Moria Six

Ein Film von Jennifer Mallmann. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Nachdem ein Feuer das Camp Moria im September 2020 kom­plett ver­nich­tet hat­te, wur­de es gespens­tisch still. Nicht nur vor Ort, son­dern auch im öffent­li­chen Diskurs. Weder die men­schen­rechts­wid­ri­gen Bedingungen in den wei­te­ren Lagern an den Außengrenzen Europas noch die zahl­lo­sen Pushbacks im Mittelmeer schie­nen die Allgemeinheit näher zu beschäf­ti­gen. Auch die Verhaftung der sechs Jugendlichen, die man der Brandstiftung bezich­tig­te, blieb ohne weit­hin hör­ba­res Echo – obwohl schon ein zwei­ter Blick auf die Umstände der Ermittlungen und den fol­gen­den Strafprozess das Vorgehen der grie­chi­schen Justiz als frag­wür­dig offen­bar­te. Ganz zu schwei­gen von der zugrun­de lie­gen­den Flüchtlingspolitik der Europäischen Union.
Jennifer Mallmann wagt mit ihrem Film die­sen zwei­ten Blick. Im Zentrum steht ihr Briefwechsel mit Hassan, einem der ver­ur­teil­ten Jugendlichen, der ihr aus dem Gefängnis von sei­nem Alltag, sei­nen Wünschen und Ängsten berich­tet. Ruhige, exakt kadrier­te Bilder doku­men­tie­ren „Normalität“ an den Rändern der Festung Europa. Sie zei­gen, wie stra­te­gi­sche Abschottung und die damit ein­her­ge­hen­de struk­tu­rel­le Ausgrenzung funk­tio­nie­ren. Wer wis­sen will, wie sich unse­re Staatengemeinschaft ihre Zukunft vor­stellt, muss nur die neu errich­te­ten, futu­ris­ti­schen Hochsicherheitslager betrach­ten. Dort wer­den die Ankommenden behan­delt wie Menschen, die schwe­re Verbrechen began­gen haben. 

Credits:

DE 2024, 82 Min., OmU,
Regie: Jennifer Mallmann
Kamera: Sina Diehl
Schnitt: Maxie Borchert

Trailer:
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Kategorie: Vorstellung

  • Moria Six

    Moria Six

    Ein Film von Jennifer Mallmann. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nachdem ein Feuer das Camp Moria im September 2020 kom­plett ver­nich­tet hat­te, wur­de es gespens­tisch still. Nicht nur vor Ort, son­dern auch im öffent­li­chen Diskurs. Weder die men­schen­rechts­wid­ri­gen Bedingungen in den wei­te­ren Lagern an den Außengrenzen Europas noch die zahl­lo­sen Pushbacks im Mittelmeer schie­nen die Allgemeinheit näher zu beschäf­ti­gen. Auch die Verhaftung der sechs Jugendlichen, die man der Brandstiftung bezich­tig­te, blieb ohne weit­hin hör­ba­res Echo – obwohl schon ein zwei­ter Blick auf die Umstände der Ermittlungen und den fol­gen­den Strafprozess das Vorgehen der grie­chi­schen Justiz als frag­wür­dig offen­bar­te. Ganz zu schwei­gen von der zugrun­de lie­gen­den Flüchtlingspolitik der Europäischen Union.
    Jennifer Mallmann wagt mit ihrem Film die­sen zwei­ten Blick. Im Zentrum steht ihr Briefwechsel mit Hassan, einem der ver­ur­teil­ten Jugendlichen, der ihr aus dem Gefängnis von sei­nem Alltag, sei­nen Wünschen und Ängsten berich­tet. Ruhige, exakt kadrier­te Bilder doku­men­tie­ren „Normalität“ an den Rändern der Festung Europa. Sie zei­gen, wie stra­te­gi­sche Abschottung und die damit ein­her­ge­hen­de struk­tu­rel­le Ausgrenzung funk­tio­nie­ren. Wer wis­sen will, wie sich unse­re Staatengemeinschaft ihre Zukunft vor­stellt, muss nur die neu errich­te­ten, futu­ris­ti­schen Hochsicherheitslager betrach­ten. Dort wer­den die Ankommenden behan­delt wie Menschen, die schwe­re Verbrechen began­gen haben. 

