Die my love

Ein Film von Lynne Ramsay. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Ein abge­le­ge­nes, mehr als bau­fäl­li­ges Haus irgend­wo im Herzen Amerikas soll das neue zu Hause wer­den: Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) sind frei­le­ben­de, frei den­ken­de Künstlernaturen, sie schreibt, er macht Musik, die der Großstadt und ihren Versuchungen ent­kom­men wol­len. Die Zivilisation wirkt sehr fern, allein Jacksons altern­de Mutter Pam (Sissy Spacek) lebt nicht all­zu weit weg.

Anfangs wirkt die selbst­ge­wähl­te Einsamkeit auch mehr als sti­mu­lie­rend auf das Paar, der Alkohol fließt in Strömen, der Sex ist wild und bald wird ein Kind gebo­ren. Und damit begin­nen die Probleme, lang­sam, aber unauf­halt­bar. Immer irri­tier­ter wirkt Grace, immer weni­ger bereit, sich in die von der Gesellschaft vor­ge­ge­be­ne Rolle der sor­gen­den Mutter zu fügen, wäh­rend Jackson immer häu­fi­ger der Arbeit (aber auch der Affären) wegen ver­schwun­den ist und die Einsamkeit Grace zusätz­lich belastet.

Acht Jahre ist es her, dass die schot­ti­sche Regisseurin Lynne Ramsay zuletzt einen Film dre­hen konn­te, den düs­te­ren Thriller „You Were Never Really Here“, in dem Joaquin Phoenix so gut war wie sel­ten und sich ganz der Vision Ramsays hin­gab. Ähnliches lässt sich nun über Jennifer Lawrence sagen, um die es in den letz­ten Jahren ein wenig ruhi­ger wur­de, die sich nun aber mit einer ful­mi­nan­ten Darstellung zurück­mel­det, die eben­so exzes­siv wirkt, wie der Film.

Den baut Ramsay wie immer nicht line­ar, son­dern impres­sio­nis­tisch auf, sie erzählt strin­gent, son­dern ellip­tisch, springt zwi­schen Szenen, die in der Zukunft lie­gen und der Gegenwart hin und her, deu­tet in spo­ra­di­schen Rückblenden die Anfänge der Beziehung zwi­schen Grace und Jackson an, vor allem aber zum Leben ihrer Schwiegermutter Pam und des­sen inzwi­schen ver­stor­be­nen Mann Harry (Nick Nolte).

Im ers­ten Jahr dre­hen wir alle ein biss­chen durch“ sagt Pam ein­mal zu ihrer Schwiegertochter, wobei nicht ganz klar ist, ob sie vom ers­ten Jahr der Ehe oder vom ers­ten Jahr nach der Geburt eines Kindes spricht – oder Beidem. Die Geschichte wie­der­holt sich jeden­falls, die Muster einer Beziehung ändern sich nur schwer. Während Pam offen­bar Probleme mit Harry hat­te, aber den­noch bis zu des­sen Tod mit ihm zusam­men­blieb (und noch Monate spä­ter sei­ne Hemden bügelt), kann sich Grace nur schwer dazu durch­rin­gen, den Konventionen zu ent­spre­chen, sich in ihre Rolle als Mutter und Hausfrau zu fügen.

Hätte ein Mann die­sen Film gedreht, wür­de man ihm wohl vor­hal­ten, sich am zuneh­mend labi­len Zustand einer lang­sam in eine Psychose abdrif­ten­den Frau zu laben und ihr Leid aus­zu­stel­len. Als Blick einer Frau auf eine ande­re Frau wirkt „Die My Love“ jedoch bei allem Exzess wie ein sen­si­bler, zuneh­mend tra­gi­scher Blick auf eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich mit allem was sie hat, den von Männern gemach­ten Konventionen wider­setzt. Dass es am Ende Lynne Ramsay selbst ist, die eine wun­der­bar sanf­te Version des legen­dä­ren Joy Divison Songs „Love will tear us apart“ singt, bringt die Intentionen die­ses oft anstren­gen­den, aber eben­so mit­rei­ßen­den Films schließ­lich auf den Punkt.

