Zakopane in den Dreißigerjahren, hier leben die Góralen: Im südpolnischen Hochgebirge spricht man seine eigene Sprache, pflegt seine alpinen Traditionen und hält Abstand zu anderen – auch zu Polen. Hier finden zwei Familien zueinander, die durch strategische Heirat ihre Situation verbessern wollen. Aber wie so oft sind Liebe und Heirat zwei verschiedene Dinge – der ältere, besonnene Maciek soll die schöne Bronka heiraten, obwohl sie ein Verhältnis mit seinem jüngeren, ungestümen Bruder Jędrek hat und sogar ein Kind von ihm erwartet. Koszałka beschränkt sich nicht auf ein folkloristisches Kammerspiel um Liebe und Gehorsam. Vielmehr entwickelt er die Geschichte über einen längeren Zeitraum und verleiht ihr damit auch eine politische Dimension. Denn 1939 marschiert die deutsche Wehrmacht in der Hohen Tatra ein und die Góralen müssen sich entscheiden – kollaborieren sie und sichern ihren Wohlstand oder bleiben sie rebellisch und riskieren damit ihr Leben? [Rainer Mende]
Biała odwaga PL 2024 R/K: Marcin Koszałka 111 min, OmeU B: Łukasz M. Maciejewski & Marcin Koszałka S: Agnieszka Glińska M: Jacek Grudzień D: Filip Pławiak, Julian Świeżewski, Jakub Gierszał, Sandra Drzymalska, Wiktoria Gorodeckaja, Andrzej Konopka u. a.
Zakopane in den Dreißigerjahren, hier leben die Góralen: Im südpolnischen Hochgebirge spricht man seine eigene Sprache, pflegt seine alpinen Traditionen und hält Abstand zu anderen – auch zu Polen. Hier finden zwei Familien zueinander, die durch strategische Heirat ihre Situation verbessern wollen. Aber wie so oft sind Liebe und Heirat zwei verschiedene Dinge – der ältere, besonnene Maciek soll die schöne Bronka heiraten, obwohl sie ein Verhältnis mit seinem jüngeren, ungestümen Bruder Jędrek hat und sogar ein Kind von ihm erwartet. Koszałka beschränkt sich nicht auf ein folkloristisches Kammerspiel um Liebe und Gehorsam. Vielmehr entwickelt er die Geschichte über einen längeren Zeitraum und verleiht ihr damit auch eine politische Dimension. Denn 1939 marschiert die deutsche Wehrmacht in der Hohen Tatra ein und die Góralen müssen sich entscheiden – kollaborieren sie und sichern ihren Wohlstand oder bleiben sie rebellisch und riskieren damit ihr Leben? [Rainer Mende]
Biała odwaga PL 2024 R/K: Marcin Koszałka 111 min, OmeU B: Łukasz M. Maciejewski & Marcin Koszałka S: Agnieszka Glińska M: Jacek Grudzień D: Filip Pławiak, Julian Świeżewski, Jakub Gierszał, Sandra Drzymalska, Wiktoria Gorodeckaja, Andrzej Konopka u. a.
Ein Ort im Harz im Wechsel der Zeiten: Sensibel und manchmal absurd zugespitzt bringt Julian Radlmaier (Blutsauger, Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes) in seinem neuen Film Menschen zusammen, die in der öffentlichen Debatte oft gegeneinander ausgespielt werden. Ursula lebt in Sangerhausen von zwei Jobs im Niedriglohnsektor. Die Iranerin Neda wartet auf und kämpft um einen dauerhaften Aufenthaltsstatus. Als erste aber lernen wir Lotte kennen, die vor 230 Jahren als Dienstmagd u.a. den Nachttopf von Novalis leeren musste. Allen drei Frauen ist ihr Status als Verliererinnen in dieser Gesellschaft bewusst. Jede sucht sich ihren Ausweg auf ihre Weise. Lotte will nach Frankreich, als sie von der dortigen Revolution hört, Ursula verliebt sich hoffnungslos in eine Künstlerin aus der Stadt, die einer anderen Klasse angehört, und Neda versucht, sich als Influencerin mit Tipps über billige Urlaubsziele über Wasser zu halten, was sie nach Sangerhausen führt. Zusammen mit Sung-Nam, einem älteren Mann koreanischer Herkunft, und dessen Wahlenkel Buk geraten Ursula und Neda auf Geisterjagd in die nahe Barbarossa-Höhle, in der Lotte einst verschwand. “… kann romantische Sehnsucht einen Ausweg aus dem tristen Alltag bieten? In seiner Komödie verbindet Radlmaier sehr lakonisch seine stets gegenwärtige Kapitalismuskritik mit Ikonen der deutschen Romantik: der Blauen Blume des Dichters Novalis (Friedrich von Hardenberg) sowie dem Kyffhäuser mit seiner Barbarossa-Legende. Der Geist, der den Protagonistinnen Ursula und Neda stattdessen erscheint, hat allerdings einen eher pragmatischen Ratschlag parat: „Hört auf zu jammern!“ (Lars Penning | Viennale)
Credits:
DE 2025, 90 Min., Deutsch mit englischen Untertiteln Regie & Schnitt: Julian Radlmaier Kamera: Faraz Fesharaki mit: Clara Schwinning, Maral Keshavarz, Henriette Confurius, Paula Schindler, Ghazal Shojaei, Kyung-Taek Lie, Buksori Lie, u.a.
Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App
Die 15-jährige Leo sucht nach ihrem ihr unbekannten Vater und erkennt ihn schließlich als Surflehrer in Italien auf einem youtube-Video. Kurzerhand macht sie sich auf den Weg von Berlin an die Küste des winterlichen Norden Italiens. Der kleine Badeort, in dem Paolo lebt und arbeitet, scheint völlig verlassen. Als Leo ihrem Vater dort schließlich findet, ist er völlig überfordert, schickt sie aber nicht gleich fort. „Schauspielerin und Kinderärztin Alissa Jung präsentiert mit Paternal Leave … ihr Langfilmdebüt als Regisseurin. In der deutsch-italienischen Koproduktion, in der ihr Ehemann Luca Marinelli die männliche Hauptrolle spielt, widmet sich Jung auf feinfühlige, aber kitschfreie Art einer gerade erst beginnenden Vater-Tochter-Beziehung. Leo und Paolo legt sie als unkonventionelle, komplexe Charaktere an, die Fehler machen dürfen: Auf kurze Momente der Annäherung folgt schnell die nächste Enttäuschung. Selbstbewusst konfrontiert Leo ihren Vater mit seinen Versäumnissen und seinem fehlenden Verantwortungsgefühl. Auf seine faulen Ausreden hat Leo immer die passende Antwort und hält ihm konsequent den Spiegel vor. In den tristen Nebensaisonaufnahmen des im Sommer sehr belebten, kinderfreundlichen Ortes spiegelt sich Leos Traurigkeit, während Paolos liebevoller Umgang mit seiner jüngeren Tochter Emilia Leo schmerzlich vor Augen führt, was Paolo ihr vorenthalten hat. Die … Tragikomödie überzeugt mit dem relevanten Thema abwesender Väter – und vor allem mit ihrer coolen und schlagfertigen jungen Heldin, die sich erwachsener und reflektierter verhält als ihr Vater.“ Stefanie Borowsky | indiekino
Ein abgelegenes, mehr als baufälliges Haus irgendwo im Herzen Amerikas soll das neue zu Hause werden: Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) sind freilebende, frei denkende Künstlernaturen, sie schreibt, er macht Musik, die der Großstadt und ihren Versuchungen entkommen wollen. Die Zivilisation wirkt sehr fern, allein Jacksons alternde Mutter Pam (Sissy Spacek) lebt nicht allzu weit weg.
Anfangs wirkt die selbstgewählte Einsamkeit auch mehr als stimulierend auf das Paar, der Alkohol fließt in Strömen, der Sex ist wild und bald wird ein Kind geboren. Und damit beginnen die Probleme, langsam, aber unaufhaltbar. Immer irritierter wirkt Grace, immer weniger bereit, sich in die von der Gesellschaft vorgegebene Rolle der sorgenden Mutter zu fügen, während Jackson immer häufiger der Arbeit (aber auch der Affären) wegen verschwunden ist und die Einsamkeit Grace zusätzlich belastet.
Acht Jahre ist es her, dass die schottische Regisseurin Lynne Ramsay zuletzt einen Film drehen konnte, den düsteren Thriller „You Were Never Really Here“, in dem Joaquin Phoenix so gut war wie selten und sich ganz der Vision Ramsays hingab. Ähnliches lässt sich nun über Jennifer Lawrence sagen, um die es in den letzten Jahren ein wenig ruhiger wurde, die sich nun aber mit einer fulminanten Darstellung zurückmeldet, die ebenso exzessiv wirkt, wie der Film.
Den baut Ramsay wie immer nicht linear, sondern impressionistisch auf, sie erzählt stringent, sondern elliptisch, springt zwischen Szenen, die in der Zukunft liegen und der Gegenwart hin und her, deutet in sporadischen Rückblenden die Anfänge der Beziehung zwischen Grace und Jackson an, vor allem aber zum Leben ihrer Schwiegermutter Pam und dessen inzwischen verstorbenen Mann Harry (Nick Nolte).
„Im ersten Jahr drehen wir alle ein bisschen durch“ sagt Pam einmal zu ihrer Schwiegertochter, wobei nicht ganz klar ist, ob sie vom ersten Jahr der Ehe oder vom ersten Jahr nach der Geburt eines Kindes spricht – oder Beidem. Die Geschichte wiederholt sich jedenfalls, die Muster einer Beziehung ändern sich nur schwer. Während Pam offenbar Probleme mit Harry hatte, aber dennoch bis zu dessen Tod mit ihm zusammenblieb (und noch Monate später seine Hemden bügelt), kann sich Grace nur schwer dazu durchringen, den Konventionen zu entsprechen, sich in ihre Rolle als Mutter und Hausfrau zu fügen.
Hätte ein Mann diesen Film gedreht, würde man ihm wohl vorhalten, sich am zunehmend labilen Zustand einer langsam in eine Psychose abdriftenden Frau zu laben und ihr Leid auszustellen. Als Blick einer Frau auf eine andere Frau wirkt „Die My Love“ jedoch bei allem Exzess wie ein sensibler, zunehmend tragischer Blick auf eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich mit allem was sie hat, den von Männern gemachten Konventionen widersetzt. Dass es am Ende Lynne Ramsay selbst ist, die eine wunderbar sanfte Version des legendären Joy Divison Songs „Love will tear us apart“ singt, bringt die Intentionen dieses oft anstrengenden, aber ebenso mitreißenden Films schließlich auf den Punkt.
Michael Meyns | programmkino.de
Credits:
CA 2024, 118 Min., Englisch OmU Regie: Lynne Ramsay Kamera: Seamus McGarvey Schnitt: Toni Froschhammer mit : Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Lakeith Stanfield, Sissy Spacek
Trailer:
DIEMYLOVE | Offizieller Teaser-Trailer | Ab 13. November im Kino
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