Ellbogen

Ellbogen

Ein Film von Aslı Özarslan. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Weißt du noch, was du wer­den woll­test, als du noch klein warst? Du woll­test Ärztin wer­den. Mama woll­te immer, dass du Arzthelferin wirst. Aber du woll­test Ärztin wer­den“, erzählt Semra ein­mal zu ihrer klei­nen Schwester Hazal, um sie auf­zu­mun­tern. Die küh­le Antwort: „Ich woll­te nie Ärztin wer­den. Als ich klein war, woll­te ich Popstar wer­den.“ Ob Ärztin, Arzthelferin oder Popstar, bis dato kann die jun­ge Frau aus dem Wedding trotz vie­ler Bewerbungen über­haupt kei­nen Beruf oder Ausbildungsplatz vor­wei­sen, nicht zu einer ein­zi­gen Vorstellung wur­de sie ein­ge­la­den. Das stresst und frus­triert, doch an ihrem 18. Geburtstag soll gefei­ert wer­den, dass es kracht, und der gemei­ne Alltag bleibt daheim. Mit den Freundinnen Elma, Gül und Ebru zieht Hazel durch die Stadt, Höhepunkt soll der Besuch im cools­ten Club der Stadt sein, doch dort ist Schluss: kein Einlass, da zu auf­ge­bre­zelt. Die extre­me Wut über die erneu­te Zurückweisung ent­lädt sich bei Hazel in einer Weise, dass sie als Ausweg nur noch die Flucht aus dem Land sieht, und so sitzt sie schon am nächs­ten Tag in dem ihr unbe­kann­ten Istanbul. Konnte sie in Berlin wegen ihrer tür­ki­schen Backgrounds nie rich­tig ankom­men, fin­det sie sich in der für sie frem­den Türkei auch nicht zurecht.
Die Berliner Regisseurin Asli Özarslan (ihr Dokumentarfilm Dil Leyla war 2017 bei uns zu sehen), ver­filmt hier den gleich­na­mi­gen Roman von Fatma Aydemir kon­se­quent aus jun­ger, weib­li­cher, migran­ti­scher Perspektive. Die Protagonistin möch­te eigent­lich ein für sie nor­ma­les Leben füh­ren, wehrt sich aber gegen alle ihr von ver­schie­de­nen Seiten zuge­schrie­be­nen Rollen, in Deutschland wie in der Türkei, und gerät so zwi­schen alle Stühle. Mit größt­mög­li­cher Präzision und Einfühlung erzählt Ellbogen die Geschichte eines der vie­len jun­gen Menschen, die aus der Gesellschaft ver­drängt wer­den, die eigent­lich die ihre ist.

Credits:


DE/TK/FR 2024, 86 Min., Originalfassung mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln
Regie: Aslı Özarslan

Kamera: Andac Karabeyoglu-Thomas
Schnitt: David J. Achilles, Ana Branea
mit: Melia Kara, Doğa Gürer, Jale Arıkan, Haydar Şahin, Orhan Kiliç, Jamilah Bagdach, Asya Utku, Mina Sağdıç 

Trailer:
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Kategorie: Vorstellung

