Im Jahr 1968 verwandelt sich ein Klassenzimmer eines Münchner Mädchengymnasiums unter Leitung des jungen Edgar Reitz in ein Filmstudio. Die Filmstunde beginnt: der erste in der Filmgeschichte dokumentierte Versuch, Filmästhetik als eigenständiges Fach zu unterrichten. 2023 wird Edgar Reitz, mittlerweile weltberühmter Regisseur des Filmepos Heimat, von einer älteren Dame angesprochen, die sich als eine der damaligen Schülerinnen zu erkennen gibt. Sie verabreden ein Klassentreffen. Montiert aus einem Dokumentarfilm über das damalige Projekt, den Super-8-Filmen der Schülerinnen und dem gefilmten Wiedersehen im Jahr 2023, entsteht eine Art Langzeitbelichtung der letzten 55 Jahre Filmgeschichte. Zeigt sich die Persönlichkeit der Schülerinnen bereits in den Übungsfilmen? Und was sagen die Damen zur Filmkultur der Gegenwart? Filmstunde_23 ist eine Liebeserklärung an das Filmemachen.
Credits:
DE 2024, 89 Min., Regie: Jörg Adolph, Edgar Reitz Kamera: Matthias Reitz-Zausinger, Markus Schindler, Daniel Schönauer, Thomas Mauch (1968), Dedo Weigert (1968) Schnitt: Jörg Adolph, Anja Pohl
Im Jahr 1968 verwandelt sich ein Klassenzimmer eines Münchner Mädchengymnasiums unter Leitung des jungen Edgar Reitz in ein Filmstudio. Die Filmstunde beginnt: der erste in der Filmgeschichte dokumentierte Versuch, Filmästhetik als eigenständiges Fach zu unterrichten. 2023 wird Edgar Reitz, mittlerweile weltberühmter Regisseur des Filmepos Heimat, von einer älteren Dame angesprochen, die sich als eine der damaligen Schülerinnen zu erkennen gibt. Sie verabreden ein Klassentreffen. Montiert aus einem Dokumentarfilm über das damalige Projekt, den Super-8-Filmen der Schülerinnen und dem gefilmten Wiedersehen im Jahr 2023, entsteht eine Art Langzeitbelichtung der letzten 55 Jahre Filmgeschichte. Zeigt sich die Persönlichkeit der Schülerinnen bereits in den Übungsfilmen? Und was sagen die Damen zur Filmkultur der Gegenwart? Filmstunde_23 ist eine Liebeserklärung an das Filmemachen.
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DE 2024, 89 Min., Regie: Jörg Adolph, Edgar Reitz Kamera: Matthias Reitz-Zausinger, Markus Schindler, Daniel Schönauer, Thomas Mauch (1968), Dedo Weigert (1968) Schnitt: Jörg Adolph, Anja Pohl
Die Geschichte der langsamen Annäherung zwischen zwei Außenseitern, dem eigenwilligen Lang und einem schwarzen Hund, wurde in Cannes dieses Jahr mit dem Hauptpreis in der Sektion „Un certain regard“ ausgezeichnet. Xin, der Hund, bekam zudem die begehrte „Dog-Palm“. Lang saß viele Jahre im Gefängnis, jetzt kehrt er in seinen Heimatort am Rande der Wüster Gobi zurück. Wir werden den Einzelgänger allerdings noch als völlig verschieden kennenlernen von dem, was die eigenen Vorurteile uns diktieren. Die Umgebung, in die er zurückkehrt, ist schwer von Umgestaltung betroffen, denn die bedeutet fast immer Abriss. Zwar findet die Olympiade – der Film spielt 2008 – woanders statt, aber auch in den nicht nur im räumlichen Sinn fernen glitzernden Großstädte muss jetzt „aufgeräumt“ werden. Betroffen davon sind auch die vielen streunenden Hunde. Ein Tier mit besonders schwarzem Fell entwischt den Fängern immer wieder, da wird ihm die Tollwut angedichtet und ein Preis für ihn ausgesetzt. Lang fühlt sich dem widerspenstigen Wesen verwandt und nimmt es, nicht ohne Blessuren zu erleiden, zu sich. Beide müssen nun schauen, wie es für sie weitergehen kann. Regisseur Guan Hu zählte zusammen mit u.a. Zhang Yuan, Wang Xiaoshuai, He Jianjun, Jia Zhang-Ke und Yu Le zur sogenannten 6. Generation chinesischer Filmemacher*innen, die es sich erlaubten, in ihren