Die my love

Ein Film von Lynne Ramsay. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Ein abge­le­ge­nes, mehr als bau­fäl­li­ges Haus irgend­wo im Herzen Amerikas soll das neue zu Hause wer­den: Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) sind frei­le­ben­de, frei den­ken­de Künstlernaturen, sie schreibt, er macht Musik, die der Großstadt und ihren Versuchungen ent­kom­men wol­len. Die Zivilisation wirkt sehr fern, allein Jacksons altern­de Mutter Pam (Sissy Spacek) lebt nicht all­zu weit weg.

Anfangs wirkt die selbst­ge­wähl­te Einsamkeit auch mehr als sti­mu­lie­rend auf das Paar, der Alkohol fließt in Strömen, der Sex ist wild und bald wird ein Kind gebo­ren. Und damit begin­nen die Probleme, lang­sam, aber unauf­halt­bar. Immer irri­tier­ter wirkt Grace, immer weni­ger bereit, sich in die von der Gesellschaft vor­ge­ge­be­ne Rolle der sor­gen­den Mutter zu fügen, wäh­rend Jackson immer häu­fi­ger der Arbeit (aber auch der Affären) wegen ver­schwun­den ist und die Einsamkeit Grace zusätz­lich belastet.

Acht Jahre ist es her, dass die schot­ti­sche Regisseurin Lynne Ramsay zuletzt einen Film dre­hen konn­te, den düs­te­ren Thriller „You Were Never Really Here“, in dem Joaquin Phoenix so gut war wie sel­ten und sich ganz der Vision Ramsays hin­gab. Ähnliches lässt sich nun über Jennifer Lawrence sagen, um die es in den letz­ten Jahren ein wenig ruhi­ger wur­de, die sich nun aber mit einer ful­mi­nan­ten Darstellung zurück­mel­det, die eben­so exzes­siv wirkt, wie der Film.

Den baut Ramsay wie immer nicht line­ar, son­dern impres­sio­nis­tisch auf, sie erzählt strin­gent, son­dern ellip­tisch, springt zwi­schen Szenen, die in der Zukunft lie­gen und der Gegenwart hin und her, deu­tet in spo­ra­di­schen Rückblenden die Anfänge der Beziehung zwi­schen Grace und Jackson an, vor allem aber zum Leben ihrer Schwiegermutter Pam und des­sen inzwi­schen ver­stor­be­nen Mann Harry (Nick Nolte).

Im ers­ten Jahr dre­hen wir alle ein biss­chen durch“ sagt Pam ein­mal zu ihrer Schwiegertochter, wobei nicht ganz klar ist, ob sie vom ers­ten Jahr der Ehe oder vom ers­ten Jahr nach der Geburt eines Kindes spricht – oder Beidem. Die Geschichte wie­der­holt sich jeden­falls, die Muster einer Beziehung ändern sich nur schwer. Während Pam offen­bar Probleme mit Harry hat­te, aber den­noch bis zu des­sen Tod mit ihm zusam­men­blieb (und noch Monate spä­ter sei­ne Hemden bügelt), kann sich Grace nur schwer dazu durch­rin­gen, den Konventionen zu ent­spre­chen, sich in ihre Rolle als Mutter und Hausfrau zu fügen.

Hätte ein Mann die­sen Film gedreht, wür­de man ihm wohl vor­hal­ten, sich am zuneh­mend labi­len Zustand einer lang­sam in eine Psychose abdrif­ten­den Frau zu laben und ihr Leid aus­zu­stel­len. Als Blick einer Frau auf eine ande­re Frau wirkt „Die My Love“ jedoch bei allem Exzess wie ein sen­si­bler, zuneh­mend tra­gi­scher Blick auf eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich mit allem was sie hat, den von Männern gemach­ten Konventionen wider­setzt. Dass es am Ende Lynne Ramsay selbst ist, die eine wun­der­bar sanf­te Version des legen­dä­ren Joy Divison Songs „Love will tear us apart“ singt, bringt die Intentionen die­ses oft anstren­gen­den, aber eben­so mit­rei­ßen­den Films schließ­lich auf den Punkt.

 Michael Meyns | programmkino.de

Credits:

CA 2024, 118 Min., Englisch OmU
Regie: Lynne Ramsay
Kamera: Seamus McGarvey
Schnitt: Toni Froschhammer
mit : Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Lakeith Stanfield
, Sissy Spacek

Trailer:
DIE MY LOVE | Offizieller Teaser-Trailer | Ab 13. November im Kino
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Kategorie: Vorstellung

  • Die my love

    Die my love

    Ein Film von Lynne Ramsay. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein abge­le­ge­nes, mehr als bau­fäl­li­ges Haus irgend­wo im Herzen Amerikas soll das neue zu Hause wer­den: Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) sind frei­le­ben­de, frei den­ken­de Künstlernaturen, sie schreibt, er macht Musik, die der Großstadt und ihren Versuchungen ent­kom­men wol­len. Die Zivilisation wirkt sehr fern, allein Jacksons altern­de Mutter Pam (Sissy Spacek) lebt nicht all­zu weit weg.

    Anfangs wirkt die selbst­ge­wähl­te Einsamkeit auch mehr als sti­mu­lie­rend auf das Paar, der Alkohol fließt in Strömen, der Sex ist wild und bald wird ein Kind gebo­ren. Und damit begin­nen die Probleme, lang­sam, aber unauf­halt­bar. Immer irri­tier­ter wirkt Grace, immer weni­ger bereit, sich in die von der Gesellschaft vor­ge­ge­be­ne Rolle der sor­gen­den Mutter zu fügen, wäh­rend Jackson immer häu­fi­ger der Arbeit (aber auch der Affären) wegen ver­schwun­den ist und die Einsamkeit Grace zusätz­lich belastet.

