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Eine eiserne Kassette

Ein Film von Nils Olger.

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Von sei­ner Großmutter erhält Nils Olger nach dem Tod des Großvaters eine Kassette. In ihr lie­gen Rollen mit Fotonegativen. »Da hast du nun alle unse­re Geheimnisse«, sagt sie. Die Bilder las­sen ahnen, wor­an der Großvater als SS-Angehöriger im zwei­ten Weltkrieg betei­ligt war. Olger folgt der Spur der Negative und begibt sich an ihre Entstehungsorte. Nach Österreich, Ungarn und Italien. Es ist der Versuch des Nachgeborenen, sei­ne Erinnerungen an den Großvater um die von ihm ver­schwie­ge­nen Elemente zu ergän­zen und mit­hil­fe der Negative ein voll­stän­di­ge­res Bild ent­ste­hen zu lassen.

 
Credits:

AU/DE 2018, 102 Min., Deutsch, Italienisch, Ungarisch, Rumänisch OmU
Regie: Nils Olger
Drehbuch: Nils Olger
Kamera: Nils Olger, Juri Schaden, Thomas Marschall
Schnitt: Nils Olger

 

Termine:

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Trailer:

Eine eiser­ne Kassette – offi­zi­el­ler Trailer from bit­ters­weet GmbH on Vimeo.

 

The Gold Diggers (1983) + Performance: Confessions of am actress

Ein Film von Sally Potter mit anschlie­ßen­der Performance CONFESSIONS OF AN ACTRESS von Susanne Sachsse. Am  Mittwoch, 23.10. um 20 Uhr im fsk

THE GOLD DIGGERS (1983) ist das erstaun­li­che Debut von Regisseurin Sally Potter (Orlando, Tango Lesson, The Party), den sie mit einer rein weib­li­chen Crew insze­nier­te und zu den Schlüsselfilmen der 80-er Jahre gehört. Der sw-Film erzählt von zwei Frauen auf der Suche nach ihrer eige­nen Art von Gold. „Ich betrach­te die­sen Film als ein Musical, das eine weib­li­che Suche beschreibt. Während des Arbeits- und Herstellungsprozesses tra­ten die­sel­ben Fragen auf, die der Film sich zu stel­len bemüht: Fragen nach den Beziehungen zwi­schen Gold, Geld und Frauen; nach der Einbildung, Frauen sei­en macht­los; nach der tat­säch­li­chen und der inne­ren Suche nach Gold; nach der Bildsprache des Unbewussten und sei­ner Beziehung zu der Macht des Films; wir rufen uns die Kindheit und die Erinnerungen vor Augen und betrach­ten die Filmgeschichte als kol­lek­ti­ves Gedächtnis der Bilder, die wir von uns haben und die man sich von uns als Frauen macht.” (Sally Potter)

 
Credits:

GB 1983 82 Min. engl. OV • Regie: Sally Potter • Drehbuch: Lindsay Cooper, Rose English, Sally Potter • Kamera: Babette Mangolte • Kostüm: Rose English • Musik: Lindsay Cooper • Mit: Julie Christie, Collette Laffont

Termine:

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PJ Harvey – A Dog called Money

Ein Film von Seamus Murphy.

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Musikfilm, Reisefilm, Spurensuche und das Ergebnis der Begegnungen zwei­er sehr unter­schied­li­cher Künstler. Seamus Murphy ist haupt­säch­lich Fotograf und recher­chiert oft in soge­nann­ten Krisengebieten. Seine Arbeiten doku­men­tie­ren die Schattenseite, aber er ver­zich­tet auf die Perspektive des Fotoreporters, der vor­geb­lich das vor­ge­fun­de­ne fest­hält, ohne zu kom­men­tie­ren oder gar zu ästhe­ti­sie­ren. Murphy arbei­tet vor­wie­gend in S/W, sei­ne Bilder kön­nen sich im Auge des Betrachters wie Landschaften ent­fal­ten. Ähnlich wie Musik das kann, für mich sind eini­ge Alben von P J Harvey genau so: Let England shake und die gemein­sams­ten Arbeiten mit John Parish, Dance hall at lou­se point und A woman a man wal­ked by (cita­ti­on nee­ded). Die Kooperation Harvey/Murphy führ­te über sei­ne Kurzfilme zu den Songs von Let England. Shake zu gemein­sa­men Reisen. Dabei ent­stand ein Buch und schließ­lich P J Harveys aktu­el­les Album Hope six demo­l­i­ti­an pro­ject. Aufgenommen wur­de in einem mobi­len Studio, Kunstbesucher des Sommerset House in London konn­ten den Musikern bei den Aufnahmen zuschauen/zuhören. .

