Soundtrack to a Coup d’Etat

Ein Film von Johan Grimonprez.

[Credits] [Tickets] [Trailer]

Mit einer unglaub­lich umfang­rei­chen Materialsammlung aus Film- und Fernsehbildern, Reportagen, mit geschicht­li­chem und geo­po­li­ti­schem Hintergrundẃissen gelingt dem Film eine Verdichtung der sechs Monate bis zu sei­ner Ermordung, in denen Patrice Lumumba der ers­te Präsident des unab­hän­gi­gen Kongo war. Die rasan­te Bild- und Tonmontage zeigt auf, wie bekann­te Größen des Jazz von der US-Regierung sei­ner­zeit zur Befriedung und Ablenkung benutzt wur­den, wie die Konzerte Louis Armstrongs in Kingshasa 1960. Ein beein­dru­cken­des und span­nen­des Werk, auf­wüh­lend und lei­der immer noch aktuell. 

Credits:


BE/FR/NL 2024, 150 Min., engl., frz. OmU, 

Regie: Johan Grimonprez, 

mit: Patrice Lumumba, Louis Armstrong, Andrée Blouin, Nina Simone, Nikita Krutschev, Eisenhower, Fidel Castro, Duke Elligton

Trailer:
Soundtrack to a Coup d’Etat – Official Trailer
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Archiv: Termine

  • Soundtrack to a Coup d’Etat

    Soundtrack to a Coup d’Etat

    Ein Film von Johan Grimonprez.

    [Credits] [Tickets] [Trailer]

    Mit einer unglaub­lich umfang­rei­chen Materialsammlung aus Film- und Fernsehbildern, Reportagen, mit geschicht­li­chem und geo­po­li­ti­schem Hintergrundẃissen gelingt dem Film eine Verdichtung der sechs Monate bis zu sei­ner Ermordung, in denen Patrice Lumumba der ers­te Präsident des unab­hän­gi­gen Kongo war. Die rasan­te Bild- und Tonmontage zeigt auf, wie bekann­te Größen des Jazz von der US-Regierung sei­ner­zeit zur Befriedung und Ablenkung benutzt wur­den, wie die Konzerte Louis Armstrongs in Kingshasa 1960. Ein beein­dru­cken­des und span­nen­des Werk, auf­wüh­lend und lei­der immer noch aktuell. 

    Credits:


    BE/FR/NL 2024, 150 Min., engl., frz. OmU, 

    Regie: Johan Grimonprez, 

    mit: Patrice Lumumba, Louis Armstrong, Andrée Blouin, Nina Simone, Nikita Krutschev, Eisenhower, Fidel Castro, Duke Elligton

    Trailer:
    Soundtrack to a Coup d’Etat – Official Trailer
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  • Der Code

    Der Code

    Ein Film von Assaf Lapid.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Der ande­re Planet, mit nichts in die­ser Welt ver­gleich­bar – das war für ihn Auschwitz. Hier erleb­te Yehiel De-Nur die Schrecken der Shoah, die er nach dem Krieg unter dem Pseudonym Ka.tzetnik lite­ra­risch radi­kal ver­ar­bei­te­te. Über Gewalt, Folter und Kannibalismus schrei­bend wur­de er immer wie­der zum Häftling, wäh­rend er gleich­zei­tig ein bür­ger­li­ches Leben führte.

