Johatsu - Die sich in Luft auflösen

Johatsu – Die sich in Luft auflösen

Ein Film von Andreas Hartmann, Arata Mori. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Night Moving Company - was kann man sich dar­un­ter vor­stel­len? Jedes jahr wer­den in Japan ca. 80.000 Menschen als ver­misst gemel­det. Viele tau­chen wie­der auf, aber Tausende blei­ben ver­schwun­den. Sie wer­den „Johatsu“ genannt, die „ver­duns­ten, sich in Luft auf­lö­sen“. Ihre Gründe kön­nen eine gewalt­tä­ti­ge Umgebung, Verwicklung in kri­mi­nel­le Machenschaften oder Scham wegen ver­meint­li­chem Versagen sein. Nicht weni­ge davon davon haben sicher die Dienste einer „Night Moving Company“ in Anspruch genom­men, die bei der Flucht, der neu­en Identität, dem neu­en Ort, viel­leicht auch beim Job hilft und mora­li­sche Unterstützung gibt. Saita ist die Chefin eines sol­chen – weit­ge­hend legal agie­ren­den – Unternehmens. Sie gibt Auskunft über ihre Aufgabe, und der Film geht den Schicksalen eini­ger ihrer Kund:innen nach. Eine Mutter wie­der­um lässt seit Jahren ihren ver­schwun­de­nen Sohn suchen, und der beauf­trag­te Detektiv berich­tet auch von den Schwierigkeiten sei­ner Arbeit.
„Die bei­den Dokumentarfilmer, Andreas Hartmann und Arata Mori, kom­men die­sen Menschen durch behut­sa­me Fragen und gedul­di­ge, aber inti­me Kameraarbeit (Andreas Hart­mann) sehr nahe. Und durch die­se Nähe erfährt der Zuschauer eben auch haut­nah, wel­che Verletzungen Menschen davon­tra­gen, die sich den Prinzipien einer Gesellschaft unterwer­fen, in der das Scheitern als unaus­lösch­li­che Schande begrif­fen wird. … Der Film stimmt nach­denk­lich, er wirkt beun­ru­hi­gend. Die japa­ni­sche Gesellschaft, die der Film zeigt, ist unse­ren euro­päi­schen Lebensmodellen mitt­ler­wei­le zu nahe­ge­kom­men, als dass man die­sen kommerziali­sierten Identitätsverlust als exo­tisch abtun könn­te.“ Gabi Sikorski | programmkino.de

Credits:

DE/JP 2024, 86 Min., japan. OmU
Regie: Andreas Hartmann, Arata Mori

Kamera: Andreas Hartmann
Schnitt: Kai Eiermann (BFS)

Trailer:
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Kategorie: Vorstellung

