Für Mira (29) läuft es gut. Vor kurzem hat sie die Leitung eines Supermarkts übernommen. Rückhalt gibt ihr die liebevolle Beziehung zu ihrem Mann Tarik und ihren beiden Töchtern. Doch ein einziger schwacher Moment, in dem es Mira nicht gelingt, die Wahrheit zu sagen, zieht andere Halbwahrheiten und Lügen nach sich. Und auf einmal geht es nur noch darum, das Scheitern nicht zuzulassen. Bis ihr am Ende alles krachend um die Ohren fliegt.
Credits:
DE 2025, 104 Min., deutsche OmeU Regie: Franz Müller Kamera: Julia Daschner Schnitt: Stefan Stabenow mit: Katharina Derr, Alex Brendemühl, Leonidas Emre Pakkan, Lana Cooper
Für Mira (29) läuft es gut. Vor kurzem hat sie die Leitung eines Supermarkts übernommen. Rückhalt gibt ihr die liebevolle Beziehung zu ihrem Mann Tarik und ihren beiden Töchtern. Doch ein einziger schwacher Moment, in dem es Mira nicht gelingt, die Wahrheit zu sagen, zieht andere Halbwahrheiten und Lügen nach sich. Und auf einmal geht es nur noch darum, das Scheitern nicht zuzulassen. Bis ihr am Ende alles krachend um die Ohren fliegt.
Credits:
DE 2025, 104 Min., deutsche OmeU Regie: Franz Müller Kamera: Julia Daschner Schnitt: Stefan Stabenow mit: Katharina Derr, Alex Brendemühl, Leonidas Emre Pakkan, Lana Cooper
Ein legendärer, aber in die Jahre gekommener Gangster namens Mahr (Louis-Do de Lencquesaing, der mir als Alter-Ego von Humbert Balsan in Mia Hansen-Loves großartigem Der Vater meiner Kinder heute noch in Erinnerung ist), beauftragt die Auftragskillerin Tez den Mord an einem seiner Geldkuriere zu rächen. In ihrem klassisch nach Film-Noir-Genre-Regeln erzählten, erstmals auf Französisch realisiertem Werk weben Regisseur Christoph Hochhäusler und Co-Autor Ulrich Peltzer zwischen den Schnittpunkten Gier, Macht und Manipulation ein raffiniertes Geflecht aus Intrigen und Verrat. „Grundsätzlich nimmt Hochhäusler das Genre beim Wort, entledigt sich jeglichen Überbaus und sucht auch nicht im engeren Sinn den Anschluss ans Gesellschaftsdiagnostische, etwa der Finanzwelt, der Mediengesellschaft oder irgendwelcher Identitätspolitiken. La mort viendra ist ein fatalistischer Gangsterfilm nach dem Vorbild von Jean-Pierre Melville, finster, kalt und auf das Notwendigste reduziert. Alles basiert auf Knappheit, Enge und Begrenzung: Plot, Räume, Bildausschnitte. … Engmaschig geknüpft sind auch die Erzählfäden; fast stehen sich die Figuren gegenseitig auf den Füßen herum. Es gibt wir und sie. Und dann gibt es auch noch die – nicht in Erscheinung tretenden – Italiener“. Filmdienst, Esther Buss
Credits:
DE/BE/LU 2024, 101 Min., französiche OmU Regie: Christoph Hochhäusler Kamera: Reinhold Vorschneider Schnitt: Stefan Stabenow mit: Sophie Verbeeck, Louis-Do De Lencquesaing, Marc Limpach, Mourade Zeguendi, Nassim Rachi
Trailer:
Der Tod wird kommen / La mort viendra [Offizieller Trailer FRANZÖSISCHHD] – Ab 12. März im Kino
PL 2024 R/B/K: Maria Zbąska 99 min, OmdU S: Andrzej Kowalski M: Anja Garbarek D: Zofia Chabiera, Marcin Sztabiński u. a.