    Die radi­ka­le Aufspaltung in zwei Persönlichkeiten war Yehiel De-Nurs (geb. Feiner) Strategie, um mit sei­nem Trauma umzu­ge­hen. Wenn er als Ka.tzetnik abge­kap­selt und in Häftlingskleidung sei­ne inter­na­tio­na­len Bestseller ver­fass­te, war er wie­der auf dem „ande­ren Planeten“, den die Kunstfigur mit dem KZ im Namen nie ver­las­sen hat­te. Die Bücher von Ka.tzetnik haben Israel bewegt. Er reflek­tier­te dar­in Gewaltexzesse, deren Nähe zu sexu­ell kon­no­tier­ter Gewalt, die Abgründe des Menschlichen, und pro­vo­ziert dabei – als Holocaust-Überlebender – mit Titeln wie „Ich bin der SS-Mann. Eine Vision“ (Ein ande­rer bekann­ter Titel des Buches ist: „Shvitti. Eine Vision“). Auch der Name der Indie-Band „Joy Division“ geht auf ein Buch von Ka.tzetnik zurück.
    De-Nur hin­ge­gen fass­te als beschei­de­ner Ehemann und lieb­vol­ler Vater in Israel wie­der Fuß. Erst der Eichmann-Prozess, wo De-Nur und Ka-Tzetnik im Zeugenstand erst­mals auf­ein­an­der­tra­fen, brach­te die­ses Konstrukt zum Einsturz. Der auch 30 Jahre nach dem Krieg noch von sei­nem Trauma Verfolgte hoff­te, in den Niederlanden durch eine LSD-Therapie end­lich Frieden zu fin­den.
    Die Dokumentar-Biografie über­setzt die­se Persönlichkeitsspaltung in Bilder. Während wir in Berichten von Zeitzeuginnen und Forscherinnen der Person De-Nur begeg­nen, füh­ren uns ani­mier­te Sequenzen in die Gedankenwelt des Autors und sei­ner lite­ra­ri­schen Figur Ka.tzetnik. Dabei wird nicht nur die Frage nach Möglichkeiten der Traumabewältigung gestellt, son­dern auch nach dem Wert sub­jek­ti­ver Wahrheit.
    Rainer Mende

    Credits:

    The Return from the Other Plaent
    DE/IL 2023, 81 Min., eng­lisch, hebrä­isch, jid­disch, nie­der­län­disch OmU
    Regie: Assaf Lapid

    Kamera: Talia Tulik Galon, Jörg Adams
    Schnitt: Nohar Avigail Haseen, Assaf Lapid 

    Trailer:
    The Return from the Other Planet_English Trailer
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  • Flow

    Flow

    Ein Film von Gints Zilbalodis.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Gerade noch im üppi­gen Grün des Waldes her­um­ge­streift, hat sich die Katze im Haus gemüt­lich zum Schlafen ein­ge­rollt, als sie ein sich nähern­des Rumoren wahr­nimmt – eine rie­si­ge Wasserwelle flu­tet das Land. Unsere Heldin kann sich knapp auf ein vor­bei­schwim­men­des Segelboot ret­ten. Nun glei­tet sie dahin über das Meer, durch Urwälder, an spit­zen Bergkegeln vor­bei, die aus dem Wasser ragen, an Städten, die wie unwirk­li­che rie­si­ge Paläste aus­se­hen, stets ange­spannt auf­merk­sam, mit einer Mischung aus Neugierde und Furcht.
    Genau wie Gints Zilbalodis, der hier erst­mals mit einem grö­ße­ren Team arbei­tet, muss sich die klei­ne schwar­ze Katze, die bis­her allei­ne leb­te, auf Kooperation ein­stel­len. Mit an Bord kom­men näm­lich eben­falls unfrei­wil­lig ein ver­spiel­ter und gei­zi­ger Lemur, ein schläf­ri­ges Wasserschwein, der immer freund­li­che Golden Retriever, und der ver­letz­te, hilfs­be­rei­te Sekretär. Zum Überleben der Katastrophe müs­sen die fünf sich zusam­men­rau­fen, denn stets und über­all lau­ert Gefahr.
    Das groß­ar­ti­ge an Flow ist, dass die­se Crew nicht ver­mensch­licht wird. Alle behal­ten ihre tie­ri­schen Eigenarten, die sie aller­dings auf der Fahrt modi­fi­zie­ren müs­sen. Die Katze wird muti­ger, der Hund vor­sich­ti­ger, der Lemur lernt zu tei­len, der ver­sto­ße­ne Sekretär über­nimmt die Führung. Nur das Wasserschwein bleibt phleg­ma­tisch wie eh und je.
    Flow ist ver­träumt, episch, bedroh­lich und wun­der­schön. Das Beste von allem ist, dass die Tiere Tiere sind, wort­los und haupt­säch­lich mit ihrer eige­nen Sicherheit und ihrer nächs­ten Mahlzeit beschäf­tigt. Dennoch sind sie gezwun­gen, mit­ein­an­der aus­zu­kom­men, und sie wer­den zu mehr als der Summe ihrer pel­zi­gen und gefie­der­ten Teile. … Der Regisseur die­ser magi­schen Fabel ist Gints Zilbalodis, ein 30-jäh­ri­ger let­ti­scher Animator. Möge Hollywood ihn nie­mals mit Angeboten für Reichtum und Fortsetzungen umwer­ben …“ Ty Burr | Washington Post

