No Ghosts On Good Street

filmPOLSKA 2026

Auch in die­sem Jahr lädt das größ­te Festival des pol­ni­schen Films außer­halb Polens dazu ein, die Vielfalt des pol­ni­schen Kinos zu ent­de­cken – mit aktu­el­len Spiel‑, Dokumentar- und Kurzfilmen, Filmgesprächen mit inter­na­tio­na­len Gästen, span­nen­den Sonderprogrammen sowie zahl­rei­chen Begegnungen rund um den pol­ni­schen Film. Im fsk zei­gen wir die Wettbewerbsfilme und 2 Specials:

Silver

PL/FI/NO 2025, 78 min, OmdU R/B: Natalia Koniarz / K: Stanisław Cuske / S:
Yael Bitton / M: Yngve Leidulv Sætre, Marcin Lenarczyk

Unmengen von Silber sind im Laufe von fünf Jahrhunderten aus dem Berg Cerro Rico geholt wor­den. Der boli­via­ni­schen Stadt Potosí an sei­nem Fuß bescher­te er gro­ßen Reichtum, aber auch unzäh­li­ge Opfer. Heute gleicht der aus­ge­wei­de­te Berg einem zer­lö­cher­ten Käse, nur noch weni­ge Todesmutige – oder Verzweifelte – wagen sich in die brü­chi­gen Stollen. Sie haben weder moder­ne Technik noch Versicherungsschutz oder ein Gesundheitssystem. Die Polizei hat sich zurück­ge­zo­gen, die Gegend ist gefähr­lich und kri­mi­nell, das Wasser ver­seucht. Viele der Bergleute sind min­der­jäh­rig, kaum jemand erlebt sei­nen 40. Geburtstag.
In ihrer für ein Debüt ent­waff­nend rei­fen Milieustudie schickt uns Natalia Koniarz mit­ten hin­ein in die­se lebens­feind­li­che Umgebung, in der sich vie­les von dem spie­gelt, was in der Weltwirtschaft schief­läuft. Sie nimmt uns mit in klaus­tro­pho­bi­sche Schächte, wo stän­dig das Dynamit kracht, in not­dürf­tig zusam­men­ge­zim­mer­te Hütten ohne Strom, ins Bordell und aufAbraumhalden, die zu Spielplätzen wer­den. Im Fokus ste­hen dabei Kinder, die in die­se Bedingungen hin­ein­ge­bo­ren wur­den und schon bei ihrer Geburt eigent­lich kei­ne Zukunft hat­ten. Wir tau­meln ohne Chronologie und räum­li­che Orientierung durch die bedroh­li­che Szenerie und ahnen, dass auch wir Schuld dar­an tra­gen. [Rainer Mende]

10.09. / 20:00 / fsk Kino / zu Gast: Natalia Koniarz
[Tickets]

Miasto, któ­re wyjechało / The Town That Drove Away 

PL 2025, 70 min, OmdU , R/B/K: Natalia Pietsch, Grzegorz Piekarski / S: Alan Zejer, Michał Buczek / M: Jozef van Wissem, Ali Ayhan

Die uralte Stadt Hasankeyf am Tigris in der schrof­fen Berglandschaft Nordkurdistans beher­bergt eine alte Festung. Auch ihre Höhlen sind von hohem kul­tur­his­to­ri­schen Wert. Aber immer wie­der erschüt­tert lau­tes Krachen den Ort – nicht von Schüssen, son­dern von Sprengungen. Die tür­ki­sche Regierung hat beschlos­sen, einen rie­si­gen Staudamm zu errich­ten, der lang­sam die Stadt über­flu­ten wird.
Allmählich erlischt das Leben, Stück für Stück wer­den Bauwerke abge­tra­gen und die Bewohnerinnen eva­ku­iert. Ein paar Kilometer ent­fernt war­tet eine nagel­neue Stadt auf sie – durch­ge­plant und effi­zi­ent, aber geschichts- und see­len­los. Dorthin sol­len auch der Friseur Burak mit sei­nem gehör­lo­sen Vater und die jun­ge Rengin zie­hen, die von einem Studium weit weg träumt. Sie gehö­ren zu den letz­ten, die noch in Hasankeyf aus­har­ren, wäh­rend neben­an die Bagger die his­to­ri­sche Bausubstanz zer­le­gen. Die Regisseurinnen prä­sen­tie­ren kein poli­ti­sches Pamphlet über die vor­sätz­li­che Zerstörung von Natur und Kultur, son­dern ein fein­füh­li­ges Porträt von Menschen, deren ver­trau­te Umgebung ein­fach ver­schwin­det. Mit sta­ti­scher Kamera und dezent ein­ge­setz­ter Musik sam­meln sie wie bei­läu­fig klei­ne Details, die gemein­sam eine gro­ße Geschichte erzäh­len. [Rainer Mende]