Natürlich gab es den kri­ti­schen Vorwurf, hier latscht eine Musikerin durch Kabul oder auf der fal­schen Seite der Straße in Washington D.C., kurz hin­term Kapitol etc,. Dann wird aus Elend Kunsthandwerk gemacht. Natürlich darf Musik seit lan­gem genau so ernst genom­men wer­den wie Fotografie oder Film oder Buch. Musik ist eman­zi­piert und nicht nur Jukebox. Die Frage, war­um sehe ich auf Murphys Seite die­se Bilder an und war­um zei­gen wir die­se Filme und war­um schaut die dann wer, ist eine andere.

 
Credits:

IR/GB 2019, 90 Min., engl. OmU
Regie, Buch: Seamus Murphy
Kamera: Seamus Murphy
Montage: Sebastian Gollek
mit: PJ. Harvey

Termine:

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Find me on the surface – Kurzfilmprogramm

LUNAR prä­sen­tiert:

aus­ge­such­te Kurzfilme von Miriam Gossing und Lina Sieckmann im Dialog mit einer Videoarbeit und einer Lesung von Vika Kirchenbauer 

Souvenir •  One Hour Real •  Desert Miracles • China Light  von Miriam Gossing & Lina Sieckmann

Please Relax Now •  Feeling Difference von Vika Kirchenbauer

26.10. 16–18 Uhr

 

 

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

Ein Film von Teona Strugar Mitevska.

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»Sag ihnen, du bist 24!«, rät die Mutter, als ihre Tochter wie­der ein­mal zu einem Job-Interview auf­bricht, das sie gegen den Willen der 31-jäh­ri­gen Petrunya arran­giert hat. Die hat zwar einen Einser-Uni-Abschluss in Geschichte, doch wer braucht schon eine Historikerin in ihrem Heimatort Štip in Nordmazedonien, 100 Kilometer süd­öst­lich von Skopje? So sitzt die­se außer­ge­wöhn­li­che Frau vor dem poten­zi­el­len Arbeitgeber, einem Fabrikbesitzer, der von oben her­ab auf ihr geblüm­tes Kleid schaut und sie nicht ernst nimmt. Auf dem Heimweg nach die­ser demü­ti­gen­den wie erfolg­lo­sen Vorstellung springt Petrunya spon­tan von der Brücke ins kal­te Wasser. Es ist Dreikönigstag, und wie in jedem Jahr tau­chen die jun­gen Männer der Stadt nach einem klei­nen hei­li­gen Kreuz, das der Priester in den eisi­gen Fluss wirft. Es zu ergat­tern, soll Glück brin­gen. Diesmal aber ist kein Mann, son­dern Petrunya am schnells­ten und hält die Trophäe in die Fernsehkameras – ein Skandal! Zwar hat Petrunya mit der Kirche eigent­lich nichts an Hut, aber ihr Widerstandsgeist ist geweckt . Mit stoi­scher Miene ver­tei­digt sie ihr Kreuz, einen Tag und eine Nacht lang, beglei­tet von öffent­li­chem Furor und gegen die geball­te Männerwelt. Bei der Berlinale waren die Kirchen nicht so streng, der Film bekam den Preis der Ökomenischen Jury.