  • Johatsu – Die sich in Luft auflösen

    Johatsu – Die sich in Luft auflösen

    Ein Film von Andreas Hartmann, Arata Mori. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Night Moving Company - was kann man sich dar­un­ter vor­stel­len? Jedes jahr wer­den in Japan ca. 80.000 Menschen als ver­misst gemel­det. Viele tau­chen wie­der auf, aber Tausende blei­ben ver­schwun­den. Sie wer­den „Johatsu“ genannt, die „ver­duns­ten, sich in Luft auf­lö­sen“. Ihre Gründe kön­nen eine gewalt­tä­ti­ge Umgebung, Verwicklung in kri­mi­nel­le Machenschaften oder Scham wegen ver­meint­li­chem Versagen sein. Nicht weni­ge davon davon haben sicher die Dienste einer „Night Moving Company“ in Anspruch genom­men, die bei der Flucht, der neu­en Identität, dem neu­en Ort, viel­leicht auch beim Job hilft und mora­li­sche Unterstützung gibt. Saita ist die Chefin eines sol­chen – weit­ge­hend legal agie­ren­den – Unternehmens. Sie gibt Auskunft über ihre Aufgabe, und der Film geht den Schicksalen eini­ger ihrer Kund:innen nach. Eine Mutter wie­der­um lässt seit Jahren ihren ver­schwun­de­nen Sohn suchen, und der beauf­trag­te Detektiv berich­tet auch von den Schwierigkeiten sei­ner Arbeit.
    „Die bei­den Dokumentarfilmer, Andreas Hartmann und Arata Mori, kom­men die­sen Menschen durch behut­sa­me Fragen und gedul­di­ge, aber inti­me Kameraarbeit (Andreas Hart­mann) sehr nahe. Und durch die­se Nähe erfährt der Zuschauer eben auch haut­nah, wel­che Verletzungen Menschen davon­tra­gen, die sich den Prinzipien einer Gesellschaft unterwer­fen, in der das Scheitern als unaus­lösch­li­che Schande begrif­fen wird. … Der Film stimmt nach­denk­lich, er wirkt beun­ru­hi­gend. Die japa­ni­sche Gesellschaft, die der Film zeigt, ist unse­ren euro­päi­schen Lebensmodellen mitt­ler­wei­le zu nahe­ge­kom­men, als dass man die­sen kommerziali­sierten Identitätsverlust als exo­tisch abtun könn­te.“ Gabi Sikorski | programmkino.de

    Credits:

    DE/JP 2024, 86 Min., japan. OmU
    Regie: Andreas Hartmann, Arata Mori

    Kamera: Andreas Hartmann
    Schnitt: Kai Eiermann (BFS)

    Trailer:
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  • Motel Destino

    Motel Destino

    Ein Film von Karim Aïnouz.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In grel­len Neonfarben strahlt das abge­le­gen an der nord­bra­si­lia­ni­schen Küste gele­ge­ne Stundenhotel Motel Destino unter der gren­zen­lo­sen Weite des leuch­tend blau­en Himmels. Hier stran­det der jun­ge Heraldo nach einem miss­glück­ten Raubüberfall, auf der Flucht vor der Polizei und sei­nen eige­nen Komplizen. Der undurch­sich­ti­ge Betreiber Elias und sei­ne Frau Dayana stel­len nicht viel Fragen: Für Elias kommt Heraldo als bil­li­ge, ganz ans Motel gefes­sel­te Arbeitskraft gele­gen, und Dayana, zuneh­mend frus­triert von der Enge ihres Lebens, ist fas­zi­niert von dem selt­sam nai­ven jun­gen Mann. Ein gefähr­li­ches Spiel beginnt, ein Tanz der Macht, des Begehrens, der Loyalitäten, der Liebe, ein Kräftemessen, in dem der Wunsch nach Freiheit immer drän­gen­der wird.

    Motel Destino“ ist ein Tropical Noir vol­ler Licht, Farben und Körper, Sehnsucht, Gewalt, Begehren und Zärtlichkeit, mit den groß­ar­ti­gen Igor Xavier, Nataly Rocha und Fabio Assunção in den Hauptrollen, wun­der­bar gefilmt von Kamerafrau Hélène Louvart und mon­tiert von Nelly Quettier. Alles, was hier pas­siert, drückt sich in und durch die Körper aus, die Gewalt in einer nach den Jahren der Bolsonaro-Regierung zer­rüt­te­ten Gesellschaft, die Sehnsucht nach einem eige­nen Leben, das Begehren und Aufbegehren einer Jugend, die ver­zwei­felt ver­sucht, das Schicksal in die eige­nen Hände zu nehmen.

