Ein junger Filmemacher, der sich von der eigenen Biografie und Lebensgeschichte inspirieren lässt? Was nach einem alten Hut klingt, wird bei Fabian Stumm zu etwas sehr Besonderen…. Sein neuer Film Sad Jokes etwa ist eine direkte Reaktion auf das Debüt Knochen und Namen, was dazu führt, dass im Zweitling nun ein Regisseur namens Joseph zwischen Uraufführung und Kinostart seines ersten Films schon an den Ideen für den nächsten feilt. Derweil zeigt sich, dass er über die schon eine Weile zurückliegende Trennung vom Ex doch noch nicht so wirklich hinweg ist, während das Kümmern um den kleinen Sohn dadurch erschwert wird, dass dessen Mutter und Josephs beste Freundin Sonya mit schweren Depressionen kämpft. Die traurigen Witze, die Stumms fantastischem Film seinen Namen geben, sind hier Programm. Sad Jokes vereint Humor und Tragik mit einer Leichtigkeit, die hierzulande eher selten gelingt. … Wobei Stumm, der obendrein auch noch ein Händchen für Slapstick hat, letztere so echt, glaubwürdig und witzig schreibt wie lange niemand mehr im deutschen Kino. Zum Ereignis wird sein Film aber auch, weil er seinen Schauspielenden (darunter Marie-Lou Sellem, Godehard Giese, Knut Berger oder Anneke Kim Sarnau) mit oft nur einer einzigen Szene eine wunderbare Bühne zum Glänzen bietet. Und weil es nicht nur ein berührender Film über Erwachsenen-Alltag und Kunstschaffen ist, sondern nebenbei auch mit großer Selbstverständlichkeit wichtige Themen wie queere Elternschaft oder psychische Gesundheit verhandelt … ohne je überfrachtet zu wirken. Patrick Heidmann | indiekino INDIEKINO: In der Eingangssequenz Ihres neuen Films erzählen verschiedene Menschen vor der Kamera Witze. Welcher gefällt Ihnen persönlich am besten? Fabian Stumm: Ich kann mich schwer entscheiden. Ich glaube, der mit dem Oktopus, obwohl er sehr lang ist. Die Frau, die ihn erzählt, ist meine Mutter. Sie ist die Komikerin in unserer Familie. Aber sie vertut sich, wie man sieht, gerne mal in der Pointe.
Credits:
DE 2024, 96 Min., deutsch-englisch-schwedisch-italienische Originalfassung, teilweise mit deutschen Untertiteln Regie: Fabian Stumm Kamera: Michael Bennett Schnitt: Kaspar Panizza mit Fabian Stumm, Haley Louise Jones, Justus Meyer, Ulrica Flach, Jonas Dassler, Godehard Giese, Marie-Lou Sellem
Ein junger Filmemacher, der sich von der eigenen Biografie und Lebensgeschichte inspirieren lässt? Was nach einem alten Hut klingt, wird bei Fabian Stumm zu etwas sehr Besonderen…. Sein neuer Film Sad Jokes etwa ist eine direkte Reaktion auf das Debüt Knochen und Namen, was dazu führt, dass im Zweitling nun ein Regisseur namens Joseph zwischen Uraufführung und Kinostart seines ersten Films schon an den Ideen für den nächsten feilt. Derweil zeigt sich, dass er über die schon eine Weile zurückliegende Trennung vom Ex doch noch nicht so wirklich hinweg ist, während das Kümmern um den kleinen Sohn dadurch erschwert wird, dass dessen Mutter und Josephs beste Freundin Sonya mit schweren Depressionen kämpft. Die traurigen Witze, die Stumms fantastischem Film seinen Namen geben, sind hier Programm. Sad Jokes vereint Humor und Tragik mit einer Leichtigkeit, die hierzulande eher selten gelingt. … Wobei Stumm, der obendrein auch noch ein Händchen für Slapstick hat, letztere so echt, glaubwürdig und witzig schreibt wie lange niemand mehr im deutschen Kino. Zum Ereignis wird sein Film aber auch, weil er seinen Schauspielenden (darunter Marie-Lou Sellem, Godehard Giese, Knut Berger oder Anneke Kim Sarnau) mit oft nur einer einzigen Szene eine wunderbare Bühne zum Glänzen bietet. Und weil es nicht nur ein berührender Film über Erwachsenen-Alltag und Kunstschaffen ist, sondern nebenbei auch mit großer Selbstverständlichkeit wichtige Themen wie queere Elternschaft oder psychische Gesundheit verhandelt … ohne je überfrachtet zu wirken. Patrick Heidmann | indiekino INDIEKINO: In der Eingangssequenz Ihres neuen Films erzählen verschiedene Menschen vor der Kamera Witze. Welcher gefällt Ihnen persönlich am besten? Fabian Stumm: Ich kann mich schwer entscheiden. Ich glaube, der mit dem Oktopus, obwohl er sehr lang ist. Die Frau, die ihn erzählt, ist meine Mutter. Sie ist die Komikerin in unserer Familie. Aber sie vertut sich, wie man sieht, gerne mal in der Pointe.