  • Ellbogen

    Ellbogen

    Ein Film von Aslı Özarslan. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Weißt du noch, was du wer­den woll­test, als du noch klein warst? Du woll­test Ärztin wer­den. Mama woll­te immer, dass du Arzthelferin wirst. Aber du woll­test Ärztin wer­den“, erzählt Semra ein­mal zu ihrer klei­nen Schwester Hazal, um sie auf­zu­mun­tern. Die küh­le Antwort: „Ich woll­te nie Ärztin wer­den. Als ich klein war, woll­te ich Popstar wer­den.“ Ob Ärztin, Arzthelferin oder Popstar, bis dato kann die jun­ge Frau aus dem Wedding trotz vie­ler Bewerbungen über­haupt kei­nen Beruf oder Ausbildungsplatz vor­wei­sen, nicht zu einer ein­zi­gen Vorstellung wur­de sie ein­ge­la­den. Das stresst und frus­triert, doch an ihrem 18. Geburtstag soll gefei­ert wer­den, dass es kracht, und der gemei­ne Alltag bleibt daheim. Mit den Freundinnen Elma, Gül und Ebru zieht Hazel durch die Stadt, Höhepunkt soll der Besuch im cools­ten Club der Stadt sein, doch dort ist Schluss: kein Einlass, da zu auf­ge­bre­zelt. Die extre­me Wut über die erneu­te Zurückweisung ent­lädt sich bei Hazel in einer Weise, dass sie als Ausweg nur noch die Flucht aus dem Land sieht, und so sitzt sie schon am nächs­ten Tag in dem ihr unbe­kann­ten Istanbul. Konnte sie in Berlin wegen ihrer tür­ki­schen Backgrounds nie rich­tig ankom­men, fin­det sie sich in der für sie frem­den Türkei auch nicht zurecht.
    Die Berliner Regisseurin Asli Özarslan (ihr Dokumentarfilm Dil Leyla war 2017 bei uns zu sehen), ver­filmt hier den gleich­na­mi­gen Roman von Fatma Aydemir kon­se­quent aus jun­ger, weib­li­cher, migran­ti­scher Perspektive. Die Protagonistin möch­te eigent­lich ein für sie nor­ma­les Leben füh­ren, wehrt sich aber gegen alle ihr von ver­schie­de­nen Seiten zuge­schrie­be­nen Rollen, in Deutschland wie in der Türkei, und gerät so zwi­schen alle Stühle. Mit größt­mög­li­cher Präzision und Einfühlung erzählt Ellbogen die Geschichte eines der vie­len jun­gen Menschen, die aus der Gesellschaft ver­drängt wer­den, die eigent­lich die ihre ist.

    Credits:


    DE/TK/FR 2024, 86 Min., Originalfassung mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln
    Regie: Aslı Özarslan

    Kamera: Andac Karabeyoglu-Thomas
    Schnitt: David J. Achilles, Ana Branea
    mit: Melia Kara, Doğa Gürer, Jale Arıkan, Haydar Şahin, Orhan Kiliç, Jamilah Bagdach, Asya Utku, Mina Sağdıç 

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  • filmPOLSKA reloaded – Girls‘ Stories

    filmPOLSKA reloaded – Girls‘ Stories

    Dziewczyńskie his­to­rie / Girls‘ Stories

    [Tickets]

    7.5.18:00, Einführung: Bartek Tesarz (Polnisches Institut Berlin)
    PL 2023
    R/B/S: Aga Borzym
    60 min, OmeU
    K: Kachna Baraniewicz
    M: Barbara WrońskaJagoda
    Jagoda und Zuzia gehö­ren zur TikTok-Generation, sind bes­te Freundinnen und ste­hen gera­de an der Schwelle zur Pubertät. Und sie sind Prototypen des­sen, was man gemein­hin als „früh­reif“ bezeich­net – sie sind umfas­send auf­ge­klärt und machen sich tief­grei­fen­de Gedanken über Partnerschaft und Lebensgestaltung, seh­nen aber immer noch ihre ers­te Periode her­bei, die sie end­lich zu Erwachsenen machen soll. Zwischen Spielplatz, Schule und sozia­len Medien beob­ach­ten wir über vie­le Monate hin­weg, wie der Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenleben tat­säch­lich Fahrt auf­nimmt und über­ra­schend unter­schied­li­che Entwicklungen in Gang bringt. Denn der Blick auf sich selbst und die Umgebung ver­än­dert sich bei den bei­den Mädchen nicht so gleich­ar­tig, wie es die anfäng­li­che Harmonie ver­mu­ten lässt. Wie zwei Prototypen spie­geln die Charaktere mög­li­che Wege, die man in die­sem Alter ein­schla­gen kann – von frü­her Karriereplanung und bewuss­ter Arbeit am eige­nen Erscheinungsbild über resi­gnier­te Gleichgültigkeit bis zu Essstörungen und psy­chi­schen Problemen. In vie­len klei­nen, auf den ers­ten Blick unspek­ta­ku­lä­ren Szenen mit viel Wortanteil, unter­bro­chen von kur­zen Animationen, zeigt die Regisseurin, wie die Sehnsucht nach dem Erwachsensein lang­sam der puber­tä­ren Desillusionierung und Ratlosigkeit weicht. Dabei bleibt sie stets nah an ihren Protagonistinnen und gibt ihnen den Raum, sich so dar­zu­stel­len, wie sie es wol­len. [Rainer Mende]

