Ein Film von Boris Lojkine. Am 2.3. mit Einführung über die arbeitsrechtliche Situation in DE, ein Diskussionstermin mit der KUB (Kontakt- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und Migrant_innen e.V.) folgt.
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In mancher Hinsicht erinnert Lojkines dritter Spielfilm an eine rasante Neuauflage des italienischen Meisterwerks Fahrraddiebe und zeigt, wie die alte Geschichte aus der Nachkriegszeit auch heute passieren könnte oder sogar passiert – in einer Zeit, in der Einwanderer unter katastrophalen Bedingungen unergiebige, aber erwünschte Arbeiten in Städten auf der ganzen Welt ausüben, Jobs, die am unteren Ende einer von Gleichgültigkeit geprägten Gig-Economy stehen.
Der Film begleitet den Guineaner Souleymane auf seiner Fahrt durch die Pariser Boulevards, und wir erleben einige der haarsträubendsten Fahrradszenen seit Buster Keaton. Die Kamera von Tristan Galand filmt die sich ständig verändernde Hauptstadt Frankreichs mit verschwommener impressionistischer Schönheit, und bleibt dabei Souleyman, stets Mittelpunkt des Geschehens, in der vom Anstand gebührender Nähe auf den Fersen. Der befindet sich in einer prekären Lage – nicht nur in Bezug auf den Verkehr, oder nach dem Diebstahl seines Gefährts, sondern auch wirtschaftlich und emotional. Ständig unter der Kontrolle und in Zeitdruck, kann er auch schon mal gegenüber einem Restaurantbesitzer, der beleidigend ist und ihn warten lässt, seine eigene Kontrolle verlieren. Die ständigen Demütigungen zermürben den jungen Mann, und der bevorstehende Prüfungstermin seines Asylantrags tut das übrige.
„Boris Lojkine erzählt die Geschichte eines Mannes, der aus Verzweiflung lügt, sich dabei verliert und schließlich in noch mehr Verzweiflung wiederfindet. Und wir reagieren darauf für einmal nicht wie pawlowsche Kinohunde mit Rührung und Schrecken und schnellem Vergessen, sondern mit der Erkenntnis, das wir um den Schrecken ja wissen, dass uns unerwartete Freundlichkeit gegenüber dem Protagonisten aus der filmischen Bahn werfen kann, und dass die Kulisse, die wir da sehen, die Welt ist, in der wir leben.“ Sennhausers Filmblog



Credits:
L’Histoire de Souleymane
FR 2024, 93 Min., Französisch, Pular, Maninka OmU
Regie: Boris Lojkine
Kamera: Tristan Galand
Schnitt: Xavier Sirven
mit: Abou Sangare, Nina Meurisse, Alpha Oumar Sow, Emmanuel Yovanie, Younoussa Diallo, Ghislain Mahan, Mamadou Barry, Yaya Diallo, Keita Diallo
Trailer:
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