Am I OK?

Ein Film von Stephanie Allynne & Tig Notaro. In Englisch.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Lucy und Jane sind seit ihrer Jugend bes­te Freundinnen. Sie leben in Los Angeles, wo Jane in einer Werbeagentur tätig ist und sich Lucy in einem Spa ver­dingt, wäh­rend sie eigent­lich Malerin sein will. Lucy hadert aber vor allem mit ihrer Sexualität. Erst jetzt, im Alter von 32 Jahren, will sie sich ein­ge­ste­hen, dass sie les­bisch ist. Just in dem Moment erhält Jane ein Angebot ihrer Firma, eine Dependance in London auf­zu­bau­en – dort leb­te sie, bis ihre Eltern mit ihr im Teenageralter in die USA kamen. Bevor sie geht, möch­te sie Lucy aber noch hel­fen, zu sich zu fin­den, doch dann kommt es zum schwe­ren Streit zwi­schen bei­den Frauen.

Dass Am I OK? weni­ger eine Coming-out-Geschichte ist als eine über die tie­fe und dadurch nicht unkom­pli­zier­te Freundschaft zwei­er Frauen, ist die eigent­li­che Überraschung die­ses von Lauren Pomerantz geschrie­be­nen Films – und sei­ne gro­ße Stärke. Die Erkenntnis, dass für nicht weni­ge Menschen – ob que­er oder nicht – oft die engen, pla­to­ni­schen Beziehungen im Leben die ein­deu­tig wich­ti­ge­ren (und auch erzäh­le­risch ergie­bi­ge­ren) sind, kommt ja in Film und Fernsehen sonst eher zu kurz.
All das wäre nur halb so sehens­wert, wür­den Johnson und Mizuno (die durch Alex Garlands Ex-Machina bekannt wur­de und seit­her in jedem sei­ner Filme zu sehen war) nicht so ein groß­ar­ti­ges, glaub­wür­di­ges Freundinnenduo abge­ben. Gerade gegen­sätz­lich genug, aber nie bloß plum­pes Klischee. Den rasan­ten, unge­mein poin­tier­ten, jedoch nie unna­tür­lich wir­ken­den Dialogwitz, der längst nicht nur an Notaros Stand-up-Progamme erin­nert, erwe­cken die bei­den mit so viel Authentizität und Frische zum Leben, dass es die reins­te Freude ist. Und die Gefahr, dass die Queerness der Geschichte zum blo­ßen Running Gag ohne Hand und Fuß ver­kommt, besteht bei lau­ter les­bi­schen Frauen, die die krea­ti­ve Verantwortung hin­ter der Kamera tra­gen, zum Glück eben­falls nicht. Langer Rede kur­zer Sinn: Witziger und char­man­ter hat man sich in die­sem Jahr im Kino noch kaum amü­siert.”
Patrick Heidmann | epd Film

Credits:

US 2022, 86 Min., engl., OV
Regie & Schnitt: Stephanie Allynne & Tig Notaro
Kamera: Cristina Dunlap
Schnitt: Kayla Emter · Glen Scantlebury
mit: Dakota Johnson, Sonoya Mizuno, Jermaine Fowler, Kiersey Clemons, Molly Gordon

Trailer:
Am I Ok? | Official Trailer | Max
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Kategorie: Vorstellung

  • Am I OK?

    Am I OK?

    Ein Film von Stephanie Allynne & Tig Notaro. In Englisch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Lucy und Jane sind seit ihrer Jugend bes­te Freundinnen. Sie leben in Los Angeles, wo Jane in einer Werbeagentur tätig ist und sich Lucy in einem Spa ver­dingt, wäh­rend sie eigent­lich Malerin sein will. Lucy hadert aber vor allem mit ihrer Sexualität. Erst jetzt, im Alter von 32 Jahren, will sie sich ein­ge­ste­hen, dass sie les­bisch ist. Just in dem Moment erhält Jane ein Angebot ihrer Firma, eine Dependance in London auf­zu­bau­en – dort leb­te sie, bis ihre Eltern mit ihr im Teenageralter in die USA kamen. Bevor sie geht, möch­te sie Lucy aber noch hel­fen, zu sich zu fin­den, doch dann kommt es zum schwe­ren Streit zwi­schen bei­den Frauen.