 Michael Meyns | programmkino.de

Credits:

CA 2024, 118 Min., Englisch OmU
Regie: Lynne Ramsay
Kamera: Seamus McGarvey
Schnitt: Toni Froschhammer
mit : Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Lakeith Stanfield
, Sissy Spacek

Trailer:
DIE MY LOVE | Offizieller Teaser-Trailer | Ab 13. November im Kino
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Kategorie: Vorstellung

  • Die my love

    Die my love

    Ein Film von Lynne Ramsay. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein abge­le­ge­nes, mehr als bau­fäl­li­ges Haus irgend­wo im Herzen Amerikas soll das neue zu Hause wer­den: Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) sind frei­le­ben­de, frei den­ken­de Künstlernaturen, sie schreibt, er macht Musik, die der Großstadt und ihren Versuchungen ent­kom­men wol­len. Die Zivilisation wirkt sehr fern, allein Jacksons altern­de Mutter Pam (Sissy Spacek) lebt nicht all­zu weit weg.

    Anfangs wirkt die selbst­ge­wähl­te Einsamkeit auch mehr als sti­mu­lie­rend auf das Paar, der Alkohol fließt in Strömen, der Sex ist wild und bald wird ein Kind gebo­ren. Und damit begin­nen die Probleme, lang­sam, aber unauf­halt­bar. Immer irri­tier­ter wirkt Grace, immer weni­ger bereit, sich in die von der Gesellschaft vor­ge­ge­be­ne Rolle der sor­gen­den Mutter zu fügen, wäh­rend Jackson immer häu­fi­ger der Arbeit (aber auch der Affären) wegen ver­schwun­den ist und die Einsamkeit Grace zusätz­lich belastet.

    Acht Jahre ist es her, dass die schot­ti­sche Regisseurin Lynne Ramsay zuletzt einen Film dre­hen konn­te, den düs­te­ren Thriller „You Were Never Really Here“, in dem Joaquin Phoenix so gut war wie sel­ten und sich ganz der Vision Ramsays hin­gab. Ähnliches lässt sich nun über Jennifer Lawrence sagen, um die es in den letz­ten Jahren ein wenig ruhi­ger wur­de, die sich nun aber mit einer ful­mi­nan­ten Darstellung zurück­mel­det, die eben­so exzes­siv wirkt, wie der Film.

    Den baut Ramsay wie immer nicht line­ar, son­dern impres­sio­nis­tisch auf, sie erzählt strin­gent, son­dern ellip­tisch, springt zwi­schen Szenen, die in der Zukunft lie­gen und der Gegenwart hin und her, deu­tet in spo­ra­di­schen Rückblenden die Anfänge der Beziehung zwi­schen Grace und Jackson an, vor allem aber zum Leben ihrer Schwiegermutter Pam und des­sen inzwi­schen ver­stor­be­nen Mann Harry (Nick Nolte).

    Im ers­ten Jahr dre­hen wir alle ein biss­chen durch“ sagt Pam ein­mal zu ihrer Schwiegertochter, wobei nicht ganz klar ist, ob sie vom ers­ten Jahr der Ehe oder vom ers­ten Jahr nach der Geburt eines Kindes spricht – oder Beidem. Die Geschichte wie­der­holt sich jeden­falls, die Muster einer Beziehung ändern sich nur schwer. Während Pam offen­bar Probleme mit Harry hat­te, aber den­noch bis zu des­sen Tod mit ihm zusam­men­blieb (und noch Monate spä­ter sei­ne Hemden bügelt), kann sich Grace nur schwer dazu durch­rin­gen, den Konventionen zu ent­spre­chen, sich in ihre Rolle als Mutter und Hausfrau zu fügen.

    Hätte ein Mann die­sen Film gedreht, wür­de man ihm wohl vor­hal­ten, sich am zuneh­mend labi­len Zustand einer lang­sam in eine Psychose abdrif­ten­den Frau zu laben und ihr Leid aus­zu­stel­len. Als Blick einer Frau auf eine ande­re Frau wirkt „Die My Love“ jedoch bei allem Exzess wie ein sen­si­bler, zuneh­mend tra­gi­scher Blick auf eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich mit allem was sie hat, den von Männern gemach­ten Konventionen wider­setzt. Dass es am Ende Lynne Ramsay selbst ist, die eine wun­der­bar sanf­te Version des legen­dä­ren Joy Divison Songs „Love will tear us apart“ singt, bringt die Intentionen die­ses oft anstren­gen­den, aber eben­so mit­rei­ßen­den Films schließ­lich auf den Punkt.

     Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    CA 2024, 118 Min., Englisch OmU
    Regie: Lynne Ramsay
    Kamera: Seamus McGarvey
    Schnitt: Toni Froschhammer
    mit : Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Lakeith Stanfield
    , Sissy Spacek

    Trailer:
    DIE MY LOVE | Offizieller Teaser-Trailer | Ab 13. November im Kino
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  • Paternal Leave

    Paternal Leave

    Ein Film von Alissa Jung. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die 15-jäh­ri­ge Leo sucht nach ihrem ihr unbe­kann­ten Vater und erkennt ihn schließ­lich als Surflehrer in Italien auf einem you­tube-Video. Kurzerhand macht sie sich auf den Weg von Berlin an die Küste des win­ter­li­chen Norden Italiens. Der klei­ne Badeort, in dem Paolo lebt und arbei­tet, scheint völ­lig ver­las­sen. Als Leo ihrem Vater dort schließ­lich fin­det, ist er völ­lig über­for­dert, schickt sie aber nicht gleich fort.
    „Schauspielerin und Kinderärztin Alissa Jung prä­sen­tiert mit Paternal Leave … ihr Langfilmdebüt als Regisseurin. In der deutsch-ita­lie­ni­schen Koproduktion, in der ihr Ehemann Luca Marinelli die männ­li­che Hauptrolle spielt, wid­met sich Jung auf fein­füh­li­ge, aber kitsch­freie Art einer gera­de erst begin­nen­den Vater-Tochter-Beziehung. Leo und Paolo legt sie als unkon­ven­tio­nel­le, kom­ple­xe Charaktere an, die Fehler machen dür­fen: Auf kur­ze Momente der Annäherung folgt schnell die nächs­te Enttäuschung. Selbstbewusst kon­fron­tiert Leo ihren Vater mit sei­nen Versäumnissen und sei­nem feh­len­den Verantwortungsgefühl. Auf sei­ne fau­len Ausreden hat Leo immer die pas­sen­de Antwort und hält ihm kon­se­quent den Spiegel vor. In den tris­ten Nebensaisonaufnahmen des im Sommer sehr beleb­ten, kin­der­freund­li­chen Ortes spie­gelt sich Leos Traurigkeit, wäh­rend Paolos lie­be­vol­ler Umgang mit sei­ner jün­ge­ren Tochter Emilia Leo schmerz­lich vor Augen führt, was Paolo ihr vor­ent­hal­ten hat. Die … Tragikomödie über­zeugt mit dem rele­van­ten Thema abwe­sen­der Väter – und vor allem mit ihrer coo­len und schlag­fer­ti­gen jun­gen Heldin, die sich erwach­se­ner und reflek­tier­ter ver­hält als ihr Vater.“ Stefanie Borowsky | indiekino

    Credits:

    DE/IT 2025, 113 Min., dt.,engl. ital. OmU
    Regie & Schnitt: Alissa Jung
    Kamera:
    Carolina Steinbrecher
    Schnitt: Heike Parplies, David Maria Vogel
    mit: TJuli Grabenhenrich, Luca Marinelli, Arturo Gabbriellini, Joy Falletti Cardillo, Gaia Rinaldi

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
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  • Sehnsucht in Sangerhausen

