Köln 75 erzählt die wahre Geschichte hinter einer der meistverkauften Jazzplatten aller Zeiten, dem „Köln Concert“ von Keith Jarrett aus dem Jahr 1975. Fast wäre das Konzert gar nicht zustande gekommen, doch ein entschlossener deutscher Teenager, die erst 18-jährige Vera Brandes, setzte alle Hebel in Bewegung, um die Voraussetzungen für die Entstehung eines Meisterwerks zu schaffen. Vera, die noch zur Schule geht, als sie anfängt, in Köln Musikevents zu produzieren und zu promoten, geht aufs Ganze, um dieses Konzert auf die Bühne zu bringen. Es scheint, als stünde alles gegen sie, doch Vera glaubt an die Kraft der Musik und hat noch nie jemanden so spielen sehen wie Keith Jarrett.
Credits:
DE/BE/PL 2024, 115 Min., Regie: Ido Fluk Kamera: Jens Harant Schnitt: Anja Siemens mit Mala Emde, John Magaro, Michael Chernus, Alexander Scheer, Ulrich Tukur
Köln 75 erzählt die wahre Geschichte hinter einer der meistverkauften Jazzplatten aller Zeiten, dem „Köln Concert“ von Keith Jarrett aus dem Jahr 1975. Fast wäre das Konzert gar nicht zustande gekommen, doch ein entschlossener deutscher Teenager, die erst 18-jährige Vera Brandes, setzte alle Hebel in Bewegung, um die Voraussetzungen für die Entstehung eines Meisterwerks zu schaffen. Vera, die noch zur Schule geht, als sie anfängt, in Köln Musikevents zu produzieren und zu promoten, geht aufs Ganze, um dieses Konzert auf die Bühne zu bringen. Es scheint, als stünde alles gegen sie, doch Vera glaubt an die Kraft der Musik und hat noch nie jemanden so spielen sehen wie Keith Jarrett.
Credits:
DE/BE/PL 2024, 115 Min., Regie: Ido Fluk Kamera: Jens Harant Schnitt: Anja Siemens mit Mala Emde, John Magaro, Michael Chernus, Alexander Scheer, Ulrich Tukur
Das vor kurzem erschienene Buch Aus der ersten Person. Filmische Autobiografien / Autofiktionvon Esther Buss (Scriptings/Archive Books, E‑Book Eeclectic 2025) ist eine persönliche Erkundung des „Ich-Films“ und seiner prägenden Gattungen Tagebuchfilm, Journal, Filmpoem und Travelogue. In Close Readings zu Arbeiten von Chantal Akerman, Dominique Cabrera, Alain Cavalier, Vincent Dieutre und anderen folgt die Autorin Blicken nach innen, aus dem Fenster und ins Weite, vollzieht Denkbewegungen und körperliche Erfahrungen nach und tastet sich durch das unbefestigte Gelände von Erinnerungsräumen. Die Publikation spannt dabei einen Bogen von der direkten Erzählweise früher Selbstdokumentationen bis hin zum autofiktionalen Essay- und Spielfilm der jüngeren Gegenwart. Zur Buchpräsentation zeigt das Arsenal zwei Filme, die sich in Form filmischer Schreibakte mit Fragen von Herkunft und Entfremdung befassen. (Esther Buss)
Familiengruft – ein Liebesgedicht an meine Mutter In FAMILIENGRUFT – EINLIEBESGEDICHTANMEINEMUTTER skizziert Maria Lang in grobkörnigen Schwarzweiß-Bildern Szenen aus dem kleinbürgerlichen Alltag ihrer Familie in einem bayerischen Dorf. Das so schroffe wie zärtliche Mutterporträt ist eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Rollenbildern und der Versuch, den ambivalenten Gefühlslagen zwischen Nähe und Abgrenzung einen sprachlichen Ausdruck zu verleihen.
