Ein kleines Stück vom Kuchen

Ein Film von Maryam Moghaddam & Behtash Sanaeeha. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Unter den Fachbesucher*innen galt er schnell als Geheimtip, beim rest­li­chen Berlinale-Publikum wur­de er bald zum Liebling – der ira­ni­sche Wettbewerbsbeitrag My Favourite Cake / Ein klei­nes Stück vom Kuchen. Die berüh­ren­de Geschichte von Annäherung und Zuneigung zwei­er ein­sa­mer Menschen ist zugleich eine des Widerstandes gegen die Vorschriften einer Gesellschaft, die Verletzungen ihrer Sitten- und Moralvorstellungen sehr schnell und sehr hart ahn­det.
Seit ihr Mann vor 30 Jahren starb, lebt Mihan allein in ihrem klei­nen Haus mit Garten in Teheran. Bei den regel­mä­ßi­gen Kaffeekränzchen mit Freundinnen wird ger­ne alles bespro­chen, so wird neben den Berichten von (natür­lich ver­bo­te­nen) amou­rö­sen Abenteuern ger­ne auch mal die DVD der letz­ten Darmspiegelung her­um­ge­reicht. Dabei bekommt sie immer wie­der zu hören, sie sol­le sich doch auch einen neu­en Begleiter suchen – schließ­lich sei sie ja mit ihren 70 Jahren noch fit und attrak­tiv. Schließlich fasst sich Mahin in Herz und geht auf die Suche. Als ihr der eben­falls ver­wit­we­te Taxifahrer Faramarz begeg­net und gefällt, ergreift sie selbst­be­wusst die Initiative und lädt ihn zu sich ein. Die bei­den kom­men ver­ste­hen sich, ver­ab­re­den sich, es gibt Wein, Tanz und natür­lich selbst­ge­ba­cke­nen Kuchen. Aber vor­sich­tig müs­sen sie sein, denn schon erkun­digt sich die Nachbarin nach den unbe­kann­ten Stimmen im Haus.
Weil sie die Menschen rea­li­täts­nah so zei­gen, wie sie sind und was sie tun, und damit Grenzen des Erlaubten ver­let­zen, durf­ten Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha (Ballade von der wei­ßen Kuh, 2021 eben­falls im Berlinale Wettbewerb) nicht nach Berlin rei­sen. So trägt Mihan im Haus kei­nen Hijab und trinkt Wein. Es sei aber an der Zeit, die­se stan­dar­di­sier­ten Vorgaben im ira­ni­schen Kino zu durch­bre­chen, so erklär­te Darstellerin Lily Farhadpour, die als Menschenrechts-Aktivistin bereits Gefängniserfahrung hat, bei der Pressekonferenz. Diese zärt­li­che und (gele­gent­lich schwarz-) humo­ri­ge Liebesgeschichte zeigt schon­mal, wie es geht.

Credits:

Keyke mah­boo­be man / My favou­ri­te cake
IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., far­si OmU
Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha
Kamera: Mohammad Haddadi
Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva
mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi, 

Trailer:
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Kategorie: Vorstellung