    Credits:

    DE 2024, 82 Min., OmU,
    Regie: Jennifer Mallmann
    Kamera: Sina Diehl
    Schnitt: Maxie Borchert

    Trailer:
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  • Oslo Stories: Träume

    Oslo Stories: Träume

    Ein Film von Dag Johan Haugerud.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nach Oslo-Stories: Liebe, die­sem Filmjuwel, dass sich bis­her viel zu vie­le haben ent­ge­hen las­sen, kommt hier schon der nächs­te Teil von Dag Johan Haugeruds Oslo-Trilogie ins Kino, und er bringt wert­vol­les Gepäck mit – den Goldenen Bären der letz­ten Berlinale. Die Tradition des Festivals, expli­zit poli­tisch zu lesen­de Filme aus­zu­zeich­nen, wur­de dies­mal unter­bro­chen. Träume ist des­we­gen nicht min­der auf­re­gend.
    Die 17-jäh­ri­ge Johanne ver­liebt sich Hals über Kopf in ihre neue Lehrerin. Im spä­te­ren Verlangen, die­se wich­ti­ge Zeit für sich fest­zu­hal­ten, ver­packt sie die Erlebnisse in eine Erzählung. Als erst ihre Mutter, und spä­ter auch ihre Großmutter, eine bekann­te Dichterin, den Text lesen, ist die Aufregung groß. Bewunderung und Stolz, Sorge und sogar Konkurrenzangst wech­seln sich ab, und zwi­schen den Frauen drei­er Generationen gibt es viel Gesprächsbedarf.
    Träume ist einer­seits ein sehr ein­fa­cher Film, der eine klei­ne Geschichte ohne dra­ma­ti­sche Wendungen erzählt. Andererseits ist Träume ein sehr kom­ple­xer Film, der auf meh­re­ren klug ver­schach­tel­ten Ebenen dar­über nach­denkt, wie Texte, die Realität, die sie beschrei­ben, und die Menschen, die sie ver­fas­sen oder rezi­pie­ren, mit­ein­an­der ver­bun­den sind, und wie ihre Bedeutungen einer per­ma­nen­ten Veränderung unter­wor­fen sind – je nach­dem wer was wann war­um wo sagt oder hört, oder auch ver­schweigt. Und schließ­lich ist Träume ein sehr freund­li­cher, tröst­li­cher Film, der von Wandelbarkeit erzählt. Wo die meis­ten Filme ver­su­chen, eine mehr­deu­ti­ge und unor­dent­li­che Realität in eine sinn­haf­te Geschichte zu ver­wan­deln, unter­nimmt Träume das Gegenteil. Jede Szene, jede Person, jede Form des Diskurses fügt der Welt, die Träume abbil­det, eine neue Facette hin­zu, macht sie grö­ßer, offe­ner, viel­fäl­ti­ger. Für mich hät­te Träume ein­fach immer wei­ter gehen kön­nen.“ Hendrike Bake | indiekino

    Die drei „Oslo-Stories“ bil­den eine ein­zig­ar­ti­ge Filmtrilogie. Liebe (Venedig Wettbewerb 2024), Träume (Berlinale Goldener Bär 2025) und Sehnsucht / Sex (Berlinale Panorama 2024) sind drei jeweils eigen­stän­di­ge Filme mit neu­en Figuren und einer unab­hän­gi­gen Geschichte, und jeder ist ein Ereignis. Getrennt von­ein­an­der wer­fen sie jeweils einen neu­en Blick auf die Dinge, die unser Leben bestim­men. Erzählen von Liebe, Sehnsucht und Träumen, hin­ter­fra­gen Identität, Gender und Sexualität, ent­wer­fen mit fas­zi­nie­ren­den Charakteren und klu­gen Dialogen gewitzt und nah­bar Utopien, wie wir auch zusam­men­le­ben könn­ten. Und Oslo sehen wir aus der Perspektive der Protagonisten: inner­städ­tisch bei Träume, hoch auf den Dächern bei Sehnsucht / Sex und in Liebe wird stän­dig der Oslofjord mit der Fähre überquert.