    Veranstalter: Polnisches Institut Berlin in Kooperation mit dem fsk Kino

    GIRLSSTORIES (Dziewczyńskie his­to­rie) trai­ler – Cambridge Film Festival 2024

  • My Stolen Planet

    My Stolen Planet

    Ein Film von Farahnaz Sharifi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die Filmemacherin Farahnaz Sharifi por­trä­tiert in My sto­len pla­net ihr Leben, geprägt durch die Machtübernahme der Mullahs im Iran 1979. In ihrem Geburtsjahr fand die Revolution statt und die Monarchie wur­de weg­ge­fegt. Genauso wie die Hoffnungen der demo­kra­ti­schen Kräfte, die nach den Hinrichtungswellen gegen die Mittäter des Schah-Regimes in den Focus des neu­en Regimes gerie­ten und genau­so eli­mi­niert wur­den. Der Wechsel von einer Diktatur in die nächs­te wur­de extrem schnell voll­zo­gen, Farahnaz wuchs in einer schi­zo­phre­nen Welt auf, zu hau­se wur­de getanzt, gesun­gen, gelebt, sich auf Augenhöhe begeg­net. Draußen vor der Tür war all das ver­bo­ten, drau­ßen tanz­te nur die Doppelmoral. Die Jin-Jiyan-Azadî-Bewegung scheint Jahrzehnte spä­ter alles ver­än­dern zu kön­nen, setzt Mut und Hoffnung frei.
    My sto­len Planet ist ein opu­len­tes, scharf­sin­ni­ges Werk vol­ler Bilder, denn die Regisseurin wuchs mit Kameras auf, mach­te hem­mungs­los Gebrauch davon und ent­führt in die gehei­me, pri­va­te Welt ihrer Familie. Außerdem hat sie Trödelläden durch­siebt und Amateurfilme mit­ge­nom­men, die eben­falls von die­ser Welt hin­ter ver­schlos­se­nen Türen han­deln. Mit den Protesten öff­nen sich die­se Türen, die Ereignisse über­schla­gen sich. Für mich der beein­dru­ckends­te Film der letz­ten Berlinale.

    Schon als Kind erlebt Farahnaz Sharifi den Alltag im Iran getrennt in ein pri­va­tes und ein öffent­li­ches Leben, die so weit von­ein­an­der ent­fernt lie­gen, wie zwei unter­schied­li­che Planeten. Auf ihrem Heimatplaneten im Kreis von Familie und Freund*innen kann sie tan­zen, sin­gen, lachen und wei­test­ge­hend frei von den zahl­rei­chen Einschränkungen und Repressionen des Regimes leben.
    Sie ent­wi­ckelt eine Faszination für pri­va­te Aufnahmen, die eine Realität des Irans abbil­den, wel­che die Machthaber gewalt­sam zu unter­drü­cken ver­su­chen. Super 8 Videos von Geburtstagsfeiern und Familienurlauben wer­den zum Beleg für Verstöße gegen das Verbot von Tanzen, Trinken, weib­li­chen Stimmen, unver­schlei­er­ten Frauen. Sie bewah­ren die Erinnerung dar­an, dass es eine Alternative zur bestehen­den isla­mis­ti­schen Ordnung gibt. Sharaifi sam­melt die Aufnahmen von Unbekannten, um sie vor dem erzwun­ge­nen kol­lek­ti­ven Vergessen zu bewah­ren.“
    (Lea Gronenberg, Filmlöwin) 

    Credits:

    Sayyareye doz­di­de sho­deye man
    DE/IR 2024, 82 Min., far­si OmU
    Regie, Kamera, Schnitt: Farahnaz Sharifi 

