November 2021: 26 Kunstschätze des Königreichs Dahomey verlassen Paris und kehren in ihr Herkunftsland, das heutige Benin, zurück. Zusammen mit Tausenden anderen Gegenständen wurden sie 1892 von französischen Kolonialtruppen geraubt. Doch wie sollen die zurückkehrenden Objekte empfangen werden, in einem Land, das sich während ihrer Abwesenheit stark verändert hat? Unter den Studierenden der Universität von Abomey-Calavi in Benin entflammt eine politische Debatte.
Berlinale 2024: Goldener Bär
Credits:
FR/SN/BJ 2024, 67 Min., Französisch, Fon, Englisch OmU Regie: Mati Diop Kamera: Josephine Drouin Viallard Schnitt: Gabriel Gonzalez
November 2021: 26 Kunstschätze des Königreichs Dahomey verlassen Paris und kehren in ihr Herkunftsland, das heutige Benin, zurück. Zusammen mit Tausenden anderen Gegenständen wurden sie 1892 von französischen Kolonialtruppen geraubt. Doch wie sollen die zurückkehrenden Objekte empfangen werden, in einem Land, das sich während ihrer Abwesenheit stark verändert hat? Unter den Studierenden der Universität von Abomey-Calavi in Benin entflammt eine politische Debatte.
Berlinale 2024: Goldener Bär
Credits:
FR/SN/BJ 2024, 67 Min., Französisch, Fon, Englisch OmU Regie: Mati Diop Kamera: Josephine Drouin Viallard Schnitt: Gabriel Gonzalez
In Pedro Almodóvars erstem englischsprachigen Spielfilm spielen Tilda Swinton und Julianne Moore die einstigen Freundinnen Ingrid und Martha. Als sie sich wiederbegegnen, ist Martha unheilbar an Krebs erkrankt und hat einen letzten Wunsch.
THEROOMNEXTDOOR, der eben mit dem Goldenen Löwen in Venedig ausgezeichnet wurde, ist Pedro Almodóvars erster englischsprachiger Film. Tilda Swinton und Julianne Moore spielen zwei Freundinnen, die einander einst sehr nahe waren, und die auch ein gemeinsamer Ex-Lover verbindet, aber die schon lange den Kontakt verloren haben. Bei einer Lesung in New York erfährt Ingrid (Moore), die inzwischen erfolgreiche Schriftstellerin ist, dass Martha (Swinton), die ihr Geld als Kriegsberichterstatterin verdient hat, schwer an Krebs erkrankt ist. Sie besucht Martha im Krankenhaus und wird fast durch Zufall, weil sie gerade da ist, und auch weil sie nicht nein sagen kann, zur Verbündeten von Marthas letzten Lebenstagen. Denn Martha wünscht sich einen selbstbestimmten Tod, den sie wie ein raffiniertes Verbrechen bis ins Detail geplant hat, und sie wünscht sich einen Menschen, der dann in ihrer Nähe ist.
Dass die Art, wie Martha Ingrid in ihre Pläne einbindet, an emotionale Erpressung grenzt, gehört ebenso zu den Ecken und Kanten der Erzählung wie die Tatsache, dass Ingrid Martha nicht erzählt, dass sie noch Kontakt zu besagtem Ex-Lover hat. THEROOMNEXTDOOR nach dem Roman „What Are You Going Through?“ von Sigrid Nunez ist so etwas wie Almodóvars farbenfrohe Fantasie von einem möglichst guten Tod im Angesicht von Krankheit und Verfall, und deren Versatzstücke unterscheiden sich von den üblichen filmischen Angeboten, die meist von Versöhnung mit den Liebsten, Befreiung von Schuld oder schonungsloser Ehrlichkeit träumen. Mehrfach kreisen die Gespräche um Kunst, die auch noch Bestand hat, wenn alles andere in Desinteresse versinkt – immer wieder wird „The Dead“ von Joyce zitiert -, die Farbgestaltung schwelgt in geschmackvollen Kontrasten, und das zentrale Thema ist wie so oft bei Almodóvar die radikal selbstbestimmte Gestaltung des eigenen Lebens.