BRD 1981/1982, 11 Min., OF Deutsch Regie: Maria Lang
Ne croyez surtout pas que je hurle Die ausschließlich aus existierenden Filmbildern kompilierte Tagebuchchronik NECROYEZSURTOUTPASQUEJEHURLE protokolliert eine radikale Selbstisolation. Der Filmemacher Frank Beauvais bleibt nach der Trennung von seinem Lebensgefährten allein und hoffnungslos in einem elsässischen Dorf zurück, dessen Milieu ihm ein Graus ist. Mit exzessivem Filmkonsum versucht er seiner existenziellen Krise beizukommen, bald stellt sich jedoch die Frage, ob das Kino wirklich Rettung ist oder nicht vielmehr krank macht. Obsessive Selbstbeobachtung und Überlegungen zu den Potentialen und Fallen des Ich-Sagens verbinden sich mit dem Blick auf das (nicht minder krisenhafte) Weltgeschehen. Ein in seiner Sprach- und Bilderdichte soghaftes Werk, das durchaus gewollt Schwindelgefühle hervorruft. Erst wenn Bonnie Prince Billys düster-schönes Schlusslied erklingt, löst sich der Knoten.
FR 2019, 75 Min. französische OmeU Regie: Frank Beauvais
Dieses Programm ist Teil der vom Hauptstadtkulturfonds geförderten Veranstaltungsreihe Arsenal on Location:
Sarahs Karriere als Mixed-Martial-Arts-Kämpferin geht zu Ende, statt in den Ring zu steigen, wird sie zukünftig Kinder trainieren. Ein plötzliches Angebot aus Jordanien, die Töchter einer reichen Familie zu unterrichten – MMA sei dort gerade der letzte Schrei – hört sich da sehr exotisch und verführerisch an. Sarah sagt ja und packt ihre Sachen. Dort angekommen, muss sie bald erkennen, dass die Familie viel reicher ist als gedacht, und soviel Einfluss besitzt, dass man ihr im Hotel, wo sie untergebracht ist, nichts darüber erzählen mag. Außerdem ist unschwer zu erkennen, dass die drei jungen Frauen kein wirkliches Interesse am Sport haben. Viel lieber sitzen sie im Wohnzimmer, lackieren sich die Nägel und schauen Soaps. Dabei stehen sie immer unter Aufsicht, auch bei gelegentlichen Shopping-Ausflügen begleitet sie ein Bodyguard. Als aufgeklärte Frau aus dem Westen denkt sich Sarah ihren Teil, und als sie gefragt wird, glaubt sie, Nour, Shaima und Fatima helfen zu können und zu müssen.
„Mir war wichtig, dass das Publikum Sarah folgt und sich dieselben Fragen stellt wie sie. Auch Sarah sieht nie das ganze Bild. Trotzdem bleibt die Frage, ob sie solidarisch agieren soll. Dieser Zweifel sollte bis zum Ende bestehen. Mich hat dabei die Geschichte von Prinzessin Latifah, der Tochter des Königs von Dubai, inspiriert. Sie ist mit ihrer finnischen Capoeira-Lehrerin geflüchtet. Tatsächlich kam aber nicht die Prinzessin heil davon, sondern die Europäerin. Das fand ich interessant und wollte dieses Gefühl in Mond wiedergeben: Wem glaubt man? Was ist wirklich passiert? Sind meine eigenen Vorurteile im Weg?” Kurdwin Ayub im ray-Magazin
Nach Sonne ist dies der zweite Teil einer geplanten Trilogie der kurdisch-österreichischen Regisseurin Kurdwin Ayub, die dafür beim Filmfestival von Locarno mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde.
Credits:
AT 2024, 93 Min, deutsch/arabisch/englische OmU Regie: Kurdwin Ayub Kamera: Klemens Hufnagl, Schnitt: Roland Stöttinger, mit: Florentina Holzinger, Andria Tayeh, Celina Antwan, Nagham Abu Baker, u.a.