  • Ein kleines Stück vom Kuchen

    Ein kleines Stück vom Kuchen

    Ein Film von Maryam Moghaddam & Behtash Sanaeeha. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Unter den Fachbesucher*innen galt er schnell als Geheimtip, beim rest­li­chen Berlinale-Publikum wur­de er bald zum Liebling – der ira­ni­sche Wettbewerbsbeitrag My Favourite Cake / Ein klei­nes Stück vom Kuchen. Die berüh­ren­de Geschichte von Annäherung und Zuneigung zwei­er ein­sa­mer Menschen ist zugleich eine des Widerstandes gegen die Vorschriften einer Gesellschaft, die Verletzungen ihrer Sitten- und Moralvorstellungen sehr schnell und sehr hart ahn­det.
    Seit ihr Mann vor 30 Jahren starb, lebt Mihan allein in ihrem klei­nen Haus mit Garten in Teheran. Bei den regel­mä­ßi­gen Kaffeekränzchen mit Freundinnen wird ger­ne alles bespro­chen, so wird neben den Berichten von (natür­lich ver­bo­te­nen) amou­rö­sen Abenteuern ger­ne auch mal die DVD der letz­ten Darmspiegelung her­um­ge­reicht. Dabei bekommt sie immer wie­der zu hören, sie sol­le sich doch auch einen neu­en Begleiter suchen – schließ­lich sei sie ja mit ihren 70 Jahren noch fit und attrak­tiv. Schließlich fasst sich Mahin in Herz und geht auf die Suche. Als ihr der eben­falls ver­wit­we­te Taxifahrer Faramarz begeg­net und gefällt, ergreift sie selbst­be­wusst die Initiative und lädt ihn zu sich ein. Die bei­den kom­men ver­ste­hen sich, ver­ab­re­den sich, es gibt Wein, Tanz und natür­lich selbst­ge­ba­cke­nen Kuchen. Aber vor­sich­tig müs­sen sie sein, denn schon erkun­digt sich die Nachbarin nach den unbe­kann­ten Stimmen im Haus.
    Weil sie die Menschen rea­li­täts­nah so zei­gen, wie sie sind und was sie tun, und damit Grenzen des Erlaubten ver­let­zen, durf­ten Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha (Ballade von der wei­ßen Kuh, 2021 eben­falls im Berlinale Wettbewerb) nicht nach Berlin rei­sen. So trägt Mihan im Haus kei­nen Hijab und trinkt Wein. Es sei aber an der Zeit, die­se stan­dar­di­sier­ten Vorgaben im ira­ni­schen Kino zu durch­bre­chen, so erklär­te Darstellerin Lily Farhadpour, die als Menschenrechts-Aktivistin bereits Gefängniserfahrung hat, bei der Pressekonferenz. Diese zärt­li­che und (gele­gent­lich schwarz-) humo­ri­ge Liebesgeschichte zeigt schon­mal, wie es geht.

    Credits:

    Keyke mah­boo­be man / My favou­ri­te cake
    IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., far­si OmU
    Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha
    Kamera: Mohammad Haddadi
    Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva
    mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi, 

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  • Verbrannte Erde

    Verbrannte Erde

    Ein Film von Thomas Arslan. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nach Im Schatten (2010, am 27. & 28.7. noch­mal im fsk) kommt end­lich der zwei­te Teil der Trilogie um den Berufskriminellen Trojan, gespielt von Mišel Matičević, ins Kino. Trojan, der aus einer ande­ren Zeit zu stam­men scheint, geht pro­fes­sio­nell und nüch­tern sei­ner Tätigkeit als Spezialist für Einbruchsdiebstahl nach. Wortkarg und ziel­ori­en­tiert ver­sucht er, wie­der auf die Beine zu kom­men, geht zurück nach Berlin, um dort anzu­knüp­fen, wo er vor vier­zehn Jahren abbre­chen muss­te, um sich in Sicherheit zu brin­gen. Schließlich wird ihm ein Job anver­traut, er sucht sich ein Team von eben­bür­ti­gen Spezialisten zusam­men, es geht end­lich wie­der los…Der Kameramann Reinhold Vorschneider kre­iert eine Nachtwelt vol­ler Lichter und Schatten, die die Protagonisten nie preis­gibt. Aber wir glau­ben Trojan zu ken­nen und erkun­den mit ihm das Labyrinth, ahnen den Verrat und wis­sen: dies ist erst der zwei­te Teil der Trilogie und Trojan wird über­le­ben. Oder?

    Was Christoph Hochhäusler schon im Vorjahr auf dem Festival bewie­sen hat­te, mit sei­nem wun­der­bar sinn­li­chen Bis ans Ende der Nacht, setzt sein Berliner-Schule-Kollege Arslan nun fort. Er ent­wirft ein Kino, das sich nicht zwi­schen Genre- und Autorenfilm ent­schei­den muss, zwi­schen Erdung und Veredelung, das sich nicht um sich selbst betrü­gen muss und des­halb so frei­mü­tig von Betrügereien erzählt — weil sie mit­un­ter viel schö­ner sein kön­nen als die soge­nann­te ehr­li­che Arbeit. Thomas Arslan hat sei­nem Meisterverbrecher Trojan 14 Jahre nach Im Schatten einen eben­bür­ti­gen zwei­ten Film geschenkt. Das ist vor allem wegen sei­nes Hauptdarstellers Mišel Matičević ein abso­lu­ter Glücksfall für das deut­sche Kino. Matičević ver­steht es, Intellekt und Physis zu ver­bin­den, Gefahr und Moralität, die Überschätzung der eige­nen Unverwundbarkeit und die sub­ti­le Vorahnung des Verhängnisses…“
    Daniel Moersener, Zeit Online, Artikel zur Berlinale 2024

    Credits:

