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Ein Film von Susanne Heinrich.
Und, worum geht es in dem Film? Eine häufig gestellte Frage, die allerdings in die falsche Richtung zielt. Bei Filmen (und nicht nur da) ist das Wie entscheidender als das Was. Eine Geschichte kann völlig simpel ausfallen. Erst wenn die Inszenierung ebenso schematisch daherkommt, wird es langweilig bis nichtssagend und schlimmstenfalls beides davon. „Das melancholische Mädchen“ führt den Effekt vor: Der Plot ist nicht mal sprunghaft, sondern letztlich nicht vorhanden. Die halb verkopfte und theorieschwangere, halb verspielte Inszenierung macht das Ganze aber zu gleichen Teilen unterhaltsam, eigenwillig und interpretierfähig.
Im Mittelpunkt steht das titelgebende melancholische Mädchen (passend besetzt: Marie Rathscheck), das wie sämtliche Figuren – darunter der Existentialist, die Clubfreundin, der Normalo – namenlos bleibt. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz streift die selbsternannte Autorin mit Schreibblockade durch Berlin und trifft verschiedene Männer, die sie schnell mit nach Hause begleitet und oft unvermittelt wieder sitzen lässt.
Der Film unterteilt sich in 15 Episoden, die Titel wie „Feminismus zu verkaufen“, „Die Gewalt der Liebesmärchen“ oder „Objekte der Begierde“ tragen. Es geht um Feminismus, die Rolle des Kapitalismus in diesem Feld und das selbstbestimmte Handeln der Streunerin. „Rambo is a pussy,“ lautet ein T‑Shirt-Aufdruck; an anderer Stelle meint die junge Frau, dass ihr Körper allen anderen mehr gehört als ihr selbst. Mit Rosa und Blau setzt Susanne Heinrich leitmotivisch zwei Farben ins Bild, die quasi symbolisch für die Geschlechterfrage stehen. Symbolcharakter haben auch die Penisse, die hier mitunter direkt vor der Kameralinse rumbaumeln. Heinrich wirft herrlich schamlose und daher ungewohnte Blicke auf männliche Körper.
An einer schlüssigen Story zeigt die Filmemacherin derweil kein Interesse. Jeder Dialog, jeder Frame zwitschert es heraus: Je suis cinéma! Die Selbstbespiegelung fängt mit der Wahl des 4:3‑Formats an und setzt sich in der stilisierten Bildästhetik, dem extrovertierten Tondesign und dem gekünstelten Schauspiel fort. Hinzu kommen Motiv-Dopplungen und Wiederholungen, eine musikalische Trickfilmsequenz oder Retro-Wischblenden à la „Star Wars“. Heinrich hat ihren Schlegel gelesen und transferiert dessen Autonomiepostulat ins Filmische. Die Form produziert den Inhalt, bis die Selbstbespiegelung im digitalen Bandsalat abreißt.
Das Bemerkenswerte daran ist nicht das Artifizielle, sondern der Glücksfall, dass der Film kein Stück langweilt. Das mit Filmseminarwissen vollgepackte Debüt ist kein marktgerechtes Thesengedöns, sondern zuerst eine aufgeweckte Gesellschaftskomödie mit einer schönen Form der Ironie – der vollen Ironie nämlich, die nicht nur plump das Gegenteil des Gesagten meint, sondern gleichzeitig auch das Gesagte und manches dazwischen.
Christian Horn | programmkino.de
Deutschland 2019, 80 Min., Deutsch mit englischen Untertiteln
Regie & Buch: Susanne Heinrich
Kamera: Agnesh Pakozdi
Schnitt: Susanne Heinrich, Benjamin Mirguet
mit: Marie Rathscheck, Nicolai Borger, Malte Bündgen, Dax Constantine, Monika Freinberger, Yann Grouhel, Julian Fricker, Nicolo Pasetti
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Das melancholische Mädchen – Trailer from Salzgeber & Co. Medien GmbH on Vimeo.
[:en]A film by Susanne Heinrich. In German with English subtitles.
A girl roams through the city looking for a place to sleep. Along the way she meets young mothers who celebrate motherhood religiously, goes home with an abstinent existentialist for whom sex is “just another market,” and waits for the end of capitalism in a drag bar. Her attempt to write a book doesn’t make it beyond the first sentence of the second chapter, and she finds no space between art galleries, yoga studios and the beds of strangers. Instead of trying to fit in, she starts regarding her depression as a political issue. Through 15 of the girl’s humorous encounters, Aren’t You Happy? explores our post-modern society between precarity and self-marketing, serial monogamy and neo-spirituality, disillusionment and the pressure to be happy. Susanne Heinrich’s debut film brings together pop and theory, feminism and humour, and gives you tons of quotes you’ll want to see on advertising billboards in neon letters.
Deutschland 2019, 80 Min., OmeU
Regie & Buch: Susanne Heinrich
Kamera: Agnesh Pakozdi
Schnitt: Susanne Heinrich, Benjamin Mirguet
mit: Marie Rathscheck, Nicolai Borger, Malte Bündgen, Dax Constantine, Monika Freinberger, Yann Grouhel, Julian Fricker, Nicolo Pasetti
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Das melancholische Mädchen – Trailer from Salzgeber & Co. Medien GmbH on Vimeo.
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