11.09. / 20:00 / fsk Kino / zu Gast: Natalia Pietsch & Grzegorz Piekarski
[Tickets]

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Powiedz mi, co czu­jesz / Tell Me What You Feel

PL 2026, 102 min, OmeU R: Łukasz Ronduda / B: Łukasz Ronduda, Agata K. Koschmieder / K: Weronika Bilska / S: Agata Cierniak D: Jan Sałasiński, Izabella Dudziak, Anita Poddębniak, Adam Szyszkowski, Aleksandra Justa, Andrzej Konopka u. a.

Patryk kommt vom Dorf, wo sei­ne bet­tel­ar­men Eltern sich auf einem her­un­ter­ge­kom­me­nen Bauernhof mit Schrottverkauf über Wasser hal­ten. Aber er will nicht Bauer wer­den – er quar­tiert sich in Warschau in einem bil­li­gen Zimmer ein, trägt knall­bun­te Second-Hand-Klamotten und ver­sucht, als Künstler Fuß zu fas­sen.
Eines Tages gerät er in eine Performance-Ausstellung, wo Maria den Besucherinnen Tränen abkauft und die­se aus­stellt. Sie stammt aus einem rei­chen Großstadt Elternhaus – doch bei einem Rollenspiel zeigt sich, dass Maria eben­so wie der trä­nen­lo­se Patryk schwer von Traumata belas­tet ist. In man­cher Hinsicht sind sie Seelenverwandte. Ihre Beziehung ent­wi­ckelt sich zu einer Berg-und-Tal-Bahn, die auf sozia­ler, ero­ti­scher, emo­tio­na­ler und künst­le­ri­scher Ebene zu einer Zerreißprobe wird. Erneut gelingt Łukasz Ronduda das Meisterstück, künst­le­ri­sche Fragestellungen und rea­le Kunstwerke schlüs­sig in eine Filmhandlung ein­zu­bet­ten, so dass weder der Diskurs zu ver­kopft noch die Kunst bana­li­siert wird. Nachdem er in „Heart of Love” (2017) bereits ein Künstlerpaar por­trä­tier­te, bringt er nun in eine Beziehungsgeschichte noch den Aspekt des Klassismus ein. Dabei greift er erneut auf rea­le Vorbilder zurück – Patryks Vorbild ist der Künstler Patryk Różycki, für die Figur der Maria war die bil­den­de Künstlerin Karolina Balcer Patin. [Rainer Mende] 

12.09. / 15:00 / fsk Kino / zu Gast: Andrzej Konopka
[Tickets]

Capo / Permit

PL 2025, 90 min, OmdU, R: Robert Kwilman / B: Robert Kwilman, Malwina Górecka, Kirk Kjeldsen / K: Kasper Lorek / S: Ming-Wei Chiang D: Daniel Felipe, Jimenez Vaquez, Ivan Sharan, Josiana Costales, Justa Beatriz Blanco Rojas, Alejandra, Herrera, Victor Venecia Fuentes, Gerson Isai Lam Lopez, Sebastian Stankiewicz, Michał Balicki u. a.

