sich Richtung USA bewegt. Der Countdown bis zum möglichen Einschlag in Chicago tickt; fiebrige Geschäftigkeit bricht bei den für die Verteidigung verantwortlichen Institutionen und Personen aus. Das Prozedere ist eingeübt, trotzdem werden die Experten nervös, als der erste Versuch, die Rakete abzuschießen, misslingt. Und bald stellt sich die Frage nach einem präventiven Gegenschlag. Der Film verfolgt an der Seite mehrerer Protagonisten, von Soldaten auf einer Basis der National Missile Defense bis hoch zum US-Präsidenten, in zeitlichen Schleifen die verzweifelten Aktivitäten bis zum Ablaufen des Countdowns. Dabei rundet sich der atemlos spannende Thriller zur eindringlichen Mahnung, wie schnell aus gegenseitiger nuklearer Abschreckung ein potenziell vernichtender Atomkonflikt werden könnte und dass Aufrüstung als Mittel, Sicherheit und Frieden zu gewährleisten, ein zweischneidiges Schwert ist. (Filmdienst)
Credits:
US 2025, 112 Min., Englisch OmU Regie: Kathryn Bigelow Kamera: Barry Ackroyd Schnitt: Kirk Baxter mit: Idris Elba, Rebecca Ferguson, Gabriel Basso, Jason Clarke, Greta Lee, Jared Harris, Tracy Letts, Anthony Ramos, Moses Ingram und Jonah Hauer-King
Satelliten melden eine Atomrakete, die sich Richtung USA bewegt. Der Countdown bis zum möglichen Einschlag in Chicago tickt; fiebrige Geschäftigkeit bricht bei den für die Verteidigung verantwortlichen Institutionen und Personen aus. Das Prozedere ist eingeübt, trotzdem werden die Experten nervös, als der erste Versuch, die Rakete abzuschießen, misslingt. Und bald stellt sich die Frage nach einem präventiven Gegenschlag. Der Film verfolgt an der Seite mehrerer Protagonisten, von Soldaten auf einer Basis der National Missile Defense bis hoch zum US-Präsidenten, in zeitlichen Schleifen die verzweifelten Aktivitäten bis zum Ablaufen des Countdowns. Dabei rundet sich der atemlos spannende Thriller zur eindringlichen Mahnung, wie schnell aus gegenseitiger nuklearer Abschreckung ein potenziell vernichtender Atomkonflikt werden könnte und dass Aufrüstung als Mittel, Sicherheit und Frieden zu gewährleisten, ein zweischneidiges Schwert ist. (Filmdienst)
Credits:
US 2025, 112 Min., Englisch OmU Regie: Kathryn Bigelow Kamera: Barry Ackroyd Schnitt: Kirk Baxter mit: Idris Elba, Rebecca Ferguson, Gabriel Basso, Jason Clarke, Greta Lee, Jared Harris, Tracy Letts, Anthony Ramos, Moses Ingram und Jonah Hauer-King
Als die Protagonistin mit einem Bekannten, den sie von früher kennt, in der Bar eines Kinos sitzt, prangt links ein Plakat von Kuhle Wampe (1932) und rechts eines von Europa ’51 (1952). Dazwischen verschluckt sich der Bekannte am Rotwein, vielleicht weil er unablässig Zen-Weisheiten zum Besten gibt. Brecht wird nicht nur einmal erwähnt und Rossellinis Film spiegelt sich nicht nur im Titel von Kontinental ‘25, sondern liefert mit dem Neorealismus auch den filmischen Modus, in dessen Tradition der Regisseur Radu Jude seinen Film sieht. Jude arbeitet sich in seinen sarkastischen Tragikomödien durch Geschichte und Gesellschaft Rumäniens. Aferim! behandelte das Schicksal der versklavten Roma im 19ten Jahrhundert, Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehendie Beteiligung am Holocaust. Bad luck banging or loony porn kam als Gesellschaftssatire daher und gewann den Goldenen Bären. Damals in der Maskenzeit. Selbstverständlich trugen auch im Film alle Masken (über den Masken). So verblüffend einfach und genau ins schwärzeste Schwarz treffen nur rumänische Filme und deshalb lohnt sich der Gang durch den Saurierwald von Cluj, der zweitgrößten, aufstrebenden Metropole Rumäniens: Transsilvaniens finest. Denn so beginnt Kontinental ‘25, ein Flaschensammler flucht sich suchend durchs Vergnügungsgelände, verliert seinen Unterschlupf und verzweifelt kurzerhand am Schicksal. Die zuständige Gerichtsvollzieherin fühlt sich schuldig und fängt ihre Suche nach Sinnhaftig- keit in den zerklüfteten Gebilden der Stadt aus Prachtbauten der Zeit der Doppelmonarchie, Plattenbauten der Sowjetzeit und Glas/Alu Klötze kapitalistischer Prägung an. Silbernen Bär 2025 für das beste Drehbuch.