    Oscar für den bes­ten Animationsfilm 2025

    Credits:

    LV/FR/BE 2023, 84 Min., ohne Dialog
    Regie: Gints Zilbalodis

    Kamera: Léo Silly Pélissier
    Schnitt: Gints Zilbalodis

    Trailer:
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  • Köln 75

    Köln 75

    Ein Film von Ido Fluk.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Köln 75 erzählt die wah­re Geschichte hin­ter einer der meist­ver­kauf­ten Jazzplatten aller Zeiten, dem „Köln Concert“ von Keith Jarrett aus dem Jahr 1975. Fast wäre das Konzert gar nicht zustan­de gekom­men, doch ein ent­schlos­se­ner deut­scher Teenager, die erst 18-jäh­ri­ge Vera Brandes, setz­te alle Hebel in Bewegung, um die Voraussetzungen für die Entstehung eines Meisterwerks zu schaf­fen. Vera, die noch zur Schule geht, als sie anfängt, in Köln Musikevents zu pro­du­zie­ren und zu pro­mo­ten, geht aufs Ganze, um die­ses Konzert auf die Bühne zu brin­gen. Es scheint, als stün­de alles gegen sie, doch Vera glaubt an die Kraft der Musik und hat noch nie jeman­den so spie­len sehen wie Keith Jarrett.

    Credits:

    DE/BE/PL 2024, 115 Min.,
    Regie: Ido Fluk
    Kamera: Jens Harant
    Schnitt: Anja Siemens
    mit Mala Emde, John Magaro, Michael Chernus, Alexander Scheer, Ulrich Tukur

    Trailer:
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  • Das melancholische Mädchen

    Das melancholische Mädchen

    Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit 35k mit anschlie­ßen­dem Gespräch mit Susanne Heinrich.. Am 23.3. um 20:00 im fsk.

    [Credits] [Tickets] [Trailer]

    Und, wor­um geht es in dem Film? Eine häu­fig gestell­te Frage, die aller­dings in die fal­sche Richtung zielt. Bei Filmen (und nicht nur da) ist das Wie ent­schei­den­der als das Was. Eine Geschichte kann völ­lig sim­pel aus­fal­len. Erst wenn die Inszenierung eben­so sche­ma­tisch daher­kommt, wird es lang­wei­lig bis nichts­sa­gend und schlimms­ten­falls bei­des davon. „Das melan­cho­li­sche Mädchen“ führt den Effekt vor: Der Plot ist nicht mal sprung­haft, son­dern letzt­lich nicht vor­han­den. Die halb ver­kopf­te und theo­rie­schwan­ge­re, halb ver­spiel­te Inszenierung macht das Ganze aber zu glei­chen Teilen unter­halt­sam, eigen­wil­lig und interpretierfähig.

    Im Mittelpunkt steht das titel­ge­ben­de melan­cho­li­sche Mädchen (pas­send besetzt: Marie Rathscheck), das wie sämt­li­che Figuren – dar­un­ter der Existentialist, die Clubfreundin, der Normalo – namen­los bleibt. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz streift die selbst­er­nann­te Autorin mit Schreibblockade durch Berlin und trifft ver­schie­de­ne Männer, die sie schnell mit nach Hause beglei­tet und oft unver­mit­telt wie­der sit­zen lässt.