    Acht Jahre ist es her, dass die schot­ti­sche Regisseurin Lynne Ramsay zuletzt einen Film dre­hen konn­te, den düs­te­ren Thriller „You Were Never Really Here“, in dem Joaquin Phoenix so gut war wie sel­ten und sich ganz der Vision Ramsays hin­gab. Ähnliches lässt sich nun über Jennifer Lawrence sagen, um die es in den letz­ten Jahren ein wenig ruhi­ger wur­de, die sich nun aber mit einer ful­mi­nan­ten Darstellung zurück­mel­det, die eben­so exzes­siv wirkt, wie der Film.

    Den baut Ramsay wie immer nicht line­ar, son­dern impres­sio­nis­tisch auf, sie erzählt strin­gent, son­dern ellip­tisch, springt zwi­schen Szenen, die in der Zukunft lie­gen und der Gegenwart hin und her, deu­tet in spo­ra­di­schen Rückblenden die Anfänge der Beziehung zwi­schen Grace und Jackson an, vor allem aber zum Leben ihrer Schwiegermutter Pam und des­sen inzwi­schen ver­stor­be­nen Mann Harry (Nick Nolte).

    Im ers­ten Jahr dre­hen wir alle ein biss­chen durch“ sagt Pam ein­mal zu ihrer Schwiegertochter, wobei nicht ganz klar ist, ob sie vom ers­ten Jahr der Ehe oder vom ers­ten Jahr nach der Geburt eines Kindes spricht – oder Beidem. Die Geschichte wie­der­holt sich jeden­falls, die Muster einer Beziehung ändern sich nur schwer. Während Pam offen­bar Probleme mit Harry hat­te, aber den­noch bis zu des­sen Tod mit ihm zusam­men­blieb (und noch Monate spä­ter sei­ne Hemden bügelt), kann sich Grace nur schwer dazu durch­rin­gen, den Konventionen zu ent­spre­chen, sich in ihre Rolle als Mutter und Hausfrau zu fügen.

    Hätte ein Mann die­sen Film gedreht, wür­de man ihm wohl vor­hal­ten, sich am zuneh­mend labi­len Zustand einer lang­sam in eine Psychose abdrif­ten­den Frau zu laben und ihr Leid aus­zu­stel­len. Als Blick einer Frau auf eine ande­re Frau wirkt „Die My Love“ jedoch bei allem Exzess wie ein sen­si­bler, zuneh­mend tra­gi­scher Blick auf eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich mit allem was sie hat, den von Männern gemach­ten Konventionen wider­setzt. Dass es am Ende Lynne Ramsay selbst ist, die eine wun­der­bar sanf­te Version des legen­dä­ren Joy Divison Songs „Love will tear us apart“ singt, bringt die Intentionen die­ses oft anstren­gen­den, aber eben­so mit­rei­ßen­den Films schließ­lich auf den Punkt.

     Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    CA 2024, 118 Min., Englisch OmU
    Regie: Lynne Ramsay
    Kamera: Seamus McGarvey
    Schnitt: Toni Froschhammer
    mit : Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Lakeith Stanfield
    , Sissy Spacek

    Trailer:
    DIE MY LOVE | Offizieller Teaser-Trailer | Ab 13. November im Kino
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  • Stiller

    Stiller

    Ein Film von Stefan Haupt. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Wer in der Schulzeit „Homo Faber“ von Max Frisch lesen musste/durfte, hat­te viel­leicht Lust bekom­men mehr von ihm zu lesen. Mir jeden­falls ging es so und auch jetzt noch neh­me ich mir regel­mä­ßig vor, „Stiller“ oder wahl­wei­se „Mein Name sei Gantenbein“ noch ein­mal zu lesen. Aber auch ohne das Buch zu ken­nen, oder gera­de des­halb, sei der Film sehr span­nend, konn­te ich ver­neh­men.
    Bei einer Zugreise durch die Schweiz wird der US-Amerikaner James Larkin White an der Grenze fest­ge­nom­men. Der Vorwurf: Er sei der vor sie­ben Jahren ver­schwun­de­ne Bildhauer Anatol Stiller, der wegen sei­ner Verwicklung in eine dubio­se poli­ti­sche Affäre gesucht wird. White bestrei­tet sei­ne Schuld und beharrt dar­auf, nicht Stiller zu sein. Um ihn zu über­füh­ren, bit­tet die Staatsanwaltschaft Stillers Frau Julika um Hilfe. Aber auch sie ver­mag ihn nicht ein­deu­tig zu iden­ti­fi­zie­ren, in Erinnerungen wird aber mehr und mehr die Beziehung des Ehepaars offen­ge­legt. Der Staatsanwalt hat eben­falls eine über­ra­schen­de Verbindung zu dem Verschwundenen.  
    Dass sich die Plakate von  STILLER und FRANZ K., der eine Woche vor­her star­tet,  ähneln, ist kaum ein Zufall, geht es doch bei bei­den Titelhelden auch um das Abhandenkommen von sich und der Welt. „Stiller” han­delt an der Oberfläche von Selbst-und Fremdwahrnehmung, also um Identität, doch dar­un­ter liegt auch eine Auseinandersetzung mit der Nachkriegszeit und der Anfangsphase des kal­ten Krieges und wie alles zusam­men­hän­gen könn­te. Wer will, kann also durch­aus Parallelen zur heu­ti­gen Zeit erken­nen.