    Obwohl Brasilien ein katho­li­sches Land ist, leben die Menschen ihre Sexualität dort rela­tiv frei aus. Und die ein­zi­ge Möglichkeit für mich, eine glaub­wür­di­ge Verbindung zwi­schen Dayana und Heraldo her­zu­stel­len, war durch die Begegnung zwei­er Körper, die ver­schmel­zen und eins wer­den. Die Fragen, die ich mir gestellt habe, waren: Wenn ich den Sex zei­ge, war­um? Was will ich damit sagen? Es kommt dabei in ers­ter Linie immer auf die Körperstellungen an, auf die Intensität, auf den Rhythmus, auf die Begegnung ihrer Blicke. Denn es ist nicht nur eine Sexszene, sie hat eine Bedeutung und die muss man nach­voll­zie­hen kön­nen. Bei Dayana und Heraldo kommt noch dazu, dass ihre Beziehung nicht auf Liebe basiert, son­dern auf Leidenschaft. Und die­se Art von Leidenschaft ist der ers­te Funke einer jeden Revolution.“ Karim Aïnouz

    Credits:

    BR/DE/FR 2024, 115 Min., por­tu­gie­si­sche OmU
    Regie: Karim Aïnouz
    Kamera: Hélène Louvart
    Schnitt: Nelly Quettier
    mit: Fábio Assunção, Nataly Rocha, Iago Xavier

    Trailer:
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  • Rather Be Ashes Than Dust

    Rather Be Ashes Than Dust

    [Tickets]

    What are the chal­lenges jour­na­lists face when cove­ring incre­asing­ly chal­len­ging glo­bal cri­sis of war, civil dis­o­be­dience, fami­ne and hun­ger? Witnessing acts of govern­ment crack­down and inju­s­ti­ce, should they remain objec­ti­ve? What are their choices when the govern­ment turns against them? 

    Rather be Ashes than Dust” is a first per­son docu­men­ta­ry chro­nicling a journalist-filmmaker’s strugg­le with his con­sci­ence while wit­nessing inten­se poli­ce bru­ta­li­ty against pro­tes­ters during the 2019 move­ment in Hong Kong. In 2020, a year into the pro­test move­ment, China impo­sed the National Security Law on Hong Kong, taking away its judi­cial inde­pen­dence and the many free­doms pro­mi­sed by the Joint Declaration, inclu­ding the free­dom of expres­si­on. Many jour­na­lists had to deci­de: do I shut up, go to pri­son, or lea­ve? Using the Hong Kong pro­test move­ment in 2019 as a back­drop, this film will fol­low a video journalist’s four-years jour­ney to find the ans­wers to the­se questions.

    Regisseur: Alan Lau
    Länder: Kanada, Hongkong, Vereinigtes Königreich
    Jahr: 2023
    Länge: 114 Minuten
    Sprachen: Kantonesisch & Englisch,Untertitel auf Englisch / Cantonese & English with English sub­tit­les
    Verleih/Distributer: Ratherbeashesthandust Limited
    Genre: Documentation
    Ticketpreis: 10€

    Doc Edge Festival 2024: Rather Be Ashes Than Dust Trailer
  • Element of Crime in Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin

    Element of Crime in Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin

    Ein Film von Charly Hübner.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Charly Hübner hat einen Film über ELEMENT OF CRIME gedreht.
    Dieser Film erzählt die Geschichte und Gegenwart von ELEMENT OF CRIME, es geht um Musik, Freundschaft, eine Haltung zur Welt und über das Geheimnis, wie man über 30 Jahre zusam­men Musik macht. Er folgt der Band auf einer klei­nen Tour durch Berlin, die eigens zu die­sem Zweck orga­ni­siert wur­de und die vom klei­nen Privatclub über SO36, Lido, Admiralspalast zu größ­ten Konzert im OpenAir der Zitadelle Spandau führ­te, immer mit aus­ge­such­tem Support.
    Es ist ein Heimatfilm, dabei auch etwas nost­al­gisch. Es gibt viel 80er/90er und SO 36, nicht mehr exis­tie­ren­de Punkte in Schöneberg, Cafe Swing, Risiko, Kob und berich­tet aus der Zeit, als es nicht cool war, eine Band aus Berlin zu sein, son­dern nur noch Klischee. Wie man die NDW über­leb­te, wie die unter­schied­li­chen Richtungen und Schwerpunkte der ein­zel­nen Bandmitglieder zusam­men­ka­men. Was wich­tig war, ein biss­chen Eingemachtes, wie Musik gemacht und wie gelebt wur­de, und wie sowas heut­zu­ta­ge nur noch als Phrase exis­tiert.
    Für alle, die dabei waren, hät­ten dabei sein, oder ein­fach nur mal schau­en und hören wol­len. Bemerkenswerterweise wer­den die Tracks fast durch­weg – eine Seltenheit in Filmen mit Thema Musik – aus­ge­spielt!
    „Ein Film über uns und dann auch noch auf Tournee, das hat etwas von Tierfilm und wir dann die Tiere, da muss man auf einen guten Regisseur hof­fen und das ist Charly Hübner. Wir wuss­ten, er liebt die Band, wir ver­trau­ten ihm und wir hat­ten Recht damit. Der Film ist toll, ganz anders, als erwar­tet, und das sind immer die bes­ten Filme.“
    Sven Regener

