SEHNSUCHT IN SANGERHAUSEN

Sehnsucht in Sangerhausen

Ein Film von Julian Radlmaier. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Ein Ort im Harz im Wechsel der Zeiten: Sensibel und manch­mal absurd zuge­spitzt bringt Julian Radlmaier (Blutsauger, Selbstkritik eines bür­ger­li­chen Hundes) in sei­nem neu­en Film Menschen zusam­men, die in der öffent­li­chen Debatte oft gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den.
Ursula lebt in Sangerhausen von zwei Jobs im Niedriglohnsektor. Die Iranerin Neda war­tet auf und kämpft um einen dau­er­haf­ten Aufenthaltssta­tus. Als ers­te aber ler­nen wir Lotte ken­nen, die vor 230 Jahren als Dienstmagd u.a. den Nachttopf von Novalis lee­ren muss­te. Allen drei Frauen ist ihr Status als Verliererinnen in die­ser Gesellschaft bewusst. Jede sucht sich ihren Ausweg auf ihre Weise. Lotte will nach Frankreich, als sie von der dor­ti­gen Revolution hört, Ursula ver­liebt sich hoff­nungs­los in eine Künstlerin aus der Stadt, die einer ande­ren Klasse ange­hört, und Neda ver­sucht, sich als Influencerin mit Tipps über bil­li­ge Urlaubsziele über Wasser zu hal­ten, was sie nach Sangerhausen führt. Zusammen mit Sung-Nam, einem älte­ren Mann korea­ni­scher Herkunft, und des­sen Wahlenkel Buk gera­ten Ursula und Neda auf Geisterjagd in die nahe Barbarossa-Höhle, in der Lotte einst ver­schwand.
“… kann roman­ti­sche Sehnsucht einen Ausweg aus dem tris­ten Alltag bie­ten? In sei­ner Komödie ver­bin­det Radlmaier sehr lako­nisch sei­ne stets gegen­wär­ti­ge Kapitalismuskritik mit Ikonen der deut­schen Romantik: der Blauen Blume des Dichters Novalis (Friedrich von Hardenberg) sowie dem Kyffhäuser mit sei­ner Barbarossa-Legende. Der Geist, der den Protagonistinnen Ursula und Neda statt­des­sen erscheint, hat aller­dings einen eher prag­ma­ti­schen Ratschlag parat: „Hört auf zu jam­mern!“
(Lars Penning | Viennale)

Credits:

DE 2025, 90 Min., Deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
Regie & Schnitt: Julian Radlmaier
Kamera: Faraz Fesharaki
mit: Clara Schwinning, Maral Keshavarz, Henriette Confurius, Paula Schindler, Ghazal Shojaei, Kyung-Taek Lie, Buksori Lie, u.a.

Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

Trailer:
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Kategorie: Vorstellung

  • Sehnsucht in Sangerhausen

    Sehnsucht in Sangerhausen

    Ein Film von Julian Radlmaier. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein Ort im Harz im Wechsel der Zeiten: Sensibel und manch­mal absurd zuge­spitzt bringt Julian Radlmaier (Blutsauger, Selbstkritik eines bür­ger­li­chen Hundes) in sei­nem neu­en Film Menschen zusam­men, die in der öffent­li­chen Debatte oft gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den.
    Ursula lebt in Sangerhausen von zwei Jobs im Niedriglohnsektor. Die Iranerin Neda war­tet auf und kämpft um einen dau­er­haf­ten Aufenthaltssta­tus. Als ers­te aber ler­nen wir Lotte ken­nen, die vor 230 Jahren als Dienstmagd u.a. den Nachttopf von Novalis lee­ren muss­te. Allen drei Frauen ist ihr Status als Verliererinnen in die­ser Gesellschaft bewusst. Jede sucht sich ihren Ausweg auf ihre Weise. Lotte will nach Frankreich, als sie von der dor­ti­gen Revolution hört, Ursula ver­liebt sich hoff­nungs­los in eine Künstlerin aus der Stadt, die einer ande­ren Klasse ange­hört, und Neda ver­sucht, sich als Influencerin mit Tipps über bil­li­ge Urlaubsziele über Wasser zu hal­ten, was sie nach Sangerhausen führt. Zusammen mit Sung-Nam, einem älte­ren Mann korea­ni­scher Herkunft, und des­sen Wahlenkel Buk gera­ten Ursula und Neda auf Geisterjagd in die nahe Barbarossa-Höhle, in der Lotte einst ver­schwand.
    “… kann roman­ti­sche Sehnsucht einen Ausweg aus dem tris­ten Alltag bie­ten? In sei­ner Komödie ver­bin­det Radlmaier sehr lako­nisch sei­ne stets gegen­wär­ti­ge Kapitalismuskritik mit Ikonen der deut­schen Romantik: der Blauen Blume des Dichters Novalis (Friedrich von Hardenberg) sowie dem Kyffhäuser mit sei­ner Barbarossa-Legende. Der Geist, der den Protagonistinnen Ursula und Neda statt­des­sen erscheint, hat aller­dings einen eher prag­ma­ti­schen Ratschlag parat: „Hört auf zu jam­mern!“
    (Lars Penning | Viennale)