Die impulsive Wanda ist nur noch genervt. Sie und ihr Freund Janek haben sich auseinandergelebt, ihre Beziehung steckt fest. Das Geld ist chronisch knapp, ständig gibt es Streit, der freudlose Alltag ist nur noch die Wiederholung des ewig Gleichen und Janeks routinierter Pragmatismus bringt sie zur Weißglut. Haben sie überhaupt noch eine gemeinsame Zukunft?
Für Wanda steht fest: Sie müssen durch gemeinsame Grenzerfahrungen wieder zueinander finden – oder für immer auseinandergehen. Also brechen sie auf, mitten im Winter, einmal 400 km den polnischen Ostseestrand entlang von West nach Ost. Es gilt die eiserne Regel: Sie dürfen den Strand nicht verlassen. Wird sie gebrochen, ist das Projekt beendet – das gilt für die Wanderung, aber auch für ihre Beziehung. Wind, Kälte und Erschöpfung setzen ihnen ebenso zu wie die Notwendigkeit, trotz unterschiedlicher Charaktere immer wieder einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden.
Maria Zbąska inszeniert in ihrem Debüt eine Reise, die keinen Anfang und kein Ende zu haben scheint – ein bittersüß-poetisches Psycho-Kammerspiel und ein Road-Movie ohne Straßen. [Rainer Mende]
Maria Zbąska (geb. 1975) absolvierte ein Kamera-Studium an der Filmhochschule Łódź und veröffentlichte ab 2001 sieben Kurzfilme, bevor sie 2024 mit „Das ist nicht mein Film“ ihren ersten Langfilm drehte. Für alle ihre Filme stand sie auch hinter der Kamera.
Die quirlige Alyssa und der zurückhaltende Mehdi, beide um die zwanzig, sind beste Freunde mit grossen Träumen: Sie will im Ausland durchstarten, er als Zeichner in Tunesien Fuss fassen. Als sie von einem Kunstwettbewerb auf Djerba erfahren, beginnt ein Roadtrip, der ihr Leben verändern könnte.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine innige Freundschaft. Die 19-jährige Alyssa muss sich neben ihren schulischen Verpflichtungen um ihre kleine Schwester und die kranke Mutter kümmern. Sie ist eine Rebellin und möchte der Enge in Tunis entfliehen. Mehdi ist zurückhaltend und bewirbt sich mehr schlecht als recht auf IT-Jobs, hofft aber insgeheim, eines Tages von seiner Zeichenkunst leben zu können. Als die beiden von einem Kunstwettbewerb erfahren, bei dem ein Atelieraufenthalt in Deutschland als Hauptpreis winkt, bekommen ihre Träume Flügel. Doch schon das Beschaffen eines Fahrzeugs bedarf Alyssas Kühnheit, und ehe Mehdi sich versieht, sind sie unterwegs durch ein unbekanntes Tunesien, das ebenso faszinierend wie gesellschaftlich erdrückend ist.
Mit spielerischer Leichtigkeit erzählt Amel Guellaty in ihrem Langfilmdebüt vom Elan einer Generation, die das enttäuschende Erbe des Arabischen Frühlings mit Fantasie, Humor und Improvisationstalent antritt. Mehdis Zeichnungen erwachen dezent zum Leben, Alyssas Vorstellungskraft sorgt für feine, surreale Tupfer und arabische Indie-Musik trägt das Filmpaar durch die Landschaft. Es entsteht das Porträt einer aufgeschlossenen Jugend, die wie überall auf der Welt ihr eigenes Potenzial entdecken muss, das manchmal greifbar nah liegt.