Credits:
DE 2024, 96 Min., deutsch-englisch-schwedisch-italienische Originalfassung, teilweise mit deutschen Untertiteln Regie: Fabian Stumm Kamera: Michael Bennett Schnitt: Kaspar Panizza mit Fabian Stumm, Haley Louise Jones, Justus Meyer, Ulrica Flach, Jonas Dassler, Godehard Giese, Marie-Lou Sellem
Über drei Jahre begleitet die Filmemacherin Ruth Beckermann eine Klasse im Alter von sieben bis zehn Jahren und ihre engagierte Lehrerin in einer großen Schule im Wiener Bezirk Favoriten. Der Film nimmt uns mit in den Unterricht und lässt uns die täglichen Abenteuer, Kämpfe, Niederlagen und Erfolge der Kinder ganz nah miterleben. Der Stadtteil Favoriten war einst ein Arbeiterbezirk, heute spricht ein Großteil der Kinder an den dortigen Grundschulen nicht Deutsch als Erstsprache. Mit großer Sensibilität begleitet der Film die Kinder, während ihre Lehrerin ihnen dabei hilft, einen Platz in einer Welt zu finden, in der sie sich oft nicht zugehörig fühlen. Indem wir die „Favoriten“ kennen lernen, erleben wir mit ihnen eine bewegte Zeit, die ihre Zukunft entscheidend prägen wird.
Ruth Beckermanns neuer Film ist eine Langzeitbeobachtung, die den Blick auf die strukturellen Probleme im Schulsystem lenkt und die Perspektive der Kinder ernst nimmt. Ein erstaunlich heiteres Porträt einer ungewöhnlichen Gemeinschaft, das Fragen stellt, auf die viele von uns eine Antwort suchen. Ein Film über das Lehren und das Lernen und darüber, wie die Zukunft unserer Gesellschaft auch im Klassenzimmer ausgehandelt wird.
„In dem Film verschränken sich strukturelle und individuelle Perspektiven. Denn zum einen wirft „Favoriten“ einen Blick auf ein von Mangel und Ungleichheit bestimmtes Bildungssystem, in dem bei aller Einfühlsamkeit und Hingabe der Lehrerin, die von Deutsch, Mathe über den Schwimmunterricht bis hin zum Klassenausflug alles zu verantworten hat, am Ende nur die Leistung zählt. Zum anderen sieht man jungen Individuen dabei zu, wie sie Welt, Sprache und soziales Miteinander begreifen, wie sie an Aufgaben wachsen und daran scheitern, wie sie verzweifeln und neuen Mut fassen. Dieser überaus lebendige Raum, den zu betrachten schön ist, anrührend, traurig und manchmal auch lustig, steht in „Favoriten“ im Zentrum, auch wenn das Systemische immer mitwirkt. Je näher die Schüler:innen dem Moment kommen, an dem sich ihre weitere Schulbildung entscheidet – Mittelschule oder, was für die wenigsten von ihnen in Betracht kommt, der Übertritt ins Gymnasium – arbeitet sich das in den Vordergrund.“ Esther Buss | Filmdienst
Credits:
AT 2024, 118 Min., in deutsch mit englischen Untertiteln Regie: Ruth Beckermann Kamera: Johannes Hammel Schnitt: Dieter Pichler
Trailer:
Favoriten (offizieller Trailer) – Ein Film von Ruth Beckermann