    Credits:

    DE 2025, 90 Min., Deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
    Regie & Schnitt: Julian Radlmaier
    Kamera: Faraz Fesharaki
    mit: Clara Schwinning, Maral Keshavarz, Henriette Confurius, Paula Schindler, Ghazal Shojaei, Kyung-Taek Lie, Buksori Lie, u.a.

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

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  • Paternal Leave

    Paternal Leave

    Ein Film von Alissa Jung. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die 15-jäh­ri­ge Leo sucht nach ihrem ihr unbe­kann­ten Vater und erkennt ihn schließ­lich als Surflehrer in Italien auf einem you­tube-Video. Kurzerhand macht sie sich auf den Weg von Berlin an die Küste des win­ter­li­chen Norden Italiens. Der klei­ne Badeort, in dem Paolo lebt und arbei­tet, scheint völ­lig ver­las­sen. Als Leo ihrem Vater dort schließ­lich fin­det, ist er völ­lig über­for­dert, schickt sie aber nicht gleich fort.
    „Schauspielerin und Kinderärztin Alissa Jung prä­sen­tiert mit Paternal Leave … ihr Langfilmdebüt als Regisseurin. In der deutsch-ita­lie­ni­schen Koproduktion, in der ihr Ehemann Luca Marinelli die männ­li­che Hauptrolle spielt, wid­met sich Jung auf fein­füh­li­ge, aber kitsch­freie Art einer gera­de erst begin­nen­den Vater-Tochter-Beziehung. Leo und Paolo legt sie als unkon­ven­tio­nel­le, kom­ple­xe Charaktere an, die Fehler machen dür­fen: Auf kur­ze Momente der Annäherung folgt schnell die nächs­te Enttäuschung. Selbstbewusst kon­fron­tiert Leo ihren Vater mit sei­nen Versäumnissen und sei­nem feh­len­den Verantwortungsgefühl. Auf sei­ne fau­len Ausreden hat Leo immer die pas­sen­de Antwort und hält ihm kon­se­quent den Spiegel vor. In den tris­ten Nebensaisonaufnahmen des im Sommer sehr beleb­ten, kin­der­freund­li­chen Ortes spie­gelt sich Leos Traurigkeit, wäh­rend Paolos lie­be­vol­ler Umgang mit sei­ner jün­ge­ren Tochter Emilia Leo schmerz­lich vor Augen führt, was Paolo ihr vor­ent­hal­ten hat. Die … Tragikomödie über­zeugt mit dem rele­van­ten Thema abwe­sen­der Väter – und vor allem mit ihrer coo­len und schlag­fer­ti­gen jun­gen Heldin, die sich erwach­se­ner und reflek­tier­ter ver­hält als ihr Vater.“ Stefanie Borowsky | indiekino

    Credits:

    DE/IT 2025, 113 Min., dt.,engl. ital. OmU
    Regie & Schnitt: Alissa Jung
    Kamera:
    Carolina Steinbrecher
    Schnitt: Heike Parplies, David Maria Vogel
    mit: TJuli Grabenhenrich, Luca Marinelli, Arturo Gabbriellini, Joy Falletti Cardillo, Gaia Rinaldi

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
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  • Die my love

    Die my love

    Ein Film von Lynne Ramsay. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein abge­le­ge­nes, mehr als bau­fäl­li­ges Haus irgend­wo im Herzen Amerikas soll das neue zu Hause wer­den: Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) sind frei­le­ben­de, frei den­ken­de Künstlernaturen, sie schreibt, er macht Musik, die der Großstadt und ihren Versuchungen ent­kom­men wol­len. Die Zivilisation wirkt sehr fern, allein Jacksons altern­de Mutter Pam (Sissy Spacek) lebt nicht all­zu weit weg.