Der Franzose Jay (Romain Duris) hat sich entschieden aus Japan nach Frankreich zurückzukehren. Neun Jahre hat er als Taxifahrer in Tokyo vergeblich nach seiner Tochter Lily gesucht. Nach ihrer Trennung ist Jays Frau mit der gemeinsamen Tochter in Tokyo untergetaucht. Jay hat seiner Frau die Scheidung verweigert, weil er sonst nach japanischem Recht jedes Anrecht verlieren würde seine Tochter vor ihrer Volljährigkeit wiederzusehen. Für Jay heißt es nun, sein Haus verkaufen und Abschiednehmen von seiner Sorgerechtsanwältin Michiko (Tsuyu), und der Selbsthilfegruppe aus Männern und Frauen, Japanern und Ausländern, denen allen der regelmäßige Zugang zu ihren Kindern verweigert wird. Gerade neu hinzugekommen ist Jessica (Judith Chemla) deren Sohn Lucas nach der Trennung seiner Eltern von seinem Vater von Paris nach Tokyo entführt worden ist. Als Jay eine Schicht für einen erkrankten Kollegen in einem anderen Stadtteil übernimmt steigt ein Mädchen (Mei Cirne-Masuki) in seinen Wagen das seine Tochter sein könnte. Jays Vater, der in Paris auf ihn wartet, warnt ihn, dass es das 10te Mal sei, dass er glaubt seine Tochter gefunden zu haben.
Credits:
Une part manquante FR/BE 2024, 98 Min., franz. OmU Regie: Guillaume Senez Kamera: Elin Kirschfink Schnitt: Julie Brenta mit: Romain Duris, Judith Chemla, Mei Cirne-Masuki, Tsuyu
Auf einer Party lässt sich die 13jährige Alpha (Mélissa Boros) ein Tattoo stechen: Wie ein Blitz wirkt das A, das nun ihren Oberarm ziert. Dass ein so junges Mädchen auf Parties anzufinden ist, könnte für eine gewisse Verwahrlosung sprechen, doch das Gegenteil ist der Fall. Ihre Mutter (Golshifteh Farahani) liebt sie über alles, zieht sie seit Jahren allein auf – vom Vater ist nie die Rede – und hat es bis zur Position einer Ärztin geschafft.
Anderen zu helfen scheint der Mutter, die namenlos bleibt, angeboren zu sein, denn auch ihren Bruder Amin (Tahar Rahim) pflegt sie immer wieder, nimmt ihn auf, wenn die Sucht ihn wieder einmal obdachlos gemacht hat, rettet ihm das Leben, wenn er einer Überdosis nahe ist.
Und als Ärztin weiß die Mutter, welche Gefahr das unbedachte Tattoo für ihre Tochter bedeutet: Ob die Nadel sauber war, will sie von Alpha wissen, ob sie vorher in einem anderen Arm steckte, mit fremdem Blut verschmutzt war. Denn mittels Blut wird das Virus übertragen, dass auch von Amin längst besitzt ergriffen hat, dass auch die Patienten in dem Krankenhaus quält, in dem die Mutter arbeitet: Mehr Palliativstation als Krankenhaus, denn das Virus marmorisiert die Körper der Infizierten, ergreift langsam aber unausweichlich vom ganzen Körper Besitz und verwandelt ihn in eine Statue von unwirklicher Schönheit.
Das A auf Alphas Arm bezieht sich einerseits auf ihren Namen, zitiert das A, dass die Ehebrecherin Hester Prynne in Nathanial Hawthrones Roman „Der scharlachrote Buchstabe“ zum Zeichen ihrer Transgression tragen musste, und verweist schließlich auf AIDS. Zwar fallen die Begriffe AIDS oder HIV nicht, aber die Bezüge sind mehr als deutlich. Nicht ganz in unserer Welt spielt „Alpha“ dabei, sondern in einer Art Parallelwelt, die so aussieht wie die Welt Anfang der 90er Jahre, in der AIDS seinen größten Schrecken hatte, die aber universeller und am Ende auch phantastischer wirkt.