Eine Gruppe von Frauen und Männern aus Lateinamerika wird mit einem klei­nen Bus irgend­wo in die pol­ni­sche Provinz gefah­ren. Dort hält man ihnen Verträge unter die Nase, deren Sprache sie nicht ver­ste­hen und in denen die zu Hause ver­spro­che­nen 3.500 Dollar plötz­lich zu 3.500 Złoty gewor­den sind. Schlimmer noch: Sie müs­sen ihre Reisepässeabgeben und statt in einem Hotel zu arbei­ten, ver­pflich­ten sie sich mit die­sen Verträgen zur mono­to­nen, auf­rei­ben­den Arbeit in einer Fleischerei. Für das schä­bi­ge Wohnheim wird ihnen zusätz­lich Geld abge­knöpft, Arbeitsschutz ist ein Fremdwort. Was als Aufenthalt zum Geldverdienen geplant war, fühlt sich bald an wie ein Gefängnis mit Zwangsarbeit.
Robert Kwilman erweckt das Sozialkino à la Ken Loach wie­der zum Leben und setzt des­sen Mittel gekonnt ein. Im Stil eines Dokumentarfilms, mit wacke­li­ger Handkamera, ohne Musik oder künst­li­ches Licht lässt er uns so nah wie mög­lich an die tra­gi­schen Helden des Films her­an­rü­cken, die sich bald die Frage stel­len: Sollen sie die him­mel­schrei­en­de Ungerechtigkeit still ertra­gen, rebel­lie­ren oder flie­hen? Ohne Beschönigungen zeigt Kwilman ein Polen, das vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland gewor­den ist, mit all sei­nen Schattenseiten. [Rainer Mende]

12.09. / 20:00 / fsk Kino / zu Gast: Robert Kwilman
[Tickets]

Dziecko z pyłu / Child of Dust / Kinder des Staubs

PL/VN/CH/CZ/QA 2025, 93 min, OmdU, R/B: Weronika Mliczewska / K: Mikael Lypinski / S: Marcin Sucharski, Mateusz Romaszkan / M: Joaquin Garcia

Sang ist ein „Staubkind” – er hat eine viet­na­me­si­sche Mutter und einen US-ame­ri­ka­ni­schen Vater, der nach Ende des Vietnamkriegs das Land ver­ließ und seit­dem ver­schwun­den ist. Als vater­lo­ses Kind gemisch­ter eth­ni­scher Abstammung fühl­te sich der Slum-Bewohner und Analphabet Zeit sei­nes Lebens aus­ge­grenzt und leb­te stets in pre­kä­ren Verhältnissen. Aber er hat den Kampf um ein wür­de­vol­les Leben nicht auf­ge­ge­ben – sei es durch die Gründung einer Familie, sei es durch die Suche nach sei­nem Vater. Und selbst im Dokumentarfilm gesche­hen manch­mal Wunder: Ein Gentest führt Sang zu sei­nem Vater, des­sen Kinder in den USA bis­her nichts von ihrem Bruder in Vietnam wuss­ten. Über alle Kultur- und Sprachgrenzen hin­weg tre­ten sie in Kontakt und haben bald ein gemein­sa­mes Projekt: Sang in die Vereinigten Staaten zu holen, damit er sei­ner zwei­ten Familie nahe sein und irgend­wann Frau und Tochter nach­ho­len kann. Weronika Mliczewska hat mit ihrem ers­ten Film in Kinolänge selbst ein klei­nes Wunder voll­bracht. Erstaunlich nah kommt sie ihren Protagonistinnen und doku­men­tiert mit der Kamera eine Mischung aus Drama, Krimi und Familientragödie, die vor außer­ge­wöhn­li­chen Szenen und über­ra­schen­den Wendungen nur so strotzt. Dabei the­ma­ti­siert sie in atem­lo­sem Tempo Fragen nach Heimat, sozia­lem Gefüge, Schuld, Verantwortung und Buße. [Rainer Mende]

13.09. / 15:00 / fsk Kino / zu Gast: Weronika Mliczewska
[Tickets]