    Credits:


    DE 2024, 93 Min.,
    Regie: Charly Hübner

    Kamera: Casey Campbell
    Schnitt: Christoph Brunner
    mit: Sven Regener, Jakob Ilja, Richard Pappik und Maike Rosa Vogel, Florian
    Horwarth, Isolation Berlin, Von wegen Lisbeth, Steiner & Madlaina, Ansa
    Sauermann

    Trailer:
    ELEMENT OF CRIME in ‚Wenn es dun­kel und kalt wird in Berlin‘ | TRAILER – Jetzt für zuhause
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  • Frau aus Freiheit

    Frau aus Freiheit

    Ein Film von Małgorzata Szumowska & Michał Englert. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Polen in den frü­hen 1980ern. Während das Land dem Kommunismus all­mäh­lich den Rücken kehrt und sich zu einem demo­kra­ti­schen Staat wan­delt, sucht Aniela Wesoły in einer Kleinstadt ihre Freiheit als Frau. Schon wäh­rend ihrer Kindheit und Jugend beginnt sie, sich anders zu füh­len. Ihre Umgebung reagiert mit Unverständnis und Verdrängung. Doch weder die Widerstände in ihrer Familie noch staat­li­che Repressionen kön­nen sie davon abhal­ten, end­lich die Person zu wer­den, die sie schon immer war.

    Vor dem Hintergrund der jün­ge­ren his­to­ri­schen Entwicklungen in Polen erzählt „Frau aus Freiheit“ von der Selbstermächtigung einer Frau über 50 Jahre. Der neue Filme von Małgorzata Szumowska und Michał Englert („33 Szenen aus dem Leben“, „Im Namen des…“, „Body“) ist ein bewe­gend gespiel­tes Figurenporträt von epi­scher Wucht, das sich nicht vor gesell­schaft­li­chen Themen scheut, die auch im Polen von heu­te noch höchs­te Brisanz haben. Der Film wur­de im Wettbewerb von Venedig gefei­ert und glaubt, ganz im Geiste des gro­ßen Regisseurs Andrzej Wajda dar­an, dass Kino die Kraft der Veränderung in sich trägt!

    Credits:

    Kobieta Z…
    PL/SE 2023, 132 Min., poln. OmU
    Regie: Małgorzata Szumowska & Michał Englert

    Kamera: Michał Englert
    Schnitt: Jarosław Kamiński
    mit: Małgorzata Hajewska, Joanna Kulig, Mateusz Więcławek, Bogumiła Bajor

    Trailer:
    Frau aus Freiheit – OmU – Trailer
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  • No Other Land