„First life takes time, then time takes life. Now the next move’s up to me“ David Berman
“Das Thema ist ernst, sicher, doch das hält ihn (Radu Jude) nicht davon ab seinen bösen Witz einzustreuen, ironische Brechungen, Absicherungen und Provokationen zu etablieren. Man muss mittlerweile nicht mehr erwähnen, wie gut das gelingt, wie zielsicher Jude zwischen galligem Humor und weltlichen Problemen chargiert, Klassenfragen, Banalitäten, philosophische Diskurse und absurde Profatäten zusammenbringt. Das funktioniert auch hier wieder ganz großartig, es ist ein himmelschreiend komischer Film geworden, immer kurz vorm Zynismus, diesen aber nur hervor-blitzen lassend, ohne ihm je wirklich zu verfallen.“ Benedikt Guntentaler, Artechock
Mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr wird bestraft, wer sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) vornimmt oder an sich von dem Kind vornehmen lässt.“ Dieser Paragraph wird für Karla zum Schutzschild, nachdem sie mehrmals erfolglos bei der Polizei vorgesprochen hat. Diesmal lässt sie sich nicht fortschicken, sie kennt ihr Recht: „Ich bin Karla Ebel. Ich bin zwölf Jahre alt und ich möchte Anzeige erstatten.“ Sie hat es geschafft, zu einem Richter vorzudringen. Der ist zunächst skeptisch. Es ist 1962, und den Fall einer 12-jährigen zu verhandeln, die ihren Vater des wiederholten sexuellen Missbrauchs anzeigt, ist so aussichtslos wie karriereschädlich, denn die Welt ist noch in Ordnung, und in guten Familien passiert „sowas“ nicht. Aber Karla bleibt beharrlich. „Konsequent bleibt der Film ganz nah bei seiner Protagonistin, ihren Gefühlen, ihrem Gesicht. Es ist das Gesicht von Elise Krieps in ihrer ersten Rolle – eine Entdeckung, ein Glücksfall! Mit großer Präsenz verkörpert sie die stille Kraft der traumatisierten Karla zwischen hilflosem Schweigen und ihrem unbändigen Wunsch nach Gerechtigkeit und einem Leben ohne Übergriffe. … Kann man einen Film über sexuellen Missbrauch machen, ohne die Tat in Worten zu schildern oder in Bildern zu zeigen? Regisseurin Christina Tournatzés gelingt es, in ihrem Spielfilmdebüt jegliche Form von Voyeurismus zu vermeiden. Zarte Andeutungen, visualisierte Erinnerungsfetzen, blitzschnelle Flashbacks, doch nie wird die junge Protagonistin als Opfer gezeigt. Nie verliert sie ihre Würde. Schon das allein macht Karla so besonders.“ Sabine Schultz | kino-zeit
Credits:
DE 2025, 104 Min., deutsche Originalfassung mit englischen Untertiteln Regie: Christina Tournatzés Kamera: Florian Emmerich Schnitt: Isabel Meier mit: Elise Krieps, Rainer Bock, Imogen Kogge, Torben Liebrecht, Katharina Schüttler
Der singapurische Drehbuchautor und Regisseur und derzeitige DAAD-Stipendiat Yeo Siew Hua (1985) hat neben seinem dritten Langfilm STRANGEREYES (2024) einen weiteren Film des zeitgenössischen Kinos aus Asien ausgewählt: POETRY (2010) von Lee Chang-dong. Beide Filme warten mit bekannten Schauspielerinnen in großartigen Performances auf: Lee Kang-sheng, der Star aus den Filmen von Tsai Ming-liang in STRANGEREYES und die legendäre Yun Jung-hee, die für ihre Rolle in POETRY aus dem Ruhestand zurückgekehrt ist. Die Präsentation von Stipendiat*innen des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, die traditionell seit Jahrzehnten im Kino Arsenal stattfinden, werden im Rahmen von Arsenal on Location im fsk Kino am Oranienplatz weitergeführt.