Filmen auch mit politischem Blick das Alltagsleben ungeschönt darzustellen. Nach mehreren Großprojekten scheint Black Dog – Weggefährten sein Schritt zurück zu den Anfängen zu sein. „Auch Black Dog setzt zwar durchaus hier und da kleine Spitzen gegen die offizielle Fortschrittsrhetorik Chinas, ist aber insgesamt kein subversiver Film. Indem er das Leid und das Freiheitsbedürfnis der Menschen auf das Leid und das Freiheitsbedürfnis der Tiere überträgt, wird beides erträglicher und universeller. Traurige Hundeaugen blicken überall auf der Welt gleich. Später tauchen außerdem noch andere Tiere auf, Tiger und Schlangen, sowie eine Bauchtänzerin, die ein Auge auf Lang wirft und dem ansonsten ziemlich männlich dominierten Film durchaus guttut. Wie man überhaupt Black Dog seine rührselige Schlagseite keineswegs zum Vorwurf machen muss. Das Kino hat nicht die Pflicht, immer gleich das Regime stürzen zu wollen. Manchmal genügt es vollauf, eine herzenswarme – und wirklich wunderschön fotografierte – Ballade von einem Mann und einem Hund zu erzählen.“ Lukas Foerster | Die Presse
Cannes 2024 – Un Certain Regard Preis
Credits:
CN 2024, 110 Min., MandarinOmU Regie: Guan Hu Kamera: Gao Weizhe mit Eddie Peng, Zhangke Jia, Jing Liang
Trailer:
BLACKDOG – WEGGEFÄHRTEN | offizieller Trailer mit Dt. Untertiteln | ab 12. Dezember im Kino
Kurz nachdem Iman zum Untersuchungsrichter am Revolutionsgericht befördert wurde, erstarkt nach Jina Mahsa Aminis Tod die Protestbewegung im Land. Während er mit dem Druck des neuen Jobs zu kämpfen hat, engagieren sich seine Töchter bei den Protesten. Seine Frau Najmeh wiederum versucht verzweifelt, die Familie zusammenzuhalten. Regisseur Mohammad Rasoulof hat viel Zeit seines Lebens in Unfreiheit verbracht, im Gefängnis, unter Hausarrest oder mit Ausreiseverbot, dazu kommt das Berufsverbot. Umso erstaunlicher ist nicht nur, dass er überhaupt noch dreht, und, dass seine Arbeiten immer direkter, gewagter wurden. Während „Iron Island“ von 2005 noch als mehrdeutige Allegorie erscheint, und „The White Meadows“ (2009) parabelhafte Fantasie ist, geht der autobiografisch geprägte „Goodbye“ (2011), schon wesentlich direkter auf die subversive staatliche Repression ein. Der Thriller „Manuscripts don‘t burn“ (2013) verklausuliert nichts mehr. Die Geschichte über die Geheimdienst-Morde an Schriftstellern hat sogar einen realen Hintergrund. In „A Man of integrity“ (2017) geht es um Korruption, der Berlinale-Gewinner „There is no Evil“ verknüpft vier persönliche Schicksale mit den politischen Gegebenheiten. Nach Verhängung einer mehrjährigen Haftstrafe und Peitschenhieben konnte Rasoulof aus dem Iran fliehen und „Die Saat des heiligen Feigenbaum“ beim Wettbewerb in Cannes persönlich vorstellen. Natürlich steht die Familie, die sich aufgrund der politischen Entwicklungen entzweit, stellvertretend für die iranische Gesellschaft, aber die Vorkommnisse sind durchaus real. ,Die Saat des heiligen Feigenbaums‘ wird Deutschland bei den Oscars vertreten. Die Jury: der Film ist das Psychogramm der auf Gewalt und Paranoia aufgebauten Theokratie des Iran. … Ein meisterhaft inszenierter und berührend gespielter Film, der Szenen findet, die bleiben. Die beiden aufbegehrenden Töchter stehen für die mutigen Frauen des Iran und ihren aufopferungsvollen Kampf gegen die Patriarchen ihrer Familien wie ihres Staates. Er ist eine herausragende Arbeit eines der großen Regisseure des Weltkinos, der in Deutschland Schutz gefunden hat vor staatlicher Willkür im Iran. Wir sind sehr froh darüber, Rasoulof sicher in unserem Land zu wissen.