    No Other Land

    Ein Film von Basel Adra, Hamdan Ballal, Yuval Abraham, Rachel Szor.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Basel Adra, ein jun­ger paläs­ti­nen­si­scher Aktivist aus Masafer Yatta im Westjordanland, kämpft seit sei­ner Kindheit gegen die Vertreibung sei­ner Gemeinschaft durch die israe­li­sche Besatzung. Er doku­men­tiert die schritt­wei­se Auslöschung der Dörfer sei­ner Heimatregion, wo Soldatinnen im Auftrag der israe­li­schen Regierung nach und nach Häuser abrei­ßen und ihre Bewohnerinnen ver­trei­ben. Irgendwann begeg­net er Yuval, einem israe­li­schen Journalisten, der ihn in sei­nen Bemühungen unter­stützt. Eine unwahr­schein­li­che Allianz ent­steht. Die Beziehung der bei­den wird durch die enor­me Ungleichheit zwi­schen ihnen zusätz­lich belas­tet: Basel lebt unter mili­tä­ri­scher Besatzung, Yuval frei und ohne Einschränkungen. Der Film eines paläs­ti­nen­sisch-israe­li­schen Kollektivs vie­rer jun­ger Aktivist*innen ent­stand als Akt des krea­ti­ven Widerstands auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit.
    Berlinale Dokumentarfilmpreis 2024

    Credits:

    PS/NO 2024, 95 Min., Arabisch, Hebräisch, Englisch OmU
    Regie & Schnitt: Basel Adra, Hamdan Ballal, Yuval Abraham, Rachel Szor

    Kamera: Rachel Szor 

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  • The room next door

    The room next door

    Ein Film von Pedro Almodóvar.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In Pedro Almodóvars ers­tem eng­lisch­spra­chi­gen Spielfilm spie­len Tilda Swinton und Julianne Moore die eins­ti­gen Freundinnen Ingrid und Martha. Als sie sich wie­der­be­geg­nen, ist Martha unheil­bar an Krebs erkrankt und hat einen letz­ten Wunsch.

    THE ROOM NEXT DOOR, der eben mit dem Goldenen Löwen in Venedig aus­ge­zeich­net wur­de, ist Pedro Almodóvars ers­ter eng­lisch­spra­chi­ger Film. Tilda Swinton und Julianne Moore spie­len zwei Freundinnen, die ein­an­der einst sehr nahe waren, und die auch ein gemein­sa­mer Ex-Lover ver­bin­det, aber die schon lan­ge den Kontakt ver­lo­ren haben. Bei einer Lesung in New York erfährt Ingrid (Moore), die inzwi­schen erfolg­rei­che Schriftstellerin ist, dass Martha (Swinton), die ihr Geld als Kriegsberichterstatterin ver­dient hat, schwer an Krebs erkrankt ist. Sie besucht Martha im Krankenhaus und wird fast durch Zufall, weil sie gera­de da ist, und auch weil sie nicht nein sagen kann, zur Verbündeten von Marthas letz­ten Lebenstagen. Denn Martha wünscht sich einen selbst­be­stimm­ten Tod, den sie wie ein raf­fi­nier­tes Verbrechen bis ins Detail geplant hat, und sie wünscht sich einen Menschen, der dann in ihrer Nähe ist.

    Dass die Art, wie Martha Ingrid in ihre Pläne ein­bin­det, an emo­tio­na­le Erpressung grenzt, gehört eben­so zu den Ecken und Kanten der Erzählung wie die Tatsache, dass Ingrid Martha nicht erzählt, dass sie noch Kontakt zu besag­tem Ex-Lover hat. THE ROOM NEXT DOOR nach dem Roman „What Are You Going Through?“ von Sigrid Nunez ist so etwas wie Almodóvars far­ben­fro­he Fantasie von einem mög­lichst guten Tod im Angesicht von Krankheit und Verfall, und deren Versatzstücke unter­schei­den sich von den übli­chen fil­mi­schen Angeboten, die meist von Versöhnung mit den Liebsten, Befreiung von Schuld oder scho­nungs­lo­ser Ehrlichkeit träu­men. Mehrfach krei­sen die Gespräche um Kunst, die auch noch Bestand hat, wenn alles ande­re in Desinteresse ver­sinkt – immer wie­der wird „The Dead“ von Joyce zitiert -, die Farbgestaltung schwelgt in geschmack­vol­len Kontrasten, und das zen­tra­le Thema ist wie so oft bei Almodóvar die radi­kal selbst­be­stimm­te Gestaltung des eige­nen Lebens.