Gerade noch im üppigen Grün des Waldes herumgestreift, hat sich die Katze im Haus gemütlich zum Schlafen eingerollt, als sie ein sich näherndes Rumoren wahrnimmt – eine riesige Wasserwelle flutet das Land. Unsere Heldin kann sich knapp auf ein vorbeischwimmendes Segelboot retten. Nun gleitet sie dahin über das Meer, durch Urwälder, an spitzen Bergkegeln vorbei, die aus dem Wasser ragen, an Städten, die wie unwirkliche riesige Paläste aussehen, stets angespannt aufmerksam, mit einer Mischung aus Neugierde und Furcht. Genau wie Gints Zilbalodis, der hier erstmals mit einem größeren Team arbeitet, muss sich die kleine schwarze Katze, die bisher alleine lebte, auf Kooperation einstellen. Mit an Bord kommen nämlich ebenfalls unfreiwillig ein verspielter und geiziger Lemur, ein schläfriges Wasserschwein, der immer freundliche Golden Retriever, und der verletzte, hilfsbereite Sekretär. Zum Überleben der Katastrophe müssen die fünf sich zusammenraufen, denn stets und überall lauert Gefahr. Das großartige an Flow ist, dass diese Crew nicht vermenschlicht wird. Alle behalten ihre tierischen Eigenarten, die sie allerdings auf der Fahrt modifizieren müssen. Die Katze wird mutiger, der Hund vorsichtiger, der Lemur lernt zu teilen, der verstoßene Sekretär übernimmt die Führung. Nur das Wasserschwein bleibt phlegmatisch wie eh und je. „Flow ist verträumt, episch, bedrohlich und wunderschön. Das Beste von allem ist, dass die Tiere Tiere sind, wortlos und hauptsächlich mit ihrer eigenen Sicherheit und ihrer nächsten Mahlzeit beschäftigt. Dennoch sind sie gezwungen, miteinander auszukommen, und sie werden zu mehr als der Summe ihrer pelzigen und gefiederten Teile. … Der Regisseur dieser magischen Fabel ist Gints Zilbalodis, ein 30-jähriger lettischer Animator. Möge Hollywood ihn niemals mit Angeboten für Reichtum und Fortsetzungen umwerben …“ Ty Burr | Washington Post
Für die allermeisten Beobachter völlig überraschend begann Ende November 2024 ein kurzer Sturm, der das seit über 50 Jahren regierende Regime der Assad-Familie wegfegte und – vielleicht – den Weg in eine bessere Zukunft für das von Diktatur und Bürgerkrieg gebeutelte Syrien weist. Eine Frage, die sich in den nächsten Monaten und Jahren stellen wird, lautet: Wie mit den Tätern umgehen, nicht den Mitläufern, aber den Folterknechten, die in den Gefängnissen agierten und im Laufe der Jahre Tausende oder mehr ermordeten und verkrüppelten, körperlich, aber auch seelisch.
Diese Frage steht auch im Mittelpunkt von Jonathan Millets „Die Schattenjäger“, der im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes seine Premiere feierte und nun besondere Relevanz erhält. Im Mittelpunkt steht Hamid (Adam Bessa), ein Syrer, der an der Universität Literatur unterrichtete, bevor er in die Fänge des Regimes geriet, gefoltert und in der Wüste ausgesetzt wurde. Doch wider Erwarten überlebte Hamid und schloss sich einer klandestinen Gruppe an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, syrische Täter zu jagen, die sich, oft getarnt als Flüchtlinge und Asylsuchende, in Europa verstecken.
Aktuelles Ziel ist der Mann, der auch Hamid im berühmt-berüchtigten Saidnaya-Gefängnis gefoltert hat. Das Problem: Hamid hat seinen Peiniger nie zu Gesicht bekommen, stets hatte er eine Kapuze über dem Kopf, konnte seinen Folterer nur hören und riechen. Dennoch glaubt er, ihn in Sami Hamma (Tawfeek Barhom) wiederzuerkennen, einem Studenten in Straßburg. Immer besessener wird Hamid von der Überzeugung, seinen Peiniger entdeckt zu haben, doch die anderen Mitglieder der Gruppe sind vorsichtig. Einen Fehler können sie sich nicht leisten, zumal sich ihre Arbeit oft gefährlich nahe an der Selbstjustiz bewegt.