    Anfangs wirkt die selbst­ge­wähl­te Einsamkeit auch mehr als sti­mu­lie­rend auf das Paar, der Alkohol fließt in Strömen, der Sex ist wild und bald wird ein Kind gebo­ren. Und damit begin­nen die Probleme, lang­sam, aber unauf­halt­bar. Immer irri­tier­ter wirkt Grace, immer weni­ger bereit, sich in die von der Gesellschaft vor­ge­ge­be­ne Rolle der sor­gen­den Mutter zu fügen, wäh­rend Jackson immer häu­fi­ger der Arbeit (aber auch der Affären) wegen ver­schwun­den ist und die Einsamkeit Grace zusätz­lich belastet.

    Acht Jahre ist es her, dass die schot­ti­sche Regisseurin Lynne Ramsay zuletzt einen Film dre­hen konn­te, den düs­te­ren Thriller „You Were Never Really Here“, in dem Joaquin Phoenix so gut war wie sel­ten und sich ganz der Vision Ramsays hin­gab. Ähnliches lässt sich nun über Jennifer Lawrence sagen, um die es in den letz­ten Jahren ein wenig ruhi­ger wur­de, die sich nun aber mit einer ful­mi­nan­ten Darstellung zurück­mel­det, die eben­so exzes­siv wirkt, wie der Film.

    Den baut Ramsay wie immer nicht line­ar, son­dern impres­sio­nis­tisch auf, sie erzählt strin­gent, son­dern ellip­tisch, springt zwi­schen Szenen, die in der Zukunft lie­gen und der Gegenwart hin und her, deu­tet in spo­ra­di­schen Rückblenden die Anfänge der Beziehung zwi­schen Grace und Jackson an, vor allem aber zum Leben ihrer Schwiegermutter Pam und des­sen inzwi­schen ver­stor­be­nen Mann Harry (Nick Nolte).

    Im ers­ten Jahr dre­hen wir alle ein biss­chen durch“ sagt Pam ein­mal zu ihrer Schwiegertochter, wobei nicht ganz klar ist, ob sie vom ers­ten Jahr der Ehe oder vom ers­ten Jahr nach der Geburt eines Kindes spricht – oder Beidem. Die Geschichte wie­der­holt sich jeden­falls, die Muster einer Beziehung ändern sich nur schwer. Während Pam offen­bar Probleme mit Harry hat­te, aber den­noch bis zu des­sen Tod mit ihm zusam­men­blieb (und noch Monate spä­ter sei­ne Hemden bügelt), kann sich Grace nur schwer dazu durch­rin­gen, den Konventionen zu ent­spre­chen, sich in ihre Rolle als Mutter und Hausfrau zu fügen.

    Hätte ein Mann die­sen Film gedreht, wür­de man ihm wohl vor­hal­ten, sich am zuneh­mend labi­len Zustand einer lang­sam in eine Psychose abdrif­ten­den Frau zu laben und ihr Leid aus­zu­stel­len. Als Blick einer Frau auf eine ande­re Frau wirkt „Die My Love“ jedoch bei allem Exzess wie ein sen­si­bler, zuneh­mend tra­gi­scher Blick auf eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich mit allem was sie hat, den von Männern gemach­ten Konventionen wider­setzt. Dass es am Ende Lynne Ramsay selbst ist, die eine wun­der­bar sanf­te Version des legen­dä­ren Joy Divison Songs „Love will tear us apart“ singt, bringt die Intentionen die­ses oft anstren­gen­den, aber eben­so mit­rei­ßen­den Films schließ­lich auf den Punkt.

     Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    CA 2024, 118 Min., Englisch OmU
    Regie: Lynne Ramsay
    Kamera: Seamus McGarvey
    Schnitt: Toni Froschhammer
    mit : Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Lakeith Stanfield
    , Sissy Spacek

    Trailer:
    DIE MY LOVE | Offizieller Teaser-Trailer | Ab 13. November im Kino
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  • Die my love

    Die my love

    Ein Film von Lynne Ramsay. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein abge­le­ge­nes, mehr als bau­fäl­li­ges Haus irgend­wo im Herzen Amerikas soll das neue zu Hause wer­den: Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) sind frei­le­ben­de, frei den­ken­de Künstlernaturen, sie schreibt, er macht Musik, die der Großstadt und ihren Versuchungen ent­kom­men wol­len. Die Zivilisation wirkt sehr fern, allein Jacksons altern­de Mutter Pam (Sissy Spacek) lebt nicht all­zu weit weg.