    THE ROOM NEXT DOOR erin­nert an Almodóvars LEID UND HERRLICHKEIT in der Art, wie die ein­zel­nen Figuren und Gespräche eher Vehikel für Überlegungen des Regisseurs zu sein schei­nen als psy­cho­lo­gisch glaub­haf­te Personen. Besonders fällt das bei Julianne Moore auf, die man sonst für ihre nuan­cen­rei­che, natu­ra­lis­ti­sche Darstellung kennt. Zu Almodóvars Positionen gehört dabei auch der vehe­men­te Einsatz für eine Legalisierung der Sterbehilfe. Aber auch die Gegenposition for­mu­liert der Film. Einmal sagt Ingrid: „Es geht um das Recht, in Würde zu ster­ben.“ und ihr Gegenüber ent­geg­net lako­nisch: „Mach dir kei­ne Sorgen, wenn das Gesundheitssystem zusam­men­bricht, wer­den wir das alle.“

    Hendrike Bake | indiekino

    Credits:

    DE 2023, 90 Min., engl. OmU
    Regie: Pedro Almodóvar
    Kamera: Eduard Grau
    Schnitt: Teresa Font
    mit: Tilda Swinton, Julianne Moore, John Turturro, Alessandro Nivola, Juan Diego Botto 

    Trailer:
    THE ROOM NEXT DOOR | Teaser Trailer (2024)
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  • Motel Destino

    Motel Destino

    Ein Film von Karim Aïnouz.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In grel­len Neonfarben strahlt das abge­le­gen an der nord­bra­si­lia­ni­schen Küste gele­ge­ne Stundenhotel Motel Destino unter der gren­zen­lo­sen Weite des leuch­tend blau­en Himmels. Hier stran­det der jun­ge Heraldo nach einem miss­glück­ten Raubüberfall, auf der Flucht vor der Polizei und sei­nen eige­nen Komplizen. Der undurch­sich­ti­ge Betreiber Elias und sei­ne Frau Dayana stel­len nicht viel Fragen: Für Elias kommt Heraldo als bil­li­ge, ganz ans Motel gefes­sel­te Arbeitskraft gele­gen, und Dayana, zuneh­mend frus­triert von der Enge ihres Lebens, ist fas­zi­niert von dem selt­sam nai­ven jun­gen Mann. Ein gefähr­li­ches Spiel beginnt, ein Tanz der Macht, des Begehrens, der Loyalitäten, der Liebe, ein Kräftemessen, in dem der Wunsch nach Freiheit immer drän­gen­der wird.

    Motel Destino“ ist ein Tropical Noir vol­ler Licht, Farben und Körper, Sehnsucht, Gewalt, Begehren und Zärtlichkeit, mit den groß­ar­ti­gen Igor Xavier, Nataly Rocha und Fabio Assunção in den Hauptrollen, wun­der­bar gefilmt von Kamerafrau Hélène Louvart und mon­tiert von Nelly Quettier. Alles, was hier pas­siert, drückt sich in und durch die Körper aus, die Gewalt in einer nach den Jahren der Bolsonaro-Regierung zer­rüt­te­ten Gesellschaft, die Sehnsucht nach einem eige­nen Leben, das Begehren und Aufbegehren einer Jugend, die ver­zwei­felt ver­sucht, das Schicksal in die eige­nen Hände zu nehmen.