THEROOMNEXTDOOR erinnert an Almodóvars LEIDUNDHERRLICHKEIT in der Art, wie die einzelnen Figuren und Gespräche eher Vehikel für Überlegungen des Regisseurs zu sein scheinen als psychologisch glaubhafte Personen. Besonders fällt das bei Julianne Moore auf, die man sonst für ihre nuancenreiche, naturalistische Darstellung kennt. Zu Almodóvars Positionen gehört dabei auch der vehemente Einsatz für eine Legalisierung der Sterbehilfe. Aber auch die Gegenposition formuliert der Film. Einmal sagt Ingrid: „Es geht um das Recht, in Würde zu sterben.“ und ihr Gegenüber entgegnet lakonisch: „Mach dir keine Sorgen, wenn das Gesundheitssystem zusammenbricht, werden wir das alle.“
Hendrike Bake | indiekino
Credits:
DE 2023, 90 Min., engl. OmU Regie: Pedro Almodóvar Kamera: Eduard Grau Schnitt: Teresa Font mit: Tilda Swinton, Julianne Moore, John Turturro, Alessandro Nivola, Juan Diego Botto
Charly Hübner hat einen Film über ELEMENTOFCRIME gedreht. Dieser Film erzählt die Geschichte und Gegenwart von ELEMENTOFCRIME, es geht um Musik, Freundschaft, eine Haltung zur Welt und über das Geheimnis, wie man über 30 Jahre zusammen Musik macht. Er folgt der Band auf einer kleinen Tour durch Berlin, die eigens zu diesem Zweck organisiert wurde und die vom kleinen Privatclub über SO36, Lido, Admiralspalast zu größten Konzert im OpenAir der Zitadelle Spandau führte, immer mit ausgesuchtem Support. Es ist ein Heimatfilm, dabei auch etwas nostalgisch. Es gibt viel 80er/90er und SO 36, nicht mehr existierende Punkte in Schöneberg, Cafe Swing, Risiko, Kob und berichtet aus der Zeit, als es nicht cool war, eine Band aus Berlin zu sein, sondern nur noch Klischee. Wie man die NDW überlebte, wie die unterschiedlichen Richtungen und Schwerpunkte der einzelnen Bandmitglieder zusammenkamen. Was wichtig war, ein bisschen Eingemachtes, wie Musik gemacht und wie gelebt wurde, und wie sowas heutzutage nur noch als Phrase existiert. Für alle, die dabei waren, hätten dabei sein, oder einfach nur mal schauen und hören wollen. Bemerkenswerterweise werden die Tracks fast durchweg – eine Seltenheit in Filmen mit Thema Musik – ausgespielt! „Ein Film über uns und dann auch noch auf Tournee, das hat etwas von Tierfilm und wir dann die Tiere, da muss man auf einen guten Regisseur hoffen und das ist Charly Hübner. Wir wussten, er liebt die Band, wir vertrauten ihm und wir hatten Recht damit. Der Film ist toll, ganz anders, als erwartet, und das sind immer die besten Filme.“ Sven Regener
Credits:
DE 2024, 93 Min., Regie: Charly Hübner Kamera: Casey Campbell Schnitt: Christoph Brunner mit: Sven Regener, Jakob Ilja, Richard Pappik und Maike Rosa Vogel, Florian Horwarth, Isolation Berlin, Von wegen Lisbeth, Steiner & Madlaina, Ansa Sauermann
Trailer:
ELEMENTOFCRIME in ‚Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin‘ | TRAILER – Jetzt für zuhause
Sylvia arbeitet als Pflegerin, ist alleinerziehende Mutter einer wunderbaren Tochter, hat die Alkoholsucht hinter sich gelassen und ein gutes Verhältnis zu ihrer Schwester und Menschen um sich herum, die sie schätzen und mögen. Doch tief in sich trägt Sylvia ein tiefes Trauma. Als sie von einem Klassentreffen nach Hause geht, wird sie von einem fremden Mann verfolgt. Dieser Mann heißt Saul und leidet unter dem Anfangsstadium der Demenz. Und auch wenn das erste Zusammentreffen der Beiden unter keinem guten Stern steht, nähern sich Sylvia und Saul langsam an. Denn sie spüren, dass sie eine große Verletzlichkeit verbindet. Dem Film gelingt es, die Annäherung dieser beiden „verlorenen Seelen“ und die Liebesbeziehung in einer unglaublich anrührenden Zartheit zu inszenieren.“
Aus der Jury Begründung der Filmbewertugsstelle – FBW: „Dabei ist MEMORY von ganz eigener, auch visueller Eleganz. Francos Film wirkt wie aus einem Guss. Tatsächlich zeichnet Franco für Regie, Buch und auch Schnitt verantwortlich. Und auch die Kamera folgt dem Konzept des Films. Bis auf wenige introduzierende Großaufnahmen zu Beginn, beschränkt sich Francos Leib-und Magen-Kameramann Yves Cape maximal auf Halbtotalen, die das Publikum Sylvia und Saul niemals zu nahe kommen lässt. MEMORY nimmt sich Zeit und Raum für die Gefühle seiner Protagonisten, traut sich, psychische Erkrankungen ernst zu nehmen, verliert sich aber nicht in Rührseligkeit. Dramaturgisch geschickt ist MEMORY von Anfang an unterschwellig so spannend angelegt, dass die Jury keine Sekunde hätte versäumen wollen. In der Tat hat die Jury selten ein an sich sperriges Thema mit so viel Eleganz, bildlicher Ästhetik und Dramaturgie so überzeugend für die Leinwand inszeniert gesehen.“
Credits:
US, MX 2023, 103 Min., engl. OmU Regie: Michel Franco Kamera: Yves Cape Schnitt: Oscar Figueroa Jara, Michel Franco mit: Jessica Chastain, Peter Sarsgaard, Merritt Wever, Brooke Timber, Josh Charles
Durch illegale Viehzucht werden große Teile des Regenwaldes in Nicaragua zerstört. Die indigenen Rama und die afro-stämmigen Kriol durchkämmen gemeinsam mit Undercover-Journalist Christopher Jordan das Naturreservat „Indio Maíz“, um nach illegalen Siedlern zu suchen. Doch diese machen keinen Hehl daraus, dass sie kein Interesse haben, die Abholzung zu stoppen, denn die Nachfrage nach nicaraguanischem Rindfleisch ist groß, vor allem in den USA.
Die Dokumentarfilmer Camilo de Castro Belli und Brad Allgood begleiten den Kampf der Ranger gegen das übermächtige Fleisch-Kartell, das seine Produkte profitabel in westliche Länder exportiert.
Indio Maíz ist einer der wichtigsten feuchten Tropenwälder Mittelamerikas mit einer Fläche von 2.639 Quadratkilometern (263.980 Hektar), in dem die Rama- und Afro-Nachkommen der Kriol und mehr als 500 verschiedene Tierarten leben.
Rindfleisch ist nach Gold und Kaffee das drittgrößte Exportgut Nicaraguas, und sein Hauptmarkt sind die Vereinigten Staaten. Dieses Fleisch, so prangert der Dokumentarfilm an, stammt aus Schutzgebieten wie Indio Maíz, die abgeholzt werden.
„Wir lieben das Reservat, wir lieben die Natur… Wir wollen nicht verlieren, was wir haben.“ Armando John ist einer von einem Dutzend Rangern, die im Biologischen Reservat Indio Maíz in Nicaragua patrouillieren, um die Invasion ihres Territoriums und das Vordringen der illegalen Viehzucht zu dokumentieren.
Credits:
Patrullaje NI/US 2023; Regie: Camilo de Castro Belli, Brad Allgood, 83 Min. Kreolisch/Englisch/Spanisch OmdU
Nach Das merkwürdige Kätzchen geht es im Ramon Zürchers dritten Teil der „Tier-Trilogie“ erneut um das Konstrukt von Familie, genauer, um deren folgenreiche Zumutungen. Am Vorabend einer Geburtstagsfeier im Anwesen der verstorbenen Eltern, in das Karen mit Mann und Kindern eingezogen ist, trudeln mit ihre Schwester Jule samt Anhang bereits die ersten Gäste ein. In den folgenden ersten Zweidritteln des Films zelebriert er trotz aller großer-Freude-Bekundungen und mehr oder weniger herzlicher Umarmungen die Zerlegung der Beziehungen sowie die Beschädigungen der Einzelnen aufs Böseste – ein Glanzstück analytischer Gemeinheit. Temporäre Solidarisierungen und all‘ die toll zubereiteten Gerichte, Kinderspiele, die Tiermenagerie und romantische Abendidylle mit Lichterkette und Glühwürmchen und Swimmingpool im Garten kaschieren da wenig, zumal auch das Haus die Vergangenheit in sich trägt. Die Insel im See hat sowieso schon vor den Kormoranen kapituliert. Je länger der Abend dauert, desto surrealer wird es, und mit etwas Fantasie, viel Schlaf, Träumen und dem ein oder anderen reinigenden Feuer scheint es, als könnten sich am nächsten Tag einige Knoten auflösen. „… präzise inszeniert und gespielt, mit Witz und Ironie erzählt. …“ programmkino.de „Der Spatz im Kamin ist so elegant und raffiniert wie seine beiden Vorgängerfilme und bisweilen auch ähnlich vergnüglich. Zugleich aber gelingt es Ramon Zürcher mit seinen hervorragenden Darstellerinnen und Darstellern ein neues Gleichgewicht des Charmes und des Schreckens zu schaffen, das unter die Haut geht.“ Sennhausers Filmblog
Credits:
CH 2024, 117 Min., deutsche Originalfassung mit englischen Untertiteln Regie & Schnitt: Ramon Zürcher Kamera: Alex Hasskerl Produzent: Silvan Zürcher mit: Maren Eggert, Britta Hammelstein, Luise Heyer, Andreas Döhler, Milian Zerzawy, Lea Zoe Voss, Ilja Bultmann, Paula Schindler, Luana Greco
In Pedro Almodóvars erstem englischsprachigen Spielfilm spielen Tilda Swinton und Julianne Moore die einstigen Freundinnen Ingrid und Martha. Als sie sich wiederbegegnen, ist Martha unheilbar an Krebs erkrankt und hat einen letzten Wunsch.
THEROOMNEXTDOOR, der eben mit dem Goldenen Löwen in Venedig ausgezeichnet wurde, ist Pedro Almodóvars erster englischsprachiger Film. Tilda Swinton und Julianne Moore spielen zwei Freundinnen, die einander einst sehr nahe waren, und die auch ein gemeinsamer Ex-Lover verbindet, aber die schon lange den Kontakt verloren haben. Bei einer Lesung in New York erfährt Ingrid (Moore), die inzwischen erfolgreiche Schriftstellerin ist, dass Martha (Swinton), die ihr Geld als Kriegsberichterstatterin verdient hat, schwer an Krebs erkrankt ist. Sie besucht Martha im Krankenhaus und wird fast durch Zufall, weil sie gerade da ist, und auch weil sie nicht nein sagen kann, zur Verbündeten von Marthas letzten Lebenstagen. Denn Martha wünscht sich einen selbstbestimmten Tod, den sie wie ein raffiniertes Verbrechen bis ins Detail geplant hat, und sie wünscht sich einen Menschen, der dann in ihrer Nähe ist.
Dass die Art, wie Martha Ingrid in ihre Pläne einbindet, an emotionale Erpressung grenzt, gehört ebenso zu den Ecken und Kanten der Erzählung wie die Tatsache, dass Ingrid Martha nicht erzählt, dass sie noch Kontakt zu besagtem Ex-Lover hat. THEROOMNEXTDOOR nach dem Roman „What Are You Going Through?“ von Sigrid Nunez ist so etwas wie Almodóvars farbenfrohe Fantasie von einem möglichst guten Tod im Angesicht von Krankheit und Verfall, und deren Versatzstücke unterscheiden sich von den üblichen filmischen Angeboten, die meist von Versöhnung mit den Liebsten, Befreiung von Schuld oder schonungsloser Ehrlichkeit träumen. Mehrfach kreisen die Gespräche um Kunst, die auch noch Bestand hat, wenn alles andere in Desinteresse versinkt – immer wieder wird „The Dead“ von Joyce zitiert -, die Farbgestaltung schwelgt in geschmackvollen Kontrasten, und das zentrale Thema ist wie so oft bei Almodóvar die radikal selbstbestimmte Gestaltung des eigenen Lebens.
THEROOMNEXTDOOR erinnert an Almodóvars LEIDUNDHERRLICHKEIT in der Art, wie die einzelnen Figuren und Gespräche eher Vehikel für Überlegungen des Regisseurs zu sein scheinen als psychologisch glaubhafte Personen. Besonders fällt das bei Julianne Moore auf, die man sonst für ihre nuancenreiche, naturalistische Darstellung kennt. Zu Almodóvars Positionen gehört dabei auch der vehemente Einsatz für eine Legalisierung der Sterbehilfe. Aber auch die Gegenposition formuliert der Film. Einmal sagt Ingrid: „Es geht um das Recht, in Würde zu sterben.“ und ihr Gegenüber entgegnet lakonisch: „Mach dir keine Sorgen, wenn das Gesundheitssystem zusammenbricht, werden wir das alle.“
Hendrike Bake | indiekino
Credits:
DE 2023, 90 Min., engl. OmU Regie: Pedro Almodóvar Kamera: Eduard Grau Schnitt: Teresa Font mit: Tilda Swinton, Julianne Moore, John Turturro, Alessandro Nivola, Juan Diego Botto
November 2021: 26 Kunstschätze des Königreichs Dahomey verlassen Paris und kehren in ihr Herkunftsland, das heutige Benin, zurück. Zusammen mit Tausenden anderen Gegenständen wurden sie 1892 von französischen Kolonialtruppen geraubt. Doch wie sollen die zurückkehrenden Objekte empfangen werden, in einem Land, das sich während ihrer Abwesenheit stark verändert hat? Unter den Studierenden der Universität von Abomey-Calavi in Benin entflammt eine politische Debatte.
Berlinale 2024: Goldener Bär
Credits:
FR/SN/BJ 2024, 67 Min., Französisch, Fon, Englisch OmU Regie: Mati Diop Kamera: Josephine Drouin Viallard Schnitt: Gabriel Gonzalez
In Pedro Almodóvars erstem englischsprachigen Spielfilm spielen Tilda Swinton und Julianne Moore die einstigen Freundinnen Ingrid und Martha. Als sie sich wiederbegegnen, ist Martha unheilbar an Krebs erkrankt und hat einen letzten Wunsch.
THEROOMNEXTDOOR, der eben mit dem Goldenen Löwen in Venedig ausgezeichnet wurde, ist Pedro Almodóvars erster englischsprachiger Film. Tilda Swinton und Julianne Moore spielen zwei Freundinnen, die einander einst sehr nahe waren, und die auch ein gemeinsamer Ex-Lover verbindet, aber die schon lange den Kontakt verloren haben. Bei einer Lesung in New York erfährt Ingrid (Moore), die inzwischen erfolgreiche Schriftstellerin ist, dass Martha (Swinton), die ihr Geld als Kriegsberichterstatterin verdient hat, schwer an Krebs erkrankt ist. Sie besucht Martha im Krankenhaus und wird fast durch Zufall, weil sie gerade da ist, und auch weil sie nicht nein sagen kann, zur Verbündeten von Marthas letzten Lebenstagen. Denn Martha wünscht sich einen selbstbestimmten Tod, den sie wie ein raffiniertes Verbrechen bis ins Detail geplant hat, und sie wünscht sich einen Menschen, der dann in ihrer Nähe ist.
Dass die Art, wie Martha Ingrid in ihre Pläne einbindet, an emotionale Erpressung grenzt, gehört ebenso zu den Ecken und Kanten der Erzählung wie die Tatsache, dass Ingrid Martha nicht erzählt, dass sie noch Kontakt zu besagtem Ex-Lover hat. THEROOMNEXTDOOR nach dem Roman „What Are You Going Through?“ von Sigrid Nunez ist so etwas wie Almodóvars farbenfrohe Fantasie von einem möglichst guten Tod im Angesicht von Krankheit und Verfall, und deren Versatzstücke unterscheiden sich von den üblichen filmischen Angeboten, die meist von Versöhnung mit den Liebsten, Befreiung von Schuld oder schonungsloser Ehrlichkeit träumen. Mehrfach kreisen die Gespräche um Kunst, die auch noch Bestand hat, wenn alles andere in Desinteresse versinkt – immer wieder wird „The Dead“ von Joyce zitiert -, die Farbgestaltung schwelgt in geschmackvollen Kontrasten, und das zentrale Thema ist wie so oft bei Almodóvar die radikal selbstbestimmte Gestaltung des eigenen Lebens.
THEROOMNEXTDOOR erinnert an Almodóvars LEIDUNDHERRLICHKEIT in der Art, wie die einzelnen Figuren und Gespräche eher Vehikel für Überlegungen des Regisseurs zu sein scheinen als psychologisch glaubhafte Personen. Besonders fällt das bei Julianne Moore auf, die man sonst für ihre nuancenreiche, naturalistische Darstellung kennt. Zu Almodóvars Positionen gehört dabei auch der vehemente Einsatz für eine Legalisierung der Sterbehilfe. Aber auch die Gegenposition formuliert der Film. Einmal sagt Ingrid: „Es geht um das Recht, in Würde zu sterben.“ und ihr Gegenüber entgegnet lakonisch: „Mach dir keine Sorgen, wenn das Gesundheitssystem zusammenbricht, werden wir das alle.“
Hendrike Bake | indiekino
Credits:
DE 2023, 90 Min., engl. OmU Regie: Pedro Almodóvar Kamera: Eduard Grau Schnitt: Teresa Font mit: Tilda Swinton, Julianne Moore, John Turturro, Alessandro Nivola, Juan Diego Botto
Charly Hübner hat einen Film über ELEMENTOFCRIME gedreht. Dieser Film erzählt die Geschichte und Gegenwart von ELEMENTOFCRIME, es geht um Musik, Freundschaft, eine Haltung zur Welt und über das Geheimnis, wie man über 30 Jahre zusammen Musik macht. Er folgt der Band auf einer kleinen Tour durch Berlin, die eigens zu diesem Zweck organisiert wurde und die vom kleinen Privatclub über SO36, Lido, Admiralspalast zu größten Konzert im OpenAir der Zitadelle Spandau führte, immer mit ausgesuchtem Support. Es ist ein Heimatfilm, dabei auch etwas nostalgisch. Es gibt viel 80er/90er und SO 36, nicht mehr existierende Punkte in Schöneberg, Cafe Swing, Risiko, Kob und berichtet aus der Zeit, als es nicht cool war, eine Band aus Berlin zu sein, sondern nur noch Klischee. Wie man die NDW überlebte, wie die unterschiedlichen Richtungen und Schwerpunkte der einzelnen Bandmitglieder zusammenkamen. Was wichtig war, ein bisschen Eingemachtes, wie Musik gemacht und wie gelebt wurde, und wie sowas heutzutage nur noch als Phrase existiert. Für alle, die dabei waren, hätten dabei sein, oder einfach nur mal schauen und hören wollen. Bemerkenswerterweise werden die Tracks fast durchweg – eine Seltenheit in Filmen mit Thema Musik – ausgespielt! „Ein Film über uns und dann auch noch auf Tournee, das hat etwas von Tierfilm und wir dann die Tiere, da muss man auf einen guten Regisseur hoffen und das ist Charly Hübner. Wir wussten, er liebt die Band, wir vertrauten ihm und wir hatten Recht damit. Der Film ist toll, ganz anders, als erwartet, und das sind immer die besten Filme.“ Sven Regener
Credits:
DE 2024, 93 Min., Regie: Charly Hübner Kamera: Casey Campbell Schnitt: Christoph Brunner mit: Sven Regener, Jakob Ilja, Richard Pappik und Maike Rosa Vogel, Florian Horwarth, Isolation Berlin, Von wegen Lisbeth, Steiner & Madlaina, Ansa Sauermann
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