    Sehnsucht in Sangerhausen

    Ein Film von Julian Radlmaier. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein Ort im Harz im Wechsel der Zeiten: Sensibel und manch­mal absurd zuge­spitzt bringt Julian Radlmaier (Blutsauger, Selbstkritik eines bür­ger­li­chen Hundes) in sei­nem neu­en Film Menschen zusam­men, die in der öffent­li­chen Debatte oft gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den.
    Ursula lebt in Sangerhausen von zwei Jobs im Niedriglohnsektor. Die Iranerin Neda war­tet auf und kämpft um einen dau­er­haf­ten Aufenthaltssta­tus. Als ers­te aber ler­nen wir Lotte ken­nen, die vor 230 Jahren als Dienstmagd u.a. den Nachttopf von Novalis lee­ren muss­te. Allen drei Frauen ist ihr Status als Verliererinnen in die­ser Gesellschaft bewusst. Jede sucht sich ihren Ausweg auf ihre Weise. Lotte will nach Frankreich, als sie von der dor­ti­gen Revolution hört, Ursula ver­liebt sich hoff­nungs­los in eine Künstlerin aus der Stadt, die einer ande­ren Klasse ange­hört, und Neda ver­sucht, sich als Influencerin mit Tipps über bil­li­ge Urlaubsziele über Wasser zu hal­ten, was sie nach Sangerhausen führt. Zusammen mit Sung-Nam, einem älte­ren Mann korea­ni­scher Herkunft, und des­sen Wahlenkel Buk gera­ten Ursula und Neda auf Geisterjagd in die nahe Barbarossa-Höhle, in der Lotte einst ver­schwand.
    “… kann roman­ti­sche Sehnsucht einen Ausweg aus dem tris­ten Alltag bie­ten? In sei­ner Komödie ver­bin­det Radlmaier sehr lako­nisch sei­ne stets gegen­wär­ti­ge Kapitalismuskritik mit Ikonen der deut­schen Romantik: der Blauen Blume des Dichters Novalis (Friedrich von Hardenberg) sowie dem Kyffhäuser mit sei­ner Barbarossa-Legende. Der Geist, der den Protagonistinnen Ursula und Neda statt­des­sen erscheint, hat aller­dings einen eher prag­ma­ti­schen Ratschlag parat: „Hört auf zu jam­mern!“
    (Lars Penning | Viennale)

    Credits:

    DE 2025, 90 Min., Deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
    Regie & Schnitt: Julian Radlmaier
    Kamera: Faraz Fesharaki
    mit: Clara Schwinning, Maral Keshavarz, Henriette Confurius, Paula Schindler, Ghazal Shojaei, Kyung-Taek Lie, Buksori Lie, u.a.

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
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  • Die my love

    Die my love

    Ein Film von Lynne Ramsay. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein abge­le­ge­nes, mehr als bau­fäl­li­ges Haus irgend­wo im Herzen Amerikas soll das neue zu Hause wer­den: Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) sind frei­le­ben­de, frei den­ken­de Künstlernaturen, sie schreibt, er macht Musik, die der Großstadt und ihren Versuchungen ent­kom­men wol­len. Die Zivilisation wirkt sehr fern, allein Jacksons altern­de Mutter Pam (Sissy Spacek) lebt nicht all­zu weit weg.

    Anfangs wirkt die selbst­ge­wähl­te Einsamkeit auch mehr als sti­mu­lie­rend auf das Paar, der Alkohol fließt in Strömen, der Sex ist wild und bald wird ein Kind gebo­ren. Und damit begin­nen die Probleme, lang­sam, aber unauf­halt­bar. Immer irri­tier­ter wirkt Grace, immer weni­ger bereit, sich in die von der Gesellschaft vor­ge­ge­be­ne Rolle der sor­gen­den Mutter zu fügen, wäh­rend Jackson immer häu­fi­ger der Arbeit (aber auch der Affären) wegen ver­schwun­den ist und die Einsamkeit Grace zusätz­lich belastet.

    Acht Jahre ist es her, dass die schot­ti­sche Regisseurin Lynne Ramsay zuletzt einen Film dre­hen konn­te, den düs­te­ren Thriller „You Were Never Really Here“, in dem Joaquin Phoenix so gut war wie sel­ten und sich ganz der Vision Ramsays hin­gab. Ähnliches lässt sich nun über Jennifer Lawrence sagen, um die es in den letz­ten Jahren ein wenig ruhi­ger wur­de, die sich nun aber mit einer ful­mi­nan­ten Darstellung zurück­mel­det, die eben­so exzes­siv wirkt, wie der Film.

    Den baut Ramsay wie immer nicht line­ar, son­dern impres­sio­nis­tisch auf, sie erzählt strin­gent, son­dern ellip­tisch, springt zwi­schen Szenen, die in der Zukunft lie­gen und der Gegenwart hin und her, deu­tet in spo­ra­di­schen Rückblenden die Anfänge der Beziehung zwi­schen Grace und Jackson an, vor allem aber zum Leben ihrer Schwiegermutter Pam und des­sen inzwi­schen ver­stor­be­nen Mann Harry (Nick Nolte).