Unweigerlich muss man angesichts des Themas an den Nazi-Jäger Simon Wiesenthal denken, der nur knapp den Holocaust überlebte und den Rest seines Lebens dem Aufspüren von Tätern widmete. Bewunderung bekam Wiesenthal zwar meist, bisweilen aber auch Kritik an seiner Arbeit, die letztendlich auf problematische Weise das Recht in die eigenen Hände nahm.
In der fiktiven Figur des Hamid wird die Problematik noch frappierender, denn Hamid jagt nicht irgendwelche Täter, sondern genau den Mann, der ihn einst selbst monatelang aufs schwerste folterte, wovon die Spuren auf seinem Rücken zeugen, vor allem aber die Spuren auf seiner Seele.
Auch wenn „Die Schattenjäger“ wie ein Thriller beginnt, man sich durchaus eine plakativere Version der Geschichte vorstellen könnte, in der Hamid und seine Mitstreiter ohne Skrupel tatsächlich oder mutmaßliche Täter fassen und vielleicht sogar töten, entscheidet sich Jonathan Millet – zum Glück – für einen anderen Schwerpunkt. Immer stärker werden die psychischen Folgen angedeutet, die Hamid nicht nur durch die erlittene Folter mit sich trägt, sondern vor allem auch dadurch, dass er sein Leben komplett auf den Wunsch nach Rache ausgelegt hat. Wenn er etwa die Syrerin Yara (Hala Rajab) trifft, die ihm anfangs misstraut, ihm dann Hinweise gibt und schließlich sogar mit ihm flirtet, wirkt Hamid völlig überrascht, um nicht zu sagen überfordert von der Möglichkeit, eine Beziehung zu einer Person aufzubauen, die von Nähe und Wärme geprägt ist.
Auch Rache, vielleicht sogar der Tod seines Peinigers, würde das Leid nicht rückgängig machen, zu dieser Erkenntnis gelangt Hamid nur langsam, der Weg dahin lässt aus dem anfänglichen Polit-Thriller eine tragische Erzählung werden, die am Ende weit über den Syrien-Konflikt hinausweist.
Michael Meyns | programmkino.de
Credits:
Les Fantômes FR 2024, 106 Min., Arab., Frz. OmU Regie: Jonathan Millet Kamera: Olivier Boonjing Schnitt: Laurent Sénéchal mit: Adam Bessa, Tawfeek Barhom, Julia Franz Richter, Hala Rajab, Safiqa El Till
Trailer:
Die Schattenjäger (Ghost Trail) Trailer Original mit dt. UT
Sarahs Karriere als Mixed-Martial-Arts-Kämpferin geht zu Ende, statt in den Ring zu steigen, wird sie zukünftig Kinder trainieren. Ein plötzliches Angebot aus Jordanien, die Töchter einer reichen Familie zu unterrichten – MMA sei dort gerade der letzte Schrei – hört sich da sehr exotisch und verführerisch an. Sarah sagt ja und packt ihre Sachen. Dort angekommen, muss sie bald erkennen, dass die Familie viel reicher ist als gedacht, und soviel Einfluss besitzt, dass man ihr im Hotel, wo sie untergebracht ist, nichts darüber erzählen mag. Außerdem ist unschwer zu erkennen, dass die drei jungen Frauen kein wirkliches Interesse am Sport haben. Viel lieber sitzen sie im Wohnzimmer, lackieren sich die Nägel und schauen Soaps. Dabei stehen sie immer unter Aufsicht, auch bei gelegentlichen Shopping-Ausflügen begleitet sie ein Bodyguard. Als aufgeklärte Frau aus dem Westen denkt sich Sarah ihren Teil, und als sie gefragt wird, glaubt sie, Nour, Shaima und Fatima helfen zu können und zu müssen.