»Es ist eine Groteske und doch bit­ter­ernst. Es ist eine Maximal-Bagatelle. Petrunya war nicht tauch­be­fugt, denn sie ist eine Frau. Man ahnt alles, was kommt, und dann kommt es genau so, bloß ganz anders. Mitsamt Polizeirevier und TV-Berichterstattung. Und das Unglaubliche geschieht: Teona Strugar Mitevska hält die­se Hochspannungsbalance. Der Überraschungsmoment liegt nie im Banal-Anderen, son­dern in den Graden der Intensität und Wahrhaftigkeit. Und in der Komik natür­lich.« Kerstin Decker | Tagesspiegel

 
Credits:

Gospod postoi, ime­to i’ e Petrunija
MK / BE / SI / HR / FR 2019,  100 Min., maze­do­ni­sche OmU

Regie: Teona Strugar Mitevska
Kamera: Virginie Saint Martin
Schnitt: Marie-Hélène Dozo
mit: Zorica Nusheva, Labina Mitevska, Simeon Moni Damevski, Suad Begovski, Violeta Shapkovska

Termine:

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Gott exis­tiert, ihr Name ist Petrunya from JIP Film und Verleih on Vimeo.

Lara

Ein Film von Jan-Ole Gerster.

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Lara hat Geburtstag. Sie wird sech­zig Jahre alt. Abends gibt ihr Sohn Viktor ein Klavierkonzert. Ihr Kontakt ist mehr oder weni­ger abge­bro­chen. Der sen­si­ble Viktor ist der Dominanz sei­ner Mutter nicht gewach­sen. Ihr Mann, ihre ehe­ma­li­gen Kolleginnen ver­mei­den auch jeden Kontakt mit ihr. Irritiert und ver­wun­dert neh­men sie zur Kenntnis, dass Lara jetzt, an die­sem Tag, ver­sucht, sich zu nähern, indem sie allen, auch manch­mal frem­den Menschen Freikarten für das Konzert ihres Sohnes anbie­tet. Ihre plötz­li­che Öffnung erscheint wie ihr gesam­tes Verhalten zwang­haft und nebu­lös, führt aber auch zu komi­schen Momenten,.
Der Film spielt wie schon „Oh Boy“ an einem ein­zi­gen Tag und wird in Episoden erzählt. Er erklärt nicht, woher Laras Härte kommt, er streut nur Andeutungen, um jede Didaktik zu vermeiden.
Es ist ihm hoch anzu­rech­nen, dass er es schafft, einer­seits eine ver­bit­te­re­te, über­grif­fi­ge und unbarm­her­zi­ge Frau zu zei­gen, ande­rer­seits aber Mitgefühl für deren Verzweiflung zu ent­wi­ckeln und der Zuschauer sie am Ende des Tages nicht im Regen ste­hen lässt. Schön ist auch, dass die Frage, ob sie eine Zumutung für die Welt oder die Welt für sie eine Zumutung ist, unent­schie­den bleibt: Am Ende ist nie­mand befreit oder erlöst.

… ein herbst­li­ches Flanieren, bei dem sich absur­de Komik und Traurigkeit, böser Witz und zar­te Melancholie mun­ter abwech­seln.“ Joachim Kurz | kino-zeit.de

… bes­tens besetzt bis in die Nebenrollen, ent­steht ein packend inten­si­ves Drama, das ein Klassiker-Thema mit erstaun­li­cher Leichtigkeit samt gelun­ge­ner Wendungen prä­sen­tiert.“ Dieter Oßwald | programmkino.de

 

 
Credits:

DE 2019, 100 Min., dt. Of mit engl. Ut.
Regie: Jan-Ole Gerster
Kamera: Frank Griebe
Schnitt: Isabel Meier
mit: Corinna Harfouch, Tom Schilling, André Jung, Volkmar Kleinert, Rainer Bock, Gudrun Ritter

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Shaun das Schaf – UFO-Alarm

Ein Film von Richard Phelan, Will Becher.

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Als Lu-La, ein schel­mi­scher und ent­zü­cken­der Außerirdischer mit erstaun­li­chen Kräften, in der Nähe der Farm lan­det, sieht Shaun bald eine Gelegenheit für außer­ir­di­schen Spaß und Abenteuer. Können Shaun, Bitzer und die Herde Farmageddon auf Mossy Bottom Farm abwen­den, bevor es zu spät ist?