    Dass Am I OK? weni­ger eine Coming-out-Geschichte ist als eine über die tie­fe und dadurch nicht unkom­pli­zier­te Freundschaft zwei­er Frauen, ist die eigent­li­che Überraschung die­ses von Lauren Pomerantz geschrie­be­nen Films – und sei­ne gro­ße Stärke. Die Erkenntnis, dass für nicht weni­ge Menschen – ob que­er oder nicht – oft die engen, pla­to­ni­schen Beziehungen im Leben die ein­deu­tig wich­ti­ge­ren (und auch erzäh­le­risch ergie­bi­ge­ren) sind, kommt ja in Film und Fernsehen sonst eher zu kurz.
    All das wäre nur halb so sehens­wert, wür­den Johnson und Mizuno (die durch Alex Garlands Ex-Machina bekannt wur­de und seit­her in jedem sei­ner Filme zu sehen war) nicht so ein groß­ar­ti­ges, glaub­wür­di­ges Freundinnenduo abge­ben. Gerade gegen­sätz­lich genug, aber nie bloß plum­pes Klischee. Den rasan­ten, unge­mein poin­tier­ten, jedoch nie unna­tür­lich wir­ken­den Dialogwitz, der längst nicht nur an Notaros Stand-up-Progamme erin­nert, erwe­cken die bei­den mit so viel Authentizität und Frische zum Leben, dass es die reins­te Freude ist. Und die Gefahr, dass die Queerness der Geschichte zum blo­ßen Running Gag ohne Hand und Fuß ver­kommt, besteht bei lau­ter les­bi­schen Frauen, die die krea­ti­ve Verantwortung hin­ter der Kamera tra­gen, zum Glück eben­falls nicht. Langer Rede kur­zer Sinn: Witziger und char­man­ter hat man sich in die­sem Jahr im Kino noch kaum amü­siert.”
    Patrick Heidmann | epd Film

    Credits:

    US 2022, 86 Min., engl., OV
    Regie & Schnitt: Stephanie Allynne & Tig Notaro
    Kamera: Cristina Dunlap
    Schnitt: Kayla Emter · Glen Scantlebury
    mit: Dakota Johnson, Sonoya Mizuno, Jermaine Fowler, Kiersey Clemons, Molly Gordon

    Trailer:
    Am I Ok? | Official Trailer | Max
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  • Ein kleines Stück vom Kuchen

    Ein kleines Stück vom Kuchen

    Ein Film von Maryam Moghaddam & Behtash Sanaeeha. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Unter den Fachbesucher*innen galt er schnell als Geheimtip, beim rest­li­chen Berlinale-Publikum wur­de er bald zum Liebling – der ira­ni­sche Wettbewerbsbeitrag My Favourite Cake / Ein klei­nes Stück vom Kuchen. Die berüh­ren­de Geschichte von Annäherung und Zuneigung zwei­er ein­sa­mer Menschen ist zugleich eine des Widerstandes gegen die Vorschriften einer Gesellschaft, die Verletzungen ihrer Sitten- und Moralvorstellungen sehr schnell und sehr hart ahn­det.
    Seit ihr Mann vor 30 Jahren starb, lebt Mihan allein in ihrem klei­nen Haus mit Garten in Teheran. Bei den regel­mä­ßi­gen Kaffeekränzchen mit Freundinnen wird ger­ne alles bespro­chen, so wird neben den Berichten von (natür­lich ver­bo­te­nen) amou­rö­sen Abenteuern ger­ne auch mal die DVD der letz­ten Darmspiegelung her­um­ge­reicht. Dabei bekommt sie immer wie­der zu hören, sie sol­le sich doch auch einen neu­en Begleiter suchen – schließ­lich sei sie ja mit ihren 70 Jahren noch fit und attrak­tiv. Schließlich fasst sich Mahin in Herz und geht auf die Suche. Als ihr der eben­falls ver­wit­we­te Taxifahrer Faramarz begeg­net und gefällt, ergreift sie selbst­be­wusst die Initiative und lädt ihn zu sich ein. Die bei­den kom­men ver­ste­hen sich, ver­ab­re­den sich, es gibt Wein, Tanz und natür­lich selbst­ge­ba­cke­nen Kuchen. Aber vor­sich­tig müs­sen sie sein, denn schon erkun­digt sich die Nachbarin nach den unbe­kann­ten Stimmen im Haus.
    Weil sie die Menschen rea­li­täts­nah so zei­gen, wie sie sind und was sie tun, und damit Grenzen des Erlaubten ver­let­zen, durf­ten Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha (Ballade von der wei­ßen Kuh, 2021 eben­falls im Berlinale Wettbewerb) nicht nach Berlin rei­sen. So trägt Mihan im Haus kei­nen Hijab und trinkt Wein. Es sei aber an der Zeit, die­se stan­dar­di­sier­ten Vorgaben im ira­ni­schen Kino zu durch­bre­chen, so erklär­te Darstellerin Lily Farhadpour, die als Menschenrechts-Aktivistin bereits Gefängniserfahrung hat, bei der Pressekonferenz. Diese zärt­li­che und (gele­gent­lich schwarz-) humo­ri­ge Liebesgeschichte zeigt schon­mal, wie es geht.