„Mir war wichtig, dass das Publikum Sarah folgt und sich dieselben Fragen stellt wie sie. Auch Sarah sieht nie das ganze Bild. Trotzdem bleibt die Frage, ob sie solidarisch agieren soll. Dieser Zweifel sollte bis zum Ende bestehen. Mich hat dabei die Geschichte von Prinzessin Latifah, der Tochter des Königs von Dubai, inspiriert. Sie ist mit ihrer finnischen Capoeira-Lehrerin geflüchtet. Tatsächlich kam aber nicht die Prinzessin heil davon, sondern die Europäerin. Das fand ich interessant und wollte dieses Gefühl in Mond wiedergeben: Wem glaubt man? Was ist wirklich passiert? Sind meine eigenen Vorurteile im Weg?” Kurdwin Ayub im ray-Magazin
Nach Sonne ist dies der zweite Teil einer geplanten Trilogie der kurdisch-österreichischen Regisseurin Kurdwin Ayub, die dafür beim Filmfestival von Locarno mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde.
Credits:
AT 2024, 93 Min, deutsch/arabisch/englische OmU Regie: Kurdwin Ayub Kamera: Klemens Hufnagl, Schnitt: Roland Stöttinger, mit: Florentina Holzinger, Andria Tayeh, Celina Antwan, Nagham Abu Baker, u.a.
Gerade noch im üppigen Grün des Waldes herumgestreift, hat sich die Katze im Haus gemütlich zum Schlafen eingerollt, als sie ein sich näherndes Rumoren wahrnimmt – eine riesige Wasserwelle flutet das Land. Unsere Heldin kann sich knapp auf ein vorbeischwimmendes Segelboot retten. Nun gleitet sie dahin über das Meer, durch Urwälder, an spitzen Bergkegeln vorbei, die aus dem Wasser ragen, an Städten, die wie unwirkliche riesige Paläste aussehen, stets angespannt aufmerksam, mit einer Mischung aus Neugierde und Furcht. Genau wie Gints Zilbalodis, der hier erstmals mit einem größeren Team arbeitet, muss sich die kleine schwarze Katze, die bisher alleine lebte, auf Kooperation einstellen. Mit an Bord kommen nämlich ebenfalls unfreiwillig ein verspielter und geiziger Lemur, ein schläfriges Wasserschwein, der immer freundliche Golden Retriever, und der verletzte, hilfsbereite Sekretär. Zum Überleben der Katastrophe müssen die fünf sich zusammenraufen, denn stets und überall lauert Gefahr. Das großartige an Flow ist, dass diese Crew nicht vermenschlicht wird. Alle behalten ihre tierischen Eigenarten, die sie allerdings auf der Fahrt modifizieren müssen. Die Katze wird mutiger, der Hund vorsichtiger, der Lemur lernt zu teilen, der verstoßene Sekretär übernimmt die Führung. Nur das Wasserschwein bleibt phlegmatisch wie eh und je. „Flow ist verträumt, episch, bedrohlich und wunderschön. Das Beste von allem ist, dass die Tiere Tiere sind, wortlos und hauptsächlich mit ihrer eigenen Sicherheit und ihrer nächsten Mahlzeit beschäftigt. Dennoch sind sie gezwungen, miteinander auszukommen, und sie werden zu mehr als der Summe ihrer pelzigen und gefiederten Teile. … Der Regisseur dieser magischen Fabel ist Gints Zilbalodis, ein 30-jähriger lettischer Animator. Möge Hollywood ihn niemals mit Angeboten für Reichtum und Fortsetzungen umwerben …“ Ty Burr | Washington Post
Simóns Verhältnis zu seiner Mutter ist schon länger schwierig. Wirklich zu Hause fühlt er sich nur bei Pehuén und den anderen an der Schule für Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Dort hat er das Gefühl, er selbst sein zu dürfen, auch wenn er anders ist als alle anderen.