 
Credits:

OT: A Shaun the Sheep Movie: Farmageddon
GB 2019, 85 Min., 

Regie: Richard Phelan, Will Becher
Drehbuch: Jon Brown, Mark Burton

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Barstow, California

Ein Film von Rainer Komers. Am 5.10. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch.

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Die Leinwand ist schwarz, das Geräusch einer schwe­ren Tür, die zufällt, ein Schlüssel dreht sich im Schloss.

Der Film Barstow, California nimmt uns mit in die Welt des Lyrikers Stanley »Spoon« Jackson, der aus sei­ner Autobiographie »By Heart« vor­liest, ohne selbst jemals im Bild zu sein. Geschrieben hat er sie im Gefängnis, in dem er seit 1978 wegen Mordes inhaf­tiert ist.

»Meine Haut fühlt sich warm und leben­dig an, die­sen September in San Quentin. Als wäre ich eine Eidechse, die sich auf einem gro­ßen Stein sonnt.«

Zur Off-Stimme von Spoon Jackson bli­cken wir auf die Landschaftsbilder der son­nen­durch­tränk­ten kali­for­ni­schen Mojave-Wüste und der Kleinstadt Barstow, die an der Interstate 15 auf hal­ber Strecke zwi­schen Los Angeles und Las Vegas liegt. In den Minen rund um Barstow wird bis heu­te Gold abgebaut.

Spoon Jackson ist einer von 15 Brüdern, zwei von ihnen füh­ren uns an die­sen ver­öde­ten Ort ihrer Kindheit. Sie erzäh­len von der Familiengeschichte, von Armut, Rassismus, aber auch vom Zusammenhalt zwi­schen den Nachbarn am Fluss. Wir hören von den plötz­li­chen Fluten des Mojave River und vom rhyth­mi­schen Rattern der Güterzüge, die sie nachts in den Schlaf san­gen. Noch immer ran­gie­ren sie dort, oder sie pas­sie­ren ohne Halt das gott­ver­las­se­ne Barstow. Und immer liegt die­ser Sound krei­schen­der Eisenbahnräder in der Luft, der das Gefühl der Einsamkeit bis hin­ter die Gitterstäbe des Solana Gefängnisses zu tra­gen scheint.

Ohne einen ein­zi­gen Satz über Politik zu ver­lie­ren, ist die­se poe­tisch-bio­gra­phi­sche Ortserkundung hochpolitisch.

 
Credits:

DE/US 2018, 76 Min., engl. OmU
Regie & Kamera: Rainer Komers
Editor: Gregor Bartsch

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Die Kandidaten

Ein Film von Michael Schwarz. Am 28. & 29.9.. Am Sonntag, 29.9. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch.

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Bundestagswahlkampf 2017: sechs Rheinland-pfäl­zi­sche JungpolitikerInnen der größ­ten Parteien buh­len um die Gunst des Wählers – weit weg von Berlin und ganz „nah bei de‘ Leut“. Es wird von Tür zu Tür gegan­gen, auf Festen mit­ge­trun­ken, viel dis­ku­tiert und Besserung ver­spro­chen. „PolitikerInnen bele­gen aktu­ell Rang 2 der unbe­lieb­tes­ten Berufe. Wie also ticken JungpolitikerInnen in unse­ren unru­hi­gen poli­ti­schen Zeiten, wie reagie­ren sie auf Europa-Krise, Trump und den auf­kom­men­den Rechtsruck in Deutschland?“ – sind die Ausgangsfragen der bei­den Regisseure Michael Schwarz und Alexander Griesser.

 
Credits:

DE 2019, 82 Min.
Regie, Buch, Ton: Michael Schwarz
Kamera: Alexander Griesser
Schnitt: Melanie Dietz

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DIE KANDIDATEN // Trailer from nacht­schwär­mer­film on Vimeo.

 

 

Heimat ist ein Raum aus Zeit

Ein Film von Thomas Heise.

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Viele Ichs kom­men in Thomas Heises essay­is­ti­schem Dokumentarfilm „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ zu Wort und den­noch ist in kei­nem Moment jene Ich-Bezogenheit zu spü­ren, an der all­zu vie­le zeit­ge­nös­si­sche Dokumentationen (und Spielfilme) kran­ken. Denn der 1955 in Ost-Berlin gebo­re­ne Thomas Heise erzählt hier zwar durch und durch sub­jek­tiv, tut jedoch in kei­nem Moment so, als wäre die­se per­sön­li­che Perspektive ein Spiegel des gro­ßen Ganzen.

Enorme Mengen an Material hat Heise zusam­men­ge­tra­gen, vor allem Briefe, die sich sei­ne Verwandten im Lauf der Zeit schrie­ben. Angefangen mit sei­nem Großvater Wilhelm, der durch die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges zum Kommunisten wur­de und spä­ter eine Wiener Jüdin hei­ra­te­te, die im Holocaust einen Großteil ihrer Familie ver­lor. Sein Vater Wolfgang wie­der­um war in der DDR Professor für Philosophie, kor­re­spon­dier­te mit Christa Wolf und Heiner Müller, setz­te sich für Regimekritiker ein und wur­de dadurch selbst von Regime geta­delt. Seine Frau Rosemarie war Übersetzerin, Redakteurin, Verlegerin, schließ­lich Thomas selbst, der nach der Wende durch Filme wie „Stau – Jetzt geht’s los“ „Vaterland“ oder „Material“ zu einem nach­denk­li­chen Chronisten Deutschlands und sei­ner Geschichte wurde.

Über drei­ein­halb Stunden liest Heise selbst mit sono­rer Stimme aus Briefen sei­ner Verwandten vor, oft unspek­ta­ku­lä­re Briefe, in denen sich die his­to­ri­schen Verwerfungen ihrer Zeit nur andeu­ten, mal weni­ger stark, mal deut­li­cher. Unterlegt sind die­se Bild nur sel­ten mit his­to­ri­schen Aufnahmen oder Fotos, statt­des­sen mit auf den ers­ten Blick banal wir­ken­den schwarz-weiß Aufnahmen von Alltäglichem: Wald und Felder sind da zu sehen, eine ver­las­se­ne Bank, Bahngleise ins Nirgendwo, Holzhaufen, meist Leere, kei­ne Menschen, nur Geschichte, nur Erinnerungen.

Fast ein Hörspiel ist „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ oft, doch gera­de dass die Bilder das Gehörte nicht bebil­dern, nicht das Gesagte dop­peln und über­deut­lich kom­men­tie­ren, öff­net Assoziationsräume, zwingt dazu, die eige­nen Gedanken flie­ßen zu las­sen, Bezüge her­zu­stel­len, den Lauf der deut­schen Geschichte in der glei­cher­ma­ßen unspek­ta­ku­lä­ren, aber doch bezeich­nen­den, per­sön­li­chen Geschichte der Familie Heise zu finden.

In einer der beein­dru­ckends­ten, beklem­mends­ten Szenen des Films rollt 20 Minuten eine Liste mit Namen ab. 19. Oktober 1941 ist auf ihr ver­merkt und man muss nicht spe­zi­ell wis­sen, dass an die­sem Tag die Deportation der Wiener Juden begann, um ange­sichts die­ser schier end­los lan­gen Auflistung die unvor­stell­ba­ren Ausmaße der Vernichtung vor Augen zu haben.

Was Heimat ist, was die­ser nach dem Dritten Reich dis­kre­di­tier­te Begriff heu­te bedeu­ten kann, ist eine Frage, die kei­ne leich­te Antwort kennt. Im Wissen um die Unmöglichkeit einer ein­deu­ti­gen Antwort geht Thomas Heise einen ande­ren Weg, reiht Gedanken, Ideen, Assoziationen anein­an­der, die – lässt man sich dar­auf ein – „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ zu einem rei­chen und berei­chern­den Erlebnis machen.

Michael Meyns | programmkino.de

 
Credits:

DE/AU 2019, 218 Min., 
Regie & Buch: Thomas Heise
Kamera: Stefan Neuberger, Peter Badel, Börres Weiffenbach
Schnitt: Chris Wright

Termine:

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