A real Pain

A real Pain

Ein Film von Jesse Eisenberg.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Allein sitzt Benji (Kieran Culkin) am Flughafen in New York, inmit­ten von hek­ti­schen Reisenden scheint er ein Pol der Ruhe zu sein. Er war­tet auf sei­nen Cousin David (Jesse Eisenberg), der die Idee zu einer Reise in die gemein­sa­me Vergangenheit gehabt hat. Beider Großmutter ist vor kur­zem gestor­ben, ihr Erbe ermög­licht den Cousins, die sich einst Nahe stan­den, aber inzwi­schen nur noch wenig Kontakt haben, eine Reise nach Polen, in das Land ihrer Vorfahren.

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges konn­te ihre jüdi­sche Großmutter flie­hen, zurück in ihre Heimat reis­te sie nie wie­der. In Warschau schlie­ßen sich die Cousins einer Reisegruppe an, als deren Leiter James (Will Sharpe) fun­giert, ein bri­ti­scher Akademiker, der dem­entspre­chend aka­de­misch über die Orte des Grauens berich­tet, die die Gruppe besucht.

Neben den Cousins nimmt unter ande­rem ein ame­ri­ka­ni­sches Ehepaar an der Reise in die Vergangenheit teil, aber auch ein Mann aus Ruanda, der den dor­ti­gen Genozid über­leb­te und danach zum Judaismus kon­ver­tier­te. Gemeinsam reist die Gruppe durch das gegen­wär­ti­ge Polen, in dem die Spuren der einst gro­ßen jüdi­schen Bevölkerung nur noch schwer zu fin­den sind, besu­chen Monumente und Mahnmale und am Ende auch das Konzentrationslager Majdanek.

Ein klas­si­sches erzäh­le­ri­sches Muster ver­wen­det Jesse Eisenberg für sei­nen zwei­ten Spielfilm, das deut­schen Zuschauern bekannt vor­kom­men mag: Erst vor weni­gen Monaten lief Julia von Heinz „Treasure – Familie ist ein frem­des Land“ im Kino, in dem eben­falls zwei Personen, dort ein Vater-Tochter Gespann, nach Polen rei­sen und sich auf die Spuren der Vergangenheit zu bege­ben. Im Gegensatz zu von Heinz ist Eisenberg aller­dings selbst jüdi­scher Herkunft, hat Verwandte, die dem Holocaust ent­ka­men, eine Großmutter, die aus Polen emigrierte.

Und er hat sich in den letz­ten Jahren, in zum Beispiel im Magazin The New Yorker erschie­ne­nen Texten, als poin­tier­ter, iro­ni­scher Beobachter erwie­sen, der mit unter­schwel­li­gem Humor über exis­ten­zi­el­les und all­zu mensch­li­ches Verhalten schreibt. In sei­nem zwei­ten Film benutzt er nun eine ein­fa­che Road Movie-Struktur, auf deren Weg man den bei­den schein­bar unter­schied­li­chen Cousins nahe kommt.

Besonders Kieran Culkin, der in den letz­ten Jahren vor allem durch die erfolg­rei­che Fernsehserie „Succession“ bekannt gewor­den ist, glänzt dabei als anfangs mit sich im rei­nen wir­ken­der Mann, des­sen Sorgen sich erst nach und nach offen­ba­ren. Anstrengend wirkt die­ser Benji oft, wenn er die Reisegruppe und ihren Leiter kon­fron­tiert, schein­ba­re Wahrheiten in Frage stellt und dadurch der emo­tio­na­len Wahrheit viel näher kommt, als ihr aka­de­mi­scher Reiseleiter. Ganz bei­läu­fig insze­niert Eisenberg die Reise, lässt die Dialoge und Situationen für sich ste­hen und erweist sich gera­de durch die­se Zurückhaltung als genau­er Beobachter einer Konfrontation mit der eige­nen Vergangenheit.

Michael Meyns | programmkino.de

Credits:

US/PL 2024, 90 Min., engl. OmU
Regie: Jesse Eisenberg
Kamera: Michael Dymak
Schnitt: Robert Nassau
mit Jesse Eisenberg, Kieran Culkin, Will Sharpe, Jennifer Grey, Kurt Egyiawan, Liza Sadovy, Daniel Oreskes 

Trailer:
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Archiv: Termine

  • A real Pain

    A real Pain

    Ein Film von Jesse Eisenberg.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Allein sitzt Benji (Kieran Culkin) am Flughafen in New York, inmit­ten von hek­ti­schen Reisenden scheint er ein Pol der Ruhe zu sein. Er war­tet auf sei­nen Cousin David (Jesse Eisenberg), der die Idee zu einer Reise in die gemein­sa­me Vergangenheit gehabt hat. Beider Großmutter ist vor kur­zem gestor­ben, ihr Erbe ermög­licht den Cousins, die sich einst Nahe stan­den, aber inzwi­schen nur noch wenig Kontakt haben, eine Reise nach Polen, in das Land ihrer Vorfahren.

    Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges konn­te ihre jüdi­sche Großmutter flie­hen, zurück in ihre Heimat reis­te sie nie wie­der. In Warschau schlie­ßen sich die Cousins einer Reisegruppe an, als deren Leiter James (Will Sharpe) fun­giert, ein bri­ti­scher Akademiker, der dem­entspre­chend aka­de­misch über die Orte des Grauens berich­tet, die die Gruppe besucht.