    DE 2024, 101 Min., dt. OmeU
    Regie: Thomas Arslan
    Kamera: Reinhold Vorschneider
    Schnitt: Reinaldo Pinto Almeida
    mit Mišel Matičević, Marie Leuenberger, Alexander Fehling, Tim Seyfi, Bilge Bingül, Marie-Lou Sellem, Katrin Röver, Anja Schneider, Tamer Yiğit

    Trailer:
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  • Crossing – Auf der Suche nach Tekla

    Crossing – Auf der Suche nach Tekla

    Ein Film von Levan Akin. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In jedem Road-Movie steckt immer auch ein Weg der Hauptfigur zu sich selbst, und Crossing schickt die Georgierin Lia los. Nach dem Tod ihrer gelieb­ten Schwester, die sie lan­ge pfleg­te, hat die streng wir­ken­de, pen­sio­nier­te Lehrerin das Gefühl, kei­ne Perspektive im Leben und nichts mehr zu ver­lie­ren zu haben. Allerdings hat sie einen Auftrag mit­be­kom­men: sie soll ihre ver­schol­le­ne trans Nichte Tekla, der sie einst sehr nahe stand, fin­den. Als ihr jun­ger Nachbar Achi behaup­tet, Teklas Adresse in Istanbul – eine Stadt, in der man gut ver­schwin­den kann, wenn man will – zu ken­nen, und zudem Englisch zu spre­chen, nimmt sie ihn wider­stre­bend mit auf die Suche. Die Reise ver­än­dert Lia zuse­hends. Durch ihre Beziehung zu Achi und ihre Begegnungen mit der trans Community in Istanbul, ins­be­son­de­re mit der lebens­lus­ti­gen, enga­gier­ten Anwältin Evrim, öff­net sich Lia all­mäh­lich und sieht die Welt und ihren Platz dar­in mit ande­ren Augen. Alle drei Protagonist:innen eint, in ihrem Leben gro­ße Opfer gebracht und Einschränkungen in Kauf genom­men zu haben, um die herr­schen­de Hegemonie, im per­sön­li­chen wie poli­ti­schem Umfeld, nicht zu stö­ren. Crossing ist ein leben­di­ger, unge­schön­ter Film über Solidarität, über die klei­nen Gesten der Güte, und des Verständnisses zwi­schen Fremden und inner­halb der Familie.
    In vie­ler­lei Hinsicht ist er auch ein Liebesbrief an Istanbul und sei­ne Geschichte, trotz der offen­sicht­li­chen, durch die Straßenkinder Izzet und Gulpembe ins Bild auf­ge­nom­me­nen Armut:
    „Istanbul ist ein Ort, an dem man auf engs­tem Raum gegen­sätz­li­che Welten antref­fen kann. Die eine Straße ist sehr reli­gi­ös, und wenn man zwei Straßen wei­ter­geht, ist man plötz­lich in einer quee­ren Oase, wo Männer händ­chen­hal­tend her­um­lau­fen. Diese Ambivalenz woll­te ich im Film dar­stel­len. Wenn Lia und Achi im Film ins que­e­re Viertel gehen, ist der kur­ze Weg, den sie gehen, der tat­säch­li­che Weg in der Realität. In Istanbul leben die unter­schied­lichs­ten Religionen, Menschen und, nicht zu ver­ges­sen, Katzen und Hunde.“ Levan Akin
    Teddy – Preis der Jury 2024 Berlinale – Panorama

    Credits:

    SE/DK/FR/TR/GE 2023, 105 Min., geor­gisch, tür­kisch, engl. OmU
    Regie: Levan Akin
    Kamera: Lisabi Fridell
    Schnitt: Emma Lagrelius, Levan Akin
    mit: Mzia Arabuli, Lucas Kankava, Deniz Dumanlı

    Trailer:
    CROSSING – Trailer OmU German | Deutsch
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  • Averroès & Rosa Parks

