Das karge und autarke Leben in den japanischen Bergen, eingefangen zwischen Regenzeit und erstem Schnee. Abgelegen und ruhig: ein Ort, den die Zeit vergessen hat – und doch, selbst hier, ein Gefühl der Unruhe … Die Welt verändert sich, und es gibt kein Entrinnen, nur Anpassung.
Rainer Komers portraitiert in seinem neuen Film die Dorfgemeinschaft von Miyama, einer Bergregion nördlich von Kyoto, und trifft dabei auf eine Welt, in der Tradition und Moderne, auf vielfältige Weise verwoben, miteinander existieren. Junge Familien, die versuchen, sich eine eigenständige Existenz aufzubauen, die Alten, die ein genügsames Leben aus einer anderen Zeit zu führen scheinen, die immer gegenwärtige Natur, der traditionelle Reisanbau und der Kampf gegen die Makaken bilden den Fluss der Erzählung.
Diesem gesellt sich als Melodie die Geschichte von Uwe Walter hinzu, der aus dem Ruhrgebiet stammt und seit drei Jahrzehnten mit seiner japanischen Frau in Miyama lebt. Für die Alteingesessenen ist Uwe der Außenseiter, aber zugleich auch ein Kenner des traditionellen Nō-Theaters und ein Meister der Shakuhachi-Flöte, einem prägenden Instrument der klassischen Musik Japans. Kaum vorstellbar, dass es einen weiteren Deutschen gibt, der so sehr die japanische Kultur lebt und sich der dörflichen Gemeinschaft angepasst hat.
MIYAMA, KYOTOPREFECTURE erzählt vom Leben in dieser Dorfgemeinschaft, von der der Leiter des Dokumentarfilmfestivals Leipzig, Christoph Terhechte sagt: „Der eigentliche Gegenstand dieses Films ist nicht der graublond gelockte Deutsche, sondern eben jene Gemeinschaft, die Rainer Komers in bittersüßer Vielstimmigkeit porträtiert. Sie entsteht im Spiel der Kinder, in den Verrichtungen der Erwachsenen und den Erzählungen der Alten, in den sommerlichen Wolkenbrüchen der Regenzeit, im weißen Mond über dem nächtlichen Dorf und in den blutrot gefärbten Blättern im Herbst – ein herrlicher Film, der zeigt, wie anpassungsfähig wir Menschen sind.“
Credits:
DE 2022, 97 min, Deutsch, Japanisch OmU Regie & Kamera: Rainer Komers Schnitt: Gregor Bartsch
There’s probably no other citizen of Gelsenkirchen who has ever mastered Nō singing and playing the Shakuhachi flute as authentically as Uwe Walter. He has lived in the mountain village of Miyama north of Kyoto for three decades and emulates the local residents, whether they earn their living on the fields, breeding cattle or hunting. People tend their gardens, repair fences to keep away the macaques and grow their own rice. Uwe has become perfectly Japanese, at one with his environment.
However well-suited his Ruhr area wit makes him as a figure of identification, the camera keeps a respectful distance, more reserved than Uwe himself. Only at one point does it come touchingly close: When he is forced to say goodbye to an essential part of his past in the interest of the village community. But the real subject of this film is not the German with his greyish blonde curls but rather that very community, portrayed by Rainer Komers in bittersweet polyphony. It emerges in the children’s games, the adults’ pursuits and the old people’s tales, in the summer downpours of the rainy season, the white moon over the nocturnal village and the blood-red leaves of autumn.
Christoph Terhechte
Credits:
DE 2022, 97 min, Deutsch, Japanisch OmU Regie & Kamera: Rainer Komers Schnitt: Gregor Bartsch
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