    Goldener Bär – Berlinale 2025

    Credits:

    NO 2024, 110 Min., nor­we­gi­sche OmU
    Regie: Dag Johan Haugerud

    Kamera: Cecilie Semec
    Schnitt: Jens Christian Fodstad
    mit: Ella Øverbye, Selome Emnetu, Ane Dahl Torp, Anne Marit Jacobsen

    Trailer:
    DREAMS (SEX LOVE) International Trailer

    Im Kino mit deut­schen Untertiteln.

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  • Oslo Stories: Sehnsucht

    Oslo Stories: Sehnsucht

    Ein Film von Dag Johan Haugerud.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Am stärks­ten im Fokus steht das freund­li­che Verwischen von Grenzen zwi­schen den Identitäten und Orientierungen im Film Sehnsucht / Sex. Es ist zugleich der lus­tigs­te Teil der Trilogie. Der Film star­tet mit Aufnahmen vom Osloer Umland: Auffahrtstraßen, Industriegebiet, im Gemeindeschwimmbad zie­hen Menschen ihre Bahnen. Dann beginnt ein namen­lo­ser Mann , Schornsteinfeger, Familienvater, Mitte vier­zig, von sei­nem ver­wir­ren­den Traum zu erzäh­len – ein­fach so, beim Mittagessen im Pausenraum.
    David Bowie und er, erzählt der Mann, sei­en sich in sei­nem Traum in einer Toilette begeg­net, und Bowie hät­te ihn gemus­tert, als wäre er, der Schornsteinfeger, eine Frau. Die Blicke sei­en nicht abwer­tend gewe­sen, ein­fach nur anders. Nein, eigent­lich sogar ange­nehm.
    Sein bes­ter Freund, eben­falls Schornsteinfeger, Familienvater, Mitte vier­zig, hört ihm auf­merk­sam und ver­ständ­nis­voll zu. Dann erzählt er, wie ihm jüngst ein Klient nach geta­ner Arbeit Zeichen gege­ben habe, an ihm inter­es­siert zu sein. Erst habe er gezö­gert, dann hät­ten sie Sex gehabt. »Wie er mich ange­se­hen hat, das habe ich noch nie erlebt«, sagt der Freund. »Als hät­te er Lust auf mich. Regelrecht scham­los.«
    Später erzählt der Freund auch sei­ner Ehefrau von dem Sex. Sein Argument: Gerade weil es mit einem Mann gewe­sen sei und er ganz offen dar­über spre­che, habe er sie nicht betro­gen. Doch das sieht die Ehefrau ganz anders….“
    Hannah Pilarczyk | Der Spiegel
    Und natür­lich besteht auch hier viel Gesprächsbedarf.

    Credits:

    OT: Sex
    DE 2023, 90 Min., norw. OmU
    Regie: Dag Johan Haugerud
    Kamera: Cecilie Semec
    Schnitt: Jens Christian Fodstad
    mit: Jan Gunnar Røise, Thorbjørn Harr, Siri Forberg, Birgitte Larsen

    Trailer:
    Sex Trailer | OIFF 2024
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  • Caught by the Tides