In lose verbundenen Vignetten tauchen wir in das Leben einer Gruppe verhaltensorigineller Jugendlicher ein. Unser Titelheld fühlt sich vor allem an der Seite von Pehuén und Colo wohl (wie die anderen kognitiv Eingeschränkten von Laien gespielt) – einmal, als die beiden Sex haben, steht er sogar für sie Schmiere. Doch irgendwann fragt sich, was Simón an dieser Schule eigentlich verloren hat und warum er sich hier zugehörig fühlt. Luis’ ungewöhnliches Drama stellt unsere Wahrnehmung von Menschen, die wir als „anders“ qualifizieren, auf die Probe. Sein Plädoyer lässt vieles offen, aber keinen Zweifel: Verbundenheit kann nur durch Offenheit entstehen. (Roman Scheiber)
Sarahs Karriere als Mixed-Martial-Arts-Kämpferin geht zu Ende, statt in den Ring zu steigen, wird sie zukünftig Kinder trainieren. Ein plötzliches Angebot aus Jordanien, die Töchter einer reichen Familie zu unterrichten – MMA sei dort gerade der letzte Schrei – hört sich da sehr exotisch und verführerisch an. Sarah sagt ja und packt ihre Sachen. Dort angekommen, muss sie bald erkennen, dass die Familie viel reicher ist als gedacht, und soviel Einfluss besitzt, dass man ihr im Hotel, wo sie untergebracht ist, nichts darüber erzählen mag. Außerdem ist unschwer zu erkennen, dass die drei jungen Frauen kein wirkliches Interesse am Sport haben. Viel lieber sitzen sie im Wohnzimmer, lackieren sich die Nägel und schauen Soaps. Dabei stehen sie immer unter Aufsicht, auch bei gelegentlichen Shopping-Ausflügen begleitet sie ein Bodyguard. Als aufgeklärte Frau aus dem Westen denkt sich Sarah ihren Teil, und als sie gefragt wird, glaubt sie, Nour, Shaima und Fatima helfen zu können und zu müssen.
„Mir war wichtig, dass das Publikum Sarah folgt und sich dieselben Fragen stellt wie sie. Auch Sarah sieht nie das ganze Bild. Trotzdem bleibt die Frage, ob sie solidarisch agieren soll. Dieser Zweifel sollte bis zum Ende bestehen. Mich hat dabei die Geschichte von Prinzessin Latifah, der Tochter des Königs von Dubai, inspiriert. Sie ist mit ihrer finnischen Capoeira-Lehrerin geflüchtet. Tatsächlich kam aber nicht die Prinzessin heil davon, sondern die Europäerin. Das fand ich interessant und wollte dieses Gefühl in Mond wiedergeben: Wem glaubt man? Was ist wirklich passiert? Sind meine eigenen Vorurteile im Weg?” Kurdwin Ayub im ray-Magazin
Nach Sonne ist dies der zweite Teil einer geplanten Trilogie der kurdisch-österreichischen Regisseurin Kurdwin Ayub, die dafür beim Filmfestival von Locarno mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde.
Credits:
AT 2024, 93 Min, deutsch/arabisch/englische OmU Regie: Kurdwin Ayub Kamera: Klemens Hufnagl, Schnitt: Roland Stöttinger, mit: Florentina Holzinger, Andria Tayeh, Celina Antwan, Nagham Abu Baker, u.a.
Köln 75 erzählt die wahre Geschichte hinter einer der meistverkauften Jazzplatten aller Zeiten, dem „Köln Concert“ von Keith Jarrett aus dem Jahr 1975. Fast wäre das Konzert gar nicht zustande gekommen, doch ein entschlossener deutscher Teenager, die erst 18-jährige Vera Brandes, setzte alle Hebel in Bewegung, um die Voraussetzungen für die Entstehung eines Meisterwerks zu schaffen. Vera, die noch zur Schule geht, als sie anfängt, in Köln Musikevents zu produzieren und zu promoten, geht aufs Ganze, um dieses Konzert auf die Bühne zu bringen. Es scheint, als stünde alles gegen sie, doch Vera glaubt an die Kraft der Musik und hat noch nie jemanden so spielen sehen wie Keith Jarrett.
Credits:
DE/BE/PL 2024, 115 Min., Regie: Ido Fluk Kamera: Jens Harant Schnitt: Anja Siemens mit Mala Emde, John Magaro, Michael Chernus, Alexander Scheer, Ulrich Tukur
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