    Credits:

    Keyke mah­boo­be man / My favou­ri­te cake
    IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., far­si OmU
    Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha
    Kamera: Mohammad Haddadi
    Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva
    mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi, 

    Trailer:
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  • Exile never ends

    Exile never ends

    Ein Film von Bahar Bektaş.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Bahars Bruder Taner sitzt in Deutschland im Gefängnis und steht kurz vor der Abschiebung in die Türkei. Bahar nutzt die Zeit des Wartens, um die Kamera auf ihre Familienangehörigen zu rich­ten. In ruhi­gen und ein­fühl­sa­men Bildern erkun­det sie die emo­tio­na­len und geo­gra­fi­schen Welten der Familie von Entwurzelung und Neubeginn zwi­schen Deutschland und der Türkei.
    In Gesprächen mit ihren Eltern sowie ihren bei­den ande­ren Brüdern begibt sie sich auf eine schmerz­haf­te Reise in die Vergangenheit. Politische Verfolgung der ale­vi­tisch-kur­di­schen Familie in der Türkei, die Flucht nach Europa 1989, ras­sis­ti­sche Übergriffe, Depressionen und Überforderung der Eltern – all das traf die Kinder, die damit unter­schied­lich umge­hen. Die Ungewissheit über Taners Schicksal in der Türkei ist nur ein Spiegel ihrer Lebenserfahrung als Familie im Exil. Die Verzerrung von Vergangenheit und Gegenwart sowie unter­schied­li­cher Geografien kon­fron­tiert die Zuschauenden mit einer der Eigenschaften des Exils, näm­lich dem Verlust der Orientierung in Zeit und Raum.
    Ausgezeichnet mit dem FFF-Förderpreis Dokumentarfilm bei Dokfilm München: „Es ist sel­ten, dass ein Dokumentarfilm die gan­ze Kom­plexität abbil­det, die das Exil mit sich bringt. Exile never ends ist eine bemer­kenswerte Ausnahme, denn der Film erforscht zwei Arten von Exil: das einer kur­di­schen Familie, die vor Verfolgung aus der Türkei nach Deutschland floh, und das der bei­den Söhne, die ihre Beziehung zu dem Land, in dem sie aufge­wachsen sind, in Frage stel­len. Der Film themati­siert Generationenkonflikte und die Herausforderungen von Integration – ohne dabei eine eige­ne Agenda zu ver­fol­gen. Bahar Bektaş erzählt die­se viel­schich­ti­ge, inti­me Geschichte, zeich­net ein­fühl­sam die kom­ple­xen Ge­fühlslagen ihrer Familienmitglieder nach und taucht auf ganz eige­ne Wei­se in die emo­tio­na­len und geo­gra­phi­schen Räume von Vertreibung und Neuanfang ein. Die Jury ent­schied sich ein­stim­mig für den Film und wür­digt die Sensibilität und Beobachtungsgabe einer sehr talen­tier­ten Regisseurin.“

    Credits:

    DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deut­schen Untertiteln
    Regie: Bahar Bektaş
    Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin
    Schnitt: Arash Asadi

    Trailer:
    Exile never ends | offi­zi­el­ler deut­scher Trailer
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  • Ein kleines Stück vom Kuchen