    Caught by the Tides

    Ein Film von Jia Zhang-Ke.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Caught by the tides ist Jia Zhangkes expe­ri­men­tells­ter Film und einer sei­ner bes­ten. Einerseits ist der Film eine Art Coda, eine Wiederholung oder eine Variation von Asche ist rei­nes Weiss (2019). Caught by the tides beginnt, wie der älte­re Film, 2001 in Datong. In bei­den Filmen sind die Hauptfiguren die Tänzerin Qiaoqiao (Tao Zhao) und der Gangster Guo Bin, der aller­dings in Asche von Fan Liao, in Caught by the tides von Zhubin Li gespielt wird. In bei­den Filmen sind sie ein Paar, dann wer­den sie getrennt, und sie sucht ihn eini­ge Jahre spä­ter. Die Parallelen gehen noch wei­ter, aber Asche ist rei­nes Weiss war noch eine Art Neo-Noir, in Caught by the tides ist die Liebesbeziehung aufs extrems­te redu­ziert. Qiao und Bin reden nicht ein ein­zi­ges Mal mit­ein­an­der. Erst in der aller­letz­ten Szene spricht Qiao ein Wort: „Ha!“. Ihre Beziehung im Film besteht nur aus Gesten.
    Dafür ist die rei­ne fil­mi­sche Wucht von Caught by the tides noch grö­ßer. Es gibt drei Episoden: 2001 in der Bergarbeiterstadt Datong in Nordchina, 2006 in Fengjie, einer Stadt im Einzugsgebiet des monu­men­ta­len „Drei Schluchten“-Staudamms, die kom­plett umge­sie­delt wur­de, und 2022 in Zhuhai, Südchina und wie­der zurück in Datong, das sich gewal­tig ver­än­dert hat.
    Die „drif­ting gene­ra­ti­on“ nennt Jia die Generation sei­ner Hauptfiguren. In den ers­ten zwan­zig Jahren des Jahrhunderts fand in China ein gewal­ti­ger Wandel statt. In Jias Film spie­gelt sich die­ser Wandel. Caught by the tides ist ein Film, der Treibgut sam­melt, Überreste unter­ge­gan­ge­ner Welten und über Bord gewor­fe­ner Traditionen der Gemeinschaft. Der Film ist aber auch eine Feier des wider­stän­di­gen Unkrauts, der Menschen, die ziel­los durch die­se Welt trei­ben. Einige gehen ver­lo­ren, vie­le Abschiede wer­den genom­men, eini­gen gelingt es, eine neue Art von Gemeinschaft zu fin­den, und sei es, wie Qiaoqiao, in einer Laufgruppe, die sich die Stadt und die Straßen auf ihre Art zu eigen macht.“
    Tom Dorow | indiekino

    Credits:

    Feng liu yi dai
    CN 2024, 110 Min., chin. OmU
    Regie: Jia Zhang-Ke
    Kamera:
    Yu Lik-Wai, Eric Gautier
    Schnitt: Yang Chao, Lin Xudong, Matthieu Laclau
    mit: Zhao Tao, Li Zhubin, Pan Jianlin, Lan Zhou

    Trailer:
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  • Moria Six

    Moria Six

    Ein Film von Jennifer Mallmann. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nachdem ein Feuer das Camp Moria im September 2020 kom­plett ver­nich­tet hat­te, wur­de es gespens­tisch still. Nicht nur vor Ort, son­dern auch im öffent­li­chen Diskurs. Weder die men­schen­rechts­wid­ri­gen Bedingungen in den wei­te­ren Lagern an den Außengrenzen Europas noch die zahl­lo­sen Pushbacks im Mittelmeer schie­nen die Allgemeinheit näher zu beschäf­ti­gen. Auch die Verhaftung der sechs Jugendlichen, die man der Brandstiftung bezich­tig­te, blieb ohne weit­hin hör­ba­res Echo – obwohl schon ein zwei­ter Blick auf die Umstände der Ermittlungen und den fol­gen­den Strafprozess das Vorgehen der grie­chi­schen Justiz als frag­wür­dig offen­bar­te. Ganz zu schwei­gen von der zugrun­de lie­gen­den Flüchtlingspolitik der Europäischen Union.
    Jennifer Mallmann wagt mit ihrem Film die­sen zwei­ten Blick. Im Zentrum steht ihr Briefwechsel mit Hassan, einem der ver­ur­teil­ten Jugendlichen, der ihr aus dem Gefängnis von sei­nem Alltag, sei­nen Wünschen und Ängsten berich­tet. Ruhige, exakt kadrier­te Bilder doku­men­tie­ren „Normalität“ an den Rändern der Festung Europa. Sie zei­gen, wie stra­te­gi­sche Abschottung und die damit ein­her­ge­hen­de struk­tu­rel­le Ausgrenzung funk­tio­nie­ren. Wer wis­sen will, wie sich unse­re Staatengemeinschaft ihre Zukunft vor­stellt, muss nur die neu errich­te­ten, futu­ris­ti­schen Hochsicherheitslager betrach­ten. Dort wer­den die Ankommenden behan­delt wie Menschen, die schwe­re Verbrechen began­gen haben. 