Credits:
IR, DE, FR 2024, 168 Min., farsi OmU Regie: Mohammad Rasoulof Kamera: Pooyan Aghababaei Schnitt: Andrew Bird mit Missagh Zareh, Soheila Golestani, Mahsa Rostami, Setareh Maleki, Niousha Akhshi
Es war der erste indische Film seit 30 Jahren, der in den Wettbewerb des Filmfestes in Cannes eingeladen wurde. In ihrem Spielfilmdebüt thematisiert die Dokumentarfilmerin Payal Kapadia die ökonomischen Ungleichheiten Indiens und nimmt uns mit in die Megacity Mumbai. Hier gilt ihr Blick drei Frauen, die in einem Krankenhaus arbeiten. Die zurückhaltende Pflegerin Prabha lebt in ihrer Arbeit, die sie mit Ruhe und Sorgfalt bewältigt. Der ihr zunächst unbekannte Mann, mit dem sie eine arrangierten Ehe einging, verließ sie kurz nach der Trauung Richtung Deutschland, der Arbeit wegen, und hat sich seitdem nicht mehr gemeldet. Die Wohnung teilt sie sich deshalb seit einiger Zeit mit ihrer jüngeren Kollegin Anu. Die ist lebhaft, risikofreudig und frisch verliebt, in Shiaz, einen Mann mit der falschen Religion. Die Schwierigkeiten mit der Familie und die Gerüchteküche im Krankenhaus sorgen Anu wenig, wohl aber, dass sie mit dem Geliebten nie und nirgendwo allein sein kann. Für Prabha hingegen schwärmt offensichtlich ein Arzt, für sie aber gilt das Ehegelöbnis. Als die Post allerdings einen Reiskocher aus Deutschland bei ihr abliefert, ohne Absender oder Gruß, fragt sie sich schon, was diese erste Nachricht seit drei Jahren bedeuten könnte – vielleicht ist es doch eine Art Abfindung, ein Vorbote der Trennung? Die dritte Frau ist Parvaty, Köchin im Krankenhaus und Prabhas beste Freundin. Ihr droht nach dem Tod des Ehemanns der Verlust der Wohnung, denn er hat ihr keine Papiere hinterlassen, die die Rechte klären. Prabha versucht ihr zu helfen, aber sie sind chancenlos. Resigniert verlässt Parvaty Mumbai und zieht zurück in ihr Heimatdorf. Dort besuchen sie Prabha und Anu, und diese Tage werden zu einem ganz besonderen Erlebnis. Trotz der dokumentarischen Sicht und aller Authentizität wirkt „All we imagine as Light“ stets wie unwirklich und verzaubert, vielleicht aber auch nur aus westlicher Sicht.
„Kino, das im besten Sinne den Blick auf andere Welten öffnet“ schreibt programmkino.de dazu. Unzweifelhaft ist jedoch, dass er ganz wunderbar eine Entwicklung hin zu weiblicher Solidarität und immer mehr Selbstbewusstsein aufzeichnet.