Wirkt „Alpha“ anfangs noch wie eine jener Geschichten, in denen eine Außenseiterin, von ihren Mitschülern ausgeschlossen und gehänselt wird, entwickelt sich Julia Ducournaus Film bald zu etwas anderem, interessanteren. Zunehmend wird die Welt außerhalb der Wohnung der Mutter ausgeblendet, konzentriert sich die Geschichte auf Alpha, die Mutter und Amin. Gegenwärtiges verschwimmt mit Erinnerungen, in manchen Szenen scheint Alphas 13jähriges mit ihrem 5jährigen Ich zu verschmelzen, wie ein Fiebertraum oder den Wahnvorstellungen eines Heroinrausches.
Ihren Darstellern verlangt Julia Ducournau dabei einiges ab, besonders Mélissa Boros, die hier in ihrer ersten Rolle zu sehen ist und neben Golshifteh Farahani und besonders Tahar Rahim besteht. Abgemagert, mit herausstehenden Rippen, verkörpert Rahim seine Figur, zeigt auf berührende Weise sein Leid, seine Sucht, bald auch seinen Wunsch auf Erlösung von seinen Qualen.
In vielerlei Hinsicht mutet „Alpha“ konventioneller an als Ducournaus erste beiden Filme „Raw“ und „Titane“, die auf den ersten Blick radikaler wirkten, bisweilen ihre Lust an der Provokation ausstellten. „Alpha“ dagegen wirkt reifer, bewusster, verliert sich nicht mehr in betont transgressiven Momenten, sondern beschreibt auf emotionale und besonders in der zweiten Hälfte mitreißende Weise, wie drei Menschen herauszufinden wollen, wann und ob es sich zu Leben lohnt. Ein überraschendes, hartes, berührendes Drama über die Folgen einer Epidemie auf eine Familie. Michael Meyns | programmkino.de
Agadez war einst das Drehkreuz der Migration von Subsahara-Afrika nach Norden. Die lokale Bevölkerung, vor allem Tuareg, transportierten die Menschen auf dem lebensgefährlichen Weg durch die Wüste. Diese lukrative Einnahmequelle sicherte über Jahre den Wohlstand von Stadt und Region. Als Teil der ECOWAS Wirtschaftsgemeinschaft herrschte in Niger freier Personenverkehr. 2015 drängte die EU auf ein Gesetz, das den Transport von Menschen ohne Arbeitsvisum und ID kriminalisierte.Viele Migrant:innen an der virtuellen Grenze hatten plötzlich einen illegalen Status, aus Transporteuren wurden Schlepper, und tausende verloren über Nacht ihre Lebensgrundlage. Das Versprechen der EU, die negativen Folgen des Gesetzes durch Umschulungsprogramme abzufedern, wurde kaum eingelöst, und nicht nur Nigriner:innen stellten sich die Frage: Was machen Amerika und Europa hier eigentlich? Der Umgang der Bevölkerung mit dieser EU-Außengrenze mitten in Afrika bildet den roten Faden des Films. Er begleitet drei Einheimische über fünf Jahre, bis zum Putsch 2023: den ehemaligen Bürgermeister Agadez’, eine Journalistin und einen Händler, und zeichnet ein Bild der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden früheren Handelsmetropole. Wie wirkt sich die Anwesenheit der fremden Militärs aus, wieweit fördert die Perspektivlosigkeit Radikalisierung? „Rhissa Feltou, ehemaliger Bürgermeister von Agadez … bezeichnet im Film die Region als „Migrationslabor der Europäer“. Wie Viele befürchtete auch er, dass mit dem Gesetz eine „bombe humaine“ entstehen würde … . Afrikanische Ableger des Islamischen Staates und von Al-Qaida begannen in der Region und den angrenzenden Staaten immer mehr an Einfluss zu gewinnen. Mit dem Zerfall Libyens liefen wichtige Routen für den Waffen- und Drogenschmuggel über Agadez. Es entstand eine Zone der Gewalt in einem schwer kontrollierbaren Gebiet, das größer ist als das Mittelmeer.“ G. Hauzenberger, und G. Schild
Credits:
AT/DE/CH 2024, 103 Min., Tamascheq, Hausa, Fulah, Französisch, Deutsch. OmU Regie: Gerald Igor Hauzenberger & Gabriela Schild Kamera: Thomas Eirich-Schneider, Gerald Igor Hauzenberger, Hajo Schomerus, Joerg Burger Schnitt: Nela Märki, Stefan Fauland
Trailer:
ONTHEBORDER // Trailer // Kinostart mit Kinotour am 19.03.26
„Als ich AUSSERATEM und andere Filme der Nouvelle Vague sah, dachte ich: „So etwas ist möglich?“ Diese Freiheit faszinierte mich. Ich wusste nichts über das Filmemachen, aber ich konnte spüren, wie cool, freudig und revolutionär der Film war. Kurze Zeit später, als alle hörten, dass ich mich nun für Kino interessierte, lieh mir ein Freund meiner Eltern sein Buch über die Nouvelle Vague. Diese Ära des Kinos ist für mich nach wie vor von grundlegender Bedeutung. Und niemand verkörpert sie besser als Godard. Er tut das Verbotene, er skizziert, er improvisiert. Ich liebe seinen Humor, seine Körperlichkeit, seine Kühnheit. Er folgt keinen Regeln außer seinem eigenen filmischen Bewusstsein. Als er seinen ersten Spielfilm drehte, hinkte er seinen Freunden von Cahiers du Cinéma hinterher. Er war besorgt, ängstlich, hatte Angst, die Welle verpasst zu haben. Ihm fehlte es an Selbstvertrauen. Ich finde das sehr liebenswert und ganz anders, als man ihn sich später in seiner Karriere vorstellen wird. Aus heutiger Sicht steht AUSSERATEM in der Mitte der Filmgeschichte. Es schien jetzt der perfekte Moment, um die Radikalität und den Wagemut dieses Films wieder zu erleben. Um uns daran zu erinnern, dass das Kino sich immer wieder neu erfinden kann. Ein verspieltes Porträt einer eng verbundenen Gemeinschaft von Filmfanatikern zu zeichnen, die Kino leben, in sich aufnehmen und atmen. Um zu erforschen, wie eine neue Art des persönlichen Filmemachens entstand. Und um zu zeigen, dass das Kino ein innovatives Medium ist – und immer sein wird. Es ging aber nicht darum, AUSSERATEM neu zu verfilmen, sondern den Filmklassiker aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Ich wollte mit meiner Kamera in das Jahr 1959 eintauchen und die damalige Zeit, die Menschen und die Atmosphäre nachstellen. Ich wollte mit den Leuten der Nouvelle Vague abhängen.” Richard Linklater
Credits:
FR 2025, 105 Min., franz. OmU Regie: Richard Linklater Kamera: David Chambille Schnitt: Catherine Schwartz mit: Guillaume Marbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin, Adrien Rouyard, Antoine Besson, Jodie Ruth Forest
Ursprünglich gab es nur die Geschichte einer einzelnen jungen Frau, die viel zu früh schwanger wird. Nach dem Besuch des Mutter-Kind-Heimes in der Nähe ihres Wohnsitzes in Lieges war den Brüdern Dardenne jedoch klar, was sich ändern wird: „Wir gingen zu diesem Haus, das ein Heim für minderjährige Frauen war. Wir gingen mehrmals hin, um Informationen zu sammeln. Wir sprachen viel mit den Betreuerinnen. Es gab keine Männer. Es gab nur Frauen. Es war eine rein weibliche Umgebung. Mit der Leiterin, einer Psychologin, verbrachten wir viel Zeit dort. Wir waren fasziniert von dem Lebensgefühl, das wir dort spürten, auch wenn es natürlich auch Probleme gab. Es war kein Paradies. Aber es gab dort diese Art von Lebenskraft, die uns sowohl anspornte als auch anzog. Und dann sagten wir zueinander: „Wir müssen den Film hier drehen.“ Es war dieses Gefühl, dass das Leben voranschreitet, sich unsicher weiterentwickelt, und die Zerbrechlichkeit davon – das hat uns beflügelt. Dieser Ort steht in Beziehung zu der Gewalt, aus der all diese Teenager kommen – aus häuslicher Gewalt, Armut, zerbrochenen Familien, wo die jüngeren Generationen das reproduzieren, was die älteren getan haben. Und diese Einrichtung schien sich für uns gegen all diese zyklische Fortsetzung anzukämpfen. Dieses Haus ist ein Zufluchtsort, an dem sie sicher sein können, aber es ist mehr als das: Es ist ein Ort, der Leben verändert.“ So erweiterte sich der Kreis von einer auf fünf junge Mütter, die mit ihrer neuen Rolle, ihrer Verantwortung und sehr vielen Hürden zu kämpfen haben: Perla, Jessica, Ariane, July und Naïma.