    Der Film unter­teilt sich in 15 Episoden, die Titel wie „Feminismus zu ver­kau­fen“, „Die Gewalt der Liebesmärchen“ oder „Objekte der Begierde“ tra­gen. Es geht um Feminismus, die Rolle des Kapitalismus in die­sem Feld und das selbst­be­stimm­te Handeln der Streunerin. „Rambo is a pus­sy,“ lau­tet ein T‑Shirt-Aufdruck; an ande­rer Stelle meint die jun­ge Frau, dass ihr Körper allen ande­ren mehr gehört als ihr selbst. Mit Rosa und Blau setzt Susanne Heinrich leit­mo­ti­visch zwei Farben ins Bild, die qua­si sym­bo­lisch für die Geschlechterfrage ste­hen. Symbolcharakter haben auch die Penisse, die hier mit­un­ter direkt vor der Kameralinse rum­bau­meln. Heinrich wirft herr­lich scham­lo­se und daher unge­wohn­te Blicke auf männ­li­che Körper.

    An einer schlüs­si­gen Story zeigt die Filmemacherin der­weil kein Interesse. Jeder Dialog, jeder Frame zwit­schert es her­aus: Je suis ciné­ma! Die Selbstbespiegelung fängt mit der Wahl des 4:3‑Formats an und setzt sich in der sti­li­sier­ten Bildästhetik, dem extro­ver­tier­ten Tondesign und dem geküns­tel­ten Schauspiel fort. Hinzu kom­men Motiv-Dopplungen und Wiederholungen, eine musi­ka­li­sche Trickfilmsequenz oder Retro-Wischblenden à la „Star Wars“. Heinrich hat ihren Schlegel gele­sen und trans­fe­riert des­sen Autonomiepostulat ins Filmische. Die Form pro­du­ziert den Inhalt, bis die Selbstbespiegelung im digi­ta­len Bandsalat abreißt.

    Das Bemerkenswerte dar­an ist nicht das Artifizielle, son­dern der Glücksfall, dass der Film kein Stück lang­weilt. Das mit Filmseminarwissen voll­ge­pack­te Debüt ist kein markt­ge­rech­tes Thesengedöns, son­dern zuerst eine auf­ge­weck­te Gesellschaftskomödie mit einer schö­nen Form der Ironie – der vol­len Ironie näm­lich, die nicht nur plump das Gegenteil des Gesagten meint, son­dern gleich­zei­tig auch das Gesagte und man­ches dazwischen.

    Christian Horn | programmkino.de

    Credits:

    Deutschland 2019, 80 Min., Deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
    Regie & Buch: Susanne Heinrich
    Kamera: Agnesh Pakozdi
    Schnitt: Susanne Heinrich, Benjamin Mirguet
    mit: Marie Rathscheck, Nicolai Borger, Malte Bündgen, Dax Constantine, Monika Freinberger, Yann Grouhel, Julian Fricker, Nicolo Pasetti

    Trailer:

    Das melan­cho­li­sche Mädchen – Trailer from Salzgeber & Co. Medien GmbH on Vimeo.

  • Die Schattenjäger

    Die Schattenjäger

    Ein Film von Jonathan Millet.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Für die aller­meis­ten Beobachter völ­lig über­ra­schend begann Ende November 2024 ein kur­zer Sturm, der das seit über 50 Jahren regie­ren­de Regime der Assad-Familie weg­feg­te und – viel­leicht – den Weg in eine bes­se­re Zukunft für das von Diktatur und Bürgerkrieg gebeu­tel­te Syrien weist. Eine Frage, die sich in den nächs­ten Monaten und Jahren stel­len wird, lau­tet: Wie mit den Tätern umge­hen, nicht den Mitläufern, aber den Folterknechten, die in den Gefängnissen agier­ten und im Laufe der Jahre Tausende oder mehr ermor­de­ten und ver­krüp­pel­ten, kör­per­lich, aber auch seelisch.