„Weißt du noch, was du werden wolltest, als du noch klein warst? Du wolltest Ärztin werden. Mama wollte immer, dass du Arzthelferin wirst. Aber du wolltest Ärztin werden“, erzählt Semra einmal zu ihrer kleinen Schwester Hazal, um sie aufzumuntern. Die kühle Antwort: „Ich wollte nie Ärztin werden. Als ich klein war, wollte ich Popstar werden.“ Ob Ärztin, Arzthelferin oder Popstar, bis dato kann die junge Frau aus dem Wedding trotz vieler Bewerbungen überhaupt keinen Beruf oder Ausbildungsplatz vorweisen, nicht zu einer einzigen Vorstellung wurde sie eingeladen. Das stresst und frustriert, doch an ihrem 18. Geburtstag soll gefeiert werden, dass es kracht, und der gemeine Alltag bleibt daheim. Mit den Freundinnen Elma, Gül und Ebru zieht Hazel durch die Stadt, Höhepunkt soll der Besuch im coolsten Club der Stadt sein, doch dort ist Schluss: kein Einlass, da zu aufgebrezelt. Die extreme Wut über die erneute Zurückweisung entlädt sich bei Hazel in einer Weise, dass sie als Ausweg nur noch die Flucht aus dem Land sieht, und so sitzt sie schon am nächsten Tag in dem ihr unbekannten Istanbul. Konnte sie in Berlin wegen ihrer türkischen Backgrounds nie richtig ankommen, findet sie sich in der für sie fremden Türkei auch nicht zurecht. Die Berliner Regisseurin Asli Özarslan (ihr Dokumentarfilm Dil Leyla war 2017 bei uns zu sehen), verfilmt hier den gleichnamigen Roman von Fatma Aydemir konsequent aus junger, weiblicher, migrantischer Perspektive. Die Protagonistin möchte eigentlich ein für sie normales Leben führen, wehrt sich aber gegen alle ihr von verschiedenen Seiten zugeschriebenen Rollen, in Deutschland wie in der Türkei, und gerät so zwischen alle Stühle. Mit größtmöglicher Präzision und Einfühlung erzählt Ellbogen die Geschichte eines der vielen jungen Menschen, die aus der Gesellschaft verdrängt werden, die eigentlich die ihre ist.
Credits:
DE/TK/FR 2024, 86 Min., Originalfassung mit deutschen und englischen Untertiteln Regie: Aslı Özarslan Kamera: Andac Karabeyoglu-Thomas Schnitt: David J. Achilles, Ana Branea mit: Melia Kara, Doğa Gürer, Jale Arıkan, Haydar Şahin, Orhan Kiliç, Jamilah Bagdach, Asya Utku, Mina Sağdıç
Die Filmemacherin Farahnaz Sharifi porträtiert in My stolen planet ihr Leben, geprägt durch die Machtübernahme der Mullahs im Iran 1979. In ihrem Geburtsjahr fand die Revolution statt und die Monarchie wurde weggefegt. Genauso wie die Hoffnungen der demokratischen Kräfte, die nach den Hinrichtungswellen gegen die Mittäter des Schah-Regimes in den Focus des neuen Regimes gerieten und genauso eliminiert wurden. Der Wechsel von einer Diktatur in die nächste wurde extrem schnell vollzogen, Farahnaz wuchs in einer schizophrenen Welt auf, zu hause wurde getanzt, gesungen, gelebt, sich auf Augenhöhe begegnet. Draußen vor der Tür war all das verboten, draußen tanzte nur die Doppelmoral. Die Jin-Jiyan-Azadî-Bewegung scheint Jahrzehnte später alles verändern zu können, setzt Mut und Hoffnung frei. My stolen Planet ist ein opulentes, scharfsinniges Werk voller Bilder, denn die Regisseurin wuchs mit Kameras auf, machte hemmungslos Gebrauch davon und entführt in die geheime, private Welt ihrer Familie. Außerdem hat sie Trödelläden durchsiebt und Amateurfilme mitgenommen, die ebenfalls von dieser Welt hinter verschlossenen Türen handeln. Mit den Protesten öffnen sich diese Türen, die Ereignisse überschlagen sich. Für mich der beeindruckendste Film der letzten Berlinale.
„Schon als Kind erlebt Farahnaz Sharifi den Alltag im Iran getrennt in ein privates und ein öffentliches Leben, die so weit voneinander entfernt liegen, wie zwei unterschiedliche Planeten. Auf ihrem Heimatplaneten im Kreis von Familie und Freund*innen kann sie tanzen, singen, lachen und weitestgehend frei von den zahlreichen Einschränkungen und Repressionen des Regimes leben. Sie entwickelt eine Faszination für private Aufnahmen, die eine Realität des Irans abbilden, welche die Machthaber gewaltsam zu unterdrücken versuchen. Super 8 Videos von Geburtstagsfeiern und Familienurlauben werden zum Beleg für Verstöße gegen das Verbot von Tanzen, Trinken, weiblichen Stimmen, unverschleierten Frauen. Sie bewahren die Erinnerung daran, dass es eine Alternative zur bestehenden islamistischen Ordnung gibt. Sharaifi sammelt die Aufnahmen von Unbekannten, um sie vor dem erzwungenen kollektiven Vergessen zu bewahren.“ (Lea Gronenberg, Filmlöwin)
Ein junger Filmemacher, der sich von der eigenen Biografie und Lebensgeschichte inspirieren lässt? Was nach einem alten Hut klingt, wird bei Fabian Stumm zu etwas sehr Besonderen…. Sein neuer Film Sad Jokes etwa ist eine direkte Reaktion auf das Debüt Knochen und Namen, was dazu führt, dass im Zweitling nun ein Regisseur namens Joseph zwischen Uraufführung und Kinostart seines ersten Films schon an den Ideen für den nächsten feilt. Derweil zeigt sich, dass er über die schon eine Weile zurückliegende Trennung vom Ex doch noch nicht so wirklich hinweg ist, während das Kümmern um den kleinen Sohn dadurch erschwert wird, dass dessen Mutter und Josephs beste Freundin Sonya mit schweren Depressionen kämpft. Die traurigen Witze, die Stumms fantastischem Film seinen Namen geben, sind hier Programm. Sad Jokes vereint Humor und Tragik mit einer Leichtigkeit, die hierzulande eher selten gelingt. … Wobei Stumm, der obendrein auch noch ein Händchen für Slapstick hat, letztere so echt, glaubwürdig und witzig schreibt wie lange niemand mehr im deutschen Kino. Zum Ereignis wird sein Film aber auch, weil er seinen Schauspielenden (darunter Marie-Lou Sellem, Godehard Giese, Knut Berger oder Anneke Kim Sarnau) mit oft nur einer einzigen Szene eine wunderbare Bühne zum Glänzen bietet. Und weil es nicht nur ein berührender Film über Erwachsenen-Alltag und Kunstschaffen ist, sondern nebenbei auch mit großer Selbstverständlichkeit wichtige Themen wie queere Elternschaft oder psychische Gesundheit verhandelt … ohne je überfrachtet zu wirken. Patrick Heidmann | indiekino INDIEKINO: In der Eingangssequenz Ihres neuen Films erzählen verschiedene Menschen vor der Kamera Witze. Welcher gefällt Ihnen persönlich am besten? Fabian Stumm: Ich kann mich schwer entscheiden. Ich glaube, der mit dem Oktopus, obwohl er sehr lang ist. Die Frau, die ihn erzählt, ist meine Mutter. Sie ist die Komikerin in unserer Familie. Aber sie vertut sich, wie man sieht, gerne mal in der Pointe.
Credits:
DE 2024, 96 Min., in deutsch mit englischen Untertiteln Regie: Fabian Stumm Kamera: Michael Bennett Schnitt: Kaspar Panizza mit Fabian Stumm, Haley Louise Jones, Justus Meyer, Ulrica Flach, Jonas Dassler, Godehard Giese, Marie-Lou Sellem
Über drei Jahre begleitet die Filmemacherin Ruth Beckermann eine Klasse im Alter von sieben bis zehn Jahren und ihre engagierte Lehrerin in einer großen Schule im Wiener Bezirk Favoriten. Der Film nimmt uns mit in den Unterricht und lässt uns die täglichen Abenteuer, Kämpfe, Niederlagen und Erfolge der Kinder ganz nah miterleben. Der Stadtteil Favoriten war einst ein Arbeiterbezirk, heute spricht ein Großteil der Kinder an den dortigen Grundschulen nicht Deutsch als Erstsprache. Mit großer Sensibilität begleitet der Film die Kinder, während ihre Lehrerin ihnen dabei hilft, einen Platz in einer Welt zu finden, in der sie sich oft nicht zugehörig fühlen. Indem wir die „Favoriten“ kennen lernen, erleben wir mit ihnen eine bewegte Zeit, die ihre Zukunft entscheidend prägen wird.
Ruth Beckermanns neuer Film ist eine Langzeitbeobachtung, die den Blick auf die strukturellen Probleme im Schulsystem lenkt und die Perspektive der Kinder ernst nimmt. Ein erstaunlich heiteres Porträt einer ungewöhnlichen Gemeinschaft, das Fragen stellt, auf die viele von uns eine Antwort suchen. Ein Film über das Lehren und das Lernen und darüber, wie die Zukunft unserer Gesellschaft auch im Klassenzimmer ausgehandelt wird.
„In dem Film verschränken sich strukturelle und individuelle Perspektiven. Denn zum einen wirft „Favoriten“ einen Blick auf ein von Mangel und Ungleichheit bestimmtes Bildungssystem, in dem bei aller Einfühlsamkeit und Hingabe der Lehrerin, die von Deutsch, Mathe über den Schwimmunterricht bis hin zum Klassenausflug alles zu verantworten hat, am Ende nur die Leistung zählt. Zum anderen sieht man jungen Individuen dabei zu, wie sie Welt, Sprache und soziales Miteinander begreifen, wie sie an Aufgaben wachsen und daran scheitern, wie sie verzweifeln und neuen Mut fassen. Dieser überaus lebendige Raum, den zu betrachten schön ist, anrührend, traurig und manchmal auch lustig, steht in „Favoriten“ im Zentrum, auch wenn das Systemische immer mitwirkt. Je näher die Schüler:innen dem Moment kommen, an dem sich ihre weitere Schulbildung entscheidet – Mittelschule oder, was für die wenigsten von ihnen in Betracht kommt, der Übertritt ins Gymnasium – arbeitet sich das in den Vordergrund.“ Esther Buss | Filmdienst
Credits:
AT 2024, 118 Min. Regie: Ruth Beckermann Kamera: Johannes Hammel Schnitt: Dieter Pichler
Trailer:
Favoriten (offizieller Trailer) – Ein Film von Ruth Beckermann
Ein junger Filmemacher, der sich von der eigenen Biografie und Lebensgeschichte inspirieren lässt? Was nach einem alten Hut klingt, wird bei Fabian Stumm zu etwas sehr Besonderen…. Sein neuer Film Sad Jokes etwa ist eine direkte Reaktion auf das Debüt Knochen und Namen, was dazu führt, dass im Zweitling nun ein Regisseur namens Joseph zwischen Uraufführung und Kinostart seines ersten Films schon an den Ideen für den nächsten feilt. Derweil zeigt sich, dass er über die schon eine Weile zurückliegende Trennung vom Ex doch noch nicht so wirklich hinweg ist, während das Kümmern um den kleinen Sohn dadurch erschwert wird, dass dessen Mutter und Josephs beste Freundin Sonya mit schweren Depressionen kämpft. Die traurigen Witze, die Stumms fantastischem Film seinen Namen geben, sind hier Programm. Sad Jokes vereint Humor und Tragik mit einer Leichtigkeit, die hierzulande eher selten gelingt. … Wobei Stumm, der obendrein auch noch ein Händchen für Slapstick hat, letztere so echt, glaubwürdig und witzig schreibt wie lange niemand mehr im deutschen Kino. Zum Ereignis wird sein Film aber auch, weil er seinen Schauspielenden (darunter Marie-Lou Sellem, Godehard Giese, Knut Berger oder Anneke Kim Sarnau) mit oft nur einer einzigen Szene eine wunderbare Bühne zum Glänzen bietet. Und weil es nicht nur ein berührender Film über Erwachsenen-Alltag und Kunstschaffen ist, sondern nebenbei auch mit großer Selbstverständlichkeit wichtige Themen wie queere Elternschaft oder psychische Gesundheit verhandelt … ohne je überfrachtet zu wirken. Patrick Heidmann | indiekino INDIEKINO: In der Eingangssequenz Ihres neuen Films erzählen verschiedene Menschen vor der Kamera Witze. Welcher gefällt Ihnen persönlich am besten? Fabian Stumm: Ich kann mich schwer entscheiden. Ich glaube, der mit dem Oktopus, obwohl er sehr lang ist. Die Frau, die ihn erzählt, ist meine Mutter. Sie ist die Komikerin in unserer Familie. Aber sie vertut sich, wie man sieht, gerne mal in der Pointe.
Credits:
DE 2024, 96 Min., in deutsch mit englischen Untertiteln Regie: Fabian Stumm Kamera: Michael Bennett Schnitt: Kaspar Panizza mit Fabian Stumm, Haley Louise Jones, Justus Meyer, Ulrica Flach, Jonas Dassler, Godehard Giese, Marie-Lou Sellem
„Weißt du noch, was du werden wolltest, als du noch klein warst? Du wolltest Ärztin werden. Mama wollte immer, dass du Arzthelferin wirst. Aber du wolltest Ärztin werden“, erzählt Semra einmal zu ihrer kleinen Schwester Hazal, um sie aufzumuntern. Die kühle Antwort: „Ich wollte nie Ärztin werden. Als ich klein war, wollte ich Popstar werden.“ Ob Ärztin, Arzthelferin oder Popstar, bis dato kann die junge Frau aus dem Wedding trotz vieler Bewerbungen überhaupt keinen Beruf oder Ausbildungsplatz vorweisen, nicht zu einer einzigen Vorstellung wurde sie eingeladen. Das stresst und frustriert, doch an ihrem 18. Geburtstag soll gefeiert werden, dass es kracht, und der gemeine Alltag bleibt daheim. Mit den Freundinnen Elma, Gül und Ebru zieht Hazel durch die Stadt, Höhepunkt soll der Besuch im coolsten Club der Stadt sein, doch dort ist Schluss: kein Einlass, da zu aufgebrezelt. Die extreme Wut über die erneute Zurückweisung entlädt sich bei Hazel in einer Weise, dass sie als Ausweg nur noch die Flucht aus dem Land sieht, und so sitzt sie schon am nächsten Tag in dem ihr unbekannten Istanbul. Konnte sie in Berlin wegen ihrer türkischen Backgrounds nie richtig ankommen, findet sie sich in der für sie fremden Türkei auch nicht zurecht. Die Berliner Regisseurin Asli Özarslan (ihr Dokumentarfilm Dil Leyla war 2017 bei uns zu sehen), verfilmt hier den gleichnamigen Roman von Fatma Aydemir konsequent aus junger, weiblicher, migrantischer Perspektive. Die Protagonistin möchte eigentlich ein für sie normales Leben führen, wehrt sich aber gegen alle ihr von verschiedenen Seiten zugeschriebenen Rollen, in Deutschland wie in der Türkei, und gerät so zwischen alle Stühle. Mit größtmöglicher Präzision und Einfühlung erzählt Ellbogen die Geschichte eines der vielen jungen Menschen, die aus der Gesellschaft verdrängt werden, die eigentlich die ihre ist.
Credits:
DE/TK/FR 2024, 86 Min., Originalfassung mit deutschen und englischen Untertiteln Regie: Aslı Özarslan Kamera: Andac Karabeyoglu-Thomas Schnitt: David J. Achilles, Ana Branea mit: Melia Kara, Doğa Gürer, Jale Arıkan, Haydar Şahin, Orhan Kiliç, Jamilah Bagdach, Asya Utku, Mina Sağdıç
Über drei Jahre begleitet die Filmemacherin Ruth Beckermann eine Klasse im Alter von sieben bis zehn Jahren und ihre engagierte Lehrerin in einer großen Schule im Wiener Bezirk Favoriten. Der Film nimmt uns mit in den Unterricht und lässt uns die täglichen Abenteuer, Kämpfe, Niederlagen und Erfolge der Kinder ganz nah miterleben. Der Stadtteil Favoriten war einst ein Arbeiterbezirk, heute spricht ein Großteil der Kinder an den dortigen Grundschulen nicht Deutsch als Erstsprache. Mit großer Sensibilität begleitet der Film die Kinder, während ihre Lehrerin ihnen dabei hilft, einen Platz in einer Welt zu finden, in der sie sich oft nicht zugehörig fühlen. Indem wir die „Favoriten“ kennen lernen, erleben wir mit ihnen eine bewegte Zeit, die ihre Zukunft entscheidend prägen wird.
Ruth Beckermanns neuer Film ist eine Langzeitbeobachtung, die den Blick auf die strukturellen Probleme im Schulsystem lenkt und die Perspektive der Kinder ernst nimmt. Ein erstaunlich heiteres Porträt einer ungewöhnlichen Gemeinschaft, das Fragen stellt, auf die viele von uns eine Antwort suchen. Ein Film über das Lehren und das Lernen und darüber, wie die Zukunft unserer Gesellschaft auch im Klassenzimmer ausgehandelt wird.