    Ein kleines Stück vom Kuchen

    Ein Film von Maryam Moghaddam & Behtash Sanaeeha. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Unter den Fachbesucher*innen galt er schnell als Geheimtip, beim rest­li­chen Berlinale-Publikum wur­de er bald zum Liebling – der ira­ni­sche Wettbewerbsbeitrag My Favourite Cake / Ein klei­nes Stück vom Kuchen. Die berüh­ren­de Geschichte von Annäherung und Zuneigung zwei­er ein­sa­mer Menschen ist zugleich eine des Widerstandes gegen die Vorschriften einer Gesellschaft, die Verletzungen ihrer Sitten- und Moralvorstellungen sehr schnell und sehr hart ahn­det.
    Seit ihr Mann vor 30 Jahren starb, lebt Mihan allein in ihrem klei­nen Haus mit Garten in Teheran. Bei den regel­mä­ßi­gen Kaffeekränzchen mit Freundinnen wird ger­ne alles bespro­chen, so wird neben den Berichten von (natür­lich ver­bo­te­nen) amou­rö­sen Abenteuern ger­ne auch mal die DVD der letz­ten Darmspiegelung her­um­ge­reicht. Dabei bekommt sie immer wie­der zu hören, sie sol­le sich doch auch einen neu­en Begleiter suchen – schließ­lich sei sie ja mit ihren 70 Jahren noch fit und attrak­tiv. Schließlich fasst sich Mahin in Herz und geht auf die Suche. Als ihr der eben­falls ver­wit­we­te Taxifahrer Faramarz begeg­net und gefällt, ergreift sie selbst­be­wusst die Initiative und lädt ihn zu sich ein. Die bei­den kom­men ver­ste­hen sich, ver­ab­re­den sich, es gibt Wein, Tanz und natür­lich selbst­ge­ba­cke­nen Kuchen. Aber vor­sich­tig müs­sen sie sein, denn schon erkun­digt sich die Nachbarin nach den unbe­kann­ten Stimmen im Haus.
    Weil sie die Menschen rea­li­täts­nah so zei­gen, wie sie sind und was sie tun, und damit Grenzen des Erlaubten ver­let­zen, durf­ten Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha (Ballade von der wei­ßen Kuh, 2021 eben­falls im Berlinale Wettbewerb) nicht nach Berlin rei­sen. So trägt Mihan im Haus kei­nen Hijab und trinkt Wein. Es sei aber an der Zeit, die­se stan­dar­di­sier­ten Vorgaben im ira­ni­schen Kino zu durch­bre­chen, so erklär­te Darstellerin Lily Farhadpour, die als Menschenrechts-Aktivistin bereits Gefängniserfahrung hat, bei der Pressekonferenz. Diese zärt­li­che und (gele­gent­lich schwarz-) humo­ri­ge Liebesgeschichte zeigt schon­mal, wie es geht.

    Credits:

    Keyke mah­boo­be man / My favou­ri­te cake
    IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., far­si OmU
    Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha
    Kamera: Mohammad Haddadi
    Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva
    mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi, 

    Trailer:
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  • Am I OK?

    Am I OK?

    Ein Film von Stephanie Allynne & Tig Notaro. In Englisch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Lucy und Jane sind seit ihrer Jugend bes­te Freundinnen. Sie leben in Los Angeles, wo Jane in einer Werbeagentur tätig ist und sich Lucy in einem Spa ver­dingt, wäh­rend sie eigent­lich Malerin sein will. Lucy hadert aber vor allem mit ihrer Sexualität. Erst jetzt, im Alter von 32 Jahren, will sie sich ein­ge­ste­hen, dass sie les­bisch ist. Just in dem Moment erhält Jane ein Angebot ihrer Firma, eine Dependance in London auf­zu­bau­en – dort leb­te sie, bis ihre Eltern mit ihr im Teenageralter in die USA kamen. Bevor sie geht, möch­te sie Lucy aber noch hel­fen, zu sich zu fin­den, doch dann kommt es zum schwe­ren Streit zwi­schen bei­den Frauen.