    Anfangs wirkt die selbst­ge­wähl­te Einsamkeit auch mehr als sti­mu­lie­rend auf das Paar, der Alkohol fließt in Strömen, der Sex ist wild und bald wird ein Kind gebo­ren. Und damit begin­nen die Probleme, lang­sam, aber unauf­halt­bar. Immer irri­tier­ter wirkt Grace, immer weni­ger bereit, sich in die von der Gesellschaft vor­ge­ge­be­ne Rolle der sor­gen­den Mutter zu fügen, wäh­rend Jackson immer häu­fi­ger der Arbeit (aber auch der Affären) wegen ver­schwun­den ist und die Einsamkeit Grace zusätz­lich belastet.

    Acht Jahre ist es her, dass die schot­ti­sche Regisseurin Lynne Ramsay zuletzt einen Film dre­hen konn­te, den düs­te­ren Thriller „You Were Never Really Here“, in dem Joaquin Phoenix so gut war wie sel­ten und sich ganz der Vision Ramsays hin­gab. Ähnliches lässt sich nun über Jennifer Lawrence sagen, um die es in den letz­ten Jahren ein wenig ruhi­ger wur­de, die sich nun aber mit einer ful­mi­nan­ten Darstellung zurück­mel­det, die eben­so exzes­siv wirkt, wie der Film.

    Den baut Ramsay wie immer nicht line­ar, son­dern impres­sio­nis­tisch auf, sie erzählt strin­gent, son­dern ellip­tisch, springt zwi­schen Szenen, die in der Zukunft lie­gen und der Gegenwart hin und her, deu­tet in spo­ra­di­schen Rückblenden die Anfänge der Beziehung zwi­schen Grace und Jackson an, vor allem aber zum Leben ihrer Schwiegermutter Pam und des­sen inzwi­schen ver­stor­be­nen Mann Harry (Nick Nolte).

    Im ers­ten Jahr dre­hen wir alle ein biss­chen durch“ sagt Pam ein­mal zu ihrer Schwiegertochter, wobei nicht ganz klar ist, ob sie vom ers­ten Jahr der Ehe oder vom ers­ten Jahr nach der Geburt eines Kindes spricht – oder Beidem. Die Geschichte wie­der­holt sich jeden­falls, die Muster einer Beziehung ändern sich nur schwer. Während Pam offen­bar Probleme mit Harry hat­te, aber den­noch bis zu des­sen Tod mit ihm zusam­men­blieb (und noch Monate spä­ter sei­ne Hemden bügelt), kann sich Grace nur schwer dazu durch­rin­gen, den Konventionen zu ent­spre­chen, sich in ihre Rolle als Mutter und Hausfrau zu fügen.

    Hätte ein Mann die­sen Film gedreht, wür­de man ihm wohl vor­hal­ten, sich am zuneh­mend labi­len Zustand einer lang­sam in eine Psychose abdrif­ten­den Frau zu laben und ihr Leid aus­zu­stel­len. Als Blick einer Frau auf eine ande­re Frau wirkt „Die My Love“ jedoch bei allem Exzess wie ein sen­si­bler, zuneh­mend tra­gi­scher Blick auf eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich mit allem was sie hat, den von Männern gemach­ten Konventionen wider­setzt. Dass es am Ende Lynne Ramsay selbst ist, die eine wun­der­bar sanf­te Version des legen­dä­ren Joy Divison Songs „Love will tear us apart“ singt, bringt die Intentionen die­ses oft anstren­gen­den, aber eben­so mit­rei­ßen­den Films schließ­lich auf den Punkt.

     Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    CA 2024, 118 Min., Englisch OmU
    Regie: Lynne Ramsay
    Kamera: Seamus McGarvey
    Schnitt: Toni Froschhammer
    mit : Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Lakeith Stanfield
    , Sissy Spacek

    Trailer:
    DIE MY LOVE | Offizieller Teaser-Trailer | Ab 13. November im Kino
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  • Sehnsucht in Sangerhausen