„I’m watching you“ – ein T‑Shirt-Aufdruck zu Beginn – ist Teil des Programms von Stranger Eyes, der die (auch dem Kino inhärenten) Dynamiken des Sehens und Gesehenwerdens in vielfältiger Weise reflektiert. Nachdem die zweijährige Tochter eines jungen Paars auf dem Spielplatz spurlos verschwunden ist, verzweifeln die Eltern ob der erfolglosen Suche. Als sie anonym DVDs erhalten, die vor und nach dem Verschwinden des Kindes heimlich gefilmte private Szenen zeigen, installiert die Polizei eine Überwachungskamera vor ihrer Wohnung. Bald gerät ihr Nachbar Wu (Lee Kang-sheng) unter Verdacht. Stranger Eyes verhandelt Voyeurismus, mediale Selbstinszenierung, Überwachungskultur und die Allgegenwart von Kameras im digitalen Zeitalter in Form eines Thrillers, der mehrfach die Erzählperspektive wechselt und zu einer Studie über urbane Isolation wird. (bik)
Dieses Programm ist Teil der vom Hauptstadtkulturfonds geförderten Veranstaltungsreihe Arsenal on Location:
Satelliten melden eine Atomrakete, die sich Richtung USA bewegt. Der Countdown bis zum möglichen Einschlag in Chicago tickt; fiebrige Geschäftigkeit bricht bei den für die Verteidigung verantwortlichen Institutionen und Personen aus. Das Prozedere ist eingeübt, trotzdem werden die Experten nervös, als der erste Versuch, die Rakete abzuschießen, misslingt. Und bald stellt sich die Frage nach einem präventiven Gegenschlag. Der Film verfolgt an der Seite mehrerer Protagonisten, von Soldaten auf einer Basis der National Missile Defense bis hoch zum US-Präsidenten, in zeitlichen Schleifen die verzweifelten Aktivitäten bis zum Ablaufen des Countdowns. Dabei rundet sich der atemlos spannende Thriller zur eindringlichen Mahnung, wie schnell aus gegenseitiger nuklearer Abschreckung ein potenziell vernichtender Atomkonflikt werden könnte und dass Aufrüstung als Mittel, Sicherheit und Frieden zu gewährleisten, ein zweischneidiges Schwert ist. (Filmdienst)
Credits:
US 2025, 112 Min., Englisch OmU Regie: Kathryn Bigelow Kamera: Barry Ackroyd Schnitt: Kirk Baxter mit: Idris Elba, Rebecca Ferguson, Gabriel Basso, Jason Clarke, Greta Lee, Jared Harris, Tracy Letts, Anthony Ramos, Moses Ingram und Jonah Hauer-King
Als die Protagonistin mit einem Bekannten, den sie von früher kennt, in der Bar eines Kinos sitzt, prangt links ein Plakat von Kuhle Wampe (1932) und rechts eines von Europa ’51 (1952). Dazwischen verschluckt sich der Bekannte am Rotwein, vielleicht weil er unablässig Zen-Weisheiten zum Besten gibt. Brecht wird nicht nur einmal erwähnt und Rossellinis Film spiegelt sich nicht nur im Titel von Kontinental ‘25, sondern liefert mit dem Neorealismus auch den filmischen Modus, in dessen Tradition der Regisseur Radu Jude seinen Film sieht. Jude arbeitet sich in seinen sarkastischen Tragikomödien durch Geschichte und Gesellschaft Rumäniens. Aferim! behandelte das Schicksal der versklavten Roma im 19ten Jahrhundert, Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehendie Beteiligung am Holocaust. Bad luck banging or loony porn kam als Gesellschaftssatire daher und gewann den Goldenen Bären. Damals in der Maskenzeit. Selbstverständlich trugen auch im Film alle Masken (über den Masken). So verblüffend einfach und genau ins schwärzeste Schwarz treffen nur rumänische Filme und deshalb lohnt sich der Gang durch den Saurierwald von Cluj, der zweitgrößten, aufstrebenden Metropole Rumäniens: Transsilvaniens finest. Denn so beginnt Kontinental ‘25, ein Flaschensammler flucht sich suchend durchs Vergnügungsgelände, verliert seinen Unterschlupf und verzweifelt kurzerhand am Schicksal. Die zuständige Gerichtsvollzieherin fühlt sich schuldig und fängt ihre Suche nach Sinnhaftig- keit in den zerklüfteten Gebilden der Stadt aus Prachtbauten der Zeit der Doppelmonarchie, Plattenbauten der Sowjetzeit und Glas/Alu Klötze kapitalistischer Prägung an. Silbernen Bär 2025 für das beste Drehbuch.