    „Stefan Haupt hat die Geschichte um Stiller und White erst­mals für das Kino insze­niert und kon­zen­triert sich dabei nur auf den ers­ten Teil des Buches. Wer den Roman kennt und Bedenken hat(te): Das funk­tio­niert tat­säch­lich erstaun­lich gut. Was im Roman über das Schreiben, das Erzählen, die Worte ver­mit­telt ist – Stiller soll im Gefängnis sei­ne Erinnerungen und Gedanken nie­der­schrei­ben, um die Ermittlungen in einem Mordfall vor­an­zu­trei­ben – pas­siert auf der Leinwand über die audio­vi­su­el­le Inszenierung und eben viel weni­ger über die Sprache“ Verena Schmöller | kino-zeit

    Credits:

    CH DE 2025, 99 Min., Deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
    Regie: Stefan Haupt
    Kamera: Michael Hammon
    Schnitt: Franziska Koeppel
    mit: Paula Beer, Albrecht Schuch, Marie Leuenberger, Sven Schelker, Max Simonischek

     Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
    STILLER | Trailer | Ab 30. Oktober im Kino!
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  • Arsenal on location: Forum & Friends VI: Keren Cytter – Filme & Videos 1

    Arsenal on location: Forum & Friends VI: Keren Cytter – Filme & Videos 1

    Kurzfilmprogramm 1

    [Tickets]

    Forum & Friends VI prä­sen­tiert im November an zwei Abenden Filme der israe­li­schen Künstlerin Keren Cytter im fsk Kino: zwei Kurzfilmprogramme und der abend­fül­len­den Film THE WRONG MOVIE (USA, B 2024), der sei­ne Premiere beim Forum der Berlinale hat­te. Keren Cytters Filme wer­den von einer bewusst künst­lich-künst­le­ri­schen Art getra­gen, Narration mit Dekonstruktion, Linearität mit Fragmentalität, Figuration mit dem Absurden, Rebellion mit Fragilität, Coolness mit Trips, Punk mit Romance. Zu den hoch­o­ri­gi­nel­len Plots kommt das asso­zia­ti­ve Spiel mit Form und Medium, Folien und gene­ri­schen Codes, vom Genre über die Kulturgeschichte bis hin zu indi­vi­du­el­len Auteur-Siglen – ein Filmwirbel, hin­ein in die Jetzt-Zeit als vir­tu­el­len Seinszustand. Bis zur Trance.
    Keren Cytter ist eine veri­ta­ble Multimedia-Künstlerin, arbei­tet im Bereich Tanz und Performance, Video und Film, Poesie und in der Bildenden Kunst, v.a. der Zeichnung, hat fünf Romane und drei Kinderbücher geschrie­ben.
    Eine Auswahl ihrer Film-und Videoarbeiten ist nun in dem von Christiane Büchner und Barbara Wurm kura­tier­ten und mode­rier­ten Programmen zu sehen, bei dem Keren Cytter zu Gast sein wird. (Barbara Wurm)

    Den größ­ten Teil von Keren Cytters Werks machen kur­ze oder mit­tel­lan­ge Filme aus, deren Facettenreichtum und gewitz­te Originalität in zwei Programmen vor­ge­stellt wer­den. Sprache und Sprechen sind die Leitidee des ers­ten der bei­den: In EXPERIMENTAL FILM (NL 2002) steht die Regisseurin selbst vor der Kamera. Im Duett mit dem befreun­de­ten Künstler Lior Shamriz tau­schen die Figuren ihre Stimmen und Textzeilen und dre­hen sich in eine klaus­tro­pho­bisch gewalt­vol­le Beziehung. Wie das Kino Konflikte zwi­schen Frau und Mann kon­stru­iert, ana­ly­siert SOMETHING HAPPENED (D 2007), in dem ela­bo­rier­te Textzeilen (emo­ti­ons­los vor­ge­tra­gen) einen sinn­lo­sen Schlagabtausch des Nichtverstehens erzeu­gen. Inspiriert von Cassavetes’ Opening Night ver­legt Cytter in UNTITLED (D 2009) die wah­re Geschichte eines Jungen, der die Geliebte sei­nes Vaters erschoss, aus den häus­li­chen vier Wänden auf die Bühne des Berliner Hebbel-Theaters. Realität und Fiktion erfah­ren zwi­schen Backstage und Publikum eine dra­ma­ti­sche Zuspitzung.

    Mi, 26.11., 18 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Irina Bondas
    EXPERIMENTAL FILM • Keren Cytter • NL 2002 • Digital file • hebr. OmeU 6’
    FRENCH FILM • Keren Cytter • Israel 2002 • Digital file • franz. OmeU 12’
    SOMETHING HAPPENED • Keren Cytter • D 2009 • Digital file• engl. OF 8’
    CORRECTIONS • Keren Cytter • D 2014 • Digital file • dt./engl. OmeU 8’
    NIGHTMARE • Keren Cytter • D 2007 • Digital file • dt. OmeU 6’
    UNTITLED • Keren Cytter • D 2009 • Digital file • dt. OmeU 9’
    OBJECT • Keren Cytter • USA 2016 • Digital file • russ. OmeU 27’
    DES TROUS • Keren Cytter • Israel 2018 • Digital file • franz. OmeU 14′


    Mi, 26.11., 20.30 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Barbara Wurm
    RAINBOW SERPENT • Keren Cytter • USA 2022 • Digital file • ohne Dialog • 5’
    THE WRONG MOVIE • Keren Cytter • USA/BEL 2024 • DCP • engl. OF 96′

    Do, 27.11., 18 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Christiane Büchner
    THE DATES SERIES • Keren Cytter • NL 2004 • Digital file • hebr./dt./frz./nl./engl. OmeU 49’
    DER SPIEGEL • Keren Cytter • D 2008 • Digital file • dt./engl. OmeU 5’
    METAMORPHOSIS • Keren Cytter • USA 2016 • Digital file • engl. OF 11’
    FASHIONS • Keren Cytter • D 2020 • Digital file • engl. OF 31′

    Do, 27.11., 20.30 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Christiane Büchner
    TERRORIST OF LOVE • Keren Cytter • USA 2016 • Digital file • engl. OF 3’
    ENDURANCE • Keren Cytter • USA 2025 • DCP • engl. OF 85′

    Dieses Programm ist Teil der vom Hauptstadtkulturfonds geförderten Veranstaltungsreihe Arsenal on Location:


  • Die my love

    Die my love

    Ein Film von Lynne Ramsay. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein abge­le­ge­nes, mehr als bau­fäl­li­ges Haus irgend­wo im Herzen Amerikas soll das neue zu Hause wer­den: Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) sind frei­le­ben­de, frei den­ken­de Künstlernaturen, sie schreibt, er macht Musik, die der Großstadt und ihren Versuchungen ent­kom­men wol­len. Die Zivilisation wirkt sehr fern, allein Jacksons altern­de Mutter Pam (Sissy Spacek) lebt nicht all­zu weit weg.