„Sehnsüchtig suchte man [im Wettbewerb der 77. Filmfestspiele von Cannes] nach einem Film, der sich auf die Schönheit, die elementare Kraft des Kinos verließ. Und er kam dann auch. „All we imagine as Light“ von der indischen Regisseurin Payal Kapadia folgt drei Frauen, die als Krankenschwestern und Köchin in einem Krankenhaus in Mumbai arbeiten. Mit einer ruhigen Kamera gleitet man in drei Leben hinein. Zwischen Schichtarbeit, Kochen und Einkaufen geht es um die Dinge des Lebens. „All we imagine as Light“ bekam in Cannes den Großen Preis der Jury, und dieser berührende Film, ein wahrhaftiger Lichtblick, zeigt, was Kino sein kann: Alles, was wir uns als Licht vorstellen.“ Katja Nikodemus | Die Zeit
Wettbewerb Cannes Filmfestival 2024. Mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.
Credits:
IN, FR, NL, LU 2024, 114 Min., Malayalam, Hindi OmU Regie: Payal Kapadia Kamera: Rabadir Das Schnitt: Clément Pinteaux mit Kani Kusruti, Divya Prabha, Chhaya Kadam, Hridhu Haroon
Basel Adra, ein junger palästinensischer Aktivist aus Masafer Yatta im Westjordanland, kämpft seit seiner Kindheit gegen die Vertreibung seiner Gemeinschaft durch die israelische Besatzung. Er dokumentiert die schrittweise Auslöschung der Dörfer seiner Heimatregion, wo Soldatinnen im Auftrag der israelischen Regierung nach und nach Häuser abreißen und ihre Bewohnerinnen vertreiben. Irgendwann begegnet er Yuval, einem israelischen Journalisten, der ihn in seinen Bemühungen unterstützt. Eine unwahrscheinliche Allianz entsteht. Die Beziehung der beiden wird durch die enorme Ungleichheit zwischen ihnen zusätzlich belastet: Basel lebt unter militärischer Besatzung, Yuval frei und ohne Einschränkungen. Der Film eines palästinensisch-israelischen Kollektivs vierer junger Aktivist*innen entstand als Akt des kreativen Widerstands auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit. Berlinale Dokumentarfilmpreis 2024
In diesem Film geht es um Katzen, viele Katzen – in allen Größen und Altersstufen, von jung bis alt, gesund oder krank, ob Winter- oder Sommerkatzen. Sie leben in der Umgebung des kleinen, alten Shinto-Schreins Gokogu, gelegen in Ushimado, einer Hafenstadt an der Inland-See. Es ist ein Paradies für katzenliebende Einwohner und Besucher. Gokogu sieht oberflächlich betrachtet friedlich aus, ist aber auch das Epizentrum eines heiklen Themas, das die örtliche Gemeinschaft spaltet.
Deshalb geht auch um Menschen. Diejenigen, die die Katzen besuchen, lieben und füttern, und ihnen Namen geben wie Chao, Gari, Hyaena, Koto, Chubu oder Chibi. Und die hin und wieder auch neue Katzen mitbringen und sie aussetzen. Gleichzeitig kommen auch die zu Wort, die es stört, dass ihre Vorgärten oder die Pflanzen rund um den Schrein als großes Katzenklo genutzt werden und die Katzenliebhaber:innen ihren Müll hinterlassen.
Kazuhiro Sōda fängt in seinem zehnten „beobachtenden Film“ das Leben rund um den Schrein ein, und gewährt einen persönlichen und einfühlsamen Blick auf die traditionelle Gemeinschaft des Ortes.