    Credits:

    DE 2024, 82 Min., OmU,
    Regie: Jennifer Mallmann
    Kamera: Sina Diehl
    Schnitt: Maxie Borchert

    Trailer:
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  • Oslo Stories: Träume

    Oslo Stories: Träume

    Ein Film von Dag Johan Haugerud.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nach Oslo-Stories: Liebe, die­sem Filmjuwel, dass sich bis­her viel zu vie­le haben ent­ge­hen las­sen, kommt hier schon der nächs­te Teil von Dag Johan Haugeruds Oslo-Trilogie ins Kino, und er bringt wert­vol­les Gepäck mit – den Goldenen Bären der letz­ten Berlinale. Die Tradition des Festivals, expli­zit poli­tisch zu lesen­de Filme aus­zu­zeich­nen, wur­de dies­mal unter­bro­chen. Träume ist des­we­gen nicht min­der auf­re­gend.
    Die 17-jäh­ri­ge Johanne ver­liebt sich Hals über Kopf in ihre neue Lehrerin. Im spä­te­ren Verlangen, die­se wich­ti­ge Zeit für sich fest­zu­hal­ten, ver­packt sie die Erlebnisse in eine Erzählung. Als erst ihre Mutter, und spä­ter auch ihre Großmutter, eine bekann­te Dichterin, den Text lesen, ist die Aufregung groß. Bewunderung und Stolz, Sorge und sogar Konkurrenzangst wech­seln sich ab, und zwi­schen den Frauen drei­er Generationen gibt es viel Gesprächsbedarf.
    Träume ist einer­seits ein sehr ein­fa­cher Film, der eine klei­ne Geschichte ohne dra­ma­ti­sche Wendungen erzählt. Andererseits ist Träume ein sehr kom­ple­xer Film, der auf meh­re­ren klug ver­schach­tel­ten Ebenen dar­über nach­denkt, wie Texte, die Realität, die sie beschrei­ben, und die Menschen, die sie ver­fas­sen oder rezi­pie­ren, mit­ein­an­der ver­bun­den sind, und wie ihre Bedeutungen einer per­ma­nen­ten Veränderung unter­wor­fen sind – je nach­dem wer was wann war­um wo sagt oder hört, oder auch ver­schweigt. Und schließ­lich ist Träume ein sehr freund­li­cher, tröst­li­cher Film, der von Wandelbarkeit erzählt. Wo die meis­ten Filme ver­su­chen, eine mehr­deu­ti­ge und unor­dent­li­che Realität in eine sinn­haf­te Geschichte zu ver­wan­deln, unter­nimmt Träume das Gegenteil. Jede Szene, jede Person, jede Form des Diskurses fügt der Welt, die Träume abbil­det, eine neue Facette hin­zu, macht sie grö­ßer, offe­ner, viel­fäl­ti­ger. Für mich hät­te Träume ein­fach immer wei­ter gehen kön­nen.“ Hendrike Bake | indiekino

    Die drei „Oslo-Stories“ bil­den eine ein­zig­ar­ti­ge Filmtrilogie. Liebe (Venedig Wettbewerb 2024), Träume (Berlinale Goldener Bär 2025) und Sehnsucht / Sex (Berlinale Panorama 2024) sind drei jeweils eigen­stän­di­ge Filme mit neu­en Figuren und einer unab­hän­gi­gen Geschichte, und jeder ist ein Ereignis. Getrennt von­ein­an­der wer­fen sie jeweils einen neu­en Blick auf die Dinge, die unser Leben bestim­men. Erzählen von Liebe, Sehnsucht und Träumen, hin­ter­fra­gen Identität, Gender und Sexualität, ent­wer­fen mit fas­zi­nie­ren­den Charakteren und klu­gen Dialogen gewitzt und nah­bar Utopien, wie wir auch zusam­men­le­ben könn­ten. Und Oslo sehen wir aus der Perspektive der Protagonisten: inner­städ­tisch bei Träume, hoch auf den Dächern bei Sehnsucht / Sex und in Liebe wird stän­dig der Oslofjord mit der Fähre überquert.