„First life takes time, then time takes life. Now the next move’s up to me“ David Berman
“Das Thema ist ernst, sicher, doch das hält ihn (Radu Jude) nicht davon ab seinen bösen Witz einzustreuen, ironische Brechungen, Absicherungen und Provokationen zu etablieren. Man muss mittlerweile nicht mehr erwähnen, wie gut das gelingt, wie zielsicher Jude zwischen galligem Humor und weltlichen Problemen chargiert, Klassenfragen, Banalitäten, philosophische Diskurse und absurde Profatäten zusammenbringt. Das funktioniert auch hier wieder ganz großartig, es ist ein himmelschreiend komischer Film geworden, immer kurz vorm Zynismus, diesen aber nur hervor-blitzen lassend, ohne ihm je wirklich zu verfallen.“ Benedikt Guntentaler, Artechock
Mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr wird bestraft, wer sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) vornimmt oder an sich von dem Kind vornehmen lässt.“ Dieser Paragraph wird für Karla zum Schutzschild, nachdem sie mehrmals erfolglos bei der Polizei vorgesprochen hat. Diesmal lässt sie sich nicht fortschicken, sie kennt ihr Recht: „Ich bin Karla Ebel. Ich bin zwölf Jahre alt und ich möchte Anzeige erstatten.“ Sie hat es geschafft, zu einem Richter vorzudringen. Der ist zunächst skeptisch. Es ist 1962, und den Fall einer 12-jährigen zu verhandeln, die ihren Vater des wiederholten sexuellen Missbrauchs anzeigt, ist so aussichtslos wie karriereschädlich, denn die Welt ist noch in Ordnung, und in guten Familien passiert „sowas“ nicht. Aber Karla bleibt beharrlich. „Konsequent bleibt der Film ganz nah bei seiner Protagonistin, ihren Gefühlen, ihrem Gesicht. Es ist das Gesicht von Elise Krieps in ihrer ersten Rolle – eine Entdeckung, ein Glücksfall! Mit großer Präsenz verkörpert sie die stille Kraft der traumatisierten Karla zwischen hilflosem Schweigen und ihrem unbändigen Wunsch nach Gerechtigkeit und einem Leben ohne Übergriffe. … Kann man einen Film über sexuellen Missbrauch machen, ohne die Tat in Worten zu schildern oder in Bildern zu zeigen? Regisseurin Christina Tournatzés gelingt es, in ihrem Spielfilmdebüt jegliche Form von Voyeurismus zu vermeiden. Zarte Andeutungen, visualisierte Erinnerungsfetzen, blitzschnelle Flashbacks, doch nie wird die junge Protagonistin als Opfer gezeigt. Nie verliert sie ihre Würde. Schon das allein macht Karla so besonders.“ Sabine Schultz | kino-zeit
Credits:
DE 2025, 104 Min., deutsche Originalfassung mit englischen Untertiteln Regie: Christina Tournatzés Kamera: Florian Emmerich Schnitt: Isabel Meier mit: Elise Krieps, Rainer Bock, Imogen Kogge, Torben Liebrecht, Katharina Schüttler
Der singapurische Drehbuchautor und Regisseur und derzeitige DAAD-Stipendiat Yeo Siew Hua (1985) hat neben seinem dritten Langfilm STRANGEREYES (2024) einen weiteren Film des zeitgenössischen Kinos aus Asien ausgewählt: POETRY (2010) von Lee Chang-dong. Beide Filme warten mit bekannten Schauspielerinnen in großartigen Performances auf: Lee Kang-sheng, der Star aus den Filmen von Tsai Ming-liang in STRANGEREYES und die legendäre Yun Jung-hee, die für ihre Rolle in POETRY aus dem Ruhestand zurückgekehrt ist. Die Präsentation von Stipendiat*innen des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, die traditionell seit Jahrzehnten im Kino Arsenal stattfinden, werden im Rahmen von Arsenal on Location im fsk Kino am Oranienplatz weitergeführt.