»Durch die Zeit und die Elemente, aber vor allem durch die Menschen, die ihn bewohnen, wird der Geist eines Ortes vor unseren Augen lebendig. Und der Filmemacher schlägt uns durch seine aufmerksame Haltung eine andere Art des Sehens vor – und damit auch eine andere Art, in der Welt zu sein.« (Alexandre Fontaine Rousseau | Panorama Cinema)
„Die Katzen in Ushimado sind ausnahmslos süß – aber viel zu viele. Kazuhiro Sodas Dokumentarfilm zeigt handfeste biopolitische Maßnahmen und vorbildliches community building – mit viel Witz, gutem Auge und Gespür für kleine und große Gesten.“ Leonard Krähmer
Credits:
Gokogu no Neko JP 2024, 119 Min., japanische OmU Regie, Kamera, Schnitt: Kazuhiro Soda
Kurz nachdem Iman zum Untersuchungsrichter am Revolutionsgericht befördert wurde, erstarkt nach Jina Mahsa Aminis Tod die Protestbewegung im Land. Während er mit dem Druck des neuen Jobs zu kämpfen hat, engagieren sich seine Töchter bei den Protesten. Seine Frau Najmeh wiederum versucht verzweifelt, die Familie zusammenzuhalten. Regisseur Mohammad Rasoulof hat viel Zeit seines Lebens in Unfreiheit verbracht, im Gefängnis, unter Hausarrest oder mit Ausreiseverbot, dazu kommt das Berufsverbot. Umso erstaunlicher ist nicht nur, dass er überhaupt noch dreht, und, dass seine Arbeiten immer direkter, gewagter wurden. Während „Iron Island“ von 2005 noch als mehrdeutige Allegorie erscheint, und „The White Meadows“ (2009) parabelhafte Fantasie ist, geht der autobiografisch geprägte „Goodbye“ (2011), schon wesentlich direkter auf die subversive staatliche Repression ein. Der Thriller „Manuscripts don‘t burn“ (2013) verklausuliert nichts mehr. Die Geschichte über die Geheimdienst-Morde an Schriftstellern hat sogar einen realen Hintergrund. In „A Man of integrity“ (2017) geht es um Korruption, der Berlinale-Gewinner „There is no Evil“ verknüpft vier persönliche Schicksale mit den politischen Gegebenheiten. Nach Verhängung einer mehrjährigen Haftstrafe und Peitschenhieben konnte Rasoulof aus dem Iran fliehen und „Die Saat des heiligen Feigenbaum“ beim Wettbewerb in Cannes persönlich vorstellen. Natürlich steht die Familie, die sich aufgrund der politischen Entwicklungen entzweit, stellvertretend für die iranische Gesellschaft, aber die Vorkommnisse sind durchaus real. ,Die Saat des heiligen Feigenbaums‘ wird Deutschland bei den Oscars vertreten. Die Jury: der Film ist das Psychogramm der auf Gewalt und Paranoia aufgebauten Theokratie des Iran. … Ein meisterhaft inszenierter und berührend gespielter Film, der Szenen findet, die bleiben. Die beiden aufbegehrenden Töchter stehen für die mutigen Frauen des Iran und ihren aufopferungsvollen Kampf gegen die Patriarchen ihrer Familien wie ihres Staates. Er ist eine herausragende Arbeit eines der großen Regisseure des Weltkinos, der in Deutschland Schutz gefunden hat vor staatlicher Willkür im Iran. Wir sind sehr froh darüber, Rasoulof sicher in unserem Land zu wissen.