„In dem Film verschränken sich strukturelle und individuelle Perspektiven. Denn zum einen wirft „Favoriten“ einen Blick auf ein von Mangel und Ungleichheit bestimmtes Bildungssystem, in dem bei aller Einfühlsamkeit und Hingabe der Lehrerin, die von Deutsch, Mathe über den Schwimmunterricht bis hin zum Klassenausflug alles zu verantworten hat, am Ende nur die Leistung zählt. Zum anderen sieht man jungen Individuen dabei zu, wie sie Welt, Sprache und soziales Miteinander begreifen, wie sie an Aufgaben wachsen und daran scheitern, wie sie verzweifeln und neuen Mut fassen. Dieser überaus lebendige Raum, den zu betrachten schön ist, anrührend, traurig und manchmal auch lustig, steht in „Favoriten“ im Zentrum, auch wenn das Systemische immer mitwirkt. Je näher die Schüler:innen dem Moment kommen, an dem sich ihre weitere Schulbildung entscheidet – Mittelschule oder, was für die wenigsten von ihnen in Betracht kommt, der Übertritt ins Gymnasium – arbeitet sich das in den Vordergrund.“ Esther Buss | Filmdienst
Credits:
AT 2024, 118 Min., in deutsch mit englischen Untertiteln Regie: Ruth Beckermann Kamera: Johannes Hammel Schnitt: Dieter Pichler
Trailer:
Favoriten (offizieller Trailer) – Ein Film von Ruth Beckermann
Die Filmemacherin Farahnaz Sharifi porträtiert in My stolen planet ihr Leben, geprägt durch die Machtübernahme der Mullahs im Iran 1979. In ihrem Geburtsjahr fand die Revolution statt und die Monarchie wurde weggefegt. Genauso wie die Hoffnungen der demokratischen Kräfte, die nach den Hinrichtungswellen gegen die Mittäter des Schah-Regimes in den Focus des neuen Regimes gerieten und genauso eliminiert wurden. Der Wechsel von einer Diktatur in die nächste wurde extrem schnell vollzogen, Farahnaz wuchs in einer schizophrenen Welt auf, zu hause wurde getanzt, gesungen, gelebt, sich auf Augenhöhe begegnet. Draußen vor der Tür war all das verboten, draußen tanzte nur die Doppelmoral. Die Jin-Jiyan-Azadî-Bewegung scheint Jahrzehnte später alles verändern zu können, setzt Mut und Hoffnung frei. My stolen Planet ist ein opulentes, scharfsinniges Werk voller Bilder, denn die Regisseurin wuchs mit Kameras auf, machte hemmungslos Gebrauch davon und entführt in die geheime, private Welt ihrer Familie. Außerdem hat sie Trödelläden durchsiebt und Amateurfilme mitgenommen, die ebenfalls von dieser Welt hinter verschlossenen Türen handeln. Mit den Protesten öffnen sich diese Türen, die Ereignisse überschlagen sich. Für mich der beeindruckendste Film der letzten Berlinale.
„Schon als Kind erlebt Farahnaz Sharifi den Alltag im Iran getrennt in ein privates und ein öffentliches Leben, die so weit voneinander entfernt liegen, wie zwei unterschiedliche Planeten. Auf ihrem Heimatplaneten im Kreis von Familie und Freund*innen kann sie tanzen, singen, lachen und weitestgehend frei von den zahlreichen Einschränkungen und Repressionen des Regimes leben. Sie entwickelt eine Faszination für private Aufnahmen, die eine Realität des Irans abbilden, welche die Machthaber gewaltsam zu unterdrücken versuchen. Super 8 Videos von Geburtstagsfeiern und Familienurlauben werden zum Beleg für Verstöße gegen das Verbot von Tanzen, Trinken, weiblichen Stimmen, unverschleierten Frauen. Sie bewahren die Erinnerung daran, dass es eine Alternative zur bestehenden islamistischen Ordnung gibt. Sharaifi sammelt die Aufnahmen von Unbekannten, um sie vor dem erzwungenen kollektiven Vergessen zu bewahren.“ (Lea Gronenberg, Filmlöwin)
Wir verwenden Cookies, um unsere Website und unseren Service zu optimieren.
Funktionale Cookies
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.