    Diese Frage steht auch im Mittelpunkt von Jonathan Millets „Die Schattenjäger“, der im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes sei­ne Premiere fei­er­te und nun beson­de­re Relevanz erhält. Im Mittelpunkt steht Hamid (Adam Bessa), ein Syrer, der an der Universität Literatur unter­rich­te­te, bevor er in die Fänge des Regimes geriet, gefol­tert und in der Wüste aus­ge­setzt wur­de. Doch wider Erwarten über­leb­te Hamid und schloss sich einer klan­des­ti­nen Gruppe an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, syri­sche Täter zu jagen, die sich, oft getarnt als Flüchtlinge und Asylsuchende, in Europa verstecken.

    Aktuelles Ziel ist der Mann, der auch Hamid im berühmt-berüch­tig­ten Saidnaya-Gefängnis gefol­tert hat. Das Problem: Hamid hat sei­nen Peiniger nie zu Gesicht bekom­men, stets hat­te er eine Kapuze über dem Kopf, konn­te sei­nen Folterer nur hören und rie­chen. Dennoch glaubt er, ihn in Sami Hamma (Tawfeek Barhom) wie­der­zu­er­ken­nen, einem Studenten in Straßburg. Immer beses­se­ner wird Hamid von der Überzeugung, sei­nen Peiniger ent­deckt zu haben, doch die ande­ren Mitglieder der Gruppe sind vor­sich­tig. Einen Fehler kön­nen sie sich nicht leis­ten, zumal sich ihre Arbeit oft gefähr­lich nahe an der Selbstjustiz bewegt.

    Unweigerlich muss man ange­sichts des Themas an den Nazi-Jäger Simon Wiesenthal den­ken, der nur knapp den Holocaust über­leb­te und den Rest sei­nes Lebens dem Aufspüren von Tätern wid­me­te. Bewunderung bekam Wiesenthal zwar meist, bis­wei­len aber auch Kritik an sei­ner Arbeit, die letzt­end­lich auf pro­ble­ma­ti­sche Weise das Recht in die eige­nen Hände nahm.

    In der fik­ti­ven Figur des Hamid wird die Problematik noch frap­pie­ren­der, denn Hamid jagt nicht irgend­wel­che Täter, son­dern genau den Mann, der ihn einst selbst mona­te­lang aufs schwers­te fol­ter­te, wovon die Spuren auf sei­nem Rücken zeu­gen, vor allem aber die Spuren auf sei­ner Seele.

    Auch wenn „Die Schattenjäger“ wie ein Thriller beginnt, man sich durch­aus eine pla­ka­ti­ve­re Version der Geschichte vor­stel­len könn­te, in der Hamid und sei­ne Mitstreiter ohne Skrupel tat­säch­lich oder mut­maß­li­che Täter fas­sen und viel­leicht sogar töten, ent­schei­det sich Jonathan Millet – zum Glück – für einen ande­ren Schwerpunkt. Immer stär­ker wer­den die psy­chi­schen Folgen ange­deu­tet, die Hamid nicht nur durch die erlit­te­ne Folter mit sich trägt, son­dern vor allem auch dadurch, dass er sein Leben kom­plett auf den Wunsch nach Rache aus­ge­legt hat. Wenn er etwa die Syrerin Yara (Hala Rajab) trifft, die ihm anfangs miss­traut, ihm dann Hinweise gibt und schließ­lich sogar mit ihm flir­tet, wirkt Hamid völ­lig über­rascht, um nicht zu sagen über­for­dert von der Möglichkeit, eine Beziehung zu einer Person auf­zu­bau­en, die von Nähe und Wärme geprägt ist.