„Fast dokumentarisch begleiten wir sie dabei, wie sie einander Solidarität geben und in ihren Beziehungen zu ihren Partnern und ihren Müttern enttäuscht und verletzt werden, Fehler machen und über sich hinaus wachsen. Sie kämpfen auf sehr unterschiedliche Weise mit familiären Traumata und der Verantwortung, junge Mütter zu sein. Dabei treffen sie Entscheidungen, die nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das Leben ihrer Kinder langfristig beeinflussen und prägen. Jeunes mères – Junge Mütter besticht durch einen Mix aus Freude, Liebe, Trauer und Enttäuschung, aus Nähe, Distanz und weiblicher Solidarität.“ Lea Lünenborg | Filmlöwin
Milena Aboyans Debut Elaha lief vor drei Jahren bei der Berlinale, jetzt hat sie mit dem damaligen Drehbuchautor Constantin Hatz gemeinsam Regie geführt: Wovon sollen wir träumen premierte beim Max-Ophüls-Preis und bekam neben dem Preis der Ökomenischen Jury auch den Publikumspreis „Spielfilm“ zugesprochen. Eher Langzeitbeobachtung als Momentaufnahme, zeigt der Film behutsam und mit hoher psychologischer Glaubwürdigkeit auf, wie beim Zusammenleben alles miteinander zusammenhängt und wie Empathie und Nähe möglich, aber auch gleichzeitig schwierig sein können. Evîn, Laura und Julia treffen sich zufällig an einer Lebensmittelausgabestelle für Bedürftige, als die Kurdin Evîn dort von einem Mann rassistisch beleidigt wird, ihr die Freigängerin Laura zur Hilfe kommt und, als die Situation eskaliert, die Polizei in Person von Julia schlichten soll. Wir sehen, wie jede einzelne der drei Frauen mit eigenen Problemen kämpft. Sichtbar sind dabei die Sorge um das Bleiberecht, der Gefängnisaufenthalt und die häusliche Gewalt. Weiter darunter verbergen sich aber Traumata, auch solche, die von den Eltern an die Kinder weitergegeben wurden. Zum Schluss räumt der Film seinen Protagonistinnen zwar weniger die Möglichkeit einer Befreiung ein, geschweige denn einer Rebellion, schenkt ihnen aber einen versöhnlich-tröstenden Ausblick. „Noch weiter im episodischen Erzählen geht »Wovon sollen wir träumen« von Milena Aboyan und Constantin Hatz, der die Lebenswege dreier Frauen (und ihrer Beziehungen) so meisterhaft verbindet, dass einem unweigerlich ‚Short Cuts‘ von Altman dazu einfällt.“ epd-Film
Credits:
DE 2025, 108 Min., Dt., Kurd., Engl., mit dt. UT Regie: Milena Aboyan, Constantin Hatz Kamera: Rafael Starman Schnitt: Elias Ben Engelhardt, Marco Rottig mit: Lea van Acken, Luise Aschenbrenner, Bayan Layla, Valerie Tscheplanowa, Louis Nitsche
Trailer:
WOVONSOLLENWIRTRÄUMEN Trailer – ab 19. Februar 2026 im Kino
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