    Anfangs wirkt die selbst­ge­wähl­te Einsamkeit auch mehr als sti­mu­lie­rend auf das Paar, der Alkohol fließt in Strömen, der Sex ist wild und bald wird ein Kind gebo­ren. Und damit begin­nen die Probleme, lang­sam, aber unauf­halt­bar. Immer irri­tier­ter wirkt Grace, immer weni­ger bereit, sich in die von der Gesellschaft vor­ge­ge­be­ne Rolle der sor­gen­den Mutter zu fügen, wäh­rend Jackson immer häu­fi­ger der Arbeit (aber auch der Affären) wegen ver­schwun­den ist und die Einsamkeit Grace zusätz­lich belastet.

    Acht Jahre ist es her, dass die schot­ti­sche Regisseurin Lynne Ramsay zuletzt einen Film dre­hen konn­te, den düs­te­ren Thriller „You Were Never Really Here“, in dem Joaquin Phoenix so gut war wie sel­ten und sich ganz der Vision Ramsays hin­gab. Ähnliches lässt sich nun über Jennifer Lawrence sagen, um die es in den letz­ten Jahren ein wenig ruhi­ger wur­de, die sich nun aber mit einer ful­mi­nan­ten Darstellung zurück­mel­det, die eben­so exzes­siv wirkt, wie der Film.

    Den baut Ramsay wie immer nicht line­ar, son­dern impres­sio­nis­tisch auf, sie erzählt strin­gent, son­dern ellip­tisch, springt zwi­schen Szenen, die in der Zukunft lie­gen und der Gegenwart hin und her, deu­tet in spo­ra­di­schen Rückblenden die Anfänge der Beziehung zwi­schen Grace und Jackson an, vor allem aber zum Leben ihrer Schwiegermutter Pam und des­sen inzwi­schen ver­stor­be­nen Mann Harry (Nick Nolte).

    Im ers­ten Jahr dre­hen wir alle ein biss­chen durch“ sagt Pam ein­mal zu ihrer Schwiegertochter, wobei nicht ganz klar ist, ob sie vom ers­ten Jahr der Ehe oder vom ers­ten Jahr nach der Geburt eines Kindes spricht – oder Beidem. Die Geschichte wie­der­holt sich jeden­falls, die Muster einer Beziehung ändern sich nur schwer. Während Pam offen­bar Probleme mit Harry hat­te, aber den­noch bis zu des­sen Tod mit ihm zusam­men­blieb (und noch Monate spä­ter sei­ne Hemden bügelt), kann sich Grace nur schwer dazu durch­rin­gen, den Konventionen zu ent­spre­chen, sich in ihre Rolle als Mutter und Hausfrau zu fügen.

    Hätte ein Mann die­sen Film gedreht, wür­de man ihm wohl vor­hal­ten, sich am zuneh­mend labi­len Zustand einer lang­sam in eine Psychose abdrif­ten­den Frau zu laben und ihr Leid aus­zu­stel­len. Als Blick einer Frau auf eine ande­re Frau wirkt „Die My Love“ jedoch bei allem Exzess wie ein sen­si­bler, zuneh­mend tra­gi­scher Blick auf eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich mit allem was sie hat, den von Männern gemach­ten Konventionen wider­setzt. Dass es am Ende Lynne Ramsay selbst ist, die eine wun­der­bar sanf­te Version des legen­dä­ren Joy Divison Songs „Love will tear us apart“ singt, bringt die Intentionen die­ses oft anstren­gen­den, aber eben­so mit­rei­ßen­den Films schließ­lich auf den Punkt.

     Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    CA 2024, 118 Min., Englisch OmU
    Regie: Lynne Ramsay
    Kamera: Seamus McGarvey
    Schnitt: Toni Froschhammer
    mit : Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Lakeith Stanfield
    , Sissy Spacek

    Trailer:
    DIE MY LOVE | Offizieller Teaser-Trailer | Ab 13. November im Kino
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  • Arsenal on location: Forum & Friends VI: Keren Cytter – Filme & Videos 2

    Arsenal on location: Forum & Friends VI: Keren Cytter – Filme & Videos 2

    The wrong movie

    [Tickets]