    Goldener Bär – Berlinale 2025

    Credits:

    NO 2024, 110 Min., nor­we­gi­sche OmU
    Regie: Dag Johan Haugerud

    Kamera: Cecilie Semec
    Schnitt: Jens Christian Fodstad
    mit: Ella Øverbye, Selome Emnetu, Ane Dahl Torp, Anne Marit Jacobsen

    Trailer:
    DREAMS (SEX LOVE) International Trailer

    Im Kino mit deut­schen Untertiteln.

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  • Oslo Stories: Sehnsucht

    Oslo Stories: Sehnsucht

    Ein Film von Dag Johan Haugerud.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Am stärks­ten im Fokus steht das freund­li­che Verwischen von Grenzen zwi­schen den Identitäten und Orientierungen im Film Sehnsucht / Sex. Es ist zugleich der lus­tigs­te Teil der Trilogie. Der Film star­tet mit Aufnahmen vom Osloer Umland: Auffahrtstraßen, Industriegebiet, im Gemeindeschwimmbad zie­hen Menschen ihre Bahnen. Dann beginnt ein namen­lo­ser Mann , Schornsteinfeger, Familienvater, Mitte vier­zig, von sei­nem ver­wir­ren­den Traum zu erzäh­len – ein­fach so, beim Mittagessen im Pausenraum.
    David Bowie und er, erzählt der Mann, sei­en sich in sei­nem Traum in einer Toilette begeg­net, und Bowie hät­te ihn gemus­tert, als wäre er, der Schornsteinfeger, eine Frau. Die Blicke sei­en nicht abwer­tend gewe­sen, ein­fach nur anders. Nein, eigent­lich sogar ange­nehm.
    Sein bes­ter Freund, eben­falls Schornsteinfeger, Familienvater, Mitte vier­zig, hört ihm auf­merk­sam und ver­ständ­nis­voll zu. Dann erzählt er, wie ihm jüngst ein Klient nach geta­ner Arbeit Zeichen gege­ben habe, an ihm inter­es­siert zu sein. Erst habe er gezö­gert, dann hät­ten sie Sex gehabt. »Wie er mich ange­se­hen hat, das habe ich noch nie erlebt«, sagt der Freund. »Als hät­te er Lust auf mich. Regelrecht scham­los.«
    Später erzählt der Freund auch sei­ner Ehefrau von dem Sex. Sein Argument: Gerade weil es mit einem Mann gewe­sen sei und er ganz offen dar­über spre­che, habe er sie nicht betro­gen. Doch das sieht die Ehefrau ganz anders….“
    Hannah Pilarczyk | Der Spiegel
    Und natür­lich besteht auch hier viel Gesprächsbedarf.

    Credits:

    OT: Sex
    DE 2023, 90 Min., norw. OmU
    Regie: Dag Johan Haugerud
    Kamera: Cecilie Semec
    Schnitt: Jens Christian Fodstad
    mit: Jan Gunnar Røise, Thorbjørn Harr, Siri Forberg, Birgitte Larsen

    Trailer:
    Sex Trailer | OIFF 2024
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  • Caught by the Tides