Credits:
IR, DE, FR 2024, 168 Min., farsi OmU Regie: Mohammad Rasoulof Kamera: Pooyan Aghababaei Schnitt: Andrew Bird mit Missagh Zareh, Soheila Golestani, Mahsa Rostami, Setareh Maleki, Niousha Akhshi
Nach mehr als zehn Jahren kehrt Rona in ihre Heimat auf den entlegenen Orkneyinseln zurück. Während sie die einzigartige, raue Landschaft, in der sie aufgewachsen ist, wiederentdeckt, vermischen sich ihre Kindheitserinnerungen mit solchen aus der letzten, von Sucht geprägten Zeit. Ihr damaliger Aufbruch in die Stadt und die folgenden ausschweifenden Jahre in London mündeten in einem schmerzhaften Absturz. Doch nach und nach wird die Begegnung mit den verwunschenen, windgepeitschten Küsten der Inseln zu einer Chance auf ein neues Leben. Nora Fingscheidts Adaption von Amy Liptrots autobiografischem Bestseller blickt in erschütternden Rückblenden auf die Abwärtsspirale, die Rona in London durchlebt, und auf ihre Zeit in einem strengen Entzugsprogramm. Im Zentrum des Films steht jedoch ihre Befreiung von persönlichen Dämonen durch die Verbindung mit der Natur der Heimat ihrer Kindheit. „Gerade durch die Verweigerung einfacher Antworten und die konsequente Konzentration auf die Alltäglichkeit des Kampfes seiner Protagonistin entwickelt The Outrun eine stille, aber nachdrückliche Kraft. Besonders in den introspektiven Momenten gelingt es Saoirse Ronan, ihrer Figur eine beeindruckende Menschlichkeit zu verleihen. Die Hoffnung, die ihre Rona am Ende empfindet, mag klein sein – aber sie ist echt. Und genau darin liegt die Stärke dieses eindringlichen Porträts eines Heilungsprozesses.“ Arabella Wintermayr | taz
Credits:
GB/DE 2024, 117 Min., engl. OmU Regie: Nora Fingscheidt Kamera: Yunus Roy Imer Schnitt: Stephan Bechinger mit Saoirse Ronan, Paapa Essiedu, Stephen Dillane, Saskia Reeves, Nabil Elouahabi, Izuka Hoyle, Lauren Lyle
Die Geschichte der langsamen Annäherung zwischen zwei Außenseitern, dem eigenwilligen Lang und einem schwarzen Hund, wurde in Cannes dieses Jahr mit dem Hauptpreis in der Sektion „Un certain regard“ ausgezeichnet. Xin, der Hund, bekam zudem die begehrte „Dog-Palm“. Lang saß viele Jahre im Gefängnis, jetzt kehrt er in seinen Heimatort am Rande der Wüster Gobi zurück. Wir werden den Einzelgänger allerdings noch als völlig verschieden kennenlernen von dem, was die eigenen Vorurteile uns diktieren. Die Umgebung, in die er zurückkehrt, ist schwer von Umgestaltung betroffen, denn die bedeutet fast immer Abriss. Zwar findet die Olympiade – der Film spielt 2008 – woanders statt, aber auch in den nicht nur im räumlichen Sinn fernen glitzernden Großstädte muss jetzt „aufgeräumt“ werden. Betroffen davon sind auch die vielen streunenden Hunde. Ein Tier mit besonders schwarzem Fell entwischt den Fängern immer wieder, da wird ihm die Tollwut angedichtet und ein Preis für ihn ausgesetzt. Lang fühlt sich dem widerspenstigen Wesen verwandt und nimmt es, nicht ohne Blessuren zu erleiden, zu sich. Beide müssen nun schauen, wie es für sie weitergehen kann. Regisseur Guan Hu zählte zusammen mit u.a. Zhang Yuan, Wang Xiaoshuai, He Jianjun, Jia Zhang-Ke und Yu Le zur sogenannten 6. Generation chinesischer Filmemacher*innen, die es sich erlaubten, in ihren Filmen auch mit politischem Blick das Alltagsleben ungeschönt darzustellen. Nach mehreren Großprojekten scheint Black Dog – Weggefährten sein Schritt zurück zu den Anfängen zu sein. „Auch Black Dog setzt zwar durchaus hier und da kleine Spitzen gegen die offizielle Fortschrittsrhetorik Chinas, ist aber insgesamt kein subversiver Film. Indem er das Leid und das Freiheitsbedürfnis der Menschen auf das Leid und das Freiheitsbedürfnis der Tiere überträgt, wird beides erträglicher und universeller. Traurige Hundeaugen blicken überall auf der Welt gleich. Später tauchen außerdem noch andere Tiere auf, Tiger und Schlangen, sowie eine Bauchtänzerin, die ein Auge auf Lang wirft und dem ansonsten ziemlich männlich dominierten Film durchaus guttut. Wie man überhaupt Black Dog seine rührselige Schlagseite keineswegs zum Vorwurf machen muss. Das Kino hat nicht die Pflicht, immer gleich das Regime stürzen zu wollen. Manchmal genügt es vollauf, eine herzenswarme – und wirklich wunderschön fotografierte – Ballade von einem Mann und einem Hund zu erzählen.“ Lukas Foerster | Die Presse
Cannes 2024 – Un Certain Regard Preis
Credits:
CN 2024, 110 Min., MandarinOmU Regie: Guan Hu Kamera: Gao Weizhe mit Eddie Peng, Zhangke Jia, Jing Liang
Trailer:
BLACKDOG – WEGGEFÄHRTEN | offizieller Trailer mit Dt. Untertiteln | ab 12. Dezember im Kino
Kurz nachdem Iman zum Untersuchungsrichter am Revolutionsgericht befördert wurde, erstarkt nach Jina Mahsa Aminis Tod die Protestbewegung im Land. Während er mit dem Druck des neuen Jobs zu kämpfen hat, engagieren sich seine Töchter bei den Protesten. Seine Frau Najmeh wiederum versucht verzweifelt, die Familie zusammenzuhalten. Regisseur Mohammad Rasoulof hat viel Zeit seines Lebens in Unfreiheit verbracht, im Gefängnis, unter Hausarrest oder mit Ausreiseverbot, dazu kommt das Berufsverbot. Umso erstaunlicher ist nicht nur, dass er überhaupt noch dreht, und, dass seine Arbeiten immer direkter, gewagter wurden. Während „Iron Island“ von 2005 noch als mehrdeutige Allegorie erscheint, und „The White Meadows“ (2009) parabelhafte Fantasie ist, geht der autobiografisch geprägte „Goodbye“ (2011), schon wesentlich direkter auf die subversive staatliche Repression ein. Der Thriller „Manuscripts don‘t burn“ (2013) verklausuliert nichts mehr. Die Geschichte über die Geheimdienst-Morde an Schriftstellern hat sogar einen realen Hintergrund. In „A Man of integrity“ (2017) geht es um Korruption, der Berlinale-Gewinner „There is no Evil“ verknüpft vier persönliche Schicksale mit den politischen Gegebenheiten. Nach Verhängung einer mehrjährigen Haftstrafe und Peitschenhieben konnte Rasoulof aus dem Iran fliehen und „Die Saat des heiligen Feigenbaum“ beim Wettbewerb in Cannes persönlich vorstellen. Natürlich steht die Familie, die sich aufgrund der politischen Entwicklungen entzweit, stellvertretend für die iranische Gesellschaft, aber die Vorkommnisse sind durchaus real. ,Die Saat des heiligen Feigenbaums‘ wird Deutschland bei den Oscars vertreten. Die Jury: der Film ist das Psychogramm der auf Gewalt und Paranoia aufgebauten Theokratie des Iran. … Ein meisterhaft inszenierter und berührend gespielter Film, der Szenen findet, die bleiben. Die beiden aufbegehrenden Töchter stehen für die mutigen Frauen des Iran und ihren aufopferungsvollen Kampf gegen die Patriarchen ihrer Familien wie ihres Staates. Er ist eine herausragende Arbeit eines der großen Regisseure des Weltkinos, der in Deutschland Schutz gefunden hat vor staatlicher Willkür im Iran. Wir sind sehr froh darüber, Rasoulof sicher in unserem Land zu wissen.
Credits:
IR, DE, FR 2024, 168 Min., farsi OmU Regie: Mohammad Rasoulof Kamera: Pooyan Aghababaei Schnitt: Andrew Bird mit Missagh Zareh, Soheila Golestani, Mahsa Rostami, Setareh Maleki, Niousha Akhshi
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