Dom Dobry / Home Sweet Home

PL 2025, 107 min, OmdU R/B: Wojciech, Smarzowski / K: Paweł Tybora / S: Krzysztof Komander / M: Mikołaj Trzaska, D: Agata, Turkot, Tomasz Schuchardt, Agata Kulesza, Maria Sobocińska, Łukasz Gawroński, Arkadiusz Jakubik, Magdalena Smalara, Julia Kijowska, Andrzej Konopka u. a.
Die nicht mehr blut­jun­ge Gośka hält es kaum noch bei ihrer bies­ti­gen Mutter aus, die selbst zu Weihnachten nicht auf­hö­ren kann, zu sau­fen und an ihrer Tochter her­um­zu­nör­geln. Zum Glück taucht der kul­ti­vier­te Grzesiek auf, der mit bei­den Beinen fest im Leben steht. Als es zu Hause wie­der kracht, packt Gośka kurz­ent­schlos­sen ihre Koffer und zieht bei ihm ein.
Schlagartig scheint sich alles zum Guten zu wen­den – sie berei­sen gemein­sam die Welt, auf den Heiratsantrag in Venedig fol­gen die Hochzeit und die Geburt einer Tochter. Doch die häus­li­che Idylle ent­wi­ckelt sich suk­zes­si­ve zum Albtraum. Denn in den eige­nen vier Wänden wird Grzesiek zum Tyrannen, der vor psy­chi­scher und phy­si­scher Gewalt nicht zurück­schreckt.
Smarzowski schafft es auch mit sei­nem neun­ten Kinofilm wie­der auf beein­dru­cken­de Weise, Kritikerlob und Preise ein­zu­sam­meln, gleich­zei­tig die Kinokassen klin­geln zu las­sen und auch noch eine gesell­schaft­li­che Debatte anzu­sto­ßen. Dabei erweist er sich gemein­sam mit Krzysztof Komander wie­der als Meister am Schneidetisch und bewäl­tigt – auch dank der Leistungen von Agata Turkot und Tomasz Schuchardt als Gośka und Grzesiek – den Spagat zwi­schen all­ge­mein zugäng­li­chem Drama und anspruchs­vol­lem Autorenfilm. [Rainer Mende]

13.09. / 20:00 / fsk Kino / zu Gast: Wojciech Smarzowski
[Tickets]

Królestwo / Kingdom / Königreich 

PL 2025, 112 min, OmdU, R/B: Michał Ciechomski / K: Paweł Grabarek / S: Agnieszka Białek-Zaborowska / M: Lubomir Grzelak D: BartoszMikulak, Julian Świeżewski, Jacek Poniedziałek, Aleksander Kaleta, Dawid Piejko, Mateusz Łasowski, Michał Włodarczyk u. a.

Das Polen der Gegenwart ist Kriegsgebiet. Warschaus Wolkenkratzer sind durch­lö­chert, die Straßen vol­ler Leichen und zer­schos­se­ner Autos, die Regierung ist abge­taucht und die Zivilbevölkerung ver­sucht aus dem Land zu flie­hen, wäh­rend die „Neobarbaren” wei­ter angrei­fen.
Nachdem auch er sei­ne Arbeit ver­liert, will Dawid sich eigent­lich mit sei­nen Eltern ins
Ausland schleu­sen las­sen. Dann aber folgt er sei­nem Bruder zu den „Schwarzen Spinnen” – einer dubio­sen, straff hier­ar­chisch orga­ni­sier­ten Gruppe mar­tia­lisch auf­tre­ten­der Skinheads, die sub­til homo­ero­ti­sche Züge trägt. Sie schei­nen die letz­ten zu sein, die sich den Invasoren noch ent­ge­gen­stel­len und sich mit klei­nen mili­tä­ri­schen Aktionen auf die letz­te Schlacht vor­be­rei­ten.
Michał Ciechomskis Langfilm-Debüt ist Filmkunst pur. In sei­ner vir­tu­os aus­ge­form­ten Dystopie ist kei­ne Plansequenz gewöhn­lich, jede von Paweł Grabareks Kameraeinstellungen trägt eine ori­gi­nel­le Idee in sich. Auch die expe­ri­men­tel­le Soundregie von Jacek Hamela folgt kon­se­quent einem krea­ti­ven Prinzip. Diese Kriegsvision ist kein hel­den­haf­tes Actionkino, son­dern eine audio­vi­su­el­le Herausforderung, wel­che das Zerfallen einer Ordnung nahe­zu kör­per­lich erfahr­bar macht. [Rainer Mende]

14.09. / 20:00 / fsk Kino / zu Gast: Michał Ciechomski
[Tickets]

LARP. Miłość, trol­le i inne ques­ty / LARP

PL 2025, 90 min, OmdU, R: Kordian Kądziela / B: Kordian Kądziela, Michał Wawrzecki / K: Cezary Stolecki / S: Magdalena Chowańska / M: Jan Sanejko D: Filip Zaręba, Martyna Byczkowska, Hubert Łapacz, Mikołaj Chilimończyk, Maciej Bisiorek, Agnieszka Rajda, Andrzej Konopka, Edyta Olszówka, Michał Balicki, Bartłomiej Topa u. a.

