Kommunion

Ein Film von Anna Zame­cka. Ab 4.Mai im Kino.

Ola ist ein ganz nor­ma­les Mäd­chen mit einer Sehn­sucht nach sta­bi­len Ver­hält­nis­sen. Doch die klei­ne Welt, die sie mit aller Kraft bewah­ren will, bleibt ein Kar­ten­haus. Mit 14 ist sie bereits in die Rol­le der abwe­sen­den Mut­ter geschlüpft, erzieht ihren autis­ti­schen Bru­der Niko­dem und tele­fo­niert ihrem Vater hin­ter­her, damit er nicht in der Knei­pe ver­sackt. Zu dritt leben sie auf engs­tem Raum zwi­schen uralten Mus­ter­ta­pe­ten. Wenn die Wasch­ma­schine schleu­dert, müs­sen die labi­len Möbel­stü­cke fest­ge­hal­ten wer­den. Trotz­dem hofft Ola wei­ter auf die Rück­kehr der wirk­li­chen Mut­ter.
Dreh- und Angel­punkt ist Niko­dems bevor­ste­hen­de Kom­mu­ni­on. Hier in der pol­ni­schen Pro­vinz bleibt der Reli­gi­ons­un­ter­richt einer der letz­ten Fix­punk­te, auch wenn er offen­kun­dig an den Pro­ble­men vor­bei­geht. Wenn Ola ihren Bru­der für die­sen Tag trimmt, ihm die schwär­zes­ten Sze­na­ri­en im Fall sei­nes Ver­sa­gens aus­malt (denn die Sün­de lau­ert über­all), ent­fal­tet sich vor der Kame­ra das inten­si­ve und emo­ti­ons­rei­che Ver­hält­nis zwi­schen zwei auf sich gestell­ten Jugend­li­chen. Dazu gehö­ren Olas Wut­aus­brü­che und die kur­zen Momen­te des Glücks, die sie erlebt, eben­so wie Niko­dems fast anar­chi­sches Fehl­ver­hal­ten und sei­ne sel­ten abbre­chen­den Satz­fet­zen, die wie höhe­re Weis­hei­ten klin­gen. Der Rea­li­tät, die kaum Raum zum Atmen lässt, ein­ge­fan­gen mit beklem­men­der Unmit­tel­bar­keit, set­zen die Teen­ager all ihre Lebens­kraft ent­ge­gen.  Kata­log­text Dok Leip­zig | Lars Mey­er

Young Eyes Film Award | Dok Leip­zig 2016

OT: Komu­n­ia
Polen 2016, 72 Min., pol­ni­sche OmU
Regie & Buch: Anna Zame­cka
Pro­duk­ti­on: Anna Wydra, Anna Zame­cka, Zuz­an­na Król, Han­ka Kas­te­li­co­va, Iza­bela Łopuch
Kame­ra: Małgorz­a­ta Szyłak
Schnitt: Agnies­zka Glińs­ka, Anna Zame­cka, Wojcie­ch Janas