    Sehnsucht in Sangerhausen

    Ein Film von Julian Radlmaier. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein Ort im Harz im Wechsel der Zeiten: Sensibel und manch­mal absurd zuge­spitzt bringt Julian Radlmaier (Blutsauger, Selbstkritik eines bür­ger­li­chen Hundes) in sei­nem neu­en Film Menschen zusam­men, die in der öffent­li­chen Debatte oft gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den.
    Ursula lebt in Sangerhausen von zwei Jobs im Niedriglohnsektor. Die Iranerin Neda war­tet auf und kämpft um einen dau­er­haf­ten Aufenthaltssta­tus. Als ers­te aber ler­nen wir Lotte ken­nen, die vor 230 Jahren als Dienstmagd u.a. den Nachttopf von Novalis lee­ren muss­te. Allen drei Frauen ist ihr Status als Verliererinnen in die­ser Gesellschaft bewusst. Jede sucht sich ihren Ausweg auf ihre Weise. Lotte will nach Frankreich, als sie von der dor­ti­gen Revolution hört, Ursula ver­liebt sich hoff­nungs­los in eine Künstlerin aus der Stadt, die einer ande­ren Klasse ange­hört, und Neda ver­sucht, sich als Influencerin mit Tipps über bil­li­ge Urlaubsziele über Wasser zu hal­ten, was sie nach Sangerhausen führt. Zusammen mit Sung-Nam, einem älte­ren Mann korea­ni­scher Herkunft, und des­sen Wahlenkel Buk gera­ten Ursula und Neda auf Geisterjagd in die nahe Barbarossa-Höhle, in der Lotte einst ver­schwand.
    “… kann roman­ti­sche Sehnsucht einen Ausweg aus dem tris­ten Alltag bie­ten? In sei­ner Komödie ver­bin­det Radlmaier sehr lako­nisch sei­ne stets gegen­wär­ti­ge Kapitalismuskritik mit Ikonen der deut­schen Romantik: der Blauen Blume des Dichters Novalis (Friedrich von Hardenberg) sowie dem Kyffhäuser mit sei­ner Barbarossa-Legende. Der Geist, der den Protagonistinnen Ursula und Neda statt­des­sen erscheint, hat aller­dings einen eher prag­ma­ti­schen Ratschlag parat: „Hört auf zu jam­mern!“
    (Lars Penning | Viennale)

    Credits:

    DE 2025, 90 Min., Deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
    Regie & Schnitt: Julian Radlmaier
    Kamera: Faraz Fesharaki
    mit: Clara Schwinning, Maral Keshavarz, Henriette Confurius, Paula Schindler, Ghazal Shojaei, Kyung-Taek Lie, Buksori Lie, u.a.

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  • Paternal Leave – mit Gästen

    Paternal Leave – mit Gästen

    Ein Film von Alissa Jung. Am 2.12. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch mit der Regisseurin Alissa Jung, der Hauptdastellerin Juli Grabenhenrich und der Produzentin Cécile Tollu-Polonowski.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die 15-jäh­ri­ge Leo sucht nach ihrem ihr unbe­kann­ten Vater und erkennt ihn schließ­lich als Surflehrer in Italien auf einem you­tube-Video. Kurzerhand macht sie sich auf den Weg von Berlin an die Küste des win­ter­li­chen Norden Italiens. Der klei­ne Badeort, in dem Paolo lebt und arbei­tet, scheint völ­lig ver­las­sen. Als Leo ihrem Vater dort schließ­lich fin­det, ist er völ­lig über­for­dert, schickt sie aber nicht gleich fort.
    „Schauspielerin und Kinderärztin Alissa Jung prä­sen­tiert mit Paternal Leave … ihr Langfilmdebüt als Regisseurin. In der deutsch-ita­lie­ni­schen Koproduktion, in der ihr Ehemann Luca Marinelli die männ­li­che Hauptrolle spielt, wid­met sich Jung auf fein­füh­li­ge, aber kitsch­freie Art einer gera­de erst begin­nen­den Vater-Tochter-Beziehung. Leo und Paolo legt sie als unkon­ven­tio­nel­le, kom­ple­xe Charaktere an, die Fehler machen dür­fen: Auf kur­ze Momente der Annäherung folgt schnell die nächs­te Enttäuschung. Selbstbewusst kon­fron­tiert Leo ihren Vater mit sei­nen Versäumnissen und sei­nem feh­len­den Verantwortungsgefühl. Auf sei­ne fau­len Ausreden hat Leo immer die pas­sen­de Antwort und hält ihm kon­se­quent den Spiegel vor. In den tris­ten Nebensaisonaufnahmen des im Sommer sehr beleb­ten, kin­der­freund­li­chen Ortes spie­gelt sich Leos Traurigkeit, wäh­rend Paolos lie­be­vol­ler Umgang mit sei­ner jün­ge­ren Tochter Emilia Leo schmerz­lich vor Augen führt, was Paolo ihr vor­ent­hal­ten hat. Die … Tragikomödie über­zeugt mit dem rele­van­ten Thema abwe­sen­der Väter – und vor allem mit ihrer coo­len und schlag­fer­ti­gen jun­gen Heldin, die sich erwach­se­ner und reflek­tier­ter ver­hält als ihr Vater.“ Stefanie Borowsky | indiekino