    Auch Rache, viel­leicht sogar der Tod sei­nes Peinigers, wür­de das Leid nicht rück­gän­gig machen, zu die­ser Erkenntnis gelangt Hamid nur lang­sam, der Weg dahin lässt aus dem anfäng­li­chen Polit-Thriller eine tra­gi­sche Erzählung wer­den, die am Ende weit über den Syrien-Konflikt hinausweist.

    Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    Les Fantômes FR 2024, 106 Min., Arab., Frz. OmU
    Regie: Jonathan Millet
    Kamera: Olivier Boonjing
    Schnitt: Laurent Sénéchal
    mit: Adam Bessa, Tawfeek Barhom, Julia Franz Richter, Hala Rajab, Safiqa El Till

    Trailer:
    Die Schattenjäger (Ghost Trail) Trailer Original mit dt. UT
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  • Flow

    Flow

    Ein Film von Gints Zilbalodis.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Gerade noch im üppi­gen Grün des Waldes her­um­ge­streift, hat sich die Katze im Haus gemüt­lich zum Schlafen ein­ge­rollt, als sie ein sich nähern­des Rumoren wahr­nimmt – eine rie­si­ge Wasserwelle flu­tet das Land. Unsere Heldin kann sich knapp auf ein vor­bei­schwim­men­des Segelboot ret­ten. Nun glei­tet sie dahin über das Meer, durch Urwälder, an spit­zen Bergkegeln vor­bei, die aus dem Wasser ragen, an Städten, die wie unwirk­li­che rie­si­ge Paläste aus­se­hen, stets ange­spannt auf­merk­sam, mit einer Mischung aus Neugierde und Furcht.
    Genau wie Gints Zilbalodis, der hier erst­mals mit einem grö­ße­ren Team arbei­tet, muss sich die klei­ne schwar­ze Katze, die bis­her allei­ne leb­te, auf Kooperation ein­stel­len. Mit an Bord kom­men näm­lich eben­falls unfrei­wil­lig ein ver­spiel­ter und gei­zi­ger Lemur, ein schläf­ri­ges Wasserschwein, der immer freund­li­che Golden Retriever, und der ver­letz­te, hilfs­be­rei­te Sekretär. Zum Überleben der Katastrophe müs­sen die fünf sich zusam­men­rau­fen, denn stets und über­all lau­ert Gefahr.
    Das groß­ar­ti­ge an Flow ist, dass die­se Crew nicht ver­mensch­licht wird. Alle behal­ten ihre tie­ri­schen Eigenarten, die sie aller­dings auf der Fahrt modi­fi­zie­ren müs­sen. Die Katze wird muti­ger, der Hund vor­sich­ti­ger, der Lemur lernt zu tei­len, der ver­sto­ße­ne Sekretär über­nimmt die Führung. Nur das Wasserschwein bleibt phleg­ma­tisch wie eh und je.
    Flow ist ver­träumt, episch, bedroh­lich und wun­der­schön. Das Beste von allem ist, dass die Tiere Tiere sind, wort­los und haupt­säch­lich mit ihrer eige­nen Sicherheit und ihrer nächs­ten Mahlzeit beschäf­tigt. Dennoch sind sie gezwun­gen, mit­ein­an­der aus­zu­kom­men, und sie wer­den zu mehr als der Summe ihrer pel­zi­gen und gefie­der­ten Teile. … Der Regisseur die­ser magi­schen Fabel ist Gints Zilbalodis, ein 30-jäh­ri­ger let­ti­scher Animator. Möge Hollywood ihn nie­mals mit Angeboten für Reichtum und Fortsetzungen umwer­ben …“ Ty Burr | Washington Post

    Oscar für den bes­ten Animationsfilm 2025

    Credits:

    LV/FR/BE 2023, 84 Min., ohne Dialog
    Regie: Gints Zilbalodis

    Kamera: Léo Silly Pélissier
    Schnitt: Gints Zilbalodis

    Trailer:
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  • Köln 75

    Köln 75

    Ein Film von Ido Fluk.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Köln 75 erzählt die wah­re Geschichte hin­ter einer der meist­ver­kauf­ten Jazzplatten aller Zeiten, dem „Köln Concert“ von Keith Jarrett aus dem Jahr 1975. Fast wäre das Konzert gar nicht zustan­de gekom­men, doch ein ent­schlos­se­ner deut­scher Teenager, die erst 18-jäh­ri­ge Vera Brandes, setz­te alle Hebel in Bewegung, um die Voraussetzungen für die Entstehung eines Meisterwerks zu schaf­fen. Vera, die noch zur Schule geht, als sie anfängt, in Köln Musikevents zu pro­du­zie­ren und zu pro­mo­ten, geht aufs Ganze, um die­ses Konzert auf die Bühne zu brin­gen. Es scheint, als stün­de alles gegen sie, doch Vera glaubt an die Kraft der Musik und hat noch nie jeman­den so spie­len sehen wie Keith Jarrett.

    Credits:

    DE/BE/PL 2024, 115 Min.,
    Regie: Ido Fluk
    Kamera: Jens Harant
    Schnitt: Anja Siemens
    mit Mala Emde, John Magaro, Michael Chernus, Alexander Scheer, Ulrich Tukur

    Trailer:
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  • Köln 75

    Köln 75

    Ein Film von Ido Fluk.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Köln 75 erzählt die wah­re Geschichte hin­ter einer der meist­ver­kauf­ten Jazzplatten aller Zeiten, dem „Köln Concert“ von Keith Jarrett aus dem Jahr 1975. Fast wäre das Konzert gar nicht zustan­de gekom­men, doch ein ent­schlos­se­ner deut­scher Teenager, die erst 18-jäh­ri­ge Vera Brandes, setz­te alle Hebel in Bewegung, um die Voraussetzungen für die Entstehung eines Meisterwerks zu schaf­fen. Vera, die noch zur Schule geht, als sie anfängt, in Köln Musikevents zu pro­du­zie­ren und zu pro­mo­ten, geht aufs Ganze, um die­ses Konzert auf die Bühne zu brin­gen. Es scheint, als stün­de alles gegen sie, doch Vera glaubt an die Kraft der Musik und hat noch nie jeman­den so spie­len sehen wie Keith Jarrett.

    Credits:

    DE/BE/PL 2024, 115 Min.,
    Regie: Ido Fluk
    Kamera: Jens Harant
    Schnitt: Anja Siemens
    mit Mala Emde, John Magaro, Michael Chernus, Alexander Scheer, Ulrich Tukur

    Trailer:
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  • Die Schattenjäger

    Die Schattenjäger

    Ein Film von Jonathan Millet.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Für die aller­meis­ten Beobachter völ­lig über­ra­schend begann Ende November 2024 ein kur­zer Sturm, der das seit über 50 Jahren regie­ren­de Regime der Assad-Familie weg­feg­te und – viel­leicht – den Weg in eine bes­se­re Zukunft für das von Diktatur und Bürgerkrieg gebeu­tel­te Syrien weist. Eine Frage, die sich in den nächs­ten Monaten und Jahren stel­len wird, lau­tet: Wie mit den Tätern umge­hen, nicht den Mitläufern, aber den Folterknechten, die in den Gefängnissen agier­ten und im Laufe der Jahre Tausende oder mehr ermor­de­ten und ver­krüp­pel­ten, kör­per­lich, aber auch seelisch.

    Diese Frage steht auch im Mittelpunkt von Jonathan Millets „Die Schattenjäger“, der im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes sei­ne Premiere fei­er­te und nun beson­de­re Relevanz erhält. Im Mittelpunkt steht Hamid (Adam Bessa), ein Syrer, der an der Universität Literatur unter­rich­te­te, bevor er in die Fänge des Regimes geriet, gefol­tert und in der Wüste aus­ge­setzt wur­de. Doch wider Erwarten über­leb­te Hamid und schloss sich einer klan­des­ti­nen Gruppe an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, syri­sche Täter zu jagen, die sich, oft getarnt als Flüchtlinge und Asylsuchende, in Europa verstecken.