    Trailer:
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  • Sad Jokes

    Sad Jokes

    Ein Film von Fabian Stumm.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein jun­ger Filmemacher, der sich von der eige­nen Biografie und Lebensgeschichte inspi­rie­ren lässt? Was nach einem alten Hut klingt, wird bei Fabian Stumm zu etwas sehr Besonderen….
    Sein neu­er Film Sad Jokes etwa ist eine direk­te Reaktion auf das Debüt Knochen und Namen, was dazu führt, dass im Zweitling nun ein Regisseur namens Joseph zwi­schen Uraufführung und Kinostart sei­nes ers­ten Films schon an den Ideen für den nächs­ten feilt. Derweil zeigt sich, dass er über die schon eine Weile zurück­lie­gen­de Trennung vom Ex doch noch nicht so wirk­lich hin­weg ist, wäh­rend das Kümmern um den klei­nen Sohn dadurch erschwert wird, dass des­sen Mutter und Josephs bes­te Freundin Sonya mit schwe­ren Depressionen kämpft.
    Die trau­ri­gen Witze, die Stumms fan­tas­ti­schem Film sei­nen Namen geben, sind hier Programm. Sad Jokes ver­eint Humor und Tragik mit einer Leichtigkeit, die hier­zu­lan­de eher sel­ten gelingt. … Wobei Stumm, der oben­drein auch noch ein Händchen für Slapstick hat, letz­te­re so echt, glaub­wür­dig und wit­zig schreibt wie lan­ge nie­mand mehr im deut­schen Kino.
    Zum Ereignis wird sein Film aber auch, weil er sei­nen Schauspielenden (dar­un­ter Marie-Lou Sellem, Godehard Giese, Knut Berger oder Anneke Kim Sarnau) mit oft nur einer ein­zi­gen Szene eine wun­der­ba­re Bühne zum Glänzen bie­tet. Und weil es nicht nur ein berüh­ren­der Film über Erwachsenen-Alltag und Kunstschaffen ist, son­dern neben­bei auch mit gro­ßer Selbstverständlichkeit wich­ti­ge Themen wie que­e­re Elternschaft oder psy­chi­sche Gesundheit ver­han­delt … ohne je über­frach­tet zu wir­ken.
    Patrick Heidmann | indie­ki­no
    INDIEKINO: In der Eingangssequenz Ihres neu­en Films erzäh­len ver­schie­de­ne Menschen vor der Kamera Witze. Welcher gefällt Ihnen per­sön­lich am bes­ten?
    Fabian Stumm: Ich kann mich schwer ent­schei­den. Ich glau­be, der mit dem Oktopus, obwohl er sehr lang ist. Die Frau, die ihn erzählt, ist mei­ne Mutter. Sie ist die Komikerin in unse­rer Familie. Aber sie ver­tut sich, wie man sieht, ger­ne mal in der Pointe.

    Credits:

    DE 2024, 96 Min., deutsch-eng­lisch-schwe­disch-ita­lie­ni­sche Originalfassung, teil­wei­se mit deut­schen Untertiteln
    Regie: Fabian Stumm
    Kamera: Michael Bennett

    Schnitt: Kaspar Panizza
    mit Fabian Stumm, Haley Louise Jones, Justus Meyer, Ulrica Flach, Jonas Dassler, Godehard Giese, Marie-Lou Sellem

    Trailer:
    SAD JOKES Trailer Deutsch | German [HD]
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  • Sad Jokes

    Sad Jokes

    Ein Film von Fabian Stumm.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein jun­ger Filmemacher, der sich von der eige­nen Biografie und Lebensgeschichte inspi­rie­ren lässt? Was nach einem alten Hut klingt, wird bei Fabian Stumm zu etwas sehr Besonderen….
    Sein neu­er Film Sad Jokes etwa ist eine direk­te Reaktion auf das Debüt Knochen und Namen, was dazu führt, dass im Zweitling nun ein Regisseur namens Joseph zwi­schen Uraufführung und Kinostart sei­nes ers­ten Films schon an den Ideen für den nächs­ten feilt. Derweil zeigt sich, dass er über die schon eine Weile zurück­lie­gen­de Trennung vom Ex doch noch nicht so wirk­lich hin­weg ist, wäh­rend das Kümmern um den klei­nen Sohn dadurch erschwert wird, dass des­sen Mutter und Josephs bes­te Freundin Sonya mit schwe­ren Depressionen kämpft.
    Die trau­ri­gen Witze, die Stumms fan­tas­ti­schem Film sei­nen Namen geben, sind hier Programm. Sad Jokes ver­eint Humor und Tragik mit einer Leichtigkeit, die hier­zu­lan­de eher sel­ten gelingt. … Wobei Stumm, der oben­drein auch noch ein Händchen für Slapstick hat, letz­te­re so echt, glaub­wür­dig und wit­zig schreibt wie lan­ge nie­mand mehr im deut­schen Kino.
    Zum Ereignis wird sein Film aber auch, weil er sei­nen Schauspielenden (dar­un­ter Marie-Lou Sellem, Godehard Giese, Knut Berger oder Anneke Kim Sarnau) mit oft nur einer ein­zi­gen Szene eine wun­der­ba­re Bühne zum Glänzen bie­tet. Und weil es nicht nur ein berüh­ren­der Film über Erwachsenen-Alltag und Kunstschaffen ist, son­dern neben­bei auch mit gro­ßer Selbstverständlichkeit wich­ti­ge Themen wie que­e­re Elternschaft oder psy­chi­sche Gesundheit ver­han­delt … ohne je über­frach­tet zu wir­ken.
    Patrick Heidmann | indie­ki­no
    INDIEKINO: In der Eingangssequenz Ihres neu­en Films erzäh­len ver­schie­de­ne Menschen vor der Kamera Witze. Welcher gefällt Ihnen per­sön­lich am bes­ten?
    Fabian Stumm: Ich kann mich schwer ent­schei­den. Ich glau­be, der mit dem Oktopus, obwohl er sehr lang ist. Die Frau, die ihn erzählt, ist mei­ne Mutter. Sie ist die Komikerin in unse­rer Familie. Aber sie ver­tut sich, wie man sieht, ger­ne mal in der Pointe.