    Credits:

    DE/IT 2025, 113 Min., dt.,engl. ital. OmU
    Regie & Schnitt: Alissa Jung
    Kamera:
    Carolina Steinbrecher
    Schnitt: Heike Parplies, David Maria Vogel
    mit: TJuli Grabenhenrich, Luca Marinelli, Arturo Gabbriellini, Joy Falletti Cardillo, Gaia Rinaldi

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

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  • Die my love

    Die my love

    Ein Film von Lynne Ramsay. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein abge­le­ge­nes, mehr als bau­fäl­li­ges Haus irgend­wo im Herzen Amerikas soll das neue zu Hause wer­den: Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) sind frei­le­ben­de, frei den­ken­de Künstlernaturen, sie schreibt, er macht Musik, die der Großstadt und ihren Versuchungen ent­kom­men wol­len. Die Zivilisation wirkt sehr fern, allein Jacksons altern­de Mutter Pam (Sissy Spacek) lebt nicht all­zu weit weg.

    Anfangs wirkt die selbst­ge­wähl­te Einsamkeit auch mehr als sti­mu­lie­rend auf das Paar, der Alkohol fließt in Strömen, der Sex ist wild und bald wird ein Kind gebo­ren. Und damit begin­nen die Probleme, lang­sam, aber unauf­halt­bar. Immer irri­tier­ter wirkt Grace, immer weni­ger bereit, sich in die von der Gesellschaft vor­ge­ge­be­ne Rolle der sor­gen­den Mutter zu fügen, wäh­rend Jackson immer häu­fi­ger der Arbeit (aber auch der Affären) wegen ver­schwun­den ist und die Einsamkeit Grace zusätz­lich belastet.

    Acht Jahre ist es her, dass die schot­ti­sche Regisseurin Lynne Ramsay zuletzt einen Film dre­hen konn­te, den düs­te­ren Thriller „You Were Never Really Here“, in dem Joaquin Phoenix so gut war wie sel­ten und sich ganz der Vision Ramsays hin­gab. Ähnliches lässt sich nun über Jennifer Lawrence sagen, um die es in den letz­ten Jahren ein wenig ruhi­ger wur­de, die sich nun aber mit einer ful­mi­nan­ten Darstellung zurück­mel­det, die eben­so exzes­siv wirkt, wie der Film.

    Den baut Ramsay wie immer nicht line­ar, son­dern impres­sio­nis­tisch auf, sie erzählt strin­gent, son­dern ellip­tisch, springt zwi­schen Szenen, die in der Zukunft lie­gen und der Gegenwart hin und her, deu­tet in spo­ra­di­schen Rückblenden die Anfänge der Beziehung zwi­schen Grace und Jackson an, vor allem aber zum Leben ihrer Schwiegermutter Pam und des­sen inzwi­schen ver­stor­be­nen Mann Harry (Nick Nolte).

    Im ers­ten Jahr dre­hen wir alle ein biss­chen durch“ sagt Pam ein­mal zu ihrer Schwiegertochter, wobei nicht ganz klar ist, ob sie vom ers­ten Jahr der Ehe oder vom ers­ten Jahr nach der Geburt eines Kindes spricht – oder Beidem. Die Geschichte wie­der­holt sich jeden­falls, die Muster einer Beziehung ändern sich nur schwer. Während Pam offen­bar Probleme mit Harry hat­te, aber den­noch bis zu des­sen Tod mit ihm zusam­men­blieb (und noch Monate spä­ter sei­ne Hemden bügelt), kann sich Grace nur schwer dazu durch­rin­gen, den Konventionen zu ent­spre­chen, sich in ihre Rolle als Mutter und Hausfrau zu fügen.