    Forum & Friends VI prä­sen­tiert im November an zwei Abenden Filme der israe­li­schen Künstlerin Keren Cytter im fsk Kino: zwei Kurzfilmprogramme und der abend­fül­len­den Film THE WRONG MOVIE (USA, B 2024), der sei­ne Premiere beim Forum der Berlinale hat­te. Keren Cytters Filme wer­den von einer bewusst künst­lich-künst­le­ri­schen Art getra­gen, Narration mit Dekonstruktion, Linearität mit Fragmentalität, Figuration mit dem Absurden, Rebellion mit Fragilität, Coolness mit Trips, Punk mit Romance. Zu den hoch­o­ri­gi­nel­len Plots kommt das asso­zia­ti­ve Spiel mit Form und Medium, Folien und gene­ri­schen Codes, vom Genre über die Kulturgeschichte bis hin zu indi­vi­du­el­len Auteur-Siglen – ein Filmwirbel, hin­ein in die Jetzt-Zeit als vir­tu­el­len Seinszustand. Bis zur Trance.
    Keren Cytter ist eine veri­ta­ble Multimedia-Künstlerin, arbei­tet im Bereich Tanz und Performance, Video und Film, Poesie und in der Bildenden Kunst, v.a. der Zeichnung, hat fünf Romane und drei Kinderbücher geschrie­ben.
    Eine Auswahl ihrer Film-und Videoarbeiten ist nun in dem von Christiane Büchner und Barbara Wurm kura­tier­ten und mode­rier­ten Programmen zu sehen, bei dem Keren Cytter zu Gast sein wird. (Barbara Wurm)

    Als 2024 ihr läs­sig-schrä­ger Spielfilm THE WRONG MOVIE im Berlinale Forum läuft, ist sie auch in Film-Kreisen da ange­kom­men, wo sie in der Welt der inter­na­tio­na­len Kunst längst ist. Die Story rund um „unge­wöhn­li­che Begegnungen mit sex­süch­ti­gen Putzmännern, lie­bes­kran­ken Crack-Addicts und Instagram-Influencern mit Überwachungsdrohnen“ beschreibt Ute Thon als Oszillieren „zwi­schen kon­ven­tio­nel­ler Narration und spie­le­ri­scher Dekonstruktion gän­gi­ger Spielfilmgenres von Melodrama bis Film Noir“; und Trevis Jeppesen ent­deckt in dem Film mit sei­nem „self-depre­ca­ting title and its cri­ti­cal incur­si­on into pre­sent-day exis­ten­ti­al imma­nence and all its post-ideo­lo­gi­cal squal­or … one of the 2024 Berlinale’s gre­at unsung films“.

    Vorfilm: Rainbow Serpent USA 2022 Digital file ohne Dialog 5 Min.

    Mi, 26.11., 20.30 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Barbara Wurm
    RAINBOW SERPENT • Keren Cytter • USA 2022 • Digital file • ohne Dialog • 5’
    THE WRONG MOVIE • Keren Cytter • USA/BEL 2024 • DCP • engl. OF 96′


    Mi, 26.11., 18 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Irina Bondas
    EXPERIMENTAL FILM • Keren Cytter • NL 2002 • Digital file • hebr. OmeU 6’
    FRENCH FILM • Keren Cytter • Israel 2002 • Digital file • franz. OmeU 12’
    SOMETHING HAPPENED • Keren Cytter • D 2009 • Digital file• engl. OF 8’
    CORRECTIONS • Keren Cytter • D 2014 • Digital file • dt./engl. OmeU 8’
    NIGHTMARE • Keren Cytter • D 2007 • Digital file • dt. OmeU 6’
    UNTITLED • Keren Cytter • D 2009 • Digital file • dt. OmeU 9’
    OBJECT • Keren Cytter • USA 2016 • Digital file • russ. OmeU 27’
    DES TROUS • Keren Cytter • Israel 2018 • Digital file • franz. OmeU 14′

    Do, 27.11., 18 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Christiane Büchner
    THE DATES SERIES • Keren Cytter • NL 2004 • Digital file • hebr./dt./frz./nl./engl. OmeU 49’
    DER SPIEGEL • Keren Cytter • D 2008 • Digital file • dt./engl. OmeU 5’
    METAMORPHOSIS • Keren Cytter • USA 2016 • Digital file • engl. OF 11’
    FASHIONS • Keren Cytter • D 2020 • Digital file • engl. OF 31′

    Do, 27.11., 20.30 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Christiane Büchner
    TERRORIST OF LOVE • Keren Cytter • USA 2016 • Digital file • engl. OF 3’
    ENDURANCE • Keren Cytter • USA 2025 • DCP • engl. OF 85′

    Dieses Programm ist Teil der vom Hauptstadtkulturfonds geförderten Veranstaltungsreihe Arsenal on Location:


  • Sehnsucht in Sangerhausen

    Sehnsucht in Sangerhausen

    Ein Film von Julian Radlmaier. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein Ort im Harz im Wechsel der Zeiten: Sensibel und manch­mal absurd zuge­spitzt bringt Julian Radlmaier (Blutsauger, Selbstkritik eines bür­ger­li­chen Hundes) in sei­nem neu­en Film Menschen zusam­men, die in der öffent­li­chen Debatte oft gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den.
    Ursula lebt in Sangerhausen von zwei Jobs im Niedriglohnsektor. Die Iranerin Neda war­tet auf und kämpft um einen dau­er­haf­ten Aufenthaltssta­tus. Als ers­te aber ler­nen wir Lotte ken­nen, die vor 230 Jahren als Dienstmagd u.a. den Nachttopf von Novalis lee­ren muss­te. Allen drei Frauen ist ihr Status als Verliererinnen in die­ser Gesellschaft bewusst. Jede sucht sich ihren Ausweg auf ihre Weise. Lotte will nach Frankreich, als sie von der dor­ti­gen Revolution hört, Ursula ver­liebt sich hoff­nungs­los in eine Künstlerin aus der Stadt, die einer ande­ren Klasse ange­hört, und Neda ver­sucht, sich als Influencerin mit Tipps über bil­li­ge Urlaubsziele über Wasser zu hal­ten, was sie nach Sangerhausen führt. Zusammen mit Sung-Nam, einem älte­ren Mann korea­ni­scher Herkunft, und des­sen Wahlenkel Buk gera­ten Ursula und Neda auf Geisterjagd in die nahe Barbarossa-Höhle, in der Lotte einst ver­schwand.
    “… kann roman­ti­sche Sehnsucht einen Ausweg aus dem tris­ten Alltag bie­ten? In sei­ner Komödie ver­bin­det Radlmaier sehr lako­nisch sei­ne stets gegen­wär­ti­ge Kapitalismuskritik mit Ikonen der deut­schen Romantik: der Blauen Blume des Dichters Novalis (Friedrich von Hardenberg) sowie dem Kyffhäuser mit sei­ner Barbarossa-Legende. Der Geist, der den Protagonistinnen Ursula und Neda statt­des­sen erscheint, hat aller­dings einen eher prag­ma­ti­schen Ratschlag parat: „Hört auf zu jam­mern!“
    (Lars Penning | Viennale)