    Obwohl Brasilien ein katho­li­sches Land ist, leben die Menschen ihre Sexualität dort rela­tiv frei aus. Und die ein­zi­ge Möglichkeit für mich, eine glaub­wür­di­ge Verbindung zwi­schen Dayana und Heraldo her­zu­stel­len, war durch die Begegnung zwei­er Körper, die ver­schmel­zen und eins wer­den. Die Fragen, die ich mir gestellt habe, waren: Wenn ich den Sex zei­ge, war­um? Was will ich damit sagen? Es kommt dabei in ers­ter Linie immer auf die Körperstellungen an, auf die Intensität, auf den Rhythmus, auf die Begegnung ihrer Blicke. Denn es ist nicht nur eine Sexszene, sie hat eine Bedeutung und die muss man nach­voll­zie­hen kön­nen. Bei Dayana und Heraldo kommt noch dazu, dass ihre Beziehung nicht auf Liebe basiert, son­dern auf Leidenschaft. Und die­se Art von Leidenschaft ist der ers­te Funke einer jeden Revolution.“ Karim Aïnouz

    Credits:

    BR/DE/FR 2024, 115 Min., por­tu­gie­si­sche OmU
    Regie: Karim Aïnouz
    Kamera: Hélène Louvart
    Schnitt: Nelly Quettier
    mit: Fábio Assunção, Nataly Rocha, Iago Xavier

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  • Johatsu – Die sich in Luft auflösen

    Johatsu – Die sich in Luft auflösen

    Ein Film von Andreas Hartmann, Arata Mori.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Night Moving Company - was kann man sich dar­un­ter vor­stel­len? Jedes jahr wer­den in Japan ca. 80.000 Menschen als ver­misst gemel­det. Viele tau­chen wie­der auf, aber Tausende blei­ben ver­schwun­den. Sie wer­den „Johatsu“ genannt, die „ver­duns­ten, sich in Luft auf­lö­sen“. Ihre Gründe kön­nen eine gewalt­tä­ti­ge Umgebung, Verwicklung in kri­mi­nel­le Machenschaften oder Scham wegen ver­meint­li­chem Versagen sein. Nicht weni­ge davon davon haben sicher die Dienste einer „Night Moving Company“ in Anspruch genom­men, die bei der Flucht, der neu­en Identität, dem neu­en Ort, viel­leicht auch beim Job hilft und mora­li­sche Unterstützung gibt. Saita ist die Chefin eines sol­chen – weit­ge­hend legal agie­ren­den – Unternehmens. Sie gibt Auskunft über ihre Aufgabe, und der Film geht den Schicksalen eini­ger ihrer Kund:innen nach. Eine Mutter wie­der­um lässt seit Jahren ihren ver­schwun­de­nen Sohn suchen, und der beauf­trag­te Detektiv berich­tet auch von den Schwierigkeiten sei­ner Arbeit.
    „Die bei­den Dokumentarfilmer, Andreas Hartmann und Arata Mori, kom­men die­sen Menschen durch behut­sa­me Fragen und gedul­di­ge, aber inti­me Kameraarbeit (Andreas Hart­mann) sehr nahe. Und durch die­se Nähe erfährt der Zuschauer eben auch haut­nah, wel­che Verletzungen Menschen davon­tra­gen, die sich den Prinzipien einer Gesellschaft unterwer­fen, in der das Scheitern als unaus­lösch­li­che Schande begrif­fen wird. … Der Film stimmt nach­denk­lich, er wirkt beun­ru­hi­gend. Die japa­ni­sche Gesellschaft, die der Film zeigt, ist unse­ren euro­päi­schen Lebensmodellen mitt­ler­wei­le zu nahe­ge­kom­men, als dass man die­sen kommerziali­sierten Identitätsverlust als exo­tisch abtun könn­te.“ Gabi Sikorski | programmkino.de

    Credits:

    DE/JP 2024, 86 Min., japan. OmU
    Regie: Andreas Hartmann, Arata Mori

    Kamera: Andreas Hartmann
    Schnitt: Kai Eiermann (BFS)

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  • The room next door

    The room next door

    Ein Film von Pedro Almodóvar.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In Pedro Almodóvars ers­tem eng­lisch­spra­chi­gen Spielfilm spie­len Tilda Swinton und Julianne Moore die eins­ti­gen Freundinnen Ingrid und Martha. Als sie sich wie­der­be­geg­nen, ist Martha unheil­bar an Krebs erkrankt und hat einen letz­ten Wunsch.