    Credits:

    DE 2024, 96 Min., deutsch-eng­lisch-schwe­disch-ita­lie­ni­sche Originalfassung, teil­wei­se mit deut­schen Untertiteln
    Regie: Fabian Stumm
    Kamera: Michael Bennett

    Schnitt: Kaspar Panizza
    mit Fabian Stumm, Haley Louise Jones, Justus Meyer, Ulrica Flach, Jonas Dassler, Godehard Giese, Marie-Lou Sellem

    Trailer:
    SAD JOKES Trailer Deutsch | German [HD]
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  • Was will der Lama mit dem Gewehr?

    Was will der Lama mit dem Gewehr?

    Ein Film von Pawo Choyning Dorji.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Im Jahr 2006 hält die Modernisierung Einzug im Königreich Bhutan: Als letz­tes Land der Erde erhält Bhutan Zugang zu Fernsehen und Internet. Doch die größ­te Veränderung steht noch bevor: Die Einführung der Demokratie. Nach sei­nem Oscar-nomi­nier­ten Spielfilmdebüt Lunana lie­fert Pawo Choyning Dorji mit The Monk and the Gun eine wit­zi­ge und warm­her­zi­ge Politsatire mit über­ra­schen­den Wendungen.

    Es war eine klei­ne Sensation: Im Jahr 2022 wur­de ein bhu­ta­ni­scher Filmemacher mit sei­nem ers­ten Spielfilm für die Oscars nomi­niert. Sein Film Lunana, den er aus­schließ­lich mit Solarenergie gedreht hat­te, fei­er­te gros­se Erfolge und lock­te allein in der Schweiz 15’000 Menschen in die Kinos. Mit The Monk and the Gun mel­det sich Pawo Choyning Dorji mit einem eben­so ver­gnüg­li­chen wie auch wohl­tu­en­den Film zurück: Während die Bevölkerung gera­de James Bond, das Fernsehen und das Internet ent­deckt hat, beschließt der König, sein Land wei­ter zu moder­ni­sie­ren, indem er Wahlen anbe­raumt, um ein par­la­men­ta­ri­sches System ein­zu­füh­ren. Doch kaum steht der poli­ti­sche Wandel bevor, beginnt die Machtgier die Gemüter der sonst so sanft­mü­ti­gen Bevölkerung zu erhit­zen. Dorji schickt drei Figuren auf die Reise, deren Wege sich vor atem­be­rau­ben­der Kulisse kreu­zen wer­den: Wahlleiterin Tshering Yangden soll in den Bergdörfern Testwahlen durch­füh­ren und ein jun­ger Mönch für die geheim­nis­vol­le Zeremonie sei­nes Meisters zwei Schusswaffen fin­den, wäh­rend ein US-ame­ri­ka­ni­scher Waffensammler ein altes Gewehr sucht.

    Was will ein Mönch mit einer Waffe? Dorjis pazi­fis­ti­sche Antwort ist in Zeiten wie die­sen schlicht eine Wohltat und die Seitenhiebe auf den Kapitalismus sind urko­misch. In sei­nem zwei­ten Spielfilm ent­puppt sich der jun­ge Regisseur als begna­de­ter Geschichtenerzähler, der das Publikum über die Motive sei­ner Figuren bis zum Schluss rät­seln lässt und die Spannung bra­vou­rös auf­recht­erhält. Ohne zu urtei­len und mit viel Respekt rich­tet Dorji sei­nen Blick auf das Geschehen und auf einen Moment in sei­ner Heimat, in dem poli­ti­sche Veränderungen mit den tra­di­tio­nel­len bud­dhis­ti­schen Werten kollidieren.