    Aktuelles Ziel ist der Mann, der auch Hamid im berühmt-berüch­tig­ten Saidnaya-Gefängnis gefol­tert hat. Das Problem: Hamid hat sei­nen Peiniger nie zu Gesicht bekom­men, stets hat­te er eine Kapuze über dem Kopf, konn­te sei­nen Folterer nur hören und rie­chen. Dennoch glaubt er, ihn in Sami Hamma (Tawfeek Barhom) wie­der­zu­er­ken­nen, einem Studenten in Straßburg. Immer beses­se­ner wird Hamid von der Überzeugung, sei­nen Peiniger ent­deckt zu haben, doch die ande­ren Mitglieder der Gruppe sind vor­sich­tig. Einen Fehler kön­nen sie sich nicht leis­ten, zumal sich ihre Arbeit oft gefähr­lich nahe an der Selbstjustiz bewegt.

    Unweigerlich muss man ange­sichts des Themas an den Nazi-Jäger Simon Wiesenthal den­ken, der nur knapp den Holocaust über­leb­te und den Rest sei­nes Lebens dem Aufspüren von Tätern wid­me­te. Bewunderung bekam Wiesenthal zwar meist, bis­wei­len aber auch Kritik an sei­ner Arbeit, die letzt­end­lich auf pro­ble­ma­ti­sche Weise das Recht in die eige­nen Hände nahm.

    In der fik­ti­ven Figur des Hamid wird die Problematik noch frap­pie­ren­der, denn Hamid jagt nicht irgend­wel­che Täter, son­dern genau den Mann, der ihn einst selbst mona­te­lang aufs schwers­te fol­ter­te, wovon die Spuren auf sei­nem Rücken zeu­gen, vor allem aber die Spuren auf sei­ner Seele.

    Auch wenn „Die Schattenjäger“ wie ein Thriller beginnt, man sich durch­aus eine pla­ka­ti­ve­re Version der Geschichte vor­stel­len könn­te, in der Hamid und sei­ne Mitstreiter ohne Skrupel tat­säch­lich oder mut­maß­li­che Täter fas­sen und viel­leicht sogar töten, ent­schei­det sich Jonathan Millet – zum Glück – für einen ande­ren Schwerpunkt. Immer stär­ker wer­den die psy­chi­schen Folgen ange­deu­tet, die Hamid nicht nur durch die erlit­te­ne Folter mit sich trägt, son­dern vor allem auch dadurch, dass er sein Leben kom­plett auf den Wunsch nach Rache aus­ge­legt hat. Wenn er etwa die Syrerin Yara (Hala Rajab) trifft, die ihm anfangs miss­traut, ihm dann Hinweise gibt und schließ­lich sogar mit ihm flir­tet, wirkt Hamid völ­lig über­rascht, um nicht zu sagen über­for­dert von der Möglichkeit, eine Beziehung zu einer Person auf­zu­bau­en, die von Nähe und Wärme geprägt ist.

    Auch Rache, viel­leicht sogar der Tod sei­nes Peinigers, wür­de das Leid nicht rück­gän­gig machen, zu die­ser Erkenntnis gelangt Hamid nur lang­sam, der Weg dahin lässt aus dem anfäng­li­chen Polit-Thriller eine tra­gi­sche Erzählung wer­den, die am Ende weit über den Syrien-Konflikt hinausweist.

    Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    Les Fantômes FR 2024, 106 Min., Arab., Frz. OmU
    Regie: Jonathan Millet
    Kamera: Olivier Boonjing
    Schnitt: Laurent Sénéchal
    mit: Adam Bessa, Tawfeek Barhom, Julia Franz Richter, Hala Rajab, Safiqa El Till

    Trailer:
    Die Schattenjäger (Ghost Trail) Trailer Original mit dt. UT
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