    Im ers­ten Jahr dre­hen wir alle ein biss­chen durch“ sagt Pam ein­mal zu ihrer Schwiegertochter, wobei nicht ganz klar ist, ob sie vom ers­ten Jahr der Ehe oder vom ers­ten Jahr nach der Geburt eines Kindes spricht – oder Beidem. Die Geschichte wie­der­holt sich jeden­falls, die Muster einer Beziehung ändern sich nur schwer. Während Pam offen­bar Probleme mit Harry hat­te, aber den­noch bis zu des­sen Tod mit ihm zusam­men­blieb (und noch Monate spä­ter sei­ne Hemden bügelt), kann sich Grace nur schwer dazu durch­rin­gen, den Konventionen zu ent­spre­chen, sich in ihre Rolle als Mutter und Hausfrau zu fügen.

    Hätte ein Mann die­sen Film gedreht, wür­de man ihm wohl vor­hal­ten, sich am zuneh­mend labi­len Zustand einer lang­sam in eine Psychose abdrif­ten­den Frau zu laben und ihr Leid aus­zu­stel­len. Als Blick einer Frau auf eine ande­re Frau wirkt „Die My Love“ jedoch bei allem Exzess wie ein sen­si­bler, zuneh­mend tra­gi­scher Blick auf eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich mit allem was sie hat, den von Männern gemach­ten Konventionen wider­setzt. Dass es am Ende Lynne Ramsay selbst ist, die eine wun­der­bar sanf­te Version des legen­dä­ren Joy Divison Songs „Love will tear us apart“ singt, bringt die Intentionen die­ses oft anstren­gen­den, aber eben­so mit­rei­ßen­den Films schließ­lich auf den Punkt.

     Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    CA 2024, 118 Min., Englisch OmU
    Regie: Lynne Ramsay
    Kamera: Seamus McGarvey
    Schnitt: Toni Froschhammer
    mit : Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Lakeith Stanfield
    , Sissy Spacek

    Trailer:
    DIE MY LOVE | Offizieller Teaser-Trailer | Ab 13. November im Kino
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  • Sehnsucht in Sangerhausen

    Sehnsucht in Sangerhausen

    Ein Film von Julian Radlmaier. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein Ort im Harz im Wechsel der Zeiten: Sensibel und manch­mal absurd zuge­spitzt bringt Julian Radlmaier (Blutsauger, Selbstkritik eines bür­ger­li­chen Hundes) in sei­nem neu­en Film Menschen zusam­men, die in der öffent­li­chen Debatte oft gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den.
    Ursula lebt in Sangerhausen von zwei Jobs im Niedriglohnsektor. Die Iranerin Neda war­tet auf und kämpft um einen dau­er­haf­ten Aufenthaltssta­tus. Als ers­te aber ler­nen wir Lotte ken­nen, die vor 230 Jahren als Dienstmagd u.a. den Nachttopf von Novalis lee­ren muss­te. Allen drei Frauen ist ihr Status als Verliererinnen in die­ser Gesellschaft bewusst. Jede sucht sich ihren Ausweg auf ihre Weise. Lotte will nach Frankreich, als sie von der dor­ti­gen Revolution hört, Ursula ver­liebt sich hoff­nungs­los in eine Künstlerin aus der Stadt, die einer ande­ren Klasse ange­hört, und Neda ver­sucht, sich als Influencerin mit Tipps über bil­li­ge Urlaubsziele über Wasser zu hal­ten, was sie nach Sangerhausen führt. Zusammen mit Sung-Nam, einem älte­ren Mann korea­ni­scher Herkunft, und des­sen Wahlenkel Buk gera­ten Ursula und Neda auf Geisterjagd in die nahe Barbarossa-Höhle, in der Lotte einst ver­schwand.
    “… kann roman­ti­sche Sehnsucht einen Ausweg aus dem tris­ten Alltag bie­ten? In sei­ner Komödie ver­bin­det Radlmaier sehr lako­nisch sei­ne stets gegen­wär­ti­ge Kapitalismuskritik mit Ikonen der deut­schen Romantik: der Blauen Blume des Dichters Novalis (Friedrich von Hardenberg) sowie dem Kyffhäuser mit sei­ner Barbarossa-Legende. Der Geist, der den Protagonistinnen Ursula und Neda statt­des­sen erscheint, hat aller­dings einen eher prag­ma­ti­schen Ratschlag parat: „Hört auf zu jam­mern!“
    (Lars Penning | Viennale)

