Innen Leben

Ein Film von Philippe Van Leeuw.

24 Stunden, eine Wohnung, innen. Draußen herrscht Krieg, Schüsse fal­len, Hubschrauber krei­sen, Bomben deto­nie­ren – das Haus steht in Damaskus, eine Offensive ist gera­de im Gange. In der Wohnung ver­sucht man mit Pragmatismus, sich in den nächs­ten Tag zu retten.

Oum Yazan, ihr Schwiegervater und ihre drei Kinder sind hier zuhau­se, ihr Mann ist unter­wegs. Der Schwarm der Tochter ist zu Besuch, er kann nicht weg, zu gefähr­lich. Auch für Delhani, der phil­ip­pi­ni­schen Haushaltshilfe wäre der Heimweg zu gefähr­lich. Die Wohnung des jun­gen Nachbarpaares mit Baby ist auch zu gefähr­lich, des­halb sind auch sie bei Oum unter­ge­kom­men. Am nächs­ten Morgen wol­len sie in den Libanon flie­hen, ein Helfer ist schon gefunden.

Im Laufe des Tages, zwi­schen dem Wissen um Scharfschützen auf dem Dach, Wasserknappheit im Haushalt, zeit­wei­sem Ausfall von Strom‑, Internet- und Telefonnetz und Angst vor Eindringlingen und Dieben muss Oum, manch­mal in sekun­den­schnel­le, lebens­wich­ti­ge Entscheidungen zu tref­fen. Hiam Abass, die man aus Lemon Tree, Die Syrische Braut oder Ein Sommer in New York ken­nen soll­te, spielt Oum mit gro­ßer Präsenz und Intensität, der man die gro­ße Verantwortung, die sie trägt, anmerkt, dabei aber stets die all­täg­li­che Routine reso­lut auf­recht zu erhal­ten versucht.

»Vor allem Hiam Abbas’ Figur ver­kör­pert einen aus der Verzweiflung resul­tie­ren­den Pragmatismus, eine schier unmög­lich gewor­de­ne Menschlichkeit. Wen schüt­zen, wem hel­fen, wen preis­ge­ben? Draußen auf dem Hof liegt ein Toter, oder ist er nur ange­schos­sen? Irgendwann drin­gen Assads Männer in die Wohnung, für die Frauen gibt es kei­nen siche­ren Ort. Unmöglich, kei­nen Verrat zu bege­hen.« Christiane Peitz, Tagesspiegel

Mehrfach wur­de Innen Leben – InSyriated als „(mit Abstand) wich­tigs­ter Film der Berlinale“ beti­telt. Dass er nie rei­ße­risch wirkt und vol­ler Empathie für sei­ne Figuren bleibt, wur­de, wohl neben sei­ner Aktualität, mit den Panorama-Publikumspreis und das Europa-Cinemas-Label belohnt.

Insyriated
Belgien, 2017, 85 Min., arab. OmU

Regie & Buch: Philippe Van Leeuw
Kamera: Virginie Surdej
Schnitt: Gladys Joujou
Mit Hiam Abbass, Diamand Bou Abboud, Juliette Navis

https://youtu.be/hAOuU8PFxd4A film by Philippe Van Leeuw. In ara­bic with ger­man subtitles.

Energetic Oum Yazan is try­ing despera­te­ly to keep tog­e­ther her fami­ly life whilst out­side a war is raging. The fami­ly sits tog­e­ther around a lar­ge table at mid­day, ever­yo­ne try­ing to make them­sel­ves heard abo­ve the can­no­na­de of bombs and machi­ne gun fire. There is hard­ly any water and every trip out­side the door spells dan­ger on account of the sni­pers on the roof­tops abo­ve. While Grandfather plays with his litt­le grand­child, the oldest daugh­ter flirts with her boy­fri­end in her room. Next door a young cou­ple with a baby are plan­ning their escape. Up abo­ve, threa­tening noi­ses can be heard. Who’s that kno­cking at the door? Could it be Oum Yazan’s hus­band who­se return she has been anxious­ly awai­ting, or are the­re stran­ge men out­side, loo­king for valu­ables? Just a few shots are neces­sa­ry to draw the view­er into the per­ma­nent sta­te of emer­gen­cy that is war. The apart­ment that was once a fami­li­ar home has now beco­me a pri­son. Philippe Van Leeuw’s huis clos descri­bes peo­p­le in an extre­me situa­ti­on that gives rise to extre­me beha­viour. Every decis­i­on could be a mat­ter of life or death: is it moral­ly accep­ta­ble to sacri­fice one mem­ber of the fami­ly to gua­ran­tee the sur­vi­val of the others?

Insyriated
Belgien, 2017, 85 Min., arab. OmU

Regie & Buch: Philippe Van Leeuw
Kamera: Virginie Surdej
Schnitt: Gladys Joujou
Mit Hiam Abbass, Diamand Bou Abboud, Juliette Navis

INSYRIATED de Philippe Van Leeuw – Bande annonce