    Averroès & Rosa Parks

    Ein Film von Nicolas Philibert. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Averroes und und Rosa Parks sind zwei Abteilungen des Krankenhauses von Saint-Maurice bei Paris. Benannt wur­den sie nach dem im 12.Jh täti­gen mus­li­mi­schen Philosophen und Arzt Ibn Ruschd (lati­ni­siert Averroes), und der US-ame­ri­ka­ni­schen Bürgerrechtsikone Rosa Parks. Die Namen sind auch Auftrag, es gilt, in der Einrichtung, wo einst auch der Dichter Paul Verlaine und der Marquis de Sade unter­ge­bracht waren, den Patient:innen mit not­wen­di­gem Respekt zu begeg­nen.
    Die ers­ten Einstellungen schau­en von oben: Eine Drohnenkamera kreist über den rie­si­gen Gebäudekomplex, es ist schwer zu ent­schei­den, was zu sehen ist – Parkanlage oder Gefängnis. Hier sind sta­tio­nä­ren psych­ia­tri­schen Abteilungen unter­ge­bracht, aus denen man­che der Tagesbesucher zum Klinikboot Adamant kom­men. Der Dokumentarfilm Auf der Adamant gewann 2021 den Goldenen Bären der Berlinale. Mit Averroès & Rosa Parks legt Nicolas Phillibert jetzt eine zwei­te, kon­zen­trier­te­re Arbeit zum Thema nach. Der Film besteht zum gro­ßen Teil aus Gesprächen zwi­schen dem Personal und den dort unter­ge­brach­ten Patient:innen (von denen eini­ge sich selbst ein­ge­lie­fert haben, und man­che bald ent­las­sen wer­den sol­len), unauf­dring­lich gefilmt aus gebüh­ren­der Distanz. Die hier behan­del­ten Menschen lei­den unter schwer­wiegenden Krankheitsbildern wie Schizophrenie, Bipolare Störung, Angst- und Panikattacken oder Psychosen, die ihnen ein Leben ohne medizi­nische Behandlung und Aufsicht häu­fig unmög­lich machen.
    Der Film lässt sich Zeit, und bei jedem „Interview“ genann­tem Gespräch gibt es die Möglichkeit, die Einzelnen zu sehen und das Gesagte mit den eige­nen Erfahrungen und wei­te­ren, grö­ße­ren Zusammenhängen abzu­glei­chen. Der Mitleid- oder Abwertungsfalle kann dadurch ent­gan­gen wer­den, ohne erleb­tes, erfah­re­nes und prak­ti­sches Leid zu baga­tel­li­sie­ren. Das ist so fas­zi­nie­rend wie erhel­lend, auch eine Gruppensitzung mit auch poli­ti­schen Themen ist span­nen­der und ergie­bi­ger als 99% der Talkrunden, in gleich wel­chem Medium.
    Keine gro­ße Rolle spielt, aber jeder­zeit erkenn­bar ist zudem die pre­kä­re Situation des Krankenhausbetriebs und die Belastung des Personals.
    „Ein äußerst gelun­ge­nes und fes­seln­des Werk“ Screen International

    Credits:

    FR 2024, 143 Min., franz. OmU
    Regie & Kamera: Nicolas Philibert
    Schnitt: Nicolas Philibert, Janusz Baranek

    mit: den Patient:innen und den Betreuer:innen der Averroès und Rosa Parks Krankenhauseinheiten im Esquirol Krankenhaus, Charenton-le-Pont, Paris.

    Trailer:
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  • Ein kleines Stück vom Kuchen

    Ein kleines Stück vom Kuchen

    Ein Film von Maryam Moghaddam & Behtash Sanaeeha. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Unter den Fachbesucher*innen galt er schnell als Geheimtip, beim rest­li­chen Berlinale-Publikum wur­de er bald zum Liebling – der ira­ni­sche Wettbewerbsbeitrag My Favourite Cake / Ein klei­nes Stück vom Kuchen. Die berüh­ren­de Geschichte von Annäherung und Zuneigung zwei­er ein­sa­mer Menschen ist zugleich eine des Widerstandes gegen die Vorschriften einer Gesellschaft, die Verletzungen ihrer Sitten- und Moralvorstellungen sehr schnell und sehr hart ahn­det.
    Seit ihr Mann vor 30 Jahren starb, lebt Mihan allein in ihrem klei­nen Haus mit Garten in Teheran. Bei den regel­mä­ßi­gen Kaffeekränzchen mit Freundinnen wird ger­ne alles bespro­chen, so wird neben den Berichten von (natür­lich ver­bo­te­nen) amou­rö­sen Abenteuern ger­ne auch mal die DVD der letz­ten Darmspiegelung her­um­ge­reicht. Dabei bekommt sie immer wie­der zu hören, sie sol­le sich doch auch einen neu­en Begleiter suchen – schließ­lich sei sie ja mit ihren 70 Jahren noch fit und attrak­tiv. Schließlich fasst sich Mahin in Herz und geht auf die Suche. Als ihr der eben­falls ver­wit­we­te Taxifahrer Faramarz begeg­net und gefällt, ergreift sie selbst­be­wusst die Initiative und lädt ihn zu sich ein. Die bei­den kom­men ver­ste­hen sich, ver­ab­re­den sich, es gibt Wein, Tanz und natür­lich selbst­ge­ba­cke­nen Kuchen. Aber vor­sich­tig müs­sen sie sein, denn schon erkun­digt sich die Nachbarin nach den unbe­kann­ten Stimmen im Haus.
    Weil sie die Menschen rea­li­täts­nah so zei­gen, wie sie sind und was sie tun, und damit Grenzen des Erlaubten ver­let­zen, durf­ten Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha (Ballade von der wei­ßen Kuh, 2021 eben­falls im Berlinale Wettbewerb) nicht nach Berlin rei­sen. So trägt Mihan im Haus kei­nen Hijab und trinkt Wein. Es sei aber an der Zeit, die­se stan­dar­di­sier­ten Vorgaben im ira­ni­schen Kino zu durch­bre­chen, so erklär­te Darstellerin Lily Farhadpour, die als Menschenrechts-Aktivistin bereits Gefängniserfahrung hat, bei der Pressekonferenz. Diese zärt­li­che und (gele­gent­lich schwarz-) humo­ri­ge Liebesgeschichte zeigt schon­mal, wie es geht.