    Credits:

    DE 2025, 90 Min., Deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
    Regie & Schnitt: Julian Radlmaier
    Kamera: Faraz Fesharaki
    mit: Clara Schwinning, Maral Keshavarz, Henriette Confurius, Paula Schindler, Ghazal Shojaei, Kyung-Taek Lie, Buksori Lie, u.a.

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

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  • Paternal Leave

    Paternal Leave

    Ein Film von Alissa Jung. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die 15-jäh­ri­ge Leo sucht nach ihrem ihr unbe­kann­ten Vater und erkennt ihn schließ­lich als Surflehrer in Italien auf einem you­tube-Video. Kurzerhand macht sie sich auf den Weg von Berlin an die Küste des win­ter­li­chen Norden Italiens. Der klei­ne Badeort, in dem Paolo lebt und arbei­tet, scheint völ­lig ver­las­sen. Als Leo ihrem Vater dort schließ­lich fin­det, ist er völ­lig über­for­dert, schickt sie aber nicht gleich fort.
    „Schauspielerin und Kinderärztin Alissa Jung prä­sen­tiert mit Paternal Leave … ihr Langfilmdebüt als Regisseurin. In der deutsch-ita­lie­ni­schen Koproduktion, in der ihr Ehemann Luca Marinelli die männ­li­che Hauptrolle spielt, wid­met sich Jung auf fein­füh­li­ge, aber kitsch­freie Art einer gera­de erst begin­nen­den Vater-Tochter-Beziehung. Leo und Paolo legt sie als unkon­ven­tio­nel­le, kom­ple­xe Charaktere an, die Fehler machen dür­fen: Auf kur­ze Momente der Annäherung folgt schnell die nächs­te Enttäuschung. Selbstbewusst kon­fron­tiert Leo ihren Vater mit sei­nen Versäumnissen und sei­nem feh­len­den Verantwortungsgefühl. Auf sei­ne fau­len Ausreden hat Leo immer die pas­sen­de Antwort und hält ihm kon­se­quent den Spiegel vor. In den tris­ten Nebensaisonaufnahmen des im Sommer sehr beleb­ten, kin­der­freund­li­chen Ortes spie­gelt sich Leos Traurigkeit, wäh­rend Paolos lie­be­vol­ler Umgang mit sei­ner jün­ge­ren Tochter Emilia Leo schmerz­lich vor Augen führt, was Paolo ihr vor­ent­hal­ten hat. Die … Tragikomödie über­zeugt mit dem rele­van­ten Thema abwe­sen­der Väter – und vor allem mit ihrer coo­len und schlag­fer­ti­gen jun­gen Heldin, die sich erwach­se­ner und reflek­tier­ter ver­hält als ihr Vater.“ Stefanie Borowsky | indiekino

    Credits:

    DE/IT 2025, 113 Min., dt.,engl. ital. OmU
    Regie & Schnitt: Alissa Jung
    Kamera:
    Carolina Steinbrecher
    Schnitt: Heike Parplies, David Maria Vogel
    mit: TJuli Grabenhenrich, Luca Marinelli, Arturo Gabbriellini, Joy Falletti Cardillo, Gaia Rinaldi

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

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  • Sorda – Der Klang der Welt

    Sorda – Der Klang der Welt

    Ein Film von Eva Libertad. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Sorda ist das spa­ni­sche Wort für taub. Ein ganz nor­ma­les Paar, Ángela und Héctor, wünscht sich nach län­ge­rer Partnerschaft ein ganz nor­ma­les Kind. Ángela ist fast gehör­los und was an sich schon eine unge­mei­ne Herausforderung für ein Paar wer­den kann, bringt die bei­den an die Grenzen, die zwi­schen bei­der Welten ver­lau­fen. Genauso, wie sich Héctor auf einer Party sei­ner Frau und ihrem gehör­lo­sen Freundeskreis als Randfigur wahr­nimmt, wird Ángela noch bewuss­ter, wie iso­liert sich ein Leben mit ihrem Handicap anfüh­len kann. Und zu wel­cher Gesellschaft wird das erwar­te­te Kind gehö­ren, das viel­leicht auch gehör­los sein wird? Die Intimität und Feinsinnigkeit des Films sind sicher auch der Tatsache geschul­det, dass die gehör­lo­se Hauptdarstellerin Miriam Garlo und die Regisseurin Eva Libertad Schwestern sind.