    Neben den Cousins nimmt unter ande­rem ein ame­ri­ka­ni­sches Ehepaar an der Reise in die Vergangenheit teil, aber auch ein Mann aus Ruanda, der den dor­ti­gen Genozid über­leb­te und danach zum Judaismus kon­ver­tier­te. Gemeinsam reist die Gruppe durch das gegen­wär­ti­ge Polen, in dem die Spuren der einst gro­ßen jüdi­schen Bevölkerung nur noch schwer zu fin­den sind, besu­chen Monumente und Mahnmale und am Ende auch das Konzentrationslager Majdanek.

    Ein klas­si­sches erzäh­le­ri­sches Muster ver­wen­det Jesse Eisenberg für sei­nen zwei­ten Spielfilm, das deut­schen Zuschauern bekannt vor­kom­men mag: Erst vor weni­gen Monaten lief Julia von Heinz „Treasure – Familie ist ein frem­des Land“ im Kino, in dem eben­falls zwei Personen, dort ein Vater-Tochter Gespann, nach Polen rei­sen und sich auf die Spuren der Vergangenheit zu bege­ben. Im Gegensatz zu von Heinz ist Eisenberg aller­dings selbst jüdi­scher Herkunft, hat Verwandte, die dem Holocaust ent­ka­men, eine Großmutter, die aus Polen emigrierte.

    Und er hat sich in den letz­ten Jahren, in zum Beispiel im Magazin The New Yorker erschie­ne­nen Texten, als poin­tier­ter, iro­ni­scher Beobachter erwie­sen, der mit unter­schwel­li­gem Humor über exis­ten­zi­el­les und all­zu mensch­li­ches Verhalten schreibt. In sei­nem zwei­ten Film benutzt er nun eine ein­fa­che Road Movie-Struktur, auf deren Weg man den bei­den schein­bar unter­schied­li­chen Cousins nahe kommt.

    Besonders Kieran Culkin, der in den letz­ten Jahren vor allem durch die erfolg­rei­che Fernsehserie „Succession“ bekannt gewor­den ist, glänzt dabei als anfangs mit sich im rei­nen wir­ken­der Mann, des­sen Sorgen sich erst nach und nach offen­ba­ren. Anstrengend wirkt die­ser Benji oft, wenn er die Reisegruppe und ihren Leiter kon­fron­tiert, schein­ba­re Wahrheiten in Frage stellt und dadurch der emo­tio­na­len Wahrheit viel näher kommt, als ihr aka­de­mi­scher Reiseleiter. Ganz bei­läu­fig insze­niert Eisenberg die Reise, lässt die Dialoge und Situationen für sich ste­hen und erweist sich gera­de durch die­se Zurückhaltung als genau­er Beobachter einer Konfrontation mit der eige­nen Vergangenheit.

    Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    US/PL 2024, 90 Min., engl. OmU
    Regie: Jesse Eisenberg
    Kamera: Michael Dymak
    Schnitt: Robert Nassau
    mit Jesse Eisenberg, Kieran Culkin, Will Sharpe, Jennifer Grey, Kurt Egyiawan, Liza Sadovy, Daniel Oreskes 

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  • Tracing Light – Die Magie des Lichts

    Tracing Light – Die Magie des Lichts

    Ein Film von Thomas Riedelsheimer.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Jeder glaubt zu wis­sen, was Licht ist“, sagt der Quantenphysiker Daniele Faccio. „Aber dann gräbt man ein biss­chen tie­fer und merkt, dass man kei­ne Ahnung hat.“
    Tracing Light – Die Magie des Lichts erkun­det in fas­zi­nie­ren­den Bildern und Begegnungen das wohl bedeu­tends­te aller Naturphänomene. Thomas Riedelsheimer, des­sen Filme Rivers and Tides und Touch The Sound wir lie­ben, blickt dies­mal mehr als dort auch auf eine künst­le­ri­sche Herangehensweise an das Wesen des Lichts, die mit der Forschung zusam­men­geht. So bringt er her­aus­ra­gen­de Wissen- schaftler:innen mit Künstler:innen zusam­men, die mit Licht arbei­ten, und sich fra­gen: Was ist Licht als Material? Wie ver­hält es sich in sei­ner rät­sel­haf­ten Doppelgestalt als Welle und Teilchen? Verändert sich Licht, wenn wir es sehen? In wel­chem Verhältnis ste­hen Licht, Raum und Zeit? Wie prägt unse­re Wahrnehmung des Lichts unser Verständnis der Welt?
    Im Zusammenspiel mit sei­nen cha­ris­ma­ti­schen Protagonist:innen und der kon­ge­nia­len Filmmusik von Fred Frith (nb – ab 6.3. als WA im Kino: Step across the Border) und Gabby Fluke-Mogul machen Thomas Riedelsheimers fas­zi­nie­ren­de Bilder das Licht in sei­nen unzäh­li­gen Facetten, Erscheinungen und Formen, in all sei­ner Komplexität erfahr­bar.
    „Zwischen den Forscherinnen des Max-Planck-Instituts in Erlangen und der ’Extreme Light Group‚ der Universität Glasgow sowie inter­na­tio­nal renom­mier­ten Künstlerinnen wie Ruth Jarman, Joe Gerhardt, Julie Brook, Johannes Brunner und Raimund Ritz ent­wi­ckelt sich ein intel­lek­tu­ell-poe­ti­sches Pingpong-Spiel. In des­sen Verlauf füh­ren die ver­schie­de­nen Perspektiven auf das Thema Licht auf allen Seiten zu Erkenntnissen, die ohne die­ses metho­di­sche Cross-over kaum ent­stan­den wären: von Laserkraft und Farbpigmenten, von schwar­zen Löchern und schwe­ben­den Skulpturen. In kur­zen Momenten mögen Unkundige sogar eine Vorstellung von den gemein­hin als nicht-dar­stell­bar gel­ten­den Regeln der Quantenphysik bekom­men.“
    Luc-Carolin Ziemann | Dok-Leipzig (Eröffnungsfilm 2024)