    Hätte ein Mann die­sen Film gedreht, wür­de man ihm wohl vor­hal­ten, sich am zuneh­mend labi­len Zustand einer lang­sam in eine Psychose abdrif­ten­den Frau zu laben und ihr Leid aus­zu­stel­len. Als Blick einer Frau auf eine ande­re Frau wirkt „Die My Love“ jedoch bei allem Exzess wie ein sen­si­bler, zuneh­mend tra­gi­scher Blick auf eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich mit allem was sie hat, den von Männern gemach­ten Konventionen wider­setzt. Dass es am Ende Lynne Ramsay selbst ist, die eine wun­der­bar sanf­te Version des legen­dä­ren Joy Divison Songs „Love will tear us apart“ singt, bringt die Intentionen die­ses oft anstren­gen­den, aber eben­so mit­rei­ßen­den Films schließ­lich auf den Punkt.

     Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    CA 2024, 118 Min., Englisch OmU
    Regie: Lynne Ramsay
    Kamera: Seamus McGarvey
    Schnitt: Toni Froschhammer
    mit : Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Lakeith Stanfield
    , Sissy Spacek

    Trailer:
    DIE MY LOVE | Offizieller Teaser-Trailer | Ab 13. November im Kino
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  • filmPOLSKA reloaded – White Courage

    filmPOLSKA reloaded – White Courage

    Am 28.1. um 18:00. Einführung: Bartek Tesarz (Polnisches Institut Berlin)

    [Tickets]

    Zakopane in den Dreißigerjahren, hier leben die Góralen: Im süd­polni­schen Hochgebirge spricht man sei­ne eige­ne Sprache, pflegt sei­ne alpi­nen Traditionen und hält Abstand zu ande­ren – auch zu Polen. Hier fin­den zwei Familien zuein­an­der, die durch stra­te­gi­sche Heirat ihre Situation ver­bes­sern wol­len. Aber wie so oft sind Liebe und Heirat zwei ver­schie­de­ne Dinge – der älte­re, beson­ne­ne Maciek soll die schö­ne Bronka hei­ra­ten, obwohl sie ein Verhältnis mit sei­nem jün­ge­ren, unge­stü­men Bruder Jędrek hat und sogar ein Kind von ihm erwar­tet. Koszałka beschränkt sich nicht auf ein folk­lo­ris­ti­sches Kammerspiel um Liebe und Gehorsam. Vielmehr ent­wi­ckelt er die Geschichte über einen län­ge­ren Zeitraum und ver­leiht ihr damit auch eine poli­ti­sche Dimension. Denn 1939 mar­schiert die deut­sche Wehrmacht in der Hohen Tatra ein und die Góralen müs­sen sich ent­schei­den – kol­la­bo­rie­ren sie und sichern ihren Wohlstand oder blei­ben sie rebel­lisch und ris­kie­ren damit ihr Leben? [Rainer Mende]

    Biała odwa­ga
    PL 2024
    R/K: Marcin Koszałka
    111 min, OmeU
    B: Łukasz M. Maciejewski & Marcin Koszałka
    S: Agnieszka Glińska
    M: Jacek Grudzień
    D: Filip Pławiak, Julian Świeżewski, Jakub Gierszał, Sandra Drzymalska, Wiktoria Gorodeckaja, Andrzej Konopka u. a.