    Credits:

    The Monk and the Gun
    BT 2023, 107 Min., Dzongkha, Englisch OmU
    Regie: Pawo Choyning Dorji

    Kamera: Jigme Tenzing
    Schnitt: Hsiao-Yun Ku

    mit: Tandin Wangchuk, Deki Lhamo, Pema Zangmo Sherpa, Tandin Sonam, Harry Einhorn, Choeying Jatsho, Tandin Phubz, Yuphel Lhendup Selden, Kelsang Choejay

    Trailer:
    WAS WILL DER LAMA MIT DEM GEWEHR? l OmU Trailer
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  • filmPOLSKA – Silent Trees

    filmPOLSKA – Silent Trees

    Drzewa milc­zą / Silent Trees

    [Tickets]

    PL 2024
    R/B: Agnieszka Zwiefka
    85 min, OmeU
    K: Kacper Czubak
    S: Michał Buczek
    M: Niklas Paschburg

    Runa ist sech­zehn, trägt locker sit­zen­de dunk­le Klamotten, malt gern und steht auf Billie Eilish. Sie könn­te ein ganz nor­ma­les Mädchen sein, aber sie ist mit ihrer kur­di­schen Familie aus dem Irak vor dem IS über Belarus nach Polen geflüch­tet. Nach 18 Tagen im Wald stirbt ihre Mutter und sie fin­det sich unver­se­hens in der Rolle der Ersatzmutter wie­der – ihr Vater ist mit den vier jün­ge­ren Brüdern und dem Leben in einem völ­lig frem­den Land heil­los überfordert.

    Über einen lan­gen Zeitraum beob­ach­tet Agnieszka Zwiefka eine dop­pel­te Metamorphose. Die Familie ver­lässt ihren Container an der bela­ru­si­schen Grenze und ver­sucht, sich einen Alltag mit Wohnung, Schule und Arbeit auf­zu­bau­en. Gleichzeitig wächst Runa lang­sam in ihre neue Rolle als Familienoberhaupt hin­ein, obwohl sie sich ver­mut­lich lie­ber alters­ge­mäß mit Comics, Freunden und Musik beschäf­ti­gen würde.

    Die dunk­len Bäume des pol­nisch-bela­ru­si­schen Urwalds zie­hen sich als Leitmotiv durch die Geschichte. Hier drang das Dunkel in Runas Leben ein, hier änder­te sich ihr Schicksal für immer. Meist schweigt sie über ihre Gefühle – die­se drückt sie lie­ber in Zeichnungen aus, deren Ästhetik von ein­ge­streu­ten Animationen auf­ge­nom­men und in fan­tas­ti­sche Sequenzen über­setzt wird. [Rainer Mende]

    14.09. / 15:00 / fsk / zu Gast: Agnieszka Zwiefka

    wei­te­re Filmpolska Termine:

    • vorbei 

  • Crossing – Auf der Suche nach Tekla

    Crossing – Auf der Suche nach Tekla

    Ein Film von Levan Akin. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In jedem Road-Movie steckt immer auch ein Weg der Hauptfigur zu sich selbst, und Crossing schickt die Georgierin Lia los. Nach dem Tod ihrer gelieb­ten Schwester, die sie lan­ge pfleg­te, hat die streng wir­ken­de, pen­sio­nier­te Lehrerin das Gefühl, kei­ne Perspektive im Leben und nichts mehr zu ver­lie­ren zu haben. Allerdings hat sie einen Auftrag mit­be­kom­men: sie soll ihre ver­schol­le­ne trans Nichte Tekla, der sie einst sehr nahe stand, fin­den. Als ihr jun­ger Nachbar Achi behaup­tet, Teklas Adresse in Istanbul – eine Stadt, in der man gut ver­schwin­den kann, wenn man will – zu ken­nen, und zudem Englisch zu spre­chen, nimmt sie ihn wider­stre­bend mit auf die Suche. Die Reise ver­än­dert Lia zuse­hends. Durch ihre Beziehung zu Achi und ihre Begegnungen mit der trans Community in Istanbul, ins­be­son­de­re mit der lebens­lus­ti­gen, enga­gier­ten Anwältin Evrim, öff­net sich Lia all­mäh­lich und sieht die Welt und ihren Platz dar­in mit ande­ren Augen. Alle drei Protagonist:innen eint, in ihrem Leben gro­ße Opfer gebracht und Einschränkungen in Kauf genom­men zu haben, um die herr­schen­de Hegemonie, im per­sön­li­chen wie poli­ti­schem Umfeld, nicht zu stö­ren. Crossing ist ein leben­di­ger, unge­schön­ter Film über Solidarität, über die klei­nen Gesten der Güte, und des Verständnisses zwi­schen Fremden und inner­halb der Familie.
    In vie­ler­lei Hinsicht ist er auch ein Liebesbrief an Istanbul und sei­ne Geschichte, trotz der offen­sicht­li­chen, durch die Straßenkinder Izzet und Gulpembe ins Bild auf­ge­nom­me­nen Armut:
    „Istanbul ist ein Ort, an dem man auf engs­tem Raum gegen­sätz­li­che Welten antref­fen kann. Die eine Straße ist sehr reli­gi­ös, und wenn man zwei Straßen wei­ter­geht, ist man plötz­lich in einer quee­ren Oase, wo Männer händ­chen­hal­tend her­um­lau­fen. Diese Ambivalenz woll­te ich im Film dar­stel­len. Wenn Lia und Achi im Film ins que­e­re Viertel gehen, ist der kur­ze Weg, den sie gehen, der tat­säch­li­che Weg in der Realität. In Istanbul leben die unter­schied­lichs­ten Religionen, Menschen und, nicht zu ver­ges­sen, Katzen und Hunde.“ Levan Akin
    Teddy – Preis der Jury 2024 Berlinale – Panorama

    Credits:

    SE/DK/FR/TR/GE 2023, 105 Min., geor­gisch, tür­kisch, engl. OmU
    Regie: Levan Akin
    Kamera: Lisabi Fridell
    Schnitt: Emma Lagrelius, Levan Akin
    mit: Mzia Arabuli, Lucas Kankava, Deniz Dumanlı

    Trailer:
    CROSSING – Trailer OmU German | Deutsch
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  • Ellbogen

    Ellbogen

    Ein Film von Aslı Özarslan. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Weißt du noch, was du wer­den woll­test, als du noch klein warst? Du woll­test Ärztin wer­den. Mama woll­te immer, dass du Arzthelferin wirst. Aber du woll­test Ärztin wer­den“, erzählt Semra ein­mal zu ihrer klei­nen Schwester Hazal, um sie auf­zu­mun­tern. Die küh­le Antwort: „Ich woll­te nie Ärztin wer­den. Als ich klein war, woll­te ich Popstar wer­den.“ Ob Ärztin, Arzthelferin oder Popstar, bis dato kann die jun­ge Frau aus dem Wedding trotz vie­ler Bewerbungen über­haupt kei­nen Beruf oder Ausbildungsplatz vor­wei­sen, nicht zu einer ein­zi­gen Vorstellung wur­de sie ein­ge­la­den. Das stresst und frus­triert, doch an ihrem 18. Geburtstag soll gefei­ert wer­den, dass es kracht, und der gemei­ne Alltag bleibt daheim. Mit den Freundinnen Elma, Gül und Ebru zieht Hazel durch die Stadt, Höhepunkt soll der Besuch im cools­ten Club der Stadt sein, doch dort ist Schluss: kein Einlass, da zu auf­ge­bre­zelt. Die extre­me Wut über die erneu­te Zurückweisung ent­lädt sich bei Hazel in einer Weise, dass sie als Ausweg nur noch die Flucht aus dem Land sieht, und so sitzt sie schon am nächs­ten Tag in dem ihr unbe­kann­ten Istanbul. Konnte sie in Berlin wegen ihrer tür­ki­schen Backgrounds nie rich­tig ankom­men, fin­det sie sich in der für sie frem­den Türkei auch nicht zurecht.
    Die Berliner Regisseurin Asli Özarslan (ihr Dokumentarfilm Dil Leyla war 2017 bei uns zu sehen), ver­filmt hier den gleich­na­mi­gen Roman von Fatma Aydemir kon­se­quent aus jun­ger, weib­li­cher, migran­ti­scher Perspektive. Die Protagonistin möch­te eigent­lich ein für sie nor­ma­les Leben füh­ren, wehrt sich aber gegen alle ihr von ver­schie­de­nen Seiten zuge­schrie­be­nen Rollen, in Deutschland wie in der Türkei, und gerät so zwi­schen alle Stühle. Mit größt­mög­li­cher Präzision und Einfühlung erzählt Ellbogen die Geschichte eines der vie­len jun­gen Menschen, die aus der Gesellschaft ver­drängt wer­den, die eigent­lich die ihre ist.