    Credits:

    DE 2025, 90 Min., Deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
    Regie & Schnitt: Julian Radlmaier
    Kamera: Faraz Fesharaki
    mit: Clara Schwinning, Maral Keshavarz, Henriette Confurius, Paula Schindler, Ghazal Shojaei, Kyung-Taek Lie, Buksori Lie, u.a.

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
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  • Paternal Leave

    Paternal Leave

    Ein Film von Alissa Jung. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die 15-jäh­ri­ge Leo sucht nach ihrem ihr unbe­kann­ten Vater und erkennt ihn schließ­lich als Surflehrer in Italien auf einem you­tube-Video. Kurzerhand macht sie sich auf den Weg von Berlin an die Küste des win­ter­li­chen Norden Italiens. Der klei­ne Badeort, in dem Paolo lebt und arbei­tet, scheint völ­lig ver­las­sen. Als Leo ihrem Vater dort schließ­lich fin­det, ist er völ­lig über­for­dert, schickt sie aber nicht gleich fort.
    „Schauspielerin und Kinderärztin Alissa Jung prä­sen­tiert mit Paternal Leave … ihr Langfilmdebüt als Regisseurin. In der deutsch-ita­lie­ni­schen Koproduktion, in der ihr Ehemann Luca Marinelli die männ­li­che Hauptrolle spielt, wid­met sich Jung auf fein­füh­li­ge, aber kitsch­freie Art einer gera­de erst begin­nen­den Vater-Tochter-Beziehung. Leo und Paolo legt sie als unkon­ven­tio­nel­le, kom­ple­xe Charaktere an, die Fehler machen dür­fen: Auf kur­ze Momente der Annäherung folgt schnell die nächs­te Enttäuschung. Selbstbewusst kon­fron­tiert Leo ihren Vater mit sei­nen Versäumnissen und sei­nem feh­len­den Verantwortungsgefühl. Auf sei­ne fau­len Ausreden hat Leo immer die pas­sen­de Antwort und hält ihm kon­se­quent den Spiegel vor. In den tris­ten Nebensaisonaufnahmen des im Sommer sehr beleb­ten, kin­der­freund­li­chen Ortes spie­gelt sich Leos Traurigkeit, wäh­rend Paolos lie­be­vol­ler Umgang mit sei­ner jün­ge­ren Tochter Emilia Leo schmerz­lich vor Augen führt, was Paolo ihr vor­ent­hal­ten hat. Die … Tragikomödie über­zeugt mit dem rele­van­ten Thema abwe­sen­der Väter – und vor allem mit ihrer coo­len und schlag­fer­ti­gen jun­gen Heldin, die sich erwach­se­ner und reflek­tier­ter ver­hält als ihr Vater.“ Stefanie Borowsky | indiekino

    Credits:

    DE/IT 2025, 113 Min., dt.,engl. ital. OmU
    Regie & Schnitt: Alissa Jung
    Kamera:
    Carolina Steinbrecher
    Schnitt: Heike Parplies, David Maria Vogel
    mit: TJuli Grabenhenrich, Luca Marinelli, Arturo Gabbriellini, Joy Falletti Cardillo, Gaia Rinaldi

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
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  • Arsenal on location: Forum & Friends VI: Keren Cytter – Filme & Videos 3

    Arsenal on location: Forum & Friends VI: Keren Cytter – Filme & Videos 3

    Kurzfilmprogramm 2

    [Tickets]

    Forum & Friends VI prä­sen­tiert im November an zwei Abenden Filme der israe­li­schen Künstlerin Keren Cytter im fsk Kino: zwei Kurzfilmprogramme und der abend­fül­len­den Film THE WRONG MOVIE (USA, B 2024), der sei­ne Premiere beim Forum der Berlinale hat­te. Keren Cytters Filme wer­den von einer bewusst künst­lich-künst­le­ri­schen Art getra­gen, Narration mit Dekonstruktion, Linearität mit Fragmentalität, Figuration mit dem Absurden, Rebellion mit Fragilität, Coolness mit Trips, Punk mit Romance. Zu den hoch­o­ri­gi­nel­len Plots kommt das asso­zia­ti­ve Spiel mit Form und Medium, Folien und gene­ri­schen Codes, vom Genre über die Kulturgeschichte bis hin zu indi­vi­du­el­len Auteur-Siglen – ein Filmwirbel, hin­ein in die Jetzt-Zeit als vir­tu­el­len Seinszustand. Bis zur Trance.
    Keren Cytter ist eine veri­ta­ble Multimedia-Künstlerin, arbei­tet im Bereich Tanz und Performance, Video und Film, Poesie und in der Bildenden Kunst, v.a. der Zeichnung, hat fünf Romane und drei Kinderbücher geschrie­ben.
    Eine Auswahl ihrer Film-und Videoarbeiten ist nun in dem von Christiane Büchner und Barbara Wurm kura­tier­ten und mode­rier­ten Programmen zu sehen, bei dem Keren Cytter zu Gast sein wird. (Barbara Wurm)

    Das zwei­te Kurzfilmprogramm fokus­siert die beson­de­re Art Cytters, Schauspiel zu insze­nie­ren. Lassen die Szenen in THE DATES SERIES (NL 2004) durch die Trennung von Gefühl und media­ler Verkörperung eine unheim­li­che Gemengelage ent­ste­hen, so spie­gelt sich in DER SPIEGEL (D 2008), kom­men­tiert von einem nack­ten Chor, eine 42-jäh­ri­ge Frau und sucht sich als 16-Jährige. FASHIONS (D 2020) ent­stand im Auftrag des NS-Dokumentationszentrums München.