    Dass Am I OK? weni­ger eine Coming-out-Geschichte ist als eine über die tie­fe und dadurch nicht unkom­pli­zier­te Freundschaft zwei­er Frauen, ist die eigent­li­che Überraschung die­ses von Lauren Pomerantz geschrie­be­nen Films – und sei­ne gro­ße Stärke. Die Erkenntnis, dass für nicht weni­ge Menschen – ob que­er oder nicht – oft die engen, pla­to­ni­schen Beziehungen im Leben die ein­deu­tig wich­ti­ge­ren (und auch erzäh­le­risch ergie­bi­ge­ren) sind, kommt ja in Film und Fernsehen sonst eher zu kurz.
    All das wäre nur halb so sehens­wert, wür­den Johnson und Mizuno (die durch Alex Garlands Ex-Machina bekannt wur­de und seit­her in jedem sei­ner Filme zu sehen war) nicht so ein groß­ar­ti­ges, glaub­wür­di­ges Freundinnenduo abge­ben. Gerade gegen­sätz­lich genug, aber nie bloß plum­pes Klischee. Den rasan­ten, unge­mein poin­tier­ten, jedoch nie unna­tür­lich wir­ken­den Dialogwitz, der längst nicht nur an Notaros Stand-up-Progamme erin­nert, erwe­cken die bei­den mit so viel Authentizität und Frische zum Leben, dass es die reins­te Freude ist. Und die Gefahr, dass die Queerness der Geschichte zum blo­ßen Running Gag ohne Hand und Fuß ver­kommt, besteht bei lau­ter les­bi­schen Frauen, die die krea­ti­ve Verantwortung hin­ter der Kamera tra­gen, zum Glück eben­falls nicht. Langer Rede kur­zer Sinn: Witziger und char­man­ter hat man sich in die­sem Jahr im Kino noch kaum amü­siert.”
    Patrick Heidmann | epd Film

    Credits:

    US 2022, 86 Min., engl., OV
    Regie & Schnitt: Stephanie Allynne & Tig Notaro
    Kamera: Cristina Dunlap
    Schnitt: Kayla Emter · Glen Scantlebury
    mit: Dakota Johnson, Sonoya Mizuno, Jermaine Fowler, Kiersey Clemons, Molly Gordon

    Trailer:
    Am I Ok? | Official Trailer | Max
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  • filmPOLSKA reloaded – Woman On The Roof

    filmPOLSKA reloaded – Woman On The Roof

    Kobieta na dachu / Woman On The Roof

    [Tickets]

    PL/FRA/CH 2022
    R/B: Anna Jadowska
    97 min, OmeU
    K: Ita Zbroniec-Zajt
    S: Piotr Kmiecik & Julia Gregory
    M: Katharina Nuttall
    D: Dorota Pomykała, Bogdan Koca, Adam Bobik u. a.

    Zwei Jahre Arbeit in der Geburtsstation hat die Ärztin Mira noch vor sich, dann ist die ersehn­te Rente erreicht. Ihr Gehalt ist zwar nicht üppig, reicht aber für die klei­ne Block-Wohnung in der Provinzstadt und die drei­köp­fi­ge Familie – theo­re­tisch, denn heim­lich hat sie ihrer Schwester viel Geld geborgt, Kredite auf­ge­nom­men und kommt nun mit der Tilgung nicht mehr hin­ter­her. Als die Lage aus­sichts­los wird, reagiert sie so ver­zwei­felt wie unge­schickt: Sie ver­sucht eine Bank zu über­fal­len, was gründ­lich schief geht. Aber anstatt sich ihren Verwandten anzu­ver­trau­en, frisst sie den Kummer in sich hin­ein, bis sie auf dem titel­ge­ben­den Dach steht und vor sich nur noch den Abgrund sieht.

    Wie schon in ihrem Drama „Dzikie róże / Wild Roses“ (2017) gelingt es Jadowska vir­tu­os, weit ab von markt­schreie­ri­schen Effekten mit klei­nen Schritten ein Psycho-Porträt zu ent­wer­fen, in dem das Verschwiegene schwe­rer wiegt als das Gesagte. Ihr größ­ter Trumpf ist dabei Dorota Pomykała, die als ver­zwei­fel­te Anti-Heldin sowohl das Kinopublikum als auch Festival-Jurys über­zeu­gen konn­te. In einem sehr brei­ten Bildformat mit hell und kühl aus­ge­leuch­te­ten Szenen beherrscht sie ohne musi­ka­li­sche Unterstützung sou­ve­rän die Leinwand. [Rainer Mende]

    Anna Jadowska (geb. 1973 in Oleśnica) stu­dier­te Polonistik in Wrocław und Regie in Łódź. Als Regisseurin arbei­te­te sie für popu­lä­re TV-Serien wie „M jak miłość“ oder „Na dob­re i na złe“. Als Autorenfilmerin dreh­te sie Dokumentar- und Spielfilme, wobei sie das mit zahl­rei­chen Preisen (u. a. beim FilmFestival Cottbus) aus­ge­zeich­ne­te Drama „Dzikie róże / Wild Roses“ (2017) inter­na­tio­nal bekannt machte.