    Credits:

    Keyke mah­boo­be man / My favou­ri­te cake
    IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., far­si OmU
    Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha
    Kamera: Mohammad Haddadi
    Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva
    mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi, 

    Trailer:
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  • Verbrannte Erde

    Verbrannte Erde

    Ein Film von Thomas Arslan. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nach Im Schatten (2010, am 27. & 28.7. noch­mal im fsk) kommt end­lich der zwei­te Teil der Trilogie um den Berufskriminellen Trojan, gespielt von Mišel Matičević, ins Kino. Trojan, der aus einer ande­ren Zeit zu stam­men scheint, geht pro­fes­sio­nell und nüch­tern sei­ner Tätigkeit als Spezialist für Einbruchsdiebstahl nach. Wortkarg und ziel­ori­en­tiert ver­sucht er, wie­der auf die Beine zu kom­men, geht zurück nach Berlin, um dort anzu­knüp­fen, wo er vor vier­zehn Jahren abbre­chen muss­te, um sich in Sicherheit zu brin­gen. Schließlich wird ihm ein Job anver­traut, er sucht sich ein Team von eben­bür­ti­gen Spezialisten zusam­men, es geht end­lich wie­der los…Der Kameramann Reinhold Vorschneider kre­iert eine Nachtwelt vol­ler Lichter und Schatten, die die Protagonisten nie preis­gibt. Aber wir glau­ben Trojan zu ken­nen und erkun­den mit ihm das Labyrinth, ahnen den Verrat und wis­sen: dies ist erst der zwei­te Teil der Trilogie und Trojan wird über­le­ben. Oder?

    Was Christoph Hochhäusler schon im Vorjahr auf dem Festival bewie­sen hat­te, mit sei­nem wun­der­bar sinn­li­chen Bis ans Ende der Nacht, setzt sein Berliner-Schule-Kollege Arslan nun fort. Er ent­wirft ein Kino, das sich nicht zwi­schen Genre- und Autorenfilm ent­schei­den muss, zwi­schen Erdung und Veredelung, das sich nicht um sich selbst betrü­gen muss und des­halb so frei­mü­tig von Betrügereien erzählt — weil sie mit­un­ter viel schö­ner sein kön­nen als die soge­nann­te ehr­li­che Arbeit. Thomas Arslan hat sei­nem Meisterverbrecher Trojan 14 Jahre nach Im Schatten einen eben­bür­ti­gen zwei­ten Film geschenkt. Das ist vor allem wegen sei­nes Hauptdarstellers Mišel Matičević ein abso­lu­ter Glücksfall für das deut­sche Kino. Matičević ver­steht es, Intellekt und Physis zu ver­bin­den, Gefahr und Moralität, die Überschätzung der eige­nen Unverwundbarkeit und die sub­ti­le Vorahnung des Verhängnisses…“
    Daniel Moersener, Zeit Online, Artikel zur Berlinale 2024

    Credits:

    DE 2024, 101 Min., dt. OmeU
    Regie: Thomas Arslan
    Kamera: Reinhold Vorschneider
    Schnitt: Reinaldo Pinto Almeida
    mit Mišel Matičević, Marie Leuenberger, Alexander Fehling, Tim Seyfi, Bilge Bingül, Marie-Lou Sellem, Katrin Röver, Anja Schneider, Tamer Yiğit

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  • Crossing – Auf der Suche nach Tekla

    Crossing – Auf der Suche nach Tekla

    Ein Film von Levan Akin. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In jedem Road-Movie steckt immer auch ein Weg der Hauptfigur zu sich selbst, und Crossing schickt die Georgierin Lia los. Nach dem Tod ihrer gelieb­ten Schwester, die sie lan­ge pfleg­te, hat die streng wir­ken­de, pen­sio­nier­te Lehrerin das Gefühl, kei­ne Perspektive im Leben und nichts mehr zu ver­lie­ren zu haben. Allerdings hat sie einen Auftrag mit­be­kom­men: sie soll ihre ver­schol­le­ne trans Nichte Tekla, der sie einst sehr nahe stand, fin­den. Als ihr jun­ger Nachbar Achi behaup­tet, Teklas Adresse in Istanbul – eine Stadt, in der man gut ver­schwin­den kann, wenn man will – zu ken­nen, und zudem Englisch zu spre­chen, nimmt sie ihn wider­stre­bend mit auf die Suche. Die Reise ver­än­dert Lia zuse­hends. Durch ihre Beziehung zu Achi und ihre Begegnungen mit der trans Community in Istanbul, ins­be­son­de­re mit der lebens­lus­ti­gen, enga­gier­ten Anwältin Evrim, öff­net sich Lia all­mäh­lich und sieht die Welt und ihren Platz dar­in mit ande­ren Augen. Alle drei Protagonist:innen eint, in ihrem Leben gro­ße Opfer gebracht und Einschränkungen in Kauf genom­men zu haben, um die herr­schen­de Hegemonie, im per­sön­li­chen wie poli­ti­schem Umfeld, nicht zu stö­ren. Crossing ist ein leben­di­ger, unge­schön­ter Film über Solidarität, über die klei­nen Gesten der Güte, und des Verständnisses zwi­schen Fremden und inner­halb der Familie.
    In vie­ler­lei Hinsicht ist er auch ein Liebesbrief an Istanbul und sei­ne Geschichte, trotz der offen­sicht­li­chen, durch die Straßenkinder Izzet und Gulpembe ins Bild auf­ge­nom­me­nen Armut:
    „Istanbul ist ein Ort, an dem man auf engs­tem Raum gegen­sätz­li­che Welten antref­fen kann. Die eine Straße ist sehr reli­gi­ös, und wenn man zwei Straßen wei­ter­geht, ist man plötz­lich in einer quee­ren Oase, wo Männer händ­chen­hal­tend her­um­lau­fen. Diese Ambivalenz woll­te ich im Film dar­stel­len. Wenn Lia und Achi im Film ins que­e­re Viertel gehen, ist der kur­ze Weg, den sie gehen, der tat­säch­li­che Weg in der Realität. In Istanbul leben die unter­schied­lichs­ten Religionen, Menschen und, nicht zu ver­ges­sen, Katzen und Hunde.“ Levan Akin
    Teddy – Preis der Jury 2024 Berlinale – Panorama

    Credits:

    SE/DK/FR/TR/GE 2023, 105 Min., geor­gisch, tür­kisch, engl. OmU
    Regie: Levan Akin
    Kamera: Lisabi Fridell
    Schnitt: Emma Lagrelius, Levan Akin
    mit: Mzia Arabuli, Lucas Kankava, Deniz Dumanlı

    Trailer:
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  • Averroès & Rosa Parks