    Do, 27.11., 18 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Christiane Büchner
    THE DATES SERIES • Keren Cytter • NL 2004 • Digital file • hebr./dt./frz./nl./engl. OmeU 49’
    DER SPIEGEL • Keren Cytter • D 2008 • Digital file • dt./engl. OmeU 5’
    METAMORPHOSIS • Keren Cytter • USA 2016 • Digital file • engl. OF 11’
    FASHIONS • Keren Cytter • D 2020 • Digital file • engl. OF 31′


    Mi, 26.11., 20.30 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Barbara Wurm
    RAINBOW SERPENT • Keren Cytter • USA 2022 • Digital file • ohne Dialog • 5’
    THE WRONG MOVIE • Keren Cytter • USA/BEL 2024 • DCP • engl. OF 96′

    Mi, 26.11., 18 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Irina Bondas
    EXPERIMENTAL FILM • Keren Cytter • NL 2002 • Digital file • hebr. OmeU 6’
    FRENCH FILM • Keren Cytter • Israel 2002 • Digital file • franz. OmeU 12’
    SOMETHING HAPPENED • Keren Cytter • D 2009 • Digital file• engl. OF 8’
    CORRECTIONS • Keren Cytter • D 2014 • Digital file • dt./engl. OmeU 8’
    NIGHTMARE • Keren Cytter • D 2007 • Digital file • dt. OmeU 6’
    UNTITLED • Keren Cytter • D 2009 • Digital file • dt. OmeU 9’
    OBJECT • Keren Cytter • USA 2016 • Digital file • russ. OmeU 27’
    DES TROUS • Keren Cytter • Israel 2018 • Digital file • franz. OmeU 14′

    Do, 27.11., 20.30 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Christiane Büchner
    TERRORIST OF LOVE • Keren Cytter • USA 2016 • Digital file • engl. OF 3’
    ENDURANCE • Keren Cytter • USA 2025 • DCP • engl. OF 85′

    Dieses Programm ist Teil der vom Hauptstadtkulturfonds geförderten Veranstaltungsreihe Arsenal on Location:


  • Die my love

    Die my love

    Ein Film von Lynne Ramsay. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein abge­le­ge­nes, mehr als bau­fäl­li­ges Haus irgend­wo im Herzen Amerikas soll das neue zu Hause wer­den: Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) sind frei­le­ben­de, frei den­ken­de Künstlernaturen, sie schreibt, er macht Musik, die der Großstadt und ihren Versuchungen ent­kom­men wol­len. Die Zivilisation wirkt sehr fern, allein Jacksons altern­de Mutter Pam (Sissy Spacek) lebt nicht all­zu weit weg.

    Anfangs wirkt die selbst­ge­wähl­te Einsamkeit auch mehr als sti­mu­lie­rend auf das Paar, der Alkohol fließt in Strömen, der Sex ist wild und bald wird ein Kind gebo­ren. Und damit begin­nen die Probleme, lang­sam, aber unauf­halt­bar. Immer irri­tier­ter wirkt Grace, immer weni­ger bereit, sich in die von der Gesellschaft vor­ge­ge­be­ne Rolle der sor­gen­den Mutter zu fügen, wäh­rend Jackson immer häu­fi­ger der Arbeit (aber auch der Affären) wegen ver­schwun­den ist und die Einsamkeit Grace zusätz­lich belastet.

    Acht Jahre ist es her, dass die schot­ti­sche Regisseurin Lynne Ramsay zuletzt einen Film dre­hen konn­te, den düs­te­ren Thriller „You Were Never Really Here“, in dem Joaquin Phoenix so gut war wie sel­ten und sich ganz der Vision Ramsays hin­gab. Ähnliches lässt sich nun über Jennifer Lawrence sagen, um die es in den letz­ten Jahren ein wenig ruhi­ger wur­de, die sich nun aber mit einer ful­mi­nan­ten Darstellung zurück­mel­det, die eben­so exzes­siv wirkt, wie der Film.

    Den baut Ramsay wie immer nicht line­ar, son­dern impres­sio­nis­tisch auf, sie erzählt strin­gent, son­dern ellip­tisch, springt zwi­schen Szenen, die in der Zukunft lie­gen und der Gegenwart hin und her, deu­tet in spo­ra­di­schen Rückblenden die Anfänge der Beziehung zwi­schen Grace und Jackson an, vor allem aber zum Leben ihrer Schwiegermutter Pam und des­sen inzwi­schen ver­stor­be­nen Mann Harry (Nick Nolte).

    Im ers­ten Jahr dre­hen wir alle ein biss­chen durch“ sagt Pam ein­mal zu ihrer Schwiegertochter, wobei nicht ganz klar ist, ob sie vom ers­ten Jahr der Ehe oder vom ers­ten Jahr nach der Geburt eines Kindes spricht – oder Beidem. Die Geschichte wie­der­holt sich jeden­falls, die Muster einer Beziehung ändern sich nur schwer. Während Pam offen­bar Probleme mit Harry hat­te, aber den­noch bis zu des­sen Tod mit ihm zusam­men­blieb (und noch Monate spä­ter sei­ne Hemden bügelt), kann sich Grace nur schwer dazu durch­rin­gen, den Konventionen zu ent­spre­chen, sich in ihre Rolle als Mutter und Hausfrau zu fügen.