    wei­te­re Filmpolska Termine:

    • vorbei 
  • Exile never ends

    Exile never ends

    Ein Film von Bahar Bektaş.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Bahars Bruder Taner sitzt in Deutschland im Gefängnis und steht kurz vor der Abschiebung in die Türkei. Bahar nutzt die Zeit des Wartens, um die Kamera auf ihre Familienangehörigen zu rich­ten. In ruhi­gen und ein­fühl­sa­men Bildern erkun­det sie die emo­tio­na­len und geo­gra­fi­schen Welten der Familie von Entwurzelung und Neubeginn zwi­schen Deutschland und der Türkei.
    In Gesprächen mit ihren Eltern sowie ihren bei­den ande­ren Brüdern begibt sie sich auf eine schmerz­haf­te Reise in die Vergangenheit. Politische Verfolgung der ale­vi­tisch-kur­di­schen Familie in der Türkei, die Flucht nach Europa 1989, ras­sis­ti­sche Übergriffe, Depressionen und Überforderung der Eltern – all das traf die Kinder, die damit unter­schied­lich umge­hen. Die Ungewissheit über Taners Schicksal in der Türkei ist nur ein Spiegel ihrer Lebenserfahrung als Familie im Exil. Die Verzerrung von Vergangenheit und Gegenwart sowie unter­schied­li­cher Geografien kon­fron­tiert die Zuschauenden mit einer der Eigenschaften des Exils, näm­lich dem Verlust der Orientierung in Zeit und Raum.
    Ausgezeichnet mit dem FFF-Förderpreis Dokumentarfilm bei Dokfilm München: „Es ist sel­ten, dass ein Dokumentarfilm die gan­ze Kom­plexität abbil­det, die das Exil mit sich bringt. Exile never ends ist eine bemer­kenswerte Ausnahme, denn der Film erforscht zwei Arten von Exil: das einer kur­di­schen Familie, die vor Verfolgung aus der Türkei nach Deutschland floh, und das der bei­den Söhne, die ihre Beziehung zu dem Land, in dem sie aufge­wachsen sind, in Frage stel­len. Der Film themati­siert Generationenkonflikte und die Herausforderungen von Integration – ohne dabei eine eige­ne Agenda zu ver­fol­gen. Bahar Bektaş erzählt die­se viel­schich­ti­ge, inti­me Geschichte, zeich­net ein­fühl­sam die kom­ple­xen Ge­fühlslagen ihrer Familienmitglieder nach und taucht auf ganz eige­ne Wei­se in die emo­tio­na­len und geo­gra­phi­schen Räume von Vertreibung und Neuanfang ein. Die Jury ent­schied sich ein­stim­mig für den Film und wür­digt die Sensibilität und Beobachtungsgabe einer sehr talen­tier­ten Regisseurin.“

    Credits:

    DE 2024, 100 Min., Deutsch, Türkisch mit deut­schen Untertiteln
    Regie: Bahar Bektaş
    Kamera: Antonia Kilian und Meret Madörin
    Schnitt: Arash Asadi

    Trailer:
    Exile never ends | offi­zi­el­ler deut­scher Trailer
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  • Ein kleines Stück vom Kuchen