    Credits:

    DE/GB 2024, 99 Min., engl./dt. Originalfassung mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln
    Regie, Kamera, Schnitt: Thomas Riedelsheimer

    Musik: Fred Frith, gab­by flu­ke-mogul

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  • Juror #2

    Juror #2

    Ein Film von Clint Eastwood.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Dies ist kein Spoiler: ein smar­ter jun­ger Mann, bei einem Mordprozess zum Geschworenen (genau, #2) ernannt, erkennt bei der Anklageverlesung, dass er für den Tod der Frau, der hier ver­han­delt wird, unwis­sent­lich ver­ant­wort­lich ist. Hat man die­sen Zufall erst mal geschluckt, kann man sich an einem soli­den, ver­zwick­tem und packen­dem Gerichtsthriller erfreu­en.
    Justin, des­sen Frau Ally nach einer Risikoschwangerschaft kurz vor der Geburt steht, wird trotz­dem nicht von der Juroren-Pflicht ent­bun­den. Der Angeklagte im zu ver­han­deln­den Fall der toten Kendall Carter ist ihr Freund, bekannt als gewalt­tä­tig, und in den Augen der meis­ten Geschworenen „White Trash“. Justin, der an dem reg­ne­ri­schen Abend mit dem Auto unter­wegs war und, wie er damals glaub­te, ein Reh ange­fah­ren hat­te, erkennt sofort den tra­gi­schen Zusammenhang. Aus erst spä­ter nach­voll­zieh­ba­ren Gründen kann er aber nicht mehr die Wahrheit sagen. So bleibt ihm nur, die von der Schuld des Angeklagten über­zeug­ten Mitgeschworenen, die alle das Ganze schnell hin­ter sich brin­gen und nach Hause wol­len, umzu­stim­men. Das erin­nert natür­lich an Sidney Lumets Die zwölf Geschworenen, vor allem auch an den, heu­ti­gen Gegebenheiten ange­pass­ten, grup­pen­dy­na­mi­schem Prozess, wird aber u.a. durch den Umstand getoppt, dass Justin sich auf einen schma­len Grad begibt – er darf schließ­lich nicht ins Visier gera­ten.
    In den her­vor­ra­gend besetz­ten Hauptrollen sehen wir Nicholas Hoult als sei­nen inne­ren Zwiespalt bekämp­fen­den Justin Kemp und Toni Colette als ehr­gei­zi­ge Staatsanwältin mit dem bemer­kens­wer­ten Namen Faith Killebrew. Es ist der ers­te Film, in dem bei­de seit der Nick-Hornby-Verfilmung About a Boy (2001, mit dem gera­de neu auf­er­stan­de­nen Hugh Grant) zusam­men agie­ren. Die Nebenrolle der toten Kendell Carter beset­ze Eastwood übri­gens mit sei­ner Tochter Francesca.
    „Dieser Film ist bei wei­tem stär­ker als die bei­den letz­ten, und wenn sich her­aus­stellt, dass es sein letz­ter Film als Regisseur ist, wie gemun­kelt wird, dann tritt er mit einem Knall ab“
    Manohla Dargis | New York Times

    Credits:

    US 2024, 114 Min., engl. OmU
    Regie:
    Clint Eastwood
    Kamera: Yves Bélanger
    Schnitt: Joel Cox, David Cox
    mit: Nicholas Hoult, Toni Collette, J.K. Simmons, Zoey Deutch, Kiefer Sutherland, Francesca Eastwood, Chris Messina

    Trailer:
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  • Poison – Eine Liebesgeschichte

    Poison – Eine Liebesgeschichte

    Ein Film von Désirée Nosbusch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Während mei­ner Studienzeit sag­te Mel Brooks ein­mal zu mir: „Eine gute Geschichte muss an einem kle­ben blei­ben wie ein Topf Honig. Und wenn man sie nicht los­wird, dann muss man sie erzäh­len. Und das wur­de Poison für mich.“ so die eigent­lich als Schauspielerin bekann­te Regisseurin Desiree Nosbusch. Nachdem sie in dem inter­na­tio­nal erfolg­rei­chen Stück der nie­der­län­di­schen Dramaturgin Lot Vekemans am Theater die weib­li­che Rolle über­nahm, blieb sie genau dar­an kle­ben. Jahre spä­ter ergab sich die Möglichkeit der Verfilmung die­ser Geschichte, die alles hat, „was eine gute Geschichte braucht: Verlust, Trauer, Sucht, Einsamkeit, Liebe, Schuld, Rache, Engagement, Hoffnung und Erlösung – sie stellt all‘ die gro­ßen Fragen, die wir im Leben haben.“
    Zwei Menschen, die, erst ein Kind ver­lo­ren haben, dann sich selbst und dann ein­an­der‘ wie Lucas im Film sagt, tref­fen sich nach zehn Jahren erst­mals wie­der, auf dem Friedhof, wo der Sohn begra­ben liegt. Er, Lucas, hat inzwi­schen eine neue Beziehung, für sie, Edith, ist das Trauern auch nach so vie­len Jahren noch essen­zi­ell. Es ist ein her­aus­for­dern­des Zwei-Personen-Spiel, das alle Beteiligten vor und hin­ter der Kamera zu einem weni­ger spek­ta­ku­lä­ren als inten­si­vem Ereignis machen. Tim Roth als Lucas hält sich dies­mal mit der bekann­ten aus­ge­präg­ten Mimik zurück, Trine Dyrholm zeigt mit Edith, dass sie auch ande­re als beherrsch­te und ratio­nal agie­ren­de Frauen geben kann. Zwischen Vorwürfen und Anklagen, Gefühlsausbrüchen und Entschuldigungen, Vorsicht, Distanz und Annäherung wird die eins­ti­ge Verbindung zwi­schen bei­den immer wie­der sicht­bar, aber auch die unüber­wind­bar schei­nen­den Hürden, die dar­an hin­dern, das schreck­li­che Ereignis gemein­sam zu ver­ar­bei­ten.
    Ausgezeichnet auf dem 26. Film by the Sea Festival im nie­der­län­di­schen Vlissingen mit dem Film & Literature Award, gewann Poison außerem auf dem 36. Galway Film Fleadh den Peripheral Vision Award.

    Credits:

    LU/NL/GB 2024, 90 Min., engl. OmU
    Regie: Désirée Nosbusch
    Kamera: Judith Kaufmann
    Schnitt: Michiel Reichwein
    mit: Tim Roth, Trine Dyrholm

    Trailer:
    POISON Trailer (2024) Tim Roth, Drama Movie HD

    Im Kino mit deut­schen Untertiteln.

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  • A real Pain

    A real Pain

    Ein Film von Jesse Eisenberg.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Allein sitzt Benji (Kieran Culkin) am Flughafen in New York, inmit­ten von hek­ti­schen Reisenden scheint er ein Pol der Ruhe zu sein. Er war­tet auf sei­nen Cousin David (Jesse Eisenberg), der die Idee zu einer Reise in die gemein­sa­me Vergangenheit gehabt hat. Beider Großmutter ist vor kur­zem gestor­ben, ihr Erbe ermög­licht den Cousins, die sich einst Nahe stan­den, aber inzwi­schen nur noch wenig Kontakt haben, eine Reise nach Polen, in das Land ihrer Vorfahren.

    Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges konn­te ihre jüdi­sche Großmutter flie­hen, zurück in ihre Heimat reis­te sie nie wie­der. In Warschau schlie­ßen sich die Cousins einer Reisegruppe an, als deren Leiter James (Will Sharpe) fun­giert, ein bri­ti­scher Akademiker, der dem­entspre­chend aka­de­misch über die Orte des Grauens berich­tet, die die Gruppe besucht.

    Neben den Cousins nimmt unter ande­rem ein ame­ri­ka­ni­sches Ehepaar an der Reise in die Vergangenheit teil, aber auch ein Mann aus Ruanda, der den dor­ti­gen Genozid über­leb­te und danach zum Judaismus kon­ver­tier­te. Gemeinsam reist die Gruppe durch das gegen­wär­ti­ge Polen, in dem die Spuren der einst gro­ßen jüdi­schen Bevölkerung nur noch schwer zu fin­den sind, besu­chen Monumente und Mahnmale und am Ende auch das Konzentrationslager Majdanek.

    Ein klas­si­sches erzäh­le­ri­sches Muster ver­wen­det Jesse Eisenberg für sei­nen zwei­ten Spielfilm, das deut­schen Zuschauern bekannt vor­kom­men mag: Erst vor weni­gen Monaten lief Julia von Heinz „Treasure – Familie ist ein frem­des Land“ im Kino, in dem eben­falls zwei Personen, dort ein Vater-Tochter Gespann, nach Polen rei­sen und sich auf die Spuren der Vergangenheit zu bege­ben. Im Gegensatz zu von Heinz ist Eisenberg aller­dings selbst jüdi­scher Herkunft, hat Verwandte, die dem Holocaust ent­ka­men, eine Großmutter, die aus Polen emigrierte.

    Und er hat sich in den letz­ten Jahren, in zum Beispiel im Magazin The New Yorker erschie­ne­nen Texten, als poin­tier­ter, iro­ni­scher Beobachter erwie­sen, der mit unter­schwel­li­gem Humor über exis­ten­zi­el­les und all­zu mensch­li­ches Verhalten schreibt. In sei­nem zwei­ten Film benutzt er nun eine ein­fa­che Road Movie-Struktur, auf deren Weg man den bei­den schein­bar unter­schied­li­chen Cousins nahe kommt.

    Besonders Kieran Culkin, der in den letz­ten Jahren vor allem durch die erfolg­rei­che Fernsehserie „Succession“ bekannt gewor­den ist, glänzt dabei als anfangs mit sich im rei­nen wir­ken­der Mann, des­sen Sorgen sich erst nach und nach offen­ba­ren. Anstrengend wirkt die­ser Benji oft, wenn er die Reisegruppe und ihren Leiter kon­fron­tiert, schein­ba­re Wahrheiten in Frage stellt und dadurch der emo­tio­na­len Wahrheit viel näher kommt, als ihr aka­de­mi­scher Reiseleiter. Ganz bei­läu­fig insze­niert Eisenberg die Reise, lässt die Dialoge und Situationen für sich ste­hen und erweist sich gera­de durch die­se Zurückhaltung als genau­er Beobachter einer Konfrontation mit der eige­nen Vergangenheit.

    Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    US/PL 2024, 90 Min., engl. OmU
    Regie: Jesse Eisenberg
    Kamera: Michael Dymak
    Schnitt: Robert Nassau
    mit Jesse Eisenberg, Kieran Culkin, Will Sharpe, Jennifer Grey, Kurt Egyiawan, Liza Sadovy, Daniel Oreskes 

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  • A real Pain

    A real Pain

    Ein Film von Jesse Eisenberg.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Allein sitzt Benji (Kieran Culkin) am Flughafen in New York, inmit­ten von hek­ti­schen Reisenden scheint er ein Pol der Ruhe zu sein. Er war­tet auf sei­nen Cousin David (Jesse Eisenberg), der die Idee zu einer Reise in die gemein­sa­me Vergangenheit gehabt hat. Beider Großmutter ist vor kur­zem gestor­ben, ihr Erbe ermög­licht den Cousins, die sich einst Nahe stan­den, aber inzwi­schen nur noch wenig Kontakt haben, eine Reise nach Polen, in das Land ihrer Vorfahren.

    Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges konn­te ihre jüdi­sche Großmutter flie­hen, zurück in ihre Heimat reis­te sie nie wie­der. In Warschau schlie­ßen sich die Cousins einer Reisegruppe an, als deren Leiter James (Will Sharpe) fun­giert, ein bri­ti­scher Akademiker, der dem­entspre­chend aka­de­misch über die Orte des Grauens berich­tet, die die Gruppe besucht.

    Neben den Cousins nimmt unter ande­rem ein ame­ri­ka­ni­sches Ehepaar an der Reise in die Vergangenheit teil, aber auch ein Mann aus Ruanda, der den dor­ti­gen Genozid über­leb­te und danach zum Judaismus kon­ver­tier­te. Gemeinsam reist die Gruppe durch das gegen­wär­ti­ge Polen, in dem die Spuren der einst gro­ßen jüdi­schen Bevölkerung nur noch schwer zu fin­den sind, besu­chen Monumente und Mahnmale und am Ende auch das Konzentrationslager Majdanek.

    Ein klas­si­sches erzäh­le­ri­sches Muster ver­wen­det Jesse Eisenberg für sei­nen zwei­ten Spielfilm, das deut­schen Zuschauern bekannt vor­kom­men mag: Erst vor weni­gen Monaten lief Julia von Heinz „Treasure – Familie ist ein frem­des Land“ im Kino, in dem eben­falls zwei Personen, dort ein Vater-Tochter Gespann, nach Polen rei­sen und sich auf die Spuren der Vergangenheit zu bege­ben. Im Gegensatz zu von Heinz ist Eisenberg aller­dings selbst jüdi­scher Herkunft, hat Verwandte, die dem Holocaust ent­ka­men, eine Großmutter, die aus Polen emigrierte.

    Und er hat sich in den letz­ten Jahren, in zum Beispiel im Magazin The New Yorker erschie­ne­nen Texten, als poin­tier­ter, iro­ni­scher Beobachter erwie­sen, der mit unter­schwel­li­gem Humor über exis­ten­zi­el­les und all­zu mensch­li­ches Verhalten schreibt. In sei­nem zwei­ten Film benutzt er nun eine ein­fa­che Road Movie-Struktur, auf deren Weg man den bei­den schein­bar unter­schied­li­chen Cousins nahe kommt.

    Besonders Kieran Culkin, der in den letz­ten Jahren vor allem durch die erfolg­rei­che Fernsehserie „Succession“ bekannt gewor­den ist, glänzt dabei als anfangs mit sich im rei­nen wir­ken­der Mann, des­sen Sorgen sich erst nach und nach offen­ba­ren. Anstrengend wirkt die­ser Benji oft, wenn er die Reisegruppe und ihren Leiter kon­fron­tiert, schein­ba­re Wahrheiten in Frage stellt und dadurch der emo­tio­na­len Wahrheit viel näher kommt, als ihr aka­de­mi­scher Reiseleiter. Ganz bei­läu­fig insze­niert Eisenberg die Reise, lässt die Dialoge und Situationen für sich ste­hen und erweist sich gera­de durch die­se Zurückhaltung als genau­er Beobachter einer Konfrontation mit der eige­nen Vergangenheit.

    Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    US/PL 2024, 90 Min., engl. OmU
    Regie: Jesse Eisenberg
    Kamera: Michael Dymak
    Schnitt: Robert Nassau
    mit Jesse Eisenberg, Kieran Culkin, Will Sharpe, Jennifer Grey, Kurt Egyiawan, Liza Sadovy, Daniel Oreskes 

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  • Henry Fonda for President – mit Gast

    Henry Fonda for President – mit Gast

    Ein Film von Alexander Horwath. Am 5.2. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Von 1905 bis 1982 leb­te Henry Fonda, spiel­te in rund 80 Filmen mit, dar­un­ter eini­gen der größ­ten Klassiker des ame­ri­ka­ni­schen Kinos: „Früchte des Zorns“, „Faustrecht der Prärie“, „Die 12 Geschworenen.“ Kaum jemand ver­kör­per­te dabei den ein­fa­chen Mann, den durch­schnitt­li­chen, aber ehr­ba­ren Bürger so gut wie Henry Fonda, der sicher nicht zufäl­lig im Lauf sei­ner Karriere immer wie­der Präsidenten spiel­te, ech­te und fik­ti­ve: In „Der jun­ge Mr. Lincoln“ ver­kör­per­te er den legen­dä­ren Honest Abe, der Präsident, der zumin­dest auf dem Papier die Sklaverei been­de­te und sein Land durch den Bürgerkrieg führ­te, in „Angriffsziel Moskau“ einen namen­lo­sen Präsidenten, der sein Land vor einem Nuklearkrieg bewah­ren will.

    Wenn man mit dem ame­ri­ka­ni­schen, also mit dem Hollywood-Kino auf­ge­wach­sen ist, gera­de als in den 60er oder 70er Jahren gebo­re­ner, dann kam man an Henry Fonda nicht vor­bei. So ging es auch dem öster­rei­chi­schen Filmwissenschaftler, lang­jäh­ri­gem Leiter der Viennale und Direktor des öster­rei­chi­schen Filmmuseums Alexander Horwarth, der 1980, als sech­zehn­jäh­ri­ger in Paris, Henry Fonda ent­deck­te. So erzählt es Horwarth in sei­nem essay­is­ti­schen Dokumentarfilm „Henry Fonda for President“, der in losen, ange­nehm mäan­dern­den Linien, um Henry Fonda, Hollywood und die ame­ri­ka­ni­sche Gesellschaft kreist.

    Und dabei auch weit in die Vergangenheit greift, den Henry Fondas Vorfahren kamen einst aus dem alten Europa in die neue Welt, sie­del­ten in nur schein­bar unbe­rühr­ter Natur, folg­ten dem Versprechen des ame­ri­ka­ni­schen Traums. In Nebraska, einem jener Flächenstaaten, die kaum ein Tourist jemals besucht, wur­de Henry Fonda gebo­ren, fand sei­nen Weg nach Hollywood und ver­kör­per­te lan­ge jenen typi­schen ame­ri­ka­ni­schen Jedermann, ehr­bar und kri­tisch – und auch ein Mythos.

    Anhand zahl­rei­cher Filmausschnitte skiz­ziert Horwarth, wie Hollywood und damit Amerika sich durch Typen wie Henry Fonda ein idea­li­sier­tes Ebenbild schuf, wie die Selbstwahrnehmung der USA, die sich ger­ne als idea­le Demokratie sah, als Verfechter von Recht und Anstand, als sprich­wört­li­che Stadt auf dem Hügel, sich in der schein­bar unpo­li­ti­schen Form des Hollywood-Kinos spie­gel­te, die dadurch als Propaganda für die USA auf den Leinwänden der Welt zu sehen war.

    Im Laufe sei­ner Karriere wur­de jedoch auch Fonda kri­ti­scher mit sich und sei­nem Land, viel­leicht auch durch sei­ne bedien Kinder Peter und Jane, die gleich­zei­tig Hollywood Royalty waren und doch auch zu Symbolen der Gegenkultur der 60er Jahre wur­den: Peter durch sei­ne Hauptrolle in „Easy Rider“, Jane durch ihren poli­ti­schen Aktivismus, der ihr den despek­tier­li­chen Spitznamen Hanoi Jane einbrachte.

    So beschreibt „Henry Fonda for President“ auf sehr per­sön­li­che Weise auch den Weg einer Entfremdung im Blick auf Amerika. Die Mythen, die gera­de der klas­si­sche Western der 40er Jahre ver­brei­te­te, wur­den spä­tes­tens mit dem Vietnamkrieg ent­larvt. Das kurz danach mit Ronald Reagen tat­säch­lich ein Schauspieler Präsident wur­de war Zufall, passt aber irgend­wie auch in das Bild eines Landes, das sich zu gern im Glanz von Hollywood und des Showbusiness sonn­te. Als einer der expo­nier­tes­ten Vertreter die­ser Welt fun­gier­te über vie­le Jahrzehnte Henry Fonda, der aller­dings selbst­re­fle­xiv genug war, um schon Ende der 60er Jahre im legen­dä­ren Italo-Western „Spiel mir das Lied vom Tod“, einen der übels­ten Killer der Filmgeschichte zu spie­len: Als Frank kon­ter­ka­riert Fonda sein eige­nes Image und ein biss­chen auch das Bild, das Amerika ger­ne von sich selbst hat und tötet gleich in sei­ner ers­ten Szene ein Kind. Auch eine Methode den Mythos vom ame­ri­ka­ni­schen Traum zu beer­di­gen, was damals Sergio Leone so bild­ge­wal­tig tat und nun Alexander Horwarth in einem klu­gen, viel­schich­ti­gen Essayfilm.

    Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    AT/DE 2024, 184 Min., engl./dt. Originalfassung mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln
    Regie: Alexander Horwath
    Kamera & Schnitt: Michael Palm

    Trailer:
    Henry Fonda for President (2024) | Trailer | Regie: Alexander Horwath

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  • Poison – Eine Liebesgeschichte

    Poison – Eine Liebesgeschichte

    Ein Film von Désirée Nosbusch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Während mei­ner Studienzeit sag­te Mel Brooks ein­mal zu mir: „Eine gute Geschichte muss an einem kle­ben blei­ben wie ein Topf Honig. Und wenn man sie nicht los­wird, dann muss man sie erzäh­len. Und das wur­de Poison für mich.“ so die eigent­lich als Schauspielerin bekann­te Regisseurin Desiree Nosbusch. Nachdem sie in dem inter­na­tio­nal erfolg­rei­chen Stück der nie­der­län­di­schen Dramaturgin Lot Vekemans am Theater die weib­li­che Rolle über­nahm, blieb sie genau dar­an kle­ben. Jahre spä­ter ergab sich die Möglichkeit der Verfilmung die­ser Geschichte, die alles hat, „was eine gute Geschichte braucht: Verlust, Trauer, Sucht, Einsamkeit, Liebe, Schuld, Rache, Engagement, Hoffnung und Erlösung – sie stellt all‘ die gro­ßen Fragen, die wir im Leben haben.“
    Zwei Menschen, die, erst ein Kind ver­lo­ren haben, dann sich selbst und dann ein­an­der‘ wie Lucas im Film sagt, tref­fen sich nach zehn Jahren erst­mals wie­der, auf dem Friedhof, wo der Sohn begra­ben liegt. Er, Lucas, hat inzwi­schen eine neue Beziehung, für sie, Edith, ist das Trauern auch nach so vie­len Jahren noch essen­zi­ell. Es ist ein her­aus­for­dern­des Zwei-Personen-Spiel, das alle Beteiligten vor und hin­ter der Kamera zu einem weni­ger spek­ta­ku­lä­ren als inten­si­vem Ereignis machen. Tim Roth als Lucas hält sich dies­mal mit der bekann­ten aus­ge­präg­ten Mimik zurück, Trine Dyrholm zeigt mit Edith, dass sie auch ande­re als beherrsch­te und ratio­nal agie­ren­de Frauen geben kann. Zwischen Vorwürfen und Anklagen, Gefühlsausbrüchen und Entschuldigungen, Vorsicht, Distanz und Annäherung wird die eins­ti­ge Verbindung zwi­schen bei­den immer wie­der sicht­bar, aber auch die unüber­wind­bar schei­nen­den Hürden, die dar­an hin­dern, das schreck­li­che Ereignis gemein­sam zu ver­ar­bei­ten.
    Ausgezeichnet auf dem 26. Film by the Sea Festival im nie­der­län­di­schen Vlissingen mit dem Film & Literature Award, gewann Poison außerem auf dem 36. Galway Film Fleadh den Peripheral Vision Award.

    Credits:

    LU/NL/GB 2024, 90 Min., engl. OmU
    Regie: Désirée Nosbusch
    Kamera: Judith Kaufmann
    Schnitt: Michiel Reichwein
    mit: Tim Roth, Trine Dyrholm

    Trailer:
    POISON Trailer (2024) Tim Roth, Drama Movie HD

    Im Kino mit deut­schen Untertiteln.

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  • Poison – Eine Liebesgeschichte

    Poison – Eine Liebesgeschichte

    Ein Film von Désirée Nosbusch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Während mei­ner Studienzeit sag­te Mel Brooks ein­mal zu mir: „Eine gute Geschichte muss an einem kle­ben blei­ben wie ein Topf Honig. Und wenn man sie nicht los­wird, dann muss man sie erzäh­len. Und das wur­de Poison für mich.“ so die eigent­lich als Schauspielerin bekann­te Regisseurin Desiree Nosbusch. Nachdem sie in dem inter­na­tio­nal erfolg­rei­chen Stück der nie­der­län­di­schen Dramaturgin Lot Vekemans am Theater die weib­li­che Rolle über­nahm, blieb sie genau dar­an kle­ben. Jahre spä­ter ergab sich die Möglichkeit der Verfilmung die­ser Geschichte, die alles hat, „was eine gute Geschichte braucht: Verlust, Trauer, Sucht, Einsamkeit, Liebe, Schuld, Rache, Engagement, Hoffnung und Erlösung – sie stellt all‘ die gro­ßen Fragen, die wir im Leben haben.“
    Zwei Menschen, die, erst ein Kind ver­lo­ren haben, dann sich selbst und dann ein­an­der‘ wie Lucas im Film sagt, tref­fen sich nach zehn Jahren erst­mals wie­der, auf dem Friedhof, wo der Sohn begra­ben liegt. Er, Lucas, hat inzwi­schen eine neue Beziehung, für sie, Edith, ist das Trauern auch nach so vie­len Jahren noch essen­zi­ell. Es ist ein her­aus­for­dern­des Zwei-Personen-Spiel, das alle Beteiligten vor und hin­ter der Kamera zu einem weni­ger spek­ta­ku­lä­ren als inten­si­vem Ereignis machen. Tim Roth als Lucas hält sich dies­mal mit der bekann­ten aus­ge­präg­ten Mimik zurück, Trine Dyrholm zeigt mit Edith, dass sie auch ande­re als beherrsch­te und ratio­nal agie­ren­de Frauen geben kann. Zwischen Vorwürfen und Anklagen, Gefühlsausbrüchen und Entschuldigungen, Vorsicht, Distanz und Annäherung wird die eins­ti­ge Verbindung zwi­schen bei­den immer wie­der sicht­bar, aber auch die unüber­wind­bar schei­nen­den Hürden, die dar­an hin­dern, das schreck­li­che Ereignis gemein­sam zu ver­ar­bei­ten.
    Ausgezeichnet auf dem 26. Film by the Sea Festival im nie­der­län­di­schen Vlissingen mit dem Film & Literature Award, gewann Poison außerem auf dem 36. Galway Film Fleadh den Peripheral Vision Award.

    Credits:

    LU/NL/GB 2024, 90 Min., engl. OmU
    Regie: Désirée Nosbusch
    Kamera: Judith Kaufmann
    Schnitt: Michiel Reichwein
    mit: Tim Roth, Trine Dyrholm

    Trailer:
    POISON Trailer (2024) Tim Roth, Drama Movie HD

    Im Kino mit deut­schen Untertiteln.

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  • Tracing Light – Die Magie des Lichts

    Tracing Light – Die Magie des Lichts

    Ein Film von Thomas Riedelsheimer.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Jeder glaubt zu wis­sen, was Licht ist“, sagt der Quantenphysiker Daniele Faccio. „Aber dann gräbt man ein biss­chen tie­fer und merkt, dass man kei­ne Ahnung hat.“
    Tracing Light – Die Magie des Lichts erkun­det in fas­zi­nie­ren­den Bildern und Begegnungen das wohl bedeu­tends­te aller Naturphänomene. Thomas Riedelsheimer, des­sen Filme Rivers and Tides und Touch The Sound wir lie­ben, blickt dies­mal mehr als dort auch auf eine künst­le­ri­sche Herangehensweise an das Wesen des Lichts, die mit der Forschung zusam­men­geht. So bringt er her­aus­ra­gen­de Wissen- schaftler:innen mit Künstler:innen zusam­men, die mit Licht arbei­ten, und sich fra­gen: Was ist Licht als Material? Wie ver­hält es sich in sei­ner rät­sel­haf­ten Doppelgestalt als Welle und Teilchen? Verändert sich Licht, wenn wir es sehen? In wel­chem Verhältnis ste­hen Licht, Raum und Zeit? Wie prägt unse­re Wahrnehmung des Lichts unser Verständnis der Welt?
    Im Zusammenspiel mit sei­nen cha­ris­ma­ti­schen Protagonist:innen und der kon­ge­nia­len Filmmusik von Fred Frith (nb – ab 6.3. als WA im Kino: Step across the Border) und Gabby Fluke-Mogul machen Thomas Riedelsheimers fas­zi­nie­ren­de Bilder das Licht in sei­nen unzäh­li­gen Facetten, Erscheinungen und Formen, in all sei­ner Komplexität erfahr­bar.
    „Zwischen den Forscherinnen des Max-Planck-Instituts in Erlangen und der ’Extreme Light Group‚ der Universität Glasgow sowie inter­na­tio­nal renom­mier­ten Künstlerinnen wie Ruth Jarman, Joe Gerhardt, Julie Brook, Johannes Brunner und Raimund Ritz ent­wi­ckelt sich ein intel­lek­tu­ell-poe­ti­sches Pingpong-Spiel. In des­sen Verlauf füh­ren die ver­schie­de­nen Perspektiven auf das Thema Licht auf allen Seiten zu Erkenntnissen, die ohne die­ses metho­di­sche Cross-over kaum ent­stan­den wären: von Laserkraft und Farbpigmenten, von schwar­zen Löchern und schwe­ben­den Skulpturen. In kur­zen Momenten mögen Unkundige sogar eine Vorstellung von den gemein­hin als nicht-dar­stell­bar gel­ten­den Regeln der Quantenphysik bekom­men.“
    Luc-Carolin Ziemann | Dok-Leipzig (Eröffnungsfilm 2024)

    Credits:

    DE/GB 2024, 99 Min., engl./dt. Originalfassung mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln
    Regie, Kamera, Schnitt: Thomas Riedelsheimer

    Musik: Fred Frith, gab­by flu­ke-mogul

    Trailer:
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