    Was heißt es, als gehör­lo­se Frau in einer hören­den Mehrheitsgesellschaft Mutter zu sein? Diese Frage stellt sich Protagonistin Ángela in Eva Libertads Sorda, als sie und ihr hören­der Partner Hector gemein­sam ein Kind erwar­ten. Inspiriert von Gesprächen mit ihrer gehör­lo­sen Schwester Garlo, die auch die Hauptrolle über­nimmt, unter­sucht Libertad die Vereinbarkeit der hören­den und gehör­lo­sen Welt, teils anhand von Bevormundung und Ausgrenzung, die Ángela erfährt, ins­be­son­de­re aber durch ein nuan­cier­tes und emo­tio­na­les Porträt einer lie­be­vol­len Paar- und Familiendynamik, die zwi­schen den Welten balan­ciert.” (Charlie Hain, Filmlöwin) 

    SORDA erhielt den Panorama Publikumspreis für den bes­ten Spielfilm der Berlinale 2025.

    Credits:

    ES 2025, 99 Min., Spanisch, Spanische Gebärdensprache mit deut­schen Untertiteln
    Regie, Buch: Eva Libertad
    Kamera: Gina Ferrer García
    Schnitt: Marta Velasco
    mit: Miriam Garlo, Álvaro Cervantes, Elena Irureta, Joaquín Notario

     Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
    Trailer SORDA, von Eva Libertad (OV/de), ab 6. November im Kino
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  • I Am Gitxsan

    I Am Gitxsan

    A film by Hossein Martin Fazeli. On November 29th 15:30 at the fsk. In English.

    [Tickets]

    I Am Gitxsan” fol­lows Phoenix Apperloo, a recent high school gra­dua­te recon­nec­ting with his Indigenous heri­ta­ge in Hazelton, British Columbia, Canada. Inspired by encoun­ters with resi­den­ti­al school sur­vi­vors, he wri­tes a heart­felt let­ter to Prime Minister Trudeau about the inju­s­ti­ces faced by his people.

    The docu­men­ta­ry high­lights the impact of colo­nia­lism on the Gitxsan com­mu­ni­ty, fea­turing insights from experts like Dr Gabor Maté and show­ca­sing their resi­li­ence through pro­tests and legal actions. It cul­mi­na­tes with a moving mes­sa­ge of hope and deter­mi­na­ti­on, empha­si­zing the power of the Gitxsan people’s endu­ring spi­rit, the beau­ties of their cul­tu­re, and their com­mit­ment to future generations.

    Written, direc­ted, and pro­du­ced by the mul­ti-award-win­ning film­ma­ker Hossein Martin Fazeli, I Am Gitxsan is a tes­ta­ment to the resi­li­ence of Indigenous com­mu­ni­ties in their batt­le to pre­ser­ve and pro­tect the best of our shared humanity.