    Credits:


    DE/TK/FR 2024, 86 Min., Originalfassung mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln
    Regie: Aslı Özarslan

    Kamera: Andac Karabeyoglu-Thomas
    Schnitt: David J. Achilles, Ana Branea
    mit: Melia Kara, Doğa Gürer, Jale Arıkan, Haydar Şahin, Orhan Kiliç, Jamilah Bagdach, Asya Utku, Mina Sağdıç 

    Trailer:
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  • My Stolen Planet

    My Stolen Planet

    Ein Film von Farahnaz Sharifi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die Filmemacherin Farahnaz Sharifi por­trä­tiert in My sto­len pla­net ihr Leben, geprägt durch die Machtübernahme der Mullahs im Iran 1979. In ihrem Geburtsjahr fand die Revolution statt und die Monarchie wur­de weg­ge­fegt. Genauso wie die Hoffnungen der demo­kra­ti­schen Kräfte, die nach den Hinrichtungswellen gegen die Mittäter des Schah-Regimes in den Focus des neu­en Regimes gerie­ten und genau­so eli­mi­niert wur­den. Der Wechsel von einer Diktatur in die nächs­te wur­de extrem schnell voll­zo­gen, Farahnaz wuchs in einer schi­zo­phre­nen Welt auf, zu hau­se wur­de getanzt, gesun­gen, gelebt, sich auf Augenhöhe begeg­net. Draußen vor der Tür war all das ver­bo­ten, drau­ßen tanz­te nur die Doppelmoral. Die Jin-Jiyan-Azadî-Bewegung scheint Jahrzehnte spä­ter alles ver­än­dern zu kön­nen, setzt Mut und Hoffnung frei.
    My sto­len Planet ist ein opu­len­tes, scharf­sin­ni­ges Werk vol­ler Bilder, denn die Regisseurin wuchs mit Kameras auf, mach­te hem­mungs­los Gebrauch davon und ent­führt in die gehei­me, pri­va­te Welt ihrer Familie. Außerdem hat sie Trödelläden durch­siebt und Amateurfilme mit­ge­nom­men, die eben­falls von die­ser Welt hin­ter ver­schlos­se­nen Türen han­deln. Mit den Protesten öff­nen sich die­se Türen, die Ereignisse über­schla­gen sich. Für mich der beein­dru­ckends­te Film der letz­ten Berlinale.

    Schon als Kind erlebt Farahnaz Sharifi den Alltag im Iran getrennt in ein pri­va­tes und ein öffent­li­ches Leben, die so weit von­ein­an­der ent­fernt lie­gen, wie zwei unter­schied­li­che Planeten. Auf ihrem Heimatplaneten im Kreis von Familie und Freund*innen kann sie tan­zen, sin­gen, lachen und wei­test­ge­hend frei von den zahl­rei­chen Einschränkungen und Repressionen des Regimes leben.
    Sie ent­wi­ckelt eine Faszination für pri­va­te Aufnahmen, die eine Realität des Irans abbil­den, wel­che die Machthaber gewalt­sam zu unter­drü­cken ver­su­chen. Super 8 Videos von Geburtstagsfeiern und Familienurlauben wer­den zum Beleg für Verstöße gegen das Verbot von Tanzen, Trinken, weib­li­chen Stimmen, unver­schlei­er­ten Frauen. Sie bewah­ren die Erinnerung dar­an, dass es eine Alternative zur bestehen­den isla­mis­ti­schen Ordnung gibt. Sharaifi sam­melt die Aufnahmen von Unbekannten, um sie vor dem erzwun­ge­nen kol­lek­ti­ven Vergessen zu bewah­ren.“
    (Lea Gronenberg, Filmlöwin) 

    Credits:

    Sayyareye doz­di­de sho­deye man
    DE/IR 2024, 82 Min., far­si OmU
    Regie, Kamera, Schnitt: Farahnaz Sharifi 

    Trailer:
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