    Ein kleines Stück vom Kuchen

    Ein Film von Maryam Moghaddam & Behtash Sanaeeha. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Unter den Fachbesucher*innen galt er schnell als Geheimtip, beim rest­li­chen Berlinale-Publikum wur­de er bald zum Liebling – der ira­ni­sche Wettbewerbsbeitrag My Favourite Cake / Ein klei­nes Stück vom Kuchen. Die berüh­ren­de Geschichte von Annäherung und Zuneigung zwei­er ein­sa­mer Menschen ist zugleich eine des Widerstandes gegen die Vorschriften einer Gesellschaft, die Verletzungen ihrer Sitten- und Moralvorstellungen sehr schnell und sehr hart ahn­det.
    Seit ihr Mann vor 30 Jahren starb, lebt Mihan allein in ihrem klei­nen Haus mit Garten in Teheran. Bei den regel­mä­ßi­gen Kaffeekränzchen mit Freundinnen wird ger­ne alles bespro­chen, so wird neben den Berichten von (natür­lich ver­bo­te­nen) amou­rö­sen Abenteuern ger­ne auch mal die DVD der letz­ten Darmspiegelung her­um­ge­reicht. Dabei bekommt sie immer wie­der zu hören, sie sol­le sich doch auch einen neu­en Begleiter suchen – schließ­lich sei sie ja mit ihren 70 Jahren noch fit und attrak­tiv. Schließlich fasst sich Mahin in Herz und geht auf die Suche. Als ihr der eben­falls ver­wit­we­te Taxifahrer Faramarz begeg­net und gefällt, ergreift sie selbst­be­wusst die Initiative und lädt ihn zu sich ein. Die bei­den kom­men ver­ste­hen sich, ver­ab­re­den sich, es gibt Wein, Tanz und natür­lich selbst­ge­ba­cke­nen Kuchen. Aber vor­sich­tig müs­sen sie sein, denn schon erkun­digt sich die Nachbarin nach den unbe­kann­ten Stimmen im Haus.
    Weil sie die Menschen rea­li­täts­nah so zei­gen, wie sie sind und was sie tun, und damit Grenzen des Erlaubten ver­let­zen, durf­ten Maryam Moghaddam und Behtash Sanaeeha (Ballade von der wei­ßen Kuh, 2021 eben­falls im Berlinale Wettbewerb) nicht nach Berlin rei­sen. So trägt Mihan im Haus kei­nen Hijab und trinkt Wein. Es sei aber an der Zeit, die­se stan­dar­di­sier­ten Vorgaben im ira­ni­schen Kino zu durch­bre­chen, so erklär­te Darstellerin Lily Farhadpour, die als Menschenrechts-Aktivistin bereits Gefängniserfahrung hat, bei der Pressekonferenz. Diese zärt­li­che und (gele­gent­lich schwarz-) humo­ri­ge Liebesgeschichte zeigt schon­mal, wie es geht.

    Credits:

    Keyke mah­boo­be man / My favou­ri­te cake
    IR/FR/SE/DE 2024, 97 Min., far­si OmU
    Regie: Maryam Moghaddam, Behtash Sanaeeha
    Kamera: Mohammad Haddadi
    Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha, Ricardo Saraiva
    mit: Lily Farhadpour, Esmail Mehrabi, 

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  • Am I OK?

    Am I OK?

    Ein Film von Stephanie Allynne & Tig Notaro. In Englisch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Lucy und Jane sind seit ihrer Jugend bes­te Freundinnen. Sie leben in Los Angeles, wo Jane in einer Werbeagentur tätig ist und sich Lucy in einem Spa ver­dingt, wäh­rend sie eigent­lich Malerin sein will. Lucy hadert aber vor allem mit ihrer Sexualität. Erst jetzt, im Alter von 32 Jahren, will sie sich ein­ge­ste­hen, dass sie les­bisch ist. Just in dem Moment erhält Jane ein Angebot ihrer Firma, eine Dependance in London auf­zu­bau­en – dort leb­te sie, bis ihre Eltern mit ihr im Teenageralter in die USA kamen. Bevor sie geht, möch­te sie Lucy aber noch hel­fen, zu sich zu fin­den, doch dann kommt es zum schwe­ren Streit zwi­schen bei­den Frauen.

    Dass Am I OK? weni­ger eine Coming-out-Geschichte ist als eine über die tie­fe und dadurch nicht unkom­pli­zier­te Freundschaft zwei­er Frauen, ist die eigent­li­che Überraschung die­ses von Lauren Pomerantz geschrie­be­nen Films – und sei­ne gro­ße Stärke. Die Erkenntnis, dass für nicht weni­ge Menschen – ob que­er oder nicht – oft die engen, pla­to­ni­schen Beziehungen im Leben die ein­deu­tig wich­ti­ge­ren (und auch erzäh­le­risch ergie­bi­ge­ren) sind, kommt ja in Film und Fernsehen sonst eher zu kurz.
    All das wäre nur halb so sehens­wert, wür­den Johnson und Mizuno (die durch Alex Garlands Ex-Machina bekannt wur­de und seit­her in jedem sei­ner Filme zu sehen war) nicht so ein groß­ar­ti­ges, glaub­wür­di­ges Freundinnenduo abge­ben. Gerade gegen­sätz­lich genug, aber nie bloß plum­pes Klischee. Den rasan­ten, unge­mein poin­tier­ten, jedoch nie unna­tür­lich wir­ken­den Dialogwitz, der längst nicht nur an Notaros Stand-up-Progamme erin­nert, erwe­cken die bei­den mit so viel Authentizität und Frische zum Leben, dass es die reins­te Freude ist. Und die Gefahr, dass die Queerness der Geschichte zum blo­ßen Running Gag ohne Hand und Fuß ver­kommt, besteht bei lau­ter les­bi­schen Frauen, die die krea­ti­ve Verantwortung hin­ter der Kamera tra­gen, zum Glück eben­falls nicht. Langer Rede kur­zer Sinn: Witziger und char­man­ter hat man sich in die­sem Jahr im Kino noch kaum amü­siert.”
    Patrick Heidmann | epd Film