Die nie­der­schle­si­sche Provinz ist für Heranwachsende nicht unbe­dingt reich an Attraktionen. Aber ihre Waldgebiete sind die per­fek­te Kulisse für aus­ufern­de Live-Rollenspiele. Es ist sicher kein Zufall, dass ihr Idol, der gefei­er­te Fantasy-Autor Lacroix, aus­ge­rech­net aus ihrem Kaff kommt.
Die schwers­ten Schlachten muss der puber­tie­ren­de, schlak­si­ge und wenig selbst­si­che­re Sergiusz aber im Alltag schla­gen. Vom Sohn des Dorfkrösus wird er pau­sen­los drang­sa­liert, sein allein­er­zie­hen­der Vater wür­de ihn ger­ne zum Leistungssportler hoch­züch­ten und die schö­ne Helena, die auf ein­mal in der Schule auf­taucht, sucht sich die fal­schen Freunde.
Kordian Kądzielas von der Kritik gefei­er­ter Publikumserfolg hat alles, was ein klas­si­scher Coming-of-Age-Film braucht – sozia­le Konflikte, eine Liebesgeschichte und eine ordent­li­che Dosis jugend­li­chen Übermuts. Was ihn beson­ders macht, ist neben etli­chen ori­gi­nel­len visu­el­len Einfällen (u. a. einem inkon­se­quen­ten Neunzigerjahre-Setting) und diver­sen augen­zwin­kern­den Seitenhieben auf die LARP- und Fantasy-Szene ein gran­dio­s­auf­spie­len­der Andrzej Konopka, der für sei­ne Rolle als über­for­der­ter Vater und Provinz-Polizist mehr­fach aus­ge­zeich­net wur­de. [Rainer Mende]

15.09. / 20:00 / fsk Kino
[Tickets]

Nie ma duchów w mieszka­niu na Dobrej / No Ghosts On Good Street / Es gibt kei­ne
Geister in der Wohnung in der Guten Straße

PL 2025, 90 min, OmdU, R: Emi Buchwald / B: Emi Buchwald, Karol Marczak / K: Tomasz Gajewski / S: Anna Łuka / M: Katarzyna Gawlik, Jerzy Rogiewicz D: Bartłomiej Deklewa, Izabella Dudziak, Tymoteusz Rożynek, Karolina Rzepa, Piotr Napierała, Daria Muszyńska, Andrzej Kłak, Gabriela Arak, Aleksander Janiszewski, Krzysztof Drozdowski u. a.

Langsam wan­dert die Kamera durch möblier­te Räume, man hört Geräusche aus einer weit zurück­lie­gen­den Vergangenheit, die Altbau-Wohnung scheint leer zu ste­hen. Doch da sitzt jemand auf dem Fensterbrett – es ist ein Nachtmahr, eine mythi­sche Figur, die sich den Menschen nachts auf die Brust setzt und ihnen die Luft abdrückt.
Die Anwesenheit die­ses Nachtmahrs spü­ren die vier grund­ver­schie­de­nen Geschwister
deut­lich. Ihnen gehört die­se Wohnung, obwohl nur einer von ihnen noch dort lebt. Aber nicht Phantasiefiguren sind es, die ihnen die Luft abdrü­cken, son­dern ganz kon­kre­te Sorgen, die jun­ge Menschen auf der Suche nach einem Platz im Leben in einer Großstadt wie Warschau umtrei­ben – toxi­sche Beziehungen, Panikattacken, Bindungsangst. Mit erfri­schen­der Beiläufigkeit und für ein Debüt erstaun­li­cher dra­ma­tur­gi­scher Reife hält Emi Buchwald ihren Finger an den Puls einer Generation, in der jeder mit sei­nen eige­nen Dämonen kämpft. Womöglich ist die­ser Kampf nur auf eine Weise zu gewin­nen – in der Gruppe, oder bes­ser noch: als Familie. Die Alltagsnähe, die sich auch in der für die Gen Z typi­schen Sprache mani­fes­tiert, die Mischung aus Tragik und Komik sowie eine dezent ein­ge­setz­te Dosis Metaphysik wir­ken in den Augen deut­scher Zuschauer*innen wie eine gelun­ge­ne Mischung aus „Der Nachtmahr” von AKIZ und „3 Zimmer/Küche/Bad” von Dietrich Brüggemann. [Rainer Mende]

16.09. / 20:00 / fsk Kino / zu Gast: Emi Buchwald
[Tickets]