    Averroès & Rosa Parks

    Ein Film von Nicolas Philibert. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Averroes und und Rosa Parks sind zwei Abteilungen des Krankenhauses von Saint-Maurice bei Paris. Benannt wur­den sie nach dem im 12.Jh täti­gen mus­li­mi­schen Philosophen und Arzt Ibn Ruschd (lati­ni­siert Averroes), und der US-ame­ri­ka­ni­schen Bürgerrechtsikone Rosa Parks. Die Namen sind auch Auftrag, es gilt, in der Einrichtung, wo einst auch der Dichter Paul Verlaine und der Marquis de Sade unter­ge­bracht waren, den Patient:innen mit not­wen­di­gem Respekt zu begeg­nen.
    Die ers­ten Einstellungen schau­en von oben: Eine Drohnenkamera kreist über den rie­si­gen Gebäudekomplex, es ist schwer zu ent­schei­den, was zu sehen ist – Parkanlage oder Gefängnis. Hier sind sta­tio­nä­ren psych­ia­tri­schen Abteilungen unter­ge­bracht, aus denen man­che der Tagesbesucher zum Klinikboot Adamant kom­men. Der Dokumentarfilm Auf der Adamant gewann 2021 den Goldenen Bären der Berlinale. Mit Averroès & Rosa Parks legt Nicolas Phillibert jetzt eine zwei­te, kon­zen­trier­te­re Arbeit zum Thema nach. Der Film besteht zum gro­ßen Teil aus Gesprächen zwi­schen dem Personal und den dort unter­ge­brach­ten Patient:innen (von denen eini­ge sich selbst ein­ge­lie­fert haben, und man­che bald ent­las­sen wer­den sol­len), unauf­dring­lich gefilmt aus gebüh­ren­der Distanz. Die hier behan­del­ten Menschen lei­den unter schwer­wiegenden Krankheitsbildern wie Schizophrenie, Bipolare Störung, Angst- und Panikattacken oder Psychosen, die ihnen ein Leben ohne medizi­nische Behandlung und Aufsicht häu­fig unmög­lich machen.
    Der Film lässt sich Zeit, und bei jedem „Interview“ genann­tem Gespräch gibt es die Möglichkeit, die Einzelnen zu sehen und das Gesagte mit den eige­nen Erfahrungen und wei­te­ren, grö­ße­ren Zusammenhängen abzu­glei­chen. Der Mitleid- oder Abwertungsfalle kann dadurch ent­gan­gen wer­den, ohne erleb­tes, erfah­re­nes und prak­ti­sches Leid zu baga­tel­li­sie­ren. Das ist so fas­zi­nie­rend wie erhel­lend, auch eine Gruppensitzung mit auch poli­ti­schen Themen ist span­nen­der und ergie­bi­ger als 99% der Talkrunden, in gleich wel­chem Medium.
    Keine gro­ße Rolle spielt, aber jeder­zeit erkenn­bar ist zudem die pre­kä­re Situation des Krankenhausbetriebs und die Belastung des Personals.
    „Ein äußerst gelun­ge­nes und fes­seln­des Werk“ Screen International

    Credits:

    FR 2024, 143 Min., franz. OmU
    Regie & Kamera: Nicolas Philibert
    Schnitt: Nicolas Philibert, Janusz Baranek

    mit: den Patient:innen und den Betreuer:innen der Averroès und Rosa Parks Krankenhauseinheiten im Esquirol Krankenhaus, Charenton-le-Pont, Paris.

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  • Ein kleines Stück vom Kuchen

    Ein kleines Stück vom Kuchen

    Ein Film von Maryam Moghaddam & Behtash Sanaeeha. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Unter den Fachbesucher*innen galt er schnell als Geheimtip, beim rest­li­chen Berlinale-Publikum wur­de er bald zum Liebling – der ira­ni­sche Wettbewerbsbeitrag My Favourite Cake / Ein klei­nes Stück vom Kuchen. Die berüh­ren­de Geschichte von Annäherung und Zuneigung zwei­er ein­sa­mer Menschen ist zugleich eine des Widerstandes gegen die Vorschriften einer Gesellschaft, die Verletzungen ihrer Sitten- und Moralvorstellungen sehr schnell und sehr hart ahn­det.
    Seit ihr Mann vor 30 Jahren starb, lebt Mihan allein in ihrem klei­nen Haus mit Garten in Teheran. Bei den regel­mä­ßi­gen Kaffeekränzchen mit Freundinnen wird ger­ne alles bespro­chen, so wird neben den Berichten von (natür­lich ver­bo­te­nen) amou­rö­sen Abenteuern ger­ne auch mal die DVD der letz­ten Darmspiegelung her­um­ge­reicht. Dabei bekommt sie immer wie­der zu hören, sie sol­le sich doch auch einen neu­en Begleiter suchen – schließ­lich sei sie ja mit ihren 70 Jahren noch fit und attrak­tiv. Schließlich fasst sich Mahin in Herz und geht auf die Suche. Als ihr der eben­falls ver­wit­we­te Taxifahrer Faramarz begeg­net und gefällt, ergreift sie selbst­be­wusst die Initiative und lädt ihn zu sich ein. Die bei­den kom­men ver­ste­hen sich, ver­ab­re­den sich, es gibt Wein, Tanz und natür­lich selbst­ge­ba­cke­nen Kuchen. Aber vor­sich­tig müs­sen sie sein, denn schon erkun­digt sich die Nachbarin nach den unbe­kann­ten Stimmen im Haus.
    Weil sie die Menschen rea­li­täts­nah so zei­gen, wie sie sind und was sie tun, und damit Grenzen des Erlaubten ver­let­zen, durf­ten Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha (Ballade von der wei­ßen Kuh, 2021 eben­falls im Berlinale Wettbewerb) nicht nach Berlin rei­sen. So trägt Mihan im Haus kei­nen Hijab und trinkt Wein. Es sei aber an der Zeit, die­se stan­dar­di­sier­ten Vorgaben im ira­ni­schen Kino zu durch­bre­chen, so erklär­te Darstellerin Lily Farhadpour, die als Menschenrechts-Aktivistin bereits Gefängniserfahrung hat, bei der Pressekonferenz. Diese zärt­li­che und (gele­gent­lich schwarz-) humo­ri­ge Liebesgeschichte zeigt schon­mal, wie es geht.