Poetry / Shi Mi 15.10., 20 Uhr, Einführung (in englischer Sprache): Yeo Siew Hua SHI (Poetry) • Lee Chang-dong • South Korea 2010 • DCP • OmeU 139′
Die Bedeutung des Sehens, des Blicks auf die Welt, steht im Zentrum von POETRY. Die 66-jährige Witwe Mi-ja (Yun Jung-hee) arbeitet als Pflegekraft und zieht ihren Teenager-Enkel groß. Nach einer Alzheimer-Diagnose meldet sie sich in einem Poesie-Kurs an – sie möchte ein Gedicht schreiben, bevor ihr die Worte abhandenkommen. „Um Gedichte zu schreiben, muss man gut sehen können. Das Wichtigste im Leben ist das Sehen“ sagt der Dozent. Doch ihre Suche nach Schönheit und Inspiration wird jäh unterbrochen von der Grausamkeit und Gleichgültigkeit einer ignoranten Gesellschaft: Ihr Enkel ist in den Tod einer Klassenkameradin verstrickt – was Mi-ja in ein moralisches Dilemma stürzt. Es ist ihr Schmerz, der sie schließlich sehen und schreiben lässt. (bik)
Dieses Programm ist Teil der vom Hauptstadtkulturfonds geförderten Veranstaltungsreihe Arsenal on Location:
Satelliten melden eine Atomrakete, die sich Richtung USA bewegt. Der Countdown bis zum möglichen Einschlag in Chicago tickt; fiebrige Geschäftigkeit bricht bei den für die Verteidigung verantwortlichen Institutionen und Personen aus. Das Prozedere ist eingeübt, trotzdem werden die Experten nervös, als der erste Versuch, die Rakete abzuschießen, misslingt. Und bald stellt sich die Frage nach einem präventiven Gegenschlag. Der Film verfolgt an der Seite mehrerer Protagonisten, von Soldaten auf einer Basis der National Missile Defense bis hoch zum US-Präsidenten, in zeitlichen Schleifen die verzweifelten Aktivitäten bis zum Ablaufen des Countdowns. Dabei rundet sich der atemlos spannende Thriller zur eindringlichen Mahnung, wie schnell aus gegenseitiger nuklearer Abschreckung ein potenziell vernichtender Atomkonflikt werden könnte und dass Aufrüstung als Mittel, Sicherheit und Frieden zu gewährleisten, ein zweischneidiges Schwert ist. (Filmdienst)
Credits:
US 2025, 112 Min., Englisch OmU Regie: Kathryn Bigelow Kamera: Barry Ackroyd Schnitt: Kirk Baxter mit: Idris Elba, Rebecca Ferguson, Gabriel Basso, Jason Clarke, Greta Lee, Jared Harris, Tracy Letts, Anthony Ramos, Moses Ingram und Jonah Hauer-King
Arjun Talwar kam vor vielen Jahren nach Polen. Er arbeitet in Warschau und hat Polnisch gelernt. Die kleine Straße, in der er lebt, kennt er wie seine Westentasche – sie ist ein Mikrokosmos, der die polnische Gesellschaft im 21. Jahrhundert spiegelt. Was auch bedeutet: Talwar ist zwar Teil dieses Mikrokosmos, fühlt sich aber immer noch als Fremder. Freund*innen ausländischer Herkunft teilen seine Erfahrungen – sie können in der multikulturell gewordenen Touristen-Stadt Warschau zwar arbeiten, einkaufen und ihre Freizeit verbringen, werden aber das Gefühl nicht los, dauerhaft im Abseits zu stehen. Talwar nimmt für seinen Film-Essay die Kamera in die Hand und beginnt, im raschen Wechsel zwischen Orten, Szenen und Jahreszeiten diesen Mikrokosmos zu erforschen. Dabei entdeckt er Menschen, Orte und Phänomene, die er bisher übersehen hatte. Er erzählt von Freunden, die an ihrer missglückten Integration gescheitert sind, und findet Menschen, die sein Schicksal teilen. Abwechselnd beobachtet er seine unmittelbare Umgebung und sich selbst. Dabei stellt er im Off-Kommentar immer wieder die Frage: Muss ich mich ändern oder muss die polnische Gesellschaft sich ändern, damit Zugezogene selbstverständlch Teil der Gemeinschaft werden können? [Rainer Mende]
„Seit über dreizehn Jahren lebt Arjun Talwar in der Ulica Wilcza in Warschau. In BRIEFEAUSDERWILCZA macht er diese Straße zu einem sozialen und emotionalen Resonanzraum. Mit ruhiger Kamera und persönlichem Voice-Over führt Talwar Gespräche mit Nachbarinnen, Händlerinnen, Freundinnen, Straßenmusikerinnen. Es entstehen beiläufige, oft intime Dialoge über Kindheit, Politik, Trauer, Heimat und Identität – darüber, was Zugehörigkeit ausmacht und was sie erschwert. Verwoben mit diesen Straßenszenen ist Talwars eigene Geschichte: die Entscheidung, gemeinsam mit seinem besten Freund Adi nach Polen zu ziehen, seine Faszination für die polnische Kultur und die unterschiedlichen Wege, die ihre Leben schließlich nahmen. Mit feinem Humor und präzisem Blick versammelt der Dokumentarfilm Stimmen, Körper und Sprachen in ihrer Nähe und Unterschiedlichkeit. Am Ende bleibt eine leise, offene Frage: „Wie viele Jahre muss jemand an einem Ort leben, um von dort zu sein?” Vision Kino
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