    Caught by the Tides

    Ein Film von Jia Zhang-Ke.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Caught by the tides ist Jia Zhangkes expe­ri­men­tells­ter Film und einer sei­ner bes­ten. Einerseits ist der Film eine Art Coda, eine Wiederholung oder eine Variation von Asche ist rei­nes Weiss (2019). Caught by the tides beginnt, wie der älte­re Film, 2001 in Datong. In bei­den Filmen sind die Hauptfiguren die Tänzerin Qiaoqiao (Tao Zhao) und der Gangster Guo Bin, der aller­dings in Asche von Fan Liao, in Caught by the tides von Zhubin Li gespielt wird. In bei­den Filmen sind sie ein Paar, dann wer­den sie getrennt, und sie sucht ihn eini­ge Jahre spä­ter. Die Parallelen gehen noch wei­ter, aber Asche ist rei­nes Weiss war noch eine Art Neo-Noir, in Caught by the tides ist die Liebesbeziehung aufs extrems­te redu­ziert. Qiao und Bin reden nicht ein ein­zi­ges Mal mit­ein­an­der. Erst in der aller­letz­ten Szene spricht Qiao ein Wort: „Ha!“. Ihre Beziehung im Film besteht nur aus Gesten.
    Dafür ist die rei­ne fil­mi­sche Wucht von Caught by the tides noch grö­ßer. Es gibt drei Episoden: 2001 in der Bergarbeiterstadt Datong in Nordchina, 2006 in Fengjie, einer Stadt im Einzugsgebiet des monu­men­ta­len „Drei Schluchten“-Staudamms, die kom­plett umge­sie­delt wur­de, und 2022 in Zhuhai, Südchina und wie­der zurück in Datong, das sich gewal­tig ver­än­dert hat.
    Die „drif­ting gene­ra­ti­on“ nennt Jia die Generation sei­ner Hauptfiguren. In den ers­ten zwan­zig Jahren des Jahrhunderts fand in China ein gewal­ti­ger Wandel statt. In Jias Film spie­gelt sich die­ser Wandel. Caught by the tides ist ein Film, der Treibgut sam­melt, Überreste unter­ge­gan­ge­ner Welten und über Bord gewor­fe­ner Traditionen der Gemeinschaft. Der Film ist aber auch eine Feier des wider­stän­di­gen Unkrauts, der Menschen, die ziel­los durch die­se Welt trei­ben. Einige gehen ver­lo­ren, vie­le Abschiede wer­den genom­men, eini­gen gelingt es, eine neue Art von Gemeinschaft zu fin­den, und sei es, wie Qiaoqiao, in einer Laufgruppe, die sich die Stadt und die Straßen auf ihre Art zu eigen macht.“
    Tom Dorow | indiekino

    Credits:

    Feng liu yi dai
    CN 2024, 110 Min., chin. OmU
    Regie: Jia Zhang-Ke
    Kamera:
    Yu Lik-Wai, Eric Gautier
    Schnitt: Yang Chao, Lin Xudong, Matthieu Laclau
    mit: Zhao Tao, Li Zhubin, Pan Jianlin, Lan Zhou

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  • Moria Six

    Moria Six

    Ein Film von Jennifer Mallmann. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nachdem ein Feuer das Camp Moria im September 2020 kom­plett ver­nich­tet hat­te, wur­de es gespens­tisch still. Nicht nur vor Ort, son­dern auch im öffent­li­chen Diskurs. Weder die men­schen­rechts­wid­ri­gen Bedingungen in den wei­te­ren Lagern an den Außengrenzen Europas noch die zahl­lo­sen Pushbacks im Mittelmeer schie­nen die Allgemeinheit näher zu beschäf­ti­gen. Auch die Verhaftung der sechs Jugendlichen, die man der Brandstiftung bezich­tig­te, blieb ohne weit­hin hör­ba­res Echo – obwohl schon ein zwei­ter Blick auf die Umstände der Ermittlungen und den fol­gen­den Strafprozess das Vorgehen der grie­chi­schen Justiz als frag­wür­dig offen­bar­te. Ganz zu schwei­gen von der zugrun­de lie­gen­den Flüchtlingspolitik der Europäischen Union.
    Jennifer Mallmann wagt mit ihrem Film die­sen zwei­ten Blick. Im Zentrum steht ihr Briefwechsel mit Hassan, einem der ver­ur­teil­ten Jugendlichen, der ihr aus dem Gefängnis von sei­nem Alltag, sei­nen Wünschen und Ängsten berich­tet. Ruhige, exakt kadrier­te Bilder doku­men­tie­ren „Normalität“ an den Rändern der Festung Europa. Sie zei­gen, wie stra­te­gi­sche Abschottung und die damit ein­her­ge­hen­de struk­tu­rel­le Ausgrenzung funk­tio­nie­ren. Wer wis­sen will, wie sich unse­re Staatengemeinschaft ihre Zukunft vor­stellt, muss nur die neu errich­te­ten, futu­ris­ti­schen Hochsicherheitslager betrach­ten. Dort wer­den die Ankommenden behan­delt wie Menschen, die schwe­re Verbrechen began­gen haben. 