    more: https://iamgitxsan.com/

  • Das Verschwinden des Josef Mengele

    Das Verschwinden des Josef Mengele

    Ein Film von Kirill Serebrennikov. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Der Film wird kon­tro­vers gese­hen – man­che fin­den sogar, dass man zum Schluss, wenn der Mann alt und krank ist, Mitleid mit dem „Todesengel von Auschwitz” bekommt. Mir ging es nicht so, denn August Diehl ver­kör­pert Mengele von Anfang bis Ende als inhu­man, arro­gant und selbst­mit­lei­dig. Serebrennikov ver­filmt Mengeles Zeit in Lateinamerika (mit eini­gen Abstechern zurück nach Deutschland) nach sei­ner Flucht über die „Rattenlinie” als beklem­men­de Geschichtsstunde, in der viel aus­ge­spro­chen und gezeigt wird, was hier nie­mand wis­sen woll­te und will. Er bezieht sich dabei auf den gleich­na­mi­gen, genau recher­chier­ten Bestseller von Olivier Guez, wobei die bestechen­den Schwarz-Weiß-Bilder ein­deu­tig kei­nen doku­men­ta­ri­schen Charakter ent­fal­ten.
    „Seine Haltung [Mengeles] spie­gelt nicht die Banalität des Bösen wider, son­dern des­sen gro­tes­ke Überhöhung: den Glauben an die eige­ne Überlegenheit, ange­heizt durch ein ver­zerr­tes Opferbewusstsein. Auf die­se Weise wird der Film zu einem Kommentar über zeit­ge­nös­si­sche Strukturen der Täterschaft und Straflosigkeit, die ohne exter­ne Systeme der Rechenschaftspflicht fort­be­stehen.“
    (Evgeny Gusyatinskiy | Viennale)

    Credits:

    FR/MX/DE/GB 2025, 135 Min., deutsch, spa­ni­sche OmU,
    Regie: Kirill Serebrennikov
    Kamera: Vladislav Opelyants
    Schnitt: Hansjörg Weißbrich
    mit: D: August Diehl, Max Bretschneider, Dana Herfurth, Friederike Becht, Mirco Kreibich, David Ruland

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
    Das Verschwinden des Josef Mengele | TRAILER
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  • Paternal Leave

    Paternal Leave

    Ein Film von Alissa Jung. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die 15-jäh­ri­ge Leo sucht nach ihrem ihr unbe­kann­ten Vater und erkennt ihn schließ­lich als Surflehrer in Italien auf einem you­tube-Video. Kurzerhand macht sie sich auf den Weg von Berlin an die Küste des win­ter­li­chen Norden Italiens. Der klei­ne Badeort, in dem Paolo lebt und arbei­tet, scheint völ­lig ver­las­sen. Als Leo ihrem Vater dort schließ­lich fin­det, ist er völ­lig über­for­dert, schickt sie aber nicht gleich fort.
    „Schauspielerin und Kinderärztin Alissa Jung prä­sen­tiert mit Paternal Leave … ihr Langfilmdebüt als Regisseurin. In der deutsch-ita­lie­ni­schen Koproduktion, in der ihr Ehemann Luca Marinelli die männ­li­che Hauptrolle spielt, wid­met sich Jung auf fein­füh­li­ge, aber kitsch­freie Art einer gera­de erst begin­nen­den Vater-Tochter-Beziehung. Leo und Paolo legt sie als unkon­ven­tio­nel­le, kom­ple­xe Charaktere an, die Fehler machen dür­fen: Auf kur­ze Momente der Annäherung folgt schnell die nächs­te Enttäuschung. Selbstbewusst kon­fron­tiert Leo ihren Vater mit sei­nen Versäumnissen und sei­nem feh­len­den Verantwortungsgefühl. Auf sei­ne fau­len Ausreden hat Leo immer die pas­sen­de Antwort und hält ihm kon­se­quent den Spiegel vor. In den tris­ten Nebensaisonaufnahmen des im Sommer sehr beleb­ten, kin­der­freund­li­chen Ortes spie­gelt sich Leos Traurigkeit, wäh­rend Paolos lie­be­vol­ler Umgang mit sei­ner jün­ge­ren Tochter Emilia Leo schmerz­lich vor Augen führt, was Paolo ihr vor­ent­hal­ten hat. Die … Tragikomödie über­zeugt mit dem rele­van­ten Thema abwe­sen­der Väter – und vor allem mit ihrer coo­len und schlag­fer­ti­gen jun­gen Heldin, die sich erwach­se­ner und reflek­tier­ter ver­hält als ihr Vater.“ Stefanie Borowsky | indiekino

    Credits:

    DE/IT 2025, 113 Min., dt.,engl. ital. OmU
    Regie & Schnitt: Alissa Jung
    Kamera:
    Carolina Steinbrecher
    Schnitt: Heike Parplies, David Maria Vogel
    mit: TJuli Grabenhenrich, Luca Marinelli, Arturo Gabbriellini, Joy Falletti Cardillo, Gaia Rinaldi

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
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