    Credits:

    US 2022, 86 Min., engl., OV
    Regie & Schnitt: Stephanie Allynne & Tig Notaro
    Kamera: Cristina Dunlap
    Schnitt: Kayla Emter · Glen Scantlebury
    mit: Dakota Johnson, Sonoya Mizuno, Jermaine Fowler, Kiersey Clemons, Molly Gordon

    Trailer:
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  • Verbrannte Erde

    Verbrannte Erde

    Ein Film von Thomas Arslan. 

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    Nach Im Schatten (2010, am 27. & 28.7. noch­mal im fsk) kommt end­lich der zwei­te Teil der Trilogie um den Berufskriminellen Trojan, gespielt von Mišel Matičević, ins Kino. Trojan, der aus einer ande­ren Zeit zu stam­men scheint, geht pro­fes­sio­nell und nüch­tern sei­ner Tätigkeit als Spezialist für Einbruchsdiebstahl nach. Wortkarg und ziel­ori­en­tiert ver­sucht er, wie­der auf die Beine zu kom­men, geht zurück nach Berlin, um dort anzu­knüp­fen, wo er vor vier­zehn Jahren abbre­chen muss­te, um sich in Sicherheit zu brin­gen. Schließlich wird ihm ein Job anver­traut, er sucht sich ein Team von eben­bür­ti­gen Spezialisten zusam­men, es geht end­lich wie­der los…Der Kameramann Reinhold Vorschneider kre­iert eine Nachtwelt vol­ler Lichter und Schatten, die die Protagonisten nie preis­gibt. Aber wir glau­ben Trojan zu ken­nen und erkun­den mit ihm das Labyrinth, ahnen den Verrat und wis­sen: dies ist erst der zwei­te Teil der Trilogie und Trojan wird über­le­ben. Oder?

    Was Christoph Hochhäusler schon im Vorjahr auf dem Festival bewie­sen hat­te, mit sei­nem wun­der­bar sinn­li­chen Bis ans Ende der Nacht, setzt sein Berliner-Schule-Kollege Arslan nun fort. Er ent­wirft ein Kino, das sich nicht zwi­schen Genre- und Autorenfilm ent­schei­den muss, zwi­schen Erdung und Veredelung, das sich nicht um sich selbst betrü­gen muss und des­halb so frei­mü­tig von Betrügereien erzählt — weil sie mit­un­ter viel schö­ner sein kön­nen als die soge­nann­te ehr­li­che Arbeit. Thomas Arslan hat sei­nem Meisterverbrecher Trojan 14 Jahre nach Im Schatten einen eben­bür­ti­gen zwei­ten Film geschenkt. Das ist vor allem wegen sei­nes Hauptdarstellers Mišel Matičević ein abso­lu­ter Glücksfall für das deut­sche Kino. Matičević ver­steht es, Intellekt und Physis zu ver­bin­den, Gefahr und Moralität, die Überschätzung der eige­nen Unverwundbarkeit und die sub­ti­le Vorahnung des Verhängnisses…“
    Daniel Moersener, Zeit Online, Artikel zur Berlinale 2024

    Credits:

    DE 2024, 101 Min., dt. OmeU
    Regie: Thomas Arslan
    Kamera: Reinhold Vorschneider
    Schnitt: Reinaldo Pinto Almeida
    mit Mišel Matičević, Marie Leuenberger, Alexander Fehling, Tim Seyfi, Bilge Bingül, Marie-Lou Sellem, Katrin Röver, Anja Schneider, Tamer Yiğit

    Trailer:
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