Mit einer unglaublich umfangreichen Materialsammlung aus Film- und Fernsehbildern, Reportagen, mit geschichtlichem und geopolitischem Hintergrundẃissen gelingt dem Film eine Verdichtung der sechs Monate bis zu seiner Ermordung, in denen Patrice Lumumba der erste Präsident des unabhängigen Kongo war. Die rasante Bild- und Tonmontage zeigt auf, wie bekannte Größen des Jazz von der US-Regierung seinerzeit zur Befriedung und Ablenkung benutzt wurden, wie die Konzerte Louis Armstrongs in Kingshasa 1960. Ein beeindruckendes und spannendes Werk, aufwühlend und leider immer noch aktuell.
Credits:
BE/FR/NL 2024, 150 Min., engl., frz. OmU,
Regie: Johan Grimonprez,
mit: Patrice Lumumba, Louis Armstrong, Andrée Blouin, Nina Simone, Nikita Krutschev, Eisenhower, Fidel Castro, Duke Elligton
Mit einer unglaublich umfangreichen Materialsammlung aus Film- und Fernsehbildern, Reportagen, mit geschichtlichem und geopolitischem Hintergrundẃissen gelingt dem Film eine Verdichtung der sechs Monate bis zu seiner Ermordung, in denen Patrice Lumumba der erste Präsident des unabhängigen Kongo war. Die rasante Bild- und Tonmontage zeigt auf, wie bekannte Größen des Jazz von der US-Regierung seinerzeit zur Befriedung und Ablenkung benutzt wurden, wie die Konzerte Louis Armstrongs in Kingshasa 1960. Ein beeindruckendes und spannendes Werk, aufwühlend und leider immer noch aktuell.
Credits:
BE/FR/NL 2024, 150 Min., engl., frz. OmU,
Regie: Johan Grimonprez,
mit: Patrice Lumumba, Louis Armstrong, Andrée Blouin, Nina Simone, Nikita Krutschev, Eisenhower, Fidel Castro, Duke Elligton
Der andere Planet, mit nichts in dieser Welt vergleichbar – das war für ihn Auschwitz. Hier erlebte Yehiel De-Nur die Schrecken der Shoah, die er nach dem Krieg unter dem Pseudonym Ka.tzetnik literarisch radikal verarbeitete. Über Gewalt, Folter und Kannibalismus schreibend wurde er immer wieder zum Häftling, während er gleichzeitig ein bürgerliches Leben führte.
Die radikale Aufspaltung in zwei Persönlichkeiten war Yehiel De-Nurs (geb. Feiner) Strategie, um mit seinem Trauma umzugehen. Wenn er als Ka.tzetnik abgekapselt und in Häftlingskleidung seine internationalen Bestseller verfasste, war er wieder auf dem „anderen Planeten“, den die Kunstfigur mit dem KZ im Namen nie verlassen hatte. Die Bücher von Ka.tzetnik haben Israel bewegt. Er reflektierte darin Gewaltexzesse, deren Nähe zu sexuell konnotierter Gewalt, die Abgründe des Menschlichen, und provoziert dabei – als Holocaust-Überlebender – mit Titeln wie „Ich bin der SS-Mann. Eine Vision“ (Ein anderer bekannter Titel des Buches ist: „Shvitti. Eine Vision“). Auch der Name der Indie-Band „Joy Division“ geht auf ein Buch von Ka.tzetnik zurück. De-Nur hingegen fasste als bescheidener Ehemann und liebvoller Vater in Israel wieder Fuß. Erst der Eichmann-Prozess, wo De-Nur und Ka-Tzetnik im Zeugenstand erstmals aufeinandertrafen, brachte dieses Konstrukt zum Einsturz. Der auch 30 Jahre nach dem Krieg noch von seinem Trauma Verfolgte hoffte, in den Niederlanden durch eine LSD-Therapie endlich Frieden zu finden. Die Dokumentar-Biografie übersetzt diese Persönlichkeitsspaltung in Bilder. Während wir in Berichten von Zeitzeuginnen und Forscherinnen der Person De-Nur begegnen, führen uns animierte Sequenzen in die Gedankenwelt des Autors und seiner literarischen Figur Ka.tzetnik. Dabei wird nicht nur die Frage nach Möglichkeiten der Traumabewältigung gestellt, sondern auch nach dem Wert subjektiver Wahrheit. Rainer Mende
Credits:
The Return from the Other Plaent DE/IL 2023, 81 Min., englisch, hebräisch, jiddisch, niederländischOmU Regie: Assaf Lapid Kamera: Talia Tulik Galon, Jörg Adams Schnitt: Nohar Avigail Haseen, Assaf Lapid
Gerade noch im üppigen Grün des Waldes herumgestreift, hat sich die Katze im Haus gemütlich zum Schlafen eingerollt, als sie ein sich näherndes Rumoren wahrnimmt – eine riesige Wasserwelle flutet das Land. Unsere Heldin kann sich knapp auf ein vorbeischwimmendes Segelboot retten. Nun gleitet sie dahin über das Meer, durch Urwälder, an spitzen Bergkegeln vorbei, die aus dem Wasser ragen, an Städten, die wie unwirkliche riesige Paläste aussehen, stets angespannt aufmerksam, mit einer Mischung aus Neugierde und Furcht. Genau wie Gints Zilbalodis, der hier erstmals mit einem größeren Team arbeitet, muss sich die kleine schwarze Katze, die bisher alleine lebte, auf Kooperation einstellen. Mit an Bord kommen nämlich ebenfalls unfreiwillig ein verspielter und geiziger Lemur, ein schläfriges Wasserschwein, der immer freundliche Golden Retriever, und der verletzte, hilfsbereite Sekretär. Zum Überleben der Katastrophe müssen die fünf sich zusammenraufen, denn stets und überall lauert Gefahr. Das großartige an Flow ist, dass diese Crew nicht vermenschlicht wird. Alle behalten ihre tierischen Eigenarten, die sie allerdings auf der Fahrt modifizieren müssen. Die Katze wird mutiger, der Hund vorsichtiger, der Lemur lernt zu teilen, der verstoßene Sekretär übernimmt die Führung. Nur das Wasserschwein bleibt phlegmatisch wie eh und je. „Flow ist verträumt, episch, bedrohlich und wunderschön. Das Beste von allem ist, dass die Tiere Tiere sind, wortlos und hauptsächlich mit ihrer eigenen Sicherheit und ihrer nächsten Mahlzeit beschäftigt. Dennoch sind sie gezwungen, miteinander auszukommen, und sie werden zu mehr als der Summe ihrer pelzigen und gefiederten Teile. … Der Regisseur dieser magischen Fabel ist Gints Zilbalodis, ein 30-jähriger lettischer Animator. Möge Hollywood ihn niemals mit Angeboten für Reichtum und Fortsetzungen umwerben …“ Ty Burr | Washington Post
Köln 75 erzählt die wahre Geschichte hinter einer der meistverkauften Jazzplatten aller Zeiten, dem „Köln Concert“ von Keith Jarrett aus dem Jahr 1975. Fast wäre das Konzert gar nicht zustande gekommen, doch ein entschlossener deutscher Teenager, die erst 18-jährige Vera Brandes, setzte alle Hebel in Bewegung, um die Voraussetzungen für die Entstehung eines Meisterwerks zu schaffen. Vera, die noch zur Schule geht, als sie anfängt, in Köln Musikevents zu produzieren und zu promoten, geht aufs Ganze, um dieses Konzert auf die Bühne zu bringen. Es scheint, als stünde alles gegen sie, doch Vera glaubt an die Kraft der Musik und hat noch nie jemanden so spielen sehen wie Keith Jarrett.
Credits:
DE/BE/PL 2024, 115 Min., Regie: Ido Fluk Kamera: Jens Harant Schnitt: Anja Siemens mit Mala Emde, John Magaro, Michael Chernus, Alexander Scheer, Ulrich Tukur
Und, worum geht es in dem Film? Eine häufig gestellte Frage, die allerdings in die falsche Richtung zielt. Bei Filmen (und nicht nur da) ist das Wie entscheidender als das Was. Eine Geschichte kann völlig simpel ausfallen. Erst wenn die Inszenierung ebenso schematisch daherkommt, wird es langweilig bis nichtssagend und schlimmstenfalls beides davon. „Das melancholische Mädchen“ führt den Effekt vor: Der Plot ist nicht mal sprunghaft, sondern letztlich nicht vorhanden. Die halb verkopfte und theorieschwangere, halb verspielte Inszenierung macht das Ganze aber zu gleichen Teilen unterhaltsam, eigenwillig und interpretierfähig.
Im Mittelpunkt steht das titelgebende melancholische Mädchen (passend besetzt: Marie Rathscheck), das wie sämtliche Figuren – darunter der Existentialist, die Clubfreundin, der Normalo – namenlos bleibt. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz streift die selbsternannte Autorin mit Schreibblockade durch Berlin und trifft verschiedene Männer, die sie schnell mit nach Hause begleitet und oft unvermittelt wieder sitzen lässt.
Der Film unterteilt sich in 15 Episoden, die Titel wie „Feminismus zu verkaufen“, „Die Gewalt der Liebesmärchen“ oder „Objekte der Begierde“ tragen. Es geht um Feminismus, die Rolle des Kapitalismus in diesem Feld und das selbstbestimmte Handeln der Streunerin. „Rambo is a pussy,“ lautet ein T‑Shirt-Aufdruck; an anderer Stelle meint die junge Frau, dass ihr Körper allen anderen mehr gehört als ihr selbst. Mit Rosa und Blau setzt Susanne Heinrich leitmotivisch zwei Farben ins Bild, die quasi symbolisch für die Geschlechterfrage stehen. Symbolcharakter haben auch die Penisse, die hier mitunter direkt vor der Kameralinse rumbaumeln. Heinrich wirft herrlich schamlose und daher ungewohnte Blicke auf männliche Körper.
An einer schlüssigen Story zeigt die Filmemacherin derweil kein Interesse. Jeder Dialog, jeder Frame zwitschert es heraus: Je suis cinéma! Die Selbstbespiegelung fängt mit der Wahl des 4:3‑Formats an und setzt sich in der stilisierten Bildästhetik, dem extrovertierten Tondesign und dem gekünstelten Schauspiel fort. Hinzu kommen Motiv-Dopplungen und Wiederholungen, eine musikalische Trickfilmsequenz oder Retro-Wischblenden à la „Star Wars“. Heinrich hat ihren Schlegel gelesen und transferiert dessen Autonomiepostulat ins Filmische. Die Form produziert den Inhalt, bis die Selbstbespiegelung im digitalen Bandsalat abreißt.
Das Bemerkenswerte daran ist nicht das Artifizielle, sondern der Glücksfall, dass der Film kein Stück langweilt. Das mit Filmseminarwissen vollgepackte Debüt ist kein marktgerechtes Thesengedöns, sondern zuerst eine aufgeweckte Gesellschaftskomödie mit einer schönen Form der Ironie – der vollen Ironie nämlich, die nicht nur plump das Gegenteil des Gesagten meint, sondern gleichzeitig auch das Gesagte und manches dazwischen.
Christian Horn | programmkino.de
Credits:
Deutschland 2019, 80 Min., Deutsch mit englischen Untertiteln Regie & Buch: Susanne Heinrich Kamera: Agnesh Pakozdi Schnitt: Susanne Heinrich, Benjamin Mirguet mit: Marie Rathscheck, Nicolai Borger, Malte Bündgen, Dax Constantine, Monika Freinberger, Yann Grouhel, Julian Fricker, Nicolo Pasetti
Für die allermeisten Beobachter völlig überraschend begann Ende November 2024 ein kurzer Sturm, der das seit über 50 Jahren regierende Regime der Assad-Familie wegfegte und – vielleicht – den Weg in eine bessere Zukunft für das von Diktatur und Bürgerkrieg gebeutelte Syrien weist. Eine Frage, die sich in den nächsten Monaten und Jahren stellen wird, lautet: Wie mit den Tätern umgehen, nicht den Mitläufern, aber den Folterknechten, die in den Gefängnissen agierten und im Laufe der Jahre Tausende oder mehr ermordeten und verkrüppelten, körperlich, aber auch seelisch.
Diese Frage steht auch im Mittelpunkt von Jonathan Millets „Die Schattenjäger“, der im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes seine Premiere feierte und nun besondere Relevanz erhält. Im Mittelpunkt steht Hamid (Adam Bessa), ein Syrer, der an der Universität Literatur unterrichtete, bevor er in die Fänge des Regimes geriet, gefoltert und in der Wüste ausgesetzt wurde. Doch wider Erwarten überlebte Hamid und schloss sich einer klandestinen Gruppe an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, syrische Täter zu jagen, die sich, oft getarnt als Flüchtlinge und Asylsuchende, in Europa verstecken.
Aktuelles Ziel ist der Mann, der auch Hamid im berühmt-berüchtigten Saidnaya-Gefängnis gefoltert hat. Das Problem: Hamid hat seinen Peiniger nie zu Gesicht bekommen, stets hatte er eine Kapuze über dem Kopf, konnte seinen Folterer nur hören und riechen. Dennoch glaubt er, ihn in Sami Hamma (Tawfeek Barhom) wiederzuerkennen, einem Studenten in Straßburg. Immer besessener wird Hamid von der Überzeugung, seinen Peiniger entdeckt zu haben, doch die anderen Mitglieder der Gruppe sind vorsichtig. Einen Fehler können sie sich nicht leisten, zumal sich ihre Arbeit oft gefährlich nahe an der Selbstjustiz bewegt.
Unweigerlich muss man angesichts des Themas an den Nazi-Jäger Simon Wiesenthal denken, der nur knapp den Holocaust überlebte und den Rest seines Lebens dem Aufspüren von Tätern widmete. Bewunderung bekam Wiesenthal zwar meist, bisweilen aber auch Kritik an seiner Arbeit, die letztendlich auf problematische Weise das Recht in die eigenen Hände nahm.
In der fiktiven Figur des Hamid wird die Problematik noch frappierender, denn Hamid jagt nicht irgendwelche Täter, sondern genau den Mann, der ihn einst selbst monatelang aufs schwerste folterte, wovon die Spuren auf seinem Rücken zeugen, vor allem aber die Spuren auf seiner Seele.
Auch wenn „Die Schattenjäger“ wie ein Thriller beginnt, man sich durchaus eine plakativere Version der Geschichte vorstellen könnte, in der Hamid und seine Mitstreiter ohne Skrupel tatsächlich oder mutmaßliche Täter fassen und vielleicht sogar töten, entscheidet sich Jonathan Millet – zum Glück – für einen anderen Schwerpunkt. Immer stärker werden die psychischen Folgen angedeutet, die Hamid nicht nur durch die erlittene Folter mit sich trägt, sondern vor allem auch dadurch, dass er sein Leben komplett auf den Wunsch nach Rache ausgelegt hat. Wenn er etwa die Syrerin Yara (Hala Rajab) trifft, die ihm anfangs misstraut, ihm dann Hinweise gibt und schließlich sogar mit ihm flirtet, wirkt Hamid völlig überrascht, um nicht zu sagen überfordert von der Möglichkeit, eine Beziehung zu einer Person aufzubauen, die von Nähe und Wärme geprägt ist.
Auch Rache, vielleicht sogar der Tod seines Peinigers, würde das Leid nicht rückgängig machen, zu dieser Erkenntnis gelangt Hamid nur langsam, der Weg dahin lässt aus dem anfänglichen Polit-Thriller eine tragische Erzählung werden, die am Ende weit über den Syrien-Konflikt hinausweist.
Michael Meyns | programmkino.de
Credits:
Les Fantômes FR 2024, 106 Min., Arab., Frz. OmU Regie: Jonathan Millet Kamera: Olivier Boonjing Schnitt: Laurent Sénéchal mit: Adam Bessa, Tawfeek Barhom, Julia Franz Richter, Hala Rajab, Safiqa El Till
Trailer:
Die Schattenjäger (Ghost Trail) Trailer Original mit dt. UT
Gerade noch im üppigen Grün des Waldes herumgestreift, hat sich die Katze im Haus gemütlich zum Schlafen eingerollt, als sie ein sich näherndes Rumoren wahrnimmt – eine riesige Wasserwelle flutet das Land. Unsere Heldin kann sich knapp auf ein vorbeischwimmendes Segelboot retten. Nun gleitet sie dahin über das Meer, durch Urwälder, an spitzen Bergkegeln vorbei, die aus dem Wasser ragen, an Städten, die wie unwirkliche riesige Paläste aussehen, stets angespannt aufmerksam, mit einer Mischung aus Neugierde und Furcht. Genau wie Gints Zilbalodis, der hier erstmals mit einem größeren Team arbeitet, muss sich die kleine schwarze Katze, die bisher alleine lebte, auf Kooperation einstellen. Mit an Bord kommen nämlich ebenfalls unfreiwillig ein verspielter und geiziger Lemur, ein schläfriges Wasserschwein, der immer freundliche Golden Retriever, und der verletzte, hilfsbereite Sekretär. Zum Überleben der Katastrophe müssen die fünf sich zusammenraufen, denn stets und überall lauert Gefahr. Das großartige an Flow ist, dass diese Crew nicht vermenschlicht wird. Alle behalten ihre tierischen Eigenarten, die sie allerdings auf der Fahrt modifizieren müssen. Die Katze wird mutiger, der Hund vorsichtiger, der Lemur lernt zu teilen, der verstoßene Sekretär übernimmt die Führung. Nur das Wasserschwein bleibt phlegmatisch wie eh und je. „Flow ist verträumt, episch, bedrohlich und wunderschön. Das Beste von allem ist, dass die Tiere Tiere sind, wortlos und hauptsächlich mit ihrer eigenen Sicherheit und ihrer nächsten Mahlzeit beschäftigt. Dennoch sind sie gezwungen, miteinander auszukommen, und sie werden zu mehr als der Summe ihrer pelzigen und gefiederten Teile. … Der Regisseur dieser magischen Fabel ist Gints Zilbalodis, ein 30-jähriger lettischer Animator. Möge Hollywood ihn niemals mit Angeboten für Reichtum und Fortsetzungen umwerben …“ Ty Burr | Washington Post
Köln 75 erzählt die wahre Geschichte hinter einer der meistverkauften Jazzplatten aller Zeiten, dem „Köln Concert“ von Keith Jarrett aus dem Jahr 1975. Fast wäre das Konzert gar nicht zustande gekommen, doch ein entschlossener deutscher Teenager, die erst 18-jährige Vera Brandes, setzte alle Hebel in Bewegung, um die Voraussetzungen für die Entstehung eines Meisterwerks zu schaffen. Vera, die noch zur Schule geht, als sie anfängt, in Köln Musikevents zu produzieren und zu promoten, geht aufs Ganze, um dieses Konzert auf die Bühne zu bringen. Es scheint, als stünde alles gegen sie, doch Vera glaubt an die Kraft der Musik und hat noch nie jemanden so spielen sehen wie Keith Jarrett.
Credits:
DE/BE/PL 2024, 115 Min., Regie: Ido Fluk Kamera: Jens Harant Schnitt: Anja Siemens mit Mala Emde, John Magaro, Michael Chernus, Alexander Scheer, Ulrich Tukur
Köln 75 erzählt die wahre Geschichte hinter einer der meistverkauften Jazzplatten aller Zeiten, dem „Köln Concert“ von Keith Jarrett aus dem Jahr 1975. Fast wäre das Konzert gar nicht zustande gekommen, doch ein entschlossener deutscher Teenager, die erst 18-jährige Vera Brandes, setzte alle Hebel in Bewegung, um die Voraussetzungen für die Entstehung eines Meisterwerks zu schaffen. Vera, die noch zur Schule geht, als sie anfängt, in Köln Musikevents zu produzieren und zu promoten, geht aufs Ganze, um dieses Konzert auf die Bühne zu bringen. Es scheint, als stünde alles gegen sie, doch Vera glaubt an die Kraft der Musik und hat noch nie jemanden so spielen sehen wie Keith Jarrett.
Credits:
DE/BE/PL 2024, 115 Min., Regie: Ido Fluk Kamera: Jens Harant Schnitt: Anja Siemens mit Mala Emde, John Magaro, Michael Chernus, Alexander Scheer, Ulrich Tukur
Für die allermeisten Beobachter völlig überraschend begann Ende November 2024 ein kurzer Sturm, der das seit über 50 Jahren regierende Regime der Assad-Familie wegfegte und – vielleicht – den Weg in eine bessere Zukunft für das von Diktatur und Bürgerkrieg gebeutelte Syrien weist. Eine Frage, die sich in den nächsten Monaten und Jahren stellen wird, lautet: Wie mit den Tätern umgehen, nicht den Mitläufern, aber den Folterknechten, die in den Gefängnissen agierten und im Laufe der Jahre Tausende oder mehr ermordeten und verkrüppelten, körperlich, aber auch seelisch.
Diese Frage steht auch im Mittelpunkt von Jonathan Millets „Die Schattenjäger“, der im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes seine Premiere feierte und nun besondere Relevanz erhält. Im Mittelpunkt steht Hamid (Adam Bessa), ein Syrer, der an der Universität Literatur unterrichtete, bevor er in die Fänge des Regimes geriet, gefoltert und in der Wüste ausgesetzt wurde. Doch wider Erwarten überlebte Hamid und schloss sich einer klandestinen Gruppe an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, syrische Täter zu jagen, die sich, oft getarnt als Flüchtlinge und Asylsuchende, in Europa verstecken.
Aktuelles Ziel ist der Mann, der auch Hamid im berühmt-berüchtigten Saidnaya-Gefängnis gefoltert hat. Das Problem: Hamid hat seinen Peiniger nie zu Gesicht bekommen, stets hatte er eine Kapuze über dem Kopf, konnte seinen Folterer nur hören und riechen. Dennoch glaubt er, ihn in Sami Hamma (Tawfeek Barhom) wiederzuerkennen, einem Studenten in Straßburg. Immer besessener wird Hamid von der Überzeugung, seinen Peiniger entdeckt zu haben, doch die anderen Mitglieder der Gruppe sind vorsichtig. Einen Fehler können sie sich nicht leisten, zumal sich ihre Arbeit oft gefährlich nahe an der Selbstjustiz bewegt.
Unweigerlich muss man angesichts des Themas an den Nazi-Jäger Simon Wiesenthal denken, der nur knapp den Holocaust überlebte und den Rest seines Lebens dem Aufspüren von Tätern widmete. Bewunderung bekam Wiesenthal zwar meist, bisweilen aber auch Kritik an seiner Arbeit, die letztendlich auf problematische Weise das Recht in die eigenen Hände nahm.
In der fiktiven Figur des Hamid wird die Problematik noch frappierender, denn Hamid jagt nicht irgendwelche Täter, sondern genau den Mann, der ihn einst selbst monatelang aufs schwerste folterte, wovon die Spuren auf seinem Rücken zeugen, vor allem aber die Spuren auf seiner Seele.
Auch wenn „Die Schattenjäger“ wie ein Thriller beginnt, man sich durchaus eine plakativere Version der Geschichte vorstellen könnte, in der Hamid und seine Mitstreiter ohne Skrupel tatsächlich oder mutmaßliche Täter fassen und vielleicht sogar töten, entscheidet sich Jonathan Millet – zum Glück – für einen anderen Schwerpunkt. Immer stärker werden die psychischen Folgen angedeutet, die Hamid nicht nur durch die erlittene Folter mit sich trägt, sondern vor allem auch dadurch, dass er sein Leben komplett auf den Wunsch nach Rache ausgelegt hat. Wenn er etwa die Syrerin Yara (Hala Rajab) trifft, die ihm anfangs misstraut, ihm dann Hinweise gibt und schließlich sogar mit ihm flirtet, wirkt Hamid völlig überrascht, um nicht zu sagen überfordert von der Möglichkeit, eine Beziehung zu einer Person aufzubauen, die von Nähe und Wärme geprägt ist.
Auch Rache, vielleicht sogar der Tod seines Peinigers, würde das Leid nicht rückgängig machen, zu dieser Erkenntnis gelangt Hamid nur langsam, der Weg dahin lässt aus dem anfänglichen Polit-Thriller eine tragische Erzählung werden, die am Ende weit über den Syrien-Konflikt hinausweist.
Michael Meyns | programmkino.de
Credits:
Les Fantômes FR 2024, 106 Min., Arab., Frz. OmU Regie: Jonathan Millet Kamera: Olivier Boonjing Schnitt: Laurent Sénéchal mit: Adam Bessa, Tawfeek Barhom, Julia Franz Richter, Hala Rajab, Safiqa El Till
Trailer:
Die Schattenjäger (Ghost Trail) Trailer Original mit dt. UT
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