    THE ROOM NEXT DOOR, der eben mit dem Goldenen Löwen in Venedig aus­ge­zeich­net wur­de, ist Pedro Almodóvars ers­ter eng­lisch­spra­chi­ger Film. Tilda Swinton und Julianne Moore spie­len zwei Freundinnen, die ein­an­der einst sehr nahe waren, und die auch ein gemein­sa­mer Ex-Lover ver­bin­det, aber die schon lan­ge den Kontakt ver­lo­ren haben. Bei einer Lesung in New York erfährt Ingrid (Moore), die inzwi­schen erfolg­rei­che Schriftstellerin ist, dass Martha (Swinton), die ihr Geld als Kriegsberichterstatterin ver­dient hat, schwer an Krebs erkrankt ist. Sie besucht Martha im Krankenhaus und wird fast durch Zufall, weil sie gera­de da ist, und auch weil sie nicht nein sagen kann, zur Verbündeten von Marthas letz­ten Lebenstagen. Denn Martha wünscht sich einen selbst­be­stimm­ten Tod, den sie wie ein raf­fi­nier­tes Verbrechen bis ins Detail geplant hat, und sie wünscht sich einen Menschen, der dann in ihrer Nähe ist.

    Dass die Art, wie Martha Ingrid in ihre Pläne ein­bin­det, an emo­tio­na­le Erpressung grenzt, gehört eben­so zu den Ecken und Kanten der Erzählung wie die Tatsache, dass Ingrid Martha nicht erzählt, dass sie noch Kontakt zu besag­tem Ex-Lover hat. THE ROOM NEXT DOOR nach dem Roman „What Are You Going Through?“ von Sigrid Nunez ist so etwas wie Almodóvars far­ben­fro­he Fantasie von einem mög­lichst guten Tod im Angesicht von Krankheit und Verfall, und deren Versatzstücke unter­schei­den sich von den übli­chen fil­mi­schen Angeboten, die meist von Versöhnung mit den Liebsten, Befreiung von Schuld oder scho­nungs­lo­ser Ehrlichkeit träu­men. Mehrfach krei­sen die Gespräche um Kunst, die auch noch Bestand hat, wenn alles ande­re in Desinteresse ver­sinkt – immer wie­der wird „The Dead“ von Joyce zitiert -, die Farbgestaltung schwelgt in geschmack­vol­len Kontrasten, und das zen­tra­le Thema ist wie so oft bei Almodóvar die radi­kal selbst­be­stimm­te Gestaltung des eige­nen Lebens.

    THE ROOM NEXT DOOR erin­nert an Almodóvars LEID UND HERRLICHKEIT in der Art, wie die ein­zel­nen Figuren und Gespräche eher Vehikel für Überlegungen des Regisseurs zu sein schei­nen als psy­cho­lo­gisch glaub­haf­te Personen. Besonders fällt das bei Julianne Moore auf, die man sonst für ihre nuan­cen­rei­che, natu­ra­lis­ti­sche Darstellung kennt. Zu Almodóvars Positionen gehört dabei auch der vehe­men­te Einsatz für eine Legalisierung der Sterbehilfe. Aber auch die Gegenposition for­mu­liert der Film. Einmal sagt Ingrid: „Es geht um das Recht, in Würde zu ster­ben.“ und ihr Gegenüber ent­geg­net lako­nisch: „Mach dir kei­ne Sorgen, wenn das Gesundheitssystem zusam­men­bricht, wer­den wir das alle.“

    Hendrike Bake | indiekino

    Credits:

    DE 2023, 90 Min., engl. OmU
    Regie: Pedro Almodóvar
    Kamera: Eduard Grau
    Schnitt: Teresa Font
    mit: Tilda Swinton, Julianne Moore, John Turturro, Alessandro Nivola, Juan Diego Botto 

    Trailer:
    THE ROOM NEXT DOOR | Teaser Trailer (2024)
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