    Credits:

    DE 2024, 82 Min., OmU,
    Regie: Jennifer Mallmann
    Kamera: Sina Diehl
    Schnitt: Maxie Borchert

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  • Oslo Stories: Träume

    Oslo Stories: Träume

    Ein Film von Dag Johan Haugerud.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nach Oslo-Stories: Liebe, die­sem Filmjuwel, dass sich bis­her viel zu vie­le haben ent­ge­hen las­sen, kommt hier schon der nächs­te Teil von Dag Johan Haugeruds Oslo-Trilogie ins Kino, und er bringt wert­vol­les Gepäck mit – den Goldenen Bären der letz­ten Berlinale. Die Tradition des Festivals, expli­zit poli­tisch zu lesen­de Filme aus­zu­zeich­nen, wur­de dies­mal unter­bro­chen. Träume ist des­we­gen nicht min­der auf­re­gend.
    Die 17-jäh­ri­ge Johanne ver­liebt sich Hals über Kopf in ihre neue Lehrerin. Im spä­te­ren Verlangen, die­se wich­ti­ge Zeit für sich fest­zu­hal­ten, ver­packt sie die Erlebnisse in eine Erzählung. Als erst ihre Mutter, und spä­ter auch ihre Großmutter, eine bekann­te Dichterin, den Text lesen, ist die Aufregung groß. Bewunderung und Stolz, Sorge und sogar Konkurrenzangst wech­seln sich ab, und zwi­schen den Frauen drei­er Generationen gibt es viel Gesprächsbedarf.
    Träume ist einer­seits ein sehr ein­fa­cher Film, der eine klei­ne Geschichte ohne dra­ma­ti­sche Wendungen erzählt. Andererseits ist Träume ein sehr kom­ple­xer Film, der auf meh­re­ren klug ver­schach­tel­ten Ebenen dar­über nach­denkt, wie Texte, die Realität, die sie beschrei­ben, und die Menschen, die sie ver­fas­sen oder rezi­pie­ren, mit­ein­an­der ver­bun­den sind, und wie ihre Bedeutungen einer per­ma­nen­ten Veränderung unter­wor­fen sind – je nach­dem wer was wann war­um wo sagt oder hört, oder auch ver­schweigt. Und schließ­lich ist Träume ein sehr freund­li­cher, tröst­li­cher Film, der von Wandelbarkeit erzählt. Wo die meis­ten Filme ver­su­chen, eine mehr­deu­ti­ge und unor­dent­li­che Realität in eine sinn­haf­te Geschichte zu ver­wan­deln, unter­nimmt Träume das Gegenteil. Jede Szene, jede Person, jede Form des Diskurses fügt der Welt, die Träume abbil­det, eine neue Facette hin­zu, macht sie grö­ßer, offe­ner, viel­fäl­ti­ger. Für mich hät­te Träume ein­fach immer wei­ter gehen kön­nen.“ Hendrike Bake | indiekino

    Die drei „Oslo-Stories“ bil­den eine ein­zig­ar­ti­ge Filmtrilogie. Liebe (Venedig Wettbewerb 2024), Träume (Berlinale Goldener Bär 2025) und Sehnsucht / Sex (Berlinale Panorama 2024) sind drei jeweils eigen­stän­di­ge Filme mit neu­en Figuren und einer unab­hän­gi­gen Geschichte, und jeder ist ein Ereignis. Getrennt von­ein­an­der wer­fen sie jeweils einen neu­en Blick auf die Dinge, die unser Leben bestim­men. Erzählen von Liebe, Sehnsucht und Träumen, hin­ter­fra­gen Identität, Gender und Sexualität, ent­wer­fen mit fas­zi­nie­ren­den Charakteren und klu­gen Dialogen gewitzt und nah­bar Utopien, wie wir auch zusam­men­le­ben könn­ten. Und Oslo sehen wir aus der Perspektive der Protagonisten: inner­städ­tisch bei Träume, hoch auf den Dächern bei Sehnsucht / Sex und in Liebe wird stän­dig der Oslofjord mit der Fähre überquert.

    Goldener Bär – Berlinale 2025

    Credits:

    NO 2024, 110 Min., nor­we­gi­sche OmU
    Regie: Dag Johan Haugerud

    Kamera: Cecilie Semec
    Schnitt: Jens Christian Fodstad
    mit: Ella Øverbye, Selome Emnetu, Ane Dahl Torp, Anne Marit Jacobsen

    Trailer:
    DREAMS (SEX LOVE) International Trailer

    Im Kino mit deut­schen Untertiteln.

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