    Credits:

    Keyke mah­boo­be man / My favou­ri­te cake
    IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., far­si OmU
    Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha
    Kamera: Mohammad Haddadi
    Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva
    mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi, 

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  • Verbrannte Erde

    Verbrannte Erde

    Ein Film von Thomas Arslan. 

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    Nach Im Schatten (2010, am 27. & 28.7. noch­mal im fsk) kommt end­lich der zwei­te Teil der Trilogie um den Berufskriminellen Trojan, gespielt von Mišel Matičević, ins Kino. Trojan, der aus einer ande­ren Zeit zu stam­men scheint, geht pro­fes­sio­nell und nüch­tern sei­ner Tätigkeit als Spezialist für Einbruchsdiebstahl nach. Wortkarg und ziel­ori­en­tiert ver­sucht er, wie­der auf die Beine zu kom­men, geht zurück nach Berlin, um dort anzu­knüp­fen, wo er vor vier­zehn Jahren abbre­chen muss­te, um sich in Sicherheit zu brin­gen. Schließlich wird ihm ein Job anver­traut, er sucht sich ein Team von eben­bür­ti­gen Spezialisten zusam­men, es geht end­lich wie­der los…Der Kameramann Reinhold Vorschneider kre­iert eine Nachtwelt vol­ler Lichter und Schatten, die die Protagonisten nie preis­gibt. Aber wir glau­ben Trojan zu ken­nen und erkun­den mit ihm das Labyrinth, ahnen den Verrat und wis­sen: dies ist erst der zwei­te Teil der Trilogie und Trojan wird über­le­ben. Oder?

    Was Christoph Hochhäusler schon im Vorjahr auf dem Festival bewie­sen hat­te, mit sei­nem wun­der­bar sinn­li­chen Bis ans Ende der Nacht, setzt sein Berliner-Schule-Kollege Arslan nun fort. Er ent­wirft ein Kino, das sich nicht zwi­schen Genre- und Autorenfilm ent­schei­den muss, zwi­schen Erdung und Veredelung, das sich nicht um sich selbst betrü­gen muss und des­halb so frei­mü­tig von Betrügereien erzählt — weil sie mit­un­ter viel schö­ner sein kön­nen als die soge­nann­te ehr­li­che Arbeit. Thomas Arslan hat sei­nem Meisterverbrecher Trojan 14 Jahre nach Im Schatten einen eben­bür­ti­gen zwei­ten Film geschenkt. Das ist vor allem wegen sei­nes Hauptdarstellers Mišel Matičević ein abso­lu­ter Glücksfall für das deut­sche Kino. Matičević ver­steht es, Intellekt und Physis zu ver­bin­den, Gefahr und Moralität, die Überschätzung der eige­nen Unverwundbarkeit und die sub­ti­le Vorahnung des Verhängnisses…“
    Daniel Moersener, Zeit Online, Artikel zur Berlinale 2024

    Credits:

    DE 2024, 101 Min., dt. OmeU
    Regie: Thomas Arslan
    Kamera: Reinhold Vorschneider
    Schnitt: Reinaldo Pinto Almeida
    mit Mišel Matičević, Marie Leuenberger, Alexander Fehling, Tim Seyfi, Bilge Bingül, Marie-Lou Sellem, Katrin Röver, Anja Schneider, Tamer Yiğit

    Trailer:
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