    Hätte ein Mann die­sen Film gedreht, wür­de man ihm wohl vor­hal­ten, sich am zuneh­mend labi­len Zustand einer lang­sam in eine Psychose abdrif­ten­den Frau zu laben und ihr Leid aus­zu­stel­len. Als Blick einer Frau auf eine ande­re Frau wirkt „Die My Love“ jedoch bei allem Exzess wie ein sen­si­bler, zuneh­mend tra­gi­scher Blick auf eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich mit allem was sie hat, den von Männern gemach­ten Konventionen wider­setzt. Dass es am Ende Lynne Ramsay selbst ist, die eine wun­der­bar sanf­te Version des legen­dä­ren Joy Divison Songs „Love will tear us apart“ singt, bringt die Intentionen die­ses oft anstren­gen­den, aber eben­so mit­rei­ßen­den Films schließ­lich auf den Punkt.

     Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    CA 2024, 118 Min., Englisch OmU
    Regie: Lynne Ramsay
    Kamera: Seamus McGarvey
    Schnitt: Toni Froschhammer
    mit : Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Lakeith Stanfield
    , Sissy Spacek

    Trailer:
    DIE MY LOVE | Offizieller Teaser-Trailer | Ab 13. November im Kino
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  • Arsenal on location: Forum & Friends VI: Keren Cytter – Filme & Videos 4

    Arsenal on location: Forum & Friends VI: Keren Cytter – Filme & Videos 4

    Endurance

    [Tickets]

    Forum & Friends VI prä­sen­tiert im November an zwei Abenden Filme der israe­li­schen Künstlerin Keren Cytter im fsk Kino: zwei Kurzfilmprogramme und der abend­fül­len­den Film THE WRONG MOVIE (USA, B 2024), der sei­ne Premiere beim Forum der Berlinale hat­te. Keren Cytters Filme wer­den von einer bewusst künst­lich-künst­le­ri­schen Art getra­gen, Narration mit Dekonstruktion, Linearität mit Fragmentalität, Figuration mit dem Absurden, Rebellion mit Fragilität, Coolness mit Trips, Punk mit Romance. Zu den hoch­o­ri­gi­nel­len Plots kommt das asso­zia­ti­ve Spiel mit Form und Medium, Folien und gene­ri­schen Codes, vom Genre über die Kulturgeschichte bis hin zu indi­vi­du­el­len Auteur-Siglen – ein Filmwirbel, hin­ein in die Jetzt-Zeit als vir­tu­el­len Seinszustand. Bis zur Trance.
    Keren Cytter ist eine veri­ta­ble Multimedia-Künstlerin, arbei­tet im Bereich Tanz und Performance, Video und Film, Poesie und in der Bildenden Kunst, v.a. der Zeichnung, hat fünf Romane und drei Kinderbücher geschrie­ben.
    Eine Auswahl ihrer Film-und Videoarbeiten ist nun in dem von Christiane Büchner und Barbara Wurm kura­tier­ten und mode­rier­ten Programmen zu sehen, bei dem Keren Cytter zu Gast sein wird. (Barbara Wurm)

    Cytters neu­es­ter Langfilm ENDURANCE wird bei „Forum & Friends“ sei­ne Uraufführung fei­ern: Covid-Lockdown in New York; Sophia und Steven prü­fen ihre Ehe. Variable Geschwindigkeit, wech­seln­de Konstellationen. Mord wäre auch eine Möglichkeit. Elegant, cle­ver, sehr schön. Wie das gesam­te Œuvre von Keren Cytter, von Lebenstreppen bis Kinosessel.

    Vorfilm:
    Terrorist of Love USA 2016 Digital file engl. OF 3 Min.

    Do, 27.11., 20.30 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Christiane Büchner
    TERRORIST OF LOVE • Keren Cytter • USA 2016 • Digital file • engl. OF 3’
    ENDURANCE • Keren Cytter • USA 2025 • DCP • engl. OF 85′


    Mi, 26.11., 18 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Irina Bondas
    EXPERIMENTAL FILM • Keren Cytter • NL 2002 • Digital file • hebr. OmeU 6’
    FRENCH FILM • Keren Cytter • Israel 2002 • Digital file • franz. OmeU 12’
    SOMETHING HAPPENED • Keren Cytter • D 2009 • Digital file• engl. OF 8’
    CORRECTIONS • Keren Cytter • D 2014 • Digital file • dt./engl. OmeU 8’
    NIGHTMARE • Keren Cytter • D 2007 • Digital file • dt. OmeU 6’
    UNTITLED • Keren Cytter • D 2009 • Digital file • dt. OmeU 9’
    OBJECT • Keren Cytter • USA 2016 • Digital file • russ. OmeU 27’
    DES TROUS • Keren Cytter • Israel 2018 • Digital file • franz. OmeU 14′

    Mi, 26.11., 20.30 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Barbara Wurm
    RAINBOW SERPENT • Keren Cytter • USA 2022 • Digital file • ohne Dialog • 5’
    THE WRONG MOVIE • Keren Cytter • USA/BEL 2024 • DCP • engl. OF 96′

    Do, 27.11., 18 Uhr, zu Gast: Keren Cytter Moderation: Christiane Büchner
    THE DATES SERIES • Keren Cytter • NL 2004 • Digital file • hebr./dt./frz./nl./engl. OmeU 49’
    DER SPIEGEL • Keren Cytter • D 2008 • Digital file • dt./engl. OmeU 5’
    METAMORPHOSIS • Keren Cytter • USA 2016 • Digital file • engl. OF 11’
    FASHIONS • Keren Cytter • D 2020 • Digital file • engl. OF 31′

    Dieses Programm ist Teil der vom Hauptstadtkulturfonds geförderten Veranstaltungsreihe Arsenal on Location: