Sentimental Value

Ein Film von Joachim Trier. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Nora ist fas­sungs­los, als ihr Vater Gustav bei der Beerdigung ihrer Mutter auf­taucht, schließ­lich hat er sei­ne Familie vor vie­len Jahren ver­las­sen. Immer schon war dem einst gefei­er­ten Filmregisseur sei­ne Arbeit wich­ti­ger als sei­ne Töchter gewe­sen, was Nora ihm nicht ver­zei­hen kann. Jetzt kommt er mit einem Script, in dem er ihr, einer Theaterschauspielerin mit zu gro­ßem Lampenfieber, die Rolle sei­ner Mutter auf den Leib geschrie­ben hat. Nora lehnt das offen­sicht­li­che Versöhnungsangebot ent­schie­den ab. Gustav enga­giert dar­auf­hin statt­des­sen den Hollywoodstar Rachel, und beginnt, den Film auf dem alten Familienwohnsitz, wo Nora und ihre Schwester Agnes auf­wuch­sen, mit dem Dreharbeiten – kaum ver­wun­der­lich, dass alte Dynamiken wie­der ins Rollen gera­ten.
„Ich glau­be, wir woll­ten etwas über Versöhnung, Familie und Zeit machen“, erklär­te Trier auf der Pressekonferenz in Cannes. „Wir befin­den uns jetzt mit­ten im Leben und haben einen grö­ße­ren Überblick über die Lebensspanne eines Menschen. Wir erken­nen, dass hin­ter jedem kom­pli­zier­ten Elternteil oft ein ver­letz­tes Kind steckt. Und wir haben erkannt, dass Gustav Borg, auch wenn er ein kom­pli­zier­ter Vater ist, als Künstler über zwei Ausdrucksweisen ver­fügt. Wir woll­ten über die Verletzlichkeit der Kommunikation spre­chen, über die Unfähigkeit, in einer Familie zu kom­mu­ni­zie­ren, und dar­über, ob Kunst dabei eine Rolle spie­len kann.“
„Gleich zu Beginn von Sentimental Value wird ein Zuhause nicht über sei­ne Architektur beschrie­ben, son­dern über die Erinnerung. Eine Stimme erin­nert sich an Wände, die einst warm waren, vol­ler Leben – erfüllt von Stimmen, Licht, Streit, Freude. Jetzt ist die Luft still. Die Stimmen sind ver­schwun­den. Und das Haus, einst fast eine Figur für sich, trägt nur noch Echos in sich. In die­sen stil­len Überresten der Vergangenheit legt Joachim Trier den emo­tio­na­len Grundstein für sei­nen bis­her reifs­ten und zärt­lichs­ten Film.“ Mia Pflüger | kino-zeit

Credits:

Affeksjonsverdi
DK/DE/FR/NO 2025, 132 Min., Norwegisch mit deut­schen Untertiteln
Regie: Joachim Trier
Kamera: Kasper Tuxen
Schnitt: Olivier Bugge Coutté
mit: Renate Reinsve, Stellan Skarsgård, Elle Fanning, Inga Ibsdotter Lilleaas

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Archiv: Termine

  • Sentimental Value

    Sentimental Value

    Ein Film von Joachim Trier. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nora ist fas­sungs­los, als ihr Vater Gustav bei der Beerdigung ihrer Mutter auf­taucht, schließ­lich hat er sei­ne Familie vor vie­len Jahren ver­las­sen. Immer schon war dem einst gefei­er­ten Filmregisseur sei­ne Arbeit wich­ti­ger als sei­ne Töchter gewe­sen, was Nora ihm nicht ver­zei­hen kann. Jetzt kommt er mit einem Script, in dem er ihr, einer Theaterschauspielerin mit zu gro­ßem Lampenfieber, die Rolle sei­ner Mutter auf den Leib geschrie­ben hat. Nora lehnt das offen­sicht­li­che Versöhnungsangebot ent­schie­den ab. Gustav enga­giert dar­auf­hin statt­des­sen den Hollywoodstar Rachel, und beginnt, den Film auf dem alten Familienwohnsitz, wo Nora und ihre Schwester Agnes auf­wuch­sen, mit dem Dreharbeiten – kaum ver­wun­der­lich, dass alte Dynamiken wie­der ins Rollen gera­ten.
    „Ich glau­be, wir woll­ten etwas über Versöhnung, Familie und Zeit machen“, erklär­te Trier auf der Pressekonferenz in Cannes. „Wir befin­den uns jetzt mit­ten im Leben und haben einen grö­ße­ren Überblick über die Lebensspanne eines Menschen. Wir erken­nen, dass hin­ter jedem kom­pli­zier­ten Elternteil oft ein ver­letz­tes Kind steckt. Und wir haben erkannt, dass Gustav Borg, auch wenn er ein kom­pli­zier­ter Vater ist, als Künstler über zwei Ausdrucksweisen ver­fügt. Wir woll­ten über die Verletzlichkeit der Kommunikation spre­chen, über die Unfähigkeit, in einer Familie zu kom­mu­ni­zie­ren, und dar­über, ob Kunst dabei eine Rolle spie­len kann.“
    „Gleich zu Beginn von Sentimental Value wird ein Zuhause nicht über sei­ne Architektur beschrie­ben, son­dern über die Erinnerung. Eine Stimme erin­nert sich an Wände, die einst warm waren, vol­ler Leben – erfüllt von Stimmen, Licht, Streit, Freude. Jetzt ist die Luft still. Die Stimmen sind ver­schwun­den. Und das Haus, einst fast eine Figur für sich, trägt nur noch Echos in sich. In die­sen stil­len Überresten der Vergangenheit legt Joachim Trier den emo­tio­na­len Grundstein für sei­nen bis­her reifs­ten und zärt­lichs­ten Film.“ Mia Pflüger | kino-zeit

    Credits:

    Affeksjonsverdi
    DK/DE/FR/NO 2025, 132 Min., Norwegisch mit deut­schen Untertiteln
    Regie: Joachim Trier
    Kamera: Kasper Tuxen
    Schnitt: Olivier Bugge Coutté
    mit: Renate Reinsve, Stellan Skarsgård, Elle Fanning, Inga Ibsdotter Lilleaas

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  • Ein einfacher Unfall

    Ein einfacher Unfall

    Ein Film von Jafar Panahi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein ein­fa­cher Unfall, Gewinner der Goldenen Palme von Cannes, ist eine furcht­lo­se Leistung des Filmemachers Jafar Panahi – zugleich hoch­po­li­tisch und zutiefst mensch­lich. Mit uner­bitt­li­cher Klarheit stellt der Film mora­li­sche Fragen nach Wahrheit und Ungewissheit, Rache und Gnade.
    Als der Automechaniker Vahid zufäl­lig auf den Mann trifft, der ihn mut­maß­lich im Gefängnis gefol­tert hat, ent­führt er ihn, um Vergeltung zu üben. Doch der ein­zi­ge Hinweis auf Eghbals Identität ist das unver­kenn­ba­re Quietschen sei­ner Beinprothese. Auf der Suche nach Gewissheit wen­det sich Vahid an einen zer­streu­ten Kreis ande­rer, inzwi­schen frei­ge­las­se­ner Opfer. Doch je tie­fer sie in ihre Vergangenheit ein­tau­chen und je mehr ihre unter­schied­li­chen Weltanschauungen auf­ein­an­der­pral­len, des­to grö­ßer wer­den die Zweifel: Ist er es wirk­lich? Und was hie­ße Vergeltung überhaupt?

    Die Figuren des Films sind zwar fik­tiv, doch die Geschichten, die sie erzäh­len, basie­ren auf rea­len Ereignissen, die von ech­ten Gefangenen erlebt wur­den. Echt ist auch die Vielfalt die­ser Figuren und ihrer Reaktionen. Einige wer­den sehr gewalt­tä­tig und von Rachegelüsten getrie­ben. Andere wie­der­um ver­su­chen, einen Schritt zurück­zu­tre­ten und über lang­fris­ti­ge Strategien nach­zu­den­ken. Einige waren stark poli­ti­siert – oder wur­den es. Andere waren es über­haupt nicht und wur­den fast zufäl­lig ver­haf­tet. Letzteres trifft auf Vahid, die Hauptfigur, zu: Er war ein Arbeiter, der ein­fach nur sei­nen Lohn ein­for­der­te. Das Regime macht kei­nen Unterschied zwi­schen die­sen Menschen. Jede der ande­ren Figuren reprä­sen­tiert eine der vie­len, mehr oder weni­ger fest orga­ni­sier­ten Oppositionsgruppen. Diese Gruppen gera­ten oft anein­an­der, sogar
    hin­ter Gittern. Sie alle sind sich einig, dass sie das Regime ableh­nen, aber dar­über hin­aus gehen die Meinungen aus­ein­an­der. Seit dem Tod von Mahsa Amini und dem Aufkommen von „Frau, Leben, Freiheit” hat sich die Ablehnung des Regimes weit ver­brei­tet. Oft wis­sen die Menschen jedoch nicht, womit sie es erset­zen sol­len. Das sieht man heu­te deut­lich: Zum Beispiel zei­gen sich vie­le Frauen nun ohne Hidschab in der Öffentlichkeit. Eine sol­che Form des mas­si­ven zivi­len Ungehorsams war vor weni­gen Jahren noch undenk­bar. Die Szenen im Film, die mit unver­schlei­er­ten Schauspielerinnen auf der Straße gedreht wur­den, spie­geln jedoch die heu­ti­ge Realität wider. Es sind die ira­ni­schen Frauen, die die­sen Wandel her­bei­ge­führt haben.„
    Jafar Panahi

    Auch im fsk: Jafar Panahis vor­letz­ter Film No Bears (Spezialpreis der Jury, Venedig)

    Credits:

    Yek tasa­def sadeh یک تصادف ساده,
    IR/FR/LU 2025, 102 Min., far­si OmU
    Regie: Jafar Panahi
    Kamera: Amin Jafari
    Schnitt: Amir Etminan
    mit: Vahid Mobasseri, Maryam Afshari, Ebrahim Azizi, Hadis Pakbaten

    Trailer:
    EIN EINFACHER UNFALL Trailer OmU German | Deutsch
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  • Schwesterherz

    Schwesterherz

    Ein Film von Sarah Miro Fischer. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Rose und ihr älte­rer Bruder Sam haben eine enge Bindung. Als Sam der Vergewaltigung beschul­digt wird, soll Rose im Rahmen der Ermittlungen gegen ihn aus­sa­gen. Das stellt sowohl die Beziehung der bei­den als auch Roses mora­li­sche Integrität auf die Probe.
    Regisseurin Sarah Miro Fischer erkun­det in Schwesterherz eine inni­ge Geschwisterbeziehung. Sie unter­sucht, inwie­fern die Nähe zu einer Person den Blick auf die Realität ver­stel­len kann und wel­che Ereignisse die Kraft haben, auch die engs­ten Bindungen zu zer­stö­ren. In ihrer Arbeit mit den Schauspieler*innen legt sie beson­de­ren Wert auf kör­per­li­chen Ausdruck, um Geschichten auch jen­seits des gespro­che­nen Worts erzäh­len zu können.

    Credits:

    DE/ES 2025, 96 Min.,
    In Deutsch (das meis­te) und Englisch, mit eng­li­schen und deut­schen Untertiteln
    Regie: Sarah Miro Fischer
    Kamera: Selma von Polheim Gravesen
    Schnitt: Elena Weihe
    mit: Marie Bloching, Anton Weil, Proschat Madani, Laura Balzer, Jane Chirwa

    Trailer:
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  • Sehnsucht in Sangerhausen

    Sehnsucht in Sangerhausen

    Ein Film von Julian Radlmaier. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein Ort im Harz im Wechsel der Zeiten: Sensibel und manch­mal absurd zuge­spitzt bringt Julian Radlmaier (Blutsauger, Selbstkritik eines bür­ger­li­chen Hundes) in sei­nem neu­en Film Menschen zusam­men, die in der öffent­li­chen Debatte oft gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den.
    Ursula lebt in Sangerhausen von zwei Jobs im Niedriglohnsektor. Die Iranerin Neda war­tet auf und kämpft um einen dau­er­haf­ten Aufenthaltssta­tus. Als ers­te aber ler­nen wir Lotte ken­nen, die vor 230 Jahren als Dienstmagd u.a. den Nachttopf von Novalis lee­ren muss­te. Allen drei Frauen ist ihr Status als Verliererinnen in die­ser Gesellschaft bewusst. Jede sucht sich ihren Ausweg auf ihre Weise. Lotte will nach Frankreich, als sie von der dor­ti­gen Revolution hört, Ursula ver­liebt sich hoff­nungs­los in eine Künstlerin aus der Stadt, die einer ande­ren Klasse ange­hört, und Neda ver­sucht, sich als Influencerin mit Tipps über bil­li­ge Urlaubsziele über Wasser zu hal­ten, was sie nach Sangerhausen führt. Zusammen mit Sung-Nam, einem älte­ren Mann korea­ni­scher Herkunft, und des­sen Wahlenkel Buk gera­ten Ursula und Neda auf Geisterjagd in die nahe Barbarossa-Höhle, in der Lotte einst ver­schwand.
    “… kann roman­ti­sche Sehnsucht einen Ausweg aus dem tris­ten Alltag bie­ten? In sei­ner Komödie ver­bin­det Radlmaier sehr lako­nisch sei­ne stets gegen­wär­ti­ge Kapitalismuskritik mit Ikonen der deut­schen Romantik: der Blauen Blume des Dichters Novalis (Friedrich von Hardenberg) sowie dem Kyffhäuser mit sei­ner Barbarossa-Legende. Der Geist, der den Protagonistinnen Ursula und Neda statt­des­sen erscheint, hat aller­dings einen eher prag­ma­ti­schen Ratschlag parat: „Hört auf zu jam­mern!“
    (Lars Penning | Viennale)

    Credits:

    DE 2025, 90 Min., Deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
    Regie & Schnitt: Julian Radlmaier
    Kamera: Faraz Fesharaki
    mit: Clara Schwinning, Maral Keshavarz, Henriette Confurius, Paula Schindler, Ghazal Shojaei, Kyung-Taek Lie, Buksori Lie, u.a.

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
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  • Die jüngste Tochter

    Die jüngste Tochter

    Ein Film von Hafsia Herzi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Zu Hause, in den Augen ihrer mus­li­mi­schen Familie, ist die 19-jäh­ri­ge Fatima eine gute Tochter: Sie betet, hat Bestnoten und ein ent­spann­tes Verhältnis zu ihren Eltern und den bei­den älte­ren Schwestern. In der Schule aber raucht sie (obwohl sie Asthma hat) und hängt mit den größ­ten Rabauken ab. Bei den homo­pho­ben Sprüchen ihrer Kumpels ist sie still – obwohl sie selbst längst weiß, dass sie wahr­schein­lich les­bisch ist. Nachdem sich Fatima per Dating-App zum ers­ten Mal mit ande­ren Frauen trifft und dabei Ji-Na (Park Min-ji) ken­nen­lernt, beginnt für sie der lan­ge, stei­ni­ge Weg raus aus dem „Schrank“, der bei Fatima eher ein Kokon ist.

    Regisseurin Hafsia Herzis zwei­ter Langfilm DIE JÜNGSTE TOCHTER (frz. La peti­te der­niè­re) basiert auf dem gleich­na­mi­gen auto­fik­tio­na­len Roman der alge­risch-fran­zö­si­schen Autorin Fatima Daas. Die Heldin des Films ist in kei­ner Welt rich­tig zu Hause, wächst auf inmit­ten unauf­lös­ba­rer Widersprüche. So ver­schlos­sen ist sie, dass sie selbst die Zuschauenden stets auf Distanz hält und es ihnen schwer macht, einen rich­ti­gen Zugang zu ihr zu fin­den. Sie lügt ihre Dates und Freund*innen an und hat auf Schritt und Tritt Angst, ent­tarnt zu wer­den. Im Sommer mit ihrer ers­ten gro­ßen Liebe, der im gemein­sa­men Besuch einer CSD-Veranstaltung mün­det, blüht sie erst­mals auf, doch das Glück ist nicht von Dauer.

    Herzi erzählt ellip­tisch und in scharf kon­tu­rier­ten Sequenzen von Fatimas Selbstfindung. Der Film ist gespickt mit her­aus­ra­gen­den fil­mi­schen Momenten: das Gespräch mit dem Imam etwa, der ihr vor­be­tet, war­um ihre dis­pa­ra­ten Lebenswelten sich nie ver­ein­ba­ren las­sen wer­den, oder der Versuch, sich gegen­über ihrer lie­be­vol­len Mutter zu outen. Schön, dass die­se Geschichte für ihr les­bi­sches Liebespaar nicht nur Tragik, son­dern auch ein Quäntchen Hoffnung bereithält.

    Eva Szulkowsk | indiekino

    Interview mit Hafsia Herzi

    Credits:

    La peti­te der­niè­re
    DE/FR 2025, 106 Min., Französisch, Arabisch OmU
    Regie: Hafsia Herzi
    Kamera: Jérémie Attard
    Schnitt: Géraldine Mangenot
    mit Nadia Melliti, Ji-Min Park, Aloïse Sauvage, Nemo Schiffman, Sophie Garagnon

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
    DIE JÜNGSTE TOCHTER | Trailer OmU | Ab 25.12. im Kino!
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  • Der Fremde

    Der Fremde

    Ein Film von François Ozon. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    François Ozon greift einen Stoff aus den 1940er-Jahren auf: den exis­ten­zia­lis­ti­schen Romanklassiker Der Fremde von Albert Camus. Darin war­tet ein jun­ger Franzose in den 1930er-Jahren in Algerien in einer Gefängniszelle auf sei­ne Hinrichtung, weil er einen Mann getö­tet hat. Ozon ent­fal­tet das Drama um den sei­nem Tod ent­ge­gen­se­hen­den Meursault (Benjamin Voisin) und die in Rückblenden sich ent­fal­ten­den Ereignisse, die zu dem Mord geführt haben, in schwarz-wei­ßen Bildern, die in ihrer fast über­ir­di­schen Schönheit in ihren Bann schla­gen und zugleich Rätsel auf­ge­ben, weil sie in einer selt­sa­men, span­nungs­vol­len Reibung zur Geschichte stehen.

    Der Kamerablick, der ein gera­de­zu ero­ti­sches Verhältnis zu der Welt an den Tag legt, scheint ein Widerspruch zu Meursaults Apathie zu sein. Während der jun­ge Mann durch sein Leben treibt, ohne von dem berührt zu wer­den, was er erlebt – vom Tod der Mutter zu Beginn über die Affäre mit einer ihn lie­ben­den jun­gen Frau bis letzt­end­lich zum impul­si­ven Akt der Tötung –, ist der Blick der Kamera umso zuge­neig­ter. Die spar­sam, aber sehr wir­kungs­voll ein­ge­setz­te Musik ver­sucht hart­nä­ckig, Meursaults Kälte gegen­über Menschen und Dingen etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Während es in dem Roman um einen Menschen geht, der nichts wert­schät­zen kann, weil er den Glauben an eine tran­szen­den­te Dimension ver­lo­ren hat und jen­seits der Dinge kei­nen höhe­ren Sinn erken­nen kann, scheint Ozon die­se Materialität durch­aus zu genü­gen, um die Welt zu lie­ben.
    Felicitas Kleiner | Filmdienst

    Credits:

    L’Étranger
    FR 2025, 120 Min., fran­zö­si­sche OmU
    Regie: François Ozon
    Kamera: Manu Dacosse
    Schnitt: Clément Selitzki
    mit: Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin, Denis Lavant, Swann Arlaud

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
    Der Fremde – Trailer OmU
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  • Ein einfacher Unfall

    Ein einfacher Unfall

    Ein Film von Jafar Panahi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein ein­fa­cher Unfall, Gewinner der Goldenen Palme von Cannes, ist eine furcht­lo­se Leistung des Filmemachers Jafar Panahi – zugleich hoch­po­li­tisch und zutiefst mensch­lich. Mit uner­bitt­li­cher Klarheit stellt der Film mora­li­sche Fragen nach Wahrheit und Ungewissheit, Rache und Gnade.
    Als der Automechaniker Vahid zufäl­lig auf den Mann trifft, der ihn mut­maß­lich im Gefängnis gefol­tert hat, ent­führt er ihn, um Vergeltung zu üben. Doch der ein­zi­ge Hinweis auf Eghbals Identität ist das unver­kenn­ba­re Quietschen sei­ner Beinprothese. Auf der Suche nach Gewissheit wen­det sich Vahid an einen zer­streu­ten Kreis ande­rer, inzwi­schen frei­ge­las­se­ner Opfer. Doch je tie­fer sie in ihre Vergangenheit ein­tau­chen und je mehr ihre unter­schied­li­chen Weltanschauungen auf­ein­an­der­pral­len, des­to grö­ßer wer­den die Zweifel: Ist er es wirk­lich? Und was hie­ße Vergeltung überhaupt?

    Die Figuren des Films sind zwar fik­tiv, doch die Geschichten, die sie erzäh­len, basie­ren auf rea­len Ereignissen, die von ech­ten Gefangenen erlebt wur­den. Echt ist auch die Vielfalt die­ser Figuren und ihrer Reaktionen. Einige wer­den sehr gewalt­tä­tig und von Rachegelüsten getrie­ben. Andere wie­der­um ver­su­chen, einen Schritt zurück­zu­tre­ten und über lang­fris­ti­ge Strategien nach­zu­den­ken. Einige waren stark poli­ti­siert – oder wur­den es. Andere waren es über­haupt nicht und wur­den fast zufäl­lig ver­haf­tet. Letzteres trifft auf Vahid, die Hauptfigur, zu: Er war ein Arbeiter, der ein­fach nur sei­nen Lohn ein­for­der­te. Das Regime macht kei­nen Unterschied zwi­schen die­sen Menschen. Jede der ande­ren Figuren reprä­sen­tiert eine der vie­len, mehr oder weni­ger fest orga­ni­sier­ten Oppositionsgruppen. Diese Gruppen gera­ten oft anein­an­der, sogar
    hin­ter Gittern. Sie alle sind sich einig, dass sie das Regime ableh­nen, aber dar­über hin­aus gehen die Meinungen aus­ein­an­der. Seit dem Tod von Mahsa Amini und dem Aufkommen von „Frau, Leben, Freiheit” hat sich die Ablehnung des Regimes weit ver­brei­tet. Oft wis­sen die Menschen jedoch nicht, womit sie es erset­zen sol­len. Das sieht man heu­te deut­lich: Zum Beispiel zei­gen sich vie­le Frauen nun ohne Hidschab in der Öffentlichkeit. Eine sol­che Form des mas­si­ven zivi­len Ungehorsams war vor weni­gen Jahren noch undenk­bar. Die Szenen im Film, die mit unver­schlei­er­ten Schauspielerinnen auf der Straße gedreht wur­den, spie­geln jedoch die heu­ti­ge Realität wider. Es sind die ira­ni­schen Frauen, die die­sen Wandel her­bei­ge­führt haben.„
    Jafar Panahi

    Auch im fsk: Jafar Panahis vor­letz­ter Film No Bears (Spezialpreis der Jury, Venedig)

    Credits:

    Yek tasa­def sadeh یک تصادف ساده,
    IR/FR/LU 2025, 102 Min., far­si OmU
    Regie: Jafar Panahi
    Kamera: Amin Jafari
    Schnitt: Amir Etminan
    mit: Vahid Mobasseri, Maryam Afshari, Ebrahim Azizi, Hadis Pakbaten

    Trailer:
    EIN EINFACHER UNFALL Trailer OmU German | Deutsch
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  • Ein einfacher Unfall

    Ein einfacher Unfall

    Ein Film von Jafar Panahi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein ein­fa­cher Unfall, Gewinner der Goldenen Palme von Cannes, ist eine furcht­lo­se Leistung des Filmemachers Jafar Panahi – zugleich hoch­po­li­tisch und zutiefst mensch­lich. Mit uner­bitt­li­cher Klarheit stellt der Film mora­li­sche Fragen nach Wahrheit und Ungewissheit, Rache und Gnade.
    Als der Automechaniker Vahid zufäl­lig auf den Mann trifft, der ihn mut­maß­lich im Gefängnis gefol­tert hat, ent­führt er ihn, um Vergeltung zu üben. Doch der ein­zi­ge Hinweis auf Eghbals Identität ist das unver­kenn­ba­re Quietschen sei­ner Beinprothese. Auf der Suche nach Gewissheit wen­det sich Vahid an einen zer­streu­ten Kreis ande­rer, inzwi­schen frei­ge­las­se­ner Opfer. Doch je tie­fer sie in ihre Vergangenheit ein­tau­chen und je mehr ihre unter­schied­li­chen Weltanschauungen auf­ein­an­der­pral­len, des­to grö­ßer wer­den die Zweifel: Ist er es wirk­lich? Und was hie­ße Vergeltung überhaupt?

    Die Figuren des Films sind zwar fik­tiv, doch die Geschichten, die sie erzäh­len, basie­ren auf rea­len Ereignissen, die von ech­ten Gefangenen erlebt wur­den. Echt ist auch die Vielfalt die­ser Figuren und ihrer Reaktionen. Einige wer­den sehr gewalt­tä­tig und von Rachegelüsten getrie­ben. Andere wie­der­um ver­su­chen, einen Schritt zurück­zu­tre­ten und über lang­fris­ti­ge Strategien nach­zu­den­ken. Einige waren stark poli­ti­siert – oder wur­den es. Andere waren es über­haupt nicht und wur­den fast zufäl­lig ver­haf­tet. Letzteres trifft auf Vahid, die Hauptfigur, zu: Er war ein Arbeiter, der ein­fach nur sei­nen Lohn ein­for­der­te. Das Regime macht kei­nen Unterschied zwi­schen die­sen Menschen. Jede der ande­ren Figuren reprä­sen­tiert eine der vie­len, mehr oder weni­ger fest orga­ni­sier­ten Oppositionsgruppen. Diese Gruppen gera­ten oft anein­an­der, sogar
    hin­ter Gittern. Sie alle sind sich einig, dass sie das Regime ableh­nen, aber dar­über hin­aus gehen die Meinungen aus­ein­an­der. Seit dem Tod von Mahsa Amini und dem Aufkommen von „Frau, Leben, Freiheit” hat sich die Ablehnung des Regimes weit ver­brei­tet. Oft wis­sen die Menschen jedoch nicht, womit sie es erset­zen sol­len. Das sieht man heu­te deut­lich: Zum Beispiel zei­gen sich vie­le Frauen nun ohne Hidschab in der Öffentlichkeit. Eine sol­che Form des mas­si­ven zivi­len Ungehorsams war vor weni­gen Jahren noch undenk­bar. Die Szenen im Film, die mit unver­schlei­er­ten Schauspielerinnen auf der Straße gedreht wur­den, spie­geln jedoch die heu­ti­ge Realität wider. Es sind die ira­ni­schen Frauen, die die­sen Wandel her­bei­ge­führt haben.„
    Jafar Panahi

    Auch im fsk: Jafar Panahis vor­letz­ter Film No Bears (Spezialpreis der Jury, Venedig)

    Credits:

    Yek tasa­def sadeh یک تصادف ساده,
    IR/FR/LU 2025, 102 Min., far­si OmU
    Regie: Jafar Panahi
    Kamera: Amin Jafari
    Schnitt: Amir Etminan
    mit: Vahid Mobasseri, Maryam Afshari, Ebrahim Azizi, Hadis Pakbaten

    Trailer:
    EIN EINFACHER UNFALL Trailer OmU German | Deutsch
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  • Die jüngste Tochter

    Die jüngste Tochter

    Ein Film von Hafsia Herzi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Zu Hause, in den Augen ihrer mus­li­mi­schen Familie, ist die 19-jäh­ri­ge Fatima eine gute Tochter: Sie betet, hat Bestnoten und ein ent­spann­tes Verhältnis zu ihren Eltern und den bei­den älte­ren Schwestern. In der Schule aber raucht sie (obwohl sie Asthma hat) und hängt mit den größ­ten Rabauken ab. Bei den homo­pho­ben Sprüchen ihrer Kumpels ist sie still – obwohl sie selbst längst weiß, dass sie wahr­schein­lich les­bisch ist. Nachdem sich Fatima per Dating-App zum ers­ten Mal mit ande­ren Frauen trifft und dabei Ji-Na (Park Min-ji) ken­nen­lernt, beginnt für sie der lan­ge, stei­ni­ge Weg raus aus dem „Schrank“, der bei Fatima eher ein Kokon ist.

    Regisseurin Hafsia Herzis zwei­ter Langfilm DIE JÜNGSTE TOCHTER (frz. La peti­te der­niè­re) basiert auf dem gleich­na­mi­gen auto­fik­tio­na­len Roman der alge­risch-fran­zö­si­schen Autorin Fatima Daas. Die Heldin des Films ist in kei­ner Welt rich­tig zu Hause, wächst auf inmit­ten unauf­lös­ba­rer Widersprüche. So ver­schlos­sen ist sie, dass sie selbst die Zuschauenden stets auf Distanz hält und es ihnen schwer macht, einen rich­ti­gen Zugang zu ihr zu fin­den. Sie lügt ihre Dates und Freund*innen an und hat auf Schritt und Tritt Angst, ent­tarnt zu wer­den. Im Sommer mit ihrer ers­ten gro­ßen Liebe, der im gemein­sa­men Besuch einer CSD-Veranstaltung mün­det, blüht sie erst­mals auf, doch das Glück ist nicht von Dauer.

    Herzi erzählt ellip­tisch und in scharf kon­tu­rier­ten Sequenzen von Fatimas Selbstfindung. Der Film ist gespickt mit her­aus­ra­gen­den fil­mi­schen Momenten: das Gespräch mit dem Imam etwa, der ihr vor­be­tet, war­um ihre dis­pa­ra­ten Lebenswelten sich nie ver­ein­ba­ren las­sen wer­den, oder der Versuch, sich gegen­über ihrer lie­be­vol­len Mutter zu outen. Schön, dass die­se Geschichte für ihr les­bi­sches Liebespaar nicht nur Tragik, son­dern auch ein Quäntchen Hoffnung bereithält.

    Eva Szulkowsk | indiekino

    Interview mit Hafsia Herzi

    Credits:

    La peti­te der­niè­re
    DE/FR 2025, 106 Min., Französisch, Arabisch OmU
    Regie: Hafsia Herzi
    Kamera: Jérémie Attard
    Schnitt: Géraldine Mangenot
    mit Nadia Melliti, Ji-Min Park, Aloïse Sauvage, Nemo Schiffman, Sophie Garagnon

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
    DIE JÜNGSTE TOCHTER | Trailer OmU | Ab 25.12. im Kino!
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  • Der Fremde

    Der Fremde

    Ein Film von François Ozon. 

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    François Ozon greift einen Stoff aus den 1940er-Jahren auf: den exis­ten­zia­lis­ti­schen Romanklassiker Der Fremde von Albert Camus. Darin war­tet ein jun­ger Franzose in den 1930er-Jahren in Algerien in einer Gefängniszelle auf sei­ne Hinrichtung, weil er einen Mann getö­tet hat. Ozon ent­fal­tet das Drama um den sei­nem Tod ent­ge­gen­se­hen­den Meursault (Benjamin Voisin) und die in Rückblenden sich ent­fal­ten­den Ereignisse, die zu dem Mord geführt haben, in schwarz-wei­ßen Bildern, die in ihrer fast über­ir­di­schen Schönheit in ihren Bann schla­gen und zugleich Rätsel auf­ge­ben, weil sie in einer selt­sa­men, span­nungs­vol­len Reibung zur Geschichte stehen.

    Der Kamerablick, der ein gera­de­zu ero­ti­sches Verhältnis zu der Welt an den Tag legt, scheint ein Widerspruch zu Meursaults Apathie zu sein. Während der jun­ge Mann durch sein Leben treibt, ohne von dem berührt zu wer­den, was er erlebt – vom Tod der Mutter zu Beginn über die Affäre mit einer ihn lie­ben­den jun­gen Frau bis letzt­end­lich zum impul­si­ven Akt der Tötung –, ist der Blick der Kamera umso zuge­neig­ter. Die spar­sam, aber sehr wir­kungs­voll ein­ge­setz­te Musik ver­sucht hart­nä­ckig, Meursaults Kälte gegen­über Menschen und Dingen etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Während es in dem Roman um einen Menschen geht, der nichts wert­schät­zen kann, weil er den Glauben an eine tran­szen­den­te Dimension ver­lo­ren hat und jen­seits der Dinge kei­nen höhe­ren Sinn erken­nen kann, scheint Ozon die­se Materialität durch­aus zu genü­gen, um die Welt zu lie­ben.
    Felicitas Kleiner | Filmdienst

    Credits:

    L’Étranger
    FR 2025, 120 Min., fran­zö­si­sche OmU
    Regie: François Ozon
    Kamera: Manu Dacosse
    Schnitt: Clément Selitzki
    mit: Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin, Denis Lavant, Swann Arlaud

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
    Der Fremde – Trailer OmU
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