    BIAŁA ODWAGA – Zwiastun PL (Official Trailer)
  • Sehnsucht in Sangerhausen

    Sehnsucht in Sangerhausen

    Ein Film von Julian Radlmaier. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein Ort im Harz im Wechsel der Zeiten: Sensibel und manch­mal absurd zuge­spitzt bringt Julian Radlmaier (Blutsauger, Selbstkritik eines bür­ger­li­chen Hundes) in sei­nem neu­en Film Menschen zusam­men, die in der öffent­li­chen Debatte oft gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den.
    Ursula lebt in Sangerhausen von zwei Jobs im Niedriglohnsektor. Die Iranerin Neda war­tet auf und kämpft um einen dau­er­haf­ten Aufenthaltssta­tus. Als ers­te aber ler­nen wir Lotte ken­nen, die vor 230 Jahren als Dienstmagd u.a. den Nachttopf von Novalis lee­ren muss­te. Allen drei Frauen ist ihr Status als Verliererinnen in die­ser Gesellschaft bewusst. Jede sucht sich ihren Ausweg auf ihre Weise. Lotte will nach Frankreich, als sie von der dor­ti­gen Revolution hört, Ursula ver­liebt sich hoff­nungs­los in eine Künstlerin aus der Stadt, die einer ande­ren Klasse ange­hört, und Neda ver­sucht, sich als Influencerin mit Tipps über bil­li­ge Urlaubsziele über Wasser zu hal­ten, was sie nach Sangerhausen führt. Zusammen mit Sung-Nam, einem älte­ren Mann korea­ni­scher Herkunft, und des­sen Wahlenkel Buk gera­ten Ursula und Neda auf Geisterjagd in die nahe Barbarossa-Höhle, in der Lotte einst ver­schwand.
    “… kann roman­ti­sche Sehnsucht einen Ausweg aus dem tris­ten Alltag bie­ten? In sei­ner Komödie ver­bin­det Radlmaier sehr lako­nisch sei­ne stets gegen­wär­ti­ge Kapitalismuskritik mit Ikonen der deut­schen Romantik: der Blauen Blume des Dichters Novalis (Friedrich von Hardenberg) sowie dem Kyffhäuser mit sei­ner Barbarossa-Legende. Der Geist, der den Protagonistinnen Ursula und Neda statt­des­sen erscheint, hat aller­dings einen eher prag­ma­ti­schen Ratschlag parat: „Hört auf zu jam­mern!“
    (Lars Penning | Viennale)

    Credits:

    DE 2025, 90 Min., Deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
    Regie & Schnitt: Julian Radlmaier
    Kamera: Faraz Fesharaki
    mit: Clara Schwinning, Maral Keshavarz, Henriette Confurius, Paula Schindler, Ghazal Shojaei, Kyung-Taek Lie, Buksori Lie, u.a.

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

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  • Paternal Leave

    Paternal Leave

    Ein Film von Alissa Jung. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die 15-jäh­ri­ge Leo sucht nach ihrem ihr unbe­kann­ten Vater und erkennt ihn schließ­lich als Surflehrer in Italien auf einem you­tube-Video. Kurzerhand macht sie sich auf den Weg von Berlin an die Küste des win­ter­li­chen Norden Italiens. Der klei­ne Badeort, in dem Paolo lebt und arbei­tet, scheint völ­lig ver­las­sen. Als Leo ihrem Vater dort schließ­lich fin­det, ist er völ­lig über­for­dert, schickt sie aber nicht gleich fort.
    „Schauspielerin und Kinderärztin Alissa Jung prä­sen­tiert mit Paternal Leave … ihr Langfilmdebüt als Regisseurin. In der deutsch-ita­lie­ni­schen Koproduktion, in der ihr Ehemann Luca Marinelli die männ­li­che Hauptrolle spielt, wid­met sich Jung auf fein­füh­li­ge, aber kitsch­freie Art einer gera­de erst begin­nen­den Vater-Tochter-Beziehung. Leo und Paolo legt sie als unkon­ven­tio­nel­le, kom­ple­xe Charaktere an, die Fehler machen dür­fen: Auf kur­ze Momente der Annäherung folgt schnell die nächs­te Enttäuschung. Selbstbewusst kon­fron­tiert Leo ihren Vater mit sei­nen Versäumnissen und sei­nem feh­len­den Verantwortungsgefühl. Auf sei­ne fau­len Ausreden hat Leo immer die pas­sen­de Antwort und hält ihm kon­se­quent den Spiegel vor. In den tris­ten Nebensaisonaufnahmen des im Sommer sehr beleb­ten, kin­der­freund­li­chen Ortes spie­gelt sich Leos Traurigkeit, wäh­rend Paolos lie­be­vol­ler Umgang mit sei­ner jün­ge­ren Tochter Emilia Leo schmerz­lich vor Augen führt, was Paolo ihr vor­ent­hal­ten hat. Die … Tragikomödie über­zeugt mit dem rele­van­ten Thema abwe­sen­der Väter – und vor allem mit ihrer coo­len und schlag­fer­ti­gen jun­gen Heldin, die sich erwach­se­ner und reflek­tier­ter ver­hält als ihr Vater.“ Stefanie Borowsky | indiekino

    Credits:

    DE/IT 2025, 113 Min., dt.,engl. ital. OmU
    Regie & Schnitt: Alissa Jung
    Kamera:
    Carolina Steinbrecher
    Schnitt: Heike Parplies, David Maria Vogel
    mit: TJuli Grabenhenrich, Luca Marinelli, Arturo Gabbriellini, Joy Falletti